tauf. Der Dienst findet ab jetzt wieder regelmäßig Montags und Donnerstag von 18 bis 19 Uhr auf der Rollschuhbahn statt.
BDM.° Werk- Gruppe 1^/116, Sport und Gymnastik. Der Dienst der Gruppe ist regelmäßig Donnerstag ab 20 Uhr in der Turnhalle der Goetheschule.
Studienrat Wilhelm Größer f.
Wiederum hat der Tod in den Lehrkörper der Justus-von-Liebig-Schule eine schmerzliche Lücke gerissen. In den Abendstunden des 27. April verstarb nach längerer Krankheit in der Medizinischen Klinik, wo tr Heilung von seinem Leiden gesucht hatte, der Studienrat Wilhelm Größer.
Er wurde am 24. September 1891 zu Großen- Buseck geboren. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule trat er in die Oberrealschule in Gießen ein, die er Ostern 1910 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Danach studierte er an der Landesumversi- tät Deutsch, Englisch und Geschichte, bis der Weltkrieg auch ihn unter die Fahnen rief. Nach Kriegsende vollendete er sein Studium und legte im Sommer 1919 die Prüfung für das höhere Lehramt ab. Seine praktische Ausbildung für den Schuldienst erhielt er an der Oberrealschule in dem von Geh. Schulrat Dr. Schnell geleiteten pädagogischen Seminar. Schon hier zeigte sich seine hervorragende Begabung für die hohe und verantwortungsvolle Aufgabe des Lehrers, und noch heute erinnern sich die Amtsgenossen, die mit seiner Ausbildung betraut waren, gern seiner vielversprechenden ersten Leistungen im Amt. Es bedeutete für den damaligen jungen Assessor eine besondere Auszeichnung,^ daß man ihn nach vorübergehender Verwendung in Butzbach wieder an die Seminaranstalt zurückrief und ihn auch mit der pädagogischen Ausbildung der Studienreferendare betraute. In der letztgenannten Tätigkeit hat er den jungen Amtsgenossen durch sein Können und sein Vorbild viel Wertvolles auf den Lebensweg mitgegeben. Am 9. Oktober 1926 erfolgte feine Ernennung zum Studienrat an der gleichen Schule, der er bis zu feinem Lebensende angehörte. Daß er damit in seiner engeren oberhessischen Heimat wirken durste, hat er als besonderes Glück gewertet, da er sich mit ihr auf das innigste verwachsen fühlte.
Zwei Jahrzehnte hindurch hat Größer an der Oberrealschule, jetzt Justus-von-Liebig-Schule, überaus segensreich gewirkt. Von seinem menschenfreundlichen heiteren und doch sittlich tief-ernsten Wesen wurde jeder in den Bann gezogen, der dienstlich oder außerdienstlich mit ihm zu tun hatte. Als Mensch und als Beamter hat er an sich die höchsten Anforderungen gestellt und auch erfüllt. Hat er doch gerade noch zur Zeit, als schon die Krankheit seine Kräfte lähmte, mit Aufbietung seines ganzen Willens sich das letzte abgerungen, um seiner Pflicht nachzukommen. Der Jugend war er ein guter Lehrer und Erzieher. Die Kunde von dem allzu frühen Tod dieses trefflichen Schulmannes wird auch bei allen feinen früheren Schülern schmerzliche Trauer erwecken.
Trauerfeier für
Schneider-Ehrenobermeister Gärtner.
Der im 75. Lebensjahr verstorbene Schneider- Ehrenobermeister Robert Gärtner sen. wurde am Dienstag unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Bei der Feier in der Friedhofskapelle fang der Bauersche Gesangverein seinem Ehrenmitglied ein letztes Lied. Am Grabe wurden als Zeichen der allgemeinen Wertschätzung zahlreiche Kränze niedergelegt.
Der Verstorbene war Mitbegründer der Freiwilligen Schneidermeister-Innung Gießen und Umgebung. Die Geschicke der Innung leitete er zwanzig Jahre lang als Obermeister. In dieser Eigenschaft leistete er wertvolle Arbeit für Innung und Handwerk. Wie er bereits während des Weltkrieges in vorbildlicher Weise für seine Innung tätig war, so stellte er sich auch in jüngster Zeit als 75jähriger
wieder in den Dienst der Sache und half, als es galt, dringende Arbeiten zu erledigen. Der Bauersche Gesangverein zählte ihn zu seinen Ehrenmitgliedern; 40 Jahre lang wirkte er als aktiver Sänger im Dienste des deutschen Liedes. Der Kriegerkameradschaft von 1874 gehörte er 30 Jahre lang in treuer Kameradschaft an.
