Ausgabe 
2.10.1940
 
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Mittwoch, 2. Gitober WO

wirtschaftlichen Wiederauflebens des

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zeug abgeschossen. Auf einem Flughafen find sechs Tote und fechs Verwundete zu beklagen. Auch hier nur leichte Schäden. Uofere Jagdflugzeuge tonn­ten die feindlichen Formationen auf dem Rück­flug angreifen und dabei ein Flugzeug vom Blen­heim-Typ abfchiehen. Der Abschuh eines zweiten ist wahrscheinlich, während ein drittes, obwohl wiederholt getroffen, sich entfernen konnte.

Bei Aufklärungsflügen auf dem Wege des laut dem gestrigen Heeresbericht von unferm Torpedo­flugzeug getroffenen Schlachtschiffes wurden über­aus ausgedehnte Oelflecke angetroffen.

Im englisch-ägyptischen Sudan haben unsere Flugzeuge Zelte und Panzerwagen auf der Brücke Butana, den Bahnhöfen von Ll haglz und Aroma bombardiert, wobei vollbeladene Wag­gons zerstört wurden. Feindliche Flugzeuge haben einen Angriff auf Gura durchgefuhrt und dabei einen leeren Pavillon zerstört. Keine Opfer. Lin feindliches Flugzeug ist von unseren Jägern bren­nend abgeschossen worden.

Berlin, 2. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Einige britische Flugzeuge flogen in der Nacht zum 2.10. über Norddeutfchland in d i e Vlark Branden­burg ein, wobei sie auch das Gebiet der Reichs- Hauptstadt berührten. Die Flakartillerie brauchte jedoch nur an wenigen Stellen in Tätigkeit zu treten und konnte dort die feindlichen Flugzeuge von ihrer Angriffslinie abdrängen.

3m Anflug auf die Reichshauptstadt in die Flucht geschlagen.

feindliche Handelsschiffe mit 34760 BRT.

Lin weiteres U-Boot hat zwei bewaffnete feind- Nche handelsfchiffe mit zusammen 15 000 BRT. ver­senkt und zwei weitere schwer beschädigt.

Britische Flugzeuge fliehen beim Versuch, nach Nord- und Westdeutschland einzufliegen, überall auf starke Abwehr durch Nachtjäger und Flakartillerie. Dadurch wurden ihre planmäßigen Angriffe und gezielten Bombenabwürfe vereitelt und z a h l - reicheFlugzeugezumAbsturz gebracht.

Infolge dieser guten Abwehrwirkung gelang es nur wenigen feindlichen Fliegern, das Gebiet von Berlin in großer höhe zu erreichen und nur ver­einzelt Bomben abzuwerfen. Der angerichtete Sach­schaden ist dementsprechend in der Reichshauptstadt wie im sonstigen Reichsgebiet gering. Dagegen sind auch gestern wieder Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung zu beklagen.

Die Gesamverluste des Feindes betrugen gestern 68 Flugzeuge, von denen 4 durch Nacht­jäger und 6 durch Batterien des II. Flakkorps ab­geschossen wurden. Von eigenen Verbänden kehrten 31 Flugzeuge nicht zurück.

Als Nachtjäger zeichnete sich Oberleutnant Streit ganz besonders aus. Lr brachte allein 3 feindliche Flugzeuge zum Absturz.

Tiefananff auf schottischen Hluoplah

Berlin, 1. Oft. (DNB.) Lin deutsches Kampf- geschwader bombardierte heute vormittag mit Erfolg bei einem Tiefangriff aus 30 Bieter höhe einen Flugplatz an der Westküste von Schottland. Große Brände in den hallen und Treffer im Rollfeld wurden beobachtet. Weiterhin wur­den durch das vlaschinengewehrfeuer einige Flug­zeuge am Boden zerstört.

