Ausgabe 
2.7.1940
 
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den deutschen Verlusten verhalten wie 23:1. Das ist wirklich eineÜberlegenheit", die sich sehen lassen kann! Auch am Sonntag hat sich wieder gezeigt, daß die englische Luftwaffe dann, wenn sie ihren Angriff auf militärische Objekte -richtet, nicht die ge­ringsten Erfolge erzielen kann. 9tyir wenn sie im Schutze der Nacht heranschleicht, um im deutschen Heimatgebiet wahllos ihre Bomben in die Gegend zu streuen, hat sie einige Aussicht auf Rückkehr der ausgeschickten Flugzeuge.

Angesichts solcher Widersprüche zwischen Redereien und Tatsachen verstehen wir durchaus, warum der Londoner Rundfunk sich die aufschlußreiche Bemer­kung entschlüpfen läßt, das einzige Interesse des Publikums bestehe darin, eine Versicherung darüber zu bekommen, daß der deutsche Angriff völlig ver­eitelt werden würde. Das läßt auf eine Panikstim­mung schließen, die die unausbleibliche Folge der ständigen Churchillschen Siegesmeldungen einer­seits und des trotzdem drohenden Angriffes auf Eng­land andererseits ist. Im übrigen ist es bezeichnend, daß man in London selbst auf einen Chamberlain, einen der politisch'und persönlich am meisten bloß­gestellten Männer Englands,, zurückgreifen muß. Mit dem Namen Chamberlains wird ewig die Schande verbunden bleiben, die Lord Astor bestä­tige, als er am 10. Mai 1939 betonte, Chamberlain habe in München den Frieden nur deshalb ge­wählt, weil er zu jener Zeit für einen Krieg zu schwach war. Wenn er also ein Jahr danach gleich­wohl den Krieg herbeiführte, dann muß England sich also seitdem für eine kriegerische Auseinander­setzung mit Deutschland stark genug gefühlt haben. Die Herren in London werden Gelegenheit haben, für diese Ueberzeugung einzutreten.

England auch moralisch isoliert. Italienische Stimmen zur Chamberlain-Rede.

Rom, 2. Juli. (Europapreß.) Die Rundfunk- Erklärungen Chamberlains werden von der italienischen Presse mit ironischen Randbemerkungen versehen. Es sei wirklich nicht notwendig gewesen, meint dieTribuna", daß Chamberlain sich die Mühe gemacht habe, die Gerüchte zu dementieren, wonach er gewisse Friedensbemühungen unterstütze. Denn jedermann habe längst begriffen, daß diese Gerüchte von der britischen Propaganda ausgestreut worden seien. Was aber die Verteidigung der Zivi­lisation angehe, die England nach Chamberlains Worten jetzt allein übernehmen müsse, so genüge es, den Bericht über die Räubereien, Gewalttätigkeiten und die Trunksucht der englischen Soldaten in Frank­reich zu lesen, den Sir John Reith am 13. April er­stattet habe. Danach begreife man, daß niemand mehr diese englische Zivilisation verteidigen wolle. Giornale d'Jtalia" schreibt, in Wirklichkeit sei Großbritannien von allen europ äisch en Nationen verlassen worden, weil sie erkannt hätten, daß es nur seine eigenen imperialen Inter­essen verteidige. Es genüge, die Presse aller euro­päischen Länder zu studieren, um zu erkennen, daß England nicht nur militärisch, sondern auch mo­ralisch und politisch isoliert sei. Und darum sei kein Land mehr geneigt, sein Schicksal an das Großbritanniens zu ketten. Dagegen schließe sich Europa immer mehr dem neuen Geist und der neuen Ordnung an, die die Achsenmächte ankün­digten.

Rumänien verzichtet auf die britische Garantie.

