Ausgabe 
2.2.1940
 
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Nr. 28 Erstes Blatt

Keitag,2.Zebruar W0

190. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Norwegische Ueberraschungen.

Von unserem Og.-Äerichierstaiier.

Oslo, Ende Januar 1940.

Die neue Sitzungsperiode des Storting, des norwegischen Reichstages, die Mitte Januar von Komg j) a a k o n eröffnet wurde, hat u. a. auch öie Diskussion über die Regierungsgrundlage etwas wieder aufleben lassen. Man hat ja im Nachbarlande Schweden inzwischen eine sogenannteS a m m >= lungsregierung" erhalten, an der sämtliche Parteien einschließlich der Rechten beteiligt sind. So liegt es nahe, daß diese Frage auch in Nor­wegen wieder einmal hervorgeholt wird, wo die Arbeiterpartei, der einige wenige Sitze an der absoluten Mehrheit im Parlament fehlen, im­mer noch ganz allein die Negierung bildet. In den Jahren der Hochkonjunktur, in denen es auch ohne staattiche Maßnahmen in der norwegischen Wirtschaft vorwärts ging, hat die Arbeiterpartei Möglichkeiten einer Koalition immer weit von sich gewiesen, da sie ihre angeblichen Verdienste an die­sem Aufschwung naturgemäß nicht gern mit jemand anders teilen wollte. Als sich dann schon vor länge­rer Zeit wieder gewisse Niedergangserscheinungen abzeichneten, wurden ihre Aeußerungen schon weni- aer ablehnend. Man hat vielfach gedacht, daß der Ausbruch des Krieges zwischen den Westmächten und Deutschland, den Norwegen infolge der briti­schen Blockademaßnahmen wie kein anderes Land zu spüren bekommt, nunmehr den Anlaß zu einer solchen Verbreiterung der Regierungsgrundlage ab­geben würde. Aber auch jetzt lehnte die Arbeiter- partei dahingehende Vorschläge ab.

Der Grund hierfür liegt wohl darin, daß für sie im Augenblick noch weniger Anlaß zur Teilung der Macht vorliegt, da aus Gründen außenpoliti­scher Solidarität die bisher sehr lebhafte Kritik an den Regierungsmaßnahmen weitgehend zum Ver­stummen gebracht werden konnte. Wohl wendeten manche Kreise ein, es könne doch schließlich nicht der Sinn der immer wieder geforderten nationalen Disziplin sein, daß mit diesem Schlagwort alle be­rechtigten Vorwürfe gegen die Regierung zum Schweigen gebracht und noch mehr als bisher die Alleinherrschaft der Arbeiterpartei aufgerichtet würde. Tatsächlich sieht aber diese Partei keinen Anlaß zu Aenderungen, zumal die Gewerk­schaften, wie sie kürzlich einmal aus Anlaß von Lohnverhandlungen im staatlichen Schlichtungs­gericht erklären ließen, so große Macht besitzen, daß siedas wirtschaftliche Leben des ganzen Lan­des stillegen könnten, wenn sie wollten". Die Ge­werkschaften bedeuten aber die größte Stütze für die Regierung, eine größere, als sie die unbestän­digen Wählermassen darstellen.

Im übrigen sitzt der jetzige Storting noch ein ganzes Jahr, so daß auch von dieser Seite aus keine Aenderung zu befürchten ist. Allerdings ist eigentlich die verfassungsmäßige dreijährige Wahl­periode schon zu Ende gegangen, doch hat das Par­lament sich vorsorglich bereits im Jahre 1938 selbst ein Jahr hinzu bewilligt, indem es die entsprechende Vorschrift der Verfassung abänderte. Der Beschluß ist damals von vielen Seiten, insbesondere auch von Rechtslehrern, als ungesetzlich bezeichnet worden, da er jedenfalls nicht für die Wahlperiode des glei­chen Parlaments, das diese Aenderung vorgenom­men habe, Geltung besitzen könne. Es wurde auch nach dem Staatsgerichtshof gerufen, und mehrere bürgerliche Abgeordnete erklärten, sie würden in dem ungesetzlichen vierten Jahr den Sitzungen des Parlaments fernbleiben. All das ist in diesen un­ruhigen Tagen aber vergessen, zumal auch der König selbst durch die Eröffnung des neuen Sitzungsjahres diesem seine Sanktion erteilt hat.

