Montag. 4. NovemberMO
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 261 Zweites Blatt
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Neue Marksteine der Universität Gießen
Dr.
Gauleiter Reichssiatthalter Sprenger
(Nachdruck verboten.)
18. Fortsetzung.
schwarzen Talare als Amtstracht des Senats wurden durch braune und kleidsamere ersetzt. Der toport wurde gefördert, und im nächsten Jahre wird aus dem Hvherodskvpf eine «»chihütte der Gießener Uni
versität erbaut werden. '
Der Rektor betonte bann, ihm sei es dank dem Weitblick, der Zielstrebigkeit und der praktischen Hilfe des Gießener Oberbürgermeisters Ritter, Ehrensenators der Universität, möglich geworden, bafi das Dorlesungsgebäube nunmehr auch nach außen- hin nicht nur’ bie Trabition einer ber ältesten beut- chen Hochschulen würbig zum Ausbruck bringe, son- bern auch unseren Nachkommen repräsentativ den Eindruck einer großen Zeit Deutschlands vermittle. Die Umbauarbeiten im Vorlesungsgebäude hätten den Zweck, bie Einmaligkeit unseres heroischen Zeitalters auch baulich zu 'bokumentieren. Der Rektor bankte bann bem Oberbürgermeister, Ehrensenator Ritter, für seine tatkräftige Hilfe unb ber Stabt Gießen für ihr hochherziges Geschenk herzig, er bankte zugleich auch bem Stabtbaubirektor Gra - ö e r t für seine aufopfernbe Tätigkeit unb vor allem bafür, baß er mit so viel künstlerischem Empfinben den Umbau burchgeführt hat ferner bankte er ben Unternehmern unb Arbeitern für ihre Arbeitsleistung, vor allem auch ben Malern W. Imkamp unb W. Kröll, ben Schöpfern ber beiden Führerbildnisse, die — wie am Freitag von uns schon berichtet — jetzt die Universität würdig schmücken.
Sodann hörte man, daß sich bie Frequenz ber Studierenden seit bem vorigen Semester verdoppelt hat unb vom Reichsbozentenführer bie Zustimmung zur Gründung einer wissenschaftlichen Akabemie bes NSD.-Dozentenbundes an der Universität Gießen erlangt würbe. Bei einem Ausblick auf bie Aufgaben ber Zukunft betonte ber Rektor u. a., baß unsere Universität eine ibeale Ausbaufähigkeit burch bie berests erfolgte umfangreiche Planung unb Sicherstellung von Baugrunb besitzt unb bereits ein großzügiger Generalbebauungsplan vorliegt, ber jebe Möglichkeit einer Fortentwicklung in sich schließt. Er wies schließlich noch auf bie vortrefflichen Ausbilbungsmöglichkeiten in unseren hervorragend ousqeftatteten Instituten unb auf bie vielfachen Einrichtungen für unsere Stubenten hin, wo
bei bie Förberung bes Sports mit an vorderster Stelle steht. Am Schlüsse seines Berichts gab ber Rektor ber vollen Bereitwilligkeit aller Dozenten unb Stubierenben Ausdruck, mit aller Kraft sich auch ben großen Ausgaben ber kommenden Zeit
nahm nunmehr bie Einweihung bes Baues vor. Zum Beginn seiner Rede gab er seiner Freude bar- über Ausbruck, baß bie Doraussetzungen, bie er bei seinem ersten Besuch in ber Universität an bereu Entwicklung geknüpft habe, sich immer mehr erfüllen. Er bankte besonbers bem Rektor Prof. Dr. Kranz, daß unter seinem Rektorat, auch wenn bieses erst ein Jahr bauer» bi» Entwickln na ber
Universität so ungeheure Fortschritte gemacht habe. Dem Rektor sei es zu verdanken, daß dieser Aufschwung heute schon festzustellen sei. Ferner dankte der Gauleiter bem Oberbürgermeister Ritter, daß er bisher so bereitwillig unb großzügig bie Universität Gießen gefördert habe. Dann wies er an Hanb bes Gießener Beispiels auf bie Wichtigkeit bes Zusammenwirkens aller Kräfte hin, um baburch
ein Zimmer im Granb Hotel unb versank sofort, übermübet wie sie mar, in traumlosen Schlaf.
