Ausgabe 
4.11.1940
 
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wie 66 zu 33 v. H! Ein Hauptposten der Einfuhr ist Weizen. Die Hauptausfuhrartikel fini> dagegen Rosinen bzw. Korinthen und Tabak, der vornehm­lich nach Deutschland ging. Wertmäßig machte der Tabak etwa die Hälfte des Wertes oer Ausfuhr aus, mit Korinthen zusammen rund zwei Drittel. Diese Ausfuhrartikel aber sind außerordentlich kriegs- bzw. konjunkturempfindlich. Versuche, eine eigene Industrie aufzubauen, sind gescheitert, da Kohlen dem Lande völlig fehlen und selbst die weiße Kraft, die Elektrizität, aus Wasserfällen usw. nicht gewonnen werden kann, weil' das dürre und felsige Bergland über keine entsprechenden Wasser­läufe verfügt. Nur die Zigarettenherstellung hat sich in der letzten Zeit zu einer Ausfuhrindustrie entwickelt, aber da die Zigaretten wegen der bil­ligen Arbeitskräfte hauptsächlich mit der Hand her­gestellt werden, ändert sie die Wirtschaftsstruktur des Landes nicht. Die Ausfuhr von griechischen Schwämmen hat in den letzten Jahren stark nach­gelassen, da Gummischwämme in den Industrie­ländern des Westens billiger hergestellt werden konnten. Die Ausfuhr von Mineralien ist ganz winzig. Nur etwas Bauxit, das der Grundstoff des Aluminiums ist, und Nickelin sowie Schwefelkies werden gewonnen.

Bedeutend ist die Schiffahrt, aber auch sie trägt einen ganz eigentümlichen Charakter. Die Griechen kaufen überall alte Dampfer auf, die schon längst abwrackreif sind. Neben kapitalkräftigen Schiffsgesellschaften tun sich mehrere Familien zu­sammen und kaufen für ihre Spargelder einen sol­chen alten Kasten, den sie dann mit ihren Söhnen bemannen. Diese Frachter gehen nun auf Tramp aus. Sie werden nicht in der Linienschiffahrt be­schäftigt, sondern ihre Besitzer warten auf Gelegen­heit, irgendwelches Stückgut zu befördern und bieten Frachtsätze, die erheblich unter denen der modernen Dampfer liegen. Von den europäischen Seefahrts­völkern wird die griechische Art als Schmutzkonkur­renz empfunden. Immerhin dient sie der Erziehung einer tüchtigen seemännischen Bevölkerung, die sich oft vorteilhaft von den jobbernden Eigentümern unterscheidet. Das Risiko ist böi diesen alten Kästen ganz bedeutend, aber es wird einkalkuliert. Die grie­chischen Schiffe oder vielmehr der Ausschuß der europäischen Schiffahrt, der jetzt die griechische Flagge führt, sind in allen Weltmeeren zu finden, vornehmlich aber im Atlantischen Ozean, wo die Griechen gewissermaßen die niedrigste Klasse der Zubringerdienste für England ausfüllen. Uebrigens ist die griechische Schiffahrt im Verhältnis zur Be­völkerung weniger bedeutend als die norwegische, da Norwegen bei nicht ganz 3 Millionen Einwohner die fünfstärkste und zumeist moderne Handelston- n-nge der Welt aufweist, während die Griechen mit fast sieben Millionen Einwohnern erst an neunter Stelle kommen. Bei der geringen Wirtschaftskraft des Landes ist die Schiffahrt immerhin ein Aktt- vum, ihre Erträgnisse wurden 1939 auf rund 1,75 Milliarden Drachmen geschätzt, also auf 20 v. H. der Warenausfuhr des Landes. Die Drachme wertet etwa 2,1 bis 2,15 Roichs^fenntge.

Gerade die Schiffahrt aber hat Griechenland zum Satrapen Englands gemacht. Während die Masse der griechischen Bevölkerung politisch teilnahmslos, ohne westliche Bildung und sehr frugal dahinlebt, aber rassisch anständig bleibt, ist der Sckiffahrts- unternehmer gewöhnlich ein typischer Mischling mit allen schlechten Eigenschaften seiner Mischung. Die kaufmännische Ehrlichkeit und Treue, die man sonst bei den Griechen findet, sind ihm unbekannte Eigen­schaften. Diese Balkan-Plutokraten aber beherrschten Griechenlands Politik und Wirtschaft. Sie waren die Engländer des Südostens und sie haben das Land in eine Lage gebracht, die jetzt zur Entschei­dung steht.

