Ausgabe 
2.8.1940
 
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190. Jahrgang Nr. 181

Eichener Anzeiger

vrühlfche Univerfttakdniäerei B. Lange General-Anzeiger für Oberhessen ^»ietzrn,^q«iftr-b«r-^

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Zwischen Saarbrücken und Mülhausen.

Von unserem R. p.-Sonderkorrespondenien.

n.

Wer heute, sechs Wochen nach den Kämpfen in Lothringen und in den Vogesen, diese Gebiete dies­seits und jenseits der einstigen Grenze besucht, ver­steht den Sinn und den Segen all der deutschen Maßnahmen, die zum Schutze von Volk und Land in den Grenzgauen, der soge­nannten roten Zone, durchgeführt wurden. Die Maginotlime hatten die Franzosen zum Teil bis unmittelbar an die deutsche Grenze herangeführt. Z. B. gegenüber Saarbrücken war auf dem im 70er Krieg hart umkämpften, blutgetränkten Roten Berg der Spicherer Höhen, an dessen Fuß die lothringische Grenze liegt, ein schweres Defestigungs- werk errichtet worden, das nicht nur die große Straße SaarbrückenMetz geradezu ab riegelte, son­dern das ganze ebene Vorland, den einstigen Gro­ßen Exerzierplatz der Saarbrücker Vorweltkriegs­garnison, bis zur Weichbildgrenze Saarbrückens und bis zur letzten Geländefalte beherrschte und die großen Hüttenwerke in Bürbach und Völk­lingen gewissermaßen in der Kimme ihrer Geschütze hatte.

Nun, des Führers weise Voraussicht, sein Wille und Befehl hatten dafür gesorgt, daß diese bedeut­same Grenz- und Industriestadt mit ihrem wich­tigen Hinterland nicht schutzlos blieb. Der deut­sche W e st w a l l hatte Stadt und Land dieser vor­springenden Saarecke in seine bewehrten Arme ge­schlossen und diese Schutzwehr nicht nur vor den Augen der französischen Postierungen begonnen, sondern unter dem Geschütz, und MG.-Feuer des Feindes erfolgreich beendet. Hier hat sich mancher brave Westwallarbeiter das Eiserne Kreuz verdient. Die Folgen zeigten sich sehr bald: An dieser Ecke hat der Franzose nicht versucht, sich Saarbrücken zu nähern. Die einzigen vorübergehenden Erfolge erzielte er weiter südlich bei Sa arge münd, wo er sich in den ersten Wochen des Krieges im Vorfeld bis zum Birnberg vorwagte, bald aber mit recht blutigen Köpfen heimgeschickt wurde.

Dagegen war es den deutschen Grenztruppen ge­lungen, schon im Oktober 1939 ihre Vorfeldstellungen bis Forbach vorzutreiben und damit die beherr­schenden Spicherer Höhen in ihren Besitz zu nehmen. Gerade in dieser Ecke der Saarfront waren die Vorfeldkämpfe immer sehr lebhaft; der Franzose wurde ständig beunruhigt und Schritt um Schritt zurückgedrängt. Morsbach, Roßbrücken, Merlenbach an der großen Straße von Saarbrücken nach Metz fielen nach und nach in deutsche Hand, Merlen- b a ch, ein großes, lothringisches Bergmannsdorf, im Mai d. I. bald nach dem Beginn des deutschen Feld­zuges im Westen. Dadurch wurde Frankreich mehr und mehr von seinen lothringischen Kohlengruben abgedrängt, von denen der bekannte SchachtR e - m e a u x" in der Zeit des Völkerbundsregimes im Saargebiet, 10 Meter von der saarländischen Grenze entfernt, niedergebracht worden war, um von hier aus unter die Reichsgrenze hindurch die reichen Koh­lenlager des Warndt abzubauen. Alle diese Orte gehörten bereits zu der Bunkerlinie der Maginot- befestigungen. Wie hart hier in dieser Zeit der Vor­feldkämpfe gerungen wurde, beweisen die zum Teil sehr weitgehenden Zerstörunge durch Beschuß und Sprengungen. Die vielen Laubhütten in den dichten Buchenwaldungen dieses Gebietes deuten auf die Zu­sammensetzung der hier eingesetzten französischen Ver­bände hin. Farbige Truppen haben hier ihr Unwesen im wahrsten Sinne des Wortes getrieben.

