Ausgabe 
3.9.1940
 
Einzelbild herunterladen

stungsfähigkeit der RAF.-Helben ihre eigenen Er­fahrungen gemacht haben. Auch die anderen eng» lischen Organe bringen es immer noch fertig, die tollsten Geschichten über die ßuftangriffe auf Ber­lin zu verbreiten. So meldete der britische Funk am Sonntagabend, daß das Ziel der Angriffe Rüstunas- werke und Flugplätze in und um Berlin gewesen seien und daßein im Westen Berlins gelegenes Elektrizitätswerk sowie eine Flugzengmotorenfabrik im Nordwesten ersolgreich mit Bomben belegt" worden seien.

Die Berliner, die ja in chrer eigenen Stadt Be­scheid wissen, können sich darauf ihren Vers machen. Sie wissen nun endgültig, was von den Erzählungen der englischen Piloten, zu halten ist, derenEhren­wort" ja oem englischen Luftfahrtministerium und dem Reutsrbiü-o genügen, um daraus ihre offiziel­len Berichte zu machen. Genau so wie diever­nichteten Rüstungswerke" in Berlin kommen auch diesiegreichen LuftkSmpfe" der RAF. mit ihren Phantasieziffern zustande, nämlich durch einfache Schwinoelberichte, die sich die feinfühligen Gent- lemen derKöniglichen" Luftwaffe aus den Fin­gern saugen.

Wie es bei uns in Deutschland ausfieht, wissen wir. Wie es in dem vom vaufenlosen Bombenhagel unserer Luftwaffe heimgesuchten England aussieht, darüber sind sich nicht einmal die britischen Zei­tungen und Amtsstellen einig. Während Reuter in einer Betrachtung zum Jahrestag des Kriegsaus­bruches meint, daß derLuftalarm für die Eng­länder jetzt viel weniger Schrecken hat als zu Be­ginn des Krieges", und der Erzbischof von Canter­bury den Amerikanern erzählt, die erstaunliche Ge­schicklichkeit und Tapferkeit der englischen Flieger habejeden Angriff zurückgeschlagen", wird in an­deren Kommuniques zugegeben, daß die deutschen Flugzeuge schonbeträchtlichen Materialschaden" und ,/eine große Anzahl von Bränden" heroorge- rufen sowieviele Industrieanlagen zerstört" hät­ten. DerEoening Standard" gibt unumwunden zu:Hitler hat einen großen Teil der britischen In­dustrieproduktion lahmgelegt, und in den Zonen, die von den deutschen Bombern heimgesucht werden, ist das häusliche Leben vollkommen oder teilweise gestört, weil die Bürger des Schlafe beraubt wer­den." Damit stimmt der Bericht des Korresponden­ten der spanischen ZeitungABC" überein, der er­zählt, daß er in den Londoner Straßen viele Leute mit übernächtigten Gesichtern sah, die sich vor Ueber- müdung kaum auf den Beinen halten konnten, und daß die Nerven der Londoner Bevölkerung bereits heftig angegriffen seien. Wir unserseits können den Londonern nur versickern, daß ihre Nervosität und ihr Mißmut in dem selben Maße wachsen, wie un­sere Ruhe und Zuversicht zunehmen werden.

H. Evers.

Neue Greuellüge Churchills.

San Sebastian, 2.September. (DNB.) Seit Sonntag bearbeitet die englische Reuteragentur die neutrale Oeffentlichkeit mit einer neuen üblen Greuellüge. Es wird behauptet, ein englischer Dampfer mit evakuierten Plutokra­ten kind er n an Bord sei auf der Fahrt nach Kanada von einem deutschen U-Boot torpediert worden. Bezeichnenderweise wird der Name dieses Schiffes verschwiegen. Schon dar­aus, wie auch aus anderen mysteriösen Begleitum­ständen geht hervor, daß Churchill einen neuen Coup gestartet hat, um jenseits des Ozeans den deutschen Gegner in Verruf zu bringen. Es ist doch sehr verdächtig, daß alle Kinder gerettet rootöen sein sollen. Schon daraus kann man schlie­ßen, daß der Schiffsuntergang ein Theater ge­wesen ist. Churchill hofft immer noch, durch eine solche Greuellüge in den Vereinigten Staaten mora­lisch den Boden für spätere materielle Hilfe vor­bereiten zu können. Das allein ist der Zweck dieses unerhörten Manövers.

