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Betr. Theater-Sommerring.
Die 5. und letzte Ringveranstaltung findet am Samstag, dem 7. September, um 19.30 Uhr, mit dem Schauspiel
„3ot)annisfeueru
von Sudermann statt. 39270
Einzeln« Karten sind noch im Freioerkauf in un- ■ serer Verkaufsstelle, SelterSweg 60, zu haben.
Oer neue Landgerichtspräsident in Gießen.
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1940 ab wurde, wie wir von der Justizpressestelle beim Oberlandesgericht Darmstadt hören, der Landgerichtsdirektor Dr. Jacobi in Darmstadt zum Präsidenten des Landgerichts für Oberhessen in Gießen ernannt. Er uber= nimmt damit das Amt des kürzlich von Gießen nach Darmstadt versetzten Landgerichtspräsidenten Dr. Colnot. , . .
Landgerichtspräsident Dr. Jacobi wurde am 12. April 1895 in Mainz geboren. Im Jahre 1913 legte er am Ludwia-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt seine Reifeprüfung ab. Er studierte anschließend die Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Gießen. Den Weltkrieg machte er als Frontkämpfer vom August 1914 bis Dezember 1918 mit. Für besondere Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse. Im Herbst 1919 legte er die Fakultätsprüfung ab und bestand im Juni 1922 das große Staatsexamen. Im November 1925 erfolgte seine Anstellung als Amtsgerichts rat in Michelstadt. 1926 wurde er in gleicher Eigenschaft nach Zwingenberg versetzt. Im Dezember 1928 wurde er Hilfsrichter beim Landgericht Darmstadt, und im November 1930 Landgerichtsrat bei der gleichen Dienststelle. Im Juni 1936 wurde er zum Landgerichtsdirektor in Mainz ernannt, und 1937 zum Landgerichtsdirektor in Darmstadt. Zur Zeit ist Landgerichtsdirektor Dr. Jacobi als Feldkriegs- jft Dr. Jacobi als Feldkriegsgerichtsrat in der Heeres- abteilung beim Oberkommando der Wehrmacht tätig.
Ortszeit für den 5. September.
Sonnenaufgang 6.42 Uhr, Sonnenuntergang 20.04 Uhr. — Mondaufgang 11.03 Uhr, Monduntergang 21.27 Uhr.
UeberfäNe auf Mädchen während der Verdunkelung.
Don der Kriminalpolizei Gießen wird uns be= richtet:
Am 2. September gegen 22 Uhr wurde eine Ve- hördenangestellte auf dem Weg vom Bahnhof zu ihre-r in Der Alicenstraße gelegenen Wohnung von einem jungen Mann verfolgt und von diesem nach Betreten des Hofeingangs tätlich angegriffen. Als sich das Mädchen heftig zur Wehr setzte und um Hilfe rief, ließ der Täter von ihr ab, da Passanten der Ueberfallenen zu Hilfe eilten. Der Bursche entkam im Dunkel der Nacht.
Anschließend suchte er sich ein neues Opfer aus. Ebenfalls im Hofe ihrer Wohnung übersiel er eine Hausangestellte, die er am Halse würgte, um sie am Schreien zu hindern. Die Angegriffene riß sich los und versuchte, wegzulaufen. Der Täter sprang ihr jedoch nach, warf sie zu Baden und schlug mit der Faust aus sie ein. Als sie verzweifelt um Hilfe rief, rannte der Täter weg. An der Ecke Ludwig- straße kannte er van einem Mann festgeh allen werden. Der Wüstling wurde der Polizei übergeben. Es handelt sich bei dem Täter um einen 31 Jahre alten verheirateten Mann aus Gießen, der dem
Ägend-Wball-VWurmer in Wißmar
Spiele.
Vorrunde.
größte Mül
schalten. . p . n
1900 — Wißmar 1:0.
Ein selten schönes Spiel, das die 1900er auf Grund ihrer technischen Ueberlegenheit knapp ge-
liefert und mit aller Ener«i- gekämpft. Rodheun hatte wiederum Glück, denn die Mannschaft z g zum zweiten Male das Freilos.
Daubringen-Alten-Buseckl.0 (nach Verlängerung).
