Ausgabe 
2.9.1940
 
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OJL-tfport

6. Vereichs-Kanu-Staffelmeisterschast

nahm der Bereichs- Walter Gutacker,

Funk- und Fernsprechanlage der Rennen bedient.

Am Schluß des Rennens wart für den Kanusport,

der besseren Zusammenarbeit verdient piit 13:8 ge­winnen konnten. Das Spiel brachte viele spannende Momente.

Bei den Pflichtspielen gab es eine Reihe von Ausfällen. W.-Niedergirmes, Klein-Linden und Launsbach traten aus nicht verständlichen Gründen nicht an. Sie haben unter diesen Umständen nicht nur wichtige Punkte verloren, müssen vielmehr auch mit exemplarischen Strafen rechnen. Zum Austrag kamen: Tv. Krofdorf Tv. Beuern 15:6 (6:4), Tv. Dutenhofen Tv. Lützellinden 6:11.

In Krofdorf kam wieder einmal mehr die derzei­tige Spielstärke der einheimischen Mannschaft zum Vorschein, die Gäste, die selbst als recht gut be­kannt sind, hatten nicht viel zu bestellen. Eine Halb-

ben des Ausschusses soll alle Grünberger Soldaten, Arbeitsmänner, Eisenbahner, Beamten und Rote- Kreuz-Helferinpen auffordern, brieflich mitzuteilen, wie sie den Gallusmarkt draußen verleben und welche Gedanken sie dabei bewegen. Die eingehen­den Antworten sollen gesammelt und als Erinne­rungsstücke dem städtischen Archiv einverleibt wer­den.

Schweinemarkt in Alsfeld.

* Alsfeld, 2. Sept. Aus dem heutigen Schweinemarkt standen 177 Ferkel zum Ver­kauf. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 25 bis 30 RM. pro Stück. Das Geschäft war ziemlich flott, es verblieb geringer Ueberstand.

Mit dem Rekordergebnis von 13:0 (8:0) endete am Sonntag in Leipzig vor 35 000 Zuschauern der Fußball-Länderkampf zwischen Deutschland und Finnland. Einen zahlenmäßig so hohen Sieg hat es schon lange nicht mehr gegeben. Dieser Erfolg ist bisher nur einmal übertroffen worden, und zwar vor 28 Jahren beim Olympischen Fußballturnier in Stockholm, wo am 1. Juli 1912 Deutschland über Rußland 16:0 siegte. Der Kampf in Leipzig stand unter der eindeutigen Ueberlegenheit der starken deutschen Elf. Beide Mannschaften traten wie folgt an:

Deutschland: Klodt; Schneider, Moog; Kupfer, Dzur, Kitzinger; Plenen, Hahnemann, Wal­ter, Conen, Arlt.

Iußball-Länderkamps Deutschland - Finnland 13:0 (8:0).

reit lang konten sie stondhalten, kamen dann aber immer mehr ins Hintertreffen und mußten schließ­lich eine hohe Niederlage einstecken.

Dutenhofen war diesmal nicht bei der Sache. Die Mannschaft, die in letzter Zeit verschiedeittlich gute Spiele lieferte, war vollkommen durchgedreht. So nur ist es verständlich, daß sich Lützellinden nach und nach eine klare Feldüberlegenheit verschaffen konnte und daß das Spiel mit einer deutlichen Niederlage endete.

Deutsche Gewichtheber-Melsterschasten in Alsfeld.

