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3.9.1940
 
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Dienstag. 3. September 1940

t90. Jahrgang Nr. 208

Gietzener Anzeiger

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Deutsche Tatkraft gestaltet das Elsaß.

Oer deutsche Charakter von Volk und Land ist ungebrochen. - Eine Unter­redung mit Gauleiter Robert Wagner.

Don JISK.-Sonderberichterstatter Ernst Günter Dickmann.

Kraft steht, ihren Weg zurück in die Dörfer und Städte des Elsaß zu beschleunigen.

Sie werden hier bereits von einer sichtbaren und gesunden deutschen Ordnung empfangen, die ihnen das Einleben erleichtern wird. Denn im Ge­gensatz zu 1871 kommen heute nicht einige Der- waltungsbeamte als Repräsentanten des Reiches in das Elsaß, sondern es kommen d i e Sendbo­ten des deutschen Volkes. Als solche sind die Männer der Partei in allen Kreisen des Elsaß bereits am Werk. Ueberall hat die NSV. ihre großzügigen Einrichtungen in Betrieb gesetzt, die Volksküchen, die Kindergärten, die Mütterbera­tungsstellen. Die elsässische Jugend strömt begeistert herbei und drängt sich zur Mitarbeit in der nationalsozialistischen Jugendbewegung. Die Fahrbereitschaften des NSKK. beteiligen sich in un­ermüdlichem Einsatz an der Rückführung der Eva­kuierten. Da die meisten der hier wirksamen Par­teigenossen aus dem stammesgleichen Baden kom­men, ist der Kontakt mit der elsässischen Bevölkerung von der ersten Stunde an her- gestellt. Das Gefühl der Einheit des-ober­rheinischen Raumes erleichtert alle Arbei­ten, die hier in gemeinsamer Ansttengnng zu ver­richten sind und an denen sich in Stadt und Land zahllose Helfer aus dem Elsaß lebhaft beteiligen.

Wir werden", so schloß Gauleiter Robert Wag­ner,das Prinzip der deutschen Ordnung und des Aufbaues ttotz der großen Hemmnisse der Ver­gangenheit und ttotz der überall sichtbaren Schuld Frankreichs am Niedergang des Elsaß um so schneller und wirksamer verwirklichen, als es dem innersten Wesen des deutschen Elsaß, der schönen alten deutschen Kulturlandschaft und seiner Bewoh­ner im tiefsten Grunde entspricht, und weil unser Vertrauen' auf die deutschen Charakterwerte der elsässischen Bevölkerung mit dereu Zuversicht $u unserer Tatkraft sowie einem aufgeschlossenen Wil­len zur Mitarbeit beantwortet wird."

Neue schwere Verluste der R. A F.

London ist Krontlinie.

Empfindliche Störung der britischen Produktion.

Der italienische Vormarsch in Kenia hat begonnen.

Kenley, Viggin-hiltz Detling, hawkinge, Lyrnpne erhielten Volltreffer und wurden zum Teil in Brand gesetzt.

3m Verlauf der Angriffe kam es zu verschiede- nen Luftkämpfen, in denen unsere Fliegerver­bände erneut ihre Ueberlegenheit bewiesen.

3n der Nacht belegten Lampfverbände die See­häfen von Liverpool, Swansea, Bristol und Lhatham erfolgreich mit Bomben.

Das Verminen britischer Häfen nahm seinen Fortgang.

Feindliche Flugzeuge versuchten in der letzten Nacht wieder Berlin und andere Slädle anzu­greifen. Dank der starken Flakabwehr gelang es ihnen nicht, im Raum von Groß-Berlin Bomben zu werfen. An anderen Stellen im Reichsgebiet wurden nur Schäden an Wohnhäusern, nirgends jedoch militärischer Sachschaden angerichtet.

