Ausgabe 
5.6.1940
 
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Aus -er Stadt Gießen.

Sei Flakfeuer und Fliegeralarm.

Die Fliegerangriffe auf deutsches Reichsgebiet, wie sie die OKTV.-Verlchle der letzten Zeit meldeten, veranlassen uns, eine ernste Mahnung an die Be­völkerung des Gaues Hessen-Rassau zu richten. Jeder merke sich genau und handle danach:

1. Die Verdunkelung aller Räume, vor allem' der Dachfenster, Aborte, Speisekammern, Ställe, mutz vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang völlig lückenlos fein. Ls ist festgestellt, dah feindliche Flieger Bomben geworfen haben, wenn sie irgendwo Lichtschein bemerkten.

2. Denn die Flak schietzt oder Fliegeralarm ertönt, darf bei offenen Fenstern unter kei- nenUmständen Licht gebrannt werden. Durch solche Gedankenlosigkeit wird dem Feind ein Bombenangriff erleichtert.

3. Denn die Flak schietzt oder Fliegeralarm ertönt, ist jeder Volksgenosse verpflichtet, sofort den Schuhraum aufzusuchen. Jedes Zögern kann das Leben kosten. Die Ereignisse der letzten Zeit be­weisen es.

4. Weil der Schuhraum sofort aufgesucht wer­den mutz, sind vor dem Schlafengehen die wich­tigsten Sachen griffbereit hinzulegen: Kleider, soweit vorhanden Votksgasmaske, wichtige per-' fönliche Papiere und Lebensmittel (wenigstens Getränke). Denn der Aufenthalt im Schuhraum kann unter Umständen stundenlang dauern.

5. Jede Verzögerung ist zu vermeiden, Kragen und Kravatten braucht im Schuhraum niemand zu tragen. Auch auf die Frisur wird kein Dert gelegt.

6. Der während des Flakfeuers oder des Flieger­alarms am Fenster steht, kann ein Opfer seiner Reugier werden. Die Splitterwirkung moderner Bomben ist grötzer als viele Volksgenossen mei­nen. Darum lautet die Parole: Deg vom Fen­ster, hinein in den Schuhraumt

7. Vor der Haustür, im Garten, auf den Skratzen und Plätzen stehen ist kein Beweis von TNul oder Schneid, sondern Torheit. Wir haben nicht das Recht, unser Leben frevlerisch aufs Spiel zu sehen, sondern haben Deckung im Schuhraum zu nehmen, damit wir bei.ausbrechenden Bränden unsere volle Kraft zum Einsatz bringen können.

Sehnsucht.

Jüngst, an einem sonnenhellen, freundliche Wärme verströmenden Mittag hatte ich eine eindringliche Begegnung. Mir kam, während ich den jungen Frühling von Herzen genießend heimwärts schlenderte, vom geschäftigen Amt zum wartenden Mittagstisch, ein kleiner Junge in den Weg. Er trollte ohne sonderliche Elle, seinen Ranzen lässig über die Schulter geworfen, von der Schule nach Hause zu. Seine saubere Jacke, sein weißgeblichenes Hemdlein und seine wohlgestopften Strümpfe ver­bargen gleichwohl nicht, daß seine Wiege nicht in einer reichen Elternstube gestanden haben mochte. Er war zart, schmächtig und auf seinem Gesicht, aus dem die Augen groß und blau und sehnsuchts­blank blickten, lag Blässe, Stadtblässe.

Es ergab sich, daß wir für eine Welle den glei^ chen Weg hatten. Fürs erste gingen wir schwei­gend nebeneinander her, und er mußte immer drei Schritte machen aus ihrer jroei von mir. Einmal blickte er wie unversehens zu mir auf, und da stahl sich auf meinen freundlichen Blick ein schüchternes Lächeln in sein Gesichtlein. So schlossen wir Be­kanntschaft.

Gehst du gern in die Schule?" nahm ich die Unterhaltung auf. ,/Ja."Aber du freust dich auf die Ferien?"3a."Und was wirst du denn in den Ferien machen?", forschte ich weiter. Spielen."So, und wo wirst du denn spielen?"

