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Ur. 80 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)

Freitag, 5. April 1940

sagten, ebenso die Blumen in meinem Zimmer, und Pichfrau ausgmg, abends abholte o . ' J « r...... n-rfj. s.:- fFnXftrh Pnm her 'Rripf hpc; 1<P lf

der von sich abändern und behielt die beiden Rirr

kommen. . rav»

Auf diesen Tag wartete Anita wie aus das Gluck. Sie stand oft bei Lisa in der Küche, ließ sich Dieses und Jenes erklären, war dem Gärtner beim Gie­ßen behilflich und bat die Mutter, ihr eine Land­arbeit anzufangen. Eines Mittags begann ste mit der Zeitungsfrau ein Gespräch, deren Mann im Feld stand. Für die beiden Mädchen der Zeitungs- L_.. fitnX »in hrpiinhriaß5. lieft sie Klei-

die kunstvolle Decke auf meinem Tisch, die ich so­fort als wertvolle Handarbeit erkannte und be­wunderte, nannten Sie das Werk Ihrer Frau Mut­ter. Und--?" Er zuckte die Schultern und zog

die Augenbrauen hoch, daß sie wie große Fer­maten über seiner Frage standen.

Bleiben wir bei der schönen Stimme!" sagte sie ironisch und erhob sich, das aufgeschlagene Noten­heft auf den Flügel stellend.

Daß dabei ihr Blick flüchtig den Spiegel streifte, entging ihm nicht, und er lächelte, während er sich den Stuhl zurecht rückte und die Hände abwartend auf die Tasten legte.Du bist Orplid, mein Land", las er,von Hugo Wolf." Und da sie. neben ihm stehend, noch nicht begann:Darf ich wissen, Fräu­lein Anita, wo das Orplid Ihrer Seele liegt? Wie denken Sie sich Ihr künftiges Leben an der Seite

Tanz-Sinfonie-Orchester Robert Gaden kommt nach Gießen.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" war­tet demnächst wieder einmal mit einer besonderen Veranstaltung auf. Das Tanz-Sinfonie-Orchester Robert Gaden, das in einer Stärke von 30 Mann konzertiert, wird nach Gießen kommen und am Montag, 15. April, um 16 und um 20 Uhr tm Gloria-Palast seine Weisen erklingen lassen. Dem Orchester geht ein guter Ruf voraus. Man darf er­warten, schwungvolle Walzermusik zu hören, daneben aber auch sonstige- Schlagermusik in scharf akzentuier­tem Vortrag. Das Orchester verfügt über eine statt­liche Anzahl von Solisten, die ihr Können ebenfalls in verschiedenen Sonderdarbietungen beweisen wer­den. Das Orchester, das sich gegenwärtig auf einer Konzertreise durch Deutschland befindet, hat überall begeisterte Aufnahme gefunden. Sicherlich werden sich auch die Gießener von den Tanzweifen des Orchesters Robert Gaden begeistern lassen.

Oer Weg

zum öffentlichen Lustschuhraum.

Die Hinweisschilder zu den öffentlichen Luftschutz­räumen sind nachts zu erleuchten. Es wird dies jedoch nicht üb roll durchführbar sein. DieSirene" weist deshalb darauf hin, daß jeder gut tut, sich tagsüber an Hand der Hinweisschilder über die öffentlichen Luftschutzräume zu unterrichten, die an den von ihm meist benutzten Wegen liegen. Befindet man sich bei nächtlichem Fliegeralarm zufällig in einem fremden Stadtteil, so werden zweifellos ortskundige Straßen-

Erläuterungen über die Unterscheidungen der Metalle

' würde.

Als eines Tages die Ortschaft Einquartierung be­kam und der Villa ein Leutnant zugeteilt wurde, begrüßte ihn Anita in ihrem schönsten Kleid Aber nur die Augen des Soldaten wurden groß und leuchtend bei ihrem Anblick, seine Worte blieben kühl und höflich. Anita, die sich vorher.im Spiegel

eines Mannes?"-

Da sie immer noch schwieg und von ihm weg, tiefer ins Zimmer zu gehen anfing, präludierte er leise die Eingangstakte des Liedes und fuhr dabei fort:Sie sind schön!" Anita machte unwillkür­lich kehrt und kam zu ih mzurück" man wird Ihren Mann einmal beneiden, und er wird es schwer haben."

