Ausgabe 
2.8.1940
 
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markt ankam, behielt vielmehr seine sture Aus- fuhrüberschuh-Politik bei und verpaßte damit wie­derum die Gelegenheit, den Dollar zur Weltwäh­rung zu machen. Scheinbar war damit Englands Stellung so stark wie nur je. In Wirklichkeit ver­hielt es sich anders. Die Schwäche der englischen Zahlungsbilanz mit ihrem in den letzten Jahren wachsenden Defizit infolge des riesigen Einfuhr­überschusses unterhöhlte im Men die schein­bar so starke Stellung des Pfundes, denn es war klar, daß England über kurz oder lang diese ruinöse Einfuhr einschränken mußte. Bereits kurz vor dem Kriege trat ein Sturz des Pfundes ein, wobei Eng­land im Interesse seiner Goldbestände darauf ver­zichtete, von dem klassischen Mittel der Kursstützung durch Goldabgabe unbeschränkten Gebrauch zu machen. Man ließ den Kurs des Pfundesfrei aus­pendeln". Es gelang zwar auf diese Art, das Pfund bald wieder aufzufangen, aber die Unsicherheit des Kurses der Weltwährung hatte doch viele Staaten bedenklich gemacht. .

Das zeigte sich, als der Krieg kam. Fast auf der Stelle lösten sich die neutralen Länder von dem Pfunde, und heute steht praktisch das Pfund ebenso allein da, wie England selbst. Außer Aegypten und dem 3rat gehört kein neutraler Staat dem Pfund­block mehr an. Ja, in den letzten Tagen deutete so­gar die Südafrikanische Union, also ein Dominion des englischen Weltreiches an, daß ein weiteres Sinken des Pfundkurses auch für Südafrika die Lösung vom Pfunde nötig machen könnte. So weit ist es also bereits jetzt gekommen. Was aber wird aus dem Pfunde werden, wenn England geschlagen ist? Es kann dann unmöglich seine frühere hohe Einfuhr halten. Seine Stellung als kaufkräftigster Absatzmarkt der Welt ist dahin.

Der größte Absatzmarkt für Europa ist in Zu­kunft Deutschland, und die Reichsmark wird künftig zweifellos an die Stelle des Pfundes treten. Die Neuordnung der europäischen Wirtschaft, über die Reichswirtschaftsminister Funk vor kurzem sprach, läßt dies klar erkennen. Mit Weltmacht und Weltwirtschaft ist auch das Ende des Pfundes als Weltwährung gekommen. Die neue auf Arbeit und Produktion gegründete Wirtschaftsordnung Europas wird sich weder nach dem Golde, noch nach der Weltwährung des Kapitalismus und des Händler- tums, nämlich dem englischen Pfunde, ausrichten, sondern nach der Währung der Arbeit, der deutschen Reichsmark.

Italienischer Wehrmachtsbericht.

Erfolgreiche Tätigkeit der italienischen Luftwaffe.

Rom, 1. Aug. (DRV.) Der italienische Ivehr- machtsbericht vom Donnerstag hat folgenden Wort­laut:

Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt: Es ist festgestellt worden, daß während der Luft- aktion vom 28. Juli gegen feindliche Einheiten im östlichen Alillelmeer ein englischer Zer­störer versenkt worden ist.

Während eines Aufklärungsstuges über Malta hat eine unserer Jagdstaffeln eine feindliche Staffel angegriffen. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschosfen. Eines unserer Flugzeuge ist nicht zurückgekehrt.

In Ostafrika haben wir wirksame Luft­akt i o n e n auf W a j l r, wo ein krafkwagenlager erfolgreich im Tiefflug beschossen wurde, sowie auf den Flughafen von Buna unternommen, wo drei Flugzeuge am Boden getroffen und schwer beschä­digt wurden. Der Feind hat E a f s a l a bombar­diert, wobei nur leichte Schäden verursacht wurden.

Die jugoslawische Reform.

