Ausgabe 
5.8.1940
 
Einzelbild herunterladen

Montag.5.August MO

vormittags

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,UbrdesV.

Anzeigen-Preise:

Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite

Nachlässe:

Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel 8 Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25% mehr

General-Anzeiger für Oberhessen Siehen, Schulstratze 7-9

Erscheint täglich, nutzer Sonntags und feiertags Beilagen: DieIllustrierte Gießener Familienblätter Heimat tmBild-DieScholle Mouats-Bezugsvreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Fernsvrechanschlutz 2251 Vruck und Verlag:

brühlsche Unioerfitätsöruderei K. £angt

tyo. Jahrgang Nr. 183 jwy 9 ' W & 1

Gietzener Anzeiger

Aufbauziele in

Von unserem v.

Belgrad, August 1940.

Immer mehr macht sich in Jugoslawien der Hunger nach Boden bemerkbar. Das starke Anwachsen der Bevölkerung erzeugt einen jährlichen Ueberschuß an Arbeitskraft, für die keine Arbeits­plätze zu finden sind. Der landwirtschaftliche Boden wird von Jahr zu Jahr dichter besetzt und kann nicht mehr alle Mitbesitzer ernähren. Zwei Mög­lichkeiten bestehen, Hilfe zu schaffen: Entweder eine intensivere Bearbeitung des Bodens und Umstellung der Landwirtschaft oder Schaffung von neuem land­wirtschaftlichem Boden. In der ersten Richtung gehen schon seit Jahren die Bemühungen, doch ist oieser Weg sehr langwierig, weil der Bauer konser­vativ und von Natur aus zurückhaltend ist. Deshalb ziehen leitende Kreise auch die zweite Möglichkeit ernsthaft in Erwägung. Nach Berechnungen jugo­slawischer Fachleute gibt es in Jugoslawien rund 600 000 Hektar sumpfigen Bodens, der durch Ent­wässerungsarbeiten zu landwirtschaftlich nutzbarem Boden gemacht werden könnte. Ebenso groß ist die Bodenfläche in wasserarmen Gebieten, die durch ein Bewässerungssystem gleichfalls landwirtschaft­lich nutzbar gemacht werden könnte. Die Entwässe­rung von rund 300 000 Hektar Sumpfgebiet würde Investitionen von 1,5 Milliarden Dinar erfordern. Durch die landwirtschaftliche Ausnützung dieses Bodens würde sich aber der Ertrag der Landwirt­schaft um 450 bis 500 Millionen jährlich erhöhen, so daß der Mehrertrag von drei bis vier Jahren die Investitionen für die Meliorisierung schon decken würde. Die Nutzbarmachung einer Bodenfläche in diesem Umfange würde einen jährlichen Export­überschuß von rund 30 000 Waggon Weizen er­geben, eine Menge, die gerade notwendig ist, um neben der vollen Ernährung der Bevölkerung Jugo­slawiens eine stabile Ausfuhr von Weizen zu sichern. Denn jetzt wird oft die Ausfuhr ermöglicht nur zu Lasten der Volksernährung. Die Durchfüy- rung solcher Meliorationsarbeiten ist eine Ausgabe, deren Notwendigkeit von Jahr zu Jahr offenkun­diger wird. Es stellt sich nur die Frage, wie Jugo­slawien die notwendigen 1,5 Milliarden Dinar für die Durchführung dieser Arbeiten aufbringen kann. In diesem Zusammenhang werden in wirtschaft­lichen Kreisen immer mehr Stimmen laut, die von der Notwendigkeit einer inneren Anleihe sprechen.

In jugoslawischen Kreisen wird immer wieder die Notwendigkeit umfassender innerer Refor­men in Jugoslawien unterstrichen. Diese Reformen sollen in zwei Richtungen erfolgen: politisch und sozial. Die politischen Reformen beziehen sich in erster Linie auf den definitiven Ausbau Jugosla­wiens zum Bundes st aat. Diese Entwicklung begann mit der Bildung des autonomen Kroatiens im August vorigen Jahres. Sie wurde durch die außenpolitischen Ereignisse jäh unterbrochen. Jetzt, da sich die außenpolitischen Verhältnisse zu klären beginnen, wird man mit dem politischen Umbau des Staates fortfahren müssen, da der heutige Zu­stand nur ein Provisorium darstellt. Man wird an die Organisätion eines autonomen slowenischen und serbischen Bundesstaates herantreten müssen, wobei noch die.Frage bereinigt werden muß, ob man in den stark vermischten serbisch-kroatisch-mohammeda­nischen» Gebieten, wie Bosnien, nicht einen vierten gemischten Bundesstaat schäften soll.