Zu Hause."hm. Woyl im Garten in der Sonne, gell?"Nein, Garten gibt, es bei uns keinen, nur einen Hof. Aber da ist es nicht lustig. Nach rückwärts hin ist gleich eine Fabrik. Sie macht furchtbaren Lärm und Schmutz auch. Nein, da ist es schon besser, wenn ich im Zimmer spiele."Ja aber , werfe ich ein,gehst du nie auf irgendeine Wiese spielen und machst du nicht manchmal Aus­flüge?"3a, eine Wiese war früher in unserer Straße, aber dort wird jetzt gebaut. Und manch­mal am Sonntag, wenn Vater nicht zu müde ist, machen wir auch einen Ausflug. Aber meistens ist er zu müde."Aber sag, wie heißt du denn?" Heinz"Also Heinz, sag, möchtest du denn gar nicht in der Sonne sein und im Grünen und auf den Bergen, oder einmal eine Reise machen?" Das möchte ich, oh fa, das möchte ich sehr. Das muß schön sein; haben Sie schon eine Reise ge­macht?"Oh ja, ich habe schon eine Reise ge­macht."Eine weite? Mit der Eisenbahn?" So ist er denn ins Fragen gekommen, der kleine, blasse Heinz, und während ich ihm antworte und erzähle, werden seine Augen noch größer und sehn- suchtsblanker und blauer, so als spiegelte sich in Urnen schon das Meer, von dem er träumt.Oh", seufzte er,oh, das muß schön sein. 3eben Tag in einer grünen Wiese spielen können und Zwischen bunten Blumen, jeden Tag im Meer oder in einem See baden können und dann in der Sonne liegen und braun werden, jeden Tag im Wald mit den anderen Kindern spielen können. Und vielleicht am Abend dem Knecht zuschauen, wie er die Kühe füttert, oder der Magd, wie sie die Kühe melkt. Oder in der Frühe helfen, wenn alle das Heu wen- den, oder mit dem Bauer mitgehen in den Wald, wenn er Bäume aussucht zum Schlagen und dabei vielleicht ein Reh sehen, oh ja, das möchte ich sehr, sehr gerne. Wissen Sie, der Rudi Hebenberger, der neben mir sitzt, der hat das schon erlebt und hat davon erzählt."

3n unserer beiderseitigen Dertieftheit in unsere Unterhaltung haben wir beide nicht bemerkt, daß ein freundlicher, kräftiger Mann lauschend neben uns geht. Vielleicht schon seit langem. Nun nimmt er mit dunkler Stimme das Wort: Kleiner 3unge, möchtest du in diesen Ferien so einen Wald und eine Wiese und Heu und Sonne und Kühe und vielleicht ein Reh erleben? Weißt du, ich habe das alles, und du kannst zu mir kommen und mein Gast fein, so lange du willst. Sieh hier auf diesem Zettel schreibe ich dir meinen Namen und meine Adresse auf, und wenn deine Ferien anfangen, kannst du zu mir kommen. 3a, und wegen der Eisenbahnfahrt, da meldest du dich bei der NSV., die teilt dich dann ein in einen Kindertransport nach Bayern, denn da bin ich her." Und mit freund­lichem Gruß geht er seines Weges, Mit unserer Unterhaltung ist's auch vorbei, das ist zu begreif

Kriegseinsatz der Jugendherbergen.

Wußten Sie schon: Daß heute an den landschaftlich schönsten Stellen aller deutschen Gaue über 2000 Jugendherbergen stehen? Daß diese Jugendherberaen aus Spenden des deutschen Volkes durch das deutsche Jugenoherbergswerk errichtet wurden und allen Er­fordernissen neuzeitlicher Wohnkultur entsprechende Erholungs- und Schulungsstätten bieten? Daß die Uebernachtungsziffer in diesen Jugendherbergen im Jahre 1939 trotz des Krieges eine höhe von fast 9 Millionen erreichte?

