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(90. Jahrgang fit. 255 H 9 5

GletzenerAnzeiger

LapansAußenpoliiik nachdem Oreierpaki

Tokio, 3. DEL (Europapreß.) Das japanische Hauptinteresse konzentriert sich zur Zeit auf die Frage, wie die Vereinigten Staaten und England aus den neuen Dreimächtepakt reagieren werden. Die Berichte der japanischen Presse aus USA. er­klären, daß die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem Fernen Osten in Verwirrung geraten und zersplittert worden sei. Einige wünschten den Krieg mit Japan, andere wieder forderten ein Ein­lenken gegenüber Japan. Roosevelt habe sich bis- ber nicht entschieden und warte die Reaktion der breiten Massen ab, da für ihn lediglich die Frage einer Wiederwahl zum Präsidenten von Bedeutung ei. Auf Erschütterungen im Handelsverkehr mit JSA. sei Japan gefaßt und habe bereits Vorkeh­rungen getroffen.

Englische Meldungen bestätigten, daß der Pakt in London schwerstes Alpdrücken ausgelöst habe Viele Engländer beschuldigten Roosevelt, seine un­aufhörlichen Drohungen und Daumenschrauben hät­ten Japan zum Paktabschluß veranlaßt und Eng­land dadurch einen neuen furchtbaren Feind ge­schaffen. Japan macht sich auf englische Sanktionen gefaßt. Es scheint aber, daß die Dominien dies- oezügliche Londoner Weisungen ablehnten.Sie wissen genau", klingt es drohend aus den führenden japanischen Blättern,daß England zahlreiche verwundbare Stellen hat, die in der Reich­weite der japanischen Flotte liegen. Wer uns den lebenswichtigen Güteraustausch verweigert, zwingt uns zur Selbsthilfe". Um die Bedeutung der japa­nischen Kriegsflotte im gegenwärtigen Zeitpunkt der weltpolitischen Lage zu unterstreichen, findet wie schon gemeldet am 11. Oktober in der Bucht von

Tokio eine große Flottenparade vor dem Kaiser statt.

Nachdem der Dreimächtepakt ausdrücklich die ja­panische Führung im Neubau Ostasiens anerkennt, dringt nun die öffentliche Meinung auf ein r a f ch e- r e 5 Tempo in diesem Aufbau. England wird scharf davor gewarnt, den am 18. Juli unter japa­nischem Druck geschlossenen Weg der Auto st r aße von Burma nach China wieder zu öffnen. Mit den Verhältnissen in Indochina, wo alles glatt geht, ist Japan zufrieden. Die Notwendigkeit der Verbesserung der japanisch - sowjetrussi­schen Beziehungen wird von den BlätternAsahi", Hochi" undPomiuri" hervorgehoben. Es fei dabei ratsam, so erklären die Blätter, die alten Zankäpfel Sachalinöl und Lachse von Kamtschatka usw. zu vergessen und nur lebenswichtigen Fragen Raum zu geben.

Japanische Flugzeugstühpunkte in Zndochina.

Schanghai, 3. Okt. (Europapreß.) Die Flug­plätze von Gialam, Phuto und Phulangthuong im nördlichen Jndochina sollen von den Ja­panern auf Grund des französisch-japanischen Ab­kommens von Hanoi als Stützpunkte gewühlt wor­den sein. Alle drei Stützpunkte liegen nördlich des Roten Flusses (Song-Koi). Der Nachfolger des ja­panischen Generals N i s h i h a r a , des bisherigen Leiters der japanischen Militärmission, General­major Raoshiro Sumitas, wird in Hanoi erwartet. Sumita war früher Militärattache in Pa­ris und später Chef der Artillerieschule in Tokio.

bereits beendet oder seinem Ende sehr nahe sei. Sie Engländer seien hartnäckig und verfügten über sehr große Hilfsquellen. Aber die bereits erreichten Erfolge seien so gewaltig, daß niemand an Dem klaren Endsieg der Achse' zweifeln könne

DerPopolo d'Jtalia" erklärt, die Zurückziehung Chamberlains sei ein Zeichen für den Verfall des britischen Imperiums, und vielleicht die Rückwir­kung der schwierigen inneren Lage, die ihren Ernst erkennen lasse Trotz aller Lügen und lächerlichen Prahlereien der englischen Propaganda dürfe es in

Zusammenkunft des Führers mit dem Duce am Brenner.