Die Gesamtverluste des Feindes be­trugen gestern 62 Flugzeuge, von denen 52 im Luftkampf abgeschossen und 10 am Boden zerstört wurden. Demgegenüber werden nur neun eigene Flugzeuge vermißt.

mern. Es wurde ein Kampf um London. Am Samstag schrieb Beaoerbrooks ZeitungE v e ° n i n g Standard" ganz offen über etwas, was viele Engländer früher sehr vorsichtig gestreift hat­ten:Hitler hat e i n e n Sieg in diesen Tagen er­rungen. Laßt uns dies gestehen. Dadurch, daß Nacht für Nacht verhältnismäßig kleine Flugzeugabteilun­gen über London und dessen Kriegsindustrie er­schienen, konnte die Produktion erheb­lich g e st ö r t werden. Man kann nicht, um dra­stisch zu sprechen, drei, vier oder fünf große Stteiks während 24 Stunden in den Fabriken auf sich neh­men. Alle müssen Risiken übernehmen, und alle müssen die Chancen des Zufalls benutzen. Nur aus ein Signal in den Sekunden der äußersten Gefahr sollen die Arbeiter der einzelnen Fabriken Schutz suchen. Der Krieg geht nicht nur die kämpfenden Flieger etwas an. Diese allein können nicht die äußerste Verantwortung und die äußersten Gefah­ren tragen." Der Korrespondent zieht aus dieser Darstellung die Konsequenz, daß vollständig neue Luftschutzanordnungen für die englische Industrie kommen werden, da man sich die ständige Unter­brechung der Produktion nicht mehr länger erlauben kann.

Das sogenannte elsässische Problem, über das in der Weltöffentlichkeit vielfach falsche Vor­stellungen herrschen, ist von Frankreich künstlich geschaffen worden", eröffnete Gau­leiter Robert Wagner, Chef der Zioiloerwaltung im Elsaß, seine Unterredung in Straßburg in sei­nem Dienstsitz, dem historischen Statthalterpalais für die Reichslande Elsaß-Lothringen.Das elsäs­sische Volkstum hat von jeher im Abwehr- kampf gegen Frankreich gestanden, ja ihn sogar als seine geschichtliche Aufgabe empfunden. Da­für ist das gesamte Elsaß ein sprechender Beweis, ganz besonders aber auch die Stadt Straßburg, deren deutscher Charakter auch nach langen Jahren französischer Herrschaft so unverkennbar wie je ist."

Der Gauleiter des Gaues Baden bringt in das Elsaß die genaue Kenntnis des Charakters von Land und Volkstum mit, weil dieser Charakter bei­derseits des Rheines der gleiche ist. Vom Schwarz­wald bis zu den Vogesen und in der ganzen da­zwischenliegenden oberrheinischen Ebene haben d i e gleichen alemannisch-deutschenVolks- k r ä f t e unvergängliche Zeugnisse deutscher Kultur errichtet, der Baustil ihrer Dörfer ist genau der gleiche, ihr deutsches Kulturbewußtsein und chr ale­mannischer Dialekt unterscheiden sich in nichts und als Symbol deutscher Kulturkraft grüßt heute wie vor Jahrhunderten das Straßburger Münster den Besucher des Landes auf beiden Ufern des deut­schen Stromes.

Frankreich hat den Kampf um das Elsaß nie gewonnen", fährt Gauleiter Robert Wagner fort, so günstig auch immer die politischen Voraus­setzungen dafür waren. Denn, wäre das deutsche Blut im elsässischen Volk nicht so stark und leben­dig wirksam, es wäre in den vergangenen drei Jahrhunderten dem starken französischen Druck er­legen und in dem ständigen Kampf zwischen Deutschland und Frankreich zerrieben worden. Es »hat aber seine Sprache und seine Sitten sowie seine deutschen Charakterwerte ungebrochen be­wahrt. Zehntausende von Altelsässern sind nach dem Weltkrieg von den Franzosen ausgewie - s e n worden oder mußten ihrer deutschen Gesin­nung wegen ins Reich flüchten und. routiben so um ihre Heimat gebracht. Es ist nur recht und billig, wenn jetzt diesen Menschen hier wieder Hei- m atrecht eingeräumt wird. Sie haben chr Herz und die Anhänglichkeit für ihre elsässische Heimat treu bewahrt, und viele von ihnen sind außer treuen Söhnen des Reiches auch zu hervorragen­den Kämpfern des Nationalsozialismus geworden. Ihren Gesuchen umVerwendung in den großen Aufgabengebieten, die sich ihrer Heimat jetzt eröffnen, wird natürlich in jedem möglichen Umfange entsprochen werden.

