Ausgabe 
5.7.1940
 
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Ministerbüro.

Französische Republik.

Reynaud fordert Verordnung unter die Vesehle

Seygands

<1

Oie Briten haben ohne Mitteilung zu machen/ Arras und Le Havre geräumt

ft

Churchill beklagt mangelnde Verbindung

XV.

Landesverteidigun-gs- unb Kriegsministerium.

um Cambrai und St. Quentin eine entscheidende j Bedeutung gewinnt. , ... x

(Mister Winston Churchill teilte etwas spater i in einer Privatbesprechung dem französischen Mi- nisterpräsidenten und dem General Weygand mit, daß die Beziehungen des Generals B l l l o t t zu dem Oberstkommandierenden des britischen Expedi- i tionskorps nicht vollauf zufriedenstellend seien; ins- i besondere sei General Gort durch vier Tage hin- i durch ohne Weisung geblieben. Hierzu teilte 1 General Weygand mit, daß der General Billott durch einen schweren Automobilunfall l e i d e n d sei 1 und durch General Blanchard ersetzt wird.)

General W e y g a n d stellte die volle Billi­gung fest, die die britische Regierung und der britische Generalstab seinen Plänen entgegenbrächten und brachte dann ebenso entschieden und klar zwei in seinen Augen entscheidende Forderun- g e n vor:

1. Es ist von ausschlaggebender Wichtigkeit für den Erfolg der beginnenden Schlacht, daß die bri­tische Luftwaffe und zwar Jäger wie Bomber sich vollauf im Kampfgebiet e i n s e tz e. Sie hat der französischen Armee wah. rend der vergangenen Tage sehr große Dienste er­wiesen und yat so schon einen äußerst günstigen Einfluß auf den Geist der Infanterie ausgeubt, während sie zugleich viele deutsche Marschkolonnen auf dem Wege zur Front empfindlich gestört habe. Daneben hat sie umfangreiche Aktionen in bestimm­ten Teilen Deutschlands durchgeführt, und zwar namentlich im Ruhrgebiet und in Hamburg, Bre­men und anderen Orten, wo sie gute Erfolge in der Bombardierung von feindlichen Tanklagern und Raffinerien erzielt habe. In Anbetracht der Wich­tigkeit unserer Zusammenarbeit hält der Genera­lissimus es jedoch im Augenblick für erforderlich, daß die englische Luftwaffe vorläufig nur für einige Tage ihre Fernflüge einstellt, um dauernd und unmittelbar an der Front selbst oder in der nächsten Umgebung zu wirken. Er fordert also, daß die britische Luftwaffe den Befehl bekomme, ihre Anstrengungen in der Gegend der vorge­sehenen Operationen zu vervielfachen.

Der Vizeluftmarschall Pierce teilt hierauf seine Ansicht zu dem Thema mit. Er gibt zu bedenken, daß ein Teil der britischen Bombengeschwader, na­mentlich die Wellingtons kaumbeiTageeln- gesetzt werden kann, da die Flugzeuae zu ex­ponierte Ziele darstellen. Es scheint ihm äußerst wichtig, daß anderseits z. B. die Maas­brücken oder die Eisenbahnknotenpunkte in etni- ger Entfernung von der eigentlichen Opera­tionslinie bombardiert werden, da sie deutscherseits für den Nachschub während der Schlacht von Be­deutung seien.

Nach einem Gedankenaustausch zwischen ihm und General W e y g a n d , an dem auch Mister Winston Churchill teilnimmt, kommt man überein, daß den Wünschen des Generalissimus entsprochen wird und die britischen Luftstreitkräfte des Mutterlandes ausschließlich in der Schlacht eingesetzt werden. Die Bomber, die nicht immer (wie dies in den vorhergehenden Tagen der Fall war) in der Kampflinie selbst genaue Ziele ausmachen können, werden die Verbindungen zwischen der Front und der Maas zu stören versuchen, während die Jager (die, aus England kommend, kaum länger als 20 Minuten im Kampfgebiet sich aufhalten können) sich in aufeinanderfolgenden Wellen ablösen werden.