Belgrad, 1. Aug. (Europapreß.) In der jugo­slawischen Oeffentlichkeit wird gegenwärtig die Frage der wirtschaftlichen und sozialen Reformen viel erörtert. Das Organ des Führers der Kroati­schen Bauernpartei Dr. MatschetHrvartki Dnevnik" schreibt dazu, die zu erwartenden Refor­men würden für Jahrzehnte geschaffen; sie könnten daher nicht schnell und ohne große Ueberlegung durchgeführt werden. Man müsse dazu vor allem das Ende des Krieges und eine Stabilisie­rung der internationalen Lage abwarten. Alle Re­formen in Jugoslawien müßten auf den bäuer- lichen Charakter des Landes Rücksicht neh­men. Es wäre deshalb angebracht, daß auch in Ser­

bien eine ähnliche politische, soziale und wirtschaft­liche Organisation des Bauernvolkes durchgeführt werden würde wie in Kroatien.

Bon unterrichteter Seite wird erklärt, die politi­schen Besprechungen, die in den letzten Tagen in Bled, der Sommerresidenz des Prinzregenten, ge­führt worden seien, hätten sich nicht auf die Frage einer etwaigen Kabinettsumbildung bezogen, sondern der Regelung des Staatshaushalts für die nächsten acht Monate sowie anderen politischen Maß­nahmen, wie dem Verbot der Freimaurerei, gegol­

ten. Der Staatsvoranschlag für die nächsten ackst Monate ist bereits vom Regentschaftsrat unterzeich­net worden und tritt am 1. August in Kraft. Obwohl die Staatsausgaben gegenüber dem gleichen Ab­schnitt des Vorjahres etwas gestiegen sind, sind Steuererhöhungen nicht vorgenommen worden. Mi­nisterpräsident Zwetkowitsch und mehrere andere Minister sind am Mittwoch von Bled abgereist. Der Innenminister hat jegliche Tätigkeit der Frei­maurerlogen in Jugoslawien verboten.

tisieren mit aller Schärfe, daß die Regierung dis wichtigen Fragen, welche das ganze Land mter- essieren, im Geheimen behandeln will. Die Oessenl- lichkeit müsse über die politischen und diplomatischen Ereignisse auf dem Laufenden gehalten werden, selbst- verständlich in dem Maße, wie das mit der natio­nalen Verteidigung zu vereinbaren sei.

Daily Mail" weist daraus hin, daß d, e P r e, s e um über 30 v. 5). gestiegen seien. W Preissteigerung habe einen verhängnisvollen Ein­fluß auf die-Lohnerhöhungen in der In- dustrie und der Landwirtschaft genommen. Industrie und Landwirtschaft machten sich gegenseitig durch Lohnerhöhungen die Arbeitskräfte streitig. Da die Regierung sich nicht bemühe, die Lohnbewegung zu regeln und -zu überwachen, sei England bereits i n den b erühmten Kreislauf eingetreten, bei dem die Löhne hinter den Preisen herlaufen und der zur Inflation führen müsse. In den Volksmassen herrsche lebhafte Unzufriedenheit über die negative Wirtschaftspolitik der Regierung, durch die weite Kreise der Bevölkerung ins Elend gestürzt würden, während einige Bevorzugte sich übermäßig bereicherten. Die Bemühungen der Landwirtschaft, die Arbeitskräfte, die, durch die hohen Löhne ange­lockt, nach den Städten abwanderten, durch ebenfalls unablässig steigende Löhne festzuhalten, führten zu immer neuen Erhöhungen der Lebensmittelpreise. Daily Mail" wirst der Regierung vor, daß sie aus Angst vor der Labour Party nicht rechtzeitig für eine Stabilisierung der Preise und Löhne gesorgt habe. Unlängst habe zwar der Arbeitsminister er­klärt, die Regelung der Löhne müsse mit Festigkeit und Sorgfalt vorgenommen werden; aber gesche­hen sei seitdem nichts. Heute herrsche aber in Industrie- und Finanzkreisen die Auffassung vor, daß es bereits zu spät sei, um die Inflation zu ver­hindern.