Neuregelung Der Verdunkelung.
Die Verdunkelung ist in letzter Zeit örtlich verschieden geregelt worden. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist die Verdunkelung bei Einbruch der Dunkelheit bis zum Hellwerden durchzuführen. Diese Begriffe sind aber nicht einheitlich ausgelegt worden, wobei insbesondere die Berücksichtigung der Dämmerung eine Rolle spielte. Der Reichsluftfahrtminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat es deshalb für notwendig gehalten, jetzt für das ganze Reich eine einheitliche Regelung zu treffen. Nach dem neuen Erlaß wird mit sofortiger Wirkung der Beginn der Verdunkelung mit Sonnenuntergang und das Ende der Verdunkelung mit Sonnenaufgang einheitlich festgesetzt. In der Zeit vom Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang müssen die Verdunkelungsmaßnahmen vor Inbetriebnahme von Lichtquellen zur Beleuchtung und bei sonstigen Lichterscheinungen durchgeführt werden. Dagegen ist es nicht notwendig, an Lichtquellen und Lichtaus- bruchöfsnungen Verdunkelungsmaßnahmen vor Sonnenuntergang und nach Sonnenaufgang durchzuführen.
Gießener Wochenmarklpreise.
* Gießen, 4. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, deutsche Eier 12, Gelberüben, % kg 12 bis 14, Roterüben 10 bis 15, Spinat 30, Spargel 100 bis 110, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 12 bis 14, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Aepfel 15 bis 35, Salat, das Stück 30 bis 45, Salatgurken 100 bis 120, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich, das Bündel 140, Radieschen 25 bis 30 Rpf.
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** Lehrwanderungen. Die Arbeitsgemeinschaften des NSLB. „Biologie" und „Ernährung aus dem Wald" veranstalteten am vergangenen Sonntag ihre erste Lehrwanderung in den Schiffen- berger Wald. Als Sachkundiger führte Prof. Dr. Funk in dankenswerter Weise. Sein Thema hieß „Wildgemüse in Flur und Wald". Die zweite Lehrwanderung erfolgt diesen Sonntag. Treffpunkt: Bergschenke. Zeit: 7 Uhr. Leiter ist Lehrer Häu - s er. Sein Thema befaßt sich mit „Vogelstimmen im deutschen Wald". Die Teilnahme wird jedermann gestattet.
Strafkammer Gießen.
Der E. E. aus Bergen, zur Zeit in Untersuchungshaft, war angeklagt, im November 1939 in Bad- Nauheim und Steinfurth öffentlich gehässige, hetzerische und von niedriger Gesinnung zeugende Aeuße- rungen über leitende Persönlichkeiten des Staates, über ihre Anordnungen oder über die von ihnen geschaffenen Einrichtungen gemacht zu haben, die geeignet waren, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben. (Vergehen gegen das Heimtückegesetz.) Der Sachverständige hält den Angeklagten nicht für zurechnungsfähig, es fei ihm der Schutz des § 511 StrGB. zuzubilligen. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde die Unterbringung des Angeklagten in einer Heil- und Pflegeanstalt angeordnet.
Landkreis Gießen.
A Großen-Linden, 1. Mai. In den letzten Tagen wurden an beiden Seiten des Turnhallen- plätzes 500 Maulbeer st räucher zur Seidenraupenzucht gesetzt Die Sträucher wurden durch die Gemeinde bezogen. Da auf einem anderen Gemeindegrundstück bereits in früheren Jahren Maulbeersträucher gepflanzt wurden, soll in diesem Sommer erstmalig mit der Raupen- zücht begonnen werden.
Kriegsmeisterschastsspiele der Bezirkskiaffe.
Sportverein 05 Wetzlar — 1900 Gießen Watzenborn-Steinberg — Ehringshausen Rodheim — Sportfreunde Wetzlar.
Gesellschafts-Rückspiel DfB.-R. Gießen gegen Burgsolms.
