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und Hörsälen unserer Hochschulen? So kam auf die Sturmzeit in den Köpfen der jungen Studen­ten, auf die Enttäuschung über die Tatsache, daß gerade" sie nicht zu den Waffen geholt worden waren, sehr bald eine ruhige Stunde des nüchter­nen Nachdenkens, und sie sahen ein, daß in der Heimat eine gewaltige Aufgabe zum Studium zwinge. Sie begriffen schnell, daß die Erhaltung und Vermehrung der Leistungsfähigkeit der deut­schen Wissenschaft und der deutschen Technik zusam­men mit der Sicherung und Bereitstellung des wis­senschaftlichen Nachwuchses für diesen Krieg und vor allem über diesen Krieg hinaus in ihre jungen Hände und Gehirne gelegt ward. So schwierig es zu Anfang schien, den richtigen Weg zwischen dem Einsatz vor dem Feind und dem Einsatz für Wis­senschaft und Forschung an den Hochschulen zu fin­den, in den chemischen Labors und im Physiksaal, in der Anatomie und in den Lazaretten, im Hör­saal zu Füßen der altvertrauten Lehrer haben sie diesen Weg gefunden.

Vierzehn Tage nach dem Beginn des polnischen Feldzuges waren bereits wieder fünf deutsche Hoch­schulen eröffnet, am 1. Oktober kamen weitere hin­zu und zum 1. Januar 1940 drängten sich bereits die Studenten und Studentinnen in den Wandel- gongen der alten Universitäten und an den Tech­nischen Hochschulen war es nicht anders.

Was sind nun die besonderen Aufgaben, die den Studenten in dieser Zeit des härtesten Ringens . um unser aller Schicksal erwarten? Sie sind grö­ßer, viel gewaltiger als im Frieden. Um es gleich vorwegzunehmen: So etwas wie die so hoch ge­prieseneakademische Freiheit" alter Auffassung gibt's auf den deutschen Hochschulen nicht mehr. Die ganz jungen Semester wissen davon schon dem Namen nach nichts mehr. Sie hätten auch gar keine Zeit dazu. Durch die t r i m e st r a l e Eintei­lung des Studienjahres wird die Gesamtausbil­dungszeit auf ein Minimum zusammengedrängt und dennoch ist das Pensum nicht weniger gewor­den.

Vor allem aber: der deutsche Student ist in die­sen vergangenen Jahren von seinem ersten Tag auf der Hochschule ab zum guten Nationalsoziali­sten erzogen worden, und auf dieser Erziehungs­grundlage hat sich ihm ein gewaltiger Kreis selbst­gesteckter Pflichten ergeben.

Denken wir nur an den für dieses Jahr verkün­deten Kriegsleistungskampf der deutschen Studenten. Die jungen Wissenschaftler haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Systematik der feind­lichen Propaganda an Beispielen aus der Ver­gangenheit und aus unseren Tagen gründlichst zu untersuchen, sie gingen darüber hinaus mit be­währtem wissenschaftlichem Eifer an die Unter­suchung der Gesamtlage des Gegners Überhaupt. Sie suchen die Wahrheit und finden sie aus dem Konglomerat von Heuchelei, Ueberheblichkeit und Lüge unserer Gegner sie sind damit auch will­kommene Wegbereiter für den Geschichtsschreiber der Zukunft.

Eine aus den Bedürfnissen der Heimatfront ge­borene Verpflichtung ist für alle Studenten und Studentinnen der ersten drei Trimester die st u - dentische D i e n st p f l i ch t. In den ersten Kriegsmonaten sind bei besonders vordringlichen Arbeiten immer Studenten zur Hand gewesen, die Kohlenzüge entleeren halfen, verschneite Straßen in Ordnung brachten oder an einer anderen Stelle einen augenblicklichen Notstand zu beseitigen wuß­ten. Es mag manchmal schwergefallen sein, die schwere körperliche Arbeit zusätzlich zu der wissen­schaftlichen zu leisten, aber es ist alles geschafft worden.

