Mittwoch. ZZanuar MV
Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. 2 Zweites Blatt
Die Jagd im Januar
Tennen.
der
sollen unsere Wildstände zur Volksernährung in
ten.
nichts
müde „Das
M er
halten.
Jetzt machte sichrer Sturm
Eine Lawine rollt
Don Iran; Stamprech
man auf d-en Heger seines Wildes.
Im Hochwildrevier hat der Abschuß infolge des
Liefert Hasenfelle und Schalenw'lddecken ob.
Zahlreiche Volksgenossen haben anläßlich der Festtage Hasen und Schalenwild geschickt bekommen. Das Hasenfell stellt ebenso wie die Decke von Rehen und Hirschen einen besonders wichtigen Rohstoff dar. Hasenhaar findet in der Hut- und Textil- fabrikatton, Reh- und Hirschfelle finden für die Herstellung von Leder Verwendung. Diese wertvollen Rohstoffe dürfen deshalb nicht in den Mülleimer
war das Lied zu Ende. Die kleine Runde sich über die Teeschalen her. die der Bergneuerlich gefüllt hatte. Draußen jagte der wild herum und immer nur von Westen
Im Oktober 1939 wären es genau 12 Jahre ge-' wesen, seitdem „Hubertus" allmonatlich an dieser Stelle über Weidmannssorgen und Jägerfreuden, über Hegermühen und Hegerlohn schreibt. Doch um diese Zeit gab es andere Sorgen und andere Mühen,1 und dazwischen jagte der Jäger auch ab und zu einmal, sei es im Niemandsland, sei es bei Weidmännern anderer Gaue, die den „jagdlos" gewordenen Kameraden in echter deutscher Jägerkameradschaft willkommen hießen. Manches sieht und hort^ man auf solcher Wanderschaft, lernt neues Wild besagen, andere Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten des Wildes kennen, aber heimlich steigt immer wieder die Erinnerung ans eigene heimatliche Revier auf. Und aus der Erinnerung und dem ihr entspringenden Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Mögen die Tage auch kurz gewesen sein, in denen Jäger und Hund wieder in alter Vertrautheit im heimatlichen Winterwald pirschten, so waren es doch Tage des Nacherlebens froher Jagdtage. Dann ruft bald ein Baum, bald eine Schneisenecke, bald eine Kanzel, bald ein Bau die Erinneruna roj-d) an gute Freunde, gute Strecke, ärgerlichen Fehlschuß, eine ungewöhnliche Beobachtung und anderes mehr. Das alles klingt noch nach, wenn man nun wieder im dicken Schnee sitzt und auf den Ruf wartet: „Sauen fest!"
Der Jäger liest im Winter in dem offen vor ihm liegenden Buch der Natur aus Fährten und Spuren, wo sich die Sauen steckten, das Rotwild wechselte, der Fuchs zu Bau fuhr oder der Marder holzte. Der weiße Leithund zeigt ihm in gleicher Weise, wo der streunende Hund jagte, die Katze schlich und wo zweibeinige „Jagdliebhaber" verdächtige Trittsiegel zurückließen. Drum hält es auch bei aller Kälte den wahren Weidmann nicht im „Bau". Denn draußen winken Weidmannsfreuden, und draußen wartet
dem Maße, das sich mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Jagden verträgt, herangezogen werden. Daneben gilt es mehr denn je, die Wildschäden auf ein Mindestmaß herunterzudrücken.
Wo das wehrhafte Schwarzwild noch seine Fährte zieht, wird man keine Gelegenheit vorüber
gehen lassen, um zu kreisen und zu jagen.
Auch das weibliche Rehwild hat mit noch Schußzeit bis zum Monatsende, Zeit um den Abschuß dort noch zu erfüllen, wo Rückstand blieb. Wo derJäger selbst seinen im Felde tut, ist es Pflicht seiner sonstigen ihm dabei zu helfen.