Es treffen in Wetzlar auf dem Platze des Sportvereins zwei Partner zusammen, die sich schon manches schöne Spiel geliefert haben. In Wetzlar müffen die Gießener Vereine immer wieder auf der Hut fein. Auch bei diesem Spiel steht erst am Ende der Sieger fest.
Watzenborn empfängt die Ehringshäuser. Bei diesem Spiele dürfte der Sieger von vornherein sest- stehen. Die Teutonen lassen sich auf eigenem Platze feine Punkte nehmen.
In Rodheim sind die Sportfreunde von Wetzlar zu Gast. Nach den letzten Spielen zu urteilen, dürfte der Platzherr die Punkte für sich behalten.
Die Burgsolmser haben den Grünweißen noch ein Rückspiel zu liefern. Die DfBer müssen sich anstrengen, um dieses Spiel für sich zu entscheiden.
An den beiden Pfingstfeiertagen finden keine Kriegsmeisterschaftsspiele statt, dafür ist ein umfangreiches Fußball-Programm im Rahmen der Pfingstveranftaltungen des NSRL. vorgesehen.
Oie Meisterschaftsspiele der Kreisklaffe.
VfB.-R. II — Steinbach I: Die Grün- Weißen empfangen auf dem Waldsportplatz die Elf von Steinbach zum fälligen Punktspiel. Die Gäste, die bisher nur ein Spiel verloren, selten als ernstester Anwärter auf die Meisterschaft. Die Grün- Weißen ließen zwar am Sonntag erkennen, daß sie zu kämpfen verstehen, aber zu einem Siege dürfte es nicht reichen.
Klein -Linden I — Garbenteich I: Die Klein-Lindener, die am Sonntag in GroßemBuseck sehr zu gefallen wußten, haben diesmal einen starken Gegner vor sich. Die Gäste haben eine starke Mannschaft, die sehr schnell und wuchtig ist.
Arbeitstagung der Turner in Gießen.
Am morgigen Sonntag (5. Mai) führt der Be- reichsfachwart für Turnen im Bereich 12 Hessen des NSRL. in Gießen eine wichtige Arbeitstagung für feine Mitarbeiter durch. In Verbindung mit dieser Arbeitstagung finden in der Turnhalle der Schiller- schule Lehrgänge statt, und zwar für die Bezirks - obmänner für Männerturnen, die Bezirksfrauen- turnwartinnen, die Bezirksobmänner für Sommerspiele und die Bezirksobmänner für Kinderturnen. Oie ersten leichtathletischen Wettkämpfe
Das Fachamt Leichtathletik hat den Vereinen die Ausschreibung für die Wettkämpfe, die am 5. Mai auf dem Universitätssportplatz in Gießen zur Durchführung kommen sollen, be-fanntgegeben. Nach zwei erfolgreichen Hallenveranstaltungen werden nunmehr die Bahnveranstaltungen eröffnet. Es ist selbstverständlich, daß an einem solch frühen Termin noch keine Spitzenleistungen erwartet werden können. Das ist auch nicht der Zweck dieser Frühjahrswettkämpfe. Vielmehr soll den Aktiven Gelegenheit zur Betätigung gegeben werden, die einem guten Training gleichzuachten ist. Infolge des Krieges sind in den einzelnen Gemeinschaften nur noch wenige Leichtathleten vorhanden, so daß es diesen nicht möglich ist, ein regelmäßiges Training durchzuführen. Das Fachamt strebt daher an, neben den gern eins ckaftlichen Uebungsstunden in kürzeren Zeit- abständen immer wieder solche Wettkämpfe zur Förderung der Leistung und der Teilnehmerzahl ab- zuwiLeln.
Im einzelnen kommen am 5. Mai 1940 folgende Konkurrenzen zur Durchführung:
Klaffe A , Männer: Dreikampf (100 Meter, Weitsprung, Kugel), 300 Meter, 1000 Meter, 3000 Meter, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Speer und Diskus. Staffel: 4mal eine Runde.
klaffe B, Frauen: 100 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen. Staffel: 4X100 Meter.
Es wird besonders darauf hingewiesen, daß auch die Angehörigen der Wehrmacht an diesen Wettkämpfen teilnehmen können.
Zahresrückschau
des Turnvereins Heuchelheim.