2 General Weygand weist sodann nachdrücklich auf die Gefahr für die nationale Vereidigung, die sich zur Zeit aus dem F l ü ch t l i n g s st r o m aus den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich er­gebe, hin. Die auf den Straßen sich vorwärtsbe­wegenden Massen behindern die Bewe­gungsfreiheit der Truppen, gestatten deutschen Elementen, sich unter sie zu mengen, und üben überdies eine demoralisierende Wirkung auf den Geist der Truppe aus. Es ist unbedingt er-

XVI.

u Übersetzung. Durchschlag. Streng geheim!

24. Mai 1940.

Paul Reynaud an Winston Churchill.

1. General Wey gand hat Ihnen vorgestern in meiner Gegenwart in Vincennes einen Plan aus­einandergesetzt, dem Sie wie auch 3hre Begleit- Offiziere voll und ganz z u g e st i m m t haben.

2. Diesen Plan hatten Sie schriftlich zusammen- aefaßt. General Weygand setzte Sie davon in Kenntnis, daß er dieser Zusammenfassung zustimmte.

3. General Weygand kennt alle Schwierigkeiten der Lage, aber er ist der Ansicht, daß es k e i ne anbere mögliche Lösung gibt, als die Durchführung dieses Planes, selbst auf die Gefahr hin, daß man ihn den Schwierigkeiten des Augenblicks anpaßt, indem man zum Beispiel den Marsch nach Südwesten abbiegt und der rechte Flü­gel unterhalb von Amiens auf die Somme zusteuert. Er hat daher heute morgen den Befehl zur Durch­führung dieses Planes wiederholt. Die einaeschlos- fenen Armeen müssen also den verzweifelten Versuch unternehmen, sich mit den von Süden nach Norden marschierenden französischen Truppen zu vereini­gen, indem sie von der Somme aus, und zwar be­sonders von Amiens aus, losbrechen.

4. Es ist dringend erforderlich, die Armee Gort über Dünkirchen zu verproviantieren, das von beiden Divisionen Fagaldes gedeckt wird.

5. Es ist sehr wünschenswert, daß Sie in die Häfen Truppen entsenden, so wie Sie es gestern für Calais getan haben.

6. General Weygand hat zu seiner Ueberraschung festgestellt, daß im Widerspruch zu diesem Plan die'Stadt Arras gestern von den engli­schen Truppen geräumt worden ist.

7. Die Verbindung des Generals Wengand mit der belgischen Armee ist sichergestellt. Er hat gestern abend erführen, daß die Belgier kleine Streifzuge zurückgewiesen haben und ihre Moral ausgezeichnet sei.

8. Die Unmöglichkeit, mit Blanchard, dem Oberbefehlshaber der drei Armeen, nämlich der belgischen Armee und den Armeen Gort und Blan­chard, direkt in Verbindung zu treten, gestattet dem General Weygand nicht, Ihnen über die fehlende Verbindung zwischen Blanchard und Gort eine Ant­wort zu geben. Da er aber mit der belgischen Ar­mee direkt in Verbindung steht, hat er die Ueber-

3 Uhr nachmittags, keine Direktiven erhal- t e n. Wie paßt das zu Ihrer Erklärung, Blanchard und Gort gingen Hand in Hand? Ich unterschätze durchaus nicht die Schwieriakeiten für die Aufrecht­erhaltung der Verbindung, habe aber nicht das Ge­fühl, daß die Operationen im nördlichen Gebiet, gegen das sich der Feind konzentriert, wirksam mit­einander in Einklang gerbacht werden. Verlasse mich darauf, daß Sie darin Abhilfe schaffen können. Gort sagt ferner, jedes Vorrücken seinerseits könne nur die Form eines Durchbruchsversuches an­nehmen und er müsse Entsatz von Süden her erhalten, da er zu einem ernsthaften Angriff nicht die erforderliche Munition habe.