Am nächsten Morgen ließ sie sich vom portier ämtliche Kritiken besorgen, las sie genau durch und and auch ein paar Bilder „von sich".. Merkwürdig, wie dieses feingliedrige, zarte Geschöpf ihr glich! Sie hätte ihre Tochter sein können, diese kleine Hochstaplerin. Seltsam, irgend etwas in diesem Gesicht rührte Dera. Vielleicht war es die große Jugend, ber Schimmer von Kinblichkeit, ber von Anita Silesen ausging.
„Die Dame hat hier gewohnt", erklärte das Stu- benmäbchen, bas Dera bie Zeitungen mit bem Früh- stück ans Bett gebracht hatte, eifrig.
,Ach, wie interessant", rief Vera. „Hat sie sich als Frau ober als Fräulein Vera Verries eingeschrieben?" . ., . , „
„Sie hat sich erst ganz zuletzt eingeschrieben , sagte bas Mäbchen. „Verries ist wohl ihr Künstler- name."
„So, und wie hieß sie wirklich?
Das Mäbchen buchte nach. „So ähnlich wie Anita Silesen." m .... t .
Dera lächelte. Anita Silesen! Die Geschichte begann sie zu amüsieren. „Wohin ist sie weitergefahren?"
„Nach Stockholm!"
„Danke!" Vera steckte sich eine Zigarette an. Das würbe ja immer interessanter Vermutlich hatte bie kleine Dame vor, auch in Stockholm unter Veras Namen zu tanzen. Vera gab ihren Plan auf, bie ganze Geschichte in Göteborg aufzubecken. Sie wollte bas Mäbchen erst kennenlernen, unb sie zwei- feite nicht baran, baß es ihr gelingen werbe, bie kleine Schwinblerin zu entlarven. Im Grunde erschien ihr bas alles unwichtig. Sie zürnte ihr nicht einmal; sie fühlte eher eine gewisse Dankbarkeit gegen bie Unbekannte, die ihre Gebauten von ihrem Kummer ableitete.
Mein Gott, wie konnte sie sich auch nur so verlieben! Sie gehörte sich ja nicht mehr Wäre Arne jetzt eingetreten, sie wäre ihm an bie Brust geflogen unb wäre mit ihm gegangen in Armut, Not unb Schaube hinein. Aber er kam ja nicht. Er batte seine Fische — unb sein Geheimnis. Für ihn mar bas Spiel aus, aber für sie würbe es nie zu Enbe sein Sie schüttelte gewaltsam bie Gedanken ab, machte sich fertig, bezahlte bas Hotel unb fuhr nach Stockholm. (Fortsetzung folgt.)