Daß mehr als 150 dieser Jugendherberaen über 10 000 Uebernachtungen im Jahr aufzuweisen haben? Daß ein großer Teil dieser modern ein­gerichteten Bauten für Aufgaben der Krieaszeit be- sonders gut geeignet ist und dafür Verwendung fin­den konnte?

Daß gesunde, verwundete und kranke Soldaten, Rückwanderer aus allen Ländern, Flüchtlinge aus Polen, Mbeitsmaiden und erholungsbedürftige Kin­der und Volksgenossen in den Jugendherbergen Auf­nahme und beste Pflege und Betreuung finden konn­ten? Daß ein Teil der Jugendherbergen auch heute der Jugend für Schulungs- und Erholungszwecke zur Verfügung steht?

Wenn Sie all dies nicht wußten, so hat das Lesen dieser Zeilen eine Lücke in Ihrem Wissen vom Leben der deutschen Jugend ausgefüllt. Ob Ihnen dies alles bekannt war oder nicht einem solchen Erziehungs- und Hilfswerk werden auch Sie gern helfen. Dazu haben Sie Gelegenheit am 8. und 9. Juni, dem Sammeltag der deutschen Jugend.

Veschleumgle Beseitigung von Gtasschäden nach Lustangriffen.

Wie Fensterschäden verhindert werden können.

Um eine beschleunigte Beseitigung der durch Luft­angriffe entstandenen Schäden an Fensterscheiben au sichern, ist der Reichsinnungsverband des Glaser- Handwerks zu der Anweisung ermächtigt worden, im Falle außergewöhnlicher Glasschäden den ein­zelnen Glasern bestimmte Bezirke für die Jnstand- setzungsarbeiten zuzuweisen. Der Reichsarbeits­minister hat gleichzeitig den Hausbesitz darauf hin- gewiesen, daß es eine selbstverständliche Pflicht der Eigentümer ist, die Arbeiten unverzüglich durch den zuständigen Glaser vornehmen zu lassen. Die Geschädigten können nach der Gebäudeschädenvtzr- ordnung Vorschüsse aus Reichsmitteln beantragen. Die beschleunigte Durchführung des Verfahrens ist gesichert.

Durch ein Merkblatt ist die Bevölkerung bereits darüber aufgeklärt worden, auf welche Weise am wirksamsten die Fensterscheiben vor Schäden ge­schützt werden können. Im Reichsluftfcchrtministe- rium ist diese Frage eingehend geprüft worden. Man hat festgestellt, daß durch die Luftstoßwelle Zerstörungen an Fensterscheiben bis zu mehreren tausend Meter (Entfernung eingetreten sind, wäh­rend andererseits Fensterscheiben an Häusern in der Nähe unversehrt blieben. Die Wirkung hängt stark von der Beschaffenheit der Oertlichkeit ab. Das am meisten angepriesene Schutzmittel war bis­

her das Bekleben der Fensterscheiben mit Papier­streifen. Wie der Sachbearbeiter des Reichslust­fahrtministeriums, Dipl.-Jng. Schröder, inGas­schutz und Lustschutz" feststellt, haben die Kriegs­erfahrungen jedoch gezeigt, daß sowohl beklebte, als auch nichtbeklebte Scheiben zerstört wurden oder un- zerstört blieben. Bei gegenteiligen Beobachtungen mit beliebten Scheiben wurde übersehen, daß diese auch ohne Bekleben gehalten hätten. Systematische Versuche zur Klärung dieser Frage haben überein­stimmend ergeben, daß die mit Schutzmitteln ver­sehenen Fensterscheiben unter den gleichen Voraus­setzungen auch im gleichen Umfang zerstört werden wie ungeschützte. Dagegen wurden Fenster, die durch geschlossene Läden geschützt waren, weit weni- ger zerstört, nur in einem Fünftel des Umfanges der Fenster ohne Läden. Fenster in geöffnetem Zu­stand wurden nur zerstört, wenn eine Bombe in unmittelbarer Nähe zerknallte. Das Gegebene wäre also, die Fenster bei Fliegeralarm weit zu offnen und die Läden zu schließen. Wegett organisatorischer und technischer Schwierigkeiten ist das aber in der Eile nicht immer möglich, wenn Menschenleben nicht gefährdet werden sollen. Das neue Merkblatt gibt deshalb den Rat, möglichst viele Fenster stän­dig geöffnet und die Rolläden dauernd geschlossen zu halten.

fen. Er muß doch Heimlaufen, so schnell er kann, seinen Eltern bas beglückende Erlebnis zu erzählen.

