Ausgabe 
6.1.1940
 
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Wichtiges von der Fleischkarte.

Auch Eisbeine und Kalbshaxen in doppelter Menge.

Oie Gaustraßensammlung - eine siegreiche Schlacht.

NSG. Zur Gaustraßenfammlung am 6. und 7. Januar 1940 kommen die verschiedenartigsten 21b« zeichen aus unserer heimischen Kunstharzindustrie zum Berkaus. Sechs bunte Haustiere (Hund und Geflügel), ein Schneemann und ein Schornstein­feger, sowie fünf Kriegswaffen (Tanks, Flieger und Schiffe) sind dieses Mal als Abzeichen ausgewählt worden. Diese vielseitigen Abzeichen werden be­stimmt zu einem allgemeinen und großen Erfolg führen. Jeder denke daran, daß auch das Kriegs- WHW. eine Schlacht ist, die siegreich geschlagen werden muß!

Platzkonzert - Platzsingen.

In Verbindung mit der Gaustraßensammlung werden am heutigen Samstag und morgigen Sonn­tag, jeweils von 15 bis 16 Uhr, unweit dem Stadt­theater Platzkonzerte stattfinden, die vün einem Musikkorps der Wchrmacht ausgeführt werden. Auch die KdF.-Singscharen, die unter ßeituna von Georg Heß zusammengestellt und ausgebildet wurden, werden durch manches Volkslied Freude zu berei­ten wissen. Die Singscharen stammen aus Watzen­born-Steinberg und aus Leihgestern. Gesungen wird an drei verschiedenen Plätzen, und zwar am Sonntag um 14.30 Uhr am Bahnhof, um 15.15 Uhr am Kreuzplatz und um 15.45 Uhr an der Stadtkirche.

Für die Sammeltätigkeit stellen sich auch dies­mal wieder zahlreiche Helfer zur Verfügung. Poli­tische Leiter, Walter und Helfer der NDV. und des KriegswinterhUfswerks, Äameraben aus dem NS.-Reichskriegerbund, aus dem NS.-Deutschen Marinebund, dem Reichsbund der Deutschen Beam­ten und dem NS.-Lehrerbund werden sich für den Erfolg der Gaustraßensammlung einsetzen. Zum Verkauf gelangen die hübschen geschnitzten Abzeichen aus den Werkstätten der Odenwälder Elfenbein­schnitzer.

BOM -Untergau 116 Gießen.

h I.-Veranskaltrmgsring.

Die nächste Veranstaltung des HJ.-Deranstal- tungsringes findet am Somttag, 14. Januar, statt. Die Karten find ab Montag, 8. Januar, auf der Verwaltungsstelle abzuholen. Dienststunden: Mond­tag, Mittwoch, Freitag von 18 bis 19 Uhr, Diens­tag und Donnerstag von 20 bis 21 Uhr, Samstag von 15.30 bis 16.30 Uhr.

DD IN.-Werk-Gruppe la/116, Sportarbeitsgemeinschafl.

Betr. Dienst im neuen Jahr. Der Dienst beginnt für alle Mädel der BDM.-Werk- ®nippe la/116 am Sonntag, 14. Januar. Wir tref­fen uns dazu pünktlich um 10 Uhr zum Sport in der Gvetheschule. Mitzubringen ist Sportzeug. Die Schaftsführerinnen bringen außerdem ihre Dienstbücher mit.

Betr. HI. -Theaterring. Die nächste Vor­stellung findet am 14. Januar statt. Die Karten müssen sofort bezahlt werden, und zwar bei Else Ludwig, Seltersweg 87. Wer dieses Mal seine Karte nicht bezahlt und abholt, wird aus dem Theater- ring gestrichen.

Die Führerin der BDM.-Werk-Gruppe ^a/116.

Liefet Fuhry, M.-Gruppenführerin.

Mädelgruppe 1/116.

Der nächste Dienst ist am Sonntag, 7. Januar 1940, um 10.30 Uhr im Uhlheim. Das Geld für die nächste Theaterringvorstellung ist mitzubringen.

Jlot eine Weihnachtsgobe an unsere Soldaten.