Der italienische Bericht vom Sawstaa.

Rom, 2. Roo. (DRB.) Der italienische Wehr- Machtbericht vom Samstagabend hat folgenden Wortlaut:

In Griechenland sind die Aktionen unserer Truppen im kalamaslal in Richtung auf Gla­nina und bei den Pindushöhen im Gange. Un­sere Luftwaffe bombardierte gestern tagsüber das Mlitärarsenal von Salamis und die dort im Hafen liegenden Schiffe, militärische Ziele b e i Korfu, wobei starke Explosionen und Brände entstanden und Truppenlager bei Skipero mit sicht­

lichem Erfolg, ferner den Bahnhof von Larissa, wo ein Zug getroffen wurde, den Kanal von Korinth, die Bahnlinie Korinth Athen, die an verschiedenen Punkten unterbro­chen wurde und in zwei aufeinanderfolgenden Wel­len Saloniki. Bei Zusammenstößen mit gegnerischen Jagdfliegern wurde wahrscheinlich ein feindliches Flugzeug abgeschossen. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

3m mittleren Wittelmeer bestanden zwei Warine-Erkundungsflugzeuge einen Kampf mit drei feindlichen Jägern, von denen zwei abgeschossen wurden. Eines unserer Flugzeuge ist nicht zurück­gekehrt. Unsere Jagdflieger haben ein englisches viermotoriges Flugboot vom Typ Sunderland in Flammen abgeschossen. Ein weiteres Sunderland- Flugboot ist auf der höhe von Walta schwer ge­troffen worden.

In Ostafrika griffen feindliche Patrouillen

unter dem Schuh von Panzerwagen einen unserer Grenzposten im Gebiet von Tessenei an. Sie wur­den prompt zurückgeschlagen. Eine unserer Kolon­nen besetzte nach Ueberwindung des feindlichen Widerstandes bei Kassala die höhen des Sciusceb- Gebirges, die die Sudan-Ebene beherrschen. Wäh­rend eines Luftangriffes auf den Flughafen R o - feires wurden zwei englische Jagdflugzeuge vom Glosler-Typ abgeschossen. Der Feind hat bei Luft­angriffen einige Punkte der Bahnlinie Adele Aiscia mit geringstem Schaden bombardiert.

Im Aegäischen Weer wurden Truppen, die in der Landung auf Kreta begriffen waren, von unseren Flugformationen mit deutlichen Ergebnissen bombardiert und mit WG.-Feuer an­gegriffen. Dabei wurden auch einige Dampfer getroffen, Hafenanlagen und Vorratslager beschä­digt. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

Griechenlands Hauptstadt.

Unsere Luftaufnahme von Athen zeigt im Vordergrund die Akropolis mit dem Parthenon. Links vor der Akropolis liegt das Theater des Dionysos. (Scherl-Archiv-M.)

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Roosevelt und der europäische Krieg.

»Giornale d'Ztalia" zur außenpolitischen Linie der Vereinigten Staaten.

Rom, 2. Nov. (DNB.) Zu der jüngsten Rede des Staatssekretärs Cordell Hüll, in der dieser versuchte nachzuweisen, daß die offenkundige Kriegs­politik der Vereinigten Staaten eine Politik gegen eine Aggression der Achsenmächte sei, schreibt Gayda imGiornale d'Jtalia": Schon 1937 habe Roose­velt seine Absicht bekundet, mit den demokratischen Mächten gegen die autoritären Mächte züsammenzuarbeite-n. Seitdem habe die Verleum­dung Italiens und Deutschlands durch maßgebende Persönlichkeiten der amerikanischen Regierung und ihrer Presse immer schärfere Formen angenommen. Diese ganze planmäßige Aktion sei vor dem Krieg darauf gerichtet gewesen, Mussolini und Hitler in der Welt zu isolieren. Vom ersten Tage des 'Krieges an seien Roosevelts Mitarbeiter auf Seiten Englands und Frankreichs gestanden und hätten ihre Parteilichkeit sowie ihren versätzlichen Angriffsgeist gegen Deutschland und Italien bekun­det, die nicht ein einziges feindseliges Wort oder eine einzige feindselige Geste gegen die Vereinigten Staaten gerichtet hätten. Roosevelt habe alles vor­bereitet, um die Vereinigten Staaten von ihrer Neutralität in jedem beliebigen Augenblick in den Krieg hineinzuziehen. Die Revision des Neutralitätsgesetzes habe seiner Zeit die Waffen­

