Nr. M Zweites vl-it
Siebener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Gberhchen)
4./5. Mai 19401
Aus der Stadt Gießen.
Werin Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
ejsierte sich bejonders für miK. Er war S.-r eM «rtz'-lf zch dW
zu tragen, daß die Holzabfuhr für die verschiedensten Wirtschaftszwecke stets pünktlich und sachgemäß durchgeführt wird und dadurch die kriegswirtschaftlich wichtigen Aufgaben auf den verschiedensten Gebieten jeweils pünktlich erfüllt werden. Dem Landratsamt ist in der Kriegszeit auch ein Fahrbereitschaftsleiter angegliedert, der die wichtige Aufgabe hat, den zivilen notwendigen Güterverkehr sicherzustellen. Aus dem weiten Kreise der kriegswirtschaftlichen Verwaltung ist z. B. noch die wichtige Arbeit im gesamten Ersatzwesen her- oorzuheben, ferner ist an die bedeutsame fortlaufende Bearbeitung der neuen Volkskartei zu erinnern, in der alle Einwohner vom 5. bis zum 70. Lebensjahre erfaßt sind.
Zur Bewältigung dieser weilschichttgen Verwaltungsarbeit ist die allezeit tatbereite Mitarbeit
Tänzen ... ,
In Wien konnte ich nur zehn Monate bleiben. Ich wurde zum Militärkapellmeister in Losoncz ernannt, einem winzigen Landstädtchen in Ober- Ungarn. Dort lachte mir meine erste Liebe, dort schrieb ich meine erste Oper, den Kürassier', die jedoch nach den ersten Szenen nicht weiter wachsen wollte. Auch meine zweite Oper .Rodrigo"' für die ein genialer Oberleutnant Mlcoch einen wildromantischen Text ersann, erfuhr fein besonderes Schicksal. Infolge eines Konfliktes mit einem Stabsoffizier kündigte ich meine Stellung in Losoncz. Mein Vater war sehr niedergeschlagen über diesen Schritt. Aber
Alle Birken grünen.
Die Obstbäume stehen in voller Blüte. Tausende von Bienchen umsummen die duftenden Zweige. Hinter dem leuchtenden Weiß der Obstbäume dehnt sich der Wald, Tannen und Kiefern mit ihrem dunklen Grün, dazwischen Buchen und Birken im Schmuck der ersten Blättchen. Unvergleichlich ist die Schönheit unseres Waldes im Frühling.
Aber kein Baum ist uns ein schöneres Sinnbild des Frühlings als die Birke. Wir nennen sie unfern Frühlingsbaum und stellen sie als Maibaum auf. Wir schmücken mit ihren grünen Zweigen die Kirchen, die Häuser. Als Symbol der Fruchtbarkeit berührt der Bauer sein Vieh mit Birkenreisig. So verbinden uns noch jetzt alte Bräuche und Sitten mit unseren Vorfahren, denen die Birke mit ihrem frischen Grün auch das Auferstehen der Natur verkündete.
Wie schön ist ein Birkenhain! Man wandert darin wie in einem verzauberten Walde. Das ist ein Leuchten und Grüßen, wie wenn uns eine Schar junger, blühender Mädchen begegnete.
Die Birke begnügt sich mit dem ärmsten Boden. Sie wächst rasch und leicht in die Höhe an Plätzen, an denen andere Bäume noch jahrelang am Boden kleben. Sie ist ein rechter Sonnenbaum. In vielen Vorgärten gibt sie den Häusern einen schönen Rahmen und sorgt für erquickende Abwechslung im Straßenbild.
Im Walde aber leuchten die weißen Stämme der Birken und grüßen uns mit ihren hängenden, zarten Zweigen, in denen der Frühlingswind weht.
Die Anemonen blühen schon, die Maiblumen senden ihre grünen Spitzen aus dem dürren Laub. Sie werden bald ihre weißen, duftenden Glöckchen läuten lassen. Schwellende Moospolster laden den Wanderer zur Rast ein. Auch der Kuckuck ist zurückgekehrt aus einem wärmeren Lande- und läßt seinen Ruf erschallen. Die Spechte hämmern vor Freude an den hohen Tannen.