Eine besonders verdienstvolle Ausgabe aber wurde dem deutschen Studenten von der Reichsstudenten­führung übertragen mit dem Auftrag zum O st - e i n f a tz der deutschen Studenten. Ein großes Programm liegt in diesem Wort: nicht weniger als die Ausgabe, daran mitzuarbeiten, die wiederge­wonnenen deutschen Ostgebiete zu deutschem Kul­turland auszubauen, wertvolles, eingesessenes und vor allem rückgesiedeltes deutsches Bauerntum zu festigen. Alle Fakultäten sind bei diesem ersten Ein­satz im Warthegau vertreten. Die Mediziner stehen den Amtsärzten alsFamuli" zur Seite und haben vor allem den Auftrag, alsTrachomjäger" jene weitverbreitete Augenkrankheit aufzuspüren und zu behandeln; die Junglehrer unterrich­ten die wolhyniendeutschen Kinder über Größe und Geschichte ihrer neuen Heimat und ihres größeren Vaterlandes; die Studenten der Technischen Hochschulen werden bei Straßenplanungen und Stadtbauten in großem Maße und an vielen Stel­len gebraucht. Nicht zuletzt unsere Studentin­nen gehen hinaus auf die einsamen Bauerndörfer des Ostens und betreuenihr" Dorf nach jeder Hinsicht nach bestem Vermögen.

Sie alle wissen, daß sie eine völkische Aufgabe erfüllen und zugleich einen unschätzbar wichtigen praktischen Dorbereitungskursus für ihren späteren Beruf durchmachen. Und noch eines ist es, was diese freiwillige studentische Aufgabe besonders wertvoll macht: Viele von diesen Studenten, die dort draußen einen Teil ihrer Studienzeit ver­bracht haben, werden einmal wiederkommen als Aerzte, Lehrer und Ingenieure, und sie werden den deutschen Osten als Lebensaufgabe er­fassen und sich beruflich dort niederlassen. Somit garantieren sie diesem wertvollen Bauernland den deutschen Arzt ober Lehrer, und helfen damit an vorderster Stelle, dies Land wieder so deutsch zu machen, wie es deutsch zu sein verdient.

So gibt es neben dem eigentlichen Studium heute für den deutschen Studenten eine Reihe von Pflichten, die sein Dasein auf einer Hochschulstadt ausfüllen. Es ist viel, sehr viel mehr als das, was der Student in früheren Zeiten zu leisten hatte. Aber dafür ist heute auch ein fester Verlaß auf diesen deutschen Studenten. Sein einziger Stolz liegt darin, genau so wie jeder andere in dieser großen Gemeinschaft des deutschen Volkes mitzu­arbeiten und mitzukämpfen an dem großen Werk, das unser aller Dasein erfüllt. F. R.

Zukunstsaufgaben

der deutschen Tropenmedizin.

Hamburg, 3. Oktober. (DNB.) Das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg kann auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde vor Beginn der ersten Tagung der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft eine Festversammlung abgehalten. Reichsgesundheitssüh- rer Staatssekretär Dr. Cont i stellte fest, daß die Welt die ärztliche Kunst und Wissenschaft Deutsch­lands und die deutschen Heilmittel nicht entbehren konnte, selbst als diese Welt die Tore vor Deutsch­land geschlossen hielt. Groß Aufgaben warten auf uns. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung in den englischen und französischen Kolonien zeigt, wie wenig die anderen die Ausgabe gegenüber der Welt erfüllt haben. Dr. Conti dankte dann den Pionieren der Tropenmedizin, wobei er besonders den Grün-

London ist Kriegsschauplatz.

Stockholm, 3. Okt. (Europapreß.) In den Vor­mittagsstunden des Donnerstag hat die deutsche Luftwaffe einen neuen Angriff gegen Lon­don eingeleitet. Es wurde Lustalarm gegeben, von dem der englische Nachrichtendienst jedoch nicht mit­teilt, wann er begann und ob er in den Mittags­stunden noch anhielt, er bestätigt aber, daß deutsche Maschinen über dem Nordosten Englands und über den mittelenglischen Grafschaften Bomben abge- roorfen haben.