Berlin, 4. Oktober. (DNB. Funkfpruch.) Der Führer trifft Freitagmitlag mit dem Duce Italiens am Brenner zusammen.

England nicht wenige geben, die sich über das. was oorgefallen fei, klare Rechenschaft geben. Die un­unterbrochene Folge von militärischen Fehlschlägen und Mißgeschicken auf politischem und diplomati­schem Gebiet könnten nicht ohne tiefe Rückwirkun­gen auf die Moral und die Haltung des englischen Volkes und seiner leitender Männer bleiben. Alle Karten des britischen Spieles seien aufgedeckt ober fehlgeschlagen.

Inter arma.

Inter arma silent musae an der Sorbonne oder in Oxford und Cambridge mag dieser Trauer­spruch von den Musen, die im Kriege durch Schwei­gen glänzen, seine Gültigkeit haben. Aber nicht im nationalsozialistischen Deutschland. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn war die Tatsache vom Stu­dium im Krieg für Lehrkörper und Studenten wieder eine Selbstverständlichkeit geworden. Schon seit vielen Monaten wieder ist der Wissenschafts­und Forschungsbetrieb auf allen deutschen Univer­sitäten, Technischen Hochschulen und auf den un­gezählten Fachschulen in vollem friedensmäßigem Umfange wieder ausgenommen.

Es ist beinahe überflüssig zu betonen, daß bei Kriegsbeginn den Wünschen der Studenten ent­sprechend die Hörsäle der Hochschule in ihrer Ge­samtheit hätten geschlossen werden müssen. Denn es ist von jeher eine ehrenvolle Tradition des deut­schen Studenten gewesen, sofort zu den Waffen zu eilen, wenn das Vaterland ruft. Es gibt auch heute für den deutschen Studenten kein größeres Ge­schenk und keine glücklichere Erfüllung der bren­nenden Wünsche, als daß er auch von seinem ge­wohnten und geordneten Studium hinweg den Ein­berufungsbefehl erhielt.

Aber für den jungen studentischen Nachwuchs kamen andere und, für die Zukunft berechnet, ebenso entscheidende Aufgaben. In diesem Krieg galt sofort die große Beachtung der Fragen des Nachwuchses. Von welcher anderen Seite her sollte wohl der geistige Nachschub aus den Reserven un­seres Volkes kommen als aus -den Laboratorien

Hinter den Kulissen -er Kabinettskrisis.

Oie Ausbootung Chamberlains.

Churchill bildet erneut sein Kabinett um.

Stockholm, 3. Oktober. (Europapreß.) Die seit mehreren Monaten latente Krise des englischen Ka­binetts hat am Donnerstag ihren Höhepunkt er­reicht. Amtlich wurde mitgeteilt, daß der ehemalige Ministerpräsident und bisherige Lordpräsident des Staatsrates, Neville Ehambertain, aus dem Kabinett ausgeschieden ist. Wie Reuter bekanntgibt, ist Chamberlain nicht nur als Lordpräsident, sondern auch als Vorsitzender der Kon­servativen Partei zurückgetreten. Wie preß Association dazu fährt, ist mit der Wahl Churchills zum Vorsitzenden der Konservativen Partei zu rechnen.

Ministerpräsident Churchill hat den bisherigen Minister für innere Sicherheit, Sir John Ander­son, auf den unpolitischen Posten des Lordpräsi- denlen verseht. Der bisherige Versorgungsminister Sir Herbert Morrison wird Minister für die innere Sicherheit. Gleichzeitig gibt Churchill be­kannt, daß er den Schahkanzler (Finanzminister) Sir Kingsley Wood und den Arbeilsminister Sir Ernest V e v i n in das Kriegskabinett, das aus sechs Mitgliedern besteht, berufen hat. Der neue Ver­sorgungsminister ist Sir Andrew Duncan, dessen Nachfolger als handelsminister wurde Kapitän Oliver Lyttelton. Viscount Cranborne, zuletzt Kontrolleur der Zahlungen, wird Dominien- Minister an Stelle des Viscount C a l d e c o t e. Letzterer wird Lordkanzler (Justizminister) als Nachfolger von Lord h e w a r t, der jurückgetreten ist. Sir John Reith, zuletzt Minister für das Transportwesen, übernimmt das porteseuille für öffentliche Arbeiten und Bauten, das neu errichtet wurde. Er wird durch den Oberstleutnant Bra­bazon erseht.