Die NS.-Frauenschaft Deutsches Frauenwerk im Gau Hessen-Nassau tonnte zu Weihnachten der Wehrmacht 1050 warme Decken übergeben, die flei­ßige Hände aus alten Woll- und Stoffresten mit vieler Mühe genäht hatten.

Volksgasmasken kühl und trocken lagern.

Alle Besitzer von Volksgasmasken werden daran erinnert, daß die Masken kühl und trocken gelagert werden müssen. Unter allen Umständen muß verhin­dert werden, daß die Volksgasmaske in der Nähe von Oefen liegt.

Tiere im Lustschuhraum.

NSG. Es muß darauf hingewiesen werden, daß bei Fliegeralarm Tiere nicht mit in den Luftschutz- raum genommen werden dürfen. Sie müssen in der Wohnung bleiben. Hunde müssen angebunden sein. Eine Ausnahme gibt es nur für Blinden- und Dienst- Hunde.

Im allgemeinen wird auf die Fleischkarte Fleisch nur in der auf den einzelnen Abschnitten aufae- druckten Menge abgegeben, und zwar grundsätzlich mit eingewachsenem Knochen. Bei der Abgabe von Fleisch, das handelsüblich ohne Knochen verkauft wird, wie z. B. Schnitzel, Filet, Roastbeef, Gulasch, Rouladen, ist auf Verlangen des Käufers eine Kno- chenbellage, die gesondert zu wiegen und zum Kno- chenpreis zu berechnen ist, hinzuzusuaen. Diese darf bei Schweinefleisch 20 v. H., bet Rindfleisch 25 v. H., bei Kalbfleisch 30 v. H. der auf den Kartenabschnitt oder Bezugschein abzugebenden Menge nicht über- steigen. Wird die Abgabe von knochenlosem Fleisch ohne Knochenbeilage verlangt, vermindert sich die für den einzelnen Abschnitt festgesetzte Gewichts- menge um den angegebenen Hundertsatz.

Don dieser Vorschrift gibt es einige Ausnahmen, die jetzt in der neuen, am 1. Januar 1940 in Kraft

Seit Tagen schon pilgern die Kinder ungeachtet der allgemeinen Temperatur in den Nachmittags- stunden nach der Mottke- und der Wolfstraße, um sich wieder einmal und nach so langer Zett dem Vergnügen des Schlittschuhlaufes zu widmen. Auch in diesem Jahr sind wieder viele dabei, die sich zum ersten Male auf das Eis wagen, die 5- und 6jäh- rigen, die den Bogen schnell heraushaben. Je früher die Kinder lernen, desto besser und gründlicher tun sie es. Zwar in den ersten Stunden machen sie noch keine sonderlich glückliche Figur und es muß von den älteren Geschwistern (oder gar von der Mutter) Hilfsstellung geleistet werden, aber diese erste Hilflosigkeit ist bald überwunden. Das Inter­esse der 21 etter en gilt dem Bo genlau sen und wenn es zunächst auch nicht leicht ist, so sind es doch viele, die es schon zu einiger Technik gebracht haben. In den 'Nachmittagsstunden beherrscht die Jugend die Eisfläche. Die Erwachsenen sind nur spärlich ver­treten.

Der Gießener Eisverein hat sich auch in diesem Jahre wieder lebhaft darum bemüht, eine gute Eis­bahn herzurichten. Das Eis ist gut, es ist glatt und wenn sich einmal ein Riß zeigt, dann wird er gleich wieder geflickt mit Wasser, das ja im Nu ge­friert. Eine große Eisfläche ist geräumt worden, so daß den (Eisläufe viel Bewegungsmöglichkeit gegeben ist. Für den Kunstlauf ist eine Fläche be­sonders ab getrennt, sie ist aber nur wenig in An«

Abschiedsfeier für Amtsgerichtsdirektor Mickel in Gießen

Zur Verabschiedung des mit Wirkung vorn 1. Ja­nuar 1940 nach Wiesbaden versetzten Amtsgerichts- direktors Dr. Mickel vereinigte eine schlichte Feier Beamte und Angestellte im Schöffengerichtssaal des hiesigen Amtsgerichts.

