Donnerstag, 4 Juli 1940
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 150 Zweites Blatt
Neue Richtung im Geltersweg
die
3m Führerhauptquartier
als die
Die
Das Hübsche.
Von Richard Gerlach.
Interesse der Rückgeführten ist eine eigenmächtige Rückkehr verboten. •
Meldepflicht für Hausgehilfinnen.
Das -Frauenamt der DAF. macht darauf aufmerksam, daß Hausgehilfinnen, deren Arbeitverhältnis gelöst wird, weil sich Haushaltungsvorstand und Hausgehilfin darüber einig sind, sich nach der Arbeitsaufgabe bei dem für den letzten Wohnort zuständigen Arbeitsamt unverzüglich zu melden haben. Die Hausfrau muß ihre Hausgehilfin zur Beachtung der Meldepflicht anhalten. Liegt keine Einigung über die Lösung des Arbeitsoerhältnisses vor, so wird die Kündigung nur mit vorheriger Zustimmung des Arbeitamtes rechtswirksam.
Neben dem Führer der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel (ganz rechts), Major D e i l e und links General I o d l. — (Presse-Hoffmann-M.)
zwar ab 18 Uhr für JM.-Führerinnen und ab 19.30 Uhr für Mädelführerinnen. Gleichzeitig werden Prüfungen für das IM- und BDM.-Leistungsab- Zeichen abgenommen, evtl, auch für das Reichssportabzeichen. e
Achtung! Rückgeführte des Gaues Koblenz-Trier!
Die rückgeführten Volksgenossen des Kreises Saarburg und Trier-Land haben in Ruhe und Disziplin den Aufruf ^ur Rückkehr in die Heimat abzuwarten. Die ortsweise Rückberufung wird bereits nächste Woche erfolgen können. Im eigenen
Richtung hineinführen, nämlich vom Selterstor zum Kreuzplatz. Damit werden die Geschäftsleute nicht nur in dieser Straße, sondern auch in der Innenstadt überhaupt die von ihnen erhoffte zusätzliche Belebung durch die Heranführung auswärtiger Käufer erfahren. Mit dieser Neuordnung wird mitten im Kriege eine aufwärtsweisende Richtung für unsere Geschäftswelt gewiesen. B.
Und Rundverkehr am Selterstor.
Gleichzeitig mit der Fahrtrichtungsänderung im Seltersweg ist auch der Rundverkehr am Selterstor zur allgemeinen Verkehrspflicht geworden. Diese Maßnahme machte am gestrigen Nachmittag eine umfangreiche Verkehrsbelehrung notwendig, für die mehrere Polizeibeamte eingesetzt werden mußten. Die Beamten hatten dabei in den ersten Stunden keinen leichten Dienst. Die bisherigen Verkehrsgepflogenheiten sind in den weitaus meisten Volksgenossen, in Radfahrern, in Fußgängern, wie auch in den Kraftfahrzeugführern, so stark verankert, daß die Polizeibeamten fast die meisten Verkehrsteilnehmer, die gestern das Selterstor passierten, über die neue Ordnung belehren mußten.
Der Wandel der Verkehrsordnung am Selterstor ist grundsätzlich und tief einschneidend. Es- geht nach der neuen Regelung — nicht mehr an, daß ein Kraftfahrer, ein Fahrzeuglenker, ein Radfahrer, wenn er etwa vom Hindenburgwall kommt, unmittelbar in die Frankfurter Straße einbiegen darf. Vielmehr muß nun erst der Kreis ausgefahren werden, in dem
Fahrbahn und gleichzeitig auch der Radfahrer-
Wer aber unbedingt länger in der Sonne bleiben und schneller braun werden will, braucht Nivea-Ultra-Öl mit verstärktem Lichtschutz.