Natürlich wird diese politische Neueinteilung des Staates auch verschiedene wirtschaftliche und finan­zielle Aenderungen nach sich ziehen müssen, aber wahrscheinlich auch innerpolitische in der Struktur der Bundesstaaten, mit Rücksicht auf die politischen Ideen, die heute in Europa siegreich sind. Ueber die Notwendigkeit einer neuen sozialen Ordnung in Jugoslawien sprach der jugoslawische Minister­präsident Dragjscha Zwetkowitsch in einer Rede vor Vertretern der von ihm gegründeten jugoslawischen Arbeitersyndikate, genannt .Lugoras". In der ita­lienischen Presse wird dieser Rede große Bedeutung zugeschrieben als Ankündigung der Absicht führen­der Kreise, in Jugoslawien eine Art korporativen Systems zu schäften. Zwetkowiftch hob hervor, daß alle alten volkswirftchaftlichen Theorien Bankerott erlitten hätten. An ihre Stelle seien die Dolks- disziplin und die straffe Organisation der nationalen produktiven Kraft getreten. Die Zeiten geböten, daß auch in Jugoslawien die Ansichten über Kapital und Arbeit zu Gunsten des arbeitenden Volkes revidiert würden. Die nationalen konstruktiven und verteidigungsfähigen Kräfte feien bei den jüngsten Weltereignissen in jenen Ländern zum vollen Aus­druck gekommen, in denen Disziplin herrsche, die Zusammenarbeit zwischen Kapital und Arbeit auf gerechte Grundlagen gestellt und keine grobe Aus­beutung der Arbeitskraft möglich sei, die Länder, in denen ein einheitlicher Wille von oben gerecht die Art und Richtung dieser Zusammenarbeit be­stimme und wo es kein Feilschen gebe darüber, wie und wieviel gearbeitet werden solle. Das Kapital müsse gestutzt werden im Interesse des arbeitenden Volkes, die Verteilung der Güter müßte gerechter, alle Schärfen müßten abgefeilt werden. In jeder Richtung ergebe sich die Notwendigkeit einer sozia­len Nivellierung, denn die nationale Wirtschaft müsse vor allem dem Volke und dem Staate dienen. Dieses Programm werde langsam und allmählich durchgeführt. Bald würden in Jugoslawien Refor­men kommen, in denen diese Gedanken in den Hauptlinien zum Ausdruck gelangten. Jugoslawien müsse den* Weg großer Staaten betreten, die von Grund aus die Physiognomie ihrer sozialen Struk­tur geändert haben.

Zu den weiteren Aufbauzielen Jugoslawiens ist auch die Anpassung an die Neuordnung Europas zu rechnen. In politischen Kreisen Belgrads ist man angesichts der neuen Sachlage der Meinung, daß sich auch der Balkan und die Donauländer in ge­wissem Sinne der kommenden Neuordnung in Eu­ropa anpassen müßten. Die ersten Anzeichen dieser Bewegung machen sich bereits bemerkbar. In Un­garn und Bulgarien sind in der letzten Zeit natio- nallstische Elemente aktiver geworden. In Rumä-

Jugoslawien.

M.-Korrespondenien.

nien setzte eine innere Umschichtung ein, und man sagt sich in Belgrad, auch in Jugoslawien müsse die innere Umformung, die mit der Bildung des Bundeslandes Kroatien begonnen hat, fortgesetzt werden. Man ist der Ansicht, daß alle diese Revi­sionen und Umformungen auf friedlichem Wege durchgeführt werden können. Jugoslawien sei, gerade so wie alle anderen Staaten des Süd­ostens, bereit, an der Neuordnung in Europa mit­zuarbeiten und der friedlichen Zusammenarbeit von Europa notwendige Opfer zu bringen. In diesem Sinne wurde schon seit Jahren die jugoslawische Außenpolitik gelenkt. Die Bestrebungen Jugosla­wiens, mit allen Nachbarn, und vor allem mit Deutschland und Italien, Freundschaften zu schaffen