Landgerichtspräsident C o l n o t richtete nach Be- arüßung des Kreiswalters Hofmann vom Reichs­bund der Deutschen Beamten, sowie des Vertreters der Anwaltschaft, Rechtsanwalt Dr. Wämser, gleichzeitig im Namen des mitanwesenden Ober­staatsanwalts K n a u ß herzliche Abschiedsworte an den nach über 6jähriger Dienstzeit von hier schei­denden bisherigen dienstaufsichtführenden Richter des Amtsgerichts, in denen er insbesondere die mustergültige und gewissenhafte Führung der Der- waltungsgeschäfte, die von unbedingter Gerechtig­keit getragene Dienstauffassung und die erfolgreiche Tätigkeit als Richter würdigte. Die mit der lieber- nähme der Justizverwaltung durch das Reich ge­stellten hohen Anforderungen an den Leiter eines großen Amtsgerichts stellen diesen vor nicht immer leichte Aufgaben, die durch den Scheidenden mit Tatkraft, Einfühlung in die Bedürfnisse der Rechts- pflege und gleichzeitig mit tiefem Verständnis für Die Angelegenheiten der Beamten ivü> Angestellten gemeistert wurden. Landgerichtspräsident C o l n o t entbot dem Scheidenden seine besten Wünsche für seine künftige Tätigkeit in einem größeren Wir­kungskreis.

Amtsgerichtsdirektor Dr. Mickel dankte mit warmen Worten für die Abschiedsworte des Land­gerichtspräsidenten und sprach der Beamten, und Angestelltenschaft seinen Dank für die treue Mit­arbeit aus. Die Feier schloß mit dem Gruß an den Führer.

getretenen Diehmarktordnung bekanntgegeben wer­den. Hiernach sind in doppelter Menge der fest­gesetzten Gewichtsmenge abzugeben: Schweinekopfe (mit Ohr ohne Fettbacke), Eisbeine, Kalbshaxen, Ochsenmaulsalat, Rinderschwänze, Jnnereiensulze, Euter, Lungen, Brägen (Hirn), Herz, in vier­facher Menge: Fleischsalat, Schweinekammkno­chen, Konsumsülze, Speerknochen (Rückgratknochen) und Bauchrippen, die unmittelbar am Knochen aus- geschält und nicht nachgeputzt sind, Rinderkopfe, Kalbsköpfe und Schafköpfe, Spitzbeine (unmittel­bar hinter dem Dickbein oder dem Sprunggelenk abgehauen) und Schweineschwänze, Rindermark­knochen, Fleck und Schwarten.

Mischkonserven werden in Höhe der gewichts- mäßigen Fleischeinlage angerechnet. Nachgeputzte Knochen können mit Ausnahme der Rindermark­knochen ohne Abschnitte abgegebn werden.

spruch genommen, da leider eine ganze Anzahl der Kunstläufer des Gießener Eisvereins anbenpemg. in Anspruch genommen ist. Unter diesen Umständen ist es schwierig, ein regelrechtes Training durchzu­führen. Auch eine Eishockeymannschaft konnte bis­her leider nicht aufgestellt werden, obwohl gerade jetzt die Trainingsmöglichkeiten günstig wären. In den vergangenen Jahren war es meist umgekehrt: die Mannschaften waren da, aber es gab keine Trai­ningsmöglichkeit! Der stimmungsvolle Abendlauf fällt (mangels Beleuchtung) leider aus.

Für die Unterhaltung der Schlittschuhläufer hat der Eisverein in besonderer Weise gesorgt. Ein Rundfunkgerät wurde angeschafst und mit einem großen Lautsprecher verbunden, so daß geeignete Unterhaltungsmusik aller deutschen Sender auf die Eisbahn übertragen werden kann. In den ver­gangenen Tagen hörte man den kräftigen Lautspre­cher in einer Reihe der umliegenden Straßen sehr deutlich.

Für den morgigen Sonntag hat der Eisverein beschlossen, die gesamte Einnahme, die an diesem Tage erzielt wird, restlos dem Kriegs-Winterhilss- werk zur Verfügung zu stellen. Wer also" morgen die Eisbahn besucht, um Schlittschuh zu laufen, tut dabei nicht nur etwas für seine Gesundheit und für sein Vergnügen, sondern gleichzeitig ein gutes Werk. Der Eisverein hofft, daß er am Sonntag eine recht stattliche Gemeinde auf der ©isbcü)n vereinigt sieht.