Oie Kriegshetze in LlGA.

Neuyork, 2. September. (DNB.) Anläßlich des Jahrestages des Kriegsausbruches bringt die Neuyorker Presse eine Aufzählung der langen Kette der deutschen Waffenerfolge. Die Zeitungen suchen sich damit zu trösten, daß der Krieg trotz der uner­hörten deutschen Erfolge noch nicht zu Ende ist. England sei noch übriggeblieben.New York Herald Tribüne", die dem neuen Deutschland stets ableh­nend gegenübersteht, gibt zu, daß das zweite Kriegsjahr ebenso große Ueberraschungen wie das erste bringen könnet Die Hauptfrage sei heute nicht mehr die der Reorganisierung der Welt das könne jetzt nicht mehr verhindert werden, sondern welche Hände von der Weltgeschichte damit betraut würden. Dies stehe im zweiten Kriegsjahr zur Ent- scheidung. DieNew Port Times" gesteht, Frank­reichs Zusammenbruch habe endgültig den Irrtum der Denkweise vom September 1939 bewiesen. Frankreich wie England hätten wissen müssen, wie ungeheuer stark Deutschland ist, und in den Verei­nigten Staaten hätte man wissen müssen, wie schwach im Vergleich dazu die Westmächte waren. DieNew Port Times" fragt mit sichtlichem Zwei­fel, ob England und Frankreich vor Jahresfrist den Krieg entfacht hätten, wenn sie Kenntnis der kom­menden Ereignisse gehabt hätten.

New Porr Enqirer" sagt, die anglophilen USA.» Kreise verdoppelten ihre Anstrengungen, um die Vereinigten Staaten in den nächsten Wochen in den Krieg hineinzuzerren. Diejenigen in Washington, die mit der noblen Aufgabe beschäftigt seien, die Demokratie im Ausland zu retten, im Inland aber zu vernichten, sind dabei, Mitglieder des Senats und des Unterhauses daraufhin zu sondieren, ob der Kongreß zu einer Kriegserklärung zu bewegen ist. Die Vereinigten Staaten gingen in den nächsten Wochen kritischen Zeiten entgegen, obwohl der Wahlerfolg des nicht interoentionistiscken Senators Hiram Johnson als deutlicher Ausdruck des Wunsches des USA.-Volkes sei, dem Krieg fernzu­bleiben.

Neuorganisierung der Verteidigungsindustrie in USA Washington, 3. Sept. (Europapreß.) Don den militärischen Sachverständigen wird mitgeteilt, daß der Plan nun fertiggestellt ist, die Industrie, die für die Landesverteidigung arbeitet, auf fünf i ni I n - land gelegene Gebiete zu verteilen, die mindestens 250 Meilen von den Grenzen und den Küsten entfernt sein müssen. Ferner ist festgelegt worden, daß bei der Einberufung der Na­tionalgarde alle diejenigen Personen nicht herangezogen werden sollen, die als Fachleute in der Verteidigungsindustrie arbeiten.

Das neue argentinische Kabinett.

Buenos Aires, 2. Sept. (Europapreß.) Das neue argentinische Kabinett wurde durch Vizepräsi­dent Ramon S. Castillo gebildet. Innenminister .ist Miguel A. Culaciatta; Außenminister Dr. Juilo

A Roca, Kriegsminister Juan N. Tonazzi, Marrye- minister Mario Fincatti, Finanzminister Fredenco Pinedo, Minister für Landwirtschaft Daniel Amadeo y Didela, Minister für Justiz- und Unterricht Guil­lermo Rothe, Minister für Bauten Salvator Ona. Das neue Kabinett wird am Dienstag vereidigt. Der neue Kriegsminister, Brigadegeneral T o - nazzi, war Mitglied der dritten provisorischen Regierung des Generals Ios6 F. Uriburu. Der neue Marineminister, Konteradmiral Fincatti, ist zur Zeit Chef des Marinegeschwaders. Landwirtschafts- Minister Amadeo y Videla war konservativer Ab­geordneter. Justiz- und Unterrichtsminister Rothe ist nationaldemokratischer Senator. Er hatte das gleiche Amt bereits unter der Regierung Uriburu inne.

Deuisch-russischer Vertrag über die Nechtsverhättnisse an der Kreuze.