Annahme von Anzeige« für die Mittaasnummer biS8'/,Ubr desVorrntttaas

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Anzeigenteil 7 Nvi. le inm bei 22 mm Beilenbreite# Tertteil 50 Npf. ie mm bei 70 mm Beilenbreite

Nachlässe:

Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Plavvorschrift < vorherige Vereinbarung) 25/«mehr

Neue Lustangriffe aus kriegswichtige Ziele in England. Zahlreiche neue große Feuer in London und Liverpool. Der Hafen von Dover unter schwerem Feuer. 68 feindliche Flugzeuge abgeschoffen.

Der Wehrmachlsbericht vom Dienstag.

Berlin, L Oft (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Bei Tag und Nacht griff die Luftwaffe in ge­schlossenen verbänden und In zahlreichen Einzel- flögen kriegswichtige Ziele in England an. Der Schwerpunkt ihrer Kampftätigfeit lag in London sowie im Seegebiet der britischen In­seln. Trotz vielfach geschlossener Wolfendecke und Dunst fonnte die Wirfung der Bombenwürfe meist einwandfrei beobachtet werden. Besonders bei Tage hatte der Einsatz gegen London trotz der starken Abwehr großen Erfolg. In den Hafengebieten von London und Liverpool entstanden zahlreiche neue Großfeuer. In Südengland wurden ein Flugzeugwerk, an der britischen SÜdost- küste ein Flugplatz und ein Hafen erfolgreich mit Bomben belegt

5ernfampfbaltericn des Heeres nahmen gestern feindliche Schiffe im Hafen von Dover mit beobachtetem Erfolg unter Feuer.

Ein deutsches Kampfflugzeug verfenfte im See­gebiet nordwestlich Irlands, etwa 1000 Kilometer vor Glasgow, ein feindliches Handelsschiff von 10 000 BRT. durch Volltreffer schweren Kalibers. Vor der Ostküste Schottlands ge­lang es in der höhe von Aberdeen, einen Ge­leitzug zu zersprengen. Zwei Schiffe mit einem Ge- samlrauminhalt von weiteren 10 000 BRT. wurden dabei durch Treffer mittschiffs in Brand geworfen und blieben mit starker Rauchentwicklung liegen.

Ein U-Boot unter der Führung von Oberleutnant zur See Ienisch versenkte 6 bewaffnete

Rom, Oktober 1940.

Dos rasche Sinken des englischen Prestiges öffnet vielen Völkern die Augen. Millionen fühlen es, oaß ein neues Zeitalter der Gerechtigkeit anbricht, in dem auch sie selbst als Lenker der eigenen Geschichte ihren AnteU haben werden. Zu diesen Völkern zählt auch das Volk der Aegypter. Als Volk von tausend- jähriger Vergangenheit hat schließlich das Volk der Aegypter ebenfalls die Herrschaft der Engländer, der Blutsauger am ganzen Erdball, zu spüren be­kommen. Nach tiefstem Verfall hat erst die Eröff­nung des Suez-Kanales die Aegypter aus jahr- hundertelanaem Schlafe geweckt. Für den Weltver­kehr war Aegypten seit der Auffindung des See­weges um das Kap der guten Hoffnung zu einem toten Winkel geworden. Die durch die Eröffnung des Suez-Kanales erfolgte Wiedereinordnung Aegyp­tens In den Weltverkehr, noch dazu als Knotenpunkt der wichtigsten Derkehrsstraßen zwischen Europa und den Ländern des Nahen und Fernen Ostens, hat natürlich England sofort auf den Plan gerufen und bestimmt, einen Vorwand zu suchen, um sich die ausschließliche Beherrschung dieser gewaltigen Schlagader des Weltverkehrs zu sichern. Das war nur durch Verhinderung des vollen politischen und

Aegyptens Gchicksalsstunden

Don unserem C.L. M.-Korrespondenten

Zum dritten fordert Italien die rückhaltlose An­erkennung der lebenswichtigen politischen und wirt- chafllichen Interessen Italiens im Sudan. Keine dieser Forderungen steht im Widerspruch zu den ;rundlegenden Bedingungen des Lebens, des Ge- reihens und der Zukunft eines vollkommen unab­hängigen ägyptischen Staates.

Luftangriffe im Sudan.

Der italienische Wehrmachtsbericht.