Erbittert wurde um den Sieg gekämpft, die ror- perlich stärkere Elf van Daubrmgen hatte große Last, um nach Verlängerung den Gegner auszu-
wannen^ , & e _ Frohnhausen 3:0.
Die Löhnberger, die als unbestreitbar beste Mannschaft zu gefallen wußten, konnten hier einen hohen Sieg herausholen. , . o A
Leihgestern — Fellingshausen 2.1.
Obwohl die Spieler aus Fellingshausen sich die größte Mühe gaben, konnten sie doch nicht verhin Sern, daß Leihgestern das Siegestor schoß.
2. Zwischenrunde
Löhnberg — Leihgestern 1:0 (nach Verlängerung).
Leihgestern wehrte sich sehr tapfer, die Lohnberger hatten aber die größeren Kraftteserven und schossen nach zweimaliger Verlängerung den Siegestreffer.
Rodheim — Saubringen 1:0
Aeußerst hart wurde dieser Kampf durchgefuhrt. Die Daubringer setzten alles äuf eine Starte, jedoch konnten sie nicht verhindern, daß Rodheirn nach Verlängerung das entscheidende Tor anbringen
konnte.
1900 hatte das Freilos gezogen.
Endrunde.
Wiederum hatte 1900 Glück, denn die Mannschaft zog zum zweitenmal das Freilos, womit sie zum mindesten den zweiten Sieg in der Tasche hatte.
Löhnberg — Rodheim 1:0.
Die Mannschaft von Löhnberg hatte stark zu kämpfen, denn die Rodheimer waren fast ausgeruht, während Löhnberg schon drei Spiele geliefert hatte. Lange wogte der Kampf auf und ab, die Löhnberger zeigten Ermüdungserscheinungen, bis es ihnen kurz vor Schluß gelang, das Siegestor zu erzwingen. .
Löhnberg — 1900 0:1 (nach Derlangeruna).
Mit begreiflicher Spannung sah man diesem Kampf entgegen, denn hier wurde der Sieger des Turniers ermittelt. Die Löhnberger, die trotz vieler harter Kämpfe noch klare Spielvorteile hatten, brachten es nicht fertig, die Hintermannschaft von 1900 zu bezwingen. Nach zweimaliger Verlängerung glückte es Gebauer, durch Ueberraschungs- schuß aus dem Hinterhalt seiner Mannschaft zum Sieg zu verhelfen.
Der Turnverein Wißmar hatte es sich nicht neh- men [affen, trotz des Krieges zu einem Blitzturnier aufzurufen, das van den Vereinen fehr gut.beschickt war 3m ganzen hatten 17 Mannschaften chre Meldungen abgegeben, u. a. die G-bietsmeytermann- cha,t von Löhnberg, 1900 Gießen, VfB.-R., Lech- gestern Steinberg und andere. Nach der Auslosung traten die Mannschaften geschlossen unter Doran- tritt der Reichsbund sahne den Marsch zum schon- aeleaenen Sportplatz an. Der rührige Jugendleiter des Vereins, Weber, ließ die Mannschaften an- tteten, und nach der feierlichen Flaggenhissung sprach der Dereinsführer Hermann. .Stafiel- letter Z i tz e r machte auf die Bedeutung des Sportes in Kriegszeiten aufmerksam und gab die Spielbedingungen bekannt. Bald darauf begannen die
Frohnhausen — Wißmar II 1:0.
Die kleinen Spieler aus WHmar hielten sich zwar tapfer, jedoch konnten sie den Siegestreffer der Frohn- Häuser nicht aufhalten und schieden somit aus dem weiteren Wettbewerb aus.
Leihgestern — Staufenberg 2:0.
Die Leihaesterner waren dem Gegner in jeder Beziehung überlegen und konnten sich durch zwei Tore für die Zwischenrunde qualifizieren.
Daubringen — Vetzberg 2:0.
Daubrmgen hatte eine körperlich starke Els zur Stelle und siegte sicher über Vetzberg.
Löhnberg — Steinberg 1:0 (nach Verlängerung).
Eins der schönsten Spiele lieferten sich beide Mannschaften. Die Löhnberger waren etwas besser, jedoch konnten sie erst nach Verlängerung den Siegestreffer anbringen.
Fellingshausen — Rödgen 1:0.