Der Ferdl beteiligte sich nicht an dem Gespräch, sondern horchte immer wieder gespannt in die Nacht hinaus. Er vernahm ein seltsames Geräusch, das die Gebirgler nur zu gut kennen. Irgendwo in weiter Ferne knisterte es, als drückte jemand Zündhölzchen zwischen den Fingern ab, er hörte ein dumpfes Rollen ... sollte, nein nein, die warme föhnige Luft konnte doch nicht so rasch ... Ausgeschlossen! Aber das Geräusch wurde immer besser hörbar, kam näher, und nun wandten bereits auch die übrigen Hüttengäste ihre Köpfe dem Fenster zu, wie Menschen zu tun pflegen, wenn sie ein fremdes Geräusch vernehmen.
Und wieder das Krachen, diesmal näher, viel näher.
Dr. Steilmann war aufgesprungen und wollte zur Tür hinaus. Da stellte sich die Hünengestalt des Bauern vor ihn: „Da bleiben S'! Es hat keinen Sinn, wenn Sie hinausgehen, da können S' net wettrennen, sondern nur warten, ob es kommt und wenn's kommt, wie's kommt."
Noch näher hörte man das Poltern und Krachen abgerissener Bäume. Nun wußten alle in der Hütte, das etwas Entsetzliches drohte. Der Kaufmann hielt den Wachsfetzen starr in der Hand, Polzer die Ziehharmonika.
„Sollte dies eine Lawine sein?" murmelte er kaum hörbar.
Antwort brauchte ihm keine gegeben zu werden, denn das Unheil hatte die Hütte erreicht. Ohrenbetäubender Lärm, Krachen, Poltern erfüllte den Raum, und im nächsten Augenblick brach das Gebälk der linken Hüttenseite ein. Wie ein Pendel baumelte die Petroleumlampe hin und her an der Decke. Die Insassen starrten sich entsetzt an. Nur der Bachlechner sprang blitzschnell zur Lampe und hielt sie.
„Zum Brennen darf's jetzt nicht auch noch anfangen", sagte er fast heiter. Dann ging er zur Hüttentür, stemmte sich mit ganzer Körperkraft gegen das Holz. Nur langsam gab die Tür rxach.
„Glück haben wir gchabt", sagte er dann lächelnd. ,,Ein Baumstamm, den die Lawine mitgeführt hat, hat sich quer über die Hütte gelegt, so daß der Schnee das Dach nicht eingedrückt hat. Die beiden Damen werden das Feuer auslöschen", sagte er dann sachlich. „Wir müssen haushalten mit dem Sauerstoff, vielleicht können wir ihn noch brauchen! Und die Herren kommen mit mir!"
Lilli und Marianne kamen aus der Ecke hervor, in die sie sich ängstlich gedrückt hatten. Mit Schürhaken und Schistöcken wurden die glosenden Holztrümmer erstickt. Draußen vor der Tür arbeitete bereits der Ferdl und grub einen Schacht. Mit jedem Hieb der Haue kollerte der Schnee nach, den die beiden anderen Männer nach Geheiß des Bergführers in den noch freien Winkel des Hohlraumes würfen. Plötzlich legte Steilmann die Schaufel zur
Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Der
Kitzen genug, er im Dienst Gäste,
suchen.
Jrn Waldrevier mit gemischten Beständen ist oft schon genug getan, wenn Weichholz geschlagen wird, dessen Aeste und Knospen das Wild gern annimmt. Ein Blick in solche R entertet le, wo Laubholz ge« schlagen wurde und nun die Reisighaufen auf geschichtet sind, zeigt das zur Genüge. Daneben kann der Rechen Heidekraut und Ginster oder Brombeere freilegen, so daß man in tieferen Lagen meist ohne Heu, Rüben u. ä. durchkommen wird. Wo Wildäcker vorhanden sind, erfüllen sie nun ihre Aufgabe. Der Hase ist dankbar für das Holz, das beim Ausputz der Obstbäume auf den Feldern liegen bleibt. Schneeweiß schält er diese Zweige. Bietet, ihm der Jäger im Felde nichts, so zieht es ihn unwiderstehlich zu den Kohlgärten der Dörfer, aus denen er mitunter den Rückweg nicht finden soll. Der Heger wird darum gut tun, den Lücken in Gartenzäunen seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Sie lehren ihn manchen Biedermann
Seite und riß den Hemdkragen auf. „Ich habe Atembeschwerden", sagte er tonlos, „Luftmangel ... es wird nicht mehr lange dauern."
