Nr. 181 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)
Freitag. 2. August 1940
Schulungsabend der Ortsgruppe Gießen-Aord
Zweitägige Wanderfahrt im unteren Lahntat.
Schweighausen, hierauf am Pfahlgraben entlang durch Becheln nach dem Ober-Lahnsteiner Forsthaus, einer hübsch gelegenen Gaststätte. Bald darauf erreichen wir Frücht, wo sich die Grabstätte des großen Staatsmannes Freiherrn vom Stein befindet. Hier treffen wir wieder den Lahnhöhenweg, der uns
Abends — erst verdunkeln, dann Licht einschallen. Morgens — erst das Licht löschen, dann entdunkeln!
Erster Tag: Obernhof — Hof Laalscheid — Singhofen — Mühlbachtal — Nassau.
Wir fahren mit der Bahn durch die reizvolle Landschaft des Lahntals bis Obernhof, steigen von hier an der am Eingang des lieblichen Dörsbachtales liegenden Klostermühle vorüber hinauf zu dem hoch über der Lahn gelegenen Kloster Arnstein mit seiner viertürmigen Abteikirche, die besichtigt werden kann. Vor der Klosteranlage bietet sich ein prächtiger Blick in das Lahntal. Wir folgen dem „L" des Lahnhöhenwegs, der uns in wenigen Minuten zur „Kanzel" bringt, von der sich in schwindelnder höhe ein einzig schöner Blick über die herrliche Gegend, erschließt. Auf schmalem Pfad, der später auf einen Fahrweg übergeht, geht es weiter am Hof Saalscheid vorüber nach dem Hochliegenden Singhofen an der Bäderstraße mit guten Gasthäusern. Die Zeichen führen uns sodann, gemeinsam mit blauen Strichen, vorerst auf der Landstraße zum schönsten Seitental der Lahn, dem Mühlbachtal. Bald nach Eintritt in das Tal halten wir uns bei einer Weggabelung links und erreichen nach kurzer Zeit den Schildekopf, von dem man ein großartiges Bild des Tales, von einigen Mühlen belebt, genießt. Abwärts gehend kommen wir durch die Neumühle und kurz danach an die Schulmühle, um sodann wieder in die Höhe zu steigen. So kommen wir auf unserem Wege durch eine Landschaft von unvergleichlicher Schönheit und reicher Abwechslung. Nachdem wir noch die Anstalt Scheuern passiert haben, erhebt sich am Ausgang des Tales vor uns der Burgberg, von der Stammburg- Nassau bekrönt. Bald darauf erreichen wir auch das Endziel des ersten Tages, das freundliche Bad Nassau. Sehr lohnend ist die Besteigung des Burgbergs zum Steindenkmal, vor dem man einen entzückenden Blick über Nassau und das Lahntal hat. Wanderzeit 5 Stunden.
Zweiter Tag: Jtaffau — Ober-Lahnsteiuer Forsthaus — Frücht — Schweizertal — Lms.
Am nächsten Morgen wandern wir über die Kettenbrücke, die wir schon tags zuvor überschritten haben, zunächst ohne Zeichen nach dem Heidepütz, einem Ruhetempel mit überraschend schönem Blick in das Mühlbachtal, sodann über Oberwies und
Aus der Stadt Gießen.
Das Radio.
Herr Müller kommt rasend nach Hause. Aus seinen Augen sprühen Blitze. „Hat man je so eine Unverschämtheit gesehen? Na, dem Menschen werde ich es zeigen. Was zuviel ist, ist zuviel." Frau Müller naht mit beruhigenden Gebärden. „Aber Vater, was hast du denn? Rege dich doch nicht so ayf/ du weißt doch, daß dir jede Aufregung schadet." Diese sanften Hinweise gießen jedoch geradezu Oel in das Feuer. „So, ich soll mich also nicht aufregen? Das ist ja... Andere Leute dürfen natürlich machen, was sie wollen, aber ich... ich soll mich nicht aufregen ..."