Oer Schlag gegen die briiischen Spione in Japan England sucht nach Repressalien.

Stockholm, 2. Aug. (Europapreß.) Die Welle von Verhaftungen englischer Spione hat nun auch auf das chinesische Festland übergegriffen. In Tientsin wurden zahlreiche Engländer festgenom­men. Nun möchte London so gern eineRepres­salie" ergreifen, weiß aber nicht, welcher Art diese sein soll. Man spielt mit dem Gedanken, das eng­lisch - japanische Burma-Abkommen zu kündigen, durch das der Transitverkehr nach China zur Ausrüstung der Truppen Tschiangkai- scheks gesperrt wurde. Allerdings sind die nichtamt­lichen Kreise Londons in der Ausarbeitung jolcher Pläne eifriger als die amtlichen, wo man, wie in einer Pressekonferenz erklärt wurde, zunächst ein­malabwarten" will. DerDaily Expreß" fordert die englische Regierung auf, sich nicht mit einfachen Protesten zu begnügen, sondern zu Repressa­lien überzugehen. Zunächst solle man sofort elf japanische Persönlichkeiten in England verhaften, darüber hinaus müsse die englische Regierung ein Einfuhrverbot für japanische Waren erlassen.

Japanische Warnungen.

Tokio lätzt sich nicht cinschüchtern.

Tokio, 1. Aug. (Europapreß.) Als Symptom desnäherkommenden Niedergangs Englands" sieht das japanische BlattPomiuri diewachsende Hysterie" an, die sich in England in der Reaktion auf die japanischen Gegenspionagemaßnahmen zeige. Die von der englischen Presse erhobene Forderung nach sofortigen Vergeltungsmaßnahmen gegen Ja­pan lasse darauf schließen, daß die englische In­telligenz völlig aus dem Gleichgewicht gebracht worden sei. England habe offensichtlich seine eigenen Maßnahmen gegen Spio­nageverdächtige, wie auch die Tatsache vergessen, daß sich Japan gleichfalls im Kriegszustand befinde. England habe angesichts seines heutigen Kampfes auf Leben und Tod offensichtlich jede Zu­rückhaltung und jede ruhige Ueberlegung verloren.

Nitschi Nitschi" betont, daß die japanische Re­gierung jede Einmischung eines dritten Landes in die von Japan für notwendig gehal­tenen Maßnahmen zur Spionageabwehr entschieden a b l e h n e. Wenn London Aufklärung oder sofor­tige Entlassung der verhafteten Briten gefordert habe, so handle es sich hier um eine Einmischung in innere Angelegenheiten Japans. Wenn in Lon­don mit Gegenmaßnahmen gedroht werde, wie Ver­haftung von japanischen Staatsbürgern in England,

Genf, 1. Aug. (DNB.) In derAction Fran- ?aise" veröffentlicht Charles Maurras folgendes Erlebnis, das für den Zeitpunkt, an dem gewisse französische politische Persönlichkeiten auf den Krieg hinarbeiten, bezeichnend ist. Im April 1939 zögerte ein hoher französischer Beamter, der im Auslandsdienst stand, seinen überseeischen Posten anzutreten. Dieser gute Bürger, dessen Name, Adresse und Dienstgrad ich kenne, sagte zu einem Kollegen, daß der Friede ihm sehr un­sicher erscheine, und stellte sich die Frage, ob er zur rechten Zeit heimkehren könnte. Der Freund schlug ihm vor, einen gutinformierten Augur zu be- ftagen, einen Freund von ihm, der in Gunst stand, aber in der Außenwelt wenig hervortrat. Der große Herr wurde besucht, und unser Beamter fragte ihn: Sind Sie der Ansicht, daß ich abreifen soll?"Ja, unter einer Bedingung."Welche?"Nun, wir sind im Monat April; seien Sie im August wieder zurück."Warum?"Weil wir im August Krieg haben werden."Im August Krieg? Ist das möglich?"Wir werden ihn haben." Warum, warum?" wiederholte der französische Beamte.Weil wir ihn wollen", antwortete die hohe Persönlichkeit.