R o m, 1. Oft (DNB.) Der italienische Wehrmachts- bericht vorn Dienstag hat folgenden Wortlaut:

In Nord-Afrika haben feindliche Flugzeuge Angriffe durchgeführt. In Tobruk haben einige Bomben einen verwundeten und leichten Schaden zur Folge gehabt. Die TNarine-Flak hat ein Flug-

sollte.

Trotz dieser schnöden Vergewaltigungen gibt es dennoch eine allerdings verschwindend deine Zahl von Persönlichkeiten, die sich für das Verbleiben der englischen Kontrolle in Aegypten einsetzen, sich also als Gegner einer vollen Unabhängigkeit Aegyp­tens erweisen. Daß dieses Häuflein keineswegs den wahren Dolkswillen verdolmetscht, liegt auf der Hand. Denn das ägyptische Volk ist vor allem eine mohammedanischeNation. Die Religion ist das unzerstörbare Bindemittel, das die Bewohner der Nilufer zusammenkittet. Vaterländisch empfindet der Aegypter vor allem als Mohammedaner. Das Sich- beugen unter das Joch der Engländer ist aber gleich­bedeutend mit der Verneinung der mohammedani­schen Funktion Aegyptens, die nicht nur national ägyptisch ist, sondern die ganze mohammedanische Welt umfaßt. Denn Aegypten erstrebt die Führung in der mohammedanischen Welt. Sein höchstes Ziel ist die Errichtung des ägyptischen Ka­lifates. Deswegen ist auch im gegenwärtigen Augenblick die politische Verantwortung Aegyptens gegenüber dem anrainenden nordafrikanischen und dem arabischen Islam riesengroß. Don der Haltung Aegyptens gegenüber England und Italien wird zum großen Teil die neue politische Lage abhängen, in der sich Transjordanien, Palästina und Syrien be­finden werden, wenn der Wille des Siegers im Mit­telmeerraum durchgreifen wird. Wenn sich Aegypten dem Willen Englands beugt und sich als Förderer fremder Interessen in den gegenwärtigen Konflikt hineinzwingen läßt, kompromittiert es nicht nur sich selbst, sondern alle anderen mohammedanischen Staa­ten, die seinen Richtlinien folgen.

Einsicht scheint aber in letzter Stunde in Kairo nun doch einzukehren. Ganz unerwartet hat sich in Kairo eine Wendung vollzogen, die in den letzten Tagen kaum mehr erwartet werden konnte. Vier Minister sind aus der Regierung ausgetreten, die England gefügig schienen. Sie galten als entschie­dene Verfechter einer Beteiligung Aegyptens am Kriege an der Seite Englands. Sie sind mit ihren Forderungen in der Minderheit geblieben. Die so­fort umgebaute ägyptische Regierung will nun den Staat vor überellten Beschlüssen bewahren und hie weiteren Entwicklungen abmar. ten". Vollkommen klar und eindeutig ift natürlich auch diese Einstellung noch immer nicht. Aber sie zeigt, daß das noch immer auf die englische Karte setzende Häuflein einflußreicher ägyptischer Persön­lichkeiten sehr viel Boden verloren Hot, und die Regierung dem stummen, aber heftigen Widerstand der ägyptischen Volksmassen wird Rechnung tragen müssen.

Was erwartet nun Italien von Aegypten, was fordert es für sich im ägyptischen Raum? Italien findet es für sich selbst vorteilhaft, daß . Aegypten Herr im eigenen L o n d e sei. Die Freundschaft zwischen Italien und Aegypten ist natürlich Sie ist bedingt durch die geographi­schen Verhältnisse und wird durch die Geschichteder Vergangenheit der Beziehungen der beiden Volker gefördert. Die Zusammenarbeit der überaus star­ken italienischen Kolonie in Aegypten mit der ägyp­tischen Bevölkerung hat sich immer in den Formen größter Herzlichkeit abgespielt. Italien stellt nur drei Forderungen auf. Italien fordert eine wirk­same Garantie der Freiheit des D e r keh rs durch den Suez-Kanal als lebenswichtige Schlag­ader des eigenen Verkehrs mit dem ostafrikani­schen Imperium. Italien wünscht ferner die Wieder­herstellung der bis zur Erzwingung der franzosych- enalischen Monopolstellung bestandenen Vorherr­schaft der i t a l i e n i s ch e n Sp r a ch e u ndKul- tur statt der englisch-französischen in Aegypten.