Schwer!" unterbrach sie ihn.

Ja, schwer!" wiederholte er,denn er hat seine Berufsarbeit, den Aerger des Alltags und kann nicht einmal wie das andere Mal zu Ihnen sein, wenn Sie ihm nicht helfen. Er wird Sie verlieren, wenn Sie wig nur umspwärmt sein sollen und andern begegnen, die ihn darin vielleicht über­treffen" Leise ließ er sein Spiel in einen Akkord ausklingen:Sie müssen sein Kamerad werden, Fräulein Anita!" Langsam drehte er sich um und sah sie ernst an:Wir Soldaten lernen, was es heißt- einer für den andern dafein, einer mit dem andern alle Widerwärtigkeiten und Gefahren teilen, einer für den andern Opfer bringen."

Sie ging fturrim zum Flügel, klappte ihn zu und verließ mit raschen Schritten das Zimmer.

ihrer Bestürzung erfuhr sie, als sie am näch­sten Morgen verspätet zum Frühstock kam, daß der Leutnant sich verabschiedet habe, jveil die Kolonne abaerückt sei. Er habe versprochen, bei seiner näch­sten Urlaubsfahrt zu seinen Eltern vorbei zu

Was hier für die Gesangvereine gesagt ist, kann in gleicher Weise auf viele andere Vereine be­zogen werden, insbesondere auch auf Turn- und Sportvereine, aus deren Schränken sich mancher Pokal und manche Plakette aus längst vergangener Zeit wertvoll verwenden ließe.

NS-GenleiliWsl K Kraft öuröi Steaöe

Achtung! ftöj.-Sport

Jeden Mittwoch, Donnerstag und Freitag finden folgende Kurse statt: 1678V

Mittwoch. 20.30 bis 21.30 Uhr: Sport und Spiele für Männer und Frauen, Goetheschule, Horst- Wessel-Wall.

Donnerstag. 20.30 bis 21.30 Uhr: Gymnastik und Spiele für Frauen, Schillerschule, Schillerstraße.

Freitag. 16 bis 17 Uhr: Kindergymnastik (für Kin­der unter 10 Jahren), Goetheschule. Hierfür Anmel­dungen vorher an Sportamt, Schanzenstraße 18, oder KdF., Laden Seltersweg, erbeten.

Freitag. 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr: Schwimmen für Männer und Frauen, auch Anfänger, Volksbad.

Neuanmeldungen werden in den Kursen ange­nommen.

Giehen-Klein-Linden.

Am Dienstagabend fand in der WirtschaftZur Burg" eine außerordentlich stark besuchte öffentliche Versammlung der Ortsgruppe Klein-Linden der NSDAP, statt.

Der stellvertretende Ortsgruppenleiter Rudolf »Jung begrüßte die vieleck^Lesucher. Kreisleiter Backhaus (Gießen) bM^M^ sodann in länge­rem Vortrag zeitgemäßt^^^^W, die heute jeden Volksgenossen beschäftigeW^^WMer die auch jeder orientiert sein müßte. E^^Mach u. a. über dis Gründlichkeit der Behandlung schwebender Gegen» wartsfragen bei allen maßgebenden Stellen. Er warnte u. o. vor der Schwatzhaftigkeit und deren eventuellen schweren FMen für unsere Soldaten und ermahnte, in den KiMsgefangenen immer den Feind zu sehen und sich tff keine Gemeinschaft mit ihnen einzulassen. Der Redner sprach von dem Segen, der von der Durchführung der Jugendschutz­gesetze für unsere Heranwachsende Jugend zu er­warten sei und setzte sich besonders für einen vollen Erfolg der Sammlung kriegswichtiger Metalle rin. Die Vereine rief er auf, auch ihrerseits durch das Opfern der vielfach wenig künstlerisch wertvollen Gegenstände in den Dereinsschränken dem Vater-

Hundefreundschast.