Keine Kraftfahrzeugs in Scheunen stellen.

Räume, die nicht als Garagen baupolizeilich ge­nehmigt sind, dürfen nur bann zur Einstellung von Kraftfahrzeugen benutzt werden, wenn sie keine be­nutzten Feuerstätten und keine leicht entzündbaren Gegenstände enthalten (§ 46, 1b der Verordnung über Garagen- und Einstellplätze vom 16. Februar 1939). Somit ist die Einstellung von Kraftfahrzeu­gen in Scheunen, Hallen, Ställen usw., in denen Futtervorräte, Stroh, Reisig und dergleichen brand- empfindliche Gegenstände lagern, grundsätzlich ver­boten. Diese Vorschriften haben nach einer Ver­fügung des Reichsstatthalters in Hessen Landes­regierung Abteilung II (Polizei) vom 15. De­zember 1939 auch bei der Einstellung von Fahr­zeugen der Wehrmacht Anwendung zu finden. In Zweifelsfällen sind die Brandschauer einzuschalten. 3ur Brandverhütung und Erhaltung von Futter- und Lebensmittelvorräten ist die genaue Einhaltung dieser Vorschrift unbedingt erforderlich. Zuwider­handlungen werden bestraft.

Zusatz für Wöchnerinnen.

Werdende Mütter, Wöchnerinnen und stillende Mütter können, wie bisher schon, auf Grund einer durch einen Arzt oder durch eine Hebamme ausge­stellten Bescheinigung täglich einen halben Liter Vollmilch und 150 Gramm Nährmittel beziehen. Diese Bescheinigungen können jeweils für eine Zeit bis zu 8 Wochen, bei Wöchnerinnen, die nicht selbst stillen, für 6 Wochen ausgestellt werden. Die Milch­karten und die Berechtigungsscheine für Nährmittel werden gegen Vorlage der Bescheinigung auf der für den Wohnsitz zuständigen Kartensielle oder dem zuständigen Ernährungsamt ausgegeben.

©ienener IDodienmarftpreUe.

* Gießen, 6. Jan. Auf dem hutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM.,

Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier 11, Weißkraut, kg 8, Rotkraut 10, qelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 12, Aepfel 15 bis 25, Lauch, das Stück 5 bis 12 Rpf.

♦♦ Beförderungen bei der Ge nd ar« meric im Kreise Gießern Mit Wirkung vom 1. Januar wurde der Gendarmerie-Obermeister a. P. Dreyer, Gießen, zum Gendarmerie-Obermeister befördert. Die Gendarmerie - Hauptwachtmeister Klapp (Londorf- und Sauber (Laubach) wur­den mit Wirkung vom 1. Dezember zu Gendarme« rie-Meistem ernannt.

* Eine Zweiundachtzig jährige. Am morgigen Sonntag, 7. Januar, kann Frau Maria Wurm, Löwengasse 1311, bei verhältnismäßig guter Gesundheit ihren 82. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen herzlich.

* Die wehrwissenschaftlichen_ Vo r - trage der Universität Gießen, über die wir bereits berichteten, behandeln Themata, die das Vorttagsgebiet dem Hörer in vielerlei Hinsicht zu­gänglich machen. Bereits der erste Vortrag, den der Rektor der Universität, Professor Dr. Kranz, zur (Eröffnung der Vortragsreihe am kommenden Dann er sta gäbe nd über das ThemaBevölkerungs­politisches und Raffenbiologisches zum Kampf um den Neubau Europas" halten wird, verspricht den Besuchern einen sehr aufschlußreichen Abend. Die Verträge finden vor den Studierenden aller Fakul­täten, ferner vor den Angehörigen der Gliederun« gen der Partei und der Wehrmacht statt. Der Be­such der Vorttäge ist unentgeltlich.