Die Wohnungen der lothringischen Be­völkerung dieser Dörfer wurden bis zum Letz­ten aus geplündert. Polstersessel, Betten, Ma- hagonistjchle und -Tische, Hausgerät hat man her­ausgeschleppt und alles in den zum Teil sehr pri­mitiven Unterkünften verwendet, wo sie unter dem Einfluß der Witterung verkommen sind oder zer­stört wurden. Was nicht durch die Kriegseinwirkun­gen zerstört wurde, wurde von den französischen Truppen rücksichtslos vernichtet und vergeudet. -So trafen wir in einem Dorfe der Maginotlinie zwei Einheimische, noch in der französischen Uniform, die gerade aus dem Gefangenenlager eingetroffen waren. Sie zeigten uns ihr bäuerliches Anwesen. Die Scheune hatte man einfach niedergerissen, weil die französische Stellungstruppe keine 100 Meter davon entfernt sich einen Unterstand gebaut und da­zu Gebälk und Türen verwandt hatte. Auch bei den meisten übrigen Häusern finden sich gleiche Zer­störungen, während Kampfeinwirkungen nur in einigen Fällen festzustellen sind. Wie wir von ver­schiedenen anderen französischen Soldaten der loth­ringischen Bevölkerung erfuhren, machten sich die Franzosen aus Jnnerfrankreich ein besonderes Ver­gnügen daraus, die lothringischen Ortschaften zweck- und sinnlos zu verwüsten. Man trifft deshalb auch in den Kampfgebieten kaum eine Ortschaft an, die nicht mindestens durch Plünderung stark gelitten hat.

Beweisen schon diese Feststellungen, daß franzö­sischerseits keinerlei Vorsorge getroffen worden war, um das Eigentum der evakuierten Bevölkerung zu schützen, so erfährt man von den langsam zurück­flutenden Bevölkerungsteilen, daß von einer Be­treuung oder geordneten Rückführung kaum gespro­chen werden kann. Niemand hat sich um die Lothringer oder Elsässer gekümmert, und in den Beherbergungsgebieten wurden sie vielfach als Boche" bezeichnet und entsprechend behandelt. Wenn je bei ihnen Sympathien für Frankreich be­standen haben sollten, so sind sie nach ihren jetzigen Erfahrungen restlos davon geheilt. Sie müßten ver­zweifeln angesichts ihrer zerstörten Heimat, wenn nicht von deutscher Seite hier eine Betreu- ungs- und Aufbauorganisation einsetzte, die sich ein­mal mit der Unterbringung und Versorgung der Be­völkerung befaßt, zum andern durch Einsatz entspre­chender Aufbaukommandos Unterkunftsrnöglichkeiten schafft, um die Gebiete langsam wieder bewohnbar zu machen. ,.r, r

Es ist viel zu tun, weil französrscherseits alles unterlassen wurde, was die Existenz der Bevölke­

rung hätte sicherstellen können. Man versteht, wenn diese schwergeprüfte Bevölkerung trotz des trostlosen Zustandes ihrer Wohnungen froh ist, jetzt der deut­schen Ordnung zu unterstehen. Durch die An­leitung und Beaufsichtigung der deutschen Aufbau­kommandos wird die Bevölkerung, soweit sie be­reits zurückgekehrt ist, mit allem versorgt, was ihr die Möglichkeit gibt, sich zunächst notdürftig einzu­richten und sich nutzbringend zu beschäftigen. Leider bieten die Felder infolge der Kurzsichtigkeit der französischen Behörden kaum nennenswerte Lebens­mittel. Deshalb ist auch die Viehhaltung zunächst äußerst schwierig. Doch sorgt auch hier deutsche Or­ganisation dafür, daß die vernachlässigten Wiesen gemäht und die Felder in Ordnung gebracht werden. Der Unterschied zwischen den Verhältnissen auf deutscher Seite und hier ist so kraß, daß man auf lothringischer Seite den Eindruck hat, in ein völlig ausgestorbenes und verödetes Land zu kommen.