Von H. Iürstenberg.

Zwischen den Leuten im ersten Stock und den Leuten im zweiten Stock im Hause Dtarktstraße 84 war ein Streit entstanden, einer jener lächerlichen Mieterstreite, die um einen Waschküchenschlüssel oder um Klavierspiel anfangen, mit heftigen, hals­starrigen Aeußerungen und Vorwürfen und der Stellungnahme der übrigen Hausbewohner genährt werden und schließlich in einem Tribunal vor dem Richter enden. Die Leute im zweiten Stock hatten ein Kind, ein kleines Mädchen, das zum Aerger der Leute im ersten Stock laut und vergnügt die Treppen heruntersprang, die Leute im ersten Stock hatten einen Hund, der die Leute im zweiten Stock damit in Zorn brachte, daß er an ihrer Wohnungs­tür kratzte und bellte, weil hinter dieser Tür seine Spielgefährtin wohnte. Da der Streit täglich er­bitterter wurde, wurde dem Kind von seinen Eltern verboten, mit dem Hund zu spielen, der Hund wie­derum bekam Prügel von seinem Herrn, wenn er einen Knochen von dem Kind bekommen hatte. In­dessen war es trotz aller Maßnahmen nicht möglich, das Kind und den Hund auseinander zu halten oder sie gar in unfreundliche Gesinnung zueinander zu bringen.

Seitwärts neben dem Hause war ein Hofplatz mit einem Treppenwinkel, dort saß das Kind mit seiner Schiefertafel in der Sonne und schrieb Zah­len und Buchstaben. Neben ihm lag der Hund, hatte die Schnauze an die Schürze des kleinen Mädchens gedrängt und schlief. Kam jemand auf den Hofplatz, so sagte das Kind barsch:Lümmel, scher dich fort", und gab dem Hund einen zärtlichen Klaps. Dann hob Lümmel die Nase ein wenig und stand langsam auf und trottete ein paar Schritte weit über den Hof. Gleich darauf kam er zuruck und legte sich wieder hin.

Wenn das Kind mit seinen Eltern ausging, tru­delte Lümmel bedächtig und unbeirrbar einige Straßen weit hinterher: Wurde er zurückgeschickt, so machte er eine schwache Rückwärtswendung oder blieb stehen, lief wieder mit, bis er schließlich trau­rig umkehrte.

Im Zusammenhang mit der Metallspende des deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers seien nachstehend die charakteristischen Merkmale der Metalle angezeigt, auf die es bei der großen Metallspende des deutschen Volkes besonders an­kommt.

1. Kupfer fast ausnahmslos kenntlich durch den allgemein bekannten roten Farbton. Kommt im Haushalt vor in Form von Schalen, Aschenbechern, Mörsern, Kesseln, Töpfen und an­deren Geräten.

2. Messing bekannt durch seine gelbe Farbe und durch das meist blanke Aussehen. Kommt im Haushalt vor in verschiedensten Formen als Gebrauchs- und Ausstattungsgegenstände.

3. Bronze kenntlich an dem meist bräun­lichen Farbton. Im Haushalt im allgemeinen nur in Form von Ausstattungsgegenständen (Pla­stiken, Schmuckschalen usw.) verhanden.

4. Zinn kenntlich an dem bekannten stumpfen Farbton, den ältere Zinngegenstände fast aus­schließlich zeigen. Ferner an der Weichheit des Materials. Zinngegenstände lassen sich mit einem Messer leicht anschneiden. Kommt im Haushalt vor in Form von 'Tellern, Geschirr, Dosen, Schalen, Krügen, Vasen und ähnlichen Geräten, z. T. auch als Plastiken und sonstigen Gegenständen. Von Blei zu unterscheiden durch das wesentlich geringere Gewicht.

5. Blei ist kenntlich an der grauen Farbe und dem verhältnismäßig schweren Gewicht des einzelnen Stückes sowie an der Weichheit des Ma­terials. Ausstattungsgegenstände und Gebrauchs­gegenstände aus Blei sind in Haushalten selten an­zutreffen, es wird im allgemeinen vorkommen in Form von Stücken alter Rohrleitungen oder als Spielsachen wie Bleisoldaten und ähnliche Erzeug­nisse der Spielwarenindustrie.