Freches britisches Ansinnen an petain.

England will Luft- und Flottenstützpunkte auf Französisch-Madagaskar errichten.

Stockholm, I.Aug. (Europapreß.) Nach Blät­termeldungen aus London soll die englische Reaie­rung an Marschall Pötain das Ansinnen gerichtet haben, die Errichtung von Flotten- und Flugzeug st ützpunkten der englischen Flotte und Luftwaffe auf Französisch- Madagaskar, der großen Insel an der Ostküste Afrikas, zu ge­statten. Glaubt England wirklich, daß Frankreich seinem ehemaligen Verbündeten, nachdem es seine Bundestreue mit zahlreichen Opfern bei dem eng­lischen Piratenstück von Oran bezahlen mußte, nun auch noch eigenen Boden zur Verfügung stellen würde, um vielleicht England eine geeignete Basis für einen neuenFall Oran" zu geben? Dieses bri-

3m August werden wir Krieg haben, weil wir ihn wollen."

Oie französischen Kriegsmacher bereits im April 1939 zum Kriege entschlossen.

Britische Verteidigungssorgen.

Stockholm, 2. Aug. (Europapreß.) Die Hei- matoerteibigung in derFestung England" wird wieder umorganisiert. Nach der Katastrophe von Dünkirchen baute man Barrikaden und errich­tete Sperren auf Straßen und Plätzen, um etwaige Bewegungen deutscher Truppen zu verhindern. Nun steht man es als das beste an, wenn im Falle deutscher Truppenlandungen der englische Truppen­einsatz so schnell wie möglich beginnen kann. Dieser Einsatz wird durch die Hindernisse erschwert, die ursprünglich gegen die Deutschen gerichtet wurden. Um m der Oeffentlichkeit keinen Unwillen wegen dieser Umorganisation aufkommen zu lassen, er­klärt die Presse, die neuen Maßnahmen seien ein Beweis dafür, daß die Verteidigungskraft des Lan­des gestiegen fei. So hat der Jndienminister A m e r y in einer Rede in Dudley seinen erstaun­ten Hörern allen Ernstes versichert:Während wir mit unserer Stärke von Monat zu Monat wachsen, hat der Feind bereits den Höhepunkt feiner Macht und feiner Mittel überschritten. Seine Erfolge ver­mehren seine Schwierigkeiten." Er behauptete fer-

tische Verlangen reiht sich würdig in die Kette der bisherigen Unverschämtheiten britischer Plutokraten ein. Schwedische Blätter heben hervor, in Vichy werde bereits erklärt, daß jedes Eingehen auf die englische Forderung demWaffenstillstands- abkommen zuwiderlaufe.

Oie erste Ausbürgerungsliste in Vichy veröffentlicht.