entlang. Die Sonne neigte sich. Der Monb schwamm 1 schemenhaft, kaum erkennbar in ber Dämmerung. Das Wasser würbe blutrot; bann schien es zu Stahl zu gerinnen. Kleine Seen tauchten auf, von Wasserrosen umklammert. Dann tarn bie Nacht, fast taghell und kühl. Das helle Band ber breiten Chaussee glich Riesenschlangen, bie sich krümmten, anftiegen und willig ihren silbernen Rucken bem Wanberer barboten. Sie ringelten sich zu ben Gebirgen bes Trollhättan hinaus, belagert von Felsen unb ben Geheimnissen nachtdunkler Wälber. Das riesige Wasserwerk bas bie wilden Fälle des Troll- hättan bezähmt hatte, arbeitete rastlos. Aber hinter bem Staubamm jagte ber Fluß weiter in bie Em- jamfeit schweigenber Täler hinab, als hatte er es eilig, bem Panzer zu entrinnen, ben Menschenhände um seinen schäumenden Leib gelegt hatten, mit ewig gleichem, dunkel singendem Rauschen hastete er dem Meere zu, um sich mit seinen grauen Schwestern.zu vermählen, die noch keine Menschen- Hand bezwungen hatte ober jemals bezwingen würde. v
Lange sah bie Frau bem bunflen Fluh nach, wie er sich verströmte unb boch nie versiegte. Dann jagte auch sie weiter, als wolle sie bie schwarzen Wasser einholen, bie es so eilig hatten, ihren Schicksalslaus zu vollenben. ,
Der Monb stand bleich am Himmel, aber die nordische Frühlingsnacht brauchte sein Licht nicht. Es war, als leuchtete sie aus sich heraus m einem feinen singenden Licht. Die Landschaft war verzaubert in Schweigen. Die königliche Ruine bes Schlosses Kungalv wuchs aus bem Berg auf. Stolz, kühn unb trotzig staub sie gegen ben fahlen Himmel. Im Laufe der Iahrhunberte war sie gestürmt, gebraubschatzt unb zerstört worben. Die Kanonen zahlloser Kriege hatten ihre Wälle angefressen Feuerfahnen waren über ihre Türme getanzt, unb boch ftanb sie gewaltig auf ihrem Felsgrund, unb um ihren unzerstörbaren Wall wehte ber Atem ber toten Könige. Dann nahm eine kleine Fähre ben Wagen auf unb entließ ihn wieber in nächtliche Einsamkeiten, in die ber rauhe Liebesruf ber Elche brach ober ber Schrei ber Nachtraubvögel, bie lautlos über bie Chaussee flogen unb sich erstaunt auf einen Meilenstein niederließen, um bas Ungeheuer mit ben glitzernden Augen vorbeijagen zu lassen.
Der Morgen dämmerte, als Dera Verries über . die lange Brücke nach Göteborg einfuhr. Sie nahm
zu widmen.
Nach dem Vortrag von Beethovens Allegretto scherzando aus der Achten Symphonie durch bas ftäbtische Orchester unter Leitung von Professor Temesvary übergab
ZOOoKilometer Liebe
Roman von Olly Boehetm
Oberbürgermeister Ritter,
Ehrensenator der Universität, bie als Stiftung ber Stadt Gießen für die Universität umgebauten Räume bes Universitätsgebäu- bes bem Rektor, zugleich mit einer Stiftungs- urfunbe. In feiner Ansprache betonte ber Oberbürgermeister, baß blese Stiftung ein neuer Ausbruck ber engen Verbuubenheit von Stabt und Universität fein solle, zugleich auch ein Beweis für bie unerschöpfliche Kraft bes deutschen Volkes sei, das sogar im Kriege ein solches Kultur werk zu leisten vermöge. Mit herzlichen Worten bemerkte ber Oberbürgermeister bann, baß unsere Universität durch bie Tatkraft unb bie unermüdliche Arbeit ihres Rektors Prof. Dr. H. W. Kranz einen starken neuen Austrieb erhalten habe, ber alle Freunde unserer Universität mit Freude erfülle unb zu gleicher reger Mitarbeit aufforberc. Die Ausgaben ber Universität Gießen würben erfüllt, weil ein neuer Geist in bie Dozentenschaft eingezogen sei und bie Gießener Bevölkerung sich genau wie früher mit ihrer Universität verbunden fühle. Die jetzt ber Universität übergebenen sieugestallteten Räume sollten ber Anfang fein zum weiteren Aufbau unb zur weiteren Ausgestaltung unserer Universität, damit sie immer Schritt halten könne mit der großen Entwicklung unserer Reiches, bie ber Führer schaffe. Dem Bauleiter verspreche er, baß bie Stabt Gießen weiter mit aller Kraft mit arbeit en werbe für unsere Universität, um auch hier an ber Schaffung einer schönen unb herrlichen Zukunft unseres Vaterlandes mitzuwirken. Sodann verlas der Oberbürgermeister die Stiftungsurkuude, die er dem Rektor überreichte.