Mit sieben Luftangriffen auf London und Süd­england hatte der Mittwoch geendet. Ein sechs­stündiger Alarm begann kurz nach Mitternacht und dauerte bis Donnerstagmorgen. Zwischen dem sie­benten Alarm des Mittwochs und dem ersten des Donnerstags war ein kurzer Zwischenraum. Bald nach Beginn des zweiten Angriffs loderten in der City und im West end zahlreiche Brände auf. Die deutschen Maschinen kamen von mehreren Seiten. Die Abwehr wurde dadurch überrascht und ihre Arbeit gestaltete sich schwieriger als sonst. Es hat den Anschein, als ob die deutsche Luftwaffe systematisch alle mili­tärisch wichtigen Punkte Groß-Lon- b o n s zerhämmert hat. Die ersten englischen Meldungen sprechen von Bombenabwürfen über der Stadtmitte, den angrenzenden Gebieten, den Vor­orten und den Außenbezirken. Darüber hinaus wur­den wieder zahlreiche andere Teile Englands ange­griffen. Der Nachrichtendienst teilt mit, daß der Südwesten, der Südosten und Nordosten Englands zu den Zielen der deutschen Luftwaffe gehörten. Bei diesen Angriffen wurden die Gasversor­gung weiter Gebiete zerstört, Häuser in Trüm­mer gelegt, Industrieanlagen eingeäschert, Straßen gesprengt und die Wasserversorgung stel­lenweise unterbrochen.

Der LondonerABC"-Korrespondent, Luis Calvo, stellt fest, London sei für die englische Be­völkerung der unmittelbareKriegsschau- p l a fc. Tagesalarme wiederholten sich Öfter denn je, und die deutschen Bomber erfüllten ihre harte Aufgabe mit kurzen Intervallen von Dunkelheit zu Dunkelheit. Auch wenn die britische Verteidigung außerordentlich vervollkommnet werde, könne nie­mand verhindern, daß die Zahl der Bombentrichter und die Fülle der Verwüstungen jeden Tag ra­pide z u n i m m t. Die Londoner Bevölkerung er­warte mit allergrößter Nervosität eine Aende - rung des .bisherigen Zustandes gegenüber den feindlichen nächtlichen Bombenangriffen. Jede Nacht gebe es angeblich mehr Scheinwerfer, mehr Av- wehrbatterien, mehr pyrotechnische Wunderwerke, aber der Erfolg bleibe aus.

Ein Bericht Der United Preß zeigt, daß die H a - senge gend von East end besonders gelitten hat. Die meisten Dockanlagen, die sich über 15 Kilo­

meter hinziehen, würden durch Bomben getrof­fen. Die Lagerhäuser und die hinter den Dock­anlagen gelegenen Straßenrechen haben schwer ge­litten. Der Bericht gibt auch zu, daß Telephonver- binbungen, Gas- unb Elektrizitätsleitungen sowie Kanalisationsanlagen zerstört worben sind. Der Verkehr ist durch riesige Krater an wichtigen Strd- ßenkreuzungen ernpfirMich gehen, nt. Die Schöben in der City müssen ebenfalls sehr chwer sein; denn es werden zahlreiche Gebäude als zerstört ober be­schädigt angegeben. Darunter befinden sich Waren­häuser und weltbekannte Gebäude. Viele Straßen bieten mit ben Trümmerhaufen einen trostlosen An­blick. Die Bevölkerung aber wird vor allem durch das Sirenengeheul mitgenommen, das Tag und Nacht zu jeder Stunde die Arbeit und den Schlaf unterbricht. Die sich in den Katakomben der lb Bahnen bietenden Szenen find einfach unglaublich. Währeyd noch Büroangestellte nach Hause eilen, brängen sich schon bie Schutzsuchenden, ihr mitge­brachtes Essen verzehrenb, auf ben Treppen. Jeder Meter Wanbraum auf Dutzenden von Bahnsteigen ist besetzt. Mütter nähren ihre Kinder, während alte Männer Karten spielen. Kinder spielen wenige Me­ter vor ben vorbeirasenben Zügen entfernt. Alte Decken und Mäntel sind auf ben dreckigen Zernent- boben ausgebreitet, auf denen Schläfer liegen. Die Körperausdünstungen der Tausende verdichten sich au einem nicht auszuhaltenden Gestank; denn das schon zu normalen Zeiten nicht gute Ventilations­system ist jetzt vollkommen ungenügend. Die sani­tären Einrichtungen sind dem Massenbesuch nicht gewachsen, und die Möglichkeit der Verbreitung von Epidemien ist groß. Da kann man es ver­stehen, daß ein nach Amerika zurückgekehrter Jour­nalist erklärt, bie Nerven der Londoner wären furchtbar mitgenommen, und die deutschen Bomben­würfe würden auf die Dauer ihre Wirkung auf die Bevölkerung nicht verfehlen.