JüdifchePlutokratenundHetzerflohenzuerst

Bern, I.Aug. (DNB.) In Vichy ist die erste Liste der Persönlichkeiten der französischen Finanz­welt, des Zeitungswesens und des Handels be­kanntgegeben worden, deren Vermögen und Privat­besitz nach den neuen Bestimmungen eingezogen wird, da sie zwischen dem 10. Mai und dem 30. Juni aus Frankreich geflohen sind. Unter diesen Per­sönlichkeiten befinden sich zwei der ersten französi­schen Bankiers namens Eduard de Rothschild, Chef der französischen Zweigniederlassung des be­kannten internationalen Bankhauses, und Louis D r e y f u s , der besonders als Importeur süd- amerikanischen Weizens bekannt ist. Beide gehören zu den fünf reichsten Leuten Frankreichs. Ferner werden die Namen von sieben Journalisten genannt, nämlich Madame Tab ouis (Oeuvre), Andrö G e r a u d, der unter dem Pseudonym Pertinax bekannt ist, Pierre Laz areff, Herausgeber des Paris' Soir, Henry de Kerillis, Herausgeber der Epoque, B u r ö, Herausgeber des Ordre, Jo­seph K e s f e l und Elie I. Bois, Herausgeber des Petit Parisien. Unter den Industriellen befinden ich Louis Rofengart, bekannter Automobil- abrifant, Lewitan, Frankreichs größter Radio­fabrikant, der die meisten Reklamen über das Radio verbreitete, Frankreichs erster Hutfabrikant S o lenski (Handelsname Sools) und einer der ersten Antiquitätenhändler, der Deputierte Eduard Io­nas. Alle diese Personen werden ihre Güter und ihre französische Nationalität verlieren, wenn sie nicht stichhaltige Gründe für ihre Flucht ins Aus­land nachweistn können. Der französische Rund­funk erklärte, daß die meisten der ausgebürgerten ihrer Rasse nach Juden waren, bevor sie Franzosen wurden.

ner, die lange Küste, die Deutschland eben beherrsche, sei eine große Gefahr, aber selbstverständlich nicht für die Briten, sondern für die Deuflchen. Denn die Tausende von Kilometer Meeresküste seien doch den Angriffen der englischen Seestreitkräfte ausge­setzt. Bis jetzt hat man freilich noch herzlich wenig von diesen Angriffen gemerkt. Aber Amery kargt nicht mit Vorschußlorbeeren für die britische Krieg­führung.Mit Hilfe unserer Flieger und unserer Flotte" so sagte er,wird unsere Armee in kurzem bereit sein, den Feind auf dem Lande anzugreifen." Den besten Kommentar gibt, wenn auch ungewollt, dieTimes", wenn sie schreibt:Die Jnvasions- gefaxt für Großbritannien hat sich keines­wegs verflüchtigt, und es wäre töricht, wenn wir uns ein rosiges Bild malen wollten. Wir sind uns voll bewußt, daß Deutschland, wenn es zu- | schlägt, hart zus chlä g t."

Die Londoner Zeitungen sind über die zur Regel werdenden Geheimsitzungen des Unterhauses außerordentlich aufgebracht. Die englische Presse fordert volle Wahrheit. Die Zeitungen kri-

Die Plastik auf der Großen Deutschen Kunstausstellung.

Don unserem Sonderberichterstatter Karl Lemke.

in.

München, August 1940.

Die Zeit der Säuberung der deutschen Kunst liegt nun schon einige Jahre zurück. Dennoch muß man sich beim Betreten der Großen Deutschen Kunst­ausstellung im Münchener Haus der Deutschen Kunst jedesmal, in Erinnerung an das Früher, freuen, daß der Mensch nicht auf klumpigem Körper einen Vogelhals hat, daß fein Kopf nicht quer auf dem Halse liegt, daß der Begriff Mutterschaft auch anders als durch übertriebene Wiedergabe der De­formationen der Schwangerschaft im letzten Sta­dium dargestellt werden kann. Daß manVer­zweiflung", wenn sie aufkommt, still in sich ver­schließen und nach außen doch mannhaft (oder fraulich) gefaßt erscheinen kann und sie nicht in einem gipsernen Hohn auf die Menschengestalt Form werden lassen muß. Kurz: daß der ganze Spuk von einst hinweggefegt ist und der Mensch wieder als Mensch hingestellt wird.