Man hält es nun auch nicht mehr für wahrschein­lich, daß die bürgerlichen Parteien die Frage einerSammlungsregierung" zum Gegen­stand eines ernstlichen Vorgehens machen werden. Vielfach sieht man ein, daß es im Augenblick nicht darum geht, wievielParteien in der Regie­rung sitzen, sondern darum, was für Männer an den wichtigsten Posten stehen. Und da hat es noch am Ende des alten Jahres eine Umbe­setzung gegeben, die viele Kreise befriedigt hat: Der bisherige Verteidigungsminister Monsen trat aus Gesundheitsrücksichten zurück. Der König er­nannte einen außerhalb des Parlaments und der Parteien stehenden Mann, Oberst Ljungberg, zu seinem Nachfolger. Oberst Ljungberg soll das be­sondere Vertrauen des Königs genießen, zumal er früher dessen Adjutant war und mit einer früheren Hofdame der Königin verheiratet ist. Aber auch die wehrfreundlichen Kreise des Landes begrüßen es, daß ein parteimäßig ungebundener Fachmann auf diesen Posten gekommen ist, zumal der bisherige Verteidigungsminister wegen seiner früheren wehr- ieindlichen Einstellung und seiner Hinneigung zur kommunistischen Richtung der Arbeiterpartei sehr umstritten war.

Der Beginn des neuen Sitzungsjahres steht wei- I ierhin unter dem Eindruck der rigorosen Steuer- I Sortierungen, die von der Regierung ans I Parlament gestellt werden. Der neue Haushalts- | plan erreicht die doppelte Höhe wie die Haushalts- I Pläne früherer Jahre. Ein großer Teil der ange- I 'orderten Beträge bezieht sich auf die Unkosten für i| außerordentliche militärische Maßnah m e n, I-ine Tatsache, die von verschiedenen bürgerlichen I Blättern zum Gegenstand heftigster Kritik gemacht | werden. Wenn man auch einsieht, daß in dieser Hm- I sicht sehr viel geschehen müsse, so wird doch Darauf I angewiesen, daß die jetzige Lage nur durch die Ver- I ilachlässigung der Wehrfrage in den letzten Jahren I 'eilens der jetzigen Regierung hervorgerufen wor- | ben sei. Unter diesen Umständen^ wird das Land | ich auf ganz erhebliche Steuererhöhungen, Sonder-

fteuem und andere Abgaben gefaßt machen müssen. Wenn beispielsweise die Umsatzsteuer und ebenso der Kriegszuschlag zur Einkommensteuer verdoppelt und die Biersteuer nahezu verdoppelt werden, ferner Sondersteuern auf Einkommen und Vermögen zu erwarten sind, so ist angesichts der unsicheren Lage keineswegs gesagt, daß das jetzt vorliegende Aus­maß dieser Erhöhungen endgültig ist. Man darf nicht vergessen, daß gerade die durch den britischen Blockadekrieg hervorgerufene unglückliche Lage der Schiffahrt und des Handels noch böse Ueberraschun­gen bringen kann.

In dieser Beziehung hat man überhaupt schon manches erlebt. Wenn z. B. schon eine Woche vor Ausbruch des Krieges (!) in einer norwegischen Hafenstadt wie Trondheim mehrere britische Spezialisten für die künftige Ueberwachung des norwegischen Seeverkehrs eintrafen und das britische Konsulat für sie ein größeres Büro in der