Daily Expreß zeigt sich sehr beunruhigt über die jungen Männer, welche sich bei den Luftangriffen zwischen ben Frauen unb alten Leuten verkriechen" und fordert eine Razzia auf alle jungen Männer im militärpflichtigen Alter, welche auf den Untergrundbahnstationen umher­lungern. Das Blatt wünscht, daß diese jungen Leute bei den Aufräumungs- und Feuerlöscharbeiten ein­gesetzt werden. Die maßlos überspannten Mietpreise, die den aus London Flüchtenden abgefordert wer­den, haben ein solches Ausmaß angenommen, daß selbst der Gesundheitsminister dagegen einschreiten mußte. Hotels auf dem Lande machten phantastische Prosite, indem sie in für nur zwei Personen be­stimmte Zimmer vier bis fünf Personen steckten unb bann noch bie Preise verdoppelten. Einige Land- orte, wohin Tausende von Londonern fluchteten, seien der Schauplatz dieser schamlosen Erpressungen.

Zuchthaus für Ruudsuukverbrecher.

Berlin, 3. Okt. (DNB.) Noch immer muffen deutsche Gerichte gegen einige Unbelehrbare eingrei­fen, die es nicht lassen können, sich die Lügen- meldungen ausländischer Rundfunk­sender anzuhören und diese womöglich noch weiterzuverbreiten. Gerade in jüngster Zeit hat das deutsche Volk immer wieder Gelegen­heit gehabt, selbst nachzuprüfen, wie verlogen die feindliche Propaganda ist. Umgekehrt haben sich die Angaben des OKW. über die deutschen Kriege­rn eldungen in vollstem Umfange bestätigt. Der Deutsche hat also keinerlei Anlaß, seine Weisheiten aus der feindlichen Lügen- und Greuelpropaganda m ziehen. Genau so wie es für den Soldaten ein schändliches Verbrechen bedeutet, sich etwa durch körperliche Selbstverstümmelung zum Kampf für die Aufgaben der Nation unfähig zu machen, so be­deutet es auch ein schmähliches Verbrechen, sich durch Abhören feindlicher Lügennachrichteu die eigene Widerstandskraft zu rauben oder gar durch Weiterverbreitung dieser Lügen die Kampfkraft der Nation zu schwächen. In einer Zeit, in der bie deutsche Volksgemeinschaft in ihrem schm erst en und glorreichsten Kampf um bie endgültige Erringung ihrer Frecheit steht, können solche Verbrechen nur mit ben schwersten Strafen geahndet werden. Deutsche Sondergerichte haben daher in der letzten Zeit wieder eine Reihe schwerer Zucht­hausstrafen gegen Rundfunkverbrecher ausge* prochen.

Das Sondergericht München verurteilte den

Anton Rieger, der auch schon wegen Fahnenflucht bestraft worden ist, wegen fortgesetzten Abhörens ausländischer Sender und vorsätzlichen Verbreitens ihrer ßügenmelbungen zu einer Zuchthausstrafe von 6 Jahren. Das Sondergericht Magdeburg erkannte gegen den Rundfundierbrecher Robert Müller auf eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren. Der Rundfunkoerbrecher Ernst Möse erhielt vom Son- dergericht Dortmund eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren, weil er die Hetznachrichten in dem von ihm betriebenen Geschäft an feine Kundschaft weitergegeben hat. Er ist eine mit sich und ferner Umwelt unzufriedene, gallige Natur, die nur dar­auf ausgeht, stets Schwarz in Schwarz zu malen. Zu vier Jahren Zuchthaus wurde Friedrich Karl Jähnigen durch das Sondergericht Dresden verurteilt. Er hörte regelmäßig in feiner Wohnung ausländische Sender, wobei mehrfach fein Unter­mieter anwesend war. Die übelsten Hetzlügen hat er dann an seiner Arbeitsstelle seinen Berufskame­raden weitererzähll. Weiter verhängte das Sonder- gericht Königsberg über den Friedrich Birk­hahn fünf Jahre Zuchthaus. Er hatte feinen Ar­beitskameraden die unsinnigsten Lügenmärchen des von chm abgehörten Londoner Senders weiterer« Zählt. Der Stanislaus Kubicki wurde durch Urteil des Sondergerichtes Breslau zu fünf Jahren -wei Monaten Zuchthaus verurteilt. Er hatte feinen Rundfunkapparat in einem Unterkunftsraum pol­nischer Kriegsgefangener ausgestellt, um diesen das Abhären des Londoner Senders zu ermöglichen.