Kapitulation oder Vernichtung.

Die römische Presse zur Kriegslage.

Rom, 2. Aug. (Europapreß.) In mächtigen Schlagzeilen unterstreicht die römische Presse, daß die kriegerischen Operationen gegen England im Norden, im Mittelmeer und in Afrika in vollem Gange sind. Häufig sei in der neutralen Presse die Ansicht geäußert worden, daß England nun durch die Blockade derInsel" erstickt werden

Rio de Janeiro, 2.Aug. Der britische Hilfs­kreuzerAlcantara" tief am Donnerstagvormit­tag in den Hafen von Rio de Janeiro ein. Der Hilfskreuzer hat nach einem amtlichen Londoner Kommunique vom Mittwoch einen Kampf mit einem deutschen Kaperschiff ausgefochten. Schon als das riesige englische Schiff (22 209 VRT.) in den Hafen einlief, konnte man sich durch Augen­schein davon überzeugen, welche schwere Be­schädigungen es bei dem Gefecht erlitten hat. Das Schiff muß Treffer unter der Wasser­linie erhalten haben, denn ein Teil des Schiffs­rumpfes ist vollgelaufen. DieAlcantara" liegt nach Backbord über, das Heck liegt sehr tief im Wasser, während der Bug hoch aus dem Wasser hervorragt.

Britische Kapitalanlagen in Brasilien verstaatlicht.

Mailand, 1. Aug. (Europapreß.) WieSera" aus Rio de Janeiro meldet, hat der brasilianische Staatspräsident durch Dekret die Verstaat­lichung der großen Eisenbahngesell­schaft Brasil Railway Company und aller ihrer Tochtergesellschaften, d.h. etwa eines Dutzends EifenbahngesellschafteU in Brasilien, an- geordnet. Da das Kapital dieser Gesellschaften

Der Wehrniachtsbericht vom Donnerstag.

Berlin, 1.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Durch die Wetterlage war die Tätigkeit der Luft­waffe auch am 31. Juli stark beeinträchtigt. Bei der bewaffneten Aufklärung im Kanal und im Seegebiet westlich der S cilly-I nseln wurden einzeln fahrende bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit Bomben angegriffen. Mit schwächeren Kräften durchgeführte Nachtangriffe richteten sich gegen Schiffsziele und Anlagen in südenglischen Häfen sowie gegen feindliche Scheinwerferslellun- gen. Explosionen und Brände wurden beobachtet. In den Abendstunden kam es in der höhe von Dover zu Luftkämpfen zwischen britischen Spit- fire-Jagdflugzeugen und deutschen Messerschmitt- Jägern. Ohne eigene Verluste gelang es hierbei,

Hannover, 1. Aug. (DNB.) Tief hängen die Wolken in der Nacht zum 1. August über der nord­westdeutschen Tiefebene, vielleicht kaum 400 Meter hoch. Fünf feindliche Bombenflugzeuge flogen Han­nover in dieser Nacht an, und zwar in großer fiöfye. Sie wurden von dem Flakfeuer, das durch die Wolkendecke geschossen wurde, abgedrängt ohne ihre Bomben abwerfen zu können. Eine sechste Ma­schine indessen, die gegen 2 Uhr nachts Hannover anfloa, warf zwei Bomben ab, die in das Gebiet der Südstadt fielen. Hier ist weit und breit keinerlei militärische Anlage zu finden, ganz zu schweigen von Rüstungsbetrieben oder ähnlichen Unternehmungen. Dieses Viertel ist ein reines Wohnvi ert el. Ganz davon abgesehen aber hatte der feindliche Flieger gar feine Möglichkeit, in die-