„Reden S' keinen Unsinn", unterbrach ihn der Bergführer, „jo schnell geht es nicht. Aber wenn Sie schon jetzt rasten, kann es schon sein, daß wir allesamt in diesem Loch verrecken."
Marianne war zu den Männern getreten und nahm dem nach Atem ringenden Steilmann die Schaufel aus der Hand. Er leistete keinen Widerstand. Dann räumte sie den Schnee mit stinken Bewegungen weg. Bachlechner, der schon einen Meter über der traurigen Schar stand, lächelte. Nach dreistündiger harter Arbeit stieg er von der Höhe herab und nahm Marianne bei der Hand. „So", sagte er schlicht, „jetzt sollen die anderen me'üertun. Wir müssen ein wenig rasten."
Aber die andern kamen nicht recht vorwärts. Schon nach wenigen Minuten ließ Dr. .Steilmann wieder die Arme sinken und sagte erschöpft: „Ich kann nicht mehr". Er rang wieder nach Atem. Wortlos bezog Bachlechner seinen Platz. Er arbeitete weiter, vhne ein Wort zu sagen, und als er wieder auf den Boden bückte, bemerkte er, daß auch Marianne die Schaufel wieder schwang. Die anderen ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Steil- mann saß in der Ecke und kämpfte um Luft. Diesmal war es nicht mehr Einbildung. Die Luft lag schon dick in dem Schneegefängnis. Auch Bachlechner fühlte dies. In der nächsten halben Stunde mußte die Schneedecke durchbrochen fein, wenn es nicht schief gehen sollte. Unten hatte der tapfere Doktor zu heulen begonnen, der Kaufmann starrte noch immer blödsinnig auf die schwarze Schaufel, Lili raufte sich die Haare, und Edi blickte ununterbrochen, ohne eine Hand zu rühren, zur Höhe, wo Bachlechner hackte.
Allen saß die Kälte in den Knochen.
Aber der Bachlechner stieß ohne zu ruhen weiter. Der Schnee wurde härter. Ein gutes — ein schlechtes Zeichen? Nach seiner Schätzung war der Stollen nun sechs Meter hoch. Einen Atemzug rastetete der Bauer, und dann sausten die Hiebe wieder in die weiße Masse.
Ein Freudenrufi Marianne sah zur Höhe. In der weißen Decke, leidlich erhellt durch den Schein der alten Hüttenlampe, klaffte ein dunkles Loch, durch das eisigkalte, herrliche messerscharfe BerglUft in den Schacht stürzte.
„Mariandl, wir sind durch!" jauchzte der Bachlechner von der Höhe herab.
Die frische Luft richtete die Verschütteten auf und verlieh ihnen bald wieder das Selbstbewußtsein, das sie so rasch verloren hatten. „Na, dann hinauf!" heulte in glücklicher Stimmung Steilmann, „wie lange glauben Sie, daß wir in dieser Gruft stecken sollen?"
»Wenn es auf Sie angekommen wäre, dann
Aus der Stadt Gießen.
Jetzt wird's heller!
Die Freude beflügelt um die Jahreswende 1939/40 den Hoffnungsschrei: jetzt wird's heller! Denn die Verdunkelung hat uns dem Zustand unserer Vorfahren genähert, für die Feuer und Licht ganz unerhörte Errungenschaften waren. Die Verdunkelung hat einige Unbequemlichkeiten gebracht, aber diese reichten bei weitem nicht an die Zustände früherer Zeiten zurück. Der Lichtschalter, der so bequem ist, blieb uns erhalten ... jenes Wunderding, über das ein vor hundert Jahren gestorbener Mensch, der es sehen könnte, vor verblüffter Begeisterung wahrscheinlich gleich einen Schlaganfall bekäme.