6/7. Nickel und Neusi 1 ber. Gegenstände aus diesen Metallen sind allgemein kenntlich durch

zer v. C. Ziehrer; 4.Schenkt man sich Rosen", Lied v. C. Zeller; 5.Zarewitsch", Potpourri d. Fr. Lehar; 6.Siegesmarsch v. Sieradz", Marsch v. H. P. Schmidt.

Auch die Vereine tragen zur Metallspende bei.

Im Zusammenhang mit der gegenwärtigen im Gange befindlichen Metallspende zum Geburtstag des Führers liegt der Gedanke nahe, daß auch die Vereine in ihren Schränken Umschau halten, ob nicht das eine oder andere Stück einer bisher auf­bewahrten Sammlung von Preisen und Plaketten der Metallspende zugeführt werden könnte.

Sängerkreisführer Müller (Gießen) hat zu die- fern Zwecke die Gesangvereine des Sängerkreises 3 (Gießen) aufgefordert, in ihren Schränken Nach­schau zu halten nach alten Plaketten, Wettstreit­preisen und Trophäen, die für viele Vereine kaum noch von Wert sind. Diese Gegenstände haben aber wegen ihres Gehaltes an wertvollem Metall für das Reich gerade in der Gegenwart besondere Be­deutung. Die Gesangvereine sind deshalb aufge­rufen, sich von diesen alten Sachen zu trennen, so­fern sie nicht einen ausgesprochenen und lebendigen Erinnerungs- oder Kunstwert haben.

Passanten wissen, wo der nächste öffentliche Luft­schutzraum ist. Sonst kann man auch das nächste Haus aufsuchen, um dort Schutz zu finden.

Gießener Straßenbahn mit Schaffnerinnen.

In diesen Tagen sind durch das Elektrizitätswerk etwa 12 Frauen geschult worden, die als Schaff­nerinnen der Straßenbahn in den Dienst der Volks­gemeinschaft treten sollen. Die angehenden Schaff­nerinnen wurden im Hinblick auf die Verkehrsvor­schriften unterrichtet, mit der Streckenführung und mit Tariffragen vertraut gemacht, und schließlich er­hielten sie auch Hinweise auf die Behandlung der Fahrgäste. *

Heute Freitag nachmittag werden die Schaffne­rinnen zum ersten Male zum Dienst,in der Oeffent- lichkeit antreten. An der Bevölkerung wird es lie­gen, den Frauen ihre Arbeit möglichst zu erleich­tern durch die Bereithaltung des Fahrgeldes, durch Vermeidung, großes Geld in Zahlung zu geben, durch rechtzeitige Meldung zum Aussteigen, durch deutliche Kennzeichnung des Fahrtzieles usw.

Platzkonzert am Sonntag.

Am kommenden Sonntag findet von 10.30 bis 11.30 Uhr vor dem Stadttheater in Gießen ein Standkonzert, ausgeführt von der Regimentsmusik eines Infanterie-Regiments unter Leitung feines Obermusikmeisters statt. Die Vortragsfolge bringt: 1.Alexandermarsch" v. V. Leonhardt; 2.Jubel­ouvertüre" v. Eh. Bach; 3.Wiener Bürger", Wal-

Aus der Stadt Gießen.

Schulrekrut und Elternhaus.

Allenthalben sind die Sechsjährigen nun in die Schulen eingerückt und damit in einen neuen Le­bensabschnitt. Für beide Teile, für die Eltern und für das Kind, ein großer Augenblick mit besonderen Problemen. Für das Kind hat nun der Ernst des Lebens eingesetzt: es tritt aus der kleinen und ver­trauten Gemeinschaft der Familie in die größere und fremde seiner Klasse und es muß sich zum erstenmal selbst seinen Weg bahnen. Auch für die Mutter bedeutet die Einschulung eines Kindes einen neuen Abschnitt. Mögen dem kleinen Schulrekruten auch schon Geschwister vorangegangen sein die .Schulpflicht des Sechsjährigen stellt sie wieder vor neue, halb frohe, halb etwas trauriae Empfindun­gen. Sie muß nun das Kind, das ihr bisher ganz gehörte, einer anderen Umwelt und mannigfachen fremden Einflüssen überlassen. Es gibt wohl keine Mutter, die darüber nicht einen leisen Stich im Her­zen fühlte.