Das Spiel wurde sehr hart durchgeführt, durch einen haltbaren Schuß konnte Fellingshausen in die Zwischenrunde gelangen.
Alten-Buseck — VfB.-R. 1:0.
Die körperlich schwächeren R^ichsbahner spielten zwar technisch sehr schön, jedoch muhten sie sich knapp geschlagen bekennen.
' 1^900 — Krofdorf 3:1.
Das torreichste Treffen lieferen sich beide Mannschaften. Den Führungstreffer der Krofdorfer holte 1900 bald auf und konnte bis zum Schluß durch zwei Tore die Ueberlegenheit ausdrücken.
Wißmar — Lollar 1:0.
Knapp aber verdient sicherte sich der Gastgeber die weitere Teilnahme an den Spielen.
Rodheim zog das Freilos.
1. Zwischenrunde.
Am Nachmittag begann die Zwischenrunde der Siegermannschaften. Es wurden schöne Spiele ge-
Arntsgericht Glesien zugeführt und sofort unter Haftbefehl gestellt wurde.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Vishverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 40—45,5 Pf., Bullen 39,5—49,5, Kühe 16—44, Färsen 28 bis 44,5, Kälber 35—57, Schafe 26, Hammel 20 bis 35 je Vi kg Lebendgewicht. Ziegen 14 bis 25 RM. pro Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 dis 134,5 kg) 1,14, c (90 bis 119,5 kg) 1,12, d (80 bis 89,5 kg) 1,06, e—f (unter 80 kg) 1,02, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,14, g2
(andere Sauen) 1,06, h (Eber) 1,06. Marktverlauf: gut, alles zugeteill.
Detriebssporttag bei Schunk & Ebe.
Unter starker Beteiligung ihrer Gefolgschaft führte die Firma Schunk & Ebe, Kohlebürsten- und Bürstenhaller-Fabrik, Giesien-Windhof, den von der Deutschen Arbeitsfront angeregten Sommersporttag der Betriebe durch. Von den in Betracht kommenden Altersklassen der Betriebsangehörigen waren rund 54 v. H. zum Sport angetreten; 158 Gefolgt schastsmitglieder unter 18 Jahren schieden von vornherein aus, ebenso 25 Körperbehindert« und hundert Frauen.
Nach der feierlichen Flaggenhissung wies Be° triebsfuhrers Schunk auf den Gedanken des Sorn-
mersvorttaaes der Betriebe hin und gab feiner De- friebiaung Darüber Ausdruck, schon bei der erften Derartigen Beranftaltung die Gefolgfchaftsmitglieder f0 zahlreich zur Stelle zu sehen. Dann wickelte sich unter Leitung des mit der Wahrnehmung der Sportangelegenheiten beauftragten Gefolgschafts- mttaliedes Wilhelm Bernhard ein abwechflungs- reiches Programm ab. Von den 108 angetretenen Männern starteten 77 zum 800-Meter-Lauf, der in einzelnen geschlossenen Gruppen in der vorgesehenen Zeit in guter Verfassung gelaufen wurde. 91 Mann nahmen sodann in regem Wettstreit die Partnerübungen vor. 58 Mann übten sich im Kugelstoßen, während 28 Mann dem Medizinballspiel oblagen. Anschließend standen sich noch zwei Fußballmannschaften gegenüber, die in 2X15 Minuten ihr Können im Fußball erprobten.
Alle Teilnehmer haben die Bedingungen der einzelnen Hebungen in vollem Ausmaß erfüllt.
Nach den Hebungen sprach Betriebsobmann Ernst Volkmann, der ebenfalls den wertvollen Gedanken des Betriebssporttages betonte und beson- b>ers hervorhob, daß vom Betriebsführer bis zum jüngst eingetretenen Gefolgschaftsmitglied alle sich mit Freude und Einsatzbereitschaft beteiligten. Die Veranstaltung wurde sodann in der üblichen Weise geschlossen.
Amtsgericht Gießen.