solle, ohne daß ein direkter Angriff auf die englische Insel erfolge. Diese Ansicht sei ungereimt. Es liege kein Grund vor, gegen den Gegner keinen tödlichen Schlag zu führen, um den von England verschuldeten Krieg durch einen raschen und völligen Sieg zu krönen. Nach der B o m - bardierungvon Dover, die den Engländern eine ausreichend gute Kenntnis der Taktik der deut­schen Flieger vermittelt und die sicher tiefen Ein­druck auf die englischen Gemüter gemacht habe, seien solche Vermutungen dahin. Die Ergebnisse dieser offensiven Erkundungen" seien in der Tat für Dover furchtbar gewesen. In wenigen Minuten seien die wichtigsten Anlagen des großen Hafens für unbestimmte, aber gewiß nicht kurze Zeit, völlig unbenutzbar gemacht worden. Durch die Versenkung einiger Schiffe aber durch deutsche Flieger sei auch der Hafen selbst für den Schiffsverkehr zum größten Teil unbrauchbar geworden.

Giornale d'Jtalia" erklärt: Es bestehe kein Zwei­fel, daß bie* innere und die äußere Lage Groß­britanniens sehr viel ernster sei, als dies aus weni­gen und fragmentarischen Enthüllungen einiger eng­lischer Blätter und aus zufälligen Berichten von Augenzeugen hervorgehe. England sei nicht nur be­reits vom Kontinent verjagt worden, son­dern es beginne sich auch sein Ausschluß aus jenen Gebieten abzuzeichnen, wo es seit Jahrhunderten seine Macht entfaltet und auf die es zum größten Teil seine Weltherrschaft gestützt habe.Tribuna" erklärt, daß es für England heut^ nur eine Alter­native gebe: entweder bedingungslose Ka­pitulation ober völlige Vernichtung. Der Krieg habe heute ben Charakter eines euro­päischen Krieges verloren unb die Form einer Ak­tion ganz Europas gegen einen einzigen Staat an­genommen, der sich ber Neuordnung widersetze.

sich zum großen Teil in britischen Händen befindet, mit kleinen französische«, belgischen unb nord amerikanischen Beteiligungen, beginnt das eng­lische Eigentum in Südamerika unter ben Folgen ber Prestige-Einbuße Großbritanniens bereits zu leiben. Der Beschluß des brasilianischen Präsibenten hat nach Meinung derSera" in diesem Augen­blick nicht nur wirtschaftliche unb finanzielle, son­dern auch politische Bedeutung.

Englands Blockadeausdehnung gefährlich und unüberlegt".

Madrid, 2. Aug. (Europapreß.) Zu der von dem englischen KriegswirtschaftsmiAister D a l t o n angekündigten Ausdehnung der britischen Blockade schreibt die ZeitungABC" am Don­nerstag:England stellt sich damit der ganzen Welt entgegen. Sogar die USA., die soviel Sympathien für England aufbringen, äußerten ihre Besorgnis über Englands Vorhaben, da auch ihr Außenhandel bedroht ist. Die Ausdehnung einer Blockade über das Kreisfeld ber Kriegsteilnehmer hinaus ist eine ernste Maßnahme von schwerwiegen­den Folgen, um so mehr, als sie nicht bas eine oder anbere Land betrifft, sondern ben ganzen Kon­tinent erfallt. Man kann kaum glauben, baß England diesen so gefährlichen Schritt genügend überlegt hat."

fünf britische Jagdflugzeuge und zwei Sperrballone abzuschießen.

Beim Einstiegen einzelner britischer Bombenslug- zeuge im Laufe des Tages in norwegisches, däni­sches und holländisches Gebiet wurden drei wei­tere feindliche Flugzeuge abgefchof- f e n.

Die von feindlichen Flugzeugen in der Nacht zum 1. August in Nord- und Westdeutschland abgewor­fenen Bomben richteten nur geringen Schaden an. Lin in größerer Höhe über den Wolken fliegendes feindliches Flugzeug warf eine Anzahl von Bomben in das Sladtinnere von Hannover, weitab von jeder militärischen Anlage, hierbei wurden mehrere Häuser schwer beschädigt, einige Personen getötet und verletzt.