Bukarest, 1. Juli. (D71B.) Montag nachmittag wurde unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Tatarescu ein Ministerrat abgehalten, der auf Grund des von Außenminister Argetoianu vorgelegten Berichtes eine Aenderung der rumänischen Außenpolitik beschloß. Gleichzeitig nahm der Ministerrat zur Kenntnis, daß Rumänien auf die ihm am 13. April 1939 von England und Frankreich geleisteten Garantien ver­zichtet.

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Im Frühjahr 1939 hatte Chamberlain der Ab­kehr von der politischen Linie von München eine Reche freigebig erteilter Garantieversprechen fol­gen lassen. Neben Polen waren vor allem Staa­ten des europäischen Südostens damit bedacht wor­den, mochte ihnen nun die britische Anbiederung willkommen sein oder nicht. Zum Guten ist das britische Hilfsoersprechen keinem der mit ihm be­glückten Völker ausgeschlagen. Polen ließ sich, von London aufgekäschert und in seiner Großmanns­sucht bestärkt, verführen, die Friedenshand des Führers schroff zurückzuweifen und es auf einen Waffengang mit den überlegenen deutschen Nach­barn ankommen zu lassen, der Polens Schicksal in wenigen Wochen besiegelte. Rumänien verleitete es dazu, vor den Zeichen der Zeit die Augen zu schließen und sich tot zu stellen, bis die Revisions­forderung des russischen Nachbarn so deutlich wurde, daß sie nicht mehr länger zu überhören war. In dieser prekären Situation hat sich nun die bri­tische Garantie auch für Rumänien als völlig wert­los erwiesen. Mit dem nun formell ausgesproche­nen Verzicht zieht also Rumänien nur die selbst­verständlichen Folgerungen aus einer Erkenntnis, die den rumänischen Staatsmännern schon längst hätte dämmern sollen. Die britische Garantie für Rumänien war nichts anderes, als eines der vielen Sprungbretter, die sich London für seine Kriegs­ausweitungsprojekte geschaffen hatte, ein Danaer­geschenk für die damit Beglückten, wie das Beispiel Rumäniens erneut bewiesen hat. Es sollte den Völkern, die das britische Garantiespiel noch immer nicht durchschaut haben, eine letzte Warnung sein, die eigene politische Linie rechtzeitig zu überprüfen, ehe auch sie die Kehrseite der ihnen aufgedränqten britischen Freundschaft kennenlernen. L.

Indien und Australien tollen jeht Helsen

Stockholm, 2. Juli. (Europapreß.) Der Inhalt des Gesprächs, das der englische Vizekönig von In­dien, Lord Linlithgow, mit dem indischen Kon- greßführer Gandhi gehabt hat, wird immer offen­sichtlicher, nachdem in Simla bekanntgegeben worden ist, daß Indien in noch stärkerem Maße in die Kriegsmaschinerie Englands einge­spannt werden soll. Es wird vom Londoner Nach­richtendienst erklärt, daß in Indien die vorhandenen Waffen - und Munitionsfabriken aus- gebaut und darüber hinaus neue errichtet werden fallen, um die Herstellung von Kanonen, Munition, Maschinengewehren und anderen kriegswichtigen Gütern, darunter auch Schiffsplatten, beschleunigt durchführen zu können. Es find insgesamt 2,25 Mil­lionen Pfund Sterling zur Verfügung gestellt wor­den, um die Pläne zu verwirklichen. Gleichzeitig wird bekannt, daß alleaustralischen Sch i ff s-

werften ab sofort bis zur Leistungsgrenze heran­gezogen werden sollen, um die englische Kriegsflotte zu vergrößern.

England fordert einheitliches Kommando.