Die deutschen Meisterschaftskämpfe der Gewicht­heber wurden am Sonntag in Alsfeld mit den Ent­scheidungen im Feder-, Leicht- und Halbschwergewicht zu Ende geführt. In allen Klassen blieben die Titel­verteidiger siegreich, also Richter (Wien), Jansen (Essen) und H a l l e r (Wien). Die Ergebnisse:

Federgewicht: 1. Richter (Wien), 287,5 kg (Drücken 77,5 kg, Reißen 90 kg, Stoßen 120 kg); 2. Junks (Trier), 262,5 kg (75 + 82,5 + 105); 3. Kretschmar (Kiel), 252,5 kg (72,5 + 77,5 + 102,5); 4. Mühlberger (Frankfurt a. M), 250 kg (70 + 80 +100); 5. Gletki (Wilhelmshaven), 247,5 kg (72,5 + 75 +100). Leicht: 1. Jansen (Essen), 332,5 kg (97,5 +102,5 +132,5); 2. Schwitalle (Breslau), 320 kg (100 + 95 + 125); 3. Hermann (Wien), 310 kg (92,5 + 97,5 + 120); 4. Rettenbach (Wien), 300 kg (90 + 90 + 120); 5. Gerstner (Wilhelmshaven), 300 kg (85 + 95 + 120). Halbschwer: 1. Haller (Wien), 357,5 kg (102,5 + 115 + 140); 2. Gietl (München), 352,5 kg (112,5 + 107,5 + 132,5); 3. Szabados (Wien), 345 kg (105 + 102,5 + 137,5); 4. Ortlieb (Augsburg), 320 kg (97,5 + 95 + 127,5); 5. Gim- mersthal (Magdeburg), 307,5 kg (90 + 92,5 + 125).

Am gestrigen Sonntag fand in Gießen auf der Lahn die 6. Bereichs-Kanu-Staffelmeisterschaft statt. Die Rennen wurden unter Leitung des Bereichs- fachwartes für den Kanusport, Walter/G u t a ck e r, Kassel, und, dem stellvertretenden Bezirksfachwart und Gemeinschaftsführer der Paddlergilde Gießen, Dr. Schwarzmaier, Gießen, vom Bootshaus der PaMergilde Gießen aus abgewickelt.

Es hatten sich Paddler aus Kassel, Marburg, Hanau und Gießen eingefunden und in zähem Wett­streit die Besten unter sich ausgemacht. Die Kassela- ner brachten mit ihrer Renngemeinschaft (Kasseler Kanu-Club 1921 und Paddelsport Kassel) eine starke Mannschaft an den Start, die in der Klasse A (Renn-Faltboot) einen sicheren Sieg nach Hause fuhr und damit in chrer Klasse Bereichskriegsmeister wurde. Die Hanauer belegten den zweiten Platz. Gleich zu Beginn dieses Rennens gingen die Kasse- laner in Führung und behielten sie bis ins Ziel, obwohl das letzte Boot der Hanauer ziemlich aüf- holte, aber an der bereits vorher gefallenen Ent­scheidung nichts mehr ändern konnte.

In der Klasse B (Wanderfaltboot) fuhren die Marburger und Gießener Paddler gegeneinander. Dieser Wettkampf sah nach dem 1. Boot die Mar­burger an der Spitze, die von ihnen gehalten wurde, und die das Nennen als Sieger beendeten.

Die Staffelstrecke ging über zusammen 20 Kilo­meter, von denen jedes Boot 5 Kilometer zu fah­ren hatte. In Klasse A und B fuhren je 2 Einmann-

Finnland: Sarnola; T. Asikainen, Karjagin; Heinonen, Lahti, V. Asikainen; Weckström, Gran- ström, Karhu, Teräs, Lchtinen.

Mit dem deuffchen Antritt wirbelten die deut­schen Stürmer durch die finnischen Reihen, wie man es bisher kaum jemals vorher gesehen. Un­sere Elf benötigte nicht eine Minute zum Sammeln, vielmehr spielte die Mannschaft wie aus einem Guß. Die Finnen wurden sofort in die Abwehr ge­drängt und blieben immer mehr in den Maschen und Fäden des meisterhaft genauen und technisch großartigen Spiels der Deuffchen hängen. Dazu kam, daß die Stürmer von ihrer Schußkraft reichlich und erfolgreich Gebrauch machten. Vor allen Dingen war es der Wiener Hahnemann, dessenTorhunger"

Kassel, die Siegerehrung in der üblichen Form vor. Die in allen Teilen wohlgelungene Veranstaltung fand ihren Abschluß mit dem Gruß an den Führer. Nachstehend die Ergebnisse:

Klasse A (Renn -Faltboot) Strecke 20 Kilometer (je 4 Boote je 5 Kilo­meter): 1. Sieg und Bereichs-Kriegsmeister: Renngemeinschaft Kassel (Kasseler Kanu-Club 1921 und Paddel-Sport Kassel, mit den Fahrern Fey, Schindehütte/Roddewig, Strippel, Winter/Rie- mann) 1.46.18,1 Stunde; 2. Paddlergilde Hanau mit den Fahrern Bartel, Ruppel/Kliffch, Fehlauer, Zün- del/Schütz 1.46.57,9 Stunde.

Klasse B (Wanderfaltboot) Strecke 20 Kilometer (je 4 Boote je 5 Kilo­meter): 1. Sieg: Marburger Kanu-Club mit den Fahrern Ochs, Hermann/Sondermann, Kaphingst, Pawlowski/Schüler 1.55.23,8 Stunde; 2. Vaddler- gilüe Gießen mit den Fahrern Falkenhainer, Würzl/ Riedel, Büttner, Weber/Schäfer 1.58.41,8 Stunde.

Boote und je 2 Zweimann-Boote. Für die Nach­richtenübermittlung vom Ziel bis zur Wende an der Einmündung des Gleibaches in die Lahn (2,5 Kilo­meter oberhalb des Bootsplatzes der Paddlergilde) hatte die Nachr.-HJ. vom Bann 116/Gießen eine gebaut und während

Unentschieden auf dem Waldsportplah.

Die Stimmen, die auf Grund der letzten Ergeb­nisse der Teutonen von einem Formrückgang der Mannschaft sprechen zu können glaubten, wurden im Spiel gegen die VfB.er eines Besseren belehrt. Wohl muß 'zugegeben werden, daß das technische Können nicht mehr auf der hohen Stufe früherer Jahre steht bei welcher Mannschaft ist das nicht der Fall demgegenüber aber sind der Kamvfgeist und der Siegeswille gleich geblieben. Spielerisch ge­sehen hatten die Grümveißen mehr Torgelegenhei­ten herausgespielt, als die Gäste. Aber was nützen nicht verwertete Torchancen? So kam es, daß bei Ablauf der 90 Minuten die Steinberger noch mit 2:1 Toren in Führung lagen und erst in der ersten Minute der zwei Minuten langen Verlängerung der Ausgleich fiel. Zur Würdigung der Leistungen beider Mannschaften sei nur gesagt, daß jeder ein­zelne bis zum Letzten kämpfte.

Dem Schiedsrichter Schmidt (Dillenburg), der wie gewöhnlich sehr großzügig leitete, stellten sich folgende Mannschaften: Watzenborn-Steinberg:

Burger Buß Fett Burger Hinz Martini Buß Bernhardt Schmidt Heil Harnisch

Schlitz Funk Gröning Kramer Ehmann Nikolei Kramer II. Mattern Fleischhauer Schlitz

Gießen: Rohn

Bei den Gießenern fehlten Hofmann und Anton; das Fehlen des letzteren dürfte dafür mitbestim­mend gewesen sein, daß sich die Gastgeber das halbhohe Spiel der Gäste aufdrängen ließen. Die Steinberger hatten Anstoß, der jedoch abgefangen wurde. Im Gegenzug schoß Gröning daneben. Auf der Gegenseite schoß Schmidt überraschend, jedoch ohne Erfola. Auf eine Flanke von rechts fiel das erste Tor für Gießen. Die Freude dauerte jedoch nicht lange, denn einen scharfen Schuß konnte der Gießener Hüter nur hinter der Linie abwehren. Hierdurch kamen die Steinberger etwas in Vorteil im Mittelfeld. Als dem zurückgekommenen Kramer ein Rückzieher mißglückte, schoß der Halblinke den zu­rückprallenden Ball entschlossen zur 2:1-Fuhrung für Steinberg ein. Trotz aller Bemühungen änderte sich dieser Stand bis zur Halbzeit nicht mehr. Nach Wiederbeginn spielten die Steinberger fast durch­weg defensiv, ohne jedoch durch blitzschnelle Durch­stöße an Gefährlichkeit einzubüßen. Eine hierdurch bedingte Ueberlegenheit der Platzbesitzer konnte nicht zu Toren ausgewertet werden. Immer wieder war ein Bein eines Spielers das Hindernis, das nicht überwunden werden konnte. In der Verlängerung war es dann Gröning vergönnt, eine Flanke von rechts, die von Kramer geschickt weikergeleitet wurde, einzuköpfen und hierdurch wenigstens einen Punkt zu retten.