Sowas ist schon, nicht? Und das meine ich: der kleine, blasse Heinz, das sind ungezählte Kinder, und der freundliche, starke, dunkelstimmige Mann, das sollt ihr sein! Nehmt solche sonnenhungrige, luft- durstigen Kinder in den Ferien als eure kleinen Gäste in euer Haus. Freilich, ihr könnt ihnen nicht so auf der Straße begegnen, wie der freundliche starke Mann aus Bayern dem kleinen Heinz, aber da sind doch überall Dienststellen der NSV.-, teilt ihnen mit, daß ihr Lust und Platz habt, in den Ferien ein Kind gastlich in euer Haus zu nehmen.

Kameradschaft der Heimat.

Die Kameradschaft der Front hat schon der letzte Krieg geboren. Die Kameradschaft der Heimat aber stützt sich auf eine neue Kraft, die aus der ncttional- sozialistischen Bewegung kommt. Sie steigert sich von Tag zu Tag. Sie geht über den Begriff der Einig­keit hinaus. Sie formt unser Volk zu einem Block, der immer mächtigere Formen annimmt Sie ist das stärkste Kind unserer Revolutton.

Wenn draußen an der Front die besten Männer fallen, dann gibt es für die Heimat nur das eherne Gesetz der Arbeit und des Opfers. Und keine Arbeit und kein Opfer find zu groß. Die Grenze der höch­sten Leistungsfähigkeit muß erreicht werden. Jeder Mann und jede Frau müssen an der Stelle stehen, wo sie dem Vaterland am besten dienen können. Der deutsche Mensch ist das wertvollste Gut, über das wir verfügen. Der überlegte Einsatz seiner Ar­beitskraft in der kriegswichtigen Produktion ist für den Kamps entscheidend. Die Leistung der Heimat muf^ im Gleichschritt mit unfern vorwärtsdrängen­den Armeen stehen. So gibt die Front der Heimat Kraft und die Heimat arbeitet und schafft, opfert und sorgt Tag und Nacht für die Front. Front und Heimat sind wie Kameraden, die miteinander stehen, kämpfen und siegen.

In unserer Arbeit liegt die Gegenleistung für das Heldentum unserer Soldaten, die mehr einsetzen als wir. Die ihr Blut geben und ihre gesunden Knochen. Die Frauen, Mütter und Kinder zurucklassen, damit wir leben können und unser Reich in eine Zukunft geht, die größer ist, als die Jahrtausende vor uns.

Tageskalender für Mittwoch.

Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität: 20.15 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- wigstraße 34, Professor Glöckner überEin­führung in die Aesthetik der bildenden Künste (II. Teil: Zeichnung und Malerei); 20.15 Uhr im Chemischen Institut, Ludwigstraße 21, Professor Dr. Weitz überWie entdeckt man ein chemisches Element". Gloria-Palast (SelterswegftEin Robinson"; 14.45 Uhr Wochenschau-Sondervorstel­lungDas deutsche Schwert schreibt Geschichte". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße)Es war eine rau­schende Ballnacht".

Rotizen für den 6. Juni.

Sonnenaufgang: 5,05 Uhr, Sonnenuntergang: 21.42 Uhr. Mondaufgang: 5.51 Uhr, Mondun­tergang: 21.39 Uhr. Neumond: 3.05 Uhr. llS-GemelllWsl M Kraft önröi Srenöe

Wir machen darauf aufmerksam, daß am Don­nerstag, dem 6. Juni, nachmittags 15 Uhr, eine kostenlose Führung durch den Botanischen Garten stattfindet. 2687D

BOM., Llntergau 116, Weiterau.