Stockholm, 1. Juli. (Europapreß.) In Lon­doner Blättermeldungen wird die Forderung nach einem einheitlichen Kommando der Landesverteidi­gung immer lauter. Man erkennt die Leistungen

Genf, 2.Juli. (DNB.) Aus Clermont-Ferrand wird demPettt Dauphinois" gemeldet: Der Au­fenthalt der Regierung in Clermont-Fer­rand und in einer benachbarten Stadt war nur vorübergehender Natur. Die Erfahrungen der letzten 48 Stunden haben die Unannehmlich­keiten einer Verstreuung der ministeriellen Dienste und der Parlamentarier enthüllt. Deshalb hat sich die französische Regierung entschlossen, nach Di­ch y zu gehen, wo bereits Kammer und Senat tagen wollten. Vichy, eine Stadt von etwa 25 000 Einwohnern, 50 km nordöstlich Clermont-Ferrand, in der fruchtbaren Limagne, ist das französische Karlsbad und wird alljährlich von Tausenden von Kurgästen aufgesucht. Außerdem geht von hier ein starker Mineralwasserversand in alle Welt. Die zahlreichen Hotels, die nun natürlich leer standen, werden vermutlich der französischen Regierung die Uebersiedelung von Clermont-Ferrand nach Vichy nahegelegt haben. Vor der Uebersiedlung der Regie­rung nach Vichy hat der Kriegsminister allgemeine Richtlinien für die bevorstehende Demobilisa -

General I r o n s i d e s als Chef der Militarein- heiten an, weist jedoch daraus hin, daß die gesamte Zivilverteidigung und die Luftwaffe andern Kom­mandostellen unterstellt sind. Man befürchtet, daß im Falle eines deutschen Großangriffes hier Der erste Grund für eine englische Niederlage zu suchen sein werde.Daily Telegraph" fordert daher eine sofortige Ueberprüfung, DieTimes hatte bereits vor mehreren Tagen ihre warnende Stimme er­hoben.

tion herausgegeben. Unter Berücksichtigung der augenblicklichen Schwierigkeiten, vor allem mirt« schaftlicher Art, wird die Demobilisierung m verschie­denen Abschnitten durchgeführt werden, und zwar nach Möglichkeit entsprechend den Jahresklassen. Jeder Soldat erhält bei der Entlassung eine Ur­kunde, die für die spätere Ausübung einer wirt­schaftlichen oder sozialen Tätigkeit erforderlich ist. Der Beginn und die Laufzeit Der Demobilisierung sind noch nicht festgesetzt. .

Die französische Regierung teilt mit, daß Der Postverkehr mit einer ganzen Anzahl Depar­tements zwischen der nichtbesetzten Zone und Der Besatzungszone nun bereits her gestellt ist. Auch Der Personenverkehr mit Der Schweig sei gesichert.Petit Dauphinois" meldet, daß Der Eisenbahnverkehr, der im Süden Frank­reichs bereits normal funktioniert, auch im gonzen ranzösischen Bahnnetz im Lause Der nächsten Woche wieDerhergestellt sein wird. Marseille sei Durch Die geographische Lage sozusagen das Zentrum des Bahnverkehrs geworden. Von Marseille

aus seien Die BerbinDungen mit BorDeaux, Nizza, Valence für den Personenverkehr wieder hergestellt und für Den Post- und Warenverkehr mit Grenoble, Chambery, Sete und Modane. In einem Bericht aus Dem besetzten Industriegebiet um St. Etienne erklärt ein Sonderberichterstatter Des Pettt Dauphinois", in Den besetzten Großstädten Lyon und St.Etienne herrsche vollkommene Ruhe. Das normale Leben sei keineswegs gestört. Selbst Der Ueberland-Autobusverkehr zwischen Den beiden Städten sei unter Der verständnisvollen Mit­arbeit Der Besatzungsbehörden wieder aufgenommen worden. Die Arbeit beginne allenthalben wieder. Auch Der Telephonverkehr mit Dem ganzen Departement sei mieDer im Gange.