Die Plastik der deutschen Bildhauer, die in der neuen Großen Deutschen Kunstausstellung mit Wer­ken vertreten sind, drückt vor allem dies aus. Ihr Maß ist der Mensch, ihr Motiv die Schönheit, ihre Wirkung Freude. Und damit erfüllt sie die Aufaabe, von der Reichsminister Dr. Goebbels in seiner Rede am Tage der Eröffnung sprach: das Leben schöner zu machen. So wird es also nicht wundernehmen, daß ein überragend großer Teil der Plastiken ein­fach der Schönheit dienen, ganz gleich, ob sie nunAphrodite" (von Wilhelm Wandschnei - der) heißen oderFlora" (von Georg Kolbes oderDer Morgen" (von Oswald Hofmann) oberFortuna" (von Paul Scheurle), oder ob sie einfach alsJüngling" (von Heinrich F al­te n m e i e r) oder alsAnmut (von Arno B r e ker) bezeichnet werben. Es ist der junge, unverbil­

dete, schöne Mensch, der, wie jedes Blatt am Baum, immer voneinander verschieden ist, so oft auch nur ein männlicher oder weiblicher Körper dargestellt werden mag.

Aber natürlich ist es nicht nur dies, was die Plastik 1940 zu bieten hat. Sie verbreitet sich auch ebenso über andere Bezirke und ist überall achtung­gebietend und erfreulich. Da sind in einem der bei­den Hauptsäle, der vor allem der monumentalen Plastik gewidmet ist, eine Anzahl bedeutender Werke. Ihren Gesamteindruck beherrscht Adolf W a m p e r sGenius des Sieges", eine wahrhaft deutsche Plastik: eine Jdealgestalt des deutschen Mannes, ein Adler, wachend zu seinen Füßen, und auch ein bereites Schwert ist dabei. Unter solchem Schutz soll die Kunst wohl gedeihen. Der Adler kehrt in der Ausstellung noch des öfteren wieder, immer mit dem gleichen scharfen, unerbittlichen, ziel- bewußten Ausdruck. Noch nie war das deutsche Wappentier so oft Geaenstand des Künstlers, noch nie gab man ihm diese zwingende Prägung. Das gilt von Otto E i ch w a l d sAdler?, wie für Wil­helm Fraß' AllegorieDie Ostmark, bei der auch das Adlertier wieder die gleiche Rolle fpielt.

Der deutsche Mensch des neuen Reiches findet seinen besonderen Ausdruck in der grimmig-bereiten Entschlossenheit, die in Georg TürkesFührer befiehl, wir folgen dir!" liegt, in der Darstellung derKameraden" von Amo B r e f e r, wie in Ott­mar ObermaiersMeister im Wurf" und in vielen anderen. Und er spielt die Hauptrolle in manchem Werk von der Art des Hochreliefs, das (mit olympischem Feuer und Reichsinsignien) G. A. Bredow für die Adolf-Hitler-Kampfdahn in Stuttgart-Cannstatt schuf, und das mit dem Seiten­stück dazu vom gleichen Künstler in einer der Vor­hallen zu sehen ist. Rudolf AgricolasAma­zone" wiederum stellt den neuen Typ der deutschen

Sportlerin dar. Der schöne, strahlende Mensch ... Schon einmal wurde das.Wort hier laut. Es ist wie ein Stichwort: er tritt,auf und ist das Leben selbst, hingegeben dem Leben, das er bejaht. So ragt im anderen der beiden Hauptsäle Josef ThoraksFrauenakt", den Saal beherrschend und gewissermaßen feinen Sinn ausprägend. Auf- schwebend, lichtempfangend ragt diese vollendete Figur weit über alles Menschenmaß empor.

Auch die Porträtbüste ist in zahlreichen vortrefflichen Arbeiten vertreten. Noch einmal muß da Josef T h o r a k erwähnt werden, der mit sei­ner Büste Friedrichs des Großen ein Meisterwerk an Ausdruck und Durcharbeitung gibt. Noch ein zweiter, längst b alpin gegangen er, aber unsterblicher Großer aus deutschen Bezirken ist Künstlervorwurf gewesen: Goethe, in dessen Büste Hans S ch We­ge r l e und Georg Müller viel zu legen wußten.