Aber der Mensch ist nun einmal unzufrieden, und der Hinweis auf seinen vor hundert Jahren verstorbenen Urgroßvater bietet ihm einen schmalen Trost. Und darum werden wir alle ohne Ausnahme und mit ausdrücklichem Einschluß sämtlicher groß- deutschen Luftschutzwarte sehr froh sein, daß die Sonne die Verdunkelungszeit von jetzt an mächtig verkürzt. Erst geht es nur ganz langsam. Die „zwölf Nächte" des Sonnenstillstandes find erst . knapp vor dem Drei-Königs-Toge zu Ende. Insbesondere will sich die Sonne nicht zu einem früheren Aufgang entscheiden, wenn sie sich auch am ersten Januar-Sonntag, also am 7. Januar, schon 23 Minuten später zur Ruhe begibt als am 18. Dezember. Aber dann geht es stramm voran. Am letzten Sonntag des ersten Monats, am 28. Januar, ist der Tag schon um reichlich um 50 Minuten länger. In den katholischen Gegenden gibt es ein Sprichwort, das besagt: Der Bauer könne schon zu Mariä Lichtmeß (2. Februar) wieder früh genug aufs Feld gehen und spät genug zurückkommen, um einen vollen Arbeitstag hinzulegen. Anders gesprochen: die Außenarbeiten in der Landwirtschaft beginnen wieder, wenn nicht der Frost einen Strich durch die Rechnung macht. Zu Okuli, am letzten Februar-Sonntag, ist der Tag bereits 176 Minuten oder fast 3 Stunden länger, und am 31. März, also dem ersten Sonntag nach den diesjährigen Ostern, leuchtet die Sonne bereits 321 Minuten oder 51 /s Stunde länger als in unseren düsteren Tagen.
Es ist natürlich so, daß dann, wenn infolge (Einberufung von Jägern zu den Fahnen der Jagdschutz nicht so vollkommen sein kann, lichtscheues Gesindel seine Zeit für gekommen erachtet und —in oft ausgesprochen tierquälerischer Art — wildert. Deswegen ist besondere Aufmerksamkeit aller zum Jagdschutz Verpflichteten, d. h. der Jäger selbst, aber auch der Jagdschutz- und Pottzeibeamten am Platze, wenn nicht vieles Schaden leiden soll, was wir im Zeichen des Reichsjagdgesetzes mühsam und mit Angabe und Opfern aufgebaut haben.
Den wahren Hegern und Jägern ein herzliches Weidmannsheil für 1940! Hubertus.
aufgehoben ist. Sie ist heute um so wichtiger, als Fehlens von Jägern, die zu einem großen Teil die. Gefolgschaftsmitglieder durch die erhöhte Ar- unter den Fahnen stehen, vielfach noch nicht das beitszeit in den Betrieben durch den uns aufge- nötige Ausmaß erreicht. Der Januar bietet noch besonderen Ausspannung Gelegenheit, vor allem den rückständigen Kahl- : durch den Gedanken an wildabschuß durchzuführen. Daß dies geschieht,
Bergen zutteb.
Der Bachlechner ging wieder in die Hütte zurück. Dr. Ferry Steilmann hatte sich inzwischen an die Seite der blonden Dhemiestudentin gedrückt, der Kaufmann wachste seine Schi und der Student Edi Polzer neben der schlanken Kontoristin Litt spielte auf einer kleinen Ziehharmonika: „Zwei Bretteln, ein führiger Schnee, juchhe ..."
Der junge Bauer, dem dieses Liebel von all den städtischen ®fangeln noch am besten gefiel, stimmte in die Melodie ein. Er sah nicht, daß ihn ein spöttisches Lächeln des Doktors traf. Wo sollte der Bauer auch das Singen her haben ...? Nur in seinen Fäusten begann es unangenehm zu zittern, als er sah, daß sich Steilmann, dieser ausgedörrte Tintentuli, der blonden Marianne gar so näherte. Und di« ließ sich das ohne weiteres gefallen! Dabei hat das Mädel beim Aufttteg ganz vernünftig gesprochen. Ein paar Mal hatte er an besonders schwierigen Stellen die Hand gereicht, und das Mädel hat sie — so glaubte er — ganz gerne ge=
An diesem Abend gab es zunächst gar Außergewöhnliches, was die Hüttengäste auf der Höhe des Dreitausender beunruhigen hätte können. Nicht einmal der Ofen rauchte! Nur der Bachlech- ner-Ferdinand war schon zum dritten Mal innerhalb einer Stunde vor die Hüttentüre getreten und hatte die Lust eingezvgen wie eine alte Rehgeiß. Unten im Tal funkelten schwache Lichter zur einsamen Höhe empor. Dort ganz rechts lag der Hvf, das Bachlechner-Gütel, über das er schon jetzt Herr war. Und wenn er von Zeit zu Zeit ein paar Stadtleute in die Berge führte, tat er es nur den
Theodor". — Gloria-Palast (Seltersweg): ..