Frankreichs Wirtschaftsleben und Wirtschaftsge- finnung macht unter Dem Druck Der Ereignisse im Augenolick eine starke Wandlung durch. Besonders bezeichnend und heftig ist die Bewegung gegen Die überlebte liberalistische unD händlerische Wirtschafts­auffassung. Der Präfekt Des Departements Bauche Du Rhone erließ sogar eineletzte Warnung vor Der skandalösen Profitmacherei". Er warnte vor Preiserhöhungen und Ausnutzung Der allgemeinen Notlage. Die ganze Nation müsse sich zur Arbeit und zum täglichen Leben in einer Gemeinschaft nationaler Solidarität zusammenfinden. Auch Fran­zösisch -Nordafrika greift zu einschneidenden Rationierungs- und Kontrollmaßnahmen. In Tunis wurde ein Verbot erlassen. Die Preise über Den Stand Des 10. Juni zu erhöhen. Die Seifen- und Oelindustrie murDe unter Kontrolle gestellt. Konden­sierte Milch ist für Kinder unter dreißig Monaten und Kranke reserviert. Der Verkauf von Rahm und die Herstellung aller mit Milch und Rahm zubereite­ten Süßigkeiten ist verboten.

DiesranzöffcheRegierWgsiedeltnachVlchYüber.

Marschall Graziani übernimmt den Oberbefehl in Aordafrika.

Rom. 1. Juli. (DRV.) Der ilalienische Wehr- machtsberlcht vom Montag hat folgenden Wortlaut.

Der Warschau von Italien Rodolfo G r a z i a n i, der bereits im Flugzeug in Libyen eingetroffen ist, hat den Befehl über die gesamten Streitkräfte in Rordafrika übernommen.

Lines unserer Torpedoboote hat ein feind­liches U-Boot mit Wasserbomben angegriffen, getroffen und v e r f e n k t. Ein weiteres unserer U-Boote hat ein viermotoriges englisches Flugzeug abgefchoffen.

Der ZerstörerE s p e r o" ist nach einem helden­haft durchgekämpften Angriff gegen drei englische Kreuzer und einige Zerstörer nicht in feinen Heimathafen zurückgekehrt und muß somit als verloren gelten.

In R.ordafrika sind zwischen unseren Abtei­lungen und feindlichen Panzerformationen Zusam­menstöße erfolgt, die zu unseren Gunsten ausgegan­gen sind: Verschiedene feindliche Panzerwagen und mittlere Tanks sind außer Gefecht gesetzt worden. Unsere Fliegerformatlonen haben Gruppen von Panzerwagen, Kraftwagenparks und Truppen zwischen Sollum und Sidi Ornat sowie bei Sidi Barrani wirksam mit Bomben belegt. Ein feindliches Flugzeug ist von unserer Flak ab- gefchossen worden. Zu den hier im gestrigen Heeres­bericht als abgeschossen gemeldeten feindlichen Flug­zeugen kommt ein fünftes Flugzeug als mit Sicher­heit abgefchoffen hinzu. Der Abschuß von zwei roei- feren Flugzeugen ist wahrscheinlich.

In O st a f r l k a haben unsere Bomber einen wirksamen Rachtangriff auf den Bahnhof von Lk- Teb durchgeführt. Außerdem wurden die Luft- und Seestühpunkte von Aden und Port Sudan wirksam mit Bomben belegt. Eines unserer Flug­zeuge ist nicht zurückgekehrt. Der Feind hat die Stadt harr ar bombardiert.

Der beste Kenner Aordafrikas.

Rom, 1. Juli. (Europapreß.) Marschall ® r a - zia n i ist nach Dem HelDentode Des Marschalls Balbo zum OberkommanDanten aller ita­lienischen Streitkräfte in Italienisch-Nord- asrika ernannt worden; er ist bereits in einem Flugzeug in Libyen eingetroffen. Mit Marschall Graziani hat Der bedeutendste und erfahrenste Kolo­nialkriegsführer Italiens Das Oberkommando in Jta- lienisch-Nordafrika übernommen. Graziani gilt als der beste Kenner der C y r e n a i k a und besonders des Grenzgebietes gegen Aegypten, wo er nach dem Weltkriege die italienische Oberhoheit wiederherstellte, die militärische Besetzung Des Hinterlandes durch­führte, Den Fezzan eroberte und den Aufstand der Senussi niederschlug. Den ständigen Grenzzwischen- sällen setzte Graziani dann ein Ende, indem er einen Drahtverhau entlang Der Grenze gegen Aegypten anlegen ließ.