Neuyork, 5. Aug. (Europapreß.) Der eng­lische Korrespondent derNew Jork Times" be­richtet aus einem ungenannten Kanalhafen über die unheimliche Regelmäßigkeit der deutschen Luftangriffe, deren Schrecken be­reits die halbe Bevölkerung der Stadt veranlaßt hätten, auszuziehen. Täglich fielen die Bom­ben herab, erklärt der Korrespondent. Welle auf Welle erscheinen die deutschen Flugzeuge von mittags bis abends. Der Korrespondent weist dar­auf hin, daß es den deutschen Piloten nach der Eroberung der Festlandsküste möglich ist, schon wenige Minuten nach dem Start ihre Bomben über dem englischen Angriffsziel fallen zu lassen. Der Korrespondent beschreibt, daß die deutschen Flieger in kleinen Gruppen von einer Wolke in die andere tauchten und nach allen Rich­tungen kreuzend ein unheimliches Trom­melfeuer von Bomben längs der gesamten Küste niedergehen ließen. Sämtliche kleinen Kanal­häfen seien unter diesem tödlichen Zerstörungsregen mehr oder weniger in Ruinen gelegt. Stundenlange Massenangriffe auf Konvois im Kanal seien keine Seltenheit".

Englands Blockade.

Neuyork, 4. Aug. (Europapreß.) Die von Tag zu Tag sich verschärfenden Sparmaßnahmen auf jedem Gebiet des öffentlichen Lebens in England infolge der deutschen Blockade sind eines der Haupt­themen der England-Berichte der Neuyorker Blätter. Die ZeitungSun" schildert, wie die deutsche Blockade dazu geführt habe, daß in London sämt­liche Schaufenster, Hauswände, Bahnhöfe mit Pla­katen überschwemmt sind, auf denen der Bevölke­rung Parolen wie:Pflanzt jetzt Karotten und Spina t",Vermeide Verschwendung", Führe Krieg in der Küche" entgegen­gerufen werden. Der sich immer mehr verschärfende

Stockholm, 4. Aug. (Europapreß.) Zum ersten Male seit dem Ende des Weltkrieges sieht sich Eng­land am Montag, dem 5. August, gezwungen, den üblichen Bankfeiertag nicht abzuhalten. Seit vielen Jahren war in England der erste Montag im August ein Bankfeiertag; sämtliche Geschäfte und Unternehmungen stellten an diesem Tage ihre Ar­beit ein. In diesem Jahre ist das jedoch nicht mög­lich, weil der augenblickliche Kriegszustand das nicht zulaßt. Am Vortag des Bankfeiertages, am Sonn­tag, war London im Vergleich zu früher men­schenleer. In einigen Parks fanden Militär­konzerte statt. Jedoch waren die meisten Besucher keine erholungsuchenden Zivilisten, sondern Solda­ten, die jetzt zu Tausenden in großen Zelten in den verschiedenen Parks untergebracht sind, weil man keine Kasernen für die Eingezogenen hat. Die weni­gen Zivilisten, die in die Stadt zurückgekommen waren, taten dies nicht, um den Konzerten beizu­wohnen, sondern um in ihren alten Stadtwohnun­gen nach dem Rechten zu sehen. Seit Monaten woh­nen Hunderttausende von Londonern in den Graf­schaften nördlich und westlich der Hauptstadt, weil sie einen Angriff auf London befürchten. Viele von ihnen benutzen denersten Kriegs-Bankfeiertag", um Dinge in der Hauptstadt zu erledigen, zu denen sie bisher nicht gekommen sind.