Die Gesamtverluste des Feindes betrugen gestern acht Flugzeuge, zwei eigene Flugzeuge werden ver­mißt.

ser mondlosen Nacht unb aus einer Höhe von we­nigstens 5000 Meter irgenbein Ziel unterhalb ber mehrere taufenb Meter starken Wolkenbecke zu erken­nen. Zu feige, um bie Wolkendecke zu burchstoßen unb sich ein Ziel zu suchen, warf er bie Bomben a u f bie Wohnstätten frieblicher Bürger, Bomben schweren Kalibers, wie bie Verwüstungen, bie sie anrichteten, zeigen. Während bie eine auf die Straße fiel unb bie Fronten mehrerer Häuser stark beschädigte, traf bie zweite ben hinteren Teil eines Gebäubes. Sie burchschlug bas leichtgebaute Haus einen Bau aus dem Jahre 1926, und zwar in nahezu senkrechtem Einfall. Auch bas läßt auf bie Höhe schließen, aus der ber Feindflieger feine Bomben abwarf.

Dies ift, wie es nach den ähnlichen Angriffen

Britischer Hilfskreuzer im Kampf mit deutschem Kaperschiff schwer beschädigt.

Mit Treffern unter der Wasserlinie in eingelaufen.

AngriffegegenSchiffszielenndsüdenglische Häfen

Mische Wen ans Wohnviertel Hannovers.

Feiger nächtlicher Lleberfall aus großer Höhe im Schutz dichter Wolkendecke.

Das isolierte Pfund.

In diesemmerkwürdigen" Kriege kehren sich für England alle Hoffnungen m ihr Gegenteil. Ein­kreisen wollte man Deutschland und wurde selbst eingekreist. Blockieren wollte man Deutschlanb und ist heute selbst blockiert. Den Krieg aus­weiten wollte England und steht heute allein dem Deutschland gegenüber, das Polen vernichtete, bie Enaländer aus Norwegen vertrieb, Holland und Belgien zur Kapitulation zwang unb das stolze Frankreich so vernichtend schlug, baß es bedingungs­losen Waffenstillstand erbitten mußte. Den Krieg hat England bamit bereits verloren.

Aber es hat auch ben Frieden bereits verloren. Um seines Gelbsacks willen zog England genau wie 1914 auch biesmal wieder in den Kampf. Mit sei­nem Gelbsack hoffte es, ben Krieg zu gewinnen. Noch immer war ja das Pfunb dieWeltwäh­rung". Zwar hatte bereits ber vorige Krieg bie Gefahr her auf beschwor en, baß der amerikanische Dollar bas Erbe bes Pfundes antreten würde, aber Amerika verstand es nicht, die günstige Situa­tion zu nutzen. Wie sich Wilson diplomatisch und politisch von ben gewiegten Routiniers Englanbs unb Frankreichs ausschalten ließ, so würbe ber Ein­fluß Wallstreets sehr bald roieber von der englischen City zurückgedrängt. Das Pfund blieb bie Welt­währung.

Die amerikanische Handelspolitik, bie nicht ein­sehen wollte, baß bie Bedeutung bes Goldes nur er­halten bleiben konnte, wenn eine vernünftige Neu­verteilung vorgenommen würbe, b. h., wenn bie großen Golbbesitzer, also in erster Linie Amerika selbst, bereit waren, eine passive Handelsbilanz in Kauf zu nehmen, sah im Gegenteil ihr vornehmstes Ziel darin, große Ausfuhrüberschüsse zu erzielen. Das Resultat war, daß immer mehr Gold nach den Vereinigten Staaten strömte (heute sind von rund 27 Milliarden Goldbestand ber gesamten Wett über 20 Milliarden im Besitz der USA.) unb bie golbarmen Völker immer weniger in der Lage waren, mit Gold zu bezahlen. Sie konnten infolge- besten immer weniger kaufen. Der Well­handel ging zurück, der Mechanismus bes Goldes als des allgemein gültigen internationalen Zah­lungsmittels versagte mehr'und mehr.