Aber aüch die im Lande selber Verbliebe­nen haben unentwegt an ihrer deutschen Sprache und Kultur festgehalten. Es gibt ungezählte Wider- standsttäger gegen die französische Gleichmacherei, die um ihres Volkstums willen Strafen und Ver­folgung im eigenen Lande auf sich genommen ha­ben, vor allem unter den Bauern und Arbeitern dieses Landes. Wir wissen dagegen aber'auch, daß dieFranzöslinge", deren sich der Gegner beson­ders gern als Helfershelfer gegen das elsässische Volk bediente, in erster Linie unter den Juden und sonstigen bestochenen Elementen zu suchen waren, nicht aber den Kern des Volkes ausmach­ten. Man muß mit den Bewohnern dieses Grenz­landes, die seit drei Jahrhunderten ohne ihr Zu­tun und ohne chre Schuld zwischen den beiden Großmächten hin- und hergeworfen wurden, Mit­gefühl haben, und sie verdienen alle Hochachtung, daß sie, die sie der ewigen Ungewißheit über ihr völkisches Schicksal müde waren, dennoch an ihren überlieferten Werten so standhaft festhielten."

Gauleiter Robert Wagner wandte sich sodann einzelnen Fragen über die Lösung des sog. elsäs­sischen Problems zu, wobei er ausführte:

Um zu klaren Ergebnissen in dieser Arbeit zu kommen, werden wir darauf achten, daß die un­verzeihlichen Fehler, die das Kaiserreich im Elsaß begangen hat, nicht wiederholt werden. Da­zu ist es notwendig, jetzt hier in diesem deutschen Lande eine Reinigung vorzunehmen, die 1871 aus Schwäche oder Gedankenlosigkeit ulsterblieb. Dazu gehört die Entfernung von gewissen Gruppen land- und oolksftemder Elemente, die die elsässische Bevölkerung in einem dauernden Zwiespalt zu hal­ten bemüht waren.

Als eine der wichtigsten Aufgaben sehe ich wei­terhin die völlige Wiedereinführung der deut­schen Muttersprache im gesamten öffent­lichen Leben an. Alle, von französischer Seite hier­her vorgetriebenen und auch vom zweiten Reich geduldeten Ueberfremdungsversuche haben jetzt ein Ende. Die Elsässer haben ein Anrecht darauf, ihre Muttersprache nunmehr zur Geltüng kommen zu sehen, die ihr durch Generationen verweigert wurde. Die Ausscheidung französischer Sprach- und Kultureinflüsse wird die eingesessene Bevölkerung mit höchster Bereitwillig­keit unterstützen, denn sie bedeutet den endgültigen Sieg des langen'Volkstumskampfes hier am Ober­rhein."