Lied der Wüste". — Lichtspielhaus/ (Bahnhofstraße):
zwungenen Krieg einer 1 , ..
bedurften, die ihnen nicht durch den Gedanken an ------.~ «...
wirtschaftliche Nachteile beeinträchtigt werden soll- ist heuer mehr notwendig als sonst. Denn einmal
3m Dienst des heimischen Kunsthandwerks
Am 6. und I. Januar 1940 Gaustraßensammlung.
Zum Ausgleich dafür, daß die Mitarbeiter an dem großen Werk des Führers die Feiertage ohne Sorgen verleben konnten, erfolgte diese Regelung, die auch durch die Kriegswirtschaftsverordnung nicht
wahrscheinlich für immer", sagte Bachlechner herab. Dann warf er ein Seilende herab und sagte schlicht: „Binden Sie sich an, Fräulein Marianne!"
Zwei Minuten später zwängte sich das Mädchen' durch das schmale Schneeloch ins Freie und stand auf dem Rücken der Lawine. Die Nacht war pechschwarz. Vor Marianne stand die Silhouette Bach- lechners, der zärtlich ihre Hand ergriffen hatte und sie wortlos hielt. Unten grollte Dr. Steilmann, der Kaufmann und Litt ...
Polzer, der ohne zu warten, in den Stufen des Bachlechners den Schneekamin durchfttegen hatte, steckte feinen Kopf durch das Schneeloch und sah, daß Marianne und Bachlechner verdächtig eng beisammen standen. Wenn es nicht so teuflisch finster gewesen wäre, so hätte Edi wahrscheinlich als erster gewußt, daß die Ehemiestudenttn einem tapferen, ehrlichen geraden Bauern Herz und Hand geschenkt hatte.
her. Dann und wann spitzte der Bachlechner die Ohren und lauschte nachdenklich in die Nacht hinaus. „Teufel, wenn das so weitergeht", dachte er und fügte laut hinzu, „Tauwetter wird kommen
Das Wort Tauwetter wurde zum Stichwort für einige Episoden und Schierlebniste. Jeder von den Männern war angeblich schon einmal in großer Gefahr gewesen und wäre sicherlich darin umgekommen, wenn er nicht durch Geistesgegenwart usw. usw. Besonders Dr. Steilmann schilderte packend ein Erlebnis nach dem andern, vor allem einen Wettlauf mit einer Lawine, in dem er Sieger btteb. Litt und Marianne blickten begeistert auf den jungen Doktor. Ja, der war stark, dem konnte man derartiges zutrauern
Um die Monatsmitte geht die Schußzeit auf den Hasen zu Ende. Dis dahin finden noch die letzten Treibjagden statt, und dann können die Ueberleben- den aus der Sippe Mümmelmanns stolz zurückblicken auf die hinter ihnen liegenden Wochen. Denn kaum ein Tier erfreute sich in ihnen solcher Wertschätzung wie der „martenfreie" Hase. Seinen Ruf, das wichtigste Jagdtier zu sein, hat er auch in dieser Hinsicht glänzend gerechtfertigt!