lieferungen an die Feinde Italiens und Deutschlands vorbereitet. Die amerikani­schen Schiffahrtsgesellschaften begünstigen stets die Engländer und versuchen, die Passagiere der totali­tären Staaten auszuschließen. Für den Transat­lantik Clipper sei eine Zwangslandung auf den Bermudas vorgesehen, um die Deutschen und Ita­liener von der Benutzung dieses Verkehrsmittels auszuschließen. Noch bezeichnender sei aber die militärische Hilfe. Durch die mit Kanada abgeschlossenen Abkommen seien die Vereinigten Staaten die große Waffenschmiede Eng­lands geworden. Zur Begründung des angeblich nur als vorbeugende Maßnahme ausgegebenen Ge­setzes über die allgemeine Wehrpflicht wurde wiederum eine drohende Haltung der Achsenmächte ins Feld geführt. In der Royal Air Force diene eine ausschließlich aus Amerikanern bestehende Ab­teilung, die Eagle-Squadron, deren Mitglieder be­zeichnenderweise den amerikanischen Adler als Ab­zeichen tragen und ihre Staatsangehörigkeit nicht verlieren werden.

Bei den Kundgebungen Roosevelts und seiner Mitarbeiter in der Wahlkampagne trete immer deutlicher die Tendenz in Erscheinung, im amerika­nischen Volke den Eindruck einer terroristischen

Kriegführung Deutschlands und Italiens zu er« wecken und ihm einzureden, daß das amerikanische Volk verloren wäre, falls die Achse den Krieg ge­winnen sollte. Aber nicht nur in Worten, sondern auch in recht konkreter Weise treibe Amerika dem Kriege zu.Die Synchronisierung der englischen und amerikanischen Kriegs­produktion ist das Eingeständnis eines de« iacto-Bündnisses zwischen England und den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Kriegs­ausrüstung und des Krieges. Vorläufig aber können die Vereinigten Staaten England wirksamer Helsen, indem sie nicht in den Krieg eintreten. Es gäbe aber noch mehr Anzeichen, daß die Politik Roose­velts den Krieg als Programm habe, in­dem sie sich zur Hilfeleistung gegen England ver­pflichte, selbst auf die Gefahr einer Isolierung von allen anderen Mächten hin. Sofort nach dem Aus­scheiden Frankreichs habe Amerika ohne überhaupt das Ende der Waffenftillstandsverhandlungen abzu­warten, dieUebertragung der franzö­sischen Bestellungen an England veran­laßt. Es sei ganz klar, daß die Politik Roosevelts sich anmaße, den Gang des europäischen Krieges, der Amerika nichts angehe, zu kontrollieren. So versuche Amerika, den europäischen Staaten bei ihren Entschließungen seinen Willen aufzuzwingen.

Während Roosevelt und seine Umgebung nach soviel lauten Behauptungen über die Aggressivität der Achsenmächte umsonst nach einem Beweis fi-e eine tatsächliche Bedrohung oder auch nur eine feindselige Haltung Italiens und Deutschlands gegen­über den Vereinigten Staaten gesucht hätten, be­weise alles das Vorhandensein einer programmati­schen und effektiven Feindseligkeit. Das Bündnis zwischen Italien und Deutschland wurde im Mat 1939 abgeschlossen, nachdem der vorsätzliche Wider­stand der beiden imperialen Demokratien gegen jene Politik der friedlichen Revision und Zusammen­arbeit festgestellt worden war, die Mussolini in München vorgebracht und Hitler mit sovieler loyaler Bereitwilligkeit begünstigt hatte. Das Bündnis war nurdas Verteidigungswerkzeug gege.n die Einkreisungspolitik und gegen dis Gefahr des von England unter dem leeren Vorwand der polnischen Sache organisierten Krieges. Der Dreierpakt zwischen Italien, Japan und Deutsch­land ist ebenfall nicht etwa, wie Cordell Hüll be. hauptet, mit einer aggressiven Absicht auf diesen oder jenen Weltteil, sondern lediglichals 23er« teidigungswerkzeug gegen die angel­sächsische Einkreisung und für den Wiederaufbau und für die Befriedung der Kontinente gemäß dem Prinzip der berechtigten nationalen Interessen und einer ehrlichen internationalen Zusammenarbeit gedacht.