Die Flucht aus London hat einen besonders gro­ßen Umfang angenommen, seit dem das Luftfahrt- Ministerium fast täglich melden muß, daß deutsche Luftangriffe gegen militärische Ziele in der Themse-Mündung erfolgten. Nicht selten ist es vorgekommen, daß man in London das Explo­dieren der Bomben hörte. Die Themse-Ufer, früher ein beliebtes Ausflugsziel Hunderttausender, liegen ebenfalls verlassen da. Jeder private Motor- und Segelsport auf der Themse ist verboten. Sogar seit Jahrzehnten gültige Angelerlaubnisse wurden von einem eigens zum Schutz der Themse eingesetzten Ausschuß für ungültig erklärt, weil man von den Anglern Sabotageakte befürchtete. Sämt­liche Brücken über den Unterlauf der Themse werden Tag und Nacht bewacht, zumal wäh­rend diesesFerien-Wochenends". Im vergangenen Jahr unternahmen Angehörige der Ira, der Iri­schen Republikanischen Armee, in den frühen Mor­genstunden des Bankfeiertages einen Bombenan-

und zu fertigen, stellten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Friedens in Südosteuropa dar. In der Verfolgung dieser politischen Linie habe Jugoslawien nun auch die diplomatischen Bezie­hungen zu Sowjetrußland wieder hergestellt. Des­halb lasse sich Jugoslawien auch nicht beirren, son­dern setze ruhig und vertrauensvoll seine Aufbau- potittk fort.

Rumänien leitet Besprechungen mit Bulgarien ein.

Belgrad, 4. Aug. (Europapreß.) Der rumä­nische Gesandte in Belgrad, Cadere, ist in der Nacht zum Samstag nach Sofia abgereist, um als Be­auftragter der rumänischen Regierung mit der bul­garischen Regierung Vorbesprechungen zu führen über den von dem rumänischen Außenminister be­reits angekündigten Bevölkerungsaus­tausch in der D o b r u d s ch a.

Metallmangel habe zu der Einrichtung von Sammelstellen für Töpfe, Pfannen und Altmetall jeglicher Art in fast allen Straßen Londons und der Provinzstädte geführt. Die Rückgabe leerer Flaschen und Behälter aller Art werde als nationale Pflicht bezeichnet; zum Einkauf werde die Benutzung von Beuteln und Taschen empfohlen. Selbst die in Frie­denszeiten schon winzigen Fahrscheine der Londoner Autobusse, die nach und nach zu der Stärke eines Stückchens Seidenpapier reduziert worden sind, müssen beim Verlassen des Autobus in einen Sam­melbehälter gelegt werden, weil England es sich heute nicht mehr leisten kann, auch nur ein Stück­chen Papier zu verschwenden. DieNew Pork Times" kommentiert das gleiche Thema mit dem Vorschlag an diejenigen ihrer Leser, die eine um­fangreiche Korrespondenz führen, jedem Brief an einen britischen Freund einen Briefbogen und Um­schlag zur Antwort beizufügen.

Der Aluminiummangel ist in England nun so fühlbar geworden, daß die Erfüllung des Beaverbrook-Programms für die Herstellung von Kampfflugzeugen ernstlich in Frage gestellt ist. Die in der Bevölkerung deswegen vorgenommene Sammlung von Aluminiumgeschirr war nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Aluminium soll jetzt auf dem Luftwege von USA. nach England gebracht werden. Pagborn, ein Beauftragter Beaver­brooks, kaufte in Neuyork 14 Tonnen Aluminium. Das FlugbootCub a", das bisher wissenschaft­lichen Expeditionen in Afrika und Neu-Guinea diente, wird das Aluminium nach England bringen. Wie England die Sicherheit seiner von der deutschen Gegenblockade bedrohten Schiffahrt beurteilt, geht wohl am anschaulichsten aus dem Geschäftsgebaren seiner großen Versicherungsgesellschaften hervor. Die Versicherungsprämien sind von 3 v. H. (Anfang Mai) auf 6 v. H. (Juni) und in der letzten Zeit sogar auf 15 v. H. für Frachten nach den Westhäfen der englischen Küste gestiegen. Für Fahrten nach der Ostküste Englands werden überhaupt keine Versiche­rungen mehr abgeschlossen. Das ist das meerbe­herrschende England!

schlag auf die Flackfire-Brücke in London. In die­sem Jahr hat man sich der gleichen Gefahr nicht aussetzen wollen, und die Zahl der Secret Service- Beamten wurde ebenso verstärkt wie die der beritte­nen Polizei, die am Sonntag ihr besonderes Augen­merk auf alle amtlichen Gebäude richtete, obwohl diese schon seit gut einem halben Jahr wegen der hohen Sandsackvarrikaden und Holzverschalungen nicht mehr zu sehen sind.