Während die Nutzwildjagd immer mehr zurücktritt, erreicht die Jagd auf das Raubwild ihren Höhepunkt. Denn nun sind die Bälge und Schwarten am hochwertigsten. Wo die Spur Reinekes gleich einer Perlenschnur durch Forst und Flur zieht, gesellt sich bald eine zweite hinzu, die Baue aber sind zertreten, überall stehen die Trittsiegel des Fuchses im Schnee, die Rollzeit ist da. Damit ist die schönste Zeit für den Baujäger gekommen, der nun mit Terrier und Teckel die Hochzeitsgesellschaft aus dem Bau zu sprengen sucht. Aber auch sonst bieten sich dem Waidmann gar viele Möglichkeiten, den Roten zu jagen. Früh bringt ihn bei hohem Schnee der Hunger auf die Läufe, Hasenquäke, Mäusepfiff oder Bogelangstruf täuschen ihm willkommene Beute vor und lassen ihn leichter zustehen. Bei Schnee läßt er sich in der Dickung bestätigen, und es ist dem Revierkundigen leicht, ihn auf einen bestimmten Wechsel zu drücken, besonders wenn die anderen Pässe noch verkappt werden. Jedenfalls ist ein guter Winter fuchs immer eine hochwillkommene Strecke.
Auch der Dachs kann auf dem Bau bis zur Monatsmitte noch besagt werben. Dann aber ist
Schluß. Denn di« Zeit ist nicht fern, in der bitt ersten Jungdächse gebracht werden.
Der Januar gibt auch unsere Edelpelztrage r, den Edel- und Steinmarder, dem Jäger noch frei. Bei einer Neuen ausgegangen oder in der Knüppelfalle überlistet erfreuen sie das Weidmann sh erz.
Still geworden ist es um das Federwild, von dem eigentlich nur noch der Fasan in Frage kommt. Aber auch sein Abschuß sollte eigentlich durchgeführt fein. Gerade das Federwild leidet in strengen Wintern besonders stark, und deswegen sollte die Hege vor die Jagd treten.
Die Hege muß sich im Januar einmal auf Fütterung und zum anderen auf Jagdschutz erstrecken. Gerade bei der Fütterung darf man nicht vergessen, daß wir im Kriege leben und daß hochwerttge Futtermittel unseren Haustieren gehören, da das Wild ganz anders in der Lage ist, natürliche oder weniger wertvolle Nahrungsquellen auszunutzen.
Für das Federwild werden überall, wo es nicht geschahen sein sollte, einfache Fütterungen, Schutzdächer, Schneeschirme in Hecken u. ä. anzulegen sein, unter denen Heublumen und Druschabfall geschüttet werden. Auch Kohlblätter, Rüben und Kartoffeln werden angenommen. Es darf nicht wieder vorkommen, daß, wie im vorigen Kriege, ganze Fasa- nenbestände deswegen eingehen, weil es keinen Mais gibt. Den haben wir in den letzten Friedens- jahren auch nicht oder kaum gehabt, und überall, wo wir uns Mühe gaben um Futterabfälle, den Fasan trotzdem durchgebracht. Die Fütterungen müssen so liegen, daß sie gegen Räuber aus oer Luft gesichert sind. Meist bieten sie bann zugleich auch Windschutz, den die Hühner besonders gern auf
werk und erfüllt damit auch eine kulturelle Verpflichtung. Die Kunstharzabzeichen werden zum großen Teil noch von Heimarbeitern und in Klein- industriewerken hergestellt. Es ist kaum vorstellbar, durch wieviel geschickte und fleißige Hände ein einziges WHW.-Abzeichen gehen muß, bis es seine endlich vollendete Form erhalten hat. Von der Bedeutung eines solchen Auftrages für unsere heimische Industrie und unser heimisches Kunsthandwerk mögen folgende Zahlen Zeugnis ablegen: Der Auf- trag des Gaubeauftragten für das Kriegs-WHW. beläuft sich auf 1200 000 Wzeichen; 8000 Stangen Edelkunstharz mit einer Länge von 25 Zentimeter und im Gesamtgewicht von rund 2500 Kilo wurden verarbeitet. Durch die Herstellung der 1 200 000 Abzeichen fanden rund 800 Volksgenossen etwa vier Wochen lang Arbeit.
Alle Volksgenossen unseres Gaues Hessen-Nassau werden die Bedeutung der Gaustraßen sammlungen längst erkannt haben. Daß der Erfolg im Kriegs- Winterhilf swerk noch größer als früher fein muß und fein wird, verbürgt die immer bewährte Opferbereitschaft.
„Hurra! Ich bin Papa!".
Lohnzahlung anWeihnachten!939 und Neujahr 1940.