Dieser Tage hielt der Turnverein Heuchelheim feine Hauptversammlung in der Turnhalle ab. Der Vereinsführer Otto Rinn konnte bei dieser Gelegenheit wieder ein erfreuliches Bild turnerischen und sportlichen Schaffens entwickeln. Das Bundesfest in Grünberg und das ©aualterstreffen in Heuchelheim waren besondere Höhepunkte der geleisteten Arbeit. Nach der Begrüßung gedachte der stellvertretende Vereinsführer und Dietwart Albert Rinn der einberufenen Kameraden und der im Kampfe um Deutschlands Freiheit Gefallenen. Aus den Berichten der Fachwarte ging die große turnerische und sportliche Arbeit, die auch die entsprechenden Erfolge zeigte, hervor. Jede Lücke von einberufenen Uebungsleitern wurde sofort durch einen geeigneten Ersatzmann geschlossen. Der Vereinsführer dankte allen Mitarbeitern und ermahnte zu weiterem Einsatz.
Die neuen Einheitssatzungen wurden angenommen und der bisherige Vereinsführer Otto Rinn einstimmig zur Bestätigung vorgeschlagen. Zum Schluß gab der Dereinsführer bekannt, daß am Samstag, 25. Mai, ein Kameradschaftsabend in der Turnhalle mit den Gießener Vereinen stattfindet. Am 1. Pfingstfeiertag tritt der Turnverein Heuchelheim mit einer großen Turn- und Sportveranstaltung aller Abteilungen an die Öffentlichkeit.
Wiesecker Paddler beim Kanu-Slalom in Marburg.
Am Sonntag, 5. Mai, findet der zweite Marburger Kajak-Slalom des NSRL.-Bereichs 12 — Hessen — in Verbindung mit einem Kajak-Slalom des HJ.-Gebietes 14 (Kürzesten) auf der Lahn statt. Der Wettkampf ist in diesem Jahre erstmalig reichsoffen, es find daher recht interessante Kämpfe zu erwarten. Unter der stattlichen Teilnehmerzahl von 50 Wettkämpfern haben u. a. Paddler von Etuf Essen, SAS. Steyr, FRVS. Frankfurt und Kassel ihre Meldung abgegeben. Aus der näheren Umgebung beteiligt sich der Marburger Kanu-Club mit 16 und der Wiesecker Kanu-Club mit 11 Teilnehmern, darunter zwei Frauen, welche als erste Teilnehmerinnen in unserem Bereich m einem solchen Kampfe starten Die Rennstrecke hat eine Länge von 200 Meter, die durch Schleusenöffnung Wildwasser-Charakter erhält. Auf dieser Strecke sind 15 Tore zu durchfahren. Um da bestehen zu können, braucht man ein gewisses Maß an Mut und Geschicklichkeit. Wir hoffen, daß die Vertreter aus unserer Heimat gegen schwere Konkurrenz würdig bestehen.
Schntockhoffc SdöIsch '
Wist öim schaffen,Lmo?
Nomcm von Martina eckari-yelm
19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Und die Leute vorn Hof?" wirft Lena ein. „Du kennst sie ..."
„Und ob ich die kenne! Würde sich jeder eher den kleinen Finger abschneiden. Etwa Hänischlob oder Hefenfranz? Fast zum Lachen, der Gedanke!"
Wie eine Last liegt das Schweigen wieder im Zimmer.
„Es ist furchtbar für mich, daß es passierte, während ich hier im Hause war", sagt Lena. „Ich komme zu euch, und kurz darauf ist das Geld weg!"
„Rede nicht solchen Unsinn!" Christoph Gräfes Stimme ist rauh. „Das fehlte gerade noch, daß du dir Grillen in den Kopf setzst! Das hängt doch nicht mit dir zusammen."
Im gleichen Augenblick, da Lena das sagt, fällt ihr die Stunde ein, als sie zum ersten Male das Gräfehaus betrat: in Fred Schneiders Begleitung!
Fred Schneider, der an demselben Abend Geld von chr leihen wollte, dem sie unterwegs auf der Fahrt viel von den Gräfes erzählt hatte, von dem behäbigen Anwesen, dem alten, soliden Wohlstand. Sie wird den Namen Fred Schneider nicht mehr los. Er ist der einzige, dem so etwas zuzutrauen wäre. Lena schämt sich ihrer Gedanken. Aber seltsamerweise fällt auch aus Gräfes Mund jetzt der Name Fred Schneider.