Die deutsche Führung im Elsaß findet in den von den Franzosen hinterlassenen Zuständen Auf­gabengebiete wirtschaftlicher Natur vor, die besonders groß und wichtig sind. Gauleiter Ro­bert Wagner bemerkt dazu folgendes:Als Chef der Zivilverwaltung sehe ich mich vor die erstaun­liche Notwendigkeit gestellt, ein reich gesegnetes und von der Natur begünstigtes Land mit dem a l - lerdringlichsten Lebensbedarf zu ver­sehen. Die Ausplünderung des Elsaß durch die Franzosen hat aus einem blühenden Gar­

ten einen Wirtschaftsftiedhof gemacht. Ein breiter Frontstreifen längs des Rheines, den Frankreich evakuiert hatte, ist verödet und unbebaut. Er wird schleunigst und mit allen Kräften wieder kultiviert werden. Die Arbeiten daran sind schon unter Mitwirkung des Reichsarbeitsdienstes sowie onstiger verfügbarer Kräfte im Gange. Auch in )er Wiederankurbelung der elsässischen I n d u st r i e ehen wir eine Aufgabe von äußerster Dringlich­keit. Nachdem die Wehrmacht, die Technische Not­hilfe, die Organisation Todt und der Arbeitsdienst zunächst einmal die Verkehrs- und Dersorgungs- anlagen wiederhergeftellt haben, sind jetzt alle reichsdeutschen und elsässischen Kräfte mit wahrem Feuereifer dabei, Handel und Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Wo veraltete Wirtschaf tseinrich- tungen, Rohstoff-Fragen oder Wirtschaftszerstörun­gen durch Frankreich die Wiederbesetzung alter Ar­beitsplätze im Augenblick ausschließen, vermitteln wir freiwillige elsässische Arbeitskräfte nach dem Reich, vorwiegend nach Baden. Wie überall in Großdeutschland wird auch im Elsaß die Ar­beitslosigkeit zu keinem Problem werden.

Parallel dazu geht die Heimführung der evakuierten elsässischen Familien, die bei ihrer Ankunft in der Heimat von der NSV. betreut und verpflegt werden, bis meist nach wenigen Tagen ihr normales Arbeits- und Wirtschaftsleben wieder in Gang gekommen ist. Zur Zeit find 260 000 Menschen aus dem Inneren Frankreichs noch nicht zurückgekehrt und sehnen, sich nach ihrer Heimat. Wir tun alles, was in unserer

Rom, 3. September. (Europapreß.)Der Vor­marsch der italienischen Truppen in Kenia hat be­gonnen", schreibt die römische Nachmittagspresse am Montag. Mit diesem Vormarsch hätten die eng­lischen Militärsachverständigen die Antwort auf ihre Frage erhalten, nach welcher Richtung der neue italienische Angriff nach dem Fall von Berbera erfolgen werde. Wenn aber auch der italienische Vorstoß in Kenia erfolgt sei, schreibt Popolo di Roma" weiter, so sei damit nicht gesagt, daß sich die italienische Offensive a u f Kenia beschränken werde. Amtlich wurde mitgeteilt, daß ein wichttger Karawanen st ra- ßen-Knotenpunkt, der von den Engländern als Flugzeug st ützpunkt ausgebaut worden ist, unb der sich etwa neunzig Kilometer von

M o y a l e entfernt befindet, seit dem 15. Juli min­destens zehnmal von italienischen Fliegern bom­bardiert worden sei.

England hat nicht genügend Munition für seine Afrika-Truppen.

Berlin, 2. Sept. (DNB.) Die britische Regie­rung hat eine Sonderkommission nach Süd­afrika und Indien entsandt, um dort die Pro­duktionsmöglichkeiten für Munition und anderes Kriegsmaterial untersuchen zu lassen für die Ver­sorgung der Streitkräfte im Nahen Osten und östlich von Huez. Der Versorgungsminister Morrison muß damit also zugeben, daß das Mutterland heute nicht mehr in der Lage ist, aus eigenen Kräften den Mu-

Berlin, 2. September. (DNB.) Der Oberbe­fehlshaber der Luftwaffe gibt bekannt:

Auch am heutigen Tage griffen unsere Kampf- und 3agdverbände wieder feindliche Flugplätze in Südostengland an. Sie zerstör­ten Halten und Unterkünfte durch Bom­bentreffer, die zum Teil starke Brände im (Befolge hatten. Es kam dabei zu verschiedenen Luftkämpfen, in deren Verlauf unsere 3äger 86 feindliche Flugzeuge ab sch offen. 23 ei­gene Flugzeuge werden vermißt.