beitem und Bauern bewohnt wurden, kleinere Brände, die sämtlich durch das schnelle Eingreifen der Hausfeuerwehren, des Sicherheits- und Hilfs­dienstes und der örtlichen Feuerwehr gelöscht werden konnten.

Bald nach Mitternacht am Dienstag flogen die britischen Flieger, von Süden kommend, auch Han­nover an. Einige Bomben trafen das große Krankenhaus Siloah, das weithin durch ein großes rotes Kreuz gekennzeichnet ift Glücklicher­weise fiel eine Bombe auf den Hof, ohne Schaden anzurichten, während die zweite in den Lichtschacht eindrang, dort aber dank des tatkräftigen Eingrei­fens des Hausluftschutzes sofort unschädlich gemacht werden konnte. In einer benachbarten Straße mür­ben drei Häuser zerstört, wobei mehrere Volksge­nossen Schaden nahmen. Noch sinnloser war der Abwurf einer Bombe auf ein Gartengelände, auf dem eine kleine Wohnlaube in Flammen aufging. Alles in allem enthüllte sich auch hier wieder die wahre Absicht der Briten: Arbeiterwohnungen, Laubenkolonien und Krankenhäuser brutal zu zer­stören.

Großbritannien verliert jeden Tay 32 Hing,enge."

Stockholm, 2 Oft. (DNB. Funkspruch.) Wie der flugtechnische Mitarbeiter von Stockholms Tid- ninaen berichtet, ist dem Blatt der britischen Luft­waffe .Lleroplane" ein bemerkenswertes Einge­ständnis entschlüpft Die Zeitung aibt zu, daß Groß­britannien in den Luftkämpfen über England jeden Tag 32 Flugzeuge verliert. Da­bei seien, so fährt der schwedische Luftfahrtsachver- ständige fort, in diesen Zahlen noch nicht die Verluste der brittschen S e e I u f t ft r e i t C r ä t t e und diejenigen, die man zu verheimlichen für angebracht halte, einbegriffen. Die Ueberlegen« heitder deutschen Luftwaffe fei eine durch die un­unterbrochene Folge deutscher Bombenangriffe auf praktisch alle wichtige Lebenszentren Großbritanniens bewiesene Tatsache.

In der Nacht zum Dienstag war es nur wenigen brittschen Fliegern gelungen, die Reichshauptstadt zu überfliegen. Planlos warfen diese am nördlichen und nordwestlichen Rande Berlins Bomben auf ausgesprochene Arbeiterwohnbezirke und Siedlungen ab. Mehrere Arbeiterfamilien, die ein Siedlungshaus in einem Vorort im Norden be­wohnen, wären beinahe die Opfer des britischen Banditentums geworden, lediglich der Umstand, daß sämtliche Bewohner den Luftschutzkeller a u f g e s u ch t hatten, bewahrte sie vor dem sicheren Tode. Eine Sprengbombe schlug unmittelbar vor dem Haus, das mitten in einem weiten Siedlungs­gelände steht, in die Straße, riß die Vorderseite de« zweistöckigen Gebäudes vollständig auf und be­schädigte den Dachstuhl schwer. Die Einrichtungs­gegenstände dreier Wohnungen wurden nahezu rest- los zerstört.

