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Zreitag, 5. Juli 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesjen)

Ur. 156 Zweites Blatt

ge Verständnis entge - Wer sich undiszipliniert verhält,

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nur das Notwendige, ganz gleich, wie auch die persönlichen Hilfsquellen des einzelnen seien. Das sei der Grundsatz, von dem er sich in seiner Arbeit leiten lasse. Vor allem müßten die Vorräte des Landes wieder aufgefüllt werden. Der Land­wirtschaft müßten alle erforderlichen Arbeits­kräfte zurückgegeben werden. Weiter müsse alles daran gesetzt werden, wieder eine normalePro- d u k t i o n sicherzustellen.

Trotz der durch die Kriegslage bedingten starken Beanspruchung des Eisenbahnverkehrs sind im Juni von Deutschland 1 085 000 Tonnen Kohle nach Ita­lien geliefert worden und doppelt so viel Lebensmittel

Obwohl in den vergangenen Wochen des sieg­reichen Feldzuges in Frankreich Beuteschrott in gro­ßen Mengen ansiel, ist es wie aus einem Auf­satz in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzei­gers zu erkennen war doch nicht überflüssig, daß auch in der 'Heimat die Schrottaktion fortgeführt wird. Die Entgitterungsaktion, um die es dabei im Besonderen geht, wird ausgenommen, bzw. fortge­setzt. In unserer Stadt ist dieser Tage unter der Initiative der Partei im Bereich der Ortsgruppe Süd mit der Entgitterungsaktion begonnen worden. Kreisleiter Backhaus ging gewissermaßen symbo­lisch voran und ließ als erster das Gitter am Vor­garten seines Hauses entfernen. Verschiedene an­dere Anwohner folgten seinem Beispiel und erklär­ten sich mit der Beseitigung der Gitter einverstan­den. Die Technische Nothilfe rückte daraufhin mit Schneidbrennern in der Liebigstraße an und ging energisch an die Arbeit. __________________________

abgeschickt hat, muß dies unverzüglich nach­holen. Der Termin zur Heimkehr wird jedem Volksgenossen unter Übersendung des Heimkehrer­ausweises mitgeteilt. Vorheriges Vorsprechen ist zwecklos. Alle Rückgeführten werden nochmals dringend gebeten, allen Maßnahmen und Anordnungen, die doch in ihrem eigensten Interesse liegen, das nötig' "

Auf Grund zahlreicher Meldungen über die völ­kerrechtswidrige Behandlung deutscher Flieger durch Franzosen und Belgier hatte sich Generalfeldmar­schall Göring veranlaßt gesehen, am 27. 5. 1940 besondere Anordnungen über die Behandlung fran­zösischer und belgischer Kriegsgefangener der Luft­waffe zu erlaßen. Mit Abschluß des Waffenstill­standsvertrages ist diese Anordnung aufgehoben worden. Für die Behandlung der französisch-bel­gischen Kriegsgefangenen der Luftwaffe haben wie­der die gleichen Bedingungen Gültigkeit wie für die übrigen Kriegsgefangenen der feindlichen Luftwaffe.

*

Die italienische Waffenstillstandskommission steht unter dem Vorsitz von Armeegeneral P i n t o r s. Es gehören ihr an: Korpskommandant General Decchiarelli, Geschwadermarschall Geir an, Luftgeschwader-General Pellegrini und der Ver- treter des Außenamtes Gesandter Bitte tti. Der Sitz der Waffenstillstandskommission ist wahrschein­lich Turin.

Gepp Dietrich

Träger des Ritterkreuzes.

Berlin, 4. Juli. (DBB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres dem Kommandeur der - Leib standarte Adolf Hiller, ^-Obergruppenführer Sepp Dietrich, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

^-Obergruppenführer Sepp Dietrich hat durch felbständigen Entschluß in feinem Ab­schnitt durch das Gewinnen des Brücken­kopfes über den Aa-Kanal bei Watten die schnelle Fortsetzung der Operationen in Holland ent­scheidend beeinflußt und auch weiterhin wie schon in Polen sich durch besondere persönliche Tapferkeit in engster kameradschaftlicher Zu­sammenarbeit mit Panzer- und motorisierten Ver­banden des Heeres besonders hervorgetan.