Wie wir uns durch Augenschein davon überzeugen ! konnten, hat die Verkehrspolizei über das Befahren ; des Selterswegs eine. Regelung getroffen, die schon 1 seit Jahren die Anlieger dieser Straße, insbesondere ; die Geschäftswelt, stark beschäftigt hat. Der Selters- 1 weg, seit Jahren Einbahnstraße für den Fährverkehr, bleibt auch in Zukunft als Einbahnstraße bestehen, 1 allerdings erhält der Fahrtweg für alle Fahrzeuge < eine andere Richtung als bisher. Ging bis jetzt der Fährverkehr nur. in der Richtung vom Kreuzplatz zum Selterstor (mit Ausnahme der Straßenbahn), so wird in Zukunft der gesamte Fährverkehr durch den Seltersweg ausschließlich die Richtung Selters- ; tor-Kreuzplatz haben. Die neue Richtung zeigt also das entgegengesetzte Bild als bisher. Beamte der Verkehrspolizei leiten den Verkehr seit heute in der neuen Richtung.
Diese Neuordnung dürfte bei der Geschäftswelt im Seltersweg, auf dem Kreuzplatz, in der Mäus- burg, wie überhaupt in der Innenstadt volle Zustimmung finden. Wer sich der früheren Erörterungen über die Verkehrsregelung im Seltersweg erinnert, weiß, daß die Festlegung des Einbahnverkehrs in Richtung Kreuzplatz-Selterstor bei der Mehrheit der Geschäftsleute in dieser Straße keinen Anklang gefunden hat. Es wurde damals schon — vor Jahren — geltend gemacht, daß die Geschäftswelt es lieber ehen würde, wenn der Fährverkehr in der Embahn- traße Seltersweg die Richtung Selterstor-Kreuzplatz erhalten würde. Man versprach sich für den Geschäftsverkehr im Stadtzentrum eine wesentliche Förderung dadurch, daß die von auswärts die Frank- urter Straße herabkommenden Fahrzeuge in den Seltersweg hineinfahren konnten, anstatt — tote in den Jahren bisher — am Selterstor über den Hindenburgwall oder den Horst-Wessel-Wall umgeleitet und von dem geschäftlichen Mittelpunkt der Stadt abgedreht zu werden. Man machte, namentlich in den Kreisen des früheren Seltersweg-Vereins, nachdrücklich geltend, daß manche Kraftfahrer, die aus südlicher Richtung kämen und vom Mittelpunkt der Stadt mit ihren Fahrzeugen ferngehalten würden, dann lieber ihre Fahrt bis Marburg fortsetzen, anstatt hier Rast zu machen, wenn auch nur für Stunden, um sich in den Gaststätten zu erfrischen und in den Geschäften vielleicht auch Einkäufe zu machen. Die Entwicklung hat bestätigt, daß jene Einwände des Selterswegs-Vereins nicht unbegründet waren. Wohl die meisten. Kraftfahrer, die aus südlicher Richtung kamen und nach Norden weiterfahren wollten, kamen z. B. bei der meist bevorzugten Fahrt über den Hindenburgwall an keiner unserer größeren Gaststätten vorbei, sie dürften wohl in den meisten Fällen bis Marburg weitergefahren sein, ehe sie Rast machten; nur wenn sie vom Selterstor aus über den Horst-Wessel-Wall fuhren, führte sie der Weg an zwei größeren Gaststätten vorbei. Die Schlußfolge- . rungen hinsichtlich verpaßter Einkaufsgelegenheiten • in unserem Geschäftszentrum liegen auf der Hand.
Nachdem durch die Umgestaltung am Selterstor i im Hinblick auf die in absehbarer Zeit zu erwartende = Einführung des Obus-Betriebs und die dadurch \ veranlaßte Neuregelung des Straßenbahnverkehrs die i Voraussetzungen für eine grundlegende Aenderung i geschaffen sind, finden die vor Jahren geäußerten dringenden Wünsche der Geschäftswelt im Seltersweg nunmehr ihre Erfüllung. Der Fährverkehr von - Süden her wird künftighin, ebenso wie die Straßen- > bahn, in die Einbahnstraße Seltersweg in einer
Hübschheit wird weniger geschätzt Schönheit. Jedoch läßt man sie noch gelten, wenn sie auch niemals so besonders selten war. Eine Frau, die zwar nicht schön, aber recht hübsch ist, kann trotzdem entzückender sein als das langweilige klassische Ideal. Denn die Anmut rechnen wir eher der Hübschheit als der Schönheit zu. Die erlauchte Vollkommene kann auf das Niedliche, Reizende und Muntere verzichten, ihr Dasein und ihr Lächeln allein genügt, die Welt zum Bewußtsein ewig strahlender Jugend zu bringen, und das Geheimnis der ganz erfüllten Form läßt uns die Vergänglichkeit vergessen. Die Holdheit des Hübschen aber ist von diesseitiger Natur, frisch und erfreulich. Sie begrüßt uns traulicher als die erhabene Göttin, der wir nur schweigend und wunschlos nahen. Die Hübschheit ist
gehalten, bis ihm ein glücklicher Lichtblick endlich das Strahlenfeuer des Edelsteines und seinen wahren Wert erkennen ließ.