In der Nacht zum Montag suchte sich dieKönig­liche" Luftwaffe für ihre mörderischen Ueberfälle auf die friedliche deutsche Bevölkerung ein kleines Rhein st ädtchen aus, in dem weder militärische Anlagen, noch sonstige, irgendwie wichtige Ziele vorhanden sind. Mehrere feindliche Flieger über­flogen die Stadt und warfen auf die Häuser des in tiefer nächtlicher Ruhe liegenden Ortes Spreng- und Brandbomben ab. Zwei Sprengbomben trafen das Gebäude des Lehrerseminars und richteten schweren Schaden an. Personen wurden nicht ver­letzt. Dagegen wurde von Sprengstücken einer drit­ten Bombe, die in den Rheinanlagen niederging, ein Arbeiter verletzt. Brandbomben verursachten an 24 Wohnhäusern, die in der Hauptsache von Ar-

Volkes durch eine scharfe Kontrolle möglich, großen und ganzen kam England aber bereits zu spät. Aegypten konnte von England nicht mehr völlig in die alte Lethargie zurückgeworfen werden. Aber die schlaue Polittk Englands verstand es, sich eine weitgehende Bevormundung Aegyptens und hamit die Beherrschung des Seeweges nach dem Osten im südöstlichen Mittelmeerraum zu sichern. Em dem Namen nach unabhängiger ägypttscher Staat wurde geschaffen. Er erhiät einen Souve­rän, eine Staatsverfassung; aber über den Garni­sonen und Festungswerken wehte roeiter die eng* lische Flagge. Unabhängig kann kein Staat genannt werden, in dem eine fremde Flagge weht, in dem Behörden einer dritten Macht schalten und malten, die Absetzung des Generalstabschefs erzwingen können, well er sich gegen die militärische Ein­mischung in die Angelegenheiten des Staates stemmt, ja selbst die Absetzung des Souveräns an­drohen, falls er ihnen nicht genehme Beschlüsse fassen

OiewirlschastlicheNeuordnung Japans.

Es ist nicht nur verständlich, daß die politische Neuordnung in Ostasien, die in dem soeben abge­schlossenen Drei-Mächte-Pakt ihren weithin sicht­baren Ausdruck fand, für Japan auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist, sondern es ist für den, der um die Geschichte und das Wesen Japans Bescheid weiß, etwas durchaus selbstverständliches, daß mit der politischen Neuordnung auch die wirt­schaftliche Neuordnung Hand in Hand geht.

Wenn sich nämlich Japan auch keineswegs des liberalistisch - parlamentarischen und kapitalistischen Einflusses des Abendlandes entziehen konnte, viel­mehr sehr stark unter ihm gelitten hat, so daß es jetzt eben zu der großen Neuordnung Japans ge­kommen ist, so hat in Japan dennoch durch die Jahrtausende hindurch eine weit geschlosse­nere Weltanschauung geherrscht, die eine völlige Trennung von Politik und Wirtschaft, wie sie in den westlichen Demokratien und in US.- Amerika und in der Vergangenheit auch in Deutschland zutage trat, an und für sich schon ver­hinderte. In dem Augenblick aber, in dem Japan jetzt entschlossen ist, sich mit Aufbietung aller Kräfte in die Reihe der totalitären und autoritären nung ohne eine wirtschaftliche Neuordnung un­möglich, denn Neuordnung im heutigen Sinne heißt nichts anderes als Politik, Wirtschaft und Kultur als ein einheitliches Ganzes zu empfinden und sich auswirken zu lassen, wo­für es keine besseren Beispiele als Deutschland und Italien gibt.

Diese in Japan mit Macht betriebene Neuord­nung geschieht im übrigen nicht von heute auf morgen. Sie hat vielmehr bereits kennzeichnende Vorläufer gehabt. Einer dieser Vorläufer war die im Dezember 1931 unternommene Exportof­fensive, die im Anschluß an die Aufgabe des Goldstandards und die Einführung der Ven-Ab- wertüng vom Jahre 1930 die Welt in größte Un­ruhe versetzte. Es war jene Zeit, in der auf dem Balkan zum Beispiel japanische Fahrräder zum Preise von 10,50 Reichsmark angeboten und natür­lich auch in Massen gekauft wurden. Man hat da­mals von einemsozialen Dumping" gesprochen, dessen sich Japan schuldig gemacht habe. Nichts aber ist irriger als diese Ansicht. Es war viel­mehr der Wille Japans, seine sozialen Verhält­nisse durch diese Exportoffensive zu verbessern. Neben der Pen - Abwertung hat bann auch die äußerst geschickte und rührige Kaufmannstätigkeit der Japaner, die unter anderem auch in den über die ganze Welt verstreutenGilden-Kvntoren" in die Erscheinung trat, zu dem Erfolg der Export- offensive beigetragen.