Das Toben hält noch eine Weile an, bis Frau Müller endlich erfährt, um was es sich handelt. Herr Müller hat auf dem Heimwege Herrn Weinrich getroffen. Herr Weinrich ist der Hausbesitzer, muß man wissen. Er wohnt zwar nicht in seinem Hause, in dem außer Müllers noch fünf Familien ihre Wohnung haben, aber er hält auf Ordnung, wie man weiß. „Weißt du, was er von mir wollte? Es ist direkt lachhaft. Unser Radio soll ich abends leiser einstellen. Damit nicht die ganze Nachbarschaft davon profitiere, hat er gesagt. Als ob etwas dabei wäre, wenn das Radio ein bißchen lauter klingt. Heutzutage ist sowieso jeder froh, wenn er den Rundfunk hören kann. Nein, das lasse ich mir nicht gefallen."
Es ist kein Zweifel, Herr Müller sinnt auf Rache. Er brütet geradezu über dunklen Plänen. Schließlich verkündet er das Ergebnis seines finsteren Nachdenkens. „3d) werde ihm schreiben. Er soll einen Brief kriegen, an dem er keine Freude hat. So deutliche Worte wird er wohl kaum jemals gelesen
nach Miellen, sodann am steilen Hang des Rittges- berges hin zur Rottmannshöhe und an einem mächtigen Felsen, Prcdigtstuhl genannt, vorbei hinauf zum Malberg leitet, von dessen Aussichtsturm sich eine wundervolle Aussicht auftut. Abwärts steigend erreichen wir auf gepflegten Wegen, am Schweizerhaus vorüber, nach fünfstündiger Wanderung das reizvoll an der Lahn gelegene Bad Ems, das wir vor der Heimfahrt einer eingehenden Besichtigung unterziehen.
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Lollar — Mainzlar — Treis — Treifer Heide — Hoher Berg — Großen-Bufeck.
Diese Wanderung, die vom Lumdatal zum Buseckertal führt, beginnen wir in Lollar. Auf guter aussichtsreicher Sttaße steigen wir aufwärts nach Staufenberg, das wir indes zur Linken lassen, um hierauf die vielfach gewundene, teilweise von Pappeln umsäumte Talstraße über Mainzlar nach Treis am Fuße des Totenberges einzuschlagen. Nach angemessener Ruhepause benutzen wir die Straße, die nach Beuern führt. Wir überschreiten die Lumda, um jenseits des Tales in mäßigem Anstieg zur Treiser Heide zu gelangen. Hier erschließt sich uns eine prachtvolle Aussicht auf das zu Füßen liegende Treis mit dem Totenberg im Hintergrund, auf das hochliegende Climbach, auf Staufenberg, Gleiberg und Vetzberg. Hier oben treffen wir auch die rote Punktmarkierung, die uns bis zum Schluß den Weg zeigt, der durch Wald und Feld, schließlich über den Hohe Berg nach dem Endziel Großen-Buseck führt. Dauer der Wanderung 4% Stunden.
Zustizpersonaiien im OLG-Bezirk Darmstadt.
biger Weise gedacht worden war, schilderte der Schulungsleiter der Ortsgruppe, Pg. Burgeleit, der als Oberwachtmeister der Polizeireserve im Felde steht, seine Erlebnisse. Er berichtete zunächst von dem Einsatz bei der Rückführung ber Volksgenossen an der Saar im vorigen September, die in vollkommen geordneten Bahnen verlief, und betonte dazu, daß unser Volk dieses Opfer der Volksgenossen von der Saar nie vergessen solle. Gleich in den ersten Tagen des Polen-Feldzuges folgte die Polizei der vordringenden Truppe nach Polen hin- ein. Pa. Burgeleit berichtete von den Etappen Groß-Wartenberg, Rawa und Warschau. Er schilderte auch den Polen, wie er ihn dort angetroffen hat, räumte mit falschen Sentimentalitäten auf und kennzeichnete den Polen als das, was er heute noch ist: der Feind alles Deutschen. Burgeleit war dann bei der Umsiedlung von etwa 40 000 Wolhynien- Deutschen mittätig, die am Weihnachtsvortag begann und bei 30 bis 42 Grad Kälte vor sich ging. Diese Menschen nahmen die ungeheuren Strapazen und großen Opfer auf sich, nur um ins Vaterland heimzukehren, und sie zeigten sich für die selbstverständlichste Maßnahme sehr dankbar. Pg. Burgeleit berichtete weiter, wie diese Menschen mit einem fast kindlichen Vertrauen zum Führer selbst die größten Opfer auf sich nahmen. Zum Abschluß schil- derte er Land und Leute in Norwegen, wo seine Einheit jetzt eingesetzt ist. Die Ausführungen fanden starken Beifall.