Die Lärchen standen zuerst im neuen Frühlingskleide da, dann folgten Buchen und Birken. Nur die Eichen und Eschen strecken noch die kahlen Zweige in die Luft. Aber auch ihre Stunde wird bald kommen. Schon schwellen die Knospen.
Die Sonnenstrahlen durchdringen das junge Laub und mattn helle Kreise auf dem Waldweg. In den Zweigen der Bäume jubiliert und schmettert es. Amseln, Drosseln, Finken und Meisen, sie wissen sich nicht zu lassen vor Freude ...
Wenn.alle Birken grünen, wenn die Vöglein ihre Lieder fingen, wenn goldner Sonnenschein die junge Welt verschönt, können auch wir Menschen nicht stumm bleiben. Da springt auch dem härtesten Menschen ein Türlein im Herzen auf und seine Augen glänzen, wenn er beim Heraustreten aus dem Walde die Mädchen, die auf der Landstraße in langer Reihe vorüberziehen, fingen hört: „Alle Birken grünen ..."
Gin Vater besucht seinen Sohn.
Von Wilhelm Gchmidtbonn.
Ein ganz einfacher Vorgang an der Aisne.
Das Auto beförderte außer dem begleitenden Offizier und mir noch einen Gast: einen Hauptmann in weißem Bart — einen namhaften Ge- schichtsprofessor aus einer rheinischen Stadt, der sich nach freiwilliger Meldung zu seinem Landsturmbataillon begab. Auf dieser Reise hatte er, wie er uns mitteilte, die besondere Erlaubnis, erst seinen Sohn zu besuchen.
Der weißbärtige Hauptmann sprach nicht. Seine Augen gingen über die Häuser und Kirchen der Dörfer, über die Hügel, die hier und da altes Gemäuer trugen, folgten hinauf und hinab der geraden schmalen Spur der Römerstraße, die wir kreuzten, hängten sich endlich an das riesenhafte verfallene Bergschloß von Coucy.
Ich erwartete von ihm, irgend etwas aus alten Jahrhunderten zu hören, von den Rittergeschlechtern, die das Mauerwerk auf die Hügel geftellt hatten. Aber es kam etwas ganz Gegenwärtiges heraus, ja so eng Persönliches, daß ich fast unangenehm berührt war. „Ich kenne hier jeden Turm, jede Kirche, jeden Wald, jeden Hügel, meine Herren, ohne daß ich je hier war — mein Sohn hat mir alles in seinen Briefen beschrieben."
Auf dem Kirchplatz des nächsten Dorfes bat er zu halten: „Hier ist mein Sohn."
Der begleitende Offizier gab Befehl, erst zum Kommandanten des Ortes zu fahren, um genaue Erkundigungen einzuziehen.
„Nein", sagte der Hauptmann mit einem gerin- ,en Lächeln, während seine Augen zu ganz sell- ----— inntm heraus fcnirfttenben blauen Ku
Oesterreich-Ungarns, die gerade zur gelegenen Zeit frei war. Es ging nach Pola. Dort errang ich bald mit dem brillanten Marineorchester einen großen Erfolg. In Pola entstand auch meine Oper ,Ku° kuska', die ihre Premiere am 28. November 1896 in Leipzig erlebte. Dem Publikum schien das Werk zu gefallen. Und ich, der Ueberglückliche, mußte wieder und wieder vor der Rampe erscheinen.
Da ich in Pola bös in die Klemme geriet, reifte ich nach Triest. Aber auch hier wurde ich fein Krösus. ,Kukuska' war von Gott und der Welt verlassen. Ich entsagte der Oper und wandte mich der Operette zu. Von da an schwebte Fortuna über mir — die »Lustige Witwe*." C. K.