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Mit Chamberlain verschwindet einer der Haupt schuldigen am englischen Krieg von der Londoner Hetzbühne, auf der er bis zuletzt als Marionette Churchills eine klägliche Rolle spielte. Vor der Ge- chichte wird er die furchtbare Verantwortung tra- ;en, den gegenwärtigen Krieg in maßloser Ver­wendung vom Zaun gebrochen und so zur Zerstö­rung des Empire beigetragen zu haben. Er wird fortleben als der typisch englische Heuchler, der mit dem Regenschirm nach Godesberg und München kam. um Zeit zu gewinnen für das Schmieden des Dolches, den England den um ihr Lebensrecht rin­genden Völkern heimtückisch in den Rücken stoßen wottke. Es ist anders g e t om m m e n , als Chamberlain sich das in seiner Engstirnigkeit dachte, als er geiferte, daß er hoffe, noch den Tag zu er­leben, an demHitler nicht mehr da ist" Adolf Hitler erlebt seinen Sturz als Ministerpräsident Man stellte ihn damals kalt auf einen nichtssagen­den Posten. Nun aber findet England ihn nicht einmal mehr auf diesem tragbar, und der Harsar- beur Churchill glaubt, ihn von der Planke stoßen zu müssen, an der sie sich beide im Strudel hielten Churchill kennzeichnet mit dieser Trennung das Verzweifelte seiner eigenen Sage; denn wie groß muß diese Verzweiflung sein, wenn er glaubt, Jn dieser ätuniw Englands für sich selbst noch eine Galgenfrist gewinnen zu können durch das Ab­stößen einer solchen politisch gänzlich bedeutungs­los gewordenen Figur.

Neville Chamberlain war die Verkörperung jener englischen öffentlichen Heuchelei, die schließlich eine derartige Verzerrung aller sittlichen Begriffe er­gibt daß es unmöglich wird, die Grenze zwischen dem' Krankhaften und dem Verbrecherischen noch zu erkennen. Er war ein Erbe jener englischen Ueber- licferung, von der Englands eigener nationaler Ge­schichtsschreiber bezeugt, daß nach ihrfür Eng­land der Krieg durchweg eine Industrie, cm Weg »um Reichtum, das am meisten blühende Geschäft und die vorteilhafteste Kapitalanlage ist" Darum hiett Neville Chamberlain es für durchaus verträg­

lich mit nationaler und persönlicher Ehre, mit dem Oelzweia in der einen Hand, mit der anderen den europäischen Kriegsbrand anzünden zu helfen, der für ihn und seinesgleichen nur eine Steigerung der Dividenden ihrer Rüstungsaktien bedeutete.

Was glaubt mm der Bankrotteur Churchill, durch die gänzliche Trennung von dem Bankrotteur Chamberlain für sich in dieser Stunde noch gewin­nen zu können? Sie werden im Gedächmis der Menschen dennoch verbunden bleiben durch ihre ge­meinsame Schmach als die Brandstifter Europas und die Totengräber Englands. Sachlich bedeutet in dieser Stunde das. endgültige Verschwinden Chamberlains von der politischen Bühne gar nichts. Selbst in Deutschland interessieren auch nicht mt geringsten die übrigen Einzelheiten des Derschiebe- fpieles der englischen Regierungsumbildung. Ihre ganze Bedeutung besteht für uns darin, daß der verzweifelte Dabanquespieler glaubt, nur durch solche Verschiebungen noch irgend etwas für sich gewinnen zu können, und daß er also keine stärkeren Künste für eine Umstimmung des Schicksals mehr hat. Le­diglich in diesem Sinne nehmen wir Notiz von die­sem Derschiebespiel, ohne uns dafür zu interessieren, ob die Bevin, Anderson, Morrison, Kingsley-Wood und wer sie sonst seien, nun ihre Unfähigkeit auf diesem ode jenem Gebiete weiter beweisen werden Das politische Verschwinden Neville Chamberlains ist uns eines der vielen Zeichen dafür, daß, nach dem längst gefällten Urteil der Geschichte über Eng­land nun auch der Vollzug dieses Urteils begonnen hat und der Verbrecher Churchill selbst dabei den Henkersknecht spielen muß.