gericht Höchst i. O., Gerichtsassessor Dr. Werner Oberläuter in Worms zum Amtsgerichtsrat beim ' Amtsgericht Fürth i. O., Gerichtsassessor Dr. Paul '
Amon in Mainz zum Amtsgerichtsrat beim Antts- - gericht Oppenheim und Gerichtsassessor Erich Weisel - in Darmstadt zum Landgerichtsrat beim Landgericht ' Darmstadt ernannt. Versetzt wurden Landgerichts- t Präsident Hermann Colnot in Gießen als Land- : gerichtsPräsident an das Landgericht Darmstadt, : Oberamtsrichter Karl Trinkaus in Schlitz als : Amtsgerichtsrat an das Amtsgericht Gießen, Amts- : gerichtsrat Dr. Hans I ü n g st in Bensheim als I Landgerichtsrat an das Landgericht Gießen, Antts- ' gerichtsrat Dr. Hans Joachim Lehr in Oppenheim ; als Landgerichtsrat an das Landgericht Mainz.
Beiraissihung der v Industrie- und Handelskammer Gießen
Am Dienstag hielt die Industrie- und Handelskammer zu Gießen im Hotel Schütz eine erweiterte Beiratssitzung ab, zu der neben den Behörden-Ver- tretern eine bestimmte Gruppe von Betriebsführern eingeladen war. Der Präsident der Kammer, Dipl.- Jng. S ch r o t h , unterstrich in seinen Begrüßungsworten die erfreuliche Zusammenarbeit mit den einzelnen Dienststellen, wie Arbeitsamt, Militärbehörden usw.
In dieser Sitzung sprach der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftskammer Hessen, Dr. S a v e l k o u l s, Frankfurt a. M., über wehrwirtschaftliche Probleme. Er oab einen Ueberblick über die gesamten kriegswirtschaftlichen Maßnahmen. In klarer Weise führte er vor Augen, daß eine starke Wehrwirtschaft für eine siegreiche Kriegsführung unerläßlich ist. Anhand von Beispielen erläuterte er in einer Gegenüberstellung die Kriegsvorbereitungen zum 2Velt- krieg im Gegensatz derer zu dem jetzigen Krieg. Sodann kam er auf die einzelnen Gebiete der heutigen wirtschaftlichen Kriegsführung zu sprechen. Er schilderte, wie der Führer in klarer Voraussicht durch die Schaffung des Vierjahresplanes die systematische Unabhängigmachung gefordert und durcygeführt hat und beleuchtete in diesem Zusammenhang das Ergebnis einer starken nationalen Wirtschaft. Zum Schluß wies er noch darauf hin, daß durch manche Kriegsmaßnahmen dem einen oder anderen Betrieb Einschränkungen auferlegt werden mußten, die aber im Interesse der Gesamtheit notwendig waren und denen erfreulicherweise auch von allen Betrieben das erforderliche Verständnis entgegengebracht wurde.
Die Teilnehmer verließen die Sitzung in der Erkenntnis, daß Deutschland wie in militäri^er Hinsicht so auch auf wirtschaftlichem Gebiete in jeder Weise den Feindmächten weit überlegen ist, dank einer weitschauenden und klugen Staatsführung.
passiert ta nichts "
3n einer Gesellschaft genügt ein widerborstiger Unruhestifter auf 20 oder 50 oder 100 Personen, um die Stimmung zu verderben und die gute Laune davonzujagen. Es gibt Leute, die ein Vergnügen an solchem Unfug haben. Sehen wir näher zu, so sind es Leute mit dem berühmten „Minderwertigkeitskomplex", die sich nicht anders zur Geltung zu bringen wissen, als daß sie anderen Menschen das Leben vermiesen. Das war schon immer so. Der alte, tief humorige Theodor Fontane hat diesen Menschenschlag zu Bismarcks Zeiten in einem wundervollen Gedichtchen unter der Ueberschrift „Der Subalterne" herrlich geschildert:
„Das bißchen Deutschland zusammenzuschweißen. Das lag in der Zeit, das will nicht viel heißen — Und Sedan? Nach links und rechts zu schwenken, Ist auch nichts Gefährlichs auszudenken.