NSG. Der Beauftragte für den Vierjahresplan, Generalfeldmarschall Göring, hat am3. Dezember 1937 angeordnet, daß für die Arbeitszeit, die infolge des ersten und zweiten Weihnachtsfeiertages, sowie des Neujahrstages, sofern diese Tage nicht auf einen Sonntag fallen, den Gefolgschaftsmitgliedern der regelmäßige Arbeitsverdienst zu zahlen ist. Das gleiche gilt für die als Heimarbeiter Beschäftigten. Wird an diesen Tagen gearbeitet, so ift der Betriebsführer verpflichtet, die geleistete Arbeit mit den tariflichen Zuschlägen für Feiertagsarbeit zu bezahlen.
Lorbeer.
Bühnenheldinnen, die zugleich tüchtige Hausfrauen sind, gibt es nicht viele. Wilhelmine Schro- der-Devrient war nicht nur groß auf den Brettern, sondern auch groß am Kochherde, eine gewiegte und perfekte Hausfrau, in allen Zweigen des Haushaltes wohlerfahren und bewandert.
Als sie ihrem Gatten, Herrn von Bock, nach Kurland gefolgt war, kam sie eines Tags in ein Zimmer, das eben von einem dienstbaren Geist sehr nachlässig gescheuert worden war. Entrüstet rief sie aus: „Pfui, das heißt hierzulande Zimmer scheuern? Ick) will dir zeigen, wie man in Deutschland scheuert! Sprach's, schürzte sich das Kleid hoch auf, streifte den Aennel weit empor, kniete auf den Boden nieder und bearbeitete diesen so gründlich, daß es eine Art hatte.
(Ein andermal kam sie in die Küche, um „fürchterliche Musterung" zu halten und besonders die Soße zu einem für den Mittag bestimmten Sauerbraten zu kosten. Sie kostete, kostete und schüttelte unbefriedigt den Kopf. Endlich sagte sie: „Braten, dir fehlt noch etwas, aber ich kann nicht darauf kommen, was ... Halt, jetzt habe ich's. Lorbeerblätter her, geschwind!" ,r
Doch da war guter Rat teuer. Die Sveisekammer bot diese Svezerei nicht, und aus der Nähe war sie nicht zu beschaffen. Doch die wackere Schröder-De- orient wußte Rat. „Vorwärts!", rief sie der Köcknn zu, „gehen Sie in die grüne Stube, da werden Sie eine Kiste finden und in derselben alle meine Lorbeerkränze. Bringen Sie also ein Ding her, damit es doch noch zu etwas gut ist!"
Und es geschah so. Mit einem Lorbeerkranz der Bühnenheldin ward die Soße zum Sauerbraten gc- würzt, und sie schmeckte dem Gatten vortrefflich.
Ferdinand Silbereisen«
NSG. Alljährlich wird im Januar in unserem Gau eine Straßensammlung des Winterhilfswerkes durchgeführt, die im Gegensatz zu den Reichsstraßen- fammhingen unabhängig von den Sammlungen anderer Gaue ist. Dieser Gauftraßensammlung kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die zum Verkauf kommenden Abzeichen einer notleidenden heimischen Industrie in Auftrag gegeben werden. Für den Gau Hessen-Nassau kommt, wie schon öfter bisher, das Kunsthandwerk der Elfenbeinschnitzer im Odenwald in Frage.
Wir erinnern uns alle noch der bunten, ansprechenden Kunstharzblüten, die im letzten Jahre zum Verkauf kamen und allgemeinen Anklang fanden. Dieses Mal bringt das Winterhilfswerk eine Serie von Haustieren heraus. Da find ein Drahthaarfox, ein Pfau, ein schmucker Hahn, eine (Ente und eine Schwalbe. Außerdem kommen noch zwei beliebte Figuren, Schornsteinfeger und Schneemann, hinzu. Weitere fünf Abzeichen stellen Tanks, Geschütze, Schifte und Flugzeuge dar.
Das Kriegswinterhilfswerk fordert durch die Gaustraßensammlung am 6. und 7. Januar ein schon seit Jahrhunderten in hoher Blüte sichendes Hand-