** Anträge aus Verleihung des Deut« schen Schutzwall-Ehrenzeichens sind von den im Wehrbezirk Gießen wohnenden Wehr­pflichtigen d. B., Angestellten und Arbeitern des Heeres, die in der Zeit vom 15. Juni 1938 bis 31. März 1939 mit ihrer Formation zum Ausbau und zur Verteidigüng der Befestigungsanlagen ein­gesetzt waren, sofort beim Wehrmeldeamt Gießen einzureichen.

Landkreis Gießen.

* Reiskirchen, 6. Januar. Heute vormit­tag fuhr hier in einer scharfen Kurve Än Per­sonenkraftwagen gegen ein Haus^ (Nücklicherweise entstand nur Sachschaden.

ßitt falscher Sleuerbeamier.

100 Befrugsfätte kamen auf sein Konto.

Lpd. Mainz, 5. Jan. Das Reichsgericht hat die von dem 36 Jahre alten Florian K l u c z k a gegen das Urteil des Landgerichts Mainz vorn 13. Novem­ber v. I. eingelegte Revision als unbegründet ver­worfen. Nunmehr ist der Beschwerdeführer wegen fortgesetzten Rückfallbetrugs in Tateinheit mit schwe­rer Urkundenfälschung und wegen Amtsanmaßung rechtskräftig zu 6 Jahren Zuchthaus, 500 RM. Geldstrafe und 10 Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Darüber hinaus wird der gefährliche Gewohnheitsverbrecher nach verbüßter Freiheits- strafe in Sicherungsverwahrung genommen.

Der Angeklagte, der bereits 12 Jahre seines Le­bens in Strafanstalten zugebracht hat, hatte nach seiner letzten Strafe wieder etwa 80 bis 10 0 B e- trugsfälle begangen. Er gab sich in verschie­denen Städten als Steuerbeamter aus und kassierte mit gefälschten Quittungen in Privathaus- halten rückständige Einkommen-, Bürger- und Kir­chensteuern. Auch als Kassierer der städtischen Elek- trizitäts- und Gaswerke trat er auf. Durch fein sicheres Auftreten gelang es ihm in zahlreichen Fällen, die Wohnungsinhaber zur Hergabe des Geldes zu veranlassen.

Festnahme einer Einbrecherbande.

Bisher mehr als 20 Einbrüche nachgewiefen.

Lpd. Frankfurt a. M., 5. Januar. Die Frank- futter Kriminalpolizei konnte eine fiebenföp- fige Einbrecherbande fest nehmen, deren Mitglieder im Alter von 17 bis 20 Jahren stehen. Die gefährliche Diebesbande unternahm seit Mona­ten zahllose Raubzüge während der Verdunkelung. Bisher konnten der Bande mehr als 20 (Jin* bruchsdiebstähle nachgewiesen werden, doch ist anzunehmen, daß die weiteren Ermittlungen noch zahlreiche wettere Verbrechen aufdecken wer­den. Die jugendlichen Einbrecher begannen ihr ver­brecherisches Treiben mit dem Diebstahl von Autos, die zur Nachtzeit auf öffentlichen Straßen parkten, um damit Vergnügungsfahrten zu unternehmen. Die Autos wurden dann an irgendeiner Stelle abgestellt. Da diese Fahrten aber mit größeren Geldausgaben verbunden waren, ging man dazu über, sich durch Einbrüche das nötige Geld zu verschaffen. Mit Schußwaffen und Diebeswerkzeug wurden die ver­dunkelten Straßen der Stadt unsicher gemacht. Da­bei wurden in der Hautpsache Wirtschaften, Ge-

Eislaufsonntag für das Kriegs-Winterhilsswerk.

Eichelhäher.

Don Hans Brandenburg.