Ich bin nicht für Ruhm, ich bin nicht für Ehr', Es ist mit alldem nicht weit Herl"
Wir wollen den Rummel der Wichtigtuer mit dem Minderwertigkeitskomplex, die Theodor Fontane die Subalternen nennt, wirklich und wahrhaftig nicht überschätzen. Es ist mit ihnen wie mit den echten Bierbankstrittegen. Ihr Prozentsatz ist sehr gering: nur haben sie die große Klappe. Und sie können auf die Nerven fallen. Es schert sie wenig, daß gut Ding seine Weile braucht, und daß zwischendurch Stukas über der See, Schnellboote auf der See und U-Boote unter der See ihr Werk verrichten. Dom 9. April, dem Tag der Skandinavien-Aktion, bis zum 25. Juni, dem Tag des Waffenstillstands in Frankreich, mußten die Wichtigtuer hinhören und schweigen, jetzt haben sie eine Redemöglichkeit erspäht. Das ist rechte Kritikasterart. Und diesen Kritikastern ver
hoben." Herr Müller setzt sich an seinen Schreibtisch und entwirft den Brief. Es sind böse Gedanken, die in ihm rumoren. Er tunkt immer wieder die Feder ein und fährt sich mit der Hand über seinen Kahlkopf. Endlich wirft er die Feder hin und steckt sich eine Pfeife an.
Doch da klingelt es. Müllers Freund August erscheint zu einem Plauderstündchen. Natürlich wird August schnellstens unterrichtet und aufgesordert, die flammende Empörung zu teilen. Aber August kratzt sich den Kopf. Er habe doch Enkelkinder, sagt er bedenklich, und diese kleinen Kinder würden leider häufig im Schlaf gestört durch das laute Lärmen eines Rundfunkgerätes in der Nachbarschaft, wie er wüßte. Das fei immerhin ein höchst fatale Sache, ganz abgesehen von'der Belästigung, die auch andere erfahren müßten. Zum Beispiel wohne neben ihm ein Bäcker, der zwangsweise immer zeitig schlafen ginge, und ein paar Häuser weiter kenne er einen Eisenbahner, mit dem es nicht anders sei.
Herr Müller ist erstaunt. Von dieser Sette hat er die Sache noch nicht betrachtet. Er geht in seiner Stube auf und ab. Sollte der Hausbesitzer doch recht haben? Am nächsten Morgen ist Herr Müller ftvh, daß er keinen Brief geschrieben hat. Und am Abend stellt er das Radio leiser ein. Tatsächlich, es geht auch so ganz gut ... Sch.
Dornotizei,.
Tageskalender für Freitag.
Abschiedsabend für die Rückgeführten 20.30 Uhr im Stadttheater. — Gloria-Palast, Setter sw eg: „Bal pare". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die unheimlichen Wünsche".
Kreiswandertag auf dem Gchiffenberg
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet am Sonittag, 11. August, einen Kreiswandertag, der viele Volksgenossen auf dem Schif- fenbera kameradschaftlich zusammenführen soll. An dem Kreiswandertag sollen sich insbesondere die Gefolgschaften der ^Betriebe in Gießen und Umgebung, sowie aus dem Kreise beteiligen, soweit sie den Schiffenberg zu Fuß, also in einer schönen Wanderung, erreichen können. Die Wanderer sollen etwa gegen 14.30 Uhr auf dem Schiffenberg eintreffen. Einige Stunden gemeinsamer Unterhaltung, gemeinsam gesungene Lieber, Ansprachen usw. sollen den Nachmittag ausfüllen.
Die Ortsgruppe Gießen-Nord hielt im „Aquarium" einen Schulungsabend ab. Ortsgruppenleiter Thomas eröffnete Den stark besuchten Abend mit der Erledigung einiger interner Angelegenheiten. U. a. dankte er den Politischen Leitern, die beim letzten Aufmarsch sehr gut abaeschnitten haben. Er konnte dann mitteilen, daß sich viele Hausbesitzer für die Entgitterung ihrer Grundstücke gemeldet haben und daß auch die zweite Bücherspende für Die Soldaten sehr reichlich ausgefallen ist. Den Vg. Wilh. Nienhaus, Rob. Hardt, Zeininger, Joh. Schäfer wurde das Westwallehrenzeichen und dem Vg. Franz Habicht eine Ehrenurkunde für seinen Einsatz am Westwall überreicht.