Alle Jgn. des Jahrgangs 1922, die in die Partei aufgenommen werden wollen, melden sich am 5.6. um 17 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues, Seltersweg 52.

Mdel-Gruppe 2/116, Gießen-INitte.

Mittwoch, 5. Juni, tritt die Gruppe mit Spvrt- zeug um 20 Uhr am Waldsportplatz an. U. a. wer­den die Reichssportwettkämpfe nachgeholt.

BDUr.-werk-Gruppe la/116.

Der Dienst für die gesamte Gruppe ist, wie seit­her, regelmäßig Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr, in der Turnhalle der Goetheschule.

Sommerspielzeit 1940 im Stadttheater Gießen.

Aus dem Dramaturgischen Büro des Stadt­theaters Gießen wird uns geschrieben:

Das Stadttheater Gießen eröffnet am Dienstag, 11. Juni, feine Sommerspielzeit 1940. In dem Be­streben, dem gesunden Unterhaltungsbedürfnis des Publikums Rechnung zu tragen, werden für diese Zeit zwei LustspieleZwei im Busch" von Axel Soers undTrockenkursus" von Kurt Bortfeld zur Aufführung gelange«. Für die Auswahl der beiden Stücke war, neben den bekannten Namen ihrer Autoren, der Erfolg dieser Lustspiele an zahl­reichen anderen Bühnen des Reiches maßgebend. Ihre Aufführungen holen die noch ausstehenden Wahlmiete-Vorftellungen nach.

Es werden außerdem mehrere moderne Werke des Sommerspielplanes in Bad-Nauheim auch dem Gießener Publikum zugänglich gemacht werden. Das Stadttheater wird, feiner Tradition und kulturellen Aufgabe getreu, mit einer Anzahl von Gastspielen hervorragender Schauspieler und Spielgemeinschaf­ten einen Einblick in die Arbeit unserer ersten Theater vermitteln, sowie der bodenständigen Kunst der Bauernbühnen Raum geben.

In einem Gastspiel mit HerczegsBlaufuchs" wird sich das Burgtheater in Wien als repräsen­tativste Bühne gepflegter Schauspielkunst vorstel­len, bas bekannteKabarett der Komiker" in Ber­lin läßt die ersten Meister des Humors vielfach bekannt durch Film und Rundfunk zu Worte kommen, und das Tegemseer-Bauerntheater des Ander! Schultes zeigt urwüchsige Bauernkunst. Weitere Gastspielverhandlungen stehen vor ihrem Abschluß.

So wirb bas Stabtthectter Gießen auch feine Sommerspielzeit getreu dem Goethe-Wort durch­führen:Wer Vieles bringt, wirb Jebem etwas bringen!"

Blumenbinderinnen in der Leistungsprüfung.

Heute morgen duftete es im Saale des Hotels Hindenburg" nach frischem Tannengrün und Blu­men verschiedener Art. Tannengrün und Blumen waren alsWerkstoff" in den Saal gebracht wor­den, denn im Lause des heutigen Taaes findet dort die Gehilfenprüfung der jungen Blumenbinderin- nen statt, die fidb aus Ems, Nassau, Weilburg und Gießen eingefunoen haben, um vor der Prüfungs­kommission ihr Können zu beweisen.