Groß-Lonoon.

Zum Kommissar für die Wiederherstellung des Straßennetzes, der Telephonoerbindungen, der Gas-, Elektizitäts- und Wasserleitungen in Groß-London wurde der Staatssekretär im britischen Schatzamt Sir William Fisher ernannt. Er hat die Aufgabe, die vielen Amtsstellen von Groß-Londongleichzuschal­ten" oder, wie man in England selbst sagt, zuko­ordinieren". Groß-London ist ein recht willkürliches Gebilde. Die Engländer kennen in unserem Sinne eine planende und vorausschauende Gesetzgebung überhaupt nicht und am allerwenigsten in Angelegen­heiten, die das gemeindliche Leben betreffen. Hier gilt eben völlig uneingeschränkt der mancyesterliche Grundsatz vomLaufen und Geschehenlassen", was nichts anderes ist als ein Freibrief für das Privat­kapital.

Man unterscheidet zunäckst einmal die City, bann Conbon, schließlich Groß-London unb endlich das wirtschaftliche Weichbild von London. Die City ist an sich eine Gemeinde neben 28 anderen großstädti­schen Gemeinden, die wir am besten mit dem deut­schen FachausdruckStadtbezirk" bezeichnen, nur hat sie gegenüber den anderen Stadtbezirken eine Reihe gewichiger tatsächlicher unb repräsentativer Vorrechte. Die City m i t diesen 28 anderen Stadtbezirken bildet London in engerem Sinne mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern. (Bekannt ist die Tatsache, daß die City selbst an ständigen Einwohnern nur etwas über 13 000 zählt, während sie tagsüber von einem Riesen­verkehr durchflutet ist.>

Im Gegensatz zu diesem engeren Begriff von London mit feinen 4,5 Millionen Einwohnern steht Groß-London, dessen Umfang von dem mitten in der Stadt gelegenen Bahnhof Charing Croß sehr summarisch durch einen Halbmesser von 24 km Um­rissen wird. Die Entstehung dieses rein kreisförmigen Stadtbegriffes von Groß-London ist wiederum recht kurios. Ein Polizeipräsident von Groß-London rech­nete vor etwa 100 Jahren damit, daß entwichene Sträflinge aus Scotland Dard (dem Polizeipräsi­dium) nach ihrem Ausbruch 24 km zurücklegen könn­ten, ohne zu essen, zu trinken oder zu schlafen. Und infolgedessen wurde mit einem Halbmesser von 24 km der Kreis des Londoner Polizeibezirks ge­zogen, der zugleich identisch ist mit dem Begriff von Groß-London.

In Groß-London mit feinen 8,2 Millionen Ein­wohnern gibt es nun unzählige Einzelgemein- den, die organisch eigentlich nicht zusammengefaßt sind, sondern von Fall zu FallZweckverbände" bil­den. Noch loser ist bann bie Verbindung mit ben Orten bes wirtschaftlichen Weichbilbes von Lonbon in ben umgebenben Grafschaften, bie man etwa als unsere Kreise bezeichnen kann. Die Einwohner­zahl bes wirtschaftlichen Weichbilbes von Lonbon ist auf runb 10 Millionen Menschen zu schätzen. Von biefem wirtschaftlichen Weichbilb Londons werben jetzt so viel genannte Grafschaften erfaßt, wie Kent, Surrey, Hertforb, Essex unb Mibblessex: Der Der- waltungswirrwarr ist also in diesem Nebeneinander von vielen Gemeinden unb Gemeinbeverbänden sehr groß, unb man kann sich lebhaft vorstellen, baß bie Schädigung der Verkehrsanlagen unb ber Versor­gungsbetriebe allein zur Einsetzung eines Kommissars mit biftatorifdien Vollmachten zwingt, ber, jetzt mitten in ber Katastrophe bie oerbammte Aufgabe hat, ben Verwaltungswirrwarr zu bänbigen. Es ist sehr bezeichnend, daß man dafür einen Staatssekretär aus dem Schatzamt gewählt hat, der überlieferungs­mäßig als ein,,besonders hervorragender unb autori­tativer Vertreter bes englischen Berufsbeamtentums gilt Dr. Ho.