Oer Handballsonntag.

Die Mannschaft des Tv. Hochelheim trat im Rah­men des Sporttages der Gemeinde Garbenteich gegen die neu zusammengestellte Mannschaft der Sportgemeinde Garbenteich an und gewann gegen die eifrig spielenden Einheimischen klar mit 19:7 (8:3). Wenn auch hier und da Härten aufkamen, so haben die alten Kameraden aus Garbenteich doch bewiesen, daß sie noch spielen können. Gegen die überragende Spielweise der Meistermannschaft aus Hochelheim war dagegen nicht anzukämpfen.

In Hörnsheim standen sich Hörnsheim und Dorn­holzhausen gegenüber, das die Einheimischen dank

Vrehmarkt joll, wie üblich, aus der Lehmkaute statt­finden, während der Krämermarkt innerhalb der Stadt, auf Markt- und Kirchenplatz nebst angren­zenden Straßen, abgehalten werden soll. Für Be­schickung des Juxplatzes, wovon man im vorigen Jahre abgesehen hatte, soll diesmal Sorge getragen werden. Weitere Veranstaltungen, wie Platzkonzerte auf dem Marktplatz sowie unterhaltende und ge­sellige Darbietungen in der Turnhalle sind vorge­sehen. Aehnlich wie beim vorjährigen Gallusmarkt der Ausschuß Schreiben an alle im Felde stehenden Grünberger sandte, soll auch diesmal der Gallus­markt, das Grünberger Heimatfest, Anlaß bieten, in Verbindung mit all denen zu treten, die diesen Tag fern der Heimat verbringen müssen. Ein Schrei-

Oer Narvik-Schild.

Der vom Führer gestifteteNarvik-Schild" enthält, von dem Hoheitszeichen gekrönt, Edelweiß, Anker und Propeller. Er wird nur zur Uniform aetragen, und zwar für Heer und Luftwaffe silberfarben, für die Kriegsmarine goldfarben, von allen, die an der Landung in Narvik ober in den Kämpfen der Gruppe Narvik ehrenvoll beteiligt waren. Im Auftrage des Führers erfolgt die Verleihung durch den Befehls­haber der Gruppe Narvik, General der Gebirgs­truppen Dietl. (Scherl-Bilderdienst-M.)

an diesem Tage kaum zu stillen war. Ausgezeichnet die Läuferreihe, in der Dzur in der Mitte aufmerk­sam, schnell und sicher spielte und dadurch hinter der wieder großartigen Leistung von Kupfer und Kitzinger kaum zurückblieb. Der Mannheimer Ver­teidiger Schneider rechffertigte seine Berufung zur Nationalmannschaft. Neben ihm machte der Köl­ner Moog eine sehr gute Figur. Klodt im Tor hatte sehr wenig Arbeit und mußte während der ersten 45 Minuten Überhaupt nur einen schweren Schuß meistern.

Das Glanzstück der deuffchen Mannschaft war der Jnnensturm mit Hahnemann, Walter und Conen. Die beiden Außenstürmer Plenen und Arlt fielen gegen dieses großartige Terzett etwas ab, schmäler-

Schicki illustrierte an die Front!