Sie weiß aber auch, daß diese Entwicklung not­wendig ist, und so bleibt der einsichtsvollen Mutter 'nichts übrig, als dieser veränderten Lage Rechnung zu tragen und dem Kind durch ihr eigenes Ver­halten den Weg in das Neuland möglichst leicht zu machen. Sie wird auch belohnt werden, wenn sie die einzigartigen geistigen, körperlichen und see­lischen Entwicklungsstadien ihres Kindes freudig und nicht mit leiser Traurigkeit über sein schein­bares Fernerrücken verfolgt. Vor allem d i e Mut­ter, die zum erstenmal ein Kind zur Schule schickt, muß jede eifersüchtige Regung bekmnpfen; sie muß sich im Gegenteil bewußt sein, daß das Kind bet der Fülle des Neuen, das äußerlich und innerlich auf seine kleine Seele eindringt, mit besonderer mitgehender Liebe umhegt werden muß. Diese ge­leitende mütterliche Liebe darf und soll sich vor allem in den Kleinigkeiten des täglichen Lebens kundtun, mit denen sie den Umbruch, den das Kind erfährt, ihm erleichtert.

Das wesentlichste Hilfsmittel ist auch hier das Bei­spiel. Das bisherige Tagesprogramm ist nach den An­forderungen der Schule und des Kindes auszuteilen. Die Erziehung zur Reinlichkeit und Pünktlichkeit in allen Dingen ist nicht so sehr Aufgabe der Schicke, als vielmehr des Elternhauses. Sie ist auch keines­wegs bloß Selbstzweck, sondern bildet recht eigent­lich die Grundlage gesundheitlichen Wohlergehens und geistiger- Regsamkeit. Wie oft aber geben die Erwachsenen dem Kind durch unpünktliches Ver­halten und unvernünftige Angewohnheiten ein schlechtes Beispiel. Viele Enttäuschungen, Sorgen und Tadel werden dem Kind und der Mutter er­spart, wenn es zu pünktlichem Aufstehen, zu körper­licher und seelischer Sauberkeit angehalten wird. Ge­nügend Zeit zum Morgenessen, rechtzeitiges An­treten zum Schulweg, unbedingtes Einhalten einer genügend langen Schlafzeit, wohlabgewogene Ein­teilung von Arbeit und Spiel schaffen dem Kind die körperliche Grundlage für seine geistige Auf­nahmefähigkeit in der Schule. Sehr oft wird dem Kind eine solche häusliche Zucht nicht recht ein- gehen wollen. Mit dem festen, wenn auch liebevollen Beharren leisten wir aber dem Kind die besten Dienste. E. S.-H.

Tageskalender für Freitag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Ein Mann auf Ab­wegen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Aus erster Ehe". Goethebund / Kaufmännischer Ver­ein: 20 Uhr in der Neuen Aula Feierstunde aus Anlaß der Gießener Woche für Kunst und Kultur. Gießener Kunstwoche: Ausstellung im Foyer des Stadttheaters von 17 bis 18 Uhr.

Aus dem Stadttheater.

Die 26. Vorstellung der Freitag-Miete ist wegen der Feierstunde zur Gießener Woche für Kunst und Literatur in der Aula auf Samstag, 6. April, verlegt.

Das Kind verbarg die Knochen und Zuckerstück­chen in seiner Schultasche oder im Taschentuch ein­gewickelt, jedesmal, wenn die beiden heimlich im Treppenwinkel beieinander saßen, bekam Lüm­mel seine Leckerbissen. In diesem Treppenwinkel bekam er auch die zärtlichen Worte und liebevolles Kraulen zwischen seinen wollig bewachsenen Ohren. Weder die Leute im ersten, noch die im zweiten Stock wußten etwas davon.