Gärtnermeister Schneider (Gießen) eröffnete die Prüfung mit herzlichen Worten der Begrüßung und gedachte zunächst der großen geschichtlichen Stunden der Gegenwart. Er widmete Dem Führer, der uns allen die Möglichkeit gegeben hat, in Ruhe der Arbeit nachzugehen, ein dreifaches Sieg-Heil. In Anwesenheit der Vertreter der Organisation der Blumenbindereien in Hessen, eines Vertreters der Industrie- und Handelskammer, des Arbeitsamts usw. wurde dann mit der theoretischen Prüfung begonnen, die zunächst einen Aussatz über das ThemaWerkstoffe und ihre Verarbeitung" ver­langte. Im Laufe des Vormittags waren bann ver­schiedene Rechenaufgaben zu lösen, schließlich auch eine Reiche von fachlichen Fragen in unmittelbarer mündlicher Prüfung zu beantworten. Heute Nach­mittag wirb die praktische Prüfung durchgeführt.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Aus dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteige­rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 45,5, Bullen 33 bis 39, Kühe 24,5 bis 69, Färsen 40,5 bis 44,5, Kälber 28 bis 63, Hämmel 42 Rpf je V« kg Le­bendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebend­gewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, c (90 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 89,5 kg) 1,02, ef (60 bis 79,5 k^) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen). 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Markt- verlaus: Austrieb gut, alles zugeteilt.

Amtsgericht Gießen.

P. I. in Heuchelheim hatte einen Strafbefehl über zwei Monate Gefängnis erhalten. Er war beschuldigt, am 21. Oktober 1939 mit einem Per­sonenkraftwagen mit Anhänger den in Richtung Klein-Linden auf' der rechten Straßenseite auf einem Kleinsahrrad fahrenden Dr. M. rechts über­holt zu haben. Hierbei wurde Dr. M. vom Rad geschleudert und erlitt Verletzungen am Kopf und einen Bruch des linken Handgelenks. Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. Der Anklagevertreter beantragte eine Geldstrafe von 150 RM., ersatzweise einen Monat Gefängnis. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 100 R M., ersatzweise 20 läge Gefängnis, ver­urteilt. Die seitherige Unbestraftheit und die Ju-

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen*

§ Steinbach, 5. Juni. Am heutigen Mitt- woch, 5. Juni, kann Frau Katharine Gerhard, geb. Horn, Witwe des Landwirts Heinrich Ger­hard III., in einer für ihr Alter erfreulich guten Gesundheit den 8 5. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen herzsich.

* Lich, 5. Juni. Unser herrlich gelegenes Wald-Schwimmbad wird am morgigen Donnerstag wieder geöffnet. Die Badelusti- gen und die Freunde einer schöner Landschaft wer- den nun wieder für einige Sommermonate Gele- genheit haben, in dem idyllischen Bad Stunden der Erholung und Freude finden zu können.

cv> Langsdorf, 4. Juni. Als erster Sohn un­terer Gemeinde erhielt der Unteroffizier Richard Köhler, d^r bei einem Feldartillerie-Regiment im Westen steht, zur Anerkennung feiner vor dem Feind bewährten Tapferkeit das Eiserne Kreuz II. Klasse. Sein Vater machte den Weltkrieg mit, fein noch lebender Großvater, der in diesen Tagen sein 89. Lebensjahr vollendet, ist unser letzter Vete­ran des Feldzuges von 1870/71.

Von der Marburger Universität.

Lpd. Marburg, 4. Juni. Bei der in der Aula der Universität abgehaltenen Immatrikulation der Studierenden des zweiten Trimesters teilte der Rek­tor Professor Dr. Th. Mayer in seiner Ansprache mit, daß die Gesamtzahl der eingeschriebenen or- deutlichen Studierenden sich auf 1276 stelle, wobei die Beurlaubten nicht mitgezählt seien. In feinen weiteren Ausführungen erwähnte er noch, daß sich erfreulicherweise eine Kameradschaft ge­troffen zum Eintritt in das Heer gemeldet habe und die andern Kameradschaften dies ihren Mitgliedern einzeln nahegelegt und viele von ihnen auch Folge geleistet hätten. Hinzugefugt fei, daß in diesem Trimester 19 Ausländer, darunter 13 Volksdeutsche, in Marburg studieren.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 5. Juni. (Dorbericht.) Der Hauptmarkt für Kälber und Schweine war aus­reichend beschickt und nahm einen regen Verlauf. Das Vieh wurde zu etwa folgenden Preisen zugetellt: Kälber 25 bis 65 RM., Hämmel 30 bis 51, Schafe 20 bis 44, Schweine 50 bis 56 RM.

