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190. Jahrgang Nr. 157 jgJU fr

GietzenerAnzeiger

vrühlsche Univrrsttatrdruckerei L Lange General-Anzeiger für Oberhessen $ «I-hen^Lchiilftrahk 7-9

Senegalgebiet sei es als Bahn, sei es als Autostraße erhalten. Oran, das Hauptstadt des gleichnamigen algerischen Departements ist, hat etwa 170 000 Einwohner, davon 130 000 Europäer. Bon Westen nach Osten hat Frankreich in Nordafrika folgende See-Kriegshäfen: Cascchlanca, Oran, Algier, Bona und das vielgenannte Bizerta.

Ein Schurkenstreich.

Mit der Seeschlacht vor Oran haben die Fran« zosen noch einmal einen Beweis englischer Bündnis­treue erlebt. Es war England, das die Franzosen aus Indien und Kanada hinausgeworfen hat, es war England, das Frankreich im Krim-Krieg im Stich ließ, wie es wieder England war, das die Franzosen aus Aegypten und aus dem Sudan hin­auswarf. Nach Versailles war Frankreich immer im Schlepptau Englands, mußte sogar die Sanktionen gegen Italien mitmachen, mußte die Garantien un­terschreiben, die England andern Ländern auf­drängte. Frankreich fühlte sich so sehr als Vasall Englands, daß es auch das Verbrechen vom 3. Sep­tember 1939 mitbeging, obwohl der Führer gerade Frankreich immer wieder die Hand zur Verständi­gung geboten hatte. Frankreich kann sich nun die Quittung seiner plutokratischen Verranntheit besehen.

Eine Quittung, wie sie in dieser Form keiner anderen Großmacht in der neueren Geschichte zuteil geworden ist. Dies Frankreich von 1939 erklärt Deutschland den Krieg, mobilisiert alle seine waffen­fähigen Männer, um für England, wie im Großen Kriege, wieder einmal den Blutzoll zu leisten. Frankreich mobilisiert, England schickt indessen die feierlich zugesagte Hilfe an Truppen und Kriegs­material nur paketweise hinüber. Ganze zehn eng­lische Divisionen standen Anfang Mai 1940 in Frankreich und waren so eingesetzt, um jederzeit die Kanalhäfen erreichen zu können. Als am 10. Mar das Unwetter losbrach, als der deutschen Gegenhieb das niederträchtige Ränkespiel der französischen und englischen Diplomaten und Militärs zuschanden machte, waren es wieder die Engländer, deren Oberbefehlshaber Gort und Jronside darauf bestan­den, die zehn Divisionen Englands in Sicherheit zu bringen. Wie gründlich das geschah, das findet sich in den Dokumenten dargestellt, die den deut­schen Truppen in die Hände gefallen sind. Doku­mente, die lückenlos dartun, wie Frankreich in sei­nem Kampf auf Leben und Tod auf die Hilfe Eng­lands angewiesen war und im Stich gelassen wurde.

zosen die Augen öffnen und ihn auf die Seite der Regierung Pätain zwingen. Nach dieser eindeutigen Stellungnahme der englischen Presse für den Massen­mörder Churchill wird das englische Volk die Folgen zu tragen haben, es wird sich nicht beklagen können, wenn es in der kommenden Auseinander­setzung auch als Verbrecher behandelt werden wird.

Frankreich bricht die diplomatischen Beziehungen zu England ab.

Gens, 5.Juli. (DHB. Iunkspruch.) Die franzö­sische Regierung in Vichy feilt mit: Der am Don- nerslagmorgen unter dem Vorsitz von Präsident Lebrun zusammengetretene Mini st er rat hat nach Kenntnisnahmen von dem nicht zu recht- f e r t i g e n d e n A n g r i f s, den ein mächtiges eng­lisches Geschwader auf ein französisches Geschwader bei Mers-el-Kebir ausgeführt hatte, und nachdem er der Haltung und dem Heroismus der Flotte feine Anerkennung ausgesprochen hatte, beschlossen, die diplomatischen Beziehungen zu England abzubrechen.

