Ausgabe 
4.7.1940
 
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um 22.13 Uhr.

Streng geheim!

Mitteilung gemacht.

(gez.) Massigli.

Gamelms Abnutzungsstrategie

B) Die Abschneidung der Lieferung rumäni

DieTürkei im WenLinverständnismit den Angriffsprojekten derWestmächte

1940.

10) Diese Gelände sind zur Zeit Gegenstand von Erkundungen.

Durchschlag.

Projekt. Geheim! Nr. Czb./D. N.

12. März

Berliz an Cesar Franck.

Antwort auf Telegramm 1. 236.

«) Dies gilt unter dem Vorbehalt, daß die Schwe­den uns ihr Eisenbahnmaterial lassen.

6) Vor allem Flugzeuge, die ihrer etwaigen Auf­gabe in Frankreich entzogen werden könnten.

6) Hierzu eine streng verttauliche Auskunft, die mir von General I r o n s i d e gegeben wurde. Der Voranschlag für die Truppenstärke geht von ihm aus; die Zustimmung des Kriegskabinetts liegt nicht vor.

7) Von den gegenwärtig in Frankreich befindlichen Truppen mühte eine aktive Division weggezogen werden.

mit Treibstoffen ganz erheblich behindern. Nach den zur Zeit angestellten Ermittlungen werden dazu neun Fliegergruppen gehören. Das Kommando der fran­zösischen Luftstreitkrafte nimmt in Aussicht, dafür vier Gruppen zu stellen, der Rest wäre von der Royal Air Force zu stellen. Diese Gruppen, die ihre Basis in Djezireh hätten, wo das Gelände dazu vor­handen oder in der Anlage begriffen ist, im nörd­lichen Teil der französischen Levante, mußten, wenn möglich auch in der asiatischen Türkei10) Stutzpunkte haben.

Das Kommando der französischen Luftstreitkräfte könnte schon jetzt, nachdem es 14 Tage bis einen Monat vorher eine Warnung ausgesprochen hatte, die Bombardierungsoperationen in Transkaukasien in Angriff nehmen, und zwar mit zwer Gruppen schwerer Bomber, die durch zwei Gruppen mittelschwerer Bomber verstärkt werden konnten; sie wären, wenn die Lage an der französischen Front es zuläßt, aus dem Mutterland zu entnehmen.

Die Operationen in der Luft ließen sich auf fol­gende Weise wirksam unterstützen:

1 Durch Aktionen der Flotte, die auf die Stillegung des Verkehrs im Schwar­zen Meer abzielten. Dann wären grundsätzliche französisch-englische Unterseeboote zu betrauen. Ihre Durchfahrt durch die Meerengen wurde die ausdrückliche oder stillschweigende Zustimmung der Türkei voraussetzen und sie würden eine Basis an den Ufern des Schwarzen Meers in Kleinasien brauchen.

2. Durch Aktionen zu Lande, die nur durch die Türkei ausgeführt werden können, die übrigens durch gewisse Teile unserer Levante-Truppen dabei unterstützt werden könnte. An der Operation könnten sich auf Betreiben Großbritanniens auch Iran be­teiligen.

IV. Bei aller Berücksichtigung der Einwände, die im Laufe des letzten Kriegskomitees dagegen erhoben worden find, besteht Interesse daran, das Minen­werfen auf den Flüssen und mit den Mitteln der Luftwaffe so bald wie möglich in Angriff zu nehmen. Auf diese Weise würde sich eine teilweise Lahmlegung des Binnentransportes Deutschlands er­reichen lassen. Es ist wesentlich, daß die Luftwaffe die Operationen so bald wie irgend möglich von der Last befreit, mit der sie sich augenblicklich beschwert. Alles in allem braucht der russisch-finnische Waffen­stillstand an den wesentlichen Zielen nichts zu an­dern, die wir uns für 1940 setzen können; er muß uns aber dazu veranlassen, schneller und tatkräftiger zu handeln. Durch eine Kombination von Blockade- naßnahmen und gewissen militärischen Operationen können wir nicht nur b i e wirtschaftliche Ab­schnürung immer enger g e ft alten, son­dern Deutschland auch dazu veranlassen, aus seiner militärisch abwartendenHaltuttgheraus- 5U treten. Die Erfahrungen von sechs Kriegsmona­ten zeigen, daß die Neutralen Deutschland fürchten. Ohne ihnen auch unsererseits ebenso drohend gegen­überzutreten, müssen wir sie unsere Kraft füh­len lassen. Wohlverstanden muß das diploma­tische und das militärische Vorgehen auf den gleichen energischen Ton abgestimmt werden.

