Ausgabe 
5.12.1940
 
Einzelbild herunterladen

XX

eihnachtswünsche aus dem Felde.

PK. Wieder i-ft, wie im Vorjahr, die Zeit ge­kommen, da in Den Briefen, die aus der Heimat an die Soli)ölen im Felde wandern, die Frage Und was wünschst du dir denn engentlich zu Weih> nachten?" immer breiteren Raum ein nimmt. Man wir) nicht erwarten, daß hier der Versuch einer Antwort auf diese Frage gemacht werden soll, denn Weihnachtswünsche sind etwas ganz Persönliches und so verschieden und verschiedenartig, wie die Menschen nun einmal verschieden sind. Dennoch gibt es über die persönlichen Wünsche des einzelnen hinaus solche allgemeiner Natur, die wir Soldaten alle haben, und von denen soll hier die Rede sein. Denn ein Teil dieser Wünsche negativer Art zu sein scheint, sind es dennoch Wünsche, die berücksich- tial werden möchten, und im übrigen wird man ja sehen, es scheint mir so, was das Negative daran betrifft.

Also da haben wir an unsere Lieben in der Hei­mat einmal den Wunsch: kaust und vor allem schickt uns nichts heraus ins Feld, was wir hier nicht brauchen können und was uns womöglich mir belastet. Ein Beispiel: Ein Ka­merad, der zu Weihnachten des Vorjahres in einem Westwallbunker lag, erhielt gerade zurecht zum Weihnachtsabend von seiner jungen Frau daheim ein Paket, und als er's öffnete, lagen darin ein hal­bes Dutzend wunderschöne und natürlich funkel­nagelneue Seidenpyjamas. Seidenpyjamas im West­wallbunker! Das junge Frauchen hatte natürlich keine Ahnung oder zumindest nicht soweit gedacht, daß man in einem Bunker, wo man speziell in der Nacht jederzeit alarmbereit zu sein hat, nicht in Pyjamas schlafengehen kann. Das Hallo der übri­gen Kameraden beim Anblick dieses Geschenkes kann man sich vorstellen, der davon Betroffene nahm überdies die Sache nicht, wie's wohl am besten ge­wesen wäre, von der heiteren Seite, sondern schrieb seiner lieben Frau, die es ja nur gut gemeint hatte, etwas vonUnsinn" undGedankenlosigkeit" heim und das Ende war dann überdies noch ein kleiner Ehekrach anstatt der Freude, die beabsichtigt war. Aehnliche Fälle können immer wieder vorkommen, darum, ihr daheim, bedenkt: Nichts Unnötiges schicken, vor allem nichts, was unser Gepäck be­lastet, das immer in Grenzen bleiben muß, die uns jederzeit aufbruch- und einsatzbereit lassen!

Ein zweiter, wieder scheinbar negativer Wunsch: Schickt uns keine leicht verderblichen Le­tz e n s m i 11 e L Weil es einfach schade wäre darum! Was ist damit getan, wenn daheimabgestochen" wurde und chr dem Vater ins Feld ein herrliches, fünf Kilo schweres Stück Braten schickt und das Fleisch hier schon mit dem gewissen Geruch an- kommt, der es als ungenießbar geworden kennzeichnet. Kann höchstens passieren, daß der Va­ter es nun trotzdem zumindest kostet und dann krank wird. Sehr lustig war's auch, als ich selber zu Ostern des vorigen Jahres, ebenfalls an Den Westwall, Wäsche von daheim nachgeschickt bekam, der eine ganze Menge hausgemachte Keks beige­packt waren, die sich schon bei Entgeaennahme des Paketes als aus allen Schachtelecken rieselnder B r ö s e l s a n d bemerkbar machten, der sich derart in die Wäschestücke eingenistet hatte, daß es un­möglich war, ein Hemd davon anzuziehen, bzw. an­zubehalten, weil das ganz elendig juckte und kratzte. Es blieb nichts übrig, als die Wäsche neu zu waschen. Also keine verderblichen Lebensmittel schicken, denn bei dem gewaltigen Weihnachtsver­kehr, den die Feldpost zu bewältigen hat, können immer Verzögerungen eintreten, es können solche auch durch Truppenverschiebungen bedingt sein, es wäre um die Sachen schade, uiÄ wir wollen nichts unnötig verschwenden!

Ein dritter Wunsch: haltet die Richtlinien der Feldpost für Weihnachts- und Neuiahrssendun- gen genau ein. Damit helft chr Verzögerungen ver­meiden und nützt uns. Wir, die wir Weihnachten im Felde verbringen müssen, haben bestimmt grö­ßere Freude, wenn dann ein liebes schlichtes Brchf- lein pünktlich ankommt als ein noch so gut ge­meintes Paket verspätet. Denn wir Soldaten sind bescheiden und wollen in jeder Beziehung Soldaten fein. Wir bemühen uns, euch daheim, wenn mög­lich, eine Freude zu machen, unsere größte Freude aber ist es, wenn wir wissen, daß ihr daheim in unserer Abwesenheit bas Fest schön begeht. Laßt es euch wohl gehen, aber kauft nichts Un­nötiges, sondern legt überschüssiges Geld lieber in die Sparkasse. Damit helft ihr mit, den Krieg zu gewinnen, und nachher werden wir das Geld gut gebrauchen können.