Das Mitglied der Ortsgruppe Oberleutnant Pg. Karl Becker gab dann einen interessanten Bericht über seine Erlebnisse bei den Kampfhandlungen im Westen. Er schilderte u. a. auch die den Weltkriegstellnehmern bekannten Kampfstätten, wie z. B. Malancourt, den Argonner-Wald, Montfaucon, wo jetzt der Amerikaner-Friedhof liegt, und schloß den Bericht über seine Erlebnisse in Toul und Pont-a- Mousson, wo die Deutschen das Elend der französischen Evakuierten zu sehen bekamen. Deutschland kann froh sein, daß ihm der Krieg aus dem Lande gehalten wurde.
Ortsgruppenleiter Thomas dankte Pg. B e ck e r, der für besondere Tapferkeit mit dem E. K. II ausgezeichnet wurde, und überreichte ihm für feine Truppe ein großes Hoheitsabzeichen und zwei Hakenkreuzfahnen. Nachdem der Gefallenen in wür-
Wie die Justtzpresfestelle beim Oberlandesgericht Darmstadt mitteilt, wurde Amtsgerichtsdirektor Dr. Adolf Tautphaeus in Mainz zum Vizepräsidenten beim Oberlandesgericht Pofen, Landgerichts rat Dr. Ernst Seid in Gießen zum Amtsgerichtsdirektor tn Gießen, Landgerichtsrat Dr. Hans Stand in Kassel zum Oberlandesgerichtsrat beim Oberlandesgericht Darmstadt, Amtsgerichtsrat Karl Schott in Reinheim zum Oberamtsrichter beim Amtsgericht in Oppenheim, Amtsgerichtsrat Hans Karl Hof- m e y e r in Gießen zum Landgerichtsrat beim Land- Gießen, Gerichtsassessor Ludwig Drühe in Höchst i. O. zum Amtsgerichtsrat in Schotten, Gerichtsassessor Havs Petermann zum Anttsgerichts- , .... . K , rat in Dieburg, Gerichtsassessor Dr. Wilhelm Bergk
nunmehr abwärts durch das liebttche Schweizertal in Ingelheim zum Amtsgerichtsrat beim Amts-
//Die unheimlichen Wünsche."
Ein Tobis-Film Heinz Hilperts.
Des großen französischen Romanciers H o n o r 6 de Balzac 1831 erschienene Jugendnovelle „L a Peau de chagri n”, die der Dichter selbst als Keimzelle des Planes der Comedie humaine, als konzentrischen Grundriß für den Riesenbau seines großen vielbändigen Romanwerks betrachtet hat, hat für diesen Film die Anregung gegeben. Aber aus der von der grenzenlos schweifenden Phantasie des Dichters geschaftenen, fast überwältigenden Fülle der Erscheinungen und Pielfalt der Gesichte ihrer literarischen Vorlage haben Heinz Hilpert, der Spielleiter, und Curt Heuser, der Drehbuchautor, in weiser Mäßigung nur wenige Motive und Charaktere genommen und daraus mit feiner Einfüh- hmg in den Geist Dalzacscher Dichtung, aber doch mit neuen Ideen, ein eigenes Kunstwerk von Rang gestaltet, das den besonderen künstlerischen Forderungen des Films entspricht. Erreicht wurde das durch eine ungeheure Verdichtung des Stoffes, ohne dabei auf eine im einzelnen fein abgestufte breite ?U55^un9 Milieus zu verzichten. Daß von der Fülle der Geschehnisse das Grundmotiv niemals erschlagen wird, daß immer sichtbar bleibt, wohinaus der Film will, wenn auch die Handlung der überraschenden Momente genug bietet, darf man an diesem Film als besonderen Vorzug vermerken.