Dies alles müsse man Cordell Hüll vor Augen führen, wenn er sich anmaße, die Achsenmächte auf die Anklagebank zu bringen. Heute fei der Beweis erbracht, daß ebenso wie in Europa einzig und allein England und Frankreich durch ihren Willen und chre Vorbereitungen die Kriegsschuld auf sich geladen hätten, die Verantwortung für einen ideolo­gischen und politischen Konflikt bei dem diesen bei­den Ländern nahestehenden amerikanischen Gruppen liege.

Am Vorabend der Präsidentenwahl in WA.

N eu y o r k, 4. Nov. (Europavreß.) Am Vor­abend der Präsidentenwahl sind Die beiden Präsi­dentschaftskandidaten in (Äegesstimmung. Roose­velts Sonderzug, ber1 am Freitag Washington verlassen hat, wird dort am Sonntag wieder er­wartet. Der Präsident hatte den größten jemals mitgeführten Stab bei sich. Roosevelts Wahlfeldzug steht ganz im Zeichen einer Amtsfortführung. Der republikanische Präsidentschaftskandidat W i l l k i s schloß seinen Wahlfeld zug mit heiserer Stimme ab, eine Folge der übergroßen Redeanstrengung, Will- kie hat feit dem 12. September nicht weniger als 550 Reden gehalten und dabei täglich drei Stunden gesprochen. Mindestens 2,5 Millionen haben seinen Reden gelauscht und mindestens 12 Millionen sahen ihn während des Wahlfeldzuges auf der Platt'form seines Sonderzuges stehn. Dadurch ist der früher wenig bekannte Politiker zu einer populären Figur geworden.

2lm Wochenende erreichte das Wahlfieber seinen Höhepunkt mit den abschließenden Reden Roosevelts in Cleveland (Ohio) und Willkies in Neu - York. Die Straßen wimmeln von improvisierenden Wcchlreduern und Debattierklubs der beiden Par­teien. Trompeten, Fähnchen, Anstecknadeln, Licht­reklame, Großanschläge, bunte Wahlautos mit Laut-

Filmen heißt arbeiten!

Von H. H. Gieske.

Nicht nur zur Zeit des stummen Films haben die jugendlichen Liebhaber und Helden die Herzen junger Mädchen höher schlagen lassen. Auch heute kann man noch vielfach die Beobachtung machen, daß eine passionierte Filmbesucherin diesen oder jenen ihr besonders sympathischen Darsteller mit einer gewissen platonischen Zuneigung durch die verschiedenen Stadien seines Lebens und Erlebens auf der Leinwand begleitet. Allerdings sind die Symptome, die diese Zuneiguna auslösen, zwischen damals und heute grundverschieden.

Ha! was waren das noch für Kerle in den nun schon verschollenen Stummfilmtagen. Don Kopf bis Fuß auf Edelmut eingestellt, war es ihre Auf­gabe, das Gute zu schützen und das Böse zu ver­nichten. Und wie sie mit den Filmschurken um­gingen! Ein Jagdhieb nach Old Shatterhand und der Verräter röchelte am Boden. Manchmal ging es auch ernster zu. Da hatte unser Held den Kampf gegen drei oder gar vier Bösewichter zu bestehen. Welche Freude war es doch, wenn er die Jungen durch die Luft wirbelte, während er selbst unver­sehrt, mit sauberem Kragen und unzerdrückter Kra­watte, strahlend vor Kraft und Schönheit, aus dem Kampfe hervorging. Kein Wunder, daß ihm die Herzen der Zuschauer und vor allem der Zuschaue­rinnen zuflogen!