Berlin, I.Sept. (DNB.) Am 31.August 1940 ist in Berlin ein Verttag z wi s ch e n d e m D e u t - sch en Reich und derUdSSR. über die Rege- lung der Rechtsverhältnisse an der Grenze unterzeichnet worden, die durch den deutsch-sowjetrussischen Grenz- und Freundschaftsver- trag vom 28. September 1939 festgelegt worden ist. Die Verhandlungen verliefen im guten Einverneh­

men und wurden im Verlauf eines Monats> zu einem erfolgreichen A b f ch l u ß gebracht. Den Ver­trag unterschrieb im Namen der Relchsreglerung der Gefandte von Saucken und der Mlnisterial- rat Dr. C o n r a d , in Bevollmächtigung der Reale- runa der UdSSR. Aleander Michajlowitsch A e- rung der UdSSR. Alexander Mickjailowttsch A l e - j e w.

Englische Bomben auf Schweizer Gebiet.

Bern, 2. Sept. (Europapreß.) Der Armeestab teilt mit: ,Ln der Nacht zum 2. September über­flogen wiederum fremde Flugzeuge W^Wr\\a)e5 Hoheitsgebiet. An zahlreichen Orten der WestAweiz und in St. Gallen ertönten zwischen Mitternacht und 1 Uhr früh die Alarmsirenen. Bei Au (St. Gal­le n) wurden einige Bomben auf offenes (Selatwe obgeworfen. Personen wurden nicht verletzt. Im St. Gallener Rheintal eröffneten die Truppen das Abwehrfeuer gegen die fremden Flieger. Aus den Umständen geht klar Hervor, daß es sich um englische Flieger handelt, die sich nicht mehr damit begnügen, die schweizerische Lufthoheit zu ver­letzen, sondern nun dazu übergegangen sind, die friedliche Bevölkerung zu bombardieren.

Die Durchführung des Wiener Schiedsspruches.

Am 5. September beginnt der Einmarsch der ungarischen Truppen in das abgetretene Gebiet Siebenbürgens.

Budapest, 2. September. (Europapreß.) Aus Debrecen melden die Blätter, die ungarisch-rumä­nische gemischte Kommission habe in Verhandlungen, die vom Sonntag 17.30 bis Montagmorgen 3.30 Uhr dauerten, die Fragen der Gebietsüber- gabe bereinigt. Der Einmarsch der unga­rischen Armee beginnt am 5. Septem­ber und wird am 13. Septeinber abgeschlossen. Der Einmarsch beginnt am 5. auf der ganzen bis­herigen gemeinsamen ungarisch-rumänischen Grenze mit Ausnahme des Abschnittes um Großwardein, wo erst am 6. September der Einmarsch beginnt. Am 5. September rückt die ungarische Honved i n Marmarossziget und Szathmar ein, am darauffolgenden Tag, 6.September, in Groß- wardein und gelangt dann in verschiedenen Etappen am 11. September nach Klausenburg. An den letzten beiden Tagen wird der Einmarsch in dem südöstlich gelegenen Szekler-Gebiet vollendet. Die ungarischen Delegierten begaben sich von Debrecen im Kraftwagen nach Großwardein und sind nach Abschluß der ersten Besprechung nach Debrecen zurückgekehrt. Die Bereinigung der Dermögensfragen erfolgt in einer Sitzung der ge­mischten Kommission.

Aus Bukarest sind 500 Autobusse nach Sieben­bürgen obgegangen, die beim Abtransport der Behörden eingesetzt werden. In Bukarest wurde infolgedessen der Autobusverkehr vorüber­gehend eingeschränkt. In Klausenburg wurde eine gemischte ungarisch-rumänische Bür­gerwehr gebildet, die zunächst 100 Mann stark ist und unter Leitung des rumänischen Dizebürger- meisters S a v u steht. Sie soll bei der Aufrechter­haltung der Ordnung und der reibungslosen Durch­führung ber Räumung mitwirken.

Die Sicherheit des neuen Rumänien.