Ein Kapitel für sich ist d i e Tierplastik, die in der Großen Deutschen Kunstausstellung auf nicht minder hohem Niveau steht. An (9. A. Bredows Stier" ist man geneigt, mit Vorsicht vorüberzu­gehen, so lebendig-angriffslusttg steht er da. Origi­nell in Motivwahl und Ausdruck ist Luise Ter- letzki-ScherssWälzendes Pferd". Ueberhaupt sind Apartheit der Idee und der Ausführung ge­rade auf dem Gebiet der Kleinplastik vorherrschend. So die Schleierschwanzfische Fritz Heidenreichs (Porzellan), die in geschickter Verbindung mit Was­serpflanzen einfach in Luft schwimmen. Ausgezeich­net bewegt und lebendig sind auch die Tierstudien Schreitender Elefant", Springender Leopard", Kämpfende Leoparden" undBrüllender Elefant" von Fritz B e h n. In bas Gebiet des Originellen sind auch die Vronceplaketten von Fred Dries zu stel­len, die keine Gebrauchsplaketten zu irgendeinem Zweck barftellen, sondern die einfach spielerisch sind und phantastische Tier- und Pflanzenstilisierungen zeigen. Sehr originell im Ausdruck ist auch Eugen FreysDer erste Gang", eine Kinderplastrk, die ein kleines Kindernackedei bei seinem ersten Geh­versuch zeigt und in seinem Gesicht überwältigenb komisch das Abenteuer dieses Unternehmens zum Ausdruck bringt.

Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt, dem Menschen, angelangt Vielleicht daß Hermann Zett- litzers ^Ruderer" als 6portftuoii und Georg

WallischsDer Schaufler" als Arbeitsftubie in interessanter Gegenüberstellung noch zu nennen wären. (Es ist ja im Falle ber Plastik in ber Großen Deutschen Kunstausstellung auch nicht anbers als in ber Malerei: baß im Rahmen einer kurzen Betrachtung nur Beispiele hinbeutenb erwähnt wer­den können.) Als Gesamteindruck aber bleibt haften: Die deutsche Plastik 1940 in der Großen Deutschen Kunstausstellung istdiePlastikeinerjungen Nation, die sich auf ihre Jugend und auf sich selbst besonnen hat.

Wie entstand die Jägerei?

Der Urmensch war Sammler. Er lebte von Wur­zeln, Beeren und Kräutern, gelegentlich wohl von Voaeleiern. Wie heute noch manche wilde Stämme in Afrika, so haben sich unsere Urvorfahren, anfangs vielleicht notgedrungen, sicher auch über Die Reste einer Raubtiermahlzeit hergemacht. Sie sanden (&? schmack daran und suchten sich selbst mehr Fleisch zu verschaffen. So entwickelte sich aus dem Würze l- und Beerensammler der Jäger: Knüttel und Stein wurden ihm zur Waffe und zum Werkzeug. Ein schwippender Ast brachte chn auf den Gedanken des Schleuderstockes. Der als Stoßfpeer benutzte zuge- spitzte Stock fand bald Verwendung als Wurfspieß oder in verkleinerter Form als Pfeil zum sinnreich erdachten Bogen. Nunmehr im Besitz der ersten Fernwaffen, vervollkommnete der Mensch sich immer mehr als Jäger. Wie der bekannte Jagdschriftsteller Dr. Arthur Berger in einem farbig bebilderten Aufsatz überDes Weidmanns Kleid im Wandel der Zeit" im August heft von Velhagen & Klasings Monatsheften erzählt, vererb­ten sich die Erfahrungen ber ersten Jäger und wur­den weiter ausgebildet. Hatte man anfangs, wenn es galt, möglickst auf einmal größere Fleischmengen zu beschaffen, Das Wild in Ab gründe getrieben, so ersann man Fallgruben, wie sie bis auf die heu­tige Zeit noch in Indien und Afrika verwendet wer­den. Schlingen und fonftiges Fanggerät wurden erdacht, und während den Frauen und schwächeren Männern die Betreuung der ersten Felder über­lassen wurde, lagen die wehrhaften Männer der oft recht gefährlichen Jagd ob.