Kriegsberichter Hanns Anderle.

Aus -em Reich.

Steu»rabzüse bei W?ihnachtszuwendung-n.

Der Reichsfinanzminister hat verfügt, daß Zu­wendungen eines Arbeitgebers an feine Arbeitneh­mer aus Anlaß des-' Weihnachtsfestes als steuer­pflichtiger Arbeitslohn zu gelten haben und zur Steuer heranzuziehen find. Jedoch bleiben die Weihnachtsgeschenke für den Kriegszuschlag zur Einkommensteuer außer Betracht, soweit sie im Ein- 5 elf all den Betrag des vor dem 1. November 1940 Metzt gezahlten Monatslohnes (vierfachen Wochen­lohnes) nicht übersteigen. Weihnachtsgeschenke des Arbeitgebers an seine zur Wehrmacht oder zu ähn­lichen Dienstleistungen einberufenen Arbeitnehmer bleiben für die Einkommensteuer (Lohnsteuer) und für den Kriegszuschlag zur Einkommensteuer außer Betracht, soweit sie im Einzelfall den Betrag des vor der Einberufung zuletzt gezahlten Monats­lohnes (vierfachen Wochenlohnes) nicht übersteigen.

Landwirtschaftliche Maschinen zur Reparatur melden.

Die Kriegsverhältnisse bedingen in verstärktem Maße den Einsatz von Maschinen und Geräten in der Landwirtschaft. Bis zum Beginn des nächsten Wirtschaftsjahres muß für eine rechtzeitige und fach­männische Instandsetzung gesorgt werden. Um den Werkstätten rechtzeitig einen Üeberblick über den zu erwartenden Arbeitsanfall und datnit die Möglichkeit der fristgerechten Bewältigung der Ar­beit zu geben, müssen sämtliche Aufträge für die Instandsetzung von Maschinen und Geräten bei den zuständigen Werkstätten bis zum 15. Januar in Auftrag gegeben werden. Die Anlieferung für die Instandsetzung hat nach entsprechendem Ab­ruf durch die Werkstättenleitung zu erfolgen.

Neben dem pflichtjahr keine Kurse.

Bei Durchführung des Pflichtjahres haben sich Unzuträglichkeiten dadurch ergeben, daß Pflichtja.hr- mädchen neben ihrer. P'lichtjahrtätigkeit Kurse in Kurzschrift und Maschinenschreiben usw. besuchen. Wie der Reichsarbeitsminister sest- stellt, werden die Mädchen hierdurch an ihrem vol­len Einsatz im Pflichtjahr gehindert. Außerdem wird ihre Aufmerksamkeit von der Hauswirtschaft ober Lanbwirtschaft abgelenkt. Da ber Besuch kaufmän­nischer Kurse während des Pflichtjahres dem Sinn des Pflichtjahres nicht ent­spricht, ist denjenigen Mädchen, die künftig neben ihrer Pflichtiahrtätigkeit kaufmännische Kurse besuchen, die Bescheinigung der Ableistung des Pflichtjahres im Arbeitsbuch zu versagen.

Anliegerb-iträoe ti~6 preisstop.

Der Reichsarbeitsminister hat die Behörden er­sucht, alle Anträge auf Bestätigung von Satzungen oder Gemeindebeschlüssen, durch die Anlieger- bet träge neu eingeführt oder zu ungun- sten der Anlieger geändert werden, ihm vorzu­legen. Das gleiche gilt auch von den sonstigen im Hinblick auf die S t r a ß e n h e r st e l l u n g erho­benen Leistungen, also vor allem von den Sicher­heitsleistungen für die künftigen Anliegerlasten. Auch die Errichtung von Plla st erlassen und die Aenderung von Pflalterkafsenverträgen zu un- punften der Anlieger bedarf der Zustimmung des Ministers.

Stiegele^e Wohnunqsbauten werden weitergeführt.