ihre geheimnisvolle Doppelgängerin ermittelt hatte, > wollte sie ihrem Manager telegraphieren. Er sollte । ihr einen Tanzabend in Kopenhagen vermitteln. Vielleicht ließe sich auch Norwegen machen. Die Welt war weit — mein Gott, wie weit unb blau! Lerchen flogen in seligem Taumel über lichtgrune Wiesen, stiegen jauchzenb empor, mit geschwellten Kehlen, als wollten sie bas Glück ber neugeborenen Erbe in einem Lobgesang zu Gottes Fußen legen.
Dera warf ben Kopf zurück unb sah in bas feine Geäst ber Chausseebäume, bas sich wie ein Dom über ihr schloß. Die Welt war schön unb lachenb. Seltsam, bachte sie, baß so ein strahlenber Frühlingstag ben Glücklichen glücklicher, ben Einsamen aber noch einsamer macht. Sie fuhr burch Gottes schöne Erbe, aber ihr Herz tat weh. Liebe, buchte Dera Verries. _ _ .
Jo, wer liebt, ber steht Gott am nächsten. Sem Herz ist offen wie ein erschlossener Kelch unb nimmt die Wunder der Schöpfung in sich auf. Der Liebende hört ben Dogelruf anders als der Mensch mit einem schlafenden Herzen. Er erkennt btc Stimme bes Winbes, begreift bie Melobie im Rauschen bes Regens; alle Blumen unb alle Sterne neigen sich ihm zu. Die Wand, bie uns von Gott trennt, wirb nur burch die Liebe beifeitegeschoben. Nur burch sie stoßen wir hinburch zu ben letzten Wirklichkeiten. Die Liebe ist viel stärker äls wir selbst, denn wir vermögen es nicht, sie zum Schweigen zu bringen. Wir können sie mit unseren Gedanken nicht töten, Umbern sie tötet unsere Gedanken, tötet bie Vernunft, tötet alle Begriffe von Gut unb Böse , _ . ,
Der Motor summte. Wie eine Spiegelung bes Himmels lag ber Vänernsee silbern im Sonnen- alanz. Vera Verries hielt einen Augenblick an. Der See sah aus wie ein großer Riß, ber in bie grüne Erbe hineingepflügt worben wäre. Sie mußte an bie Sage aus der norbifdjen Mythologie benfen, die sich an den See knüpfte.
Der schwedische König Gilse hatte der Gottm Gefion versprochen, daß er ihr ein so großes Stuck Land überlassen wollte, wie sie im Lause eines Tages unb einer Nacht aus schwedischer Erbe her- au^upllügcn imstande wäre. Eie n-rwand- baroufhin ihre nicr Sahne in Stiere, spannte st- • vor ben Pflug und pflügte Seeland aus der Erbe
Schwebens. So entstanb ber Vänernsee.
. Weiter raste der Wagen an ben Ufern des Sees
alle bie Aufgaben zu erfüllen, die der Führer feinem Volke stelle. Auf biefcm Wege werde es auch möglich fein, durch den Einsatz aller Kräfte m den deutschen Universitäten unserer Jugend Musteranstalten für die Ausbildung zur Verfügung zu stellem
Unter dem Beifall der Festversammlung erklärte der Gauleiter sodann, Partei, ötaat und Stadt Gießen würden in engem Zusammenwirken die Aufgaben der Universität Gießen auch weiterhin stützen unb förbern. Darüber hinaus habe auch bie Gießener Hochschulgesellschaft mit ihrer Arbeit eingesetzt, die sich allmählich immer mehr ausmirfe. Er rief bnher alle zur Mithilfe m ber Hochschul- gesellschaft in Betracht kommenben Volksgenossen, Unternehmungen usw. auf, an bieser ^"^ouarbeit mitzuwirken. Wenn so alle zusammenstehen und zusammenarbeiten, bann werbe auch unsere Jugend von bem Schwung beseelt sein, ben sie brauche, um einst ihre Aufgaben erfüllen zu können; bann werde
Reichsbozentenführer Ministerialbirektor Professor Dr. Schultze, München, bei seiner Rebe.