Das Echo in Rom.

Rom, 3. Okt. (DNB.) Die Ausbootung Cham­berlains und die englische Kabinettskrise werden in Italien beachtet. Daß England nach wenig mehr als einem Kriegsjahr bereits eine neue Regierungs­krise durchmachen müsse, würde, wieLavoro Fa- scista" unterstreich, allein genügen, um darzutun, daß die Dinge für die Feinde der Achse äußerst schlecht stehen. Die britische Regierungskaste habe sich immer äußerst widerspenstig gezeigt, die an der Macht befindlichen Männer zu wechseln selbst unter dem Druck außergewöhnlicher Ereignisse. Wenn man sich heute, dazu noch mitten im Kriege, zu einem so häufigen Wechsel verantwortlicher Männer entschließe, so lasse dies klar erkennen, daß die innere englische Kriss äußerst schwer sein müsse Chamberlain habe angenommen, einen Krieg zu führen, in dem England die gewohnte Partie des Zuschauers spielen werde. Für England hätten die Polen, die Franzosen, die Balkanvöl-ker und viel­leicht auch Rußland kämpfen sollen. England hätte sich nach Chamberlains Meinung mit der üblichen Seeblockade begnügt und so nach und nach ein Expeditionskorps nach Frankreich entsandt.

Die erste große Enttäuschung. kam mit dem ver­heerenden Ausgang der norwegischen Feldzuges, und plötzlich sahen die Engländer em, daß ihre gesamten Berechnungen falsch waren Sie erkannten vor allem, daß die Luftwaffe das beherrschende Element des Krieges war. Die folgenden Schläge führten schließlich zur Isolierung Englands, bas sich heute in einer derart kritischen Lage befindet, daß sie auch durch einen Wechsel der verantwortlichen Männer nicht zu bessern ist." Nicht einmal das kleine und militärisch besetzte Aegypten entschließe sich heute, in den Krieg gegen Italien einzutreten Rußland stehe treu zu seinem Pakt mit Deutschland, während die Achsenmächte den Kreis der Freunde erweitert und soeben erst den D r e i e r p a k t abgeschlossen hätten, zu dem sich die offene Solidarität Spaniens mit den Achsenmächten hinzugeselle. Ebenso wie das Unternehmen gegen Dakar und die versuchte Ein­schüchterung von Madagaskar hätten alle Jnitta- tiven Churchills mit einem schweren Fiasko geendet ober ihn der Lächerlichkeit preisgegeben Deswegen glaube jedoch niemand, daß der Krieg mit England

Von unserem £L T-Korrespondenten.

(M

Im Zuge der großen Umsiedlungsaktion in Südosteuropa trafen soeben die ersten Deutschen aus Bessarabien in der großdeutschen Heimat ein. Die NSV nahm sich sofort der Rücksiedler an, um sie in jeder Weise zu betreuen Unser Bild berichtet von der Ankunft des ersten Rückwandererzuges in Böhmijch-Leipa. (Scherl-Vilderdienst-Autojlex.1

Stockholm, 3. Oktober 1940.

Die Umbildung des englischen Kabinetts ist für vertraute Beobachter in London und im Auslande keine Ueberraschung, nachdem sich herausgestellt hatte, daß nicht nur der ehemalige Ministerpräsident Chamberlain in steigendem Maße wegen sei­ner Unfähigkeit angegriffen wurde, sondern da man beobachten konnte, daß die sozialistische Opposition, kaum beschwichtigt durch die Gründung einer ÄoalitionsregieTung des Minister­präsidenten Churchill, in der letzten Zeit kn ver­stärktem Maße eine Erhöhung ihres Ein­flusses innerhalb des Kabinetts forderte. Chur­chill hat dieser Forderung nun damit Rechnung ge­tragen, daß er den ehemaligen Chef der englischen Gewerkschaften und jetzigen Arbeitsminister Bevin in den einflußreichen Zirkel des inneren Kabinetts berufen hat.