Dann geschah es eines Tages, daß das Kind von seinem Schulweg nicht nach Hause kam. Erst wartete man, dann suchte man, und schließlich alar­mierte man die Polizei. Als es auf den Abend ging, waren alle Familien im Hause auf der Suche nach dem Kind, auch Lümmel war unterwegs. Nach­fragen ergaben, daß das Kind bei einigen Zirkus­wagen gesehen worden war, man forschte nach den Wagen und fand sie endlich vor der Stadt. Man fragte nach dem Kind.

Ein kleines Mädchen im roten Kleid?"

Ja!"

Doch, man hatte es gesehen, es war den Zirkus­wagen beharrlich nachgelaufen und war nur schwer zu bewegen gewesen, nach Hause zu gehen. Jetzt war es aber schon seit Stunden umgekehrt und hätte längst bei den Eltern eingetroffen fein müssen.

Die Eltern wurden bei dieser Nachricht sehr be­troffen, die Mutter des kleinen Mädchens begann heftig zu meinen. Lümmel, der daneben stand, be­griff offenbar, daß man feine kleine Freundin ver­loren fürchtete und zerrte voll Ungeduld fo lange an feinem Herrn, bis dieser aufmerksam wurde und auf den Gedanken kam, das Tier von der Leine loszumachen. Mit der Nase am Boden lief Lümmel den Weg durch die Vorstadt und durch das Gehölz, im Walde kroch er um jedes Brom­beergebüsch herum, bellte und scharrte und ließ nicht ab, die suchenden Leute mit sich zu ziehen. Da vergaßen die Leute im zweiten Stock, daß sie beit Leuten im ersten Stock ewige, Feindschaft angesagt hatten, sie vergaßen alle bösen Worte, die sie ein­ander gesagt hatten, sie folgten stumm dem Hund, der durch Büsche und über schmale Wald- ftege beharrlich nach dem kleinen Mädchen schnüf­felte.

Als sie es endlich fanden, schlafend unter einem Knüppeleichengebüsch, sagten sie nicht viel. Die Mutter küßte ihr Töchterchen, und der Mann aus dem ersten Stock klopfte feinem Hund zärtlich das Fell. Lümmel rieb zufrieden seine Schnauze an des kleinen Mädchens Kleid, das feucht vom Nebel war, er grunzte so behaglich, als wüßte er, daß ihn von nun an niemand mehr hindern würde, bet dem kleinen Mädchen im Treppenwinkel in der Sonne zu kauern und in Ruhe auf feinen ihm liebevoll zugedachten Knochen und Zuckerstückchen herumzuknabbern.

Endlich kam der Brief des Leutnants. Es hatte mit seinem Urlaub nicht geklappt, sein Besuch ver­schiebe sich damit auf eine spätere Zeit.

Aber Anita konnte ihm wenigstens schreiben. Sie berichtete schlicht von ihrer Wandlung und ihrem neuen Alltag. Und der Leutnant antwortete ohne Säumen und schrieb mit großer Herzlichkeit. Anita spürte, wie er ihr mit jedem Briefe näher kam, wie er sie, wie eine verschüttet. Gewesene, langsam in ein schöneres Leben hinüberrettete.

Einmal würde sie seine Hand in der ihren halten.

Anita und der Leutnant.

Von Peter Bauer.

Anita bewohnte mit ihrer Mutter eines der hüb­schen Landhäuser, die den waldigen Berghang des kleinen Kurortes schmücken. Ein gepflegter Garten umgrünte das in feinen Ausmaßen bescheidene, in feinem geschmackvollen äußeren entzückende Besitz­tum und gab ihm ein idyllisches Geborgensein. Akitter und Tochter konnten gut auskommen, dafür hatte der verstorbene Papa vorgesorgt. Die Haus- anftellte Lisa, die bereits zwanzig Jahre Küche und Wohnung betreute, ließ an Emsigkeit und Zuver­lässigkeit keinen Tag nach, und ein Gärtner kam immer noch regelmäßig, um die Nutzbeete zu be­stellen und die Blumenrabatten instandzuhalten.