gez.: Gamelin.

worden seien, sei der Boden derartig mit Oel ge- sätttgt, daß eine Feuersbrunst sich unverzüglich aus das ganze benachbarte Gebiet ausbrei- ten würde; es würde Monate dauern, bis man sie löschen könnte und Jahre bevor der Betrieb'wie­der ausgenommen werden könne. Was den Schutz der Bevölkerung angehe, so müsse die Stadt zu die­sem Zweck um 50 Kilometer weitergeruckt werden.

Was halten Sie davon?" sagte Saracoglu zu mir. Ich habe geantwortet, moderne Bombenflug­zeuge hätten zweifellos einen ausreichenden Ak­tionsradius, um Baku von Djezireh oder vom Nord-Irak aus erreichen zu können; es mußten aber dazu türkische und iranische Gebiete über­flogen werden.Sie fürchten also einen Em- pruch Irans?" antwortete der Minister. Deutlicher hätte er mir nicht klar machen können, daß die Schwierigkeiten nicht von türkischer «eite kommen würden. Es wäre ungeschickt gewesen, wenn ich ihn genötigt hätte, sich näher auszusprechen, und ich bin deshalb nicht weiter auf die Aeußerung ein- qeqanaen. Sie ist aber nichtsdestoweniger sehr be- beuffam, und ich gestatte mir, Eure Exzellenz gan0 besonders darauf aufmerksam zu machen. Ich habe überdies auch meinem englischen Kollegen davon

Enge Fühlungnahme mit Ankara

IV.

Der französische Botschafter IHaffigli in Ankara an das Außenministerium in Paris.

Ministerium des Aeußern. Nr. 529.

Antara, 14. März 1940. Mit Kurier eingegangen

<*) Mit Schreiben Nr. 280 Cab/D. N. vom 26. Fe-1 sch e n Petroleums nach Deutschland läßt sich augen- bruar 1940 an den Herrn Ministerpräsidenten ge- blicklich weder durch Blockade noch durch militärische I Operationen erreichen.

Im Laufe des Besuches, den ich ihm gestern ge­macht habe, hat der Minister des Aeußern mir aus eigener Initiative ein während der Nacht eingegan- geiles Telegramm vorgelegt, in dem der tür­kische Vertreterin Moskau über eine Un­terredung mit dem Botschafter der Verei­nigten Staaten berichtete. Nach Ansicht die­ses'letzteren sollen die Russen sich über die Gefahren einer Bombardierung und eines Brandes der Oelgegend von Baku solche Sorgen machen, daß die sowjettussische Verwaltung ameri­kanische Ingenieure geftagt hat, ob und wie ein ! Brand, der durch eine Bombardierung hervorge­rufen würde, sich mit Erfolg bekämpfen ließe. Die Ingenieure sollen geantwortet haben, infolge der Art und Weise, wie die Oelfelder bisher ausgebeutet

V.

Aufzeichnung General Gamettns vom 16. März 1940.

Da die Auffassungen, die in demKriegsplan für 1940"«) dargelegt sind, die Grundlage unseres Vorgehens bleiben, empfiehlt es sich angesichts der Unterzeichnung des russisch-finnischen Waffenstill­standes festzulegen, welche Operationen auf kurze Sicht unternommen werden können, um fühlbare, wenn nicht entscheidende Schläge gegen Deutsch­land zu führen. Zu Lande erscheint es im Augen­blick sehr schwierig, außerhalb des unbesetzten Ge­bietes wesentliche Resultate zu erzielen. Deshalb muß Deutschland gezwungen werden, aus seiner gegenwärtigen abwartenden Haltung heraus- z u t r e t e n. Das erste, was nötig ist, ist eine V e r- schärfungderBlockade.