,Bon der stärksten Militärmacht garantiert.,

B u t a r e ft, 2. Sept. (DNB.) Nach der Rundfunk- anfprache des Außenministers Manoilescu gab auch der zweite Delegierte Rumäniens in Wien, Gesandter D a l e r Pop, im Rundfunk Erklärungen über den Wiener Schiedsspruch ab. Gesandter Baler Pop, der auch der Delegierte Rumäniens bei den Verhand­lungen inTurn-Severin mit den Ungarn war, erklärte, dort hätten die Forderungen Rumäniens und die Forderungen Ungarns einander gegenüber- gestanden. In Wien konnte Rumänien sich zwar für ein kleineres Rumänien entscheiden, dessen Grenzen aber von der stärksten Militärmacht ga­rantiert würden. Er habe in Wien zwar nicht unterzeichnet, müsse jedoch klar sagen, daß, wenn er allein für Rumänien die Entscheidung hätte fällen müssen, er nicht anders gewählt hätte. Jeder Ru­mäne hätte in dieser Lage bei genauer Kenntnis der Tatsachen diesen Entschluß fassen müssen. Weiter er­klärte Pop, daß Rumänien etwa 4 2 0 0 0 Qua­dratkilometer mit 1.2 Millionen Ru- mänen verliere. Rumänien dürfe in Zukunft nie mehr eine gefühlsmäßig bestimmte Politik be­treiben. Die Nation werde im Schutze der nunmehr

gesicherten Grenzen an die aufbauende Arbeit und die Erneuerung gehen. So auch sei die Zukunft der Volksgenossen außerhalb der Grenzen gesichert.

Die offiziöseRomani a" erklärt, die schmerz­lichen Ereignisse, die Rumänien betroffen hätten, ver­langten von allen Rumänen die seelische Kraft, sich über die Bitternisse des Augenblicks zu erheben. Dor allem müsse man von jedem Verständnis verlangen, daß die Umstände stärker als der Wille Rumäniens gewesen seien, und daß die Ver­hältnisse keine an bere Entscheibung als bie von der Staatsführung getroffenen erlaubt hät­ten. Indem sich das rumänische Volk dem harten Schicksal beuge, solle es sich die Hoffnung bewahren, die ihm die Tatsache gewähre, daß das Land nun­mehr in einen Zeitabschnitt klarer Sicherheit eingetreten fei. Niemand solle seine Besonnenheit verlieren.

Die Suddobrudscha.

Bor Untexzeichnung

des rumänisch-bulgarischen Vertrages.

Sofia, 2. Sept. (Europapreß.) Der Führer der bulgarischen Abordnung in Craiova, P o m e n o f f, ist aus Vidin mit neuen Anweisungen der bulgari­schen Regierung an den Verhandlungsort zurück- gekehrt. Der Ministerrat hat beschlossen, einen r u - rnänischen Kompromißvorschlag bezüg­lich der Evakuierung der Süddobrudscha anzunehmen. Der Vorschlag sieht vor, daß die Räumung am 2 0. September beginnt. Am 21. September sollen die bulgarischen Trup­pen einmarschieren. Die Rückgliederung der Bulgaren aus der Nord^Dobrudscha soll binnen zwei Monaten vor sich gehen. Der bulgarische Rundfunk hat am Sonntagabend eine amtliche Meldung durch­gegeben, in der die bevorstehende Unter­zeichnung des Vertrages mit Rumänien cmge- kündigt und gesagt wurde, entgegen anderslauten­den Gerüchten habe die bulgarische Regierung einen klaren Standpunkt eingenommen, auf dem sie auch beharren werde.

Das Scho in Jugoslawien.

Belgrad, 2. September. (DNB.) Zum Wiener Schiedsspruch bemerkt die halbamtliche23 re m e": Die deutsche und die italienische Außenpolittk feien seit Kriegsbeginn ständig bestrebt gewesen, auf dem Balkan und im Doimuraum eine friedliche normale wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. Auch der Wiener Schiedsspruch diene diesem Zwecke. Die von den Achsenmächten gege­bene Garantie bilde, eine wichtige Tatsache in der gegenwärtigen allgemein unruhigen Atmo­sphäre. Von europäischer Bedeutung sei ferner die Erklärung des Reichsaußenministers, daß damit die letzte territoriale Frage im Do­na u r a u tn erledigt fei. Auch für Jugosla­wien habe der Wiener Schiedsspruchoße Wich­tigkeit, da er die Erhaltungdes Friedens in Südosteuropa bedeute und somit die Interessen Jugoslawiens mit denen der Achsenmächte über­einstimmten.

Sprung in Vie Nacht.

Das Erlebnis einer deutschen Augzeugbesahung.

Don Kriegsberichter Harald Wachsmuth.