Als sie an seinem Tische vorbeikam, sah sie ihn und führ erschrocken zurück. „Herr Kreuder?" sagte sie ungläubig, und dann wich der fragende Blick ihrer Augen einer solchen Freude, daß er alles verstand, ihre Sorge, ihre Enttäuschung und ihr Fortgehen. Er hätte sich ohrfeigen können und war glücklich zugleich.
„Würden Sie", sagte er, „würden Sie, Fräulein Barbara, auch einmal mit mir alten Manne tanzen?" Sie errötete und nickte. Dann ging sie ihm durch die schmalen Gänge voran, denn die Musik begann eben wieder mit einem Walzer.
Er wollte während dieses Tanzes eigentlich viel sagen und viel erklären, aber da er damit beginnen mußte, daß er heute die größte Enttäuschung seines Lebens erlebt hatte, verschloß ihm eine geheime Scham den Mund. Er fing also beim Ende an und sagte, er sei jahrelang blind gewesen und habe erst heute Abend so recht die Augen geöffnet bekommen. Dabei drückte er sie an sich, und als er keinen Widerstand verspürte, begann ihm vor Freude das Herz zu klopfen, wie einem Primaner, und er wußte wieder, daß er im Grunde seines Wesens ja jung geblieben war und daß das Leben nun erst so recht beginnen sollte.
Wer gestern nachmittag Gelegenheit hatte, die Polizeibeamten während der Verkehrsbelehrungen zu beobachten, wird sofort erfaßt haben, wie sich in der Zukunft der Verkehr am Selterstor bewegen muß. Auch viele Kraftfahrzeugführer folgten auf einen Wink hin verständnisvoll der neuen Ordnung. Viele Radfahrer zeigten sich für Bruchteile von Sekunden ziemlich hilflos vor der revolutionierenden Verkehrsordnung, und verfehlten dabei den Radfahrerweg, der aber auch häufig bedenkenlos von den Fußgängern benutzt wurde. Die Beamten befleißigten sich durchweg einer freundlichen Belehrung.
Manche Szene, die sich dabei ergab, entbehrte nicht des humorvollen Charakters. Diejenigen, die den Wandel im Verkehrsmodus am Selterstor als Zuschauer für einige Minuten beobachteten, verfolgten die Szenen mit einigem Vergnügen. N.
Staatssekretär Reiner am Selterstor.
Am gestrigen Mittwoch weilte Staatssekretär Reiner in unserer Stadt und nahm u. a. die Umbauten am Selterstor in Augenschein. Gleichzeitig fuhr er im Kraftwagen als Erster über den Seltersweg in der nunmehr freigegebenen neuen Richtung. Aus diesem Anlaß war über die Straße ein Band gespannt, um symbolisch die Verkehrsänderung zu veranschaulichen.
Gießener Wochenmarktpreise.
* G i e ß e n, 4. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 dis 10, Eier,
als sonst in Erscheinung tritt.
Wenn unsere Urgroßväter wiederkehren und das ; ungezwungene Badeleben unserer Tage betrachten könnten: fte würden baß erstaunt sein. Alle Sittensprödigkeit und ängstliche Scheu vor den natürlichsten Dingen, die ihnen noch als unverrückbare Grundregeln vorschwebten, sind längst dahin. Aber auch mit der bezeichnenden Astlochmoral einer späteren Zeit ist gründlich aufgeräumt worden. Dafür hat der befreiende Wind einer besseren Lebensauffassung gesorgt. Die Formen des Zusammenlebens der Geschlechter entsprechen heute den Erfordernissen einer gesunden Anschauung, und deshalb erscheint es uns nur noch selbstverständlich, wenn sich im Freibad Männlein und Weiblein gemeinsam tummeln, um frische Kräfte für die Anspannungen des Alltages zu sammeln. .