Neben den wirtschaftlichen Ergebnissen, die davon zu erwarten sind, müssen folgende Ziele an­gestrebt werden:

1. Es kann in Deutschlands Interesse liegen, Hol­land und Belgien zu schonen, denn diese ermöglichen es ihm, die Wirkungen der Blockade weitgehend zu 1 umgehen. Es liegt also auf der Hand, daß eine strengeKontingentierungderEinfuhr nach Holland und Belgien geeignet sein könnte, Deutschland dahin zu bringen, daß es kurzen Pro­zeß macht und in die Niederlande und Belgien ein- I fällt, da diese ihm dann in wirtschaftlicher Hinsicht nur noch mäßigen Nutzen brächten.

2. Bei den skandinavi s ch en Landern liegen die Dinge anders, Belgien und Holland die­nen Deutschland hauptsächlich als Zwischenhändler nach außen, während Schweden DeutscAand einen unentbehrlichen Rohstoff liefert, nämlich das Eisen.

Die in einem Brief 293 Cab/D.N. beigefügte1 Note vorn 7. März unterbreitete Ihnen die allge­meine Auffassung, die ich dem Ministerpräsidenten bezüglich der Operationen im mittleren Orient und im besonderen über die möglichen Operationen im Kaukasus vorgeschla«n habe. Ich betätige Ihnen, daß meines Erachtens die Operationen im mittleren Orient von dem britischen Ober­kommando und die Operationen im Kaukasus von dem türkischen Kommando geleitet werden müssen, da letztere besonders durch türkische Stteitkräste unter Mitwirkung der Luftwaffe und eventueller alliierter Spezialkontingente durchgeführt werden. Sie' können mit Marschall Cakmak über diese Frage in Verbindung treten und an alle vorbereitenden Untersuchungen über den mittleren Orient teilnehmen. Ich übersende Ihnen durch Ku­rier eine zusammenfassenbe Abhandlung über die Aktion im Kaukasus. General Gamelin.

ein Ereignis stellen, das gerade eintritt und den Zeitpunkt für ihre Benachrichtigung über das, was geschieht, abwarten. (Ich meine damit ihre offizielle Benachrichtigung, denn die verttaulichen Beziehun­gen, die wir mit ihr wie mit dem Oberkommando unterhalten, würden es ja verbieten, daß sie ganz im unklaren gelassen würde.) Die Operation muß bereits im Gange fein, indem man sich im voraus entschuldigt, wenn Flugzeuae während ihres Fluges genötigt sind, türkischen Luftraum zu be­nutzen. Weit entfernt davon, die türkische Regierung zu verletzen, wird unsere Reserve gerade der Er­leichterung ihrer Aufgabe dienen.

Sollte die Sowjetregierung einen Protest erheben, dann ist es wichtig, daß Ankara erklären kann, mit der Angelegenheit nichts zu t u n gehabt zu haben. Wenn eine Ueberfliegung statt gesund en hat, dann wäre es nicht einmal schlimm, wenn wir einen diskreten Protest erhielten. Sollte sich die Angelegenheit verschlimmern, und sollten die Sowjets durch Kriegshandlungen darauf reagieren, fo wäre es tatsächlich notwendig, daß die türkische Regierung imstande wäre, vor der Großen Versammlung zu erlären, daß die Initiative zum Angriff Moskau zur Last fällt. In diesem Falle muß die Uebereinftimmung der öffentlichen Mei­nung und des Landes mit der türkischen Regierung fichergestellt fein.

Aber gerade weil eine Reaktion der Sowjetregie­rung vorauszusehen ist, müssen wir darauf bedacht sein, keinerlei Operation dieser Art vom Zaune zu brechen, ohne uns über ihre möglichen Auswir­kungen auf die Türkei Rechenschaft zu geben und infolgedessen uns auch über die Lage klar zu werden, der dieses Land gegenüberstehen müßte.