Der Frontsoldat wird dafür dankbar sein.

len aber keineswegs den Eindruck einer abgerun­deten, reifen Leistung. Hinter dem schlagstarken deut­schen Angriff stand eine genaue, hervorragende Deckung, in der Kupfer und Kitzinger erneut ihr überragendes Können ausstrahlten. Der Mittel­läufer Dzur gab bei seinem ersten Spiel in der Nationalelf eine gute Vorstellung; Finnlands Stür­mer wurden bereits von dem Dresdener beim Auf­bau ihrer Angriffe wirkungsvoll gestört. Das Schlußdreieck KlodtSchneiderMoog stand vor keiner schweren Aufgabe, denn die Finnen waren nicht in der Lage, unsere Neulinge auf ihren wah­ren Wert hin zu prüfen.

Bei den Finnen klaffte zwischen Angriff und Deckung eine riesige Lücke, die von den Außenläu­fern Heinonen und V. Asikainen nie geschlossen wer­den konnte. Der Mittelläufer Lahti hatte dadurch die Hauptlast der Abwehrarbeit zu tragen; es muß ihm bescheinigt werden, daß er sich als sehr nützlich und als der beste finnische Spieler erwies. Sehr tapfer schlug sich auch der bessere Verteidiger T. Asikainen, der zusammen mit seinem Kameraden Karjagin von den Deutschen kaum eine Minute in Buhe gelassen wurde. Der finnische Torwart wies Licht und Schatten in gleichem Maße auf; er hielt einige Bälle wunderschön, stand aber zuweilen re­gungslos auf einem Fleck.

WWsMsb«

Roman von Helene Kalisch

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Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

6. Kapitel.

Zwei Tage lang reden Bergholz und seine Frau fast nichts miteinander. Der letzte Auftritt, der an Heftigkeit alle vorangegangenen übertraf, hatte zur Folge, daß sie sich beide sagten:So darf es nicht weitergehen."

Bergholz ist über sich selbst erschrocken und be­unruhigt. Was ist los mit ihm? Wo sitzt der Riß, der Fehler, der bewirkt, daß die Bremse nicht mehr gehorchen will, mit der er die nötigen Hemmungen einzuschalten hat, wenn üble Gewalten ihn in einen verderblichen Schwung reißen. Niemals hätte er die Möglichkeit zugegeben, gegen eine Frau tätlich wer­den zu können. Das sei gegen seine Natur, hat er. gemeint. Da es fast oder vielmehr tatsächlich dazu gekommen ist, muß er sich selbst wohl anders sehen als bisher. Diesmal brennt nicht nur Be­schämung in ihm wie oft schon, wenn er bei den endlosen Reibereien um seine Selbstbeherrschung kam und die Haltung verlor. Unsicherheit ist in ihm und ein beinahe unheimliches Gefühl. So erwägt er gar nicht, was ihn zu dem Wutanfall getrie­ben hat. Jede Belanglosigkeit kann das ja wie­der bringen. Aber daß es geschehen ist unb sich wiederholen kann, steht als droyendes Wamungs- Zeichen vor ihm.

Und darüber ist auch Erna am meisten erschrocken. In ihr duckt sich etwas in leiser Furcht. Das hat sie nicht erwartet. Was sie gegen ihren Mann auf­bringt, sie immer von neuem treibt, ihn bis aufs Blut zu reizen, ist nichts als Gegenwehr. Sie fühlt, daß er ihr entgleitet. Ihre Verliebtheit ist wie die vieler Menschen im Grunde Eigenliebe, ist Geliebffeinwollen. Sie kämpsl auf ihre Weise um den Mann, um ihr Besitzrecht an ihn. Sie fühlt jetzt aber, daß sie den Bogen überspannt hat. Bis­her war es für sie ungefährlich, bei aufbrennenbem

ternehmen gemeinsam fortsetzt. Bergholz ist davon nicht gerade entzückt, obwohl er Dreyer als feinen, klugen Menschen schätzt. Abek der alte Herr hört schwer und leidet außerdem an einem Sprachfehler. Bergholz seufzt dem unversehens abgekürzten Allein­sein nach, das ihm wohlgetan hat, und nach einer Viertelstunde sucht er heimlich nach einem Vorwand, sich der etwas anstrengenden Unterhaltung zu ent­ziehen. Wie er dabei einen Blick umherschweifen läßt, findet er sich vor einem bekannten Hauseingang. Er b eibt stehen und müht sich, dem anhänglichen Be- gletter beizubringen, daß er hier im Hause noch einen Besuch machen muß. Es vergeht noch eine Weile, ehe er den stotternden Geheimrat los wird.