Der W. F. und der I. N., beide in Allendorf, hatten sich wegen Diebstahls zu verantworten. Sie hatten gemeinschaftlich das Spind eines Kameraden erbrochen und daraus Lebensmittel, wie Speck, Eier usw., sowie Wäsche- und Kleidungsstücke im Gesamtwert von etwa 40 bis 50 RM. entwendet, N. allein hatte von einem Spind einen Walzenrevoloer entwendet. Die Angeklagten waren geständig. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde F. zu einer Gefängnis st rase von 1 Jahr, N. zu einer Gesamtgefängnis st rase Lon 1 Jahr und 2 Monaten verurteilt. Den Angeklagten wurde je ein Monat und eine Woche Hn- t ersuch ungsh ast auf die Strafe angerechnet. Das Ge- ständnis, die Jugend und die mangelnde Erziehung der AngeÄagten kamen strafmildernd in Betracht.
Strafkammer Gießen.
Eine Frau aus Friedberg war durch Urteil des Amtsgerichts Friedberg vom 23. Juli wegen falscher Anschuldigung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden. Sie war beschuldigt, am 15. Dezember v. I. in Friedberg einen Mann einer strafbaren Handlung beschuldigt zu haben, indem sie anderen Personen gegenüber behauptete, dieser Mann habe gegen eine führende Persönlichkeit des Reichs schwere Beleidigungen ausgesprochen. Gegen das Urteil legte die Angeklagte Berufung ein. In der Verhandlung wurde sie überführt. Der Anklagevertreter beantragte das Urteil aufzuheben und die Angeklagte anstatt der drei Monate zu fünf Monaten Gefängnis zu verurteilen. Die Berufung der Angeklagten wurde verworfen. Es blieb bei den 3 Mo nateü Gefängnis.
Schöne Spenden
für unsere Verwundeten.
0 Lich, 3. Sept. In Zusammenarbeit der örtlichen Parteidienststelle mit der NS.-Frauenschast und dem NS.-Frauenwerk wurde hier in der ver- ganaenen Woche eine Kuchensammlung für unsere verwundeten Soldaten durchgeführt. Insgesamt konnten einem Gießener Lazarett 393 Kuchen, 40 Flaschen Wein und Obstsaft, 310 Zigaretten und ferner noch Eier, Gelee und einge- mackte Früchte in kleineren Mengen zugeführt weroen.
KlausfängleiinenesUhenan
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
JJlein. Im ersten Jahr nach meiner Verheiratung hatten wir mal das Unglück, auf dem Müggelsee zu kentern. Es war nicht allzu schlimm, wir konnten uns am Boot festhalten, und Erna ist ja auch eine gute Schwimmerin. Wir wurden aufgefischt. Aber meine Frau nahm mir danach den Schwur ab, nie wieder zu segeln! Jetzt habe ich ein Paddelboot, mit dem ich mich, wenn wir im Sommer das Wochenende in Rahnsdorf verbringen, abends oder in der Sonntagsfrühe hinausrudere."
„Na, das ist doch schön, Hans!" Kätes Entgegnung klingt mehr wie eine Frage, weil er das so erzählt, als sei kein bißchen Freude" dabei.
„Ja, ja, es ist ganz schön", stimmt er zu und denkt daran, wie er sich damit, wie mit noch so vielem anderen, nur gegen Widerstand, Gerede und dauernde Einmischung anderer durchsetzen kann. Auch daran denkt er, daß er sich die Nacht auf einem blöden Vereinsball um die Ohren geschlagen hat; er denkt, daß er kein Eigenleben mehr besitzt, sondern seit seiner Verheiratung das seiner Frau und ihres verwandtschaftlichen Anhangs mitlebt. „Charakterlos" würde Käte das wahrscheinlich nennen. Er kann ihr nicht erklären, warum es so ist und nicht anders sein kann. Unb er muß das ja auch nicht erklären. Er weiß aber plötzlich: Hierher darf er all das Häßliche nicht tragen! Hier ist die am wenigsten geeignete Stelle, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen.
Don solcher Erkenntnis gedrängt, bricht er seinen Besuch bei der Jugendgefährtin rasch ab.