Mir persönlich kommt es nicht zu, mich über diese Frage auszusprechen. Ich muß jedoch bemerken, daß auf der östlichen Hochebene noch der Winter herrscht, und daß das erforderliche Fluggelände noch nicht erkundet und hergerichtet werden konnte. Außerdem muß ich bemerken, daß nach meiner Kenntnis die Abwehr gegen Luftangriffe auf das Kohlenbecken von Zengouldak und gegen die Hüttenwerke von Krabuk noch nicht sichergestellt ist, da das für sie bestimmte englische Material noch nicht ge­liefert wurde. Meines Erachtens wäre es sehr un­vorsichtig, zwei für das türkische Wirtschaftsleben so ausschlaggebende Punkte einem Luftangriff von Sebastopol aus unter diesen Umständen auszusetzen. Es sollte mich wundem, wenn die militärischen Ex­perten nicht eine Frist von mehreren Wochen für die allerwichtigsten Vorbereitungen verlangten.

Die Frage des Schwarzen Meeres und der Erleichterungen, die die Schiffahrt in feinen Ge­wässern bei dem verkappten Mitwirken der Sow­jets für die Versorgung Deutschlands bietet, hält weiterhin meine Aufmerksamkeit fest. Ich habe mir erlaubt, gleich am Morgen nach Abschluß des eng- lisch-französischen-ttirkischen Vertrages (Telegramm 1969 vom 23.10. 39) darauf anzuspielen. Man muß leider erkennen, daß eine Lösung des Problems nicht leicht zu finden ist.

Nach den Bestimmungen der Meerengenkonven­tion sind die alliierten Mächte als Kriegführende nur berechtigt, Kriegsschiffe ins Schwarze Meer zu schicken, wenn es sich um die Erfüllung einer Entscheidung des Völkerbundes oder um Anwen­dung eines im Rahmen des Völkerbundspaktes ab­geschlossenen, in Gens registrierten und die Türkei

Es muß angestrebt werden, eine solche Versorgung zu verbieten. Ein einfaches Verfahren wurde darin bestehen, zu erklären, die Lieferung solcher wesent­licher Erzeugnisse wie z. B. des Eisens, durch neu­trale Länder, »die an das Reich angrenzen, bedeute einen Beistand in aller Form und wurde zu Repressalien führen. Schweden wurde also nur noch unter Blockadedrohung fein Erz an Deutsch­land liefern können; ebenso würde Norwegen nur noch unter dem gleichen Risiko die Durchfuhr be­wirken können.

Falls die beiden Länder sich fügen, so ist das Ziel erreicht; andernfalls wäre ihr Seehandel z u f p e r r e n. Angesichts einer solchen Lage konnte es sein, daß Deutschland beschlösse, daraus zu reagie­ren und in Schweden mit den Waffen einzugreifen. Es müßte uns dann zur Abwehr bereitfinden. Zu diesem Zweck muß in Frankreich und in England eine erste Staffel von Streitkräften bereit st ehen, um nach Skandinavien befördert zu werden, sei es als Gegenschlag ober auch als Präventivmaßnahme.

3/Die Abschneidung der deutschen Zufuhren an russischem Del9) aus dem- Kaukasus wirft zu­nächst einmal die Frage der Eröffnung von Feind­seligkeiten gegen die Sowjetunion auf. Ferner er­gibt sich dabei das Problem der Mitwirkung ober wenigstens der Zustimmung der Türkei.

Wie alles, was im Orient vorgeht, kann dabei die italienische Haltung nicht unberücksichtigt bleiben.

Wie dem auch sei, dieBombardierungder Petroleumanlagen von Baku und Da­tum aus der Luft sollte Deutschlands Versorgung

Ein aufschlußreicher Bericht BaffigUS. i

VI.

Auswärtige Angelegenheiten. Klartext. Reserve Nr. 661. Streng geheim.

Telegrammankunft Ankara, den 28. März 1940. Durch Kurier am 3. April um 11.30 Uhr erhalten. , Ich beziehe mich auf das Telegramm E. Exz. ; Nr. 540541. Bei dem Versuche, in meiner frühe­ren Korrespondenz die Haltung der Türkei der Sowjetunion gegenüber klarzustellen (vergl. beson­ders meine Depesche Nr. 74 vom 24. Februar und meine Telegramme 433439 und 461) betonte ich, daß es meiner Ansicht nach zwecklos sei, zu ver­suchen, die Türken gegen die Sowjets auszu­hetzen, daß man aber anderseits hoffen könne, es werde uns unter gewissen Umständen gelingen, sie dahin zu bringen, daß sie in unserem Fahr­wasser gegen Rußland Stellung nehmen.