Was sind die Midlands?

Die, letzten Wehrmachtsberichte verzeichneten er­folgreiche Abwürfe van Bomben schwersten Kalibers auf Rüstungswerke in ben Miblands. Der Name ist unschwer zu übersetzen; er bedeutetmitt­lere Landschaft". Gemeint ist bas altberühmte eng­lische Jnbustriegebiet um Manchester, Bir­mingham, Leebs unb Sheftield. Abgesehen von Birmingham, wo bie Textilindustrie ursprüng­lich bie erste Geige spielte, haben bie anderen Städte vor allem eine sehr starke Maschinenindu­strie entwickelt. Im Zusammenhang damit wird in ben Miblands feit jeher viel hochwertiger Stahl ge­wonnen. S h e f f i e l b hat etwa ben Ruf unseres deutschen Solingen. Es liegt auf ber Hand, baß bie moberne Rüstungsindustrie, die zu einem sehr er­heblichen Teil Verfeinerungsindustrie ist unb mit hochwertigem Stahl arbeitet, sich ebenfalls in ben Midlanbs angeficbelt hat, bie zwischen Süb- unb Rorbenglanb geographisch etwa bie Mitte halten.

ber des Hamburger Instituts Dr. Rocht nannte. Sodann gab er bekannt, baß bie beutsche Aerzte- chaft in Hamburg eine Akabemie für ärzt - liehe Fortbilbung in Tropen- unb Schiffs­medizin errichten wirb. Der frühere Leiter bes Tro- peninftituts Prof. Dr. Rocht behanbelte bann ben großen Aufschwung bes Instituts unb feine Bebeu- tung. Die 11. Tagung ber beutschen Tropenmedi­zinischen Gesellschaft steht unter bem LeitthemaDie koloniale Gesunbheitsführung in Afrika". Der jetzige Leiter bes Tropeninstituts, Prof. Dr. Müh- lens betonte, baß bie erste Aufgabe bie Schaffung des deutschen Kolonialarztes fei, da dieser mit bie Hauptverantwortung für bas Blühen unb Gebeihen ber Kolonie trage. Dann sprach ber Nestor der deutschen Tropenmedizin, Prof. Dr. N o ch t, über Eingeborenen-Hygiene.

Gerrano Güners Besuch in Hom.

Rom, 3. Oktober. (Europapreß.) Der spanische Innenminister Serrano S u n e r hat am Mittwoch eine Aussprache mit bem italienischen Außen­minister Graf C i a n o fortgesetzt. Auch feine zweite Unterrebung verlief äußerst herzlich. Zu einem von bem spanischen Botschafter Garcia C o n b ö bem Minister zu Ehren gegebenen Abend­essen auf ber spanischen Botschaft waren auch Außenminister Graf Ciano, ber Sekretär ber Fa- chistischen Partei, Muti, ber Minister für Volks­bildung, Pavolini, der deutsche Botschafter von Mackensen, unb ber Gouverneur ber Stabt Rom, Fürst Borghese, geloben. Die Abreise des spanischen Innenministers ist auf Samstag verschoben worden. Amtliche Mittellungen über den weiteren Verlauf des Aufenthaltes Suners in Rom werben nicht aus- gegeben.

Der römische Korrespondent ber offiziösen spa­nischen Nachrichtenagentur, Don Jos6 Jimenez Arrau, dessen enge Bindungen zu Serrano Sun er bekannt sind, schreibt: Zu Beginn gab es nur zwei Nationen unter ben europäischen Groß­mächten, bie sich bei Franco vertreten ließen. Die

übrigen verhielten sich gleichgültig oder nahmen eine feindliche Haltung ein. Seitdem Frankreich noch bem beutschen Sieg aus bem Spiel gezogen worben ist, hat Englanb seine spanienfeindliche Politik nicht aufgegeben. Es gibt (Betreibe genug in Argentinien, aber biefes Getreide kann-nicht nach Spanien kommen, well England das verhindert. Es fehlt in Spanien an Erdöl, well Großbri­tannien bie Einfuhr unterbindet.