Don den Rabenvögeln, die unsere Winterland­schaft beleben, sind die bekanntesten die Krähe und y der Häher. Schon der verwandte Klang der beiden Namen drückt ein Winterliches, Oedes, unwirtliches, Heiseres aus der eine mehr ein Krächzen, der andere mehr ein Hauchen und Hallen. Auch die Krähe nistet und ruht in Bäumen, auch der Häher fliegt über Feld, allerdings nur einzeln; dennoch gehören Sttmme und Gestatt der einen vornehmlich zum verschneiten Felde, die des andern zum win­terlichen Walde. Bei uns in Oberbayern wohnt nicht die graue Nebelkrähe, sondern nur ine schwarze Rabenkrähe, und gerade dies Schwarz schreibt als düsterer Gegensatz sein beredtes Zeichen auf die weiße Fläche. Bunt dagegen ist der überall behei­matete Eichelhäher, mit einem kupfrigen und mein« farbenen Schmelz im grauen Gefieder, mit schwär- zen und weißen Flecken und Streifen an Kehle und Flügeln und mit einem quergebänderten blauen Schild. Wenn eines dieser himmelblauen Seiten- federchen morgens auf dem Schnee liegt, so ist das eine Spur des Kampfes, in welchem dieser Nest- vernichter und Schlangentöter, von nächtlichem Raubgesindel angegriffen, Haare lassen mußte.

Er ahmt alle (stimmen nach, aber das mag im stummen Winterwalde nur die des Bussards sein, der bei uns überwintert. Sonst ist es sein gewöhn­liches Kreischen und Ratschen, das sichernd und war­nend den Waldrand aufbricht, und schon grub sich frisch die Flucht von Hasen und Rehen in den weichen Teppich.

Uederall in den Eichen und Buchen, doch auch in Tannen und Fichten regen und tummeln sich diese zugleich dicken und flinken, unermüdlichen und unersättlichen Gesellen, überall im Schutz von Bäu­men, auf und unter den Zweigen, denn nur dort können sie ihr emsiges Leben entfalten, nicht in ihrem plumpen Flug. Und von ihrem rauhen und

einsamen Kältelchrei aufgewiegelt, stäuben und flir­ren Schnee- und Reifgespinste unter dem schwingen- schweren Spiel dieser bunten Raben. Auch in die Gärten bringen sie und in die Futterhäuschen der Singvögel, wo sie Finken und Meisen vertreiben und groß und alleinherrschend auf den Brettchen und unter den Dächlein sitzen. Wenn Bäume sie beschirmen, kommen sie bis an die Häuser, oft in ganzen Trupps, solange der Frühling sie nickst paart. Und man kann sie vom Fenster aus beobacy- ten, die prallen und gewitzten Vögel, die schwarzen Schnäbel, die Krallenzehen, die Perlaugen und die runden Köpfe, über die das Gefieder wie eine Haube hängt.

Lebenskrisen.

Don Wilhelm Michel.

Es gibt Anekdoten, die bloß auf einen Wort­witz hin aus laufen, und es gibt andre, die blitzartig große, wichtige Zusammenhänge erhellen.

Ein Tierfreund" so erzählt ein neues Buch des Arztes und Lebens Philosophen Hans Künkel wurde von einem Seidenraupenzüchter zu Gast geladen. Der Züchter führte ihn an die Kästen, in denen seine Raupen sich verspannen, und wies chm auch einen Kokon, aus dem ein Schmetterling mit äußerster Anstrengung sich gerade befreien wollte. Den Tierfreund faßte Mitleid, er ergriff eine Nadel und half dem werdenden Schmetterling aus der Umhüllung. Triumphierend blickte er Sen gefühl­losen Züchter an.Sie wollten dem Tier helfen und haben es wahrscheinlich vernichtet", sagte der. Es braucht die Kämpfe und die Qualen des Her­ausarbeitens, denn gerade sie geben ihm erst die Kraft, die Flügel zu entfalten

Daß diese kleine Geschichte eine Lehre enthält, wird wohl jedermann sofort bemerken. Aber diese Lehre be­steht nicht in der alten Wahrheit, daß es eine schlechte Art von Mitleid und Hilfe ist, dem Bedrängten bloß eine Eselsbrücke zu bauen. Vielmehr liegt das

Entscheidende unsrer Anekdote in der- besonderen Art der gegebenen Notlage: Es ist eine ßebensfrife aus dem Tierreich, welche sie uns vor Augen stellt; eine Krise, die entsteht beim llebergang von einer alten Lebensform zu einer neuen.

Diese Lebenskrisen gibt es auch beim Menschen. Sie ereignen sich, io oft er den Schritt von einer Lebensstufe zur andern zu vollziehen hat. Er muß den Schritt von der Kindheit zum Jugendatter tun, dann von diesem zur Mannesform, und weiter­hin muß er eine Krise des Altwerdens durchmachen, um schließlich in die bleibendere Gestalt des Grei­sentums einzutreten; und auch dieses bleibt nicht von weiteren Umbrüchen,Pubertäten", verschont.