Dann steigt er die Treppe zu Käte Webers Woh- nung empor. Seit dem Tode ihrer Mutter vor zwei Jahren ist er nicht mehr hier gewesen.

t Kisidheits- und Jugendfreundschaft mit Kate Weber ist aus dem freundschaftlichen Verkehr ihrer beiden Mütter entstanden. Die feinige war ein paar Jahre früher als Frau Weber gestorben, fordern hatte er noch zwei- oder dreimal hier bei Kate unb ihrer Mutter einen Besuch gemacht.

Kate wird staunen, denkt er, und zugleich fällt ihm ein daß er sie ja vor einigen Tagen in der Oper getroffen hat. Das hat er vergessen. Bereits an dem Opernabend war ihm kein Gedanke mehr an die Jugendgefährtin gekommen. Eigentlich hätte er sich nach dem Schluß der Vorstellung nach ihr zumal sie fast den gleichen Heim- hEe er anderes im Sinn Sn w' W " 6inm $ormanb feinen ©r läutet an der Tür. Käte öffnet selber. Sie ist « en< ^rügend in sein Gesicht i h,e;^anhA bie eT if)r gereicht hat, eine ter $ -et 'A.ff^tsich bat dein überraschen- ber Besuch fernen schlimmen Anlaß", sagt sie biArJd>Uk ben Kopf.Es kommt auf

fchümm oder unerheblich nennen wwft Um ganz ehrlich zu fein: Ich habe mich so- ±3 ernem etwas lästigen Begleiter frei ae-

So weht dich nur ein Zufallswind zu mir her? TrM^ähn " ui ich dein Kommen, Hans!

* (Fortsetzung folgt.)

Neumann zählen. Erna kann sich noch immer wie ein Backfisch auf eine Tcmzerei, ja auf jede« Ver­gnügen freuen. Alle Unwetterwolken scheinen ver­flogen. Jrn Auto, während der Fahrt zum Festsaal, lacht und schwatzt sie ununterbrochen.Sie ist wie ein Kind", denkt Bergholz,das erbost der Puppe den Kops abreißt und in der nächsten Minute wieder eifrig und zärtlich mit ihr spielt." Und er fühlt: Das tjt bas Schlimmste! Dagegen kann man nicht kämpfen.

Die Festlichkeit ist leidlich und ohne neue Frie- densstörung verlaufen. Erna sieht hübsch aus in ihrem blaßgrünen Kleide aus Seidenkrepp. Die zu meist reichlich angejahrten Kavaliere, aber auch die jüngeren Herren unffchwärmen sie, und das gefällt 'hr sehr. Sie strahlt vor Vergnügen. Ihre manchmal recht schwach begründete Lustigkeit mag wohl einer urwüchsigen, unverlierbar in ihr veranlagten Le­bensfreude entquellen. Sie verleiht ihr eine, gewisse Grazie. Daneben eine sauertöpfische Miene zur ^Jr?0en' märe stilwidrig. Bergholz gibt sich redliche Muhe es nicht zu tun, und fügt sich dem Rahmen em. Aber das ist auf die Dauer anstren- gend. Und harmlose Fröhlichkeit kann man sich nicht abzwingen, man kann sie höchstens eine Weile vorspiegeln mit mehr oder weniger Erfolg.