Die £age auf Zypern.

Rom, 3. Okt. (Europapreß.) Gayda befaßt sich imGiornale b'Jtalia" mit der Lage auf Zypern. Am Mittwoch hatte bas Blatt bereits mitgeteilt, bie britische Polizei habe im Hause eines hohen griechischen Geistlichen in ber Hauptstabt Zyperns nach Spuren einer a n t i b r i t i s ch e n B e - w e g u n g gesucht.

Nach Betrachtungen über bie englische Besitzer­greifung von Zypern im Jahre 1878, schreibt Gayda, Zypern vervollständige das strategische System, das England im östlichen Mittelmeer geschaffen habe, um die Kontrolle bes Suezkanals zu sichern unb ben Eingang unb Ausgang burch die Dardanellen zu überwachen. Nur aus strategischen Gründen hätten die Engländer Zypern in ihre Gewalt gebracht. Die Bevölkerung ber Insel sei von ihnen vernachlässigt worben, während sie sich früher unter ber Hoheit Venebigs wirtschaftlichen Wohlstanbes und inneren Friedens erfreut hätte. Diese Einstellung der Engländer habe schon früh- zeitig zu einem Geist der Auflehnung unter ber Jnseldevölkerung geführt, ber im Jahre 1928 mit ber Weigerung ber orthoboxen Kirche, an den 50-Jahrfeiern der Besetzung durch England teilzu­nehmen, zu einer kaum verhüllten Rebellion würbe,

Deftige japanisch-chinesische Kämpfe.

Stockholm, 3. Oktober. (Europapreß.) Aus Tschungking wirb gemelbet, daß gewaltige Kämpfe zwischen japanischen und chinesischen Truppen ent­lang ben Nordgrenzen ber beiden nördlich des un­teren Jangtsekiang sich von der Küste nach Westen zu erstreckenden Provinzen Kiangsu unb Anh - w e i staWnben, Die Kämpfe nördlich von T i e n g-

Manchester unter deutschem Bombenhaael

Wie ber Bericht bes Oberkommandos ber beut« schen Wehrmacht vom 2. Oktober mitteÄte, wurden die H a f en» und Industrieanlagen von Manchester durch deutsche Kampffliegerverbände erfolgreich angegriffen. Manchester ist eine ber wichtigsten englischen Industriestädte, bie beson­ders als Zentrum der englischen Baum- Wollindustrie bekannt und ein wichtiger Sta­pelplatz für bie verschiedensten Güter ist. Der See« h a f e n von Manchester, ber über Kaianlagen in neun Kilometer Länge verfügt, ist für die Versor­gung ber Stadt unb bes Industriegebiets in ber Umgebung von Manchester von großer Bedeutung, lieber den Hafen von Manchester werden rund ein Drittel bes englischen Gesamtimports an Baumwolle sowie rund 30 v. H. des Gesamt- imports an Erdöl und Erdölerzeugnissen einge- ührt. Darüber hinaus ist Manchester ein bedeuten­der Einfuhrhafen für kriegswichtige Rohstoffe. So kommen über Manchester in normalen Zeiten 40 v. H. der englischen Schwefeleinfuhr, runb 10 v. H. ber Schwefelkies einfuhr, 10 v. H. der M a n g a n einfuhr, 12 v. H. der K u p fe r einfuhr unb runb 10 v. H. der Blei einfuhr nach England.

lang werben als befonbers heftig bezeichnet. Wei­ter sollen bie Japaner einen Angriff süböstlich von Nanking eingeleitet haben.

Sicherstellung von gelernten Arbeits- krästen in der lldSSTi.

Moskau, 3. Okt. (Europavreß.) In Anbetracht eines fühlbaren Mangels an Arbeitskräften in der Industrie besonders an gelernten Arbeitern, hat bas Präsibium des Obersten Rates ber Sowjet­union eine Verordnung über diestaatlichen Arbeiterreserven der Sowjetunion" erlas­en, wonach ber Rachwu ch s ber gelernten Ar« >eitsfräfte künftig auf dem Wege der Ginberu« u n g sichergestellt werden sott. Jährlich werben z u einer zweijährigen Ausbildung in neu einzurichtenden Gewerbe-, Eisenbahn-, Fabrik- unb Werkschulen 800 000 bis eine Million Jugendliche