Bürgermeistern die rechtzeitige Verteilung der Lebensmittelkarten sicherzustellen und ständig dafür zu sorgen, daß der Nachschub der erforderlichen Lebensmittel reibungslos vonstatten geht. Ferner hat diese Stelle alle Anordnungen hinsichtlich der Selbstversorger durchzuführen und zu überwachen, die mit den Hausschlachtungen verbundenen Amtsgeschäfte zu führen, für die Versorgung der Schwer- und Schwerstarbeiter, der Kranken- und Wöchnerinnen mit zusätzlichen Lebensrnitteln Sorge zu tragen und die Versorgung der gewerblichen Betriebe usw. sicherzustellen. Welch' große Aufgabe nach dieser Richtung hin im Kreise Gießen zu bewältigen ist, läßt sich allein schon daran ermessen, daß allmonatlich die Ausgabe der Lebensmittelkarten in die Hunderttausende von Stück geht und daneben noch ein sehr großer Personenkreis von Selbstversorgern usw. verwaltungsmäßig zu betreuen ist.
Neben dem Ernährungsamt steht mit gleicher Bedeutung das Wirtschaftsamt. Hier wird die gesamte Kohlenversorgung des Kreises Gießen verwaltungsmäßig bearbeitet, ebenso die Spinnstoffversorgung mit ihrem vielfältigen System von Karten und Bezugscheinen, ferner die Seifen- und Leder- (Schuh-)Versorgung. Dieses Amt hat auch die wichtige Punkteverrechnung durchzuführen und damit die Wiederbeschaffung von Waren auf Bezugscheine ober Kleiderkarten-Abschnitte zu ermöglichen. Es ist eine komplizierte und verantwortungsvolle Tätigkeit, die gerade in dieser Hinsicht zu leisten ist, und deren oberstes Ziel darin besteht, die Versorgung der Bevölkerung mit Spinnstoffen und Lederwaren nach besten Kräften sicherzustellen. Ein anderer Teil des Wirtschaftsamts hat die Versorgung des Kraftfahrzeugverkehrs mit Treibstoff und Mineralölen zur Aufgabe, deren Schwierigkeit vor allem darin liegt, den zwar schon eingeschränkten, aber auch jetzt noch an sich berechtigten privaten Kraftsahrzeugverkehr mit den für die Landesverteidigung selbstverständlich in erster Linie stehendem Interesse zu vereinbaren. Im Zusammenhang damit steht die Tätigkeit der Zulassungsstelle. für Kraftfahrzeuge dzw. die Gewährung des roten Winkels, für die natürlich nur ein ausschließlich starkes öffentliches Interesse als Richtschnur dienen kann. Die Versorgung von Fahrrädern, Kleinkrafträdern und Gespannwagen mit Reifen ist ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld dieser Abteilung des Wirtschaftsamtes.
Neben diesen wirtschaftlichen Kriegsaufgaben steht die nicht minder bedeutungsvolle Verwaltungstätigkeit der Betreuung de.r Familien von Wehrmachtsangehörigen durch die Gewährung von Familienunterhalt und durch Wirtschaftsbeihilfen. Es ist ein außerordentlich weit- schichtiger Personenkreis, dem diese Arbeit auch im Kreise Gießen gilt, die den Zweck hat, die Familien der einberufenen Volksgenossen in gerechter und ausreichender Weise mit den Erfordernissen für den Lebensunterhalt zu versorgen. Diese Arbeit erfordert die äußerste Anspannung aller Kräfte, da jeder Anttag individuell andere Grundlagen besitzt und niemals nach einem starren Schema bearbeitet werden kann. Ebenso wichtig ist die Tätigkeit auf dem Gebiete der Preisüberwachung im gefamten Landkreis Gießen, der Grundlage aller nationalsozialistischen Gegenwartswirtschaft. Wer sich die Vielfältigkeit der Waren und der jeweiligen Preisregelungen vergegenwärtigt, dabei aber nicht nur an den eigentlichen Lebensbedarf, sondern auch an rein wirtschaftliche Vorgänge — z. B. Mietpreise, An- und Verkäufe — denkt, der wird ohne weiteres erkennen, welche wichtige und wirtschaftlich weitreichende 2lrbeit in dieser Hinsicht zu leisten ist. Aus den Kriegsverhältnissen entstanden ist ferner din sog. Holzabfuhr- ring, dessen Leiter der Landrat ist. Ein Kreis von Männern aus der Partei, der Forftverwaltung, der Kreisbauernschaft, der Holzwirtschaft, der Fahrbereitschaft usw. steht ihm dabei zur Mitarbeit zur Verfügung. Der Holzabfuhrring hat. dafür Sorge
Im Hinblick auf die außerordentliche Wichtigkeit der Verwaltung der Landkreise gerade in der Kriegszeit haben wir uns bei dem Leiter des Landkreises Gießen, Landrat Dr. Lotz, über ben früheren und den neuen Aufgabenkreis des Landratsamtes unterrichtet. Das Ergebnis der Unterredung ist in ben nachstehenben Darlegungen zusammengefaßt.