Dafür ist das Bild, das sich jetzt täglich im Fret- bad bietet, auch von bunter Mannigfaltigkeit. Von den kleinsten Nackedeis bis zu den würdigsten Gestalten im Badekostüm zeigen sich die Erfrischung suchenden Erdenbürger dori, und der muß schon einigermaßen verknöchert oder noch hoffnungslos der alten Schule verfallen sein, der an diesem quirlenden und jauchzenden Durcheinander keinen Gefallen finden kann. Es ist eine Stätte unbefangenster und herzstärkender Fröhlichkeit, das Freibad, und wir können uns nur glücklich preisen, in einer Zeit zu leben, die diesen Badefreuden die weitgehende Förderung angedeihen läßt. H. W. Sch.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Fuchs von Gle- iarvon". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Em ganzer Kerl". In beiden Häusern neueste Ufa-Ton- Woche „Siegesfahne über Deutschland".
Notizen für den 5.3ull 1940.
Sonnenaufgang: 5.10 Uhr, Sonnenuntergang: 21.48 Uhr; Mondaufgang: 5.31 Uhr, Monduntergang 21.10 Uhr.
DDM -u.IM -!lntergau 116 Gießen
Die Untergaumeisterschaften im Schwimmen finden am Sonntag, 7. Juli, im Schwimmbad Klein- Linden statt und beginnen pünktlich um 10 Uhr. Alle Teilnehmerinnen melden sich um 9.30 Uhr beim Wettkampfleiter. Am Freitag, 5. Juli, wird noch einmal zu den Schwimmwettkampfen trainiert. Alle Mädel und Jungmädel des Standorts Gießen, auch der Umgebung, die am Sonntag mitschwimmen wollen, kommen am Freitag um 19.30 Uhr mit Schwimmzeug in die Müllersche Badeanstalt.
Führerinnenwettkampfe.
Wir beginnen mit der Durchführung am Montag, 8. Juli, auf dem Universitätssportplatz, und
Aus -er Stadt Gießen.
Lockendes Freibad.
In der Mittagspause wird der Himmel eingehend betrachtet. „Du", sagt Paul begeistert, „das Wetter ist prima. Wollen wir nachher gehen?" Fritz erwidert mit Kennermiene nur das eine Wort: „Klar!" Damit ist die Sache abgemacht, nach Feierabend gehen die Lehrlinge Fritz und Paul zum Freibad. Und nicht nur für sie, auch für unzählige andere Arbeitskameraden hat das Wort „Freibad" einen verführerischen Reiz. Wer tagsüber an der Drehbank steht, wer als Bauhandwerker im Schweiße seines Angesichtes seine Pflicht erfüllt oder wer im heißen Büro lange Zahlenreihen addiert: für sie alle gewinnt schon während ihrer Tätigkeit die Vorstellung vom Badeleben eine schier magische Gewalt, die für die Arbeit von beflügelnder Wirkung ist.
Es geht eben nichts darüber, an heißen Tagen sich der beengenden Hüllen zu entledigen und in die kühlen Fluten zu tauchen, die köstliche Erfrischung verheißen. Dabei erweist sich der Umstand, daß die Sommerzeit eingeführt wurde, als besonders günstig. Zwar könnte man auch bei nicht vorgerückter Zeit in diesen Wochen noch am Abend das Freibad aufsuchen, aber es ist dock ein großartiger Vorteil, daß zum Feierabend das Sonnenlicht eine Stunde länger wirksam bleibt. Weshalb denn auch der Drang zum Freibad in diesem Jahre in den späten Nachmittags- und Abendstunden deutlicher
ternd ein Stelldichein im Stadtwald erbat. „Auf zehn Uhr am Goethedenkmal", hauchte sie und ent- chwebte.