„Erfüllung ist Tod, Sehnsucht ist Leben", dies Wort des Kunschändlers Pertignac steht als Mahnung über dem Schicksalsweg seines jungen Freundes Rafael von Valentin, der fteilich erst, wie wir alle, durch Erfahrung klug wird. Die Erkenntnis wird ihm durch eine Reihe seltsamer Erlebnisse mit einer magischen Tierhaut, deren Besitz alle Wünsche erfüllt, aber mit ihrer Erfüllung zusammenschrumpft wie das Leben ihres Besitzers. Ein berühmtes Märchenmotto, das feine innere Wahrheit auch in der „aufgeklärten" Welt des 19. Jahrhunderts erweist. Rafael de Valenttn, dem im Augenblick des Zusammenbruchs aller seiner Hoffnungen, das magische Leder wie ein Geschenk des Himmels kommt, wünscht sich sehr irdische Dinge: Liebe, Macht, Reichtum, Ruhm, und es bedarf einer harten Schule,
bis er spürt, daß ihn die Erfüllung dieser Wünsche innerlich arm gemacht hat. Er stürzt sich in den Strudel menschlicher Eitelkeiten, bis ihn die Schalheit der Gesellschaft anwidert. Gierig sucht er Liebe in den Armen einer Schauspielerin, deren bestrickende Schönheit ihr nur ein Mittel ist, ihren rasenden Ehrgeiz zu befriedigen. Des Lebens überdrüssig, sucht er nur eine mitfühlende Seele und findet sie, die, von ihm unbeachtet, in Stunden der Not ihm Stütze und Halt gewesen, in Stunden des Glücks schnell vergessen war, in einer kleinen Silhouettenschneiderin ^wieder, die ihm aus ihrer eigenen natürlichen Sicherheit die Kraft gibt, sich von dem mystischen Bann des Wunderleders zu lösen und in freier Lebensgestattung Befriedigung im täglichen Dasein des Landmannes zu finden.
Heinz Hilperts ungemein feinfühlige Regie hatte fein Ensemble so zusammen gestellt, angesetzt und geleitet, daß der seelische Gehalt des Films in keinem Augenblick verlorenging. Das magische Halbdunkel der Bilder des Kameramannes Richard Angst und die Musik Wolfgang Zellers unterstrichen das Symbolhafte des Märchens in modernem Gewände. Caspar N e h e r hatte die Luft der französischen Restauration in Kostüm- und Raumgestaltung stilgetreu getroffen.
Hans Holt spielte den Rafael mit den schweifenden, tastenden Augen des Jünglings, der als ein Suchender durch die Welt der Hohlheit und des Lasters irrt, voll inneren Leuchtens im Geborgensein einer echten großen Liebe. Käthe Gold war die kleine Silhouettenschneiderin, ein wahrhaft rührendes Geschöpf von schlichtem, natürlichem Liebreiz zwischen hingebender Liebe und spröder Reserve. Den Pertignac gab Ewald Balser mit warmen Tönen echter Herzensbildung und Lebensklugheit. Truggestalten einer in ihrer flachen Nich- tiafeit sich schamlos bloßstellenden Gesellschaft waren Olga Tschechowa als Schauspielerin, vieldeuttg schillernd, nur ihrem Ruhm lebend, voll berechnender Koketterie, eiskalt und aller echten Gefühle bar, Paul Dahlke als ihr Diener-Liebhaber, brutal und gewöhnlich, Franz P f a u d l e r als der machtgierige, tückische und boshafte Krittker Na- varreins und Aribert Wäscher als ein Schieber von abstoßend widerwärtiger Schmierigkeit. Sie
alle gaben in sorgsam ab gestimmten und ausgefeilten Charakterstudien ein mit den Augen Balzacs gesehenes wahrhaft grandioses Bild menschlicher Gemeinheit. Dr. Fr. W. Lange.
Mnschenwott und Dichterwott.
Ein Gruß an Josef Friedrich Perkonig zu seinem 50. Geburtstag am 3* August.
„... und doch reicht Menschenwort für ein allerletztes Geheimnis nicht aus."