Am Sonntagoormittag ist es still in der Woh­nung Das Kommen und Gehen der Patienten fehlt, das wochentags Unruhe bringt. Erna schläft

Bergholz nimmt die seltene Gelegenheit zu einem r£a31^Sn9 mahr. Seltsam mutet ihn die sonntäg- liche Stille in den Straßen an. Er geht gemächlich, ohne Ziel, und kommt sich vor, als sei er verreist. Ohne es zu beabsichtigen, kommt er in den Tier-

M:t tisftn At-mzÜgm saugt er bie feuchte Kuhle m sich hmem. Sie belebt unb erfrischt Um ®-,.ro.an«irt. durch stille, abseitige Parkwege unb nähert fid) im Bogen wieder dem Hansaviertel. Da chwenkt von der anderen Straßenseite her ein Herr leinen breitrandigen Hut. Geheimrat Dreyer fft's ,Ckm^Len£' rberr-ki4 s-itabstänben von

b9^^elü taV' V°.rgh°lz hasst, daß er vorbei- gebt Aber nein, der alte Herr steuert mit Seiten- wind auf ihn zu

Gr gefjt aud} fpa^eren. Als er vernimmt, daß Bergholz das gleiche tut, scheint er es für eine Selbstverständlichkeit zu halten, daß man das Un-

Streit die Flammen zu schüren, zumal sie weniger unter den Zerwürfnissen litt und die heftigen Auf­tritte besser und ohne Nachwirkungen vertrug. Jetzt aber ist sie in der Sicherheit und Unbedenklichkeit ihres nur vom Gefühl und Trieb geleiteten Wesens ein wenig erschüttert. Und deshalb läuft sie diesmal nicht gleich wieder klageführend ins Elternhaus, wie sie es sonst tat. Es ist ihr doch ein bißchen peinlich, daß es am gleichen Abend nach dem kaum beigeleg­ten Zwist zu einem neuen heftigen Auftritt gekom­men ist, wenn sie sich auch keineswegs die Schuld daran zumißt* das tut sie grundsätzlich nie.

Nur das Unumgänglichste haben sie während der zwei Tage miteinander gesprochen. Bergholz fühlt sich nach der Tageszeit ungewöhnlich müde. Nach Dem Abendessen zieht er sich in sein kleines, neben dem Behandlungsraum liegendes Arbeitszimmer zurück, weil ihn das verdrossene, lähmende Schweigen Ernas quält. Die Blicke seiner Frau, die oft sein Ge­sicht, seine Augen suchen, sind ihm unangenehm. Er weiß nicht, was in ihr vorgeht, mutmaßt aber, daß sie diesmal nicht nur zürnt, trotzt und schmollt, son­dern daß sie jetzt vielleicht von Empörung und Zorn zu Erwägungen getrieben wird, die sich mit der Frage der Lösung eines für sie beide immer uner­träglicher werdenden Zustandes beschäftigen. Da be­ginnt Erna am dritten Tage, am Samstagmorgen, ganz gemütlich zu plaudern, als lebten sie in schön­ster Einigkeit. Sie macht das öfters so und tut sich etwas darauf zugute, nicht nachtragend zu sein, ein versöhnliches Gemüt zu haben. Aber es steht dann meist eine Ueberlegung oder Berechnung dahinter.

So auch diesmal. Sie spricht von einem Stiftungs­fest, das am Abend gefeiert werden soll. Der Mann starrt sie erst an, als rede sie chinesisch. Soll das wieder das Endergebnis eines mehrtägigen inneren Kampfes, vieler bitterer Selbstvorwürfe und innerer Auflehnung sein, daß man miteinander zu einem spießigen Vereinsball geht?

Gallig bittere und ironische Worte drängen sich ihm auf die Zunge, über er schluckt sie hinunter und fragt nur:Liegt dir denn so viel daran?"

Aber natürlich! Wir sind doch alle Jahre hinge­gangen und müssen es schon Papas und Neumanns wegen tun. Es gäbe für meine Eltern ein unange­nehmes Gefrage und Gerede, wenn wir nicht kämen!"

Also sind sie abends beim Stiftungsfest des Kegel­klubs, zu dessen Mttgliedern Ernas Vater und Onkel