(Aufnahmen f3j: Enke, Gießen.)
auch dem Lehrkörper alles an bie Hanb gegeben werben können, was er zur Erfüllung ferner For- fchungs- unb Lehraufgaben brauche.
Mit befonberem Stolz betonte ber Rebner, bah dieser Auf- unb Ausbau gerabe jetzt im Kriege geschaffen würbe, in einer Zeit, in ber unser Volk alle seine Kräfte anspannen müsse, um seine äußere Freiheit enbgültig zu erringen unb auf bie Dauer zu sichern. Wo sei ein anberes Volk in ber Lage, m einem Ringen, bas bes Einsatzes ber besten Kräfte bebürfc, zugleich noch im Innern seine Aufbauarbeit so stark zu gestalten unb praktisch voranmarschieren zu lassen? Gewiß, ber Friebe sei noch Nicht wieber hergestellt. Wer aber die militärische Lage richtig betrachte unb bazu sich noch im besetzten Gebiet umsehen könne, ber sei über bas Enbe bes Krieges völlig im klaren. Wir alle könnten das beglückende Gefühl haben, baß wir über ben Sieg in biefem Kriege überhaupt nicht mehr zu reden brauchen. Der Führer habe feinem deutschen Volke ben Sieg bereits errungen, und jetzt gelte es, einen siegreichen Frieden zu sichern, einen Frieden, ber es allen Feinben Deutschlanbs für immer unmöglich mache, gegen unser Volk wie- ber einen Krieg anzuze11eln.
So sei auch bieser Weiheakt ber Universität Gie- ßen ein Zeichen für bie rounberbare Kraft bes deutschen Volkes. Er übergebe hiermit diesen Umbau als Erneuerungswerk für bie Universität Gießen der Oesfentlichkeit in bem stolzen Bewußtsein daß bamit ein wertvoller Beitrag geleistet worben sei zu dem herrlichen Aufbauwerk unseres Führers Aböls Hitler: ber WieberaufrichUiNZ^Deutschlanbs^^er
In dem Mann hatte sich eine seltsame Wandlung vollzogen. Sein Gesicht war blaß unb unbeweglich töte eine Maske.
„Du bist sehr freunblich", sagte er kalt.
Vera schnitt bieser Ton ins Herz. Hätte er geschrien, getobt, dann wäre alles gut gewesen. Nun hatte sie das Gefühl, als sehe er vollkommen über sie hinweg, als spreche er zu einer fremden Dame in einer gleichgültigen Gesellschaft. Alle Wege waren «bgeschnitten.
„Ich bin nicht freundlich, ich bin wütens", sagte sie schluchzend und verstaute ihre Sachen in das Boot. „Ich wollte, ich hätte dich und deine Hütte nie gesehen."
„Du sprichst mir aus der Seele."
Er hatte seine Angel hervorgeholt, prüfte den Korken und warf den Haken in weitem Bogen in den See. Vera stand einen Augenblick sprachlos Dann lief sie zu ihm hin, riß ihm die Angel aus ber Hand, zerbrach sie in kleine Stücke, warf sie ins Wasser, sprang ins Boot und paddelte mit schnellen Stößen davon. Der Mann stand starr und sah ihr nach, als sie, ohne sich umzublicken, davonfuhr.
„Verlieb dich nicht am Siljansee!" fagte er laut vor sich hin. Dann ging er in die Hütte, um sich eine neue Angel zu holen.