Selbst Englands Außenhandel ging zu­rück. Deswegen entschloß sich England 1931 seine Währung abzuwerten und vom Golde zu lösen. Da­mit wurde erreicht, daß englische Waren in ber ganzen Welt billiger würben und infolgebessen leichter abgefetzt werden kannten. Dieses egoistische Währungsmanöver der Englänber stellte besonders die Staaten vor eine schwierige Situation, die sine aktive Handelsbilanz mit England hatten. Sie muß­ten befürchten, daß ihnen bie Englänber, wenn sie der Pfund abwertung nicht folgten, nicht mehr so viel wie früher ab kaufen würden, da sie ja bann mehr Pfunbe für bie Waren aus diesen Ländern hätten zahlen müsten als bisher. Das galt beson­ders für die nordischen Staaten in Europa und für einen großen Teil ber fübamerifa- Nischen Staaten, wie z. B. Argentinien. Eng- lanb hätte zweifellos manche der aus diesen Län­dern bisher bezogenen Waren aus Empirestaaten (z. B. Butter unb Fleisch aus Neuseeland unb Au­stralien, statt aus Dänemark unb Südamerika) be­ziehen können, wo Pfunb gleich Pfunb war. Die Bedeutung des englischen Absatzmarktes war also letztlich die Triebfeder für den Anschluß an das Pfund.

So kam der sogenannte Pfundblock zustande, dem 1938 noch rund 16 Staaten außer dem Empire angehörten. Ihm stand der 1933 von dem ftanzö- sischen Finanzminister Bonnet ins Leben gerufene Golbblock gegenüber, ber in ber Hauptsache aus Holland, Frankreich und ber Schweiz bestand, und weiter der amerikanische Dollar, ber im Interesse des amerikanischen Außenhanbels von Roosevelt ebenfalls ab gewertet wurde Der Golb- block brach praktisch infolge bauernber Angriffe der Spekulation auf ben französischen Franken und ben Gulben zusammen unb mußte schließlich im Wäh­rungsabkommen zwischen Englanb, USA. unb Frank­reich bei dem Pfunde unb dem Dollar Hilfe suchen. Amerika erkannte nicht, baß esaufdenAbsatz- - - iii. -g

auf Düsseldorf, Offenbach usw. scheint, bie neue Art ber englischen Kriegführung: Bomben auf Wohn­viertel, Mord an Zivilisten, an Frauen und Kin- bern, sinnlose Zerstörung von Wohnhäusern. Wenn Herr Churchill etwa glaubt, mit diesen Methoben bie Wiberstandskraft des deutschen Volkes schwä­chen zu können, so ist er schlecht beraten. Die ge­rechte Empörung der Bevölkerung über diesen feigen nächtlichen Mord ist durchaus nicht das, was er vielleicht erwarten zu können hoffte. Wir wissen, daß dieser Krieg nicht durch solche Nadelstiche denn als etwas anderes kann man diese traurigen, militärisch belanglosen Ergebnisse der britischen Luftkriegführung nicht bezeichnen entschieden wird. Die deutschen Angriffe auf englische Stützpunkte werden Herrn Churchill bewiesen haben, daß unsere Luftwaffe bei ihren erfolgreichen Angriffen weder den Schutz ber Wolkendecke, noch den der Nacht benötigt, um ihre Ziele zu treffen. Das weiß die Bevölkerung Unb so beklagenswert im einzelnen Falle bie Folgen biefer britischen Bru­talität fein mögen, wir stehen im Kriege unb wissen, daß ein Krieg Opfer verlangt. Hannovers Bevölke­rung hat dieses Attentat mit kühler Gelassenhett ausgenommen. Sie oertraut auf bie deutsche Luft­waffe.

Gibraltar

am Mittwoch erneut bombardiert.

Mailand, 2. August. (Europapreß.) Wie die Stampa" aus La Linea meldet, haben am Mitt­wochabend neuerdings Flugzeuge unbekann­ter Nationalität Gibraltar überflogen und zahlreiche Bomben schwersten Kali­bers abgeworfen. Einzelheiten sind über bie Vorn- barbierung noch nicht bekannt.