DNB. ..., 2. 9. (PK.) Seit Stunden stehen wir auf dem Flughafen, von dem aus Maschinen um Ma­schinen gestartet waren, um in nächtlichen Angriffen englische Flugplätze und Nachschublager anzugreifen. Ein Flugzeug nach dem andern kehrt zurück, aber d i eM a r i e" fehlt noch immer. Als wir selbst gegen Morgengrauen keine Nachricht vom Verbleib des Flugzeuges haben, schwindet unsere Hoffnung, die Rückkehr der Besatzung scheint aussichtslos. Es ist 10 Uhr vormittags, ein Telephonanruf aus irgend­einem kleinen flandrischen Dorf. Zu unserer großen Freude meldet sich unsere Besatzung gesund und munter zurück: sie war nach erfolgreichem Angriff i n das Sperrfeuer der Flak geraten und von Nachtjägern angegriffen worden. Mit zerschossenem Gerät und durchlöcherten Benzin­tanks konnten sie jedoch nach abenteuerlichem Fluge durch das Ungewisse die Küste erreichen und sich in letzter Minute durch Fallschirmabsprung aus der stark beschädigten und nicht mehr lande- fähigen Maschine retten. 24 Stunden später *knb sie wieder bei uns und erzählen im Kreise ihrer Ka­meraden von ihrem nächtlichen Erlebnis.

Wir konnten deutlich den Erfolg unseres An- griffes auf das Nachschublager und den Flugplatz beobachten", erzählt der Beobachter derMarie". Zwei Bomben lagen in den Flugzeughallen, an­dere zerstörten Flugzeuge vor den Hallen, Schup- pen und Magazine des Nachschublagers gingen in Flammen auf. Dann aber begann für uns der Kampf. 30, 40, 50 Scheinwerfer blitzten ^auf und nahmen uns in den Schnittpunkt. Gleichzeitig fängt die Flak an zu ballern und Splitter und Fetzen fliegen uns um die Ohren. Doch die Moto­

ren liefen noch. Wir haben jetzt die Wolken erreicht und fliegen Kurs Heimat. Wir überflogen die Bal­lonsperre, und dann in den Wolken immer stur nach Kompaß."

Eine peinliche Ueberraschung", so unterbricht der Flugzeugführer,ich merkte, daß der Kompaß zerschossen war und die Nadel feftftanb. Ich hatte keine Ahnung, wo wir waren. Meiner Berech­nung nach mußten wir über Flandern sein. Ich drückte also den Hebel tiefer und tiefer und mir sahen auch bald unter uns einen Flugplatz mit drei betonierten Rollbahnen, Leuchtfeuer und Flakbe­leuchtung. Neben uns tauchte plötzlich der Schat- tenriß einer Maschine auf, die gerade landen wollte. Mir verschlug es kurz die Sprache die Maschine war eine Blenheim. Hinter uns Nachtjä­ger, die sofort das Feuer auf uns eröffneten. Kein Zweifel das da unten war ein englischer Nachtflughafen. Wir hatten uns also verfranzt Jetzt tonten wir auch die Küste erkennen."

Die Besatzung flog nun über den Wolken und konnte sich jetzt nach dem Mond orientieren. Auch bie Funkanlage und die Bordoerständigung war zerstört, die Maschine nicht manövrierfähig.Das schlimmste aber war, daß der eine Benzinbeh'älter durchlöchert war und wir nur noch für wenige MinutenSchnaps" hatten. An Landen war nicht zu denken, denn eine Notlandung bei Nacht mit einer derart zerschossenen Maschine wäre Selbst­mord gewesen Wir mußten nach Zeitberechnung annehmen, daß wir auf Festland waren. Ein kurzer Entschluß:Wir müssen a b s p r i n g e n." Wir ver­einbarten, uns sowohl während des Fallschirmab- jprunges als auch nachher auf dem Boden durch

Ferdinand Porsche.

Der Vater des Volkswagens 65 Jahre alt.

Den Namen und das Wirken des Schöpfers der deutschen Rennwagen und des Volkswagens kennt heute in Deutschland jedes Kind. Professor Dr.-Ing. e.h. Ferdinand Porsche, Sohn eines Klemp­nermeisters aus Maffersdorf bei Reichenberg im Sudetengau, hatte sich schon in der väterlichen Werk­statt mit elektrotechnischen Konstruktionsversuchen beschäftigt. In Wien erfand er dann den elektrischen Radnabenmotor. Ein von Porsche konstruiertes Elektromobil stand bereits 1900 auf der Pariser Weltausstellung und lenkte die Aufmerksamkeit auf den erst 25jährigen Konstrukteur, der zehn Jahre

später mit einem Wagen eigener Schöpfung die für damalige Zeiten enorme Geschwindigkeit von 140 Kilometer erreichte. Im Weltkrieg spielten bann Porsche-Zugmaschinen u. a. vor Lüttich und Namur eine Rolle. 1924 errang er mit dem Mercedes-Kom­pressor den ersten deutschen Auslandserfolg seit dem Weltkrieg. Seit 1930 unterhielt er ein eigenes Kon­strukttonsbüro bei Stuttgart.