Peter Kreuder ging den ganzen Tag über wie auf Wolken und kaufte sich einen Binder, der „jugendlich machte", wie die Verkäuferin versicherte. Die treue Bärbel sah ihm erst traurig, dann wütend nach, als er mit diesem Schmucke schon gegen acht Uhr fortrannte und in dem Blumenladen an der Ecke verschwand. Um neun Uhr war er am Goethedenkmal, und um halb zehn hörte er Stimmen näher kommen. Er glaubte, das Helle, klingende Sümmchen seiner Erkorenen zu erkennen, und drückte sich in den Schatten einiger Büsche. Ja, da war sie! _,
Ihr Anblick aber erweckte feine Schwingungen in seinem Herzen, denn an ihrer Seite ging ein junger Mann, der auf sie einredete. „Das hattest du nicht tun dürfen!" sagte er vorwurfsvoll, und sie entgegnete lachend: „Ach, was! Der alte Freund soll seine Strafe haben, und wenn er vergeblich hierher gelaufen ist und merkt, daß er versetzt wurde, bann wird es ihm vielleicht eine ganz gute Lehre sein! Wollen wir uns verstecken und sein langes Gesicht anschauen?" Der Junge entgegnete heftig, er denke nicht daran, und zog sie mit sich fort. Peter Kreuder hörte sie noch kleinlaut sagen: „Nun, wenn du meinst ..." ,
Als er nach Hause kam, lag in der Küche ein Zettel: „Bin zum Tanzvergnügen im Gartenverem Immergrün. Barbara." Ja, war denn die ganze Welt verrückt geworden?! Bärbele, die nie aus dem Hause ging, die er mehr als ein Teil der Zimmereinrichtung betrachtet hatte, Bärbel war zu einem Tanzvergnügen?! Er fühlte sich alt und elend, als er den Binder wechselte, die Blumen auf den Tisch warf und, um mit seinen Gedanken nicht allein zu sem, nach dem Lokal des Gartenvereins fuhr. Er setzte sich an einen leeren Tisch und sah den Tanzen- ^^Da^qad es ihm einen Ruck. Ja, war denn das wirklich die Bärbel, seine Bärbel, die dort oben tanzte?! War sie das, diese junge, begehrenswerte Frau, um die sich die Männer bemühten, und die in ihrem hellen Sommerkleid und dem weichen, blonden Haar wie ein junges Mädchen aussah? Dem Peter Kreuder fiel es in dieser Sekunde wie Schuppen von den Augen, und nach der Beschämung am Denkmal war ihm nun, als habe er jahrelang einen Diamanten besessen und für einen Kieselstein
Eine Sommernacht.
Von Karl Robert Popp.
Als Peter Kreuder ein Junge war, erschienen ihm die abgehenden Schüler der oberen Klassen mit ihren neunzehn Jahren wie würdige Männer. Jetzt, da er sich mit einer ihm sonst fremden Hast den Fünfzigern näherte, war ihm die Spanne zwischen fünfzig und siebzig Jahren der Inbegriff reifer Männlichkeit, und da er außerdem behauptete, die Jugendlichkeit des Herzens allein fei der rechte Maßstab für die Altersbewertung und sich in der Beziehung wie ein Jüngling fühlte, schied er bei seinen reichlich spät erwachten Heiratswünschen von vornherein alles aus, was jenseits der Dreißig lag ... Sehr zum Kummer der kreuzbraven Barbara, die mit einer bei ihrem Geschlechte seltenen Offenheit vor der Welt ihre fünfunddreißig Jahre bekannte und frischer und elasttscher als manche Zwanzigjährige war. Sie betreute schon lange das Junggesellendasein Peter Kreuders, und nur dank ihrer geschickten Hände verlief das häusliche Leben des Einsamen ganz ohne die Klippen und Kümmernisse, die andere Hagestolze rechtzeittg auf die Vorteile einer Ehe Hinweisen.