Der Marschall steht mit Recht ht Dem Rus, sich auf Den Umgang und die Behandlung Der (Einge­borenen zu verstehen. Seit 1908 hat Graziani in Den italienischen Kolonien gekämpft. Im Abessinien- Feldzug hat er die Südfront befehligt und trotz Des mörderischen Klimas überraschende Erfolge erzielt. Für seine Leistungen in Abessinien wurde Gra­ziani der Marschallstab verliehen. Der Marschall ist 58 Jahre alt.

Die (Ernennung Grazianis wird von sämtlichen Blättern lebhaft begrüßt. Graziani vereinige in sich Energie und Geist, Erfahrung und Entschlußkraft. 25 Jahre afrikanischen Lebens, so betontGiornale d'Jtalia", in denen Graziani verantwortungsbe­wußt und entschlossen alle Hindernisse bezwang, ausgedehnte Gebiete für Italien xurürferoberte, Die Besetzung Der Oase Kufra und die Unterwerfung der kriegerischen Senussi beweisen ebenso seine Fähigkeiten wie die Siege in Abessinien. In Der (Ernennung Grazianis erkenne das italienische Volk nicht zuletzt auch wegen des hohen Rufes, dessen sich der Marschall bei den Eingeborenen in ganz Afrika erfreue, die Gewißheit des Sieges, der auch die Stellungen und Interessen Italiens in Nord­afrika erweitern werde. DieTribuna" erklärt, in dem Marschall feien alle Die moralischen und kriegerischen Tugenden des neuen Italiens lebendig, er werde den von Balbo begonnenen Kampf gegen die Feinde Des italienischen Imperiums, die das wiedererstandene Rom erdrosseln wollten, und gegen die Gefängniswärter des Mittelmeeres fort­setzen. Das an Männern und Willenskraft uner­schöpfliche Italien werde weiter den Zielen zumar­schieren, die ihm der Duce gesteckt habe.

Saldos Heldentod.

Mailand, 1.Juli. (Europapreß.) Ueber Den Heldentod Balbos berichtet(Eorriere della Sera", am Freitagabend hätten elf englische Flugzeuge Die gewohnte und vom Angreifer immer teuer be­zahlte Bombardierung Des Flugfeldes von Tobruk durchgeführt. Im gleichen Augenblick steuerte Das aus Tripolis kommende Flugzeug von Marschall Balbo, Der sich auf einer Inspektionsreise befand, Den Flughafen an. Das Flugzeug wurde von Bal­bo und dessen erstem Flügeladjutanten Major Frei­lich gesteuert. Es geriet nun unvermeidlich in die Schlußphase des Kampfes. Als unerfchrok- kener Kämpfer wich Balbo auch Dem Kampf nicht aus, obwohl er fein typisches Kampfflugzeug steuerte. Wie Augenzeugen berichten bäumte sich plötzlich Das Flugzeug Balbos auf, während zwi­schen oen Tragflächen Flammen sichtbar wurden. Das Flugzeug neigte sich schließlich auf die Seite und stürzte auf einen Abhang des Amphitheaters, das südlich von Tobruk liegt. Die Leichen Der Flug­zeuginsassen konnten identifiziert werden. Nach der Einsargung wurden sie in die Kirche von Tobruk und Dann in Den Regierungspalast gebracht, von wo sie, wie schon gemeldet, nach Bengasi übergeführt wurden.