Trotz aller gegenteiligen großsprecherischen Er­klärungen fürchtet man, daß die Aktivität der deut­schen Luftwaffe und der deutschen U-Bootwaffe in absehbarer Zett das Jnselreich von der Außen­welt abschneiden und damit die Blockierung Englands vervollständigen könnte. Deshalb ist auf Veranlassung der Regierungirgendwo in Eng­land" eine Fabrik eröffnet worden, die Tablet­ten mit bem C = 23 i t a m i n Herstellen wird. Die C-Vitamine befinden sich besonders in Früch­ten, wie Zitrone, Apfelsine, Pampelmuse (Grape­fruit), aber auch in Gemüsen. Bisher ist in Eng­land an Früchten und Gemüsen noch keine Knapp­heit, aber man hält es für das sicherste, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. In Friedens­zeiten führte England die wichtigsten Obstsorten aus Italien und Spanien ein. Die italienischen Zu­fuhren haben aufgehört und die spanischen sind sehr stark zurückgegangen. Das gleiche trifft für die Obsteinfuhr aus Südafrika und Brasilien zu. Die größten Gemüselieferungen kamen bisher aus Hol­land und den von den Deutschen ebenfalls besetzten Kanalinseln. Es ist nicht möglich gewesen, in die­sem Jahre schon den Eigenanbau an Gemüse zu erhöhen, da die Besetzung Hollands und der Kanal­inseln nach der Zeit der Aussaat erfolgte.

StärkstesZntereffe für Flugblätter mit der Rede des Führers.

Neuyork, 4. August. (DNB.) Wie stark das Interesse der englischen Bevölkerung an der E r - forschung der Wahrheit über die Lage ist, in die es durch die kriegsverbrecherische Clique um Churchill gebracht wurde, ergibt sich aus einer Mel­dung derNew Jork Times" aus London, daß über England abgeworfene Flugblätter mit der Rede des Führers allenthalben stärkstes

Klare Worte aus Moskau.

Dor den Obersten Sowjets der UdSSR, hat der Regierungschef und Außenkommissar Molotow eine sehr klare und wohl abgewogene Rede gehal­ten, die in London und Washington wohl als eine unbarmherzige Abschlachtung der dort ausgeflatter- ten Enten bejammert werden wird. Nicht nur die englischen Plutokraten und ihre Gazetten, sondern auch gewisse nordamerikanische Filialen des Jnsel- 9riftes hatten seit Wochen erzählt, eine Versöhnung Sowjetrußlands mit Albion sei unbedingt zu er­warten, die Tätigkeit des neuen britischen Botschaf­ters in Moskau, des ehemals radikalen ßaboumrit- gliedes Sir Stafford Cripps, habe eine Revision der Einstellung Sowjetrußlands zur Folge gehabt. Wirklich tat Sir Stafford Cripps alles, um die An­weisungen Churchills zu vollziehen. Er versammelte in Moskau die anglo-amerikanischen Pressejuden um sich, gab Sombeninformationen und gebär bete sich als Märchentante, bis die amtliche sowjetrussische Telegraphenagentur zweimal nüchtern alle Jnför- mattonslichter Sir Stafford Cripps ausblies und die Tatsache bekannt wurde, daß dieser englftche Botschafter in den ersten Wochen gar nicht und dann nur gewissermaßen sowjetrussisch-amtlich emp­fangen und behandelt worden war.

Für die Sowjetunion ist dieser Krieg, das ging aus Molotows ernsten Worten hervor, eine Aus­einandersetzung mit den imperialisti­schen Plutokratien, und die Stellung Sow- jetrußlands ist klar. Sie besteht im Ausbau der Freundschaftsbeziehungen zu Deutschland und in der Gegnerschaft zum imperialistisch-plutokratischen Kurs Englands und seines Quasi-Verbündeten jen­seits des großen Teiches. Die Fortdauer der guten deutsch-russischen Beziehungen wurde unterstrichen durch die Bemerkung, das vor einem Jahr abge­schlossene Nichtangriffs-Abkommen sei durch den Gang der Ereignisse in seiner Wichtigkeit und sei­ner wetteren Entwicklung noch bedeutungsvoller geworden. Gegenüber den englisch-amerikanischen Versuchen, Quertreibereien zu inszenieren und die Sowjets mit dem Hinweis auf die wachsende Macht Großdeutschlands zu schrecken, war der Satz sehr deutlich:Wir können lediglich bestätigen, daß un­serer Ansicht nach den gutnachbarlichen und fteund- schaftlichen sowjetisch-deutschen Beziehungen, die sich herausgebildet haben, nicht zufällige Erwägungen von Konjunkturcharakter, sondern kardinale Staats­interessen sowohl der UdSSR, als auch Deutschland zugrunde liegen."