An dieser Meinung, die ich vor dem Zusammen­bruch des finnischen Widerstandes ausgesprochen habe, glaube ich, heute nichts ändern zu müssen. Der Moskauer Frieden wird gewiß die türkische Vorsicht nur noch steigern. Gleichzeitig aber bleibt man hier bei der Ueberzeugung, baß die rote Ar­mee aus bem Krieg im Narben sehr geschwächt zu­rückgekommen ist, was wiederum ausgeglichen wirkt. Iebenfalls stelle ich keinerlei Annäherungsversuche mit ber Sowjetunion fest. Im Gegenteil, man ge­wöhnt sich allmählich an den Gedanken, mit ihrer Feindschaft r e ch n en zu müssen, was aber nicht besagen will, daß die türkischen Staats­leiter gewillt sind, sich in ein Abenteuer mit unge­wissem Erfolg einzulassen.

Wir müssen uns in der Tat Rechenschaft darüber ablegen, daß, wenn die Regierung von Ankara von jetzt ab die Ueberzeugung hat, baß Deutschland über die Westmächte nicht den Sieg banontragen I wirb, doch viele Menschen in ber Türkei nicht ba- von überzeugt finb, bah diese zur Zeit einen enb- gültigen Sieg bcwonttagen können. Viele glauben noch immer, baß das Reich von den müde gewor­denen Alliierten den Frieden erhalten wirb, ben es braucht. Viele glauben, und bie beutsche unb bie italienische Propaganda bemühen sich, sie davon zu überzeugen, baß trotz ber von den Regierungen in Paris und London bekräftigten Enffchlossenheit ber Krieg burch einen Kompromißfrieben sein Ende nehmen wird. Dann müßte man hier natürlich dar­über nachdenken, was die Zukunft bringen könnte in dem Falle, in bem bei einem künftigen Frieden, ber die Völker Frankreichs und Englanbs in bem Zustanb ber Unzufriebenheit unb Entmutigung lassen mürbe, bie Türkei einem Ruhlanb gegenüber allein bastünde, bas sich bie Lektionen bes Finnen- krieas zunutze gemacht haben mürbe, um seine mili­tärische Macht zu stärken.

Die Regierung kann diesen Geisteszustand nicht vollständig ignorieren, daher rührt auch zu einem großen Teile ihre augenblickliche Vorsicht. Ob mir i UNS morgen in einer roenn auch beschränkten Aktion t auf ber Westfront entschieben burchsetzen, ober ob eine beutsche Offensive im großen Stil gegen unsere i Verteidigung zu Lanbe ober in ber Lust zusammen- 11 bricht, stets roerben mir bie Türken mutiger und * unternehmungslustiger finden.

Es muß aber leider hinzugefügt merden, baß b e r Zustanb unseres öffentlichen Lebens unabhängig von jebem militärischen Gesichtspunkt hier einige Unruhe heroorgerufen hat. Die letz­ten Sitzungen im Parlament haben einen nieder- schlagenden Eindruck hinterlassen. Man hat sicherlich zu der Entschlossenheit Eurer Exzellenz unb ber Regierung, die Lage zu bessern unb die französische Moral nicht sinken zu lassen, Vertrauen, aber es gibt Menschen, die bem Einfluß ber beutschen unb italienischenAgenturen unb Rundf unks enbunäen gegenüber nicht unempfinblich gewesen finb und bie noch nicht sicher finb, ob sie nicht in ihren Hoffnungen, bie auch bei uns bie gleichen finb, getäuscht werben. Man muß ben Mut haben, es auszusprechen, baß bie Türken in ber gegenwärtigen Stunde nicht das Gefühl von unserer unwiderstehlichen Ueberlegenheit haben, wie groß auch ihre Sympathien für" uns fein mögen. Die Ueberzeugung der meisten läuft darauf hinaus, baß ihr Schicksal mit bem Schicksal ber Weltmächte verbunden ist. Die Regierung ist gewiß zur Ein­haltung der mit uns eingegangenen Verpflichtungen fest entschlossen. Aber in ber öffentlichen Meinung herrscht keine solche Geisteshaltung, bie sich zur Er­greifung von Initiativen ermutigt, bie über bas Risiko hinwegführen.