Der Duce sandte folgendes Telegramm an die Witwe Des gefallenen Luftmarschalls:Ihr könnt

meinen Schmerz über den Tod Jtalos verstehen. 20 Jahre gemeinsamen Kampfes und gemeinsamer Arbeit haben zwischen uns eine brü­derliche Kameradschaft geschaffen. Das Schicksal wollte es, daß er auf Dem Wege Des Sie­ges fiel, dessen Wegbereiter und Vorkämpfer er war und bleiben wird. Sein Beispiel wird heute und im­mer ein Führer für Die kommende Generation des Liktorenbündels fein. Mussolini."

Trauerseier in Sengasi.

Bengasi, 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Für Marschall Balbo und seine gefallenen Kameraden fanden in Bengasi ergreifende Totenfeiern statt. Marschall Graziani erwies im Beisein der Witwe Balbos den sterblichen Ueberresten Des Luft- marschalls Die letzten Ehren. Die Leiche Balbos wurde dann auf einer Geschützlafette zur Kirche ge­bracht. Hinter Dem Sarge wurde der Schimmel des Marschalls geführt. Der Zug bewegte sich durch ein Spalier von italienischen und arabischen Truppen, hinter den sich eine unübersehbare Menschenmenge staute. Nach Der kirchlichen Zeremonie widmete Marschall Graziani Balbo und seinen Kameraden einen Nachruf. Schließlich wurden die sterblichen Ueberrefte Des Marschalls zum Flughafen überge­führt, von wo aus sie nach Italien gebracht werden.

Der Duce im Kampfgebiet der Riviera.

Rom, 2. Juli. (DNB.) Der Duce hat am Mon­tag seinen Besuch bei Den italienischen Truppen an Der Alpenfront mit einer Besichtigung Des Kampf­gebietes von Ventimiglia Mentone be­endet. Von Bordighera aus besichtigte er an ver­schiedenen Punkten die Truppen, die in diesem Ab­schnitt zwischen den Alpengipfeln und der Meeres- küste in den Tagen der Offensive schwere Aufgaben bewältigt haben. Die nach Mentone hin abfallende Straße sowie Die französischen Befestigungsanlagen längs der Küste sind von den Granaten der italieni­schen Arttllerie zerwühlt. Der Duce schritt durch die Straßen der völlig verlassenen Stadt Mentone. Bei oen letzten Häusern Der Stadt Der Grenze Der besetzten Zone stehen Das 90. Infanterie- Regiment und Das 33. Schwarzhemdenbataillon. Hier begibt sich Der Duce bis zu den äußersten italienischen Dorpostenstellungen und tritt auf Die gesprengte Brücke, gefolgt von Marschall Badoglio. General Bertini unterrichtet Den Duce über Die Operationen. Danach tritt Der Duce Die Rückkehr an durch Das untere Tal Der Roia. Nach einem Aufstieg bis nach Air ole hinauf ging es zurück nach Ventimiglia. Ueberall begeistert begrüßt von Der Bevölkerung unD Den Truppen begab sich der Duce nach San Remo, wo er Verwundete be­suchte. Ueber Bordighera trat Mussolini Die Heim­fahrt an.

Wie Belgien und Holland das Aufmarschgebiet der Westmächte wurden.

In feiner Reihe von dokumentarischen Veröffent­lichungen zur Kriegsschuldfrage gibt Das Auswär­tige Amt, wie schon gemelDet, ein fünftes Weiß­buch heraus, das unter dem TitelWeitere Doku­mente zur Kriegsausweitungspolitik der West­mächte" die Generalstabsbesprechungen Englands und Frankreichs mit Belgien und den Niederlanden zum Gegenstand hat.

Es geht unwiderleglich aus diesem Material her­vor, daß der gesamte Aufmarsch der französisch- belgischen Armee aus Der Basis engsterZu- sammenarbeit mit Dem belgischen Generalstab aufgebaut war. Das Auswärtige Amt gibt aus Der Fülle Dieses Materials einige erste Dokumente als Beispiel bekannt, Die Den Aufmarsch eines Teiles Der Vorhut Der französischen und englischen Armee in allen Einzelheiten aufzeigen und erkennen lassen, wie die Kooperation mit Der belgischen, holländi­schen und englischen Armee gedacht war.