*

Rom, 4. Iuti. (DRV.) Line am Donnerstag 16.10 Uhr von Stefan! ausgegebene Reutermeldung besagt, daß die französische Regierung einen Befehl erlassen hat, demzufolge es allen britischen Schiffen und Flugzeugen verboten ist, die 20 -Meilen-Seezone der Küsten der französischen Gebiete in Europa und llebersee zu überfliegen oder zu durchfahren, andernfalls sie ohne irgend eine Warnung angegriffen werden.

Lhurchill brüstet sich mit dem Schurkenstreich von Oran.

Die französische Flotte vor Oran von -en britischen Verbündeten ruchlos überfallen

Wie wir hierzu erfahren, hat der Führer nach erfolgter Mitteilung dieser Vorgänge durch die französische Wasfenstillstandsabordnung an die deut­sche Waffenstillstandskommission der französi­schen Regierung die Genehmigung er­teilt, ihre Schiffe dort, wo sie sich dem Zugriff der Engländer nicht entziehen können, zu versenken. Diese Entscheidung entspricht dem Inhalt des Waf- fenstillstandsabkommens, demzufolge es nicht die Absicht der deutschen Regierung ist, die französische Flotte in deutschen Besitz zu bringen, sondern lediglich zu verhindern, daß sie weiterhin am Kriege gegen Deutschland teilnimmt.

Die französische Darstellung.

@ e n f, 4. Juli. (DNB. Funkfpruch.) In Clermont- Ferrand wurde am Donnerstagmorgen um 3 Uhr folgendes amtliche französische Commu- nique ausgegeben: Am Morgen des 3.9uh ist eme bedeutende britische Streitkraft, die vor allem drei mächtige Linienschiffe umfaßte, und die von der Nordsee gekommen war, vor der Reede von MersleTebir.der Flottenbasis von Oran, erschienen, wo entsprechend den Wafsen- stillstandsabkommen sich ein Teil der franzo- sischenFlotte namentlich dieDunkerque und dieStrasbourg" vor Anker befand.

Der britische Admiral richtete an den französischen

Geschwaderadmiral Vizeadmiral G e n s o u l die Auf- orderung, sich zu ergeben oder seine Schiffe selb st zu versenken. Der britische Admiral gewährte eine Frist von 6 Stunden zur Entscheidung. Ohne den Ablauf dieser Frist ab­zuwarten, schlossen Wasserflugzeuge der englischen Marine die Reedss mittels magnetischer Minen. Da der französische Admiral sich weigerte, zu gehorchen, eröffnete die britische F l o t t e um 17.50 Uhr auf die französischen Kriegs­chiffe dasFeuer.

Angesichts dieses unqualifizierbaren Angriffs hat die französische Regierung den neben der britischen Flotte auf der Reede von Alex- a n d r i e n verankerten französischen Einheiten den Befehl gegeben, die Anker zu lichten und auf offene See zu gehen, notfalls mit Gewalt. Dar­über hinaus hat da dieser Angriff um so hassens­werter ist, als ervonunserenVerbündeten von gestern begangen wurde, die französische Admiralität allen Kriegsschiffen, die sich auf hoher See befinden, Weisung gegeben, die britischen Han­delsschiffe, die sie treffen, anzuhalten (arraisonner) und auf jeden neuen Angriff mit Feuer zu ant­worten.

Die Seeschlacht vor Oran.

Oran ist der westlichste algerische Hafen. Er liegt nur 200 Kilometer von Spanisch-Marokko entfernt; auf der anderen Seite liegt es gerade gegenüber dem spanischen Kriegshafen Cartagena. Zur Zeit der Herrschaft derRoten" in Spanien träumten die Pariser Kriegspolitiker davon, von Dran aus farbige Truppen nach Cartagena zu überführen, um auf diese Art den Seeweg zu verkürzen und die spanischen Eisenbahnen in den Dienst der westmächt- lichen Aufrüstung zu stellen. Darum ist auch Oran schon seit geraumer Zeit durch eine Bahn, die in Tunis beginnt und bis Süd-Marokko führt, mit allen Teilen des nordafrikanifchen Imperiums Frankreichs verbunden. Außerdem stößt von hier aus eine Südbahn über die Algerischen Gebirge bis an den Rand der Sahara vor. Nach den ursprüng­lichen Plänen sollte sie eine Fortsetzung bis in das