Dem ßanbrat als bem Leiter eines Lanbkreises der sowohl staatlicher Verwaltungsbezirk, als auch Selbstverwaltungskörperschaft ist, war bereits vor dem Kriege em weitreichendes Aufgabengebiet zuge- wiefen. Damals fchon oblagen ihm die Angelegenheiten der allgemeinen Lanbesverwaltung, bie Ge- meinbeaufsicht, die Polizei (allgemeine Polizei, Ge- funbheits-, Gewerbe-, Feuer-, Veterinärpolizei ufw.), die Forderung der Wirtschaft und ber Landwirtschaft, bie kulturellen Bestrebungen, bie Denkmalpflege, bas Fürsorgewesen, bie Jugend- und Sozialfürsorge, bas Schulwesen, bas Standesamtswesen, bas Versicherungswesen, das Ersatzwesen, bie Verwaltungsgerichtsbarkeit unterster bzw. mittlerer Instanz und vielerlei andere Aufgaben. Alle diese Obliegenheiten erforderten schon ein weitgehendes Maß von Verwaltungsarbeit, zu deren Bewältigung ein erfahrener, guteingespielter Mitarbeiterapparat zur Verfügung stand. Durch die Tätigkeit der Bürgermeister wurde die Verwaltung des Landratsamtes in anerkennenswerter Weife unterstützt.
Mit dem Ausbruch des Krieges sind diese alten Aufgaben ber lanbrätlichen Verwaltung nicht etwa hinfällig geworden, jonbern sie müssen nach wie vor bewältigt werden, sie sind aber naturgemäß etwas in den Hintergrund getreten. Dafür hat ber Krieg auch für bie Verwaltung des ßnnbratsamtes und für bie Tätigkeit ber Bürgermeister in den Kreis- gemeinben eine Reihe wichtiger neuer Aufgaben gebracht. Diese stehen jetzt im Vordergründe ber gesamten Verwaltungsarbeit und erfordern den weitgehenden Einsatz aller Kräfte, um so mehr, als natürlich auch beim ßanbratsamt durch Einberufungen zur Wehrmacht manche wertvolle Mitarbeiter fehlen, die für die Kriegsbauer durch Hilfskräfte zu ersetzen waren. Es gibt heute fast kein ßebens- gebiet, in bem ber ßanbrat nicht irgendwie bestimmend mittätig ist. Daher heißt es auch in der Anordnung über die Derwallungsführung in den ßand- freifen vom 28. Dezember 1939 irt ber Ziffer II u. a.: „Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Erfüllung aller Aufgaben der staatlichen Verwaltung trägt im Rahmen seiner gesetzlichen Zuständigkeit ausschließlich ber ßanbrat. Das gilt nach Maßgabe des Kreisverfassungsrechts auch für die Aufgaben ber Selbstverwaltung bes ßandkreifes. Der ßanbrat ist in allen Fragen bie zusammen- faffenbe maßgehenbe Stelle; er hat für stete und engste Zusammenarbeit aller staatlichen Dienststellen und ber Dienststellen ber Körperschaften und Anstalten ber Selbstverwaltung in seinen Kreisen Sorge zu tragen, sowie dafür, daß er in allen für bie Gesamtverwaltung seines Kreises wichtigen Dingen ber Verwaltung ausreichend unterrichtet und gegebenenfalls in bie Bearbeitung eingeschaltet mürb."