G.A-Gpori.

LleberrafchendeGrgebniffe der 2. Klaffe.

Großen-Vufeck I- Heuchelheim I 8:0 (3:0),

Entgegen unserer Vorschau mußte sich HeuHel- heim eindeutig geschlagen bekennen. Die Elf hat, wie sichs zeigte, nicht die Erfahrung für derartig schwere Spiele. Der Tabellenführer, der noch einige Spieler der Vorkriegszeit in feinen Reihen hat, war auch körperlich den kleinen Gästen überlegen. Die Gäste konnten zwar bis aut Pause das Spiel noch einigermaßen offen gestalten, doch konnten sie drei Tore der Platzherren nicht verhindern. Nach dem Wechsel kamen die Gastgeber stärker auf,und in regelmäßigen Abständen erzielten sie weitere fünf Tore.

Steinbad) I VfD.-R. II 2:2 (1:0).

Nach langen Bemühungen ist es den Grün- Weißen gelungen, den ersten Punkt zu ergattern. Die Mannschaft war etwas verstärkt worden, was sich sehr vorteilhaft auswirkte. Während die Platz­herren vor der Pause eine leichte Feldüberlegenheit herausspielen konnten, allerdings nur ein Tor schos­sen, waren die Gäste nach der Pause tonangebend, konnten. den Führungstreffer aufholen und kurz darauf sogar in Führung gehen. Doch dauerte die Freude nicht lange, und Steinbach glich wiederum aus. Kurz vor Schluß bot sich den Grün-Weißen eine gute Gelegenheit, einen knappen Sieg zu er­ringen, aber der Handelfmeter wurde nicht verwan­delt.

Garbenteich I Klein-Linden I 6:1 (4:0).

Im Rückspiel muhte sich Klein-Linden wiederum geschlagen bekennen, diesmal fiel die Niederlage so­gar höher aus. Die Mannschaft mußte auf mehrere gute Spieler verzichten, was sich sehr ungünstig aus­wirkte. Die Gastgeber hatten durch Urlauber eine wertvolle Verstärkung erhalten. Bis zur Pause hatten die Gäste wenig zu bestellen und mußten vier Tore einstecken. Nach dem Wechsel wurde das Spiel offener, jedoch reichte es den Gästen nur zum Ehren­tor, die Platzherren waren noch zweimal erfolgreich.

Hungen I Gröningen I 16:0 (9:0).

Man hatte zwar auf einen sicheren ©ieg her Hungener getippt, daß dieser jedoch so einoeutig ausfallen würde, dürfte sehr überrascht haben. Die Platzherren haben nunmehr eine Mannschaft, die noch manchem Gegner gefährlich werden wirb, lieber den Spielverlauf ist nicht viel zu berichten, die Gäste hatten nichts zu bestellen und müssen noch viel lernen.

Flugmodelle-Ausscheidungskampf bei Aßlar-Wehlar.

Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre trotz des Krieges auf der Wasserkuppe der vom NS.-Friegerkorps veranstaltete Reichswettbe­werb für Segelflugmodelle statt. Vor Beschickung dieses Wettbewerbs werden Ausschei­dungskämpfe von den einzelnen Gruppen des NS- Fliegerkorps ausgetragen.

Die Gruppe 11 (Heffen-Westmark) des NS.-Fliegerkorps berief ihren diesjährigen Aus­scheidungs-Wettbewerb auf dem Segelfluggelande Hohe Warte bei AßlarWetzlar für den 8. und 9. Juni ein. Es werden über 70 Flugmodell­bauer mit 75 Flugmodellen teilnehmen. Viele dieser Flugmodelle gehören der FAJ.-Klasse an, das heißt: sie entsprechen den internationalen Formen und sind somit international wettbewerbs­fähig. Die Flugmodelle mit der besten Punktzahl, die sich aus der technischen Beschaffenheit der Flug­modelle und den erflogenen Zeiten ergibt, werden dann zur Beschickung des großen Reichswettbe­werbs auf der Wasser kuppe ausgewählt.