Offiziere der Luftwaffe mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet

Berlin, 4. Juli. (DRV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vor­schlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen an: General der Flieger Keller. Kommandierender General eines Fliegerkorps, Generalleutnant Rit­ter von ©reim, Kommandierender General eines Fliegerkorps, General der Flakartillerie Weife, kommandierender General eines Flak­korps, und Generalmajor D e ß l o ch, komman­dierender General eines Flakkorps, wegen vorbild­licher Führung der ihnen unterstellten Verbände und ihres persönlichen Einsatzes während der Kampfhandlungen im Westen.

Dummes

engiisches Ablenkungsmanöver.

genzubringen. Wer sich undiszipliniert verhalt, tört die Vorbereitungen und schadet sich und der

Ein ganzer Kerl."

Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße wartet seit gestern mit einem Film auf, der mehr gibt, als man es von seinem Titel zunächst erwarten kann. Da wird ein junges Mädchen geschildert, das für seinen kranken Onkel und für dessen nach Amerika durchgebrannten Sohn den Gutshof verwaltet, ihn, ohne an sich selbst zu denken, über Notzeiten hinwegbringt und es doch nicht vermeiden kann, daß eines Tages die Gläubiger dringlich werden. In der höchsten Not und zur allge­meinen Ueberraschung kommt der verschollene Sohn aus Amerika zurück, wo er es zu etwas gebracht hat, und hilft mit seinem Scheckbuch aus der Patsche. Die junge Verwalterin gerät zwar nicht zuletzt des­halb in heftige Gegensätze zu ihm, ist im Grunde aber doch heilfroh, daß in die Geldgeschichten des Gutes wieder Ordnung kommt. Noch gibt es manches heftige Wortgefecht zwischen den beiden, an dem man seine Helle Freude haben kann, aber schließlich merkt der Zuschauer doch, daß trotz des rauhen Tones, der zwischen den beiden jungen Menschen herrscht, sich doch alles zum guten Ende hinbewegt.

Die hübsche Filmkomödie, nach einer Idee von Dr. F. P. Buch geschaffen und unter seiner Regie gedreht, bringt manche herzerfrischende Szene und eine Reihe gutgezeichneter Charaktere. Heidemarie Hatheyer in der Hauptrolle imponiert zunächst durch ihr energisches Auftreten in Hof, Feld und Wald, man muß sich aber damit abfinden, sie fast während des ganzen Films in Reithosen zu sehen. Umso großer ist dann die angenehme Ueberraschung, sie dann plötzlich und im entscheidenden Augenblick im großen Gesellschaftskleid und in aller weiblichen Liebenswürdigkeit zu sehen. Neben ihr steht Albert Matterstock in schöner Männlichkeit, zielsicher und elegant, der es sich zur Ehre anrechnen kann, die Widerspenstige gezähmt zu haben. Den Gutsbesitzer gestaltet Paul Henckels zu einer feinen Charakter­studie. In weiteren Rollen sieht man Albert Florath als den überall vermittelnden, gütigen und ver­ständnisvollen Landarzt, außerdem Frieda Richard, Paul Bildt, Truus van Aalten und noch manche andere ausgezeichnete darstellerische Kraft. Schöne Landschaftsbilder und manche hübsche ländliche Szene bereichern den Fllm. H. L. Neuner,

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Frankreichs Wiederaufbau.

Ein neues Frankreich das Ziel der Staatsreform pstains.

Gloria-Palast (Seltersweg):Der Fuchs von Glenarvon". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Ein ganzer Kerl". In beiden Häusern: Neueste Ufa-Ton-WocheSiegesfahnen über Deutschland".

Notizen für den 6. 3uti.

Sonnenaufgang: 5.11 Uhr, Sonnenuntergang: 21.48 Uhr; Mondaufgang: 6.37 Uhr, Mondunter­gang: 21.50 Uhr.

Rückgeführte erhalten Heimkehrerausweis.

NSG. Es wird nochmals vor unerlaubter Rück­reise in die freigemachten Gebiete eindringlich ge­warnt. Nur wer im Besitze eines Heimkehreraus­weises ist, wird durch die Dienststellen der Partei zurückbefördert. Den Heimkehrerausweis erhält jeder, der die Postkarte ausgefüllt an die Gauleitung Saar­pfalz geschickt hat, und dessen Heimatort wieder be­siedelt werden kann. Wer diese Postkarte noch nicht

Allgemeinheit der Rückgeführten.

LDM.-Untergau 116 Gießen.

Betr. Antreten zur Lazarettveranslallung.