„War der Fred Schneider, der dich damals herbrachte, nicht wieder mal bei uns im Haus?"
Lena ist betroffen. „Wie kommst du darauf?"
„Weil er dich gleich am ersten Abend anpumpen wollte. Ich hab' es doch gehört. Einer, der in Geldverlegenheit ist ..."
„Um Gottes willen, Christoph!" Lena unterbricht ihn schnell. Sie hat Angst, diesen schrecklichen Verdacht in Worte gekleidet zu hören. „Fred Schneider stammt aus einer durchaus redlichen Familie. Er ist auf fein Anliegen nie wieder zurückgekommen."
„Na, ja, das wäre ja gerade ein Beweis!" „Nein, nein, das traue ich ihm nie und nimmer
zu! Gewiß, er ist ein bißchen aufgeblasen, leichtfertig vielleicht auch, aber ..
„Ein Windhund ist er!" stößt Gräfe hervor. „Hinter der Erni ist er her. Ich habe die beiden neulich beobachtet."
Lena schüttelt den Kopf. Das Buch holen und es dann wieder an feinen alten Platz bringen — das sollte Schneider getan haben?
„Ich werde mit Hermann darüber sprechen", sagt Gräfe plötzlich entschlossen. „Wir werden zusammen zur Sparkasse nach Görlitz fahren und nachforschen. Die Summe muß ja vorher gekündigt worden fein. Man muß ja herausbekommen, wer das tat!"
„Sag es heute noch nicht!" bittet Lena. „Laß uns morgen erst noch alles besprechen, wenn du darüber geschlafen hast. Morgen bin ich noch hier."
„Du willst fort? Gerade jetzt? Das ist doch nicht möglich!"
Nie spürte er Lenas begütigende Nähe so stark wie in dieser Stunde. Schenkt ihre Gegenwart nicht unsichtbare Hilfe?
„Es ist gut, daß du da bist, Lena", sagt er, bann geht er aus dem Zimmer. Das dünne braune Buch läßt er auf dem Tisch liegen. Lena schließt es ein, dann geht auch sie.
Unten im Wohnzimmer geht Gottfried Bonhoff mit großen Schritten auf und ab.
„Kommst du endlich", sagt er ungeduldig. „Ich habe dich schon gesucht. Ich möchte die Züge mit dir besprechen. Ich habe einen Fahrplan geholt."
Gottfried fragt mit keinem Wort nach dem Verlauf der Unterredung; wie etwas sehr Lästiges, wie etwas, das ihn gottlob nichts angeht, schiebt er es beiseite. Er denkt nur daran, sie aus diesem Hause fortzuführen.
„Wir dürfen jetzt nicht an uns denken, Gottfried. Nach dem, was hier im Hause vorgefallen ist, kann ich nicht fort. Es tut mir leid, denn wir haben hier nur wenig voneinander, aber ich kann es nicht ändern. Ich kann jetzt nicht einfach auf und davon!"
„Du willst immer noch bleiben?"
Lena spürt nicht die Unruhe in Gottfrieds Stimme. Sie empfindet nur die Kühle, mit der er die Gräfefchen Angelegenheiten ablehnt. „Ja, Gottfried, ich bleibe."
"Lena, weshalb mußt du dich immer um andere bemühen, nie um mich?"
Lena ist betroffen. Ihr Gesicht ist sehr blaß geworden. Sie möchte jetzt gern ihren Kopf an Gottfrieds Schulter lehnen, Hilfe bei ihm suchen, Verständnis finden. Aber Gottfried Bonhoff ist aus dem Zimmer gegangen.
Wenn der Sommer zur Neige ist, begrünen in den Dörfern die Kirmesfeste. Aber im Gräfehaus herrscht wirklich feine Kirmesstimmung. Selbstverständlich werden, wie alle Jahre, Berge von Kuchen gebacken. Dicker Streuselkuchen, Mohn- und Käsekuchen, safrangelber Quarkkuchen! Cs ist ein süßer Berg, den zu verspeisen ein Vergnügen ist. Jupp gibt sich diesem Vergnügen auch ausgiebig hin. Der ist überhaupt richtig in Stimmung!
„Tante Lena, du hast doch hoffentlich Schminke?" fragt er übermütig.
„Aber, Junge, wozu brauchst du denn Schminke?" Ja, das will er nun wiederum nicht verraten. Er will Tante Lena morgen im Festzug überraschen, hoch zu Roß als streitbarer Ritter in Wams und Federhut!