Bevor ich ber Aufforberung Eurer Exzellenz nach­komme, meine Beobachtungen über bie wichtigen Projekte barzulegen, deren große Richtlinien mir burch die Telegramme 54041 angezeigt würben, erschien es mir nohüenbig, diese wichtigen Ge- banfengänge in Erinnerung zu bringen: sie er­klären von vornherein einige Vorbehalte, die ich aussprechen muß, ober einige ber Vorsichtsmaß­regeln, auf bie ich mit Nachbruck hinzuweisen hätte.

Eine ßuftaftion a u f Baku unb eine Ak­tion zur See auf bem Schwarzen Meer erscheinen vom türkischen Gesichtspunkt aus technisch wie auch politisch in sehr verschiedenem Lichte.

1. Ein Luftangriff auf Baku von Djezireh aus bringt eine Ueberfliegung türkischen Ge­bietes von nicht einmal 200 Kilometer mit sich, unb zwar handelt es sich um die Ueberfliegung des Bergmassivs, das sich zwischen dem Van-See und dem Durmiah-See erstreckt, b.h. im Kurben- l a n b , das infolge ber sehr strengen Polizeiopera- tionen, bie bie türkische Armee bort vor zwei ober brei Jahren burchgeführt hat, stark e n t v ö l k e r t ist. Es würde keinerlei wichtige Sieblungsgruppe über­flogen werden, und die Flugzeuge könnten sehr gut unbemerkt passieren. Sollten sie be­obachtet werden, dann höchstens von vereinzelten Polizei- und Genbarmerieposten. Außerbem könnte durch eine Wendung nach Westen uni) einen Quer- flug durch ben nörblichen Teil bes Iran bie Ueber­fliegung des türkischen Gebietes gänzlich ver­mieden werden (unb noch mehr, wenn bie Start­basis nicht in Djezireh, sonbern im Irak läge).

Wenn ich biefe tatsächliche Sage mit ber Bemer­kung Saracoglus vergleiche, bie in meinem Tele­gramm Nr. 529 enthalten ist, komme ich zu bem Schluß, baß eine vorherige Benachrichti­gung der türkischen Regierung unb bie Bitte um bcren Genehmigung wenigstens um bie mora- ! lische Genehmigung zur Ueberfliegung ihres Ge­bietes sie unnütz in Verlegenheit brin- gen hieße. Man sollte sie roenn nicht vor bie vollendete Tatsache, so boch wenigstens vor

Dieses Mittel konnte jeboch nur von den Eng- [änbern angeroanbt roerben, ba unsere Luftwaffe noch nicht Bombenflugzeuge neuerer Art, die dieser Aufgabe gewachsen wären, in genügender Zahl heftet5). Aus dem Gebiete der Jagd-Flugwaffe war die Hilfe für Finnland, auf die in diesem Fall besonders Wert gelegt wurde, notwendig erweise noch zögernder. Die Jagd-Flugzeuge mußten auf bem Seewege beförbert werben; in Schweben mußten sie abmontiert und in Finnland wieder zusammen­gesetzt werden.

Es bleibt zu berücksichtigen, daß die Landung in Peffamo unter den gegenwärtigen Voraus­setzungen ganz anders zu beurteilen ist als vor zwei Monaten. Die Russen haben in dieser Gegend bedeutende Verstärkungen erhalten. Sie sind in breiter Front nach Süden über Peffamo hinaus vorgestoßen. Fliegerhorste sind eingerichtet worden. Möglicherweise ist eine Luftverbindung mit Murmansk hergestellt worden. Schließlich haben die Russen die Küste mit Verteidigungsmitteln gestutzt und vor allem schwere Artillerie herangebracht.

Andererseits sind die Finnen gegenwärtig be­stimmt außerstande, der Landuna alliierter Kontin­gente durch eine entsprechende Landoperation ent- gegenzukommen, wie ursprünglich beabsichtigt war. Im Nachgange zu den seit dem Monat Dezember durchgeführten Materialttansporten kann die Hilfe für Finnland nunmehr im Wege einer mili­tärischen Unternehmung durch die Ent­sendung alliierter Truppen verwirklicht werden.