Es ist klar, daß man nur allzu leicht versucht wurde, aus dem Leben auf der Leinwand Rück­schlüsse auf das Privatleben des Darstellers zu ziehen. Und das wickelte sich dann meistens so ab: Um 10 Uhr wacht unser Held auf, gähnt und streckt sich in seinem seidenen Schlafanzug, klingelt nach dem Frühstück. Der Kammerdiener erscheint und serviert auf silbernem Tablett in hauchdünnem Porzellan den duftenden Morgentrank. Der Post­eingang ist wieder einmal überwältigend. Drei Verträge selbstverständlich von amerikanischen Filmgesellschaften zu horrenden Gagenabschlüs- fen. Ein ganzes Dutzend Heiratsanträge. Rund 1800 Bitten um Autogramme. Auch einige Angebote von berühmten Mahateliers, Anzüge zu Reklamezwecken annehmen zu wollen, sind dabei. Na ja, das üb­

liche ... Unser Filmheld blättert gelangweilt in die­sen Briefen und Angeboten, diktiert seinem Sekretär ein paar höfliche Zusagen oder Ablehnungen und begibt sich ins Bad, um seinen Körper in^20 Flaschen Burgunder für die Leistungen des Tages zu stählen.

Inzwischen ist es 12 Uhr geworden. Aus dem Atelier ist schon zweimal angerufen woroen. Unser Held im Training am Punchingdall gestört läßt seinen Sekretär zurücksagen, daß er weitere Störungen als Kontraktbruch betrachten würde. Endlich, so gegen 3 Uhr, trifft er im Atelier ein. Man ist überglücklich, daß er überhaupt gekommen ist und will nun mit der Aufnahme beginnen. Aber unser Freund ist noch nicht so weit. Dergöttliche Funke" ist noch nicht über ihn gekommen. Doch schon nach der vierten Flasche Sekt stellt er sich ein. In­zwischen ist es 6 Uhr geworden. Die Arbeiter haben schon seit 5 Uhr Feierabend. Aber das macht nichts. Sie bekommen ja die Ueberstunden bezahlt und können für die Kunst auch einmal ein kleines Op­fer bringen. Nach einer Stunde angestrengtester Arbeit ist der Filmheld erschöpft. Sein Garderobier hüllt ihn vorsorglich in Schals und setzt ihn ins Auto. Der Chauffeur muß sich beeilen, denn unser Freund ist zur Gräfin X zum Souper geladen.

Ich höre schon meine Leser rufen:Steinigt ihn!" Aber, Hand aufs Herz, haben wir alle nicht einmal so oder so ähnlich gedacht? Und wie sieht es nun in der Wirklichkeit aus?

Ich war unlängst in einem Berliner Großatelier. Als unser Wagen das Tor passierte, war es genau 7.48 Uhr. Im Atelier stand schon die Dekoration fix und fertig da. Garderobiers, Maschinenmeister, Maler, Beleuchter, Maskenbildner sie waren längst an ihren Plätzen. Als ich fünf Minuten vor acht Uhr den Schminkraum betrat, saß dort schon der Hauptdarsteller des Films und ließ sich Bart­koteletten kleben. Bei der Begrüßung bemerkte ich, daß er auch fein Kostüm bereits angelegt hatte. In der Kantine traf ich ihn erst wieder. Er hatte fast fünf Stunden aufreibender Atelierarbeit hinter sich. Abends gegen 8 Uhr fuhr mein Wagen hinter oem des Künstlers der Stadt zu. Er las Zeitung. Das beste Mittel, um die auf Höchstleistung konzen­trierten Nerven wieder abzuregen. Dieser Schau­spieler wird zu keiner Gräfin gefahren sein. Ich vermute vielmehr, daß er schon eine Stunde später

den Schlaf des Gerechten tat. Denn am nächsten Morgen heißt es wieder, um 6 Uhr aufzustehen.

Theorie und Praxis! Filme zu machen, heißt in erster Linie: arbeiten und nochmals arbeiten! Und dieses Gebot trifft für alle an einem Film Mttwir- kenden zu. Denn ohne Fleiß kein Preis! Wobei es jedem überlassen bleibt, seiner Phantasie nach wie vor goldene Brücken zu bauen.

Darum liebe ich die Lagd.

Von Hermann Löns.

Hinter den schwarzen Kanten der hohen Fuhren verschwand die Sonne ein Weilchen, noch war alles Glut und Glanz, Feuer und Flamme, jetzt ist es abgeblaßt in des Ringeltaubers Farben.