Dazu sah sich Churchill ganz offensichtlich auch gezwungen, weil die Unzufriedenheit in der eng­lischen Arbeiterschaft, heroorgerufen durch die schlechten Lohne, die anziehenden Preise und die schwierigen Arbeitsverhältnisse während der stän­digen deutschen Luftangriffe, in der letzten Zeit zu einer latenten Krise auf dem englischen Arbeits­markt geworden war, wie zahlreiche englische Pressestimmen in den letzten Wochen bewiesen haben. Churchill hofft nach allen Andeutungen, die bereits in den letzten Tagen über diese sozial­politischen Probleme aus London Vorgelegen haben durch Hinzuziehuna Bevins eine gewisse Beruhigung in die Arbeiterschaft hineinzutragen.

Der Rückgang des Einflusses der Konservativen wird auch noch dadurch un­terstrichen, daß Der konservative Sir John A n - derson jetzt ebenfalls von der politifchen Bühne verschwunden ist. Sir John Anderson wurde zu Be­ginn des Jahres 1938 von dem damaligen Mini- fterpräfibenten Chamberlain als Minister für die sogenannte zivile Verteidigung ins Kabinett geru­fen. Ministerpräsident Churchill hat ganz offen­sichtlich versucht, durch Hinzuziehung des Schatz­kanzlers Sir Kingsley Wood in den inneren Ka­binettskreis ein Gegengewicht zu dem konservativen Rückschlag zu schaffen. Sir Kingsley Wood wird jedoch seit langem in parlamentarischen Kreisen

Westminsters nicht als der repräsentativste Vertre­ter der konservativen Gruppe innerhalb des eng­lischen Parlaments angesehen. Als Luftfahrtmini­ster mußte er noch während des Krieges zurücktre- ten, weil seine Luftaufrüstung als ungenügend be­trachtet wurde. Als Schatzkanzler wurde er vor mehreren Monaten überaus heftig angegriffen, weil man seinen Kriegsetat als zu zurückhaltend, ja ge­radezu als verbrecherisch optimistisch bezeichnete. Die einzige starke Kraft der Konservativen im Innern Kabinett ist Herbert Morrison, der bisher Der- sorgungsminister war und nun den Posten Sir John Andersons als Minister für die innere Sicher­heit übernehmen wird. Die Hinzuziehung neuer Männer ins Kabinett, wie Lord Cranborne und Oberstleutnant Morre-Brabazon, wird als ein charakteristisches Kennzeichen der neuen Linie, die Churchill einzuschlagen gedenkt, gewertet. Lord Cranborne ist ein typischer Vertreter der For» eign-Office-Kreise Die Ernennung eines Militärs zum Verkehrsminister wird daraus zurückgeführt, daß die Verkehrslage eine militärische Leitung die­ses Ressorts notwendig mache.

Ungelöst ist noch die Frage, wer die Leitung ter Konservativen Partei jetzt übernehmen wird. Entgegen den bisherigen Gepflogenheiten hatte nicht Churchill als konservativer Ministerpräsident die Leitung der Konservativen Partei, sondern der jetzt ausgevootete Lordpräsident Chamberlain. Nach dem Rücktritt Chamberlains als Ministerpräsi­dent wurde dieser Weg gewählt, weil Churchill sich zwar nicht parteipolitisch binden wollte, um da­mit nicht seine Sammlungsregierung zu gefährden, auf der anderen Seite er jedoch glaubte, wegen Ueberlaftung mit Regierungsgeschäften nicht auch noch die Parteimaschinerie leiten zu können. Obwohl in der Erklärung Churchills vom Donnerstag nicht ausdrücklich gesagt wird, daß Chamberlain nun auch vom Posten der Parteileitung zurückgetreten ist, so ist doch mit aller Bestimmtheit damit zu rechnen, zumal in der letzten Zeit immer stärkere Bestrebun­gen wachgeworden sinb, Chamberlain politisch voll­ständig auszuschatten. Die Wahl eines neuen kon­servativen Parteileiters steht damit noch aus. Eine autoritative Ernennung durch Ministerpräsident Churchill ist nicht möglich.

Die ersten Ieffarabien-Mckwanderer in Deutschland.