Mit Deutschland und Italien zusammen, dessen Beziehungen zur Sowjetunion Molotow ausdrück­lich als verbessert bezeichnete an einer Stelle sprach er vom gegenseitigen Verständnis auf dem Gebiete der Außenpolitik der beiden Länder Ita­lien und Sowjetrußland, hat Moskau auch ein direktes Interesse an der Konsolidierung der Verhältnisse auf dem Balkan fern der englischen Störungsmache. Damit berühren sich auch dort die Interessen Deutschlands und Italiens sowie der Südostländer mit Sowjetrußland. Sehr interessant waren die Angaben, die Molotow über das Verhältnis Moskaus zu A n f a r a machte, An-

Interesse erweckt hätten und während die amtlichen Stellen alles täten, um eine Verbrei­tung dieser Flugblätter zu verhindern von der Bevölkerung mit Eifer erjagt und ftuöiert würden. Es hat ein schwunghafter Handel damit ein­gesetzt. Da die riesige Nachfrage der über die wahre Lage in Unkenntnis gehaltenen Bevölkerung nicht befriedigt werden konnte, sind insbesondere die Ar­beitslosen dazu übergegangen, richtige Lesezirkel mit diesen Flugblättern zu veranstalten.

Englands außenpolitische Bilanz.

Rom, 4. Aug. (Europapreß.) Eine schwarze Woche, so schreibt Gayda imGiornale d'Jtalia", sei über England gekommen. Nicht nur durch die auf England niedersausenden kriegerischen Ereignisse, sondern auch durch die Erschütterung seiner politischen Positionen, worauf sich bisher die imperiale englische Macht gegründet habe. Die Ausführungen Molotows hätten den völligen Fehlschlag aller englischen Anbiederungsversuche England und aller Welt klargemacht. Vergeblich habe sich England Jahre hindurch durch verlockende Versprechungen und Angebote seiner diplomatischen, inanziellen und amerikanischen Agenten bemüht, die Gunst Rußlands zu erwerben. Seine imperiale Position habe England dadurch zu retten gehofft, um eine neue Front gegenüber Deutschland und Italien aufrichten zu können. Nach der Rede Molotows seien die letzten Hoffnungen Englands zusammen­gebrochen.

Die Polittk Japans gegenüber England ver­steife sich immer mehr, zeige sich immer fester und gegnerischer. Auch das neue zwischen Afgha­nistan und Rußland abgeschlossene Ueberein- kommen, habe England eine schwere Enttäuschung gebracht. Afghanistan, hoffte England, an seinen Wagen zu spannen und als Waffe gegen den russi- chen Einfluß in Asien gebrauchen zu können. Zu all dem komme auch das von USA. erlassene Aus - uhroerbot von Benzin für Flugzeug- motore und die Absicht Brasiliens, die eng­lischen Eisenbahnen auf seinem Staatsgebiet an sich zu bringen. Der Balkan verschließe sich sehr rasch dem englischen Einfluß und selbst in der Türkei beginne man an demunfehlbaren" Sieg Englands offen zu zweifeln. Portugal habe auf sein be­reits fünf Jahrhunderte dauerndes stillschweigendes Bündnis mit England verzichtet und Spanien habe die Selbständigkeit der nationalen Wirtschaft angekündigt. Auch die letzten englischen Ablenkungs­versuche in Spanien seien mißglückt. Ueberall zeige ich eine immer schroffere und feindlichere Absonde­rung von England. Dadurch werde die von den beiden Achsenmächten geschaffene wirtschaftliche und militärische Blockade Englands immer vollständiger.

Die englischen Kanalhäfen unter -em ständigen deutschen Lustbombardement.

England kann sich keinen Bankfeiertag mehr leisten.