Nichtsdestoweniger weisen wir ihn an, an der Durchführung Ihres Planes festzuhalten. Wir haben hier nicht einmal Ihre eigenen Richtlinien erhalten und wissen nichts über die Einzelheiten Ihrer Operationen im Norden. Wollen Sie uns diese biUe sobald wie irgendmöglich durch die französische Bot­schaft senden. Die besten Wünsche.

zeugung, daß seine Befehle Blanchard, und über ihn Gort erreicht haben. Der Beweis für die Zusammen­arbeit zwischen Blanchard und Gort scheint daraus hervorzuaehen, daß in der vergangenen Nacht eine französische Division eine englische Division abgelöst hat.

9. General Weygand erfährt soeben von dem Abschub der schweren Einheiten der englischen Ar­meen aus Le Havre, was in der Hinteren Front eine große moralische Verwirrung hervorruft. Wie ich jetzt, ist auch er davon überrascht, daß er nicht vorher davon in Kenntnis gesetzt wurde.

10. Sie werden, wie auch ich, die Meinung ver­treten, daß sich in diesen schicksalsschweren Stunden die einheitliche Führung mehr denn je zu­vor durchsetzen muß und die Befehle des Ge­nerals Weygand ausgeführt werden müssen. ,

11. General Weygand ift davon überzeugt, daß sein Plan nur dann von Erfolg gekrönt werden Fann, wenn die belgische Armee und die Armeen Blanchard und Gort von dem fanatischen Willen erfüllt sind, einen Ausfall zu unternehmen, der allein sie retten kann.

XVII.

28. Mai 1940.

P.C.KXXX. Nr. 565 Cab./D.N. Der Oberbe­fehlshaber General Weygand an General Se­lon g, französischer Militärattache in London.

Der Kommandierende Admiral in Dünkir­chen betont die Notwendigkeit eines nachdrücklichen Schutzes durch Lust- und Seestreitkräfte zur Sicherung des Nachschubes und der teilweisen Eva­kuierung der in der Verteidigung des Brückenkop­fes Dünkirchen kämpfenden Truppe. Ich zweifle nicht, daß diese Notwendgkeit von den britischen Behörden verstanden wird. Ich bitte jedoch, erneut bei ihnen vorstellig zu werden, damit alles unter­nommen wird, um diese Gedanken zu verwirklichen.

General Weygand.

Verziffert und abgesandt: den 28. Mai 1940 um 18.10 Uhr unter Nr. 29. _______________________

ßaubtltfirrftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauvtichriftletters: Heinrich Ludwig Neuner. Verantwortlich für Politik. Feuilleton unb Bilder: Dr. gr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein (beutiaubt); i. B.: Heinrich Ludwig Neuner: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.

Druck und Verlag Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange R. G. Verlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann: Llnzeigenleiter: HanS Beck. Verantwortlich stützen Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel Pl.Nr.6

forderlich, daß diesem Zustand Einhalt geboten wird, daß niemand mehr auf französisches Gebiet übertreten dürfe, daß die in Bewegung befindlichen Flüchtlingskolonnen von den großen Verkehrsstraßen während gewisser Tageszeiten ferngehalten werden; ie sollen auf den Feldern lagern unb nur mit ge­wissen Einschränkungen weiterziehen dürfen. Gene­ral Weygand zeigte sich in diesem Punkte gegen­über dem Köma der Belgier äußerst firm, und er hofft, daß die alliierten Regierungen die gleiche Hal- lung einnehmen werden. Mister Winston Chur­chill und Monsieur Paul Reynaud äußern ihre volle Billigung zu den vom General vorgetragenen Gesichtspunkten.

Der Generalissimus teilte dann kurz mit, daß er ich während des Abends und in der Nacht mit drei )ffizieren des Generalstabs der Armee G i r a u d >abe unterhalten können, die ihm außerordentlich wertvolle Einzelheiten über die von der deutschen Armee in der Schlacht angewendeten Methoden hät­ten geben können, und die auf seine Weisung hin eine kurze Aufzeichnung vorgelegt haben, die ver­lesen wird.