Don den auf der Reede von Oran in Brand ge­schossenen Schlachtschiffen ist dieD u n k e r q u e" 1935 vom Stapel gelaufen. Sie ist das Schwester­schiff derS t r a s b o u r g", der es gelang ins Mit­telmeer durchzubrechen. Beide haben eine Wasser­verdrängung von 26 500 Tonnen und liefen 30 Kno­ten. Ihre Besatzung betrug je 1380 Mann. Das in die Luft geflogene SchlachtschiffBretagne' stammte aus dem Jahre 1913, es war 22 000 Ton­nen groß und lief 21 Knoten. Es hatte eine Be­satzung von 1100 Mann.Mogado r" rechnet un­ter die Torpedokreuzer. Er ist 1936 vom Stapel ge­laufen und 3000 Tonnen groß. Er hatte eine Ge­schwindigkeit von 38 Knoten und eine Besatzung von 238" Mann.

Berlin, 4. Juli. (DNB.) Mit bodenloser Frech­heit stellte Winston Churchill sich heute vor das Un­terhaus, um sich seines Schurkenstreiches bei Oran zu rühmen und ihm den Glorienschein einer Helden­tat zu geben.Wir haben uns erboten", so erklärte er,die Franzosen vollständig aus ihren vertrags­mäßigen Verpflichtungen zu entlassen, wenn ihre Flotte vor Abschluß des Waffenstillstandes nach bri­tischen Häfen gebracht würde, um dem »treuen Ka­meraden^ eine Chance zu geben."

Frankreich hat die Flotte nicht aus^eliefert. Daß der Führer dem geschlagenen Gegner ehrenvoll seine Schiffe ließ und sich damit begnügte, Vor­kehrungen zu treffen, daß die Flotte nicht zum Kampf gegen Deutschland verwandt werden konnte, mag Churchill in rasende Wut versetzt haben, denn er entschloß sich, wie er vor dem Unterhause kalt­schnäuzig erklärte,mit angemessenen Ge­waltmaßnahmen" vorzugehen. Es ist ein trauriger Ruhm, wenn er sich rühmt, Schiffe, die ahnungslos ohne Dampf im Hafen lagen, in den Grund gebohrt zu haben, und sich mit einer Skru­pellosigkeit ohnegleichen brüstet: ,Zch fürchte, der Verlust von Menschenleben unter den Franzosen und auch in dem Hafen muß schwer gewesen sein, weil wir gezwungen waren, sehr scharfe Maßnahmen zu ergreifen. Es sind große Explosionen beobachtet worden."Ich überlasse die Beurteilung dieser Ak­tion dem Parlament, ich überlasse sie der Nation, der Welt und der Geschichte", so erklärte er mit dreister Stirn. Die Geschichte, dessen kann Churchill

sicher sein, wird die Gewalttat von Oran als eines der abgefeimtesten Bubenstücke britischer Politik, be­gangen an einem bisherigen Verbündeten, für alle Zeiten brandmarken.

Die preffe sekundiert.

Wenn sich unverbesserliche Optimisten vielleicht in der Hoffnung gewiegt hatten, das englische Volk bzw. dessen Sprachrohr, die englische Presse, würde empört von der gemeinen Mordtat von Oran ab­rücken und Churchill zum Teufel jagen, so sind diese heute schwer enttäuscht. Mit nicht zu überbietendem Zynismus treten die großen Blätter an Churchills Seite und übernehmen damit ihren Anteil an der Blutschuld eines der ruchlosesten Verbrechen der Weltgeschichte. Eine besonders ge= meine und brutale Sinnesart hatte dieDaily Mail", wenn sie von dem Massenmord von Oran schreibt:Es war eine schöne Aktion, die von einem großen Mann befohlen wurde."Denn", so meintDaily Herald",unsere eigene Sicherheit zwang uns diese Maßnahme auf, aber auch unsere Pflicht gegenüber der Menschheit diktierte sie; denn, wenn wir den Krieg verlieren, wird diese Mensch­heit verloren sein."