Am Sonntag, 7. Juli, treten die Mädelgruppen 1/116 bis 5/116 um 9 Uhr zur Lazarettveranstaltung am Studentenheim an. Die Mädel, die an den Unter­gaumeisterschaften im Schwimmen teilnehmen, treten am Schwimmbad in Klein-Linden an.

Gebt für das Rote Kreuz!

Die dritte Hauslistensammlung.

Nach dem Sanitätsbericht des Weltkrieges ist es gelungen, von 12,7 Millionen /verwundeten und kranken Soldaten 90,9 Prozent wieder dienstfähig zu machen. Jeder weitere Hundertteil, der dem Tode oder der Kampfunfähigkeit hätte abgerungen werden können, würde einen Gewinn von 100000 erprobten Soldaten erbracht haben. Der Einsatz der freiwilligen Krankenpflege hat somit Unübertreff­liches geleistet.

Dank der vorbereitenden Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes werden in diesem Kriege die Leistun­gen mindestens gleichwertig sein. Die ungeheure Ver­stärkung jeder Einsatzmöglichkeit, die das deutsche Volk im nationalsozialistischen Deutschland erlebt hat, wird auch auf diesem Gebiet die Steigerung der Leistung schaffen, die nur in der Hand einer über­legenen politischen Führung möglich ist. In der An­wendung auf den Sanitätsdienst bedeutet das, daß mehr gesunde Soldaten wieder an die Front geschickt und später der Heimat eine größere Zahl gesunder schaffensfreudiger Männer als Familienväter und als Arbeiter am Bau des großdeutschen Reiches wieder­gegeben werden.

Deshalb hat das Deutsche Rote Kreuz jahraus, jahreirt für die Erfordernisse der Wehrmacht geschult. Es gilt im Kriege nicht nur, den kranken verwundeten Körper wieder herzustellen, es kommt darauf an, die Kranken und Verwundeten wirklich zu heilen, sie wieder zu Kämpfern zu machen, die mit unerschütter­ter Seele wieder in Reih und Glied treten. Mit dem Auftrag, nicht nur Kranke gesund zu machen, sondern auch den Schwachen Kraft zu geben, sind Schwestern, Helfer und Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes Kämpfer, die ohne Waffen, aber gleichen Rechtes und gleicher Würde neben den Soldaten d^r Wehr­macht stehen.

Die Unterstützung dieser Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes ist für jeden Volksgenossen gerade in diesen Tagen, da der stolze Sieg in Frankreich er­kämpft wurde, ein inneres Bedürfnis. Die dritte , Hauslistensammlung für das Rote Kreuz, die am kommenden Samstag und Sonntag im ganzen Reiche stattfindet, bietet der Heimat erneut Gelegen- : heit, ihren Opfergeist zu beweisen.

Die Entgitterungsaktion in Gießen

Initiative der Partei. Teno Hilst!

Harmlose Aufklärung des Dokumentendiebstahls in der chilenischen Gesandtschaft! Der vergeßliche Gesandte hatte die Dokumente vor Tagen statt in die Rocktasche in den Regenschirm gesteckt. Als er heute den Schirm ..."

Die Kriminalabteilung entschuldigte sich, man drückte Alfredo Lopez die Hand, man ging. Und nichts für ungut, Pflicht ist Pflicht!

Alfredo tanzte glücklich im Zimmer umher.

Ein Wunder, Juana! Wenn die Hausdurch­suchung nicht gekommen wäre, hätte ich nie im Leben die rote Brieftasche gefunden!" Er lachte. Nun rasch zum Bahnhof! Wir haben noch dreißig Minuten Zeit! Mister Greenboom hat mir ver­sprochen, daß er bis zum Abgang des Zuges dabei bleibt, die Erfindung abzukaufen. Länger wartet er nicht!"

Das Auto raste zum Bahnhof. Alfredo hielt Juanas Hand und flüsterte:Das Schicksal meint es doch gut mit uns!"

Ja, Alfredo, das Schicksal und deine schlaue Braut! Ich bin ja so glücklich, daß ich die Krimi­nalpolizei anrief und Dich als den Dokumenten­dieb bezeichnete. Wer sonst hätte in einer Stunde die Ledertasche mit den Entwürfen gefunden?"

Alfredo starrte das Mädchen fassungslos an. Dann küßte er sie.

Juana, wenn ich dich nicht hätte!"