Mit dem Jahre 1933, als die Auto-Union den Porsche-Rennwagen herausbrachte, beginnt dann die endlose Serie der deutschen Siege auf in- und aus­ländischen Rennstrecken. Der Führer beauftragte 1934 Dr. Porsche mit der Konstruktion des Volks­wagens, der der schnellste, billigste und wirt­schaftlichste Wagen der Welt geworden ist. Dr. Porsche schreibt über dieses schwierige Problem selbst einmal:Tage und Nächte haben wir gearbeitet, Jahr um Jahr, wir haben kalkuliert und gerechnet, kalkuliert und gerechnet nach Fabrikattonsmethoden, die es bei uns ja noch gar nicht gab, die erst ge­schaffen werden mußten, bis es dann endlich eines Tages so weit war, und ich stolz und glücklich zum Führer, der auf dem Obersalzberg weilte, fahren konnte, um ihm zu melden:Mein Führer, wir sind so weit, der Volkswagen ko ft et weniger als 1000 M a r k."

Der Führer ehrte den genialen Erfinder, indem er ihm vor zwei Jahren den Nationalpreis verlieh.

Dr. Porsche hat seine Konstruktionsarbeiten nicht, auf Rennautos und auf den Volkswagen beschränkt, er baute auch Elektromodelle, Flugzeuge, Luftschiffe, Lastwagen usw. Der große Konstrukteur hat in Friedens- und Kriegszeiten stets Aufgaben erhalten, die feinem überragenden Können angemessen waren. Er darf von sich sagen, daß er keine Aufgabe un­gelöst zurückgegeben hat. So hat er mit seinem bis­herigen Lebenswerk einen gewichtigen Beitrag auf dem großen Gebiet der Wehrhaftmachung des deut­schen Volkes geliefert. Daß dieses Lebenswerk bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, versteht sich bei einem Mann wie Porsche von selbst, einem Manne, der seinen Namen in die Liste der größten deutschen Erfinder und Konstrukteure für alle Zeiten einge­tragen hat.

Dieses Bild, das auf telegraphischem Wege von London nach Neuyork und dann mit Flugpost nach Europa geschickt wurde, berichtet von einem erfolg- reidjen Angriff eines deutschen Flugzeuges auf einen Sperrballon an der englischen Küste. In schneller, kühner Aktion hat der deutsche Flieger den Ballon zur Strecke gebracht, der brennend zur Erde stürzt, während die Maschine abdreht. (Scherl-M.)

äs

Blinkzeichen der Taschenlampe, bie wir Mitnahmen, jP verständigen. Ich werfe die Bobenklappe ab und schaue nach unten. Es ist nicht gerade das schönste der Gefühle, bei Nacht abzuspringen, denn wir wissen ja nicht, wie es unten aussieht, da wir über ben Wolken in etwa 3000 Meter Höhe waren.

Jetzt springe ich ab. Zwei- oder dreimal überschlug ich mich, bann spürte ich ben Druck bes Fallschirms.

war bei vollem Bewußtsein, der Druck beein- rachttgte mein Denkvermögen in- keiner Weise. Nach sechs Sekunden zog ich ben Fallschirm, ein scharfer Jtucr geht durch meinen Körper, er hat sich q e - ossnet. Noch weiß ich nicht, wohin ich fallen werde noch immer ist unter mir die Wolkendecke, öie einfach nicht näher kommen will. Endlos er- |ct>eint mir die Zeit. Ich gebe mit meiner Taschen- iampe Blinksignale für die Kameraden, kann aber von ihnen sehen. Plötzlich sehe ich, wie die eigene Maschine auf mich ^ufommt.Verdammt, das fehlte gerade noch, daß dich die Maschine rammt dachte ich. Die Maschine heulte über mich hinweg, ich sah sie in den Wolken verschwinden. Wie wird es wohl den anderen ergangen jein?.