Der Wehrmachtsberichl vom Montag.

Berlin, 2. Sept (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Deutsche U-Boote versenkten in der Nordsee zwei britische Zerstörer. .

Am 1. September setzten unsere Kampf- und 3agdverbände die Angriffe auf Anlagen der eng­lischen Luftwaffe in Südast- England fort hallen und Unterkünfte der Flugplätze Abingdon,

Stockholm, 2. Sept. (Europapreß.)Wie ein klagendes, lärmendes, heulendes Krescendo nimmt der Luftkrieg über England von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde zu", so schreibtStockholms Tidningen".Immer 'härter stürmten die deutschen Angrifssformationen am Samstag vor." Haupt­angriffsziele seien, so schreibt der Londoner Korre­spondent des Blattes, die Flugzeugstützpunkte in den Grafschaften Kent und Surrey sowie der teilweise noch aufrechterhaltene Schiffsverkehr auf der Themse gewesen. Die Angriffe des Sams- taaabends seien die heftigsten gewesen, die die Um­gebung von London je erlebt habe. -Bomben seien an vielen Stellen abgeworfen worden, zweifellos seien auch Schäden angerichtet worden. Darüber könne er jedoch nichts sagen.

Der ständige Alarmzustand in London könne nicht ohne Einfluß auf die hauptstädtische Bevölkerung bleiben.Tag und Nacht ist London während dieser strahlend warmen Herbsttage eine Front- l i n i e. Flugzeugwerke, Flugplätze und strategische Stellungen sind nicht mehr die vorgeschobensten Linien in London. London selbst mit seinen vielen Millionen Menschen ist jene Frontlinie ge­worden, gegen die die feindlichen Flugzeuge häm-

Feinfühlige Genitemen.

Von unterer Berliner Schristleitung.

So viel die Churchill-Propagandisten ihrem Volk auch vorschwätzen und vorlügen, über eine Tatsache kommen die englischen Bürger nicht hinweg: wäh­rend die deutschen Flugzeuge am Hellen Tage mas­senweise über der Insel erscheinen, wagt seit Wochen kein Britenbomber mehr, bei Tageslicht in Deutsch­land einzufliegen! Gegenteiliges behauptet nicht ein­mal Churchill. Dies stumme Eingeständnis der Schwäche wirkt sich natürlich verheerend auf die Stimmung in England aus, es bringt darüber hin­aus auch alle anderen offiziellen Meldungen über angebliche erfochteneLuftsiege" in Mißkredit, Wenn also beispielsweise dem müden und nervösen Lon­doner zum Trost erzählt wird, daß die Royal Air Force nächtlicherweile auch über Berlin Bom­ben abgeworfen hätte, so sagt er sich mit Recht: Na, so schlimm wie bei uns wird es schon nicht sein." Der Einwohner Londons ahnt, daß die RAF. gar nicht so antworten kann, wie sie wohl möchte.

Um dieser aufdämmernden Erkenntnis in der englischen Bevölkerung Rechnung zu tragen, sind die Tinten kulis der Churchill-Diktatur auf einen neuen Dreh verfallen. Sie sagen nun, die englischen Flie­ger seien zu feinfühlig, um in diesem Duell London-Berlin Gleiches mit Gleichem zu vergel­ten. In der Heuchelsprache derSunday-Times" heißt es demgemäß, die Angriffe der Royal Mr Force auf die deutsche Hauptstadt seien wie alle ihre bisherigen Angriffeäußerst sorgfältig geplant und sttikt auf militärische Objekte be­schränkt. Wenn der Pilot sein Ziel nicht ausfindig machen könne, habe er den Befehl, feine Bomben zurückzubringen. Im Gegensatz dazu überließen die Deutschen ihre nächtlichen Angriffe ganz dem Zu­fall und würfen ihre Bomben wahllos auf Wohn­häuser und Zivilpersonen. Aber und nun kommt es das britische Gefühl spreche gegen Repressa­lien.Bomben zu werfen, nur um damit Schrecken zu verbreiten, wird hier nicht als der sich am meisten bezahltmachende Gebrauch von Bomben betrachtet."