Als wichtigste Aufgabe der Kriegszeit hatte auch das ßanbratsamt ein Ernährungsamt einzurichten, in das während der Kriegsdauer der Reichsnährstand in gewissem Sinne als ein Teil ber inneren Verwaltung einzugliebern war, nämlich als Abteilung A bes Ernährungsamts. Diese Abteilung A .hat die Aufgabe zu erfüllen, bie vorher von ber Kreisbauernschaft als Teil des Reichsnährstanbes zu betreuen war. Diese Aufgabe besteht — kurz zu- samMengefaßt — darin, bie landwirtschaftliche Erzeugung in weitestem Sinne sicherzustellen und sHleichzeitig für bie Versorgung ber Wehrmacht tätig zu fein. Neben der Abteilung A besteht beim Er- nährungsamt bie Abteilung B, ber bie Aufgabe obliegt, alle zur Versorgung ber Verbraucher mit ben täglichen Bedarfsartikeln getroffenen Anordnungen burchzuführen, u. a. im Zusammenarbeiten mit ben
naumonarchie."
„Als vierjähriger Knabe schon", fährt ßehär fort, „konnte ich zu jeber Melobie die Begleitung spielen. Auch sonst gelangen mir kleine Kunststücke: ich konnte auf verbeckten Taften ober im finsteren Zimmer spielen. Im Alter von sechs Jahren fing ich an zu komponieren. Auf bem Pester Gymnasium, bas ich bezog, soll ich nicht gerabe ber Fleißigste gewesen sein. Als elfjähriges Bürschchen ging ich bann nach Sternberg, dem mährischen Släbtchen, um dort die deutsche Schule zu besuchen. Ein Jahr darauf wanderte ich nach Prag aufs Konservatorium. Direktor Bennewitz unterrichtete mich auf der Violine. Bei den Musikaufführungen im Konservatorium schlug ich die Triangel. Hauptsächlich wurde
ber mir die Mysterien der Kompositionslehre erklärte. Auch Dvorak stand mir zur Seite. Als ich ihm 1887 zwei von mir komponierte Sonaten zeigte, sagte er: .Hängen Sie die Geige an den Nagel und komponieren Sie lieber!'
Wurde meine Tätigkeit also von Erfolg gesegnet, so ging es mir materiell manchmal geradezu jämmerlich. Große Sprünge konnte ich nicht machen. Ja, eines Tages waren Portemonnaie und Magen so leer, daß ich vor Hunger auf der Gasse zusammenbrach. Als meine Mutter mich einmal besuchte, war ich Spartaner genug, fein Wort von meiner Misere verlauten zu lassen. Als ich sie bann aber zur Bahn begleitete und ber Zug sich in Bewegung setzte, würbe mir bas Herz so unendlich schwer, daß ich laut aufschrie: Mutter! Mutter!' So weit mich meine Füße tragen föhnten, lief ich dem Zuge nach. Meine Mutter fiel in Ohnmacht ...
1888 verließ ich bas Konservatorium mit bem Diplom. Ich bekam eine Stelle als Konzertmeister an ben vereinigten Stadttheatern in Barmen-Elber- felb. Aber bei ber Hetz arbeit, die ich dort — für 150 Mark monatlich — zu leisten hatte, wurde mir doch ein bißchen schwül zu Mute. Und mein Vater mag nicht wenig erschrocken sein, als er eines Tages aus Barmen ein Telegramm erhielt: ,Franz durchgegangen, kontraktbrüchig, Assentschein sofort em« senden.' Die Bescherung war da — und ich, ich hatte bereits drei Tage später zur Fahne geschworen. Ich zog die Uniform bes 50. Infanterie-Regiments an und biente bei derselben Kapelle, bei ber mein Vater als Kapellmeister tätig war. War mir in Barmen die ßuft zum Komponieren gründlich geschwunden, so erweckten sonnige Tage die alte Freude zur Kunst von neuem. Meine Leyer rührte sich zu einer Grillparzer-Hymne, zu Märschen und
Vornotizen.
lagesfalenber für Samstag.
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude": 20 Uhr im Stadttheater „Die Primanerin". — Gloria- Palast (Sellerswea): „Stern von Rio". — ßicht- spielhaus (Bahnhofstraße): „Rheinische Brautfahrt"^ — Artilleristen-Kameradschaft 1895: 20.30 Uhr Kam eradschafts abend mit Vortrag im „Hessischen Hof". — Männer-Badeverein: 20.30 Uhr Generalversammlung im „Frankfurter Hof".
lagesfalenber für Sonntag.
Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Morgenoer« anftaltung „Kriegsdichtung". 19 bis 22 Uhr: „Jungs Spatzen". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Stern von Rio". — ßichtfpielhaus (Bahnhofstraße): Rheiq Nische Brautfahrt".
Stadttheater Gießen.
Am morgigen Vormittag findet bie 9. Morgenveranstaltung des Stabttheaters statt. Es kommt Kriegsdichtung aus brei beutschen Kriegen in ßie- bern und Gedichten zum Vortrag, darunter eins
geln wurden, „ich weiß genau Bescheid." Dabei zog er einen Zettel heraus, ben er sorgfältig in einer ledernen Brieftasche bewahrt hielt.
Er öffnete bie Wagentür und flieg aus. „Fünf Minuten, meine Herren."
Zu unserer Verwunderung ging er auf die Kirchs zu. Dann trat er sogar zu unferm Schreck, denn wir hatten an den Besuch eines lebenden Sohnes gedacht, durch bie kleine, von einer Granate halb zerrissene Mauertür in ben Kirchhof ein.
Dieser dörfliche Kirchhof zog sich einen gelinbeti Hang hinauf, fo daß wir sein Ende oben mit geln und Kreuzen über die Mauer hervorgewolbr sahen.
Bald zeigte sich ber Kopf des Alten über beU, Mauer, doch schon in einiger Entfernung. Er hatV bie Mütze abgenommen, und fein Haar glänzte im selben Weiß wie bie Holzkreuze. Er hielt seinen Plan in der Hand, aber er hatte ihn so genau int Kopfe, daß er sicher feinen Weg ging, immer ben! rechten Winkeln nach.
Nicht fchnell. Er fah auch nach allen anbereit Kreuzen hin, an die Blumen und Kränze gehängr waren. Er fchien auf alle im Vorbeigehen bie Namen zu lesen, ohne sich jedoch aufzuhalten.
Bis er endlich vor einem stillstand.
Wir schauten nicht weg. Er kehrte uns ben Rücken, und es war nicht Neugierde, wenn wir ihm zusahertz, sondern wir vereinten unsere Gedanken mit den seinen, um an feinem Gefühl ehrfürchtig tettzunelst men.
Er stand, ohne sich zu bewegen. Nicht etwa, baß er gekniet hätte. Einmal machte er einen Ruck, als wolle er nach der Sette umfallen. Aber bas wap vielleicht eine Täuschung von uns, weil wir uns willkürlich Aehnliches erroarteten.
Als er, nach zwei Minuten vielleicht, sich endlich bewegte, geschah es, um noch etwas aus feiner Brieftasche hervorzuholen: einen kleinen immergrünen Zweig, ber aus bem Garten seines Hauses abgeschnttten sein mochte — ich weiß es nicht, ich habe nicht danach gefragt.
Er hatte sonst nichts an dem Grabe in Ordnung zu bringen: beutsche Soldatengräber find von den Kameraden so geschmückt und behütet, als kämsni jede Nacht heimlich die Mütter.
Der Hauptmann ging von bem Grab fort, ohns sich noch einmal umzusehen, schneller als bein^ Hinaufweg. Dabei hob er im Gehen die Hand und führte sie, sonderbare Bewegung, in einem kurzen Bogen durch bie ßuft Er grüßte wohl die KcnyK
Anzahl zeitgenössischer Werke, die iin Polenfelbzug entstanden sind. Es wirken mit: Hans Caninenberg, Friedrich Gröndahl, Siegfried ßowitz und ein Soldatenchor. Die ßettung hat Gerhard Reuter. — Am Abend wird bas Lustspiel mit Musik „Jungs Spatzen" wiederholt. Spielleitung Harry Grüneke. An zwei Flügeln Richard Boeck und Elfriede Fischer. Tänze Thea Maaß. Bühnenbild Karl ßöffler. Außer Miele!
Hitler-Jugend Bann 116.
Sportabende des Standortes Gießen.