Anita, achtzehnjährig, war schön ohne Einschrän­kung, anmutig in Gang und Geb erd en und ver­stand sich ebenso vorteilhaft wie vornehm zu klei­den. Wie alle von Jugend auf verwöhnten und ver­zärtelten Kinder fühlte sie sich stets im'Mittelpunkt ' und der Bewunderung würdig. Don der Morgen­röte der Zukunft erwartete sie einen Mann, der Geld genug besaß, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, den er ihrer Schönheit schuldig war. Selbstverständ­lich standen im Vordergrund ihrer Träume Reisen, auf denen sie die große Dame zu spielen gedachte und Gesellschaften zu Hause, deren Glanz sie fern

geprüft und ausgekostet hatte, wie sie mit einem Lächeln, vielleicht gar mit einem leichten Erröten feine Verwirrung genießen, seine stumme ober m stammelnden Worten sich verratende Huldigung yin- nehmen wollte, konnte ihre Enttäuschung kaum ver­bergen. Der stattliche, breitschulterige, lunge Mann, der, wie sie später erfuhr, schon als Doktor der Chemie im Beruf stand, hatte mit fernem ge­wandten Auftreten und seiner fesselnden Art zu plaudern vorn ersten Augenblickan einen fo tiefen Eindruck auf sie gemacht, daß sie gern die Warme einer gewissen.schwärmerischen Verehrung empfun­den hätte. . r.

Das erste Lob aus Ihrem Munde - sagte sie däher, ein wenig schnippisch, als er in Heller Be­geisterung vom Flügel aufstand, an dem er fie eines Mittags begleitet hatte, und mit dankbarem Händeschütteln ihre prächtige Stimme pries.

"Wieso, bas erste Lob?" wiederholte.er bestürz ^dreijähriges, Neß> Stieb

und ließ sich nachbenklich neben sie in emem Sesse au' X ^nbern und behielt bie beiden Kin- m-der.Was gab es sonst zu °b-n?D-° Küche , der °°n v-Y Me Mutter, bie als

fuhr er fort, da sie schwieg,befolgt Lifa, wie Ste ser tagsuuer. -i >.

ihr blankes Aussehen. Die sehr weit ver­breiteten Gebrauchs- und Ausstattungsgegenstände der Württembergischen Metallwarenfabrik sind fast allgemein Neusilber. Es ist nicht erforderlich, Nickel und Neusilber bei der Ablieferung der Spende voneinander zu unterscheiden, da beide Metalle durch die Metallspende mit erfaßt werden.

Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß Ge­genstände aus Gold und Silber, Leichtmetallen und Zink nicht der Spende unterliegen.

Jede Hausfrau wird genau wissen, welche Ge­genstände in ihrem Haushalt aus Gold und Silber hergestellt sind, sodaß hierzu weitere Anleitungen nicht gegeben zu werden brauchen.

Münzen und Plaketten sehr willkommen!

Es wirb darauf hingewiesen, baß auch die Ab­gabe von Münzen und Plaketten jeher Art bei der Metallspenbe des beutschen Volkes äußerst erwünscht ist. Selbstverständlich kommen hierfür nur außer Kurs gesetzte Münzen in Frage sowie solche Plaket­ten, die nicht einen besonderen künstlerischen ober historischen Wert haben. Es wird besonbers auf­merksam gemacht auf die große Anzahl alter Nickel-, Messing- und Kupfermünzen, die sich noch in Prioat- besitz befinden.

Messingschilder kriegswichtiges Metall!

An Wohnungstüren befinben sich noch viele Mes­singschilder, die überflüssig geworden sind. Diese sind unbedingt abzuliefern, da es sich um kriegswichtiges Metall hanbelt. Bei der Anfertigung von neuen Schildern sollte man den neuen deutschen Werkstoff wählen. Die aus diesem Stoff hergestellten Schilder können mit moderner Schrift versehen werden. Sie sind auch durch entsprechende Farbenwahl viel les­barer. Aus diesen Gründen gehören Messingschilder in die Altmetallschmelze zur Stärkung unserer Rüstung.