7. Kapitel.
Am Nachmittag ist Bergholz allein in der Wohnung. Seine Frau ist mit ihren Eltern und dem Ehepaar Neumann nach Cladow gefahren. Dorthin sind sie von Bekannten, die sie gestern auf dem Ball getroffen hatten, eingeladen worden. Er hat für seine
Person erklärt, sein Kommen nicht versprechen zu können. Erna aber, die sich auf den Besuch in dem Cladower Landhaus freut, hat das nicht ernst genommen. Als sie beim Mittagessen davon-zu sprechen anfängt, und es als selbstverständlich voraussetzt, daß er mitgeht, ist ein Anlaß zu neuem Streit da, denn er erklärt kurz und bestimmt, er denke nicht daran; er sei zu müde. Dennoch wird diesmal die Klippe leidlich umsteuert; es ist ausnahmsweise auf beiden Seiten der gute Wille dazu da. Erna lacht zwar ihren Mann aus und meint, er hätte sich ja vormittags richtig ausschlafen können, wie sie es getan hat, statt stundenlang umherzulaufen.
„Gerade das tat mir gut", entgegnet er ruhig. „Ich will aber nachmittags ein paar Stunden Schlaf nachholen." Er redet ihr zu, ohne ihn mitzufahren. Natürlich nimmt sie das übel. Aber sie will sich auf keinen Fall den Nachmittag verderben lassen. Sie besitzt die Fähigkeit, Hnangenehmes von sich zu weisen oder es zurückzustellen, wenn eine Vergnüglichkeit ihrer wartet. Zudem verschanzt sich ihr Gatte heute hinter einer eigentümlich kühlen Höflichkeit, die ihn unangreifbar macht, und die ihr ein wenig unheimlich vorkommt. Vor ungefähr einem Jahr war er yach solchem frosttg-liebenswür- digen, äußerlich korrektem Benehmen mit dem ungeheuerlichen Ansinnen herausgerückt, sich scheiden zu lassen.
Es überläuft sie kalt, wenn sie nur daran denkt. Das ist die schlimmste Enttäuschung gewesen, die ihr das Leben bisher gebracht hat. Trotz allen Haders und aller Zerwürfnisse liegt ja ein solcher Gedanke ihr ganz fern. Ihr Mann braucht doch nur „vernünftig" zu fein, bann ist alles gut, meint sie unb alaubt allen Ernstes, bie unheilvolle Kluft, die bas Aneinanbergekettetsein zwischen ihnen aufteißt, sei bamit zu überbrücken.--
„Herrlich! Das Alleinsein", sagt Bergholz zuerst. Aber nach einer Stunbe stellt sich eine Unruhe bei ihm ein, die er, als eine zweite Stunde vergangen ist, kaum mehr erträgt. Es wird zu dunkel zum Lesen. Er stellt das Rundfunkgerät im Wohnzimmer an, wirft sich in einen Sessel, lauscht den Musikklängen und gerät ins Träumen. Wie auf einem Strahlenhintergrunde sieht er bas Bild einer schönen, fesselnden Frau. Seine Phantasie, seine unbefriedigte Sehnsucht gieren nach der Berauschung.
Es hat gar keinen Zweck, sich zu wehren unb —
wozu auch? Ist benn irgenb etwas ba, bas es lohnte? Merkwürbig, daß eine zage Empfindung bei dieser Erwägung zu Käte Weder schweift. Aber sein Besuch bei ihr unb alles, was er zu ihr gerebet hatte, reut ihn fast. Er meint, ihre ruhige, bunkle Stimme zu Horen: „Es ist eine kleine Erregung, bie vorübergeht. Du wirst bamit fertig werben."
Ja — vielleicht. Aber ist bas eigentlich so wün- chenswert? Die Begegnung ist ihm Flucht aus bem Alltag, Auffrischung unb glückhafte Erhöhung ab-- gestandenen Lebensgefühls. Was aber jetzt vor allem für ihn Bebeutung hat: noch ist er nicht bamit fertig! Noch steht er am Anfang eines völlig neuen Erlebens.
Der summende Schlag der Hhr tönt in bas zarte Abagio einer Romanze von Tschaikowsky hinein, unb Hans Bergholz ist es, als höre er Dietmuthe Röhl sagen: „Nachmittags um fünf bl;, ich für meine guten Freunde immer zu sprechen
Er geht ins Schlafzimmer, kleidet sich hastig um und verläßt das Haus. Jetzt lächelt er darüber, daß er sich von so viel Hemmungen den Weg verlegen ließ, den er doch gehen muß.