Winston Churchill schließt daraus, daß unter Anwendung geeigneter Methoden und mit der not­wendigen Kaltblütigkeit die Angriffe der deutschen Panzerkräfte, selbst wenn sie von Bombern unterstützt werden, abgewehrt werden könnten, und daß es sich jetzt darum handele, sich Über­all, wo man sich befinde, bis zum letzten in den Stellungen zu halten. General Weygand fügt hinzu, daß man auch handeln müsse und daß,wo man angreise, auch jemanden störe". ,

Die Sitzung wurde um 13.15 Uhr geschlossen.

17.00 Uhr. General Weygand sucht den Mi- nisterpräsidenten auf und zeigt ihm an Hand einer mit gebrachten Karte die näheren Umstände, unter denen sich morgen die vorgesehene Offensive äb* spielen wird. Paul Reynaud macht ihm bei dieser Gelegenheit von den Gerüchten Mitteilung, die hierüber in volitischen Kreisen umlaufen, und bittet ihn, allenthalben erneut Weisung zu geben, damit das Geheimnis über die Operationen gewahrt bleibe. .

Der Oberstkommandierende stellt fest, daß die Tat­sachen, die er im Laufe des Vormittags Mister Win­ston Churchill und Monsieur Paul Reynaud mitgeteilt habe, durch eine günstigere Entwicklung ergänzt werden. Die Armee des Generals Frere werde morgen zur Stützung der im Norden vorgesehenen Operationen zahlreichere und bedeutendere Einheiten aujroetfen als man es vor einigen Stunden an- neymen konnte.

Streng vertraulich!

S ch l u ß f o l g e r u n g e n der am 22. März 1940 im Hauptquartier des Generals Weygand, ab gehal­tenen Konferenz zwischen dem Ministerpräsidenten Paul Reynaud und General Weygand und dem britischen Premierminister Winston Churchill, Gene­ral Dill, Luftmarschall Pierce und Admiral....

Es wurde folgendes vereinbart:

1. Die belgische Armes zieht sich auf die Pser-Linie zurück und hält diese Linie. Die Schleu­sen sind geöffnet.

2. Diebritis che und die französische Ar­mee greifen im Südwesten in Richtung Bapaume und Cambrai an, und zwar so bald wie möglich bestimmt morgen mit ungefähr acht Divisionen.

3. Angesichts der vitalen Bedeutung dieser Schlacht für die beiden Heere und der Tatsache, daß die bri­tischen Verbindungen von der Befreiung Amiens abhängen, leistet die britische Luftwaffe während der Dauer der Schlacht Tag und Nacht . jede mögliche Hilfe.

, 4. Die neue franzosis che 21 rm#ee

gruppe, die auf Amiens vorstößt, und die längs i der Somme eine Front bildet, stößt nach Norden > vor, um die Verbindung mit den in Richtung [ Süden Bapaume angreifenden britischen Divisionen > aufzunehmen.

Streng geheim! Paris, den 24. Mai 1940. Abschrift des Telegramms von Churchill an Rey­naud für General Weygand (dechiffriert am 24. Mai 1940, 5 Uhr früh).

General Gort telegraphiert, daß die Koordinie­rung mit den Armeen der drei verschiedenen Na­tionen an der Nordfront wesentlich sei. Er könne diese Koordinierung nicht bewirken, da er bereits im Norden und Süden kämpfe und seine Derbin- dungsstraßen bedroht seien. Gleichzeitig höre ich von Sir Roger K e y e s , das belgische Hauptquar­tier und der König hätten bis heute, 23. Mai,

Zxn Soldat bleibt du Soldat, auch ohne Sabal; dennoch raucht er nur zu gern, einst genau so wie heuterGönnen wir ihm dazu das Beste!- Mir jedenfalls geben uns alle Mhe,Zigaretten herzustellen, wie der Soldat sie haben soll.

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der C Ü LD E N RIN G ist es erstmalig gefangen, dem Zigaretten­papier selbst die schützenden Eigen­schaften zu geben, für die sonst ein gotdmundstück erforderlich war.Jhr trMUNDSTÜCK ist aber unsichtbar, sodass sie eigentlich als eine verbesserte jnundstüddoseZigarette"gelten kann.

GÜLDENRING 4PFG

mit W/lundstück.

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