Um Schäden zu vermeiden, die aus einem Ueber- winteru st llgelegier Wohnungsbauten im unfertigen Zustand entstehen können, sind die Gebietsbeauftrag­ten für die Bauwirtschaft ermächtigt, auf Antrag die Weiterführung stillgelegter Wohnungsbauten zu genehmigen, wenn sonst volkswirtschaftlich nicht vertretbare Schäden zu erwarten sind und daß ohne Beeinträchtigung ber kriegswichtigen Bauten ge­nügen!) Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

»Deutsches Kraftfleisch.^

Das Verbot der Herstellung von Fleisch und Fleischwaren in luftdichtabgeschlossenen Behältnis­sen mit Ausnahme von Blut- und Leberwurstkon­serven in Schwarzblechdosen tjat jetzt eine Aende­rung erfahren. Während die Herstellung von Auf­

schnittwaren aus gekochtem und gebratenem Fleisch verboten war, kann jetzt deutsches Kraftfleisch her­gestellt werden. Die Herstellung darf allerdings nicht in Weiß- ober Schwarzblechdosen erfolgen. Damit kommt praktisch nur die Fertigstellung i n offenen K ä st e n Oberin Därmen in Frage. Unter beutschem Kraftfleisch versteht man bas früher unter der Bezeichnung Corned b e e f in den Ver­kehr gebrachte Rinderkraftsleisch.

Aus aller Wett.

Wer Geld zurückhält, ma cbt sich strafbar

Lpd. Frankfurt a, M., 4. Dez. Das Sonder­gericht verurteilte ein Ehepaar an Stelle verwirk­ter Gefängnisstrafen von je.20 Tagen zu je 100 RM. Geldstrafe. Die Eheleute chielten einen Bar­gelbbetrag von 9000 RM. zurück, den sie bei sich zu Hause aufbewahrten, statt ihn einer Bank ober Kasse zur Verfügung zu stellen. Die Angeschulbigten trugen sich, wie sie behaupteten, mit bem Plan, ein Häuschen zu errichten unb behielten bas Geld um es gleich greifbar zu haben unb je bereit zählen zu können. Diese Einlassung fanb beim Gericht jedoch keinen Glauben.

Wegen Unterhaltsbetrugs ins Gefängnis.

LPD. M a i n z, 2. Dez. Das Fürsorgeamt Mainz hat eine 32jährige ^rau zur Anzeige gebracht, die widerrechtlich Unterhaltsgelder be­zogen hat. Im Januar d. I. war ihr Mann aus dem Heeresdienst entlassen worden, die Frau mel­dete dies aber nicht, sondern bezog bis zum Juni die Unterhaltsgelder von insgesamt 813 RM. 'wei­ter, obwohl der Mann in Arbeit stand. Das Amts­gericht fprach eine Gefängnisstrafe von einemJayr aus, da in diesem Falle eine emp­findliche Strafe verhängt werden müsse, um die All­gemeinheit vor so gewissenlosen Schädigungen zu bewahren.

Gewohnheitsverbrecher wegen Widerstandes erschossen.

Der Reichsführer ff und Chef ber deutschen Po­lizei teilt mit: Arn 3.12.1940 würben die Gewohn­heitsverbrecher Hans F i n o f f und Peter E n g e ls wegen Widerstandes erschossen. Finoff, bereits zwölfmal vorbestraft, lebte ausschließlich von dem Erlös seiner Verbrechen. Engels war auf bem Wege, sich zu einem befonbers gefährlichen Gewaltver­brecher zu entwickeln. Beibe haben zuletzt unter Aus­nutzung eines Fliegeralarmes einen schweren Ein­bruch begangen.

Schweres Augzeugunglück in Ehlcags.

In unmittelbarer Nähe des Flughafens ber Stabt Ehikago stürzte ein Passagierflug­zeug der United Air Lines ab. Mindestens sie­ben von den vermutlich 13 Insassen wurden dabei getötet. Das Flugzeug, das aus Neuyork kam und anscheinend beim Ansetzen zur Landung vev- unglücfte, wurde völlig zertrümmert.

Schwere Eisenbahnkalastrophe in Spanten.

Dienstagmorgen zwischen 4 und 5 Uhr stießen bei Diella del Ebro die Expreßzüge aus Madrid und-Barcelona zusammen. Die Ge­walt des Zusammenstoßes war so groß, daß die beiden Lokomotiven sich ineinanderbohrten. Mehrere Wagen wurden zerstört. Bis jetzt zählt man 53 Tote und über 60 Verwundete. Dem Madrider Expreßzug war auf der Station vor Diella durch ein Versehen die Fahrt freigegeben worden. Das Haltesignal des Bahnwärters konnte den Zua nicht mehr zum Stehen bringen, obgleich der Maschinist noch die Bremsen zog. Der Zug aus Barcelona fuhr mit großer Geschwindigkeit, um eine halbstündige Verspätung aufzuholen. So er­folgte der Zusammenprall mit aller Wucht. Ein Schlafwagen schob sich über den Gepäckwagen, ein Wagen 3. Klasse stürzte um unb ein weiterer stürzte aus zwei Meter Höhe die Böschung hinab unb ging in Trümmer. Die beiben Lokomotiven unb ein Tender schoben sich ineinander.