Die Organisation der Entgitterungsaktion liegt in Händen der Partei, die durch einen Sachbearbei­ter das Einverständnis der Hausbesitzer mit der Beseitigung von Gittern zur Kenntnis nimmt und dann die Technische Nothilfe beauftragt, die Besei­tigung der Gitter vorzunehmen. Sicherlich werden sich viele Hausbesitzer bereitfinden, der großen Zeit dieses Opfer zu bringen, das zu einem nicht un- wejentlichen Teil dazu beitragen wird, den deutschen Endsieg zu sichern. Hinzu kommt, daß wohl viele Volksgenossen der Auffassung sein werden, daß ein gut gepflegter Hausgarten ohne Gitter vielleicht nur mit einer Hecke gesäumt sich viel besser aus­nimmt, als dann, wenn er sich hinter Gittern dar­bietet. Ein weniger gut gepflegter Hausgarten wird allerdings auch durch ein Gitter in seinem Aussehen nicht gehoben werden können.

deutsche Friedensfühler in die Welt zu setzen. So meldet die United Preß aus London un­ter Berufung auf einen ausländischen Botschafter, der natürlich diskreterweise ungenannt bleibt, deut­sche Agenten hätten einer Gruppe englischer Privat­personen Friedensvorschläge unterbreitet. Die Agen­tur ersucht sogar durch Wiedergabe angeblich deut- fcher Vorschläge die Meldung glaubwürdiger zu machen. Demgegenüber wird festgestellt, daß diese Nachricht von A bis Z erfunden ist und ihren Ursprung offenbar in den Wünschen gewisser Lon­doner Kreise hat, das englische Volk über die hoff­nungslose Lage hinwegzutäuschen.

Kleine politische Nachrichten.

Die deutsche Waffenstillstandskommission hat be­schlossen, der französischen Regierung zuzubilligen, die französischen Rundfunksender im unbesetzten G e b i e t ,w i e d e r i n Betrieb zu nehmen. Für die Sendungen trägt die franzö­sische Regierung die volle Verantwortung. Eine Zensur von deutscher Seite findet nicht statt.

Marschall Pötain wünscht, daß eine Nattonalver- sammlung Frankreich eine neue Verfassung gibt und besonders, daß das soziale Leben Frank­reichs neu geordnet wird. Die wichtigsten Stichworte sind: Schutz der französischen Familie und Rückkehr zum französischen Boden, der sehr viel mehr Menschen als bisher ernähren kann. Mit einer neuen for­malen Verfassung ist Frankreich ebenso wenig ge­holfen, wie Deutschland 1919 mit der Weimarer Verfassung geholfen war. Entscheidend wird sein, welche moralischen Kräfte in Frankreich die Oberhand gewinnen. Unter Nationalversamm­lung versteht man gewöhnlich ein Parlament, das aus Neuwahlen zum Zweck der Derfassungsgesetz- gebung hervorgeht. Nach den vorliegenden Nach­richten und nach der Gesamtlage aller Verhältnisse scheint es aber zweifelhaft, ob Pätain an eine solche Nationalversammlung denkt. Wahrscheinlich finden zunächst keine Neuwahlen statt. Gemeinsame Ta­gungen von Senat und Kammer gelten nach fran­zösischem Sprachgebrauch auch alsNationalver-

Zeitschristen.

Die neue linie bringt in ihrem Juli-Heft farbige Karikaturen eines Künstlers, der einige welt­historische Begegnungen als Kampf auf dem Schach­brett darstellt. Die packendste zeigt als Spielpartner den Deutschen und den Engländer des Jahres 1918. Der Gegensatz zum heutigen Krieg kommt im gleichen Heft überzeugend zum Ausdruck in Bildern vom Endkampf um Dünkirchen. Die weiteren Themen des Heftes sind nicht weniger eng mit dem großen Gegenwartsgeschehen verflochten. Herausgegriffen feien die SeitenDie großen Mahnmale der Deut­schen" und der Beitrag über das wieder zum Reich gehörende Eupen-Malmedy. (Verlag Otto Beyer, Leipzig.)

Haussuchung in Mexiko.

Von Joses Robert Harrer.

Alle Zeitungen brachten in sensationeller Aus­machung die Berichte vom Diebstahl der wichtigen Geheimdokumente aus der chilenischen Gesandtschaft. Man stand vor einem Rätsel, man griff die Poli­zei an, man befürchtete diplomatische Verwicklungen. Die Polizei aber arbeitete fieberhaft; man ging der kleinsten Spur nach, man setzte Prämien für wertvolle Mitteilung des Publikums aus, Prä­mien, die im Laufe von drei Tagen so erhöht wur­den, daß es kein Wunder war, wenn ganz Mexiko Detektiv spielte.