Er hat Glück; sein Besuch wird angenommen. Dietmuthe Röhl lächelt ihm wie einem guten Freunde zu und sagt ungezwungen: „Nett von Ihnen, daß Sie kommen, Doktor! Ich wollte mich zu morgen bei Ihnen anmelden."
Er küßt ihre Hand unb begrüßt dann den Bankier Heibenreich Recht zwanglos unb vertraut nimmt sich das Beisammensein der beiden in der luxuriös und augenscheinlich neu eingerichteten Wohnung der Sängerin aus — Bergholz kann nicht umhin, dies bei sich festzustellen.
Fräulein Springer kommt herein, und er begrüßt auch sie. Sie wendet sich an Dietmuthe mit der Frage, ob der Tee hier ober im Eßzimmer getrunken werden soll.
Dietmuche dchnt sich in ben f eiben en Kissen der Kautsch. „Hier, Kläre, ich bin viel zu faul, um aufzustehen."
Der Teewagen wird hereingefahren. Dietmuthe unb Heibenreich behalten ihre Plätze. Kläre Springer unb Bergholz sitzen in ihrer Nähe. Man trinkt ben Tee aus burchscheinenb bünnen chinesischen Porzellantassen. Bergholz ärgert seine eigentümliche Befangenheit, von ber frei zu werben, er sich vergebens
-müht. Frau Röhl unb Heibenreich finb in ein Ge
spräch vertieft, dessen Inhalt ihn befremdet. Es schwirrt darin von Aktienkäufen und -Verkäufen, von Devisenkursen, Börsennotierungen und Wechselgeschäften. Das ist für ihn keine günstige Gelegenheit, um mitreden zu können. Gelingt es ihm, zuweilen eine Bemerkung einzuftechten — um nicht als stummer Oelgötze dazusitzen — so findet sie von selten des Bankiers keine Beachtung, während Dietmuthe sich zu ein paar zerstreuten Entgegnungsworten herbeiläßt und ihm flüchtig zulächelt.
„Hätte man mich lieber abgewiesen. Eine blöde Rolle spiele ich ja hier", denkt er enttäuscht unb versucht, mit ber Kläre Springer ins Gespräch zu kommen. Aber auch bas gelingt nur teilweise. Sie gibt sich völlig farblos, aber er hat bie Empfinbung, von ihr burchschaut zu werben. „Wäre ich nur erst wieber hier heraus!" knurrt er innerlich.
Da hören enblich bie Geschäftsgespräche auf, unb Dietmuthe roenbet sich ihm zu. Ihre strahlenbe Liebenswürbigkeit verscheucht seinen Unmut unb auch bie gräßliche Unsicherheit. Man kommt auf bie Zei- tungsbespmchungen ber Tristanaufführung zu sprechen, von Denen sich Dietmuthe im ganzen befriedigt zeigt. Sogar bie eine, bie ihn so sehr in Harnisch gebracht hatte, scheint sie nicht säuberlich zu erregen. Er ist froh über bie Gelegenheit, seiner Entrüstung barüber Ausbruck geben zu können unb tut es grünblich.
Unb bann sieht er in brei lächelnbe Gesichter.
Dietmuthe hat bas Kinn auf bie verschlungenen Hänbe gestützt; in ihren Augen ist ein Glitzern, wie es manchmal bie Augen ber spielenben Katze haben. Herr Heibenreich hat bie schmalen Lippen einseitig geschürzt, währenb seine unbeweglichen Züge und ber kalte Blick ben immer gleichen Ausbruck bewahren. Selbst in Fräulein Springers kühler, verschlossener Miene zuckt es belustigt.
Bergholz schweigt betreten unb bekommt einen roten Kopf. Da sagt Heibenreich: „Wieso regen Sie sich barüber auf, Doktor Bergholz? Diese gebrückte Meinung eines Zeitungsmenschen tut unserer herrlichen Dietmuthe gar nichts? Sie steht barüber! Wenige haben wie sie ben Mut, ganz bas zu sein, was sie in Wirklichkeit finb. Mögen bie anbern nur ihre Unzulänglichkeit mit Gefühl verbrämen. Frau Röhl hat es nicht nötig, sich in Gefühlsunkosten zu stürzen! Nicht wahr, mein Kinb?" Er nimmt ihre weiße Hand unb küßt sie. Sie lächelt ihm zu. . (Forts, folgt.)
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