Menschenwort nicht, denn es ist in die Welt gebracht, die wirklichen, die einfachen Dinge zu nennen und dem Verstehen zu dienen von Mensch zu Mensch. Dennoch vermögen Worte Träger zu fein letzter Geheimnisse, daß wir fühlen und davor erschauern, wie hinter ihnen die Wett des Unsagbaren sich auftut, jedem vernehmbar, der willens ist, sie anzuerkennen. Dann ist etwas anderes zum Wort getreten, eine Kraft des Geistes, die uns verwandeln kann, wenn wir uns ihr anvertrauen. Das Wort ist Dichtung geworden. Durch die Kraft, die mit dem Verstand nicht zu fassen ist, ist Menschenwort zum Dichterwort geadelt.
Josef Friedrich Perkonigs Werk lebt ganz von dieser Kraft, die seinem Wort den Atem der Dichtung verleiht. Sie ist begleitet von einer tiefen Liebe zu seiner Kärntner Heimat, zu chrem Menschen, zu den Bergen und Wäldern der deutschen Südmark, aus der sie ihm immer neu zuwächst. Und wie das Land, in Kämpfen bewährt, ein Teil des Großdeutschen Reiches ist, so ist Perkonigs Dichtung nicht wegzudenken aus dem großen Bereich des deutschen Geisteslebens, das sich nicht zuletzt in der deutschen Dichtung offenbart. Freilich führt sie uns immer in das Reich der südlichen Grenzberge, schildert uns Menschen und Schicksale, die bestimmt sind vom Erleben der Grenze, von der ständigen Auseinandersetzung mit fremder Art. Wie anders ist dies auch denkbar bei dem Werk eines Mannes, dessen Zugehörigkeit zum Kärntner Volkstamm sich nicht allein aus langer Geschlechterreihe herleitet, der sie erprobt hat in langen Jahren pflichtbewußter hingebender Erziehungsarbeit, in der er heute noch als Professor an der Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt wirkt, der schließlich in
Kärntens Freiheitskampf, in dem er den Vater verloren, fein Volkstum an hervorragender Stelle verteidigt hat. Aber auch diese Kämpfe, und die, die sich täglich im kleinsten Leben zutragen, vermögen letztlich nur das Gefühl für das eigene Volk zu festigen und legen so Zeugnis ab von der unbesiegbaren Kraft deutschen Wesens. „.. alles soll nur eine Ursache fein zu jenem Heimweh, das zuletzt den Menschen an der Grenze auch fterbensbereit macht für sein Vaterland, für sein Volk."
Dieses ganz besondere Heimweh begegnet uns in Perkonigs Dichtung. Es steckt in dem „Räuberhauptmann Nikolaus Tfchinderle" ebenso wie in dem alten Lukas vom Hügel Sankt Joseph im „Honigraub", wir gewahren es aber auch als Klang von jenseits der Berge in dem Roman „Lopud / Insel der Helden", der uns hinunter führt über die Hänge der Karawanken, hinaus auf die Adria zu der sagenumwobenen Insel, es ist wesentlicher Teil seines erschütternden Kriegsbuches „Mensch wie Du und ich", das uns wieder auf Kärntens Boden führt, in dem sich hinter den erzählten Einzelschicksalen gleichnishaft das Schicksal unseres Volkes erhebt. Das Heimweh nimmt vielerlei Form und Gestatt an, und wir finden es im Ernsten wie im Heiteren, finden es vor allem auch in seinem Buch vom verzauberten Gebirg, in dem uns die von ihm gesammelten und meisterhaft erzählten Volkssagen in ihrer bunten Vielfalt erfreuen, — immer ist es, wo und wie es uns auch begegnet, in feinem ttefsten Wesen deutsch. In allen seinen Formen zeugt es von dem großen Reichtum der deutschen Seele, von den inneren Kräften des Volkes, die die Menschen im südlichen Gebirge sich in ihrem harten Leben stets bewahrt haben.
Um diese inneren Werte geht es dem Dichter, der jetzt feinen 50. Geburtstag begeht. Nur Dichter- wort vermag sie uns nahezubringen, dieses aber bringt uns tiefes, reiches Erleben. Unseren Gruß an den Dichter begleite der Wunsch, daß sein Dichterwort noch in Diesen Werken zu uns spreche.
Dr. Hermann Mährlen. ♦
In den Samstag-Familienblättern finden unsere Leser eine Erzählung Josef Friedrich Perkonigs: „W i e i m M ä r ch e n", die für die besinnliche Art des Dichters charakteristisch ist.