Ich habe diese Stunde lieb, weyn die Ulenflucht naht, dann werde ich anders in der Stimmung; Heiterkeit wandelt sich in Ernst, Verdruß in Fried­seligkeit, beengtes Denken in unbegrenztes Ahnen.

Seltsamen Räuber übt diese Stunde auf mich aus. Gestern um diese Zett, zwischen frohen Gesichtern im festlichen Saal, da waren meine Augen auf ein­mal weit weg. Da, wo ich heute bin, waren sie, in diesem stillen Wald, wo die Schlummerstunde nahte mit leisem Tritt und Dag und Nacht die Hände gab, die eine heranziehend, den andern mit sich fortnehmend, beide verbindend und trennend.

Nichts bringt uns der Natur so nahe, wie diese Viertelstunde zwischen Tag und Nacht, und nur die Jagd ist es, die uns dazu erzieht, diese kurze Spanne Zeit zu verstehen in ihrer großen Feierlichkeit, in ihrer geheimnisvollen Andacht.

Nur deshalb liebe ich die Jagd so.

--Wie klar und unmißverständlich sagt hier unser Hermann Löns, daß er kein Jäger mar im landläufigen Sinne. Und noch deutlicher wird uns dies, wenn wir in seinen Briefen lesen, die der Freund und Hauptverleger Adolf Sponholtz mit einer vortrefflichen erschöpfenden Lebensschilderung Wil­helm Deimanns in dem Werk:Der Künstler und Kämpfer" herausgab.

Ich habe mich aus der Jagdpresse fast ganz zu­rückgezogen" schrieb er im Jahre 1908 an den rhei­nischen Erzähler Haarhaus.Den Dack^ schieße

ich nicht. Ich habe ihn oft, auch am Hellen Tage, in ruhigen Jagden stundenlang beobachtet. Seitdem ich einen Jungdachs aufgefüttert er steckt im Zoologi­schen Garten in Hannover und hat mich neulich am Pfiff sofort wieder gekannt, ttotzdem ich ihn ein Jahr nicht besuchte kann ich den Finger über­haupt nicht mehr auf feine Sippe krumm machen. Und so geht es mir beinahe mit allem Getter." Dann zwei Jahre später an Krauß:

Ich schieße nicht mehr gern etwas tot. Jedesmal, wenn ich mich herangepürscht habe und nur abzu­drücken brauche, denke ich:Ach was, laß es leben!" Drei Böcke konnte ich neulich schießen, kam aber ledig heim, doch froh, denn ich sah eine Stunde lang einem pechschwarzen Hasen zu und beobachtete ein Goldregenpfeiferpaar, bei uns fast verschwun­dene Vögel. Und das genügte mir, zumal ich einige sehr seltene Pflanzen fand und es. mir in der Ein­samkeit erlauben konnte, Sand- und Sonnenbäder zu nehmen."

Fidelio und die Katze.

Die große Sängerin Wilhelmine Schröder- D e o r i c n t hatte bereits als junges Mädchen durch ihre Darstellung des Fidelio den Beifall Beethovens gefunden, und so umstrahlte sie gerade, wenn sie in dieser Rolle auftrat die Weihe, die sie von dem Meister selbst empfangen. Als sie nun einmal in Dresden unter der Leitung Karl Maria von Webers den Fidelio spielte, sprang plötzlich im letzten Finale ein Kätzchen aus der Seitenkulisse, gerade in dem Augenblick, als sie das herrlicheO Gott, o welch ein Augenblick!" ein- setzte. Die leidenschaftliche Künstlerin war außer sich vor Aufregung über dieses Intermezzo, Weber aber versuchte von feinem Dirigentenplatz aus das Tier zu verscheuchen und benahm sich dabei höchst unge­schickt, indem er immer wiederPsch Psch" rief und die neugierige Katze gerade dadurch ganz vorn an die Rampe lockte der Anblick war so komisch, daß das Publikum, statt in andächtiger Stille zu verharren, in stürmisches Gelächter ausbrach ... Die Schröder schien zu glauben, daß Weber nicht aus Ungeschicklichkeit, sondern mit Absicht handelte, und sie hat ihm dieses gestörte Finale ihres Fidelio nie verziehen.