Peter Kreuder hatte zwischen einem sorgenvollen Blick auf den Steuerbescheid und einem glücklicheren zum Fenster hinaus das Verlangen nach dem Hafen der Zweisamkeit in sich erwachen gefühlt, aber, wie gesagt, die getreue Bärbel lag nicht im Blickfeld dieser Wünsche, obwohl sie selber sich in ihren geheimen Träumen gerne neben dem stattlichen und gutmütigen Peter Kreuder auf dem Stanöesamte sah. Jene steuerliche Einsicht ließ diesem zunächst die finanziellen Vorteile einer Ehe im rosigen Lichte erstrahlen, und der zufällige Buck durch das Fenster fiel auf ein Mädchen, das in feiner jugendlichen Schönheit noch die praktischen Erwägungen überglänzte ... Peter Kreuder eilte ihr auf der Stelle nach und tat, was er vorher nie getan: Er ließ fein Taschentuch fallen, hob es rote- der auf, überholte die Holde und fragte, ob sie es verloren habe, eine ziemlich verzweifelte Art der Gesprächsanknüpfung, denn sein Taschentuch hatte etwa die Größenabmessungen des Kopftuches der Begehrten. Trotzdem zeigte es sich, daß das Gluck mit seinen Wünschen war, denn die Schone sah ihn lächelnd an und nickte gewährend, als er stot-
mehr ein braves Mädchen, dessen angenehme Wirkung alle sieben Tage der Woche anhält.
Die Ausländer, die das Wort „hübsch" zum erstenmal hören, können es nur mit Zungenoerrenkungen aussprechen, und wenn sie versuchen, es in ihrer Sprache zu übersetzen, so fehlt ihnen die Vokabel. Denn der Inhalt von „hübsch" ist ja keineswegswegs damit erschöpft, daß es einen minderen, aber noch leidlichen Schönheitsgrad ausdrückt. Vielmehr ist das Wohlgefallen an dem Netten, Feinen, Arttgen ehrlich und ohne Abschätzig- keit gemeint. Zum Wesen des Hübschen gehört die untrübe Gescheitheit und die untörichte Zuversichtlichkeit, kurz, es gibt keinen hübschen Miesepeter. Ebenso wenig ist das Hübsche auch nur das Gegenteil des Häßlichen, es muß noch etwas Heitres und Gesundes dazu kommen, damit es erscheine. Die Aufgeräumtheit, der Aufputz und die neckischen Zu- aaben machen es auch nicht aus, sonst wäre es bloß ein Schnörkel.
Früher wurde für das Hübsche die Hickschheit oder die Hübsche gesagt, aber diese Begriffe sind heute kaum noch ipi Gebrauch. Die Herkunft des Wortes hübsch weist in das ritterliche Mittelalter, hübsch war zuerst dasselbe wie höflich, es bedeutete adlige Sitte. Später taten sich die Bürger etwas auf ihre „Hübschheit" zugute. Noch im achtzehnten Jahrhundert gab es zum Beispiel in Hannover die „hübschen Familien", das waren die Alteingesessenen, die Vermöglichen und Tonangebenden.
Von den Verhältnissen, die man einst hübsch genannt hatte, ging das Wort mehr und mehr auf die äußere Erscheinung über. Wir sprechen höchstens ironisch davon, daß einer einen hübschen Charakter habe. Aber ein hübsches Gesicht berührt uns immer noch angenehm. Wir sprechen nicht von einem hübschen Antlitz. Ein Antlitz kann nur von erhabener Schönheit sein. Die mittlere Anerkennung heißt also hübsch. Zu der Bezeichnung „häßlich" gehört dann die Fratze, und zu der Bezeichnung „scheußlich" die Visage.
So ist cs auch, wenn wir etwa eine geistige Leistung als „hübsch" beurteilen. Das besagt, daß es sich hier gewiß nicht um etwas tragisch Welt- erschütterndes handelt, wohl aber um eine getonnte und in ihren Grenzen erquickliche Arbeit. Wir dürfen das Wort hübsch als ein nobles Vermächtnis der ritterlichen Zeit auffassen, die ihre Huld nicht maßlos und nicht knauserig verteilte.
weg verlausen. Wer vom Hindenburgwall zum Horst- Wessel-Wall will, muß ebenfalls und zum Teil diesen Kreis ausfahren. Das gleiche gilt für jeden Verkehrsteilnehmer, der vom Horst-Wessel-Wall in den Seltersweg einbiegen will. Auch für den, der von der Frankfurter Straße her in den Horst-Wessel- Wall fahren will, ist es bindendes Gesetz, daß er den Kreis dreiviertels ausfährt und so in den Horst-Wessel- Wall gelangt. Während dabei die Kraftfahrer die breite Fahrbahn benützen müssen, ist für den Radfahrer der Radfahrweg da.
Das ist die richtige Methode:
Allmählich an dieSonne gewöhnen und langsam bräunen. Mit Nivea-Creme!