Außer den französischen und polnischen! Kontingenten (15 000 Mann) haben die Gng« I ä n b e r bie Entsendung von 6 bis 7 Divisionen in Aussicht genommen6). Die gesamte Streitkraft umfaßt somit mindestens 150 000 Mann. Dieser Voranschlag, ber alle britischen Truppen der neuen Auslegung in sich einschließt7) kann offenbar zur Zeit nicht erhöht werden, roenn man die Schwierig­keiten des Transportes und bie Umschlagsmöglich- keiten ber norwegischen Häfen berücksichtigt. Die Ausschiffung der Truppen erfordert schon an sich bebeutenbe Zeit. Es hanbelt sich um mehrere Monate, gegenwärtig können bat)er keine Beschlüsse über bie Erhöhung dieser Truppenzahlen gefaßt werden. In zwei ober drei Monaten wirb die Lage an der französischen Front zweifellos besser ge­klärt sein, unb wir werden daher in ber Lage fein, die Unterlagen für eine bindende Entscheidung zu

gen Umschlag besitzen. Sie sind für bie Ausladung von Truppen und Nachschub von größerer Bedeu­tung schlecht ausgerüstet. Die Eisenbahnen, die von Narvik unb Drontheim nach Lulea führen, können nur einen geringen Verkehr bewältigen. Diese Ve^ kehrsziffer verringert sich noch, wenn man bis nach Finnland vorstößt, da man bann nur noch über eine Eisenbahnlinie verfügt, die ihren Ausgangs- puntt in Lulea hat unb ben Bottnischen Meerbusen umfährt?) Das Klima Finnlanbs unb insbesondere Lapplands ist außerordentlich Hari. Französisch-bn- tische Streitkräfte können bort nur eingesetzt wer-! den, wenn sie in geeigneter Weise ausgewahlt sind. Bis Ende Mai ist dazu noch eine Sonder­ausrüstung nötig. Französische Zug- und Trag­tiere können, von den Mauleseln abgesehen, dort nicht akklimatisiert roerben. Schließlich stellt ber Nachschub von Lebensrnitteln unb insbesondere von Wein für unsere Truppen ein außerordent­lich schwer zu lösendes Problem bar. Aus dem Vor­hergehenden ergibt sich, baß eine rafche, wenn auch nicht gefahrlose Landung (mögliche Einwirkung feindlicher U-Boote und Flugzeuge) in Norwegen vorausgesetzt der Einsatz unserer Stteitkräste m Finnlanb nur sehr langsam erfolgen konnte.

Auf dem Gebiet ber Lu f t kri e g f uhr un g er­scheint eine Hilfe für Finnlanb burch Entsendung von Bombenflugzeugen mit großer Reich­weite als die am raschesten und am leichtesten zu verwirklichenbe Losung, vorausgesetzt, daß man sich wie bei einer Landung in Peffamo, für die Er­öffnung kriegerischer Operationen gegen «Sorojeh rußland entschloßen hätte. Eine derartige Unter­stützung erscheint als bas e i n z i g e Mittel, Finn- ianb bis zur Ankunft von Landftteitkraften zu

liefern.

Die technischen Schwierigkeiten einer alliierten Intervention bürfen nicht außer acht gelassen wer­den. Sie sind nicht unüberwindlich unb werden ge­gebenenfalls aus bem Wege geräumt werden.

Eigenhändige Bemerkung ves Generals: Unsere skandinavischen Pläne müssen mit Entschiedenheit weiter verfolgt werden; Für Rechnung Finnlands ober boch minbeftens für Wegnahme bes schwebischen Erzes unb ber norwegischen Häfen. Wir bringen je­doch zum Ausdruck, baß vom Stanbpunkt ber Krieg­führung aus ber Balkan unb ber Kaukasus, burch bie man Deutschlanb auch bes Petroleums berauben kann, weit einträglicher finb, jeboch hat die Schlüssel bes Balkans Italien in der Hand.

(gez.) Gamelin.

Das Oberkommando.

III.

General Gamelin an General Weyganb.