„Der Regen wäscht dir ja doch alles vom Gesicht ab", wirft Erni ein.
Ja, das Wetter macht dem Dorfe rechte Sorgen! Wie soll man denn das Adlerschießen auf dem Dorfplatz auskosten, wenn es junge Hunde regnet, wie Jupp sich ausdrückt. Und das Leben und Treiben zwischen den Buden mochte man doch auch richtig genießen! Da gibt es die leckeren Pulsnitzer Pfefferkuchen, die Fischeisemmeln, warme Würstchen und vor allen Dingen die Karussells!
„Tante Lena, fährst du mit mir in der Weiber- mühle?"
„Komm, faß mal mit an!" sagt Lena statt einer Antwort.
Jupp hilft die beladenen Kuchenbretter in die Speisekammer hinüberschaffen. Das ganze Haus duftet nach frischem Kuchen.
Bei aller Aufregung um die Kirmes jedoch kommt Jupp von feinem Lieblingsthema, der Autobahn, nicht los. Während er noch einmal der Reihe nach alle Kuchensorten durchprobiert, müssen Erni und Lena sich gemaltige Dinge anhören von Löffelbaggern und Greifern, die er sich neulich angesehen hat. Jupps Beredsamkeit ist groß, wenn er von den Bau- Zügen erzählt, von den Kipploren, den kilometerlangen Gleisanlagen.
„Wo du nur immer die Zeit hernimmst, so weit mit dem Rade zu fahren, will Erni wissen.
Jupp zuckt die Achseln. Daß er mit einem Gleichgesinnten Freundschaft geschlossen hat, der ein Motorrad hat, das brauchen wirklich nicht alle zu wissen.
„Weiber interessieren sich ja bekanntlich nicht für solche Dinge", sagt er, als Tante Lena außer Hörweite ist.
„Rede nicht unverschämt. Uns interessiert die Autobahn vor allem dann, wenn es um unsere Wiesen geht!"
Ja, die Entscheidung muß nun täglich, ja stündlich fallen. Christoph Gräfe war erst heute früh beim Bürgermeister, aber der wußte auch noch nichts.
„Es hat ein jeder fein Kreuz, aber bei mir sind's halt gleich zwei!" sagt Christoph Gräfe zu Lena, als sie ihm ein paar Streifen Kuchen gebracht hat. „Ich weiß, du meinst es gut, Lena" — er schiebt den Teller zur Seite —, „aber von Kuchen und Kirmesfreude mag ich nichts wissen. Ich gäb’ was drum, wenn ich zu Hause bleiben konnte! Ich bin ganz krank vom vielen Grübeln."
Auch Lena graut es vor dem Rummel und vor dem Tanzsaal. Und dabei sollte es doch eigentlich ganz anbers sein! Ist sie nicht Braut? Hat sie nicht Gottfried an ihrer Seite?
Nein, oergrübelte und vergrämte Gesichter passen nicht zu Kirmesfreuden.
„Was ist denn in dich gefahren?" fragen die Skatbrüder Christoph Gräfe, als er sich abends im Kretscham zu ihnen gefetzt hat. Es ist ja schließlich Ehrensache, daß die ganze Familie Gräfe dort erscheint, wo das .Rodaer Gold' fließt! Alle sind sie im Kretscham beim Kirmestanz.
„Nimrn's ock nid) so schwer, das mit der Auto- bcchne! Wir anderen müssen o a Streife! hergahn!"
„Kriegst ja an Batzen Geld dafür!"
Die haben alle gut reden! Denen geht es nicht um Quellwiesen und um die Erhaltung einer alten verbrieften Gerechtsame! Und was wissen die anderen auch vom tiefen Kummer, der Gräfes Herz noch obendrein bedrückt und ihn ratlos macht?
Die Musik bumpert und dröhnt. Für Christoph Gräfe ist es kaum zu ertragen. Und nun soll er gar zusehen, wie die Jugend herumwirbelt und lustig ist!
(Fortsetzung folgt.)
(Ein fettfrflce Wafchmittel mit fettlösender Wirkung - das ift ImI ! Die verufskleidung kann noch fo verschmiert, verölt, verkrustet lein, ImI lütt alles, reinigt gründlich und spart Seifenkärtchen.