Alfredo Lopez ging ruhelos in feinem Arbeits­zimmer auf und ab. Er griff sich an die Stirne, er dachte krampfhaft nach, er seufzte. Da schrillte das Telefon.

Ja, hier Alfredo! .. Nein, hab noch Geduld! .. Der Expreßzug geht doch erst in zwei Stunden .. Ja, ich werde dich anrufen!'

Kaum hatte er den Hörer abgelegt, als an der Türe geklopft wurde. Alfredo öffnete. Auf dem Flur standen fünf Polizisten und einige Herren in Zivil.

Kriminalpolizei! Hausdurchsuchung!"

Fünf Revolver starrten ihm entgegen.

Ich wüßte nicht", stammelte Alfredo Lopez.

Zwei Polizisten hielten ihn fest; man trat in feine Wohnung.

Sagen Sie mir doch, was Sie von mir wollen!

Sie stehen im Verdacht, die chilenischen Geheim- dokumente gestohlen zu haben. Wir müssen Ihre Wohnung durchsuchen!"

Ich sollte die Dokumente gestohlen haben? Abep meine Herren, gerade so gut können Sie sagen, ich hätte das Nationalmuseum ausgeräumt!

Man lächelte überlegen. Die beiden Polizisten hielten ihn fest, während die Zivilisten nach flau­ester, kriminalistischer Methode Laden und Kasten durchwühlten.

Lopez versuchte ein Lächeln.

Ich bewundere Ihre Kunst, meine Herren! Rem theoretisch genommen, tut es mir leid, daß -obre Mühe, Ihr genialer Spürsinn vergeblich ist. Wie kommen Sie überhaupt daraus, mich, einen nur seinem Beruf lebenden Architekten in den lacher-

Aus der Stadt Gießen.

Das Unwahrscheinlichste.

Wenn uns heute vor einem Jahr jemand hätte erzählen wollen, was sich inzwischen ereignet hat, so hätten wir die Kühnheit seiner Phantasie zwar bewundert, aber geglaubt hätten wir es wohl kaum.

Der Trugschluß der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist der, daß alles kommen müßte, wie es immer ge­kommen ist. Es kommt aber immer anders. Ist das Leben ein Würfelspiel? Ist es eine Rechenaufgabe? Oder ist es von beidem ein wenig? Unter der Wahr- cheinlichkeit verstehen wir jenen Grad der Gewiß­heit, dem noch Ungewißheit anhaftet. Das reicht also für einen ungenialen Kalkulator zu einem gründlichen Verrechnen. Wie wenige können die un­bekannten Größen, die uns die Zukunft noch ver­hüllt, richtig mit einbeziehen?

Das scheinbar Unmögliche, Unvorherzusehende, Unverhoffte also ereignet sich ttotzdem, und die Ue­berraschung schlägt allen Voraussagen, Vermutun­gen und Orakeln ein Schnippchen.

Wer etwas zuttessend voraushesttmmen könnte, der würde manche Dummheit unterlassen. Jedoch stützt sich die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die geglätteten Voraussetzungen geruhsamer Zeitläufte. Der unbedrohte Mensch glaubt ja, es könne gar nicht anders sein bis ans Ende seiner Tage.

Für uns aber sind die Dämme der Beharrlichkeit so oft durchbrochen, daß mir das gestern für un- wahi^cheinlich Gehaltene heute schon gelassen hin­nehmen. Gewiß sieht die Schicksalsgötttn in uns nicht nur Mikroben, die auf einem unbeträchtlichen Welt­körper wimmeln, aber da wir sie nicht durchschauen können, ist es das beste, sie walten zu lassen. Hin­terher sehen wir vielleicht, welchen Sinn es hatte.

Eine erstarrte Welt ist in Fluß gekommen, und die Worte möglich und unmöglich, wahrscheinlich und unwahrscheinlich sind mit in den Strom ge­rissen. Niemand kann mehr daran zweifeln, daß wir an eine Wende der Zeiten gelangt sind.

Der heuttge Tag gilt, und unser Leben besteht aus lauter heutigen Tagen. R- G.

Tageskalender für Freitag.