11. Kapitel.
Der große Luxuswagen brauste von Marne die breite Touristenstraße entlang nach Wermland. Vera Verries saß am Steuer, und das Tachometer stieg und stieg. Sie fuhr, als wolle sie vor ihren eigenen Erinnerungen fliehen. Zum letztenmal schimmerte der Siljan silbern hinter den Hügeln. Sanfte Waldwege nahmen Vera auf, und kühle Waldluft strich über die heiße, schmerzende Stirn. Die sanfte, liebliche Landschaft tanzte an ihr vorbei, weich und anmutig, als wollte sie zum Bleiben einlaben. Für sie gab es vorläufig kein Bleiben und keinen anderen Freund als ihren Wagen, der ihr den Rausch ber Geschwindigkeit schenkte und die Eroberung der blauen Ferne. _
Sie macht? Pläne. Von Göteborg aus, wenn sie
ben Jahresbericht über bas erste Jahr seines Rek- torats, das von starkem nationalsozialistischem Aufbauwillen und einer großen Reihe von Erfolgen gekennzeichnet war. Nach herzlichem Willkommen- grüß an den Gauleiter, der als Führer der Partei im Gau Hessen-Nafsau und als Reichsstatthalter in Hessen die Neuweihe des Universitätsgebäubes persönlich vornahm, unb an alle übrigen Ehrengäste gab ber Rektor zunächst einen kurzen Rückblick auf die großen Schwierigkeiten, die er bei ber lieber- nähme seines Amtes vor einem Jahr oorfanb, bie ober in tatfroher Arbeit gemeistert werben konnten- Jetzt konnte er dem Gauleiter melben, baß der Geist in der Universität Gießen dem Geist des Gauleiters entspricht, zugleich konnte er bem Gauleiter herzlichsten Dank abstatten für die vielfache und vielfältige Hilfe, die er bisher der Universität Gießen cmgebeihen ließ und durch die es vor allem nur möglich war, in diesem ersten Jahre des Rektorats Kranz so erfolgreiche Aufbauarbeit zu leisten.
Dann erinnerte der Redner daran, daß ein Teil der Universitätsbauten auch im verflossenen Jahre trotz des Krieges fortgeführt werden konnte, ein zahnärztlich^ Institut geschaffen wurde, das tal- mudische T als Wahrzeichen ber Universität mit einhelliger Zustimmung bes Gesamtsenats beseitigt unb dafür als neues Universitätswappen bas alte Wappen des hessischen Löwen gewählt werden konnte, wobei die Stabt Gießen die Voraussetzungen dafür schuf, daß diese Aenderung mühelos möglich war. Das jahrhundertealte Siegel mit dem Kopf bes Uni- verfitätsgrüirders ist jeboch beibehalten worben. Die
__________leiter, rechts ber Rektor Professor Dr. Kranz.■—
Die feierliche Neuweihe des Gießener Universitätsgebäudes brachte unserer Alma mater Ludo- viciana am Samstag und am gestrigen Sonntag eine Reihe von Höhepunkten des geistigen Erlebens, die in der Erinnerung der Teilnehmer noch lange lebendig bleiben werden.
Den Auftakt bildete am Samstagvormittag um 11.15 Uhr
der Festakt
in der vollbesetzten Aula in Gegenwart des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger und zahlreicher weiterer Ehrengäste von Partei, Staat unb Wehrmacht, Ehrengäste aus dem Kreise ber Freunbe unserer Universität unb ber Gießener Bevölkerung, sowie der Angehörigen ber Hochschule. Die Feierstunbe würbe von bem stäbtifchen Orchester unter Leitung von Professor Dr. Temesvary mit dem Spiel der Akademischen Festouvertüre von Brahms eingeleitet. Dann erstattete
Se. Magnifizenz der Rektor Pros. Dr. H. W. Kranz