Der jetzt drei Jahre währende Krieg zwi­schen China und Japan hat Japan vor die Aufgabe gestellt, in noch weit höherem und stär­kerem Maße für seinen Export zu sorgen. Es ge­schieht wie oben ausgeführt im Rahmen der japanischen Weltanschauung, die durch die Shinto- Religion und die japanische Ahnenverehrung tief beeinflußt ift. Sv ist denn auch die japanische Wirtschaft keine Wirtschaft schlechthin, sondern eine ausgesprochene Verteidigungs- oder, wie wir zu sagen pflegen, eine Wehrwirtschaft. Diese japanische Verteidigungswirtschaft zielt aber auf die wirtschaftliche Autonomie Japans, Mandschu- kuos und Chinas mit Japan als Mittelpunkt. Wir sehen also hier den GedankenNeuordnung" eben­so verwirklicht wie in den autoritären Staaten Europas: die Wirtschaft des Staates muß so ge­führt und gelenkt werden, daß sie in Kriegszeiten fähig ist, die Bevölkerung wenn auch unter Einschränkungen zu ernähren und sie verteidi­gungsfähig zu erhalten.

Schon hieraus ist, das' heißt aus der autarken (selbstgenügsamen) Gesinnung, die Verbundenheit von Politik, Wirtschaft, Kultur und Weltanschau­ung zu ersehen. Um aus der wirtschaftlichen Neu- Planung Japans nur einige Punkte herauszugrei- fen, so erstrebt man dort eine harmonische Zusam­menarbeit der Wirtschaft innerhalb des Blocks JapanMandlchukuoChina; will man eine Planwirtschaft durch Zusammenarbeit zwi- schen Regierung und Volk sowie die Durchbildung eines einheitlichen Kontrollsystems in Bezug auf Erzeugung, Verteilung und Verbrauch wichtiger Waren durchführen; wird ein sehr durchdachter Finanzierungs- und Ban11ontro 11 plan aufgestellt werden; soll sich die Handels­politik der neuen Weltlage eng anpassen; sollen lebenswichtige Industrien, vor allem die Schwerindustrie, Maschinen- und chemische Industrie ausgebaut werden; soll das Derkehrs- und Transportwesen vervollkommnet wer- den; soll die Produktion wissenschafllich durch­drungen und rationalisiert werden; und endlich erstrebt man eine Verbesserung der Landwirt­schaft und des Siedlungswesens unter besonderer Berücksichtigung des Lebensstandards der landwirt- schaftlichen Bevölkerung.

Wie ernst man es mit diesen neuen Wirtschafts-, plänen nimmt, geht aber vor allem daraus hervor^ daß man in Japan weitgehende Gesetze gegen jeden Luxus erlassen hat, die mit ihrem In­krafttreten am 1. Oktober das Leben Japans von Grund aus revolutionieren werden. Es wird also von diesem Tage ab keinerlei Luxus mehr in Japan geben. Jeder Japaner, jede Japane­rin, welchen Alters, welcher gesellschaftlichen Stellung, wird auf jede Art gehobenen Lebens­standards soweit er Luxuscharakter trägt verzichten Bis in die familiäre Feiergestaltung werden diese Gesetze hineinreichen, denn es darf zum Beispiel eine Hochzeit fortab nur noch 20 Pen kosten, während sie früher Tausende von Pen kostete. Und auch das tägliche Leben wird revo­lutioniert. So wird unter vielen, sehr vielen an­deren Einschränkungen auch der Besuch des Teehausesrationiert", denn künftig öffnen die japanischen Teehäuser ihre Pforten erst um 5 Uhr nachmittags. Die Teehäuser Japans werden also

es Gietzener Anzeiger

von einzelnen Wummern

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