Genf, 4. Juli. (Europapreß.) Zu der bevor­stehenden Staatsreform in Frankreich schreibt der Petit Dauphinois":Es handelt sich tatsächlich darum, ein neues Frankreich zu schaffen und die Praxis, alles leicht zu nehmen, was uns zur Katastrophe geführt hat, durch Regeln der Ord­nung, der Disziplin und der Arbeit zu ersetzen. Ohne Zweifel wird sich in den beiden Häusern eine Mehrheit bilden, die dem .glorreichen Alten', der um das Unglück des Vaterlandes zu mildern nicht gezögert hat, sich zur Verfügung zu stellen, Vertrauen schenken wird. Nach dieser Sitzung wird die Vertagung des Parlaments beschlossen werden. Die Regierung hat nämlich hierzu nach dem Wort­laut der Verfassung selbst feit dem 9. Juni das

lichen Verdacht zu bringen, daß ich dumme Doku­mente gestohlen habe?"

In seinem Arbeitszimmer sah es fürchterlich aus. Alles lag drunter und drüber.

So sagen Sie mir doch!"

Ein telefonischer Anruf verriet, daß Sie der Dieb sein dürften!"

Alfredo lachte.

Irgendein Spaßvogel hat sich einen idiotischen Witz erlaubt!"

Das wird sich ja zeigen!" sagte der Chef der Abteilung. _ ,

Alfredo hatte fick beruhigt. Belustigt folgte er der Tätigkeit der Kriminalisten.

In der Ofenröhre könnten Sie auch noch nach­sehen!" meinte er. , .

Man ließ ihn reden, man suchte, man leuchtete in alle Winkel. Man fand von den Dokumenten keine Spur. Eine Stunde bereits hatte die Haus­durchsuchung gedauert. Auf dem Schreibtische lagen die Briese Alfredos, seine Aufzeichnungen. Da rief einer aus dem Nebenzimmer:

Chef, eine rote Brieftasche! Gut versteckt, ja! Dem Tischler des Waschtisches ist die untere Lade ein wenig zu kurz geraten. Hinter der Lade lag die Brieftasche auf einem kleinen Querbrett!"

Es sind die Aufzeichnungen zu meiner Erfin­dung!" fuhr Alfredo mit einem Aufschrei dazwi­schen.Niemand darf davon wissen!"

Der Chef grinste. Er griff nach der Ledertasche und öffnete sie. Nachdem er sie durchsucht hatte, sagte er enttäuscht:

.Tatsächlich, es sind nicht die Dokumente! Herr Lopez, was Ihre Erfindung betrifft, brauchen Sie keine Angst zu haben! Ich schweige. Denken Sie an meinen Diensteid! ... Weitersuchen!"

Alfredo hatte sich in sein Schicksal ergeben. Da trat ein junges Mädchen ein. Alfredo starrte sie an.

Juana, denk dir, man behauptet, ich hätte die chilenischen Dokumente gestohlen!"

Wer ist die Dame?" fragte der Kriminalchef.

,Zch bin die Braut des Herrn Lopez! ... Höre ich recht, Alfredo, du sprichst von den chilenischen Dokumenten? Die haben sich ja schon gefunden! Hier, die Extta-Ausgabe!"

Der Kriminalchef riß ihr das Blatt aus der Hand und las;

Recht." m t i

Der französische Landwirtschafts- und Dersor- gungsminister erklärte der Presse:Die Ereignisse, die seit einigen Monaten abrollen, und das seit Wochen nicht aufhörende Umherziehen der Bevöl­kerung haben beträchtliche Produktions-, Versor- gungs-, Transport- und Derteilungsschwierigkeiten geschaffen. Ich habe die Pflicht, ihnen entgegenzu­treten. Eins sei festgestellt: Das angenehme Dorkriegsleben ist vorüber. Die Zeit, an fein egoistisches Wohlsein und an die Annehmlich­keiten des Tisches zu denken, ist vorbei. An keiner öffentlichen Stelle und auf keinem privaten Tisch darf es einen ganz gleich wie gearteten Auswuchs mehr geben. Niemand darf Ueberflufj haben, der einen anderen des Notwendigsten berauben konnte." Weiter erklärt der Minister es für feine Pflicht, jedem das Notwendige zu geben; aber auch I

Berlin, 4. Juli. (DNB.) Um einen Lichtblick in die tiefe Depression der englischen Öffentlichkeit zu bringen, sah«n gewisse Kreise der Londoner .

City fort, Nachrichen über a n g e b l i ch e als im Vormonat von Italien nach Deutschlands