Nichts kann natürlicher und organisch notwen­diger sein als diese llebergange. Das Merkwürdige an ihnen und das vom Menschen immer wie­der Gefürchtete, Geflohene und Unverstandene ist aber das, daß sie sich fast regelmäßig als ge­waltsame Umwälzungen vollziehen und von Stö- runaen, Mühseligkeiten, Zusammenbrüchen beglei­tet sind, nicht selten sogar von ausgesprochen krank­haften Zuständen. In ihrer Gesamtreihe stellen diese Uebergänge eine geschlossene, wachstümlicheEnt­wicklung" dar; aber jeder einzelne von ihnen ge­schieht nur als realer Kamps, als schweres Ringen, als bitterer Verzicht. Was muß das Kind alles zurücklassen, wenn es durch die Pubertät ins Jugenbalter tritt! Wie schwer müht es sich oft aus der gewohnten Hege und aus der ihm zugehörigen mythischen Welt in bas neue, selbständigere Dasein hinaus! Und gar der Mann um die Wende des sechzigsten Lebensjahres! Der Körper zeigt ihm, daß die Kraftreserven, auf die bisher unbesorgt zurück- gegriffen werden konnte, zur Neige gehen. Freund- schäften haben ihn enttäuscht, Beruf und wirkende Tätigkeit überhaupt stehen dürftig vor seinem nüch- lernen Blick, die Grenzen eines Charakters und seiner Fähigkeiten werden ihm auf mißliche Weise klar, die Verzauberungen der Liebe rühren ihn nicht mehr an; die Lebensbilanz wird nach allen Seiten hin negativ.

Ist aber dann der Durchbruch vollzogen, so zeigt sich etwas, das seit grauen Zeiten eine große Ueberraschung der Menschenseele war und es blei­ben nstrd bis ans Ende der Tage. Es zeigt sich, daß die Leiden des Uebergangs nicht eine lästige Zutat oder ein persönliches Mißgeschick waren, son­dern die einzig zweckentsprechende Zubereitung für die neuen Seinsweise; daß das neue Leben nicht trotz dieser Leiden gekommen ist, sondern durch sie; daß auf gar keine andere Art die Weite und Schön­heit der neuen Lebensschwingung, der Eintritt in ihre herrliche, großartige Wertwelt zu gewinnen war als durch das, was als Verlust und Abschied, als Depression und äußere Anfeindung durchge- kämpft werden mußte. Unser Beispiel aus der Bio­graphie der Seidenraupe sagt es mit unübertreff­licher Innigkeit: Der Schmetterling müht sich in schwerem Ringen aus der toten Strukturschlacke der Puppe heraus, und das Beiseiteschieben all dieses trockenen, starren, strohernen Materials scheint der einzige Zweck dieses Ringers zu sein. Aber eine Weisheit, die höher ist als die des Schmetterlings und auch höher als die des Tier- fr eunbes, wie wir gesehen haben hat dem Rin­gen als wichtigeren Zweck jene Kraftentfaltung ge- sttzl, die dem Tier erst die freie Verfügung über das wunderbare Organ des neuen Zustandes, die Flügel, veifchaftt.

Diese Einsicht ist fähig, in das Bewußtsein des Menschen einzugehen als eine mächtige zusätzliche Lebenshilfe. Wo ihm auf seinem Lebenswege in­nere und äußere Schwierigkeiten einer bestimmten, grundsätzlichen Art begegnen, wo diese Schwierig­keiten sich häufig und hartnäckig wiederholen, da können sie chm eines Tages durchhelfen zu einem höheren Bewußtsein, das sich tapfer zusammenrafft in dem Entschluß: Nicht steckenbleiben in einem Bejammern der Nöte! Und nicht Hilfe suchen in Methoden eines geschicktenAusbügelns" der Schwierigkeiten oder gar der Betäubung! Sondern sie durchkämpfen in der Richtung auf das größere, schönere Leben, das hinter ihnen märtet und das nur durch sie erreichbar ist!