DieTimes" benutzt auch diese Gelegenheit, zu dem Versuch, einen Keil zwischen die rechtmäßige Regierung Frankreichs und die französischen Kriegs­teilnehmer zu treiben; aber gerade das gemeine Verbrechen von Oran wird auch dem letzten Fran-

Berlin. 4. Juli. Wie in London amttich milge- ' teilt wird, seien am 3. Juli von der englischen Flotte Maßnahmen ergriffen worden, um alle fran- ' zösischenkriegsschiffe.die sich in britischen Häfen befinden, unter britische Kontrolle zu bringen. 3m Verlaufe dieser Operation seien zwei Opfer zu beklagen, die in der britischen Mitteilung nicht näher bezeichnet werden. Gleichzeitig fei den französischen Schiffen in den nordafrikani­fchen Häfen ein Ultimatum gestellt worden. Die englische Auslassung besitzt die Unverschämtheit, die nackte Brutalität dieses zynischen Piratenaktes mit der verlogenen und scheinheiligen Erklärung zu bemänteln, daß Deutschland entgegen seinen Waffenstillstgndsabmachungen beabsichtige, die fran­zösische Ftotte zum Kampf gegen England einzusehen. Die englische Regierung so heißt es in der britischen Erklärung weiter bedauere es. daß der französische Admiral, der in Oran das Kommando führe, die Annahme jeder einzelnen der gestellten Bedingungen verweigert habe. Deshalb habe in Oran eine Aktion gegen die französischen Schiffe unternommen werden müssen. Die Operationen seien noch im Gange.

Zu diesem neuen ungeheuerlichen Gewaltakt der britischen Seeräuber erfahren wir folgende Einzel­heiten:

Am Mittwoch erschien vor Oran, dem franzö­sischen Kriegshafen in Algerien, ein englischer Flot­tenverband, bestehend aus drei Schlachtschiffen, einem Flugzeugträger, drei Kreuzern und einer leich­ten Flottille und verlangte vom kommandierenden französischen Befehlshaber die Auslieferung der dort liegenden französischen Flotten- e i n h e i t e n , andernfalls sie angegriffen und versenkt würden. Das Ultimatum war auf sechs Stunden befristet. Der französische Admiral wies das Ultimatum ab und antwortete, er würde Gewalt mit Gewalt erroiöefn.

Daraufhin haben die britischen Kriegsschiffe den Angriff auf die Schiffe ihrer bisherigen Verbün­deten ohne weiteres eröffnet. Die stanzösifchen Flotteneinheiten nahmen den Kampf an. Gegen 19 Uhr entwickelte sich eine Seeschlacht zwischen den französischen und den britischen See­streitkräften, über deren Verlauf noch keine Nach­richten vorliegen.

Wie verlautet, hatte der stanzösische Admiral von seiner Regierung den Befehl erhalten, a u s z u - laufen und zu kämpfen, um durchzukom­men oder unterzugehen. Die in Alexandrien befindlichen französischen Schiffe sollten versuchen, mit Gewalt nach Bizerta (Tunis) durchzu- brechen. Die in England liegenden französi­schen Schiffe sollten sich ebenfalls die Ausfahrt erzwingen und entsprechend den Waffenstill- stcmdsbedingungen Brest anlaufen.

Wir erfahren noch, daß beim plötzlichen Angrif der Engländer gestern abend um 17.50 Uhr die französischen Schiffe . zum Teil ohne Damp waren und so im Hafen lagen, daß sie ihre schwere Artillerie nicht zur Wirkung bringen konnten. Diese Umstande bezeichnen die ganze Hinterhältig­keit und bodenlose Gemeinheit der Engländer. Sie eröffneten auf weite Entfernungen über­raschend das Feuer. Die Schlachtschiffe Dunkerque" undProvence" sowie der Flottillensührer"M o g a d o r" wurden in Brand geschossen und liegen brennend im Hafen von Dran. Das SchlachtschiffBretagne" ist offenbar beim Auslaufen auf eine der von den Engländern gelegten magnetischen Minen gelaufen und i n d i e Luft geflogen. Dem SchlachtschiffStras - b o u r g", fünf Flottillenführern und einer Anzahl von Torpedobooten und U-Booten gelang es, kämp­fend den Ring der englischen Schiffe zu sprengen und ins Mittelmeer durchzubrechen.

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