Das Dokument Nr. 1 zeigt zunächst, daß hie ope­rativen Absichten Des englischen und französischen Generalstabes von vornherein auch das luxembur­gische Gebiet miteinbezogen haben. Es handelt sich hier um den Befehl desFührers einer mit Ope­rationen in Luxemburg beauftragten französischen Abteilung". Der Befehl ist Datiert vom 2. Mai 1940 und enthält eine Abänderung einer früher angeord­neten Maßnahme für Den Fall, Daß Der Befehl er­

teilt wirD:In Luxemburg einrücken, Abmarsch so­fort."

Das Dokument Nr. 2 ist ein Regimentsbefehl vom 2 April 1940, Der für Das 4. französische Kavallerie- Spähwagen-Regiment vorsieht, daß es gleich am ersten Tage Des Einmarsches bis an Die Maas vor­zurücken hat unD Daß seine vorgeschobenen Abtei­lungen den belaischen Ort Marche und das 30 Kilo- meter südlich Lüttich gelegene Durbuy erreichen müssen. Es wird ferner in dem Befehl genau vor- geschrieben, in welcher Form das Regiment Füh- lung zu nehmen hat mit den auf den Nachbarge­gebieten vorgehenden französischen Truppenteilen sowie mit den belgischen Truppen in dem Festungs- abschnitt Namur. Die Stoßrichtung, die diesem Re- giment vorgeschrieben ist, verläuft nach Ueber- schreiten der Maasübergänge zwischen Namur und Dinant südlich Der Maas. Die Division, der das Regiment angehört, hatte demnach die Aufgabe, die deutsche Grenze bei Aachen zu erreichen.

Das Dokument Nr. 3 beweist in allen Einzelheiten, wieweit die Vorbereitung für den Einmarsch her französisch-englischen Truppen in Belgien gediehen war. Dieser Befehl der im Dokument Nr. 2 erwähn­ten 4. Leichten Division befaßt sich mit dem Nach­schub der Truppen in den ersten Vormarschtaaen Bezeichnend für die Ausführlichkeit der belgrsch- franwsischen Abmachungen ist es, daß sogar Vor­schriften über die Entnahme von Treibstoff

für hie französische Armee aus belgischen Tankstellen und über die Art und Form her Bezahlung erlassen worden sind.

Das Dokument Nr. 4 ist ein Befehl der sranzö- lischen obersten Heeresleitung vom 16. April 1940, aus dem gleichfalls hervorgeht, daß für den Vor­marsch nach Belgien hie Benutzung Des bel­gischen Eisenbahnnetzes vorgesehen war unh daß ein umfangreicher Plan hierfür vorlag. Der Befehl ist zusammen mit dem ebenfalls ab- geörudten Derladungsplan der 21. französischen In­fanterie-Division unter den Papieren dieser Divi­sion gefunden worden. In Dem Verladungsplan so­wie in einer Daran angehefteten handschriftlichen Notiz sind die südlich Dünkirchen, unweit der belgi­schen Grenze gelegenen Verladestationen für die ein« äelnen Truppeneinheiten Der genannten Division verzeichnet, ebenso wie die genauen Abfahrtszeiten und die westlich Antwerpen liegenden Zielstationen. Michin ist erwiesen, daß für oen Eisenbahntrans­port französischer Truppen nach Belgien ein bis ins einzelne gehender Fahiwlan ausgearbeitet war- Öen war, was naturgemäß eine enge Zusammen­orb eit mit der belgischen Eisenbahnverwaltung zur Voraussetzung hatte.

Das Dokument Nr. 5 ist ein besonders schlagender Beweis der genauesten Vorbereitung Des französi- schen Vormarsches in Belgien bis in alle Einzel­heit. Es wird nämlich hier ersichtlich, daß befon-