Am Dienstag, 7. Mai, beginnt ber Uebungsbe- trieb ber Jugendableiluna ber Orlsfporlgemeinschaft Gießen bes NSRß. auf bem Waldsportplatz bes VfB.-Reichsbahn. Da bie Jugenbarbett ber Vereine für bie Dauer bes Krieges ruht, werben alle Jugenblichen, bie sich seither in einem Verein betätigt haben, aufgeforbert, sich an ben Sporlabenben regelmäßig zu beteiligen. Auch solche Hillerjungem bie noch keinem Verein angehören, können teib nehmen. Erforberlichenfalls ist beim Gefolgschafls- sichrer Urlaub zu holen.
BOM., Untergau 116, Wetterau
B e tr. B D M.- Gerätemeisterschaften, • Untergauenlscheid. Er findet am Sonntag, 5. Mai, pünktlich um 11 Uhr in ber Turnhalle bet Schillerschule statt. Ich erwarte babei eine rege Teilnahme ber Möbel bes Slanborts Gießen.
S e tr. Sporlbienslgruppe Rollschuh«
der Beamten und Angestellten sowie der Hilfskräfte bes ßanbratsamts dis zur äußersten Anspannung aller Kräfte erforderlich. Ein großes Maß von Arbeit bei all bicsen Aufgaben wirb auch von den! Bürgermeistern ber Kreisorte geforbert unb geleistet. Die Anforberungen an bie Bürgermeister überfteigen um ein Vielfaches das Ausmaß dessen, das von ihnen vor bem Kriege bei ber Verwaltung ihrer Dorfgemeinschaft zu vollbringen war. Es kann aber bie erfreuliche Feststellung gemacht werben, baß überall auch bie Büraermeifler mit aller Tatkraft bei ber Bewältigung ber kriegswirtschaftlichen Derwallungsarbeil 'milhelfen unb sich damit ein großes Verdienst um ihre Einwohnerschaft und um unsere Volksgemeinschaft überhaupt erwerbem
So sehen wir das ßanbratsamt im Kriege als, eine Bkhörbe mit außerordentlich großen Aufgaben, bie über den friebensmäßigen, an sich schon bebeu* lenden Rühmen weil hinausgewachsen sind. Mit dieser gewaltigen Mehrarbeit von ßanbrat und Bürgermeistern tritt die staatliche Verwaltung wür- big an die Seile von Partei und Wehrmacht int Kampfe um Deutschlands Freiheit und Größe. B.
Das Landraisamt im Kriege.
Eine Unterredung des Gießener Anzeigers mit dem Leiter des Landkreises Gießen, Landrai Or. Loh.
LehärerzähltaussememLeben
Zum 70. Geburtstag
des berühmten Operettenkomponisten.
Franz Lehar, einer der fruchtbarsten unb erfolgreichsten Operellenkomponisten, dessen „Lustige Witwe" und „Graf von Luxemburg" unzählige Male über die Bretter aller größeren Städte gegangen lind, war keineswegs immer so vom Glück begün- jligt, sondern hat sich seinen Aufstieg zum Ruhm recht schwer erkämpfen müssen. Seine erste Operette „Der Rastelbinder" fiel bei der Uraufführung in Wien durch, hatte später allerdings guten Erfolg. Aber erst als 1905 bie „Lustige Witwe" erschien, wurde Lehar ein weltberühmter Mann, denn diese Operette, die heute noch so frisch ist wie vor 75 Jahren, eroberte sich im Sturm alle Herzen und Bühnen. Der Meister hat öfters Gelegenheit genommen. in seiner lebhaften Art von sich und seinem Leben zu plaudern. So erzählte er einst von dem Weg, den er zurückgelegt, bis sein guter Genius ihn zum Operettenschreiben brachte.
„Ich bin ein Musikerkind", so berichtet er. „Mein Vater, der ursprünglich Landwirt werden sollte, aber sich in eine kleine Geige verliebte, pilgerte schon als lOjähriges Bübchen nach Sternberg, um beim Stadtkapellmeister Heydenreich in die Tonkunst eingeweiht zu werden. Der musikalische Anfangsunterricht bestand in Glockenläuten und Kinderwiegen, später wurde ihm Heydenreich jedoch ein tüchtiger Lehrer ..." Der Vater wurde dann Militärkapellmeister unb führte als solcher ein unruhiges Wanderleben durch die zahlreichen Garnisonstädte der weilen Do-