So schreibt dieSunday-Timer" und denkt wohl nicht an das Sprichwort von dem Fuchs, dem die Trauben zu hoch hängen. Sie denkt auch nicht an die Zeugenschaft der vier Millionen Berliner, die mit den edlen Gefühlen und der militärischen Lei-

nitions- und Kriegsmaterialbedärf feiner Truppen in Afrika und im Nahen Osten zu decken, und zwar ein­mal wegen der infolge Rohstoffmangels begrenzten Produktionsmöglichkeiten seiner Rüstungsindusttie und zum anderen wegen der Sperre des Mittelmeer­weges und der wachsenden Gefährdung der anderen britischen Transportwege.

planlose Bombenangriffe ans Oberttalien und Sardinien.

Der italienische Wehrmachtsbericht.

Rom, 2. Sept (DNB.) Der italienische Wehr­machtsbericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:

Feindliche Flugzeuge haben in der vergangenen Nacht Sardinien überflogen, wobei sie planlos Bomben auf freies Feld abwarfen. Drei feindliche Flugzeuge find von der Luftabwehr abgefchoffen worden. Es hat weder Opfer, noch Materialschaden gegeben.

Andere Flugzeuge, die wiederum von der Schweiz her kamen, haben Teile von Pie­mont und der Lombardei überflogen und sind durch das sofortige Eingreifen der Abwehr in der Luft und am Boden empfangen worden. Nachdem es ihnen somit nicht möglich war, die wahrschein­lichen Ziele zu erreichen, warfen sie vier Bomben auf ein Dorf bei Varese und Leuchtraketen über verschiedene Ortschaften ab, ohne Opfer zu fordern oder nennenswerten Schaden anzurichten.

Zwei unserer Aufklärungsflugzeuge sind nicht zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt

3m Laufe des im Heeresbericht vom Sonntag gemeldeten Luftangriffes auf Tobruk ist ein Feldlazarett getroffen worden, wobei es einen Schwer verwundeten gab. Ein feindliches Flugzeug ist von der Marine-Flak abgefchoffen worden.

3n Ostafrika haben feindliche Flugzeuge An­griffe auf die 3nfel harmil (80 Meilen von Maf- faua entfernt) versucht Ein feindliches Flug­zeug ist abgeschoffen und die aus drei Mann be­stehende Besatzung gefangengenommen worden. Ein weiteres feindliches Flugzeug wurde in Afsab im Verlauf eines Luftangriffes abgefchoffen, der geringen Schaden verursachte und acht Tote unter den 3talienern und den Eingeborenen zur Folge hatte. Unsere Flugzeuge haben im Tiefflug ein feindliches Lager südlich von Marman, jenseits k a f f a l a, erfolgreich unter Maschinengewehrfeuer genommen. Aus weiteren Feststellungen ergibt sich, daß in dem im Heeresbericht vom Mittwoch ge­meldeten Gefecht von A d a r d e der Feind 22 Tote auf dem Kampfplatz zurückgelasfen hat und wir einen Panzerwagen erbeuteten.

Oie Atlantikfahrt eines italienischen!l-Bootes.

Mailand, 2. Sept. (Europapreß.)Popolo d'Italia" meldet aus Madrid, das Erscheinen eines italienischen U-Bootes im Allanttschen Ozean habe in Gibraltar großes Aufsehen erregt Man frage sich dort besonders, wieso feindliche U-Boote durch die vierzehn Kilometer breite Meer­enge von Gibraltar durchkommen können, ttotz den Spezialapparaten, die alle U-Boot-Geräusche ab­hören und signalisieren müßten.