Amsterdam,!. Febr. (DNB.)Daily Sketch" meldet:Ein Offizier, auf dessen Kopf im letzten Kriege von den Deutschen ein Preis gesetzt wurde, hat, wie ich erfahre, eine wichtige Ernen­nung in der Admiralität angeboten be­kommen. Es ist Commander Godfrey Her­bert, der mit feiner U-Bootfalle Bara 1 ong ein besonders unangenehm gewordenes U-Boot erledigte. Die Admiralität verbreitete damals die Fiktion, daß der Name des Kommandeurs der Baralong Captain William M a c B r i d e wäre..." Das schmachvolle Verbrechen der Baralong, das seinerzeit die ganze Kulturwelt entsetzte, ist noch in aller Erinnerung: DerHeld" dieses feigen Mas­senmordes bekommt jetzt von Churchill in der Ad­miralität einen Posten. Damit bekennt sich das heu­tige England, die jetzige britische Marine, offen zu einer Schandtat, die allen Begriffen von Soldaten­tum und Seemannsehre ins Gesicht schlägt. Bezeich­nend ist auch die Tatsache, daß von der Admirali­tät seinerzeit ein falscher Name für den Ka­pitän des Piratenschiffes angegeben wurde. Ob dies aus Feigheit oder aus Scham geschehen ist, können wir heute nicht mehr entscheiden. Die jetzige Er­nennung beweist jedenfalls, daß das Gefühl der Scham heute in der Londoner Admiralität gänzlich verschwunden ist.

Im übrigen sei bemerkt, daß die Behauptung, daß auf den Kopf des Kapttäns derBaralong" ein Preis gefetzt war, eine typische englische Lüge ist. Mit Kopfpreisen pflegen vor allem die Engländer bei der Unterdrückung ihrer Kolonial­völker zu arbeiten. Daher dürften ihnen derartige Mechoden besonders nahe liegen.

Berlin, 1. Febr. (DNB.)'Nachdem der Führer erst am Tage zuvor die britische Heuchelei an den Pranger gestellt hatte, benutzte der englische Pre­mierminister Chamberlain eine am Mittwoch vor dem nationalen Derteidigungsausschuß gehaltene Rede, um mit der eben gebranbmarften typisch eng­lischen Überheblichkeit und Heuchelei die Neu­tralen vor seinen Wagen zu spannen. Der englische Premier unternahm dabei den Versuch, die Verantwortung Englands für die Verluste der Neu­tralen an Schiffen und Menschenleben zu leugnen und abzuwälzen. Er gab wohl zu, England habe mitunter Maßnahmen ergriffen, die den Neutralen Ungelegenheiten oder sogar Verluste verursachten, niemals aber hätten die Engländer wissentlich ein einziges neutrales Menschenleben geopfert. Die Ver­luste der Neutralen kämen im Gegenteil auf das Konto der deutschen Kriegsführung.

Die gegen die deutsche Kriegsführung von Cham­berlain gerichteten Vorwürfe sind völlig un­begründet. Es liegen Dutzende von neutralen und damit unparteiischen, ja sogar von englischen Seeleuten selbst stammenden Zeugnissen dafür vor, daß die deutsche Seekriegführung in jeder Hin­sicht einwandfrei und im Rahmen der völker­rechtlichen Bestimmungen oorgeht. Dagegen steht fest, daß gerade die britische Regierung in angeb­licherAusübung ihrer unbestreitbaren Kriegsrechte" eine Lage geschaffen hat, in der leider immer wie­der neutrale Schiffe das Opfer des englischen Krie­ges werden und neutrale Seeleute ums Leben kom­men. Erst in diesen Tagen ging die Mitteilung durch die Weltpresse, daß die Besatzung eines französischen Dampfers, der aus einem Geleitzug, d. h. unter SchutzoonKriegsfahrzeugenberWest- mächte fahrenden Konvoi, heraus torvediert wurde, nicht etwa von den beschützenden Kriegs­schiffen gerettet wurde, sondern daß ein spanisches Schiff diese übernehmen mußte. Wenn also Cham­berlain behauptet, England habe niemals wissent­lich ein einziges neutrales Menschenleben geopfert, so beweist diese Tatsache allein die Hinterhälttgkeit dieser Behauptung. Denn ein Schiff, das im Geleit­zug fährt, unterstellt sich damit dem Kommando der

Stadt mietete, dann ahnten die Handelskreise da­mals sicher noch nicht, zu welchen Konsequenzen diese Dinge führen würden. Um so größer ist jetzt die Bestürzung, nachdem diese englischen Agenten nicht nur in Trondheim, sondern auch in Hafen­städten wie Aalesund sich bei den norwegischen Kaufleuten einfach die Einsicht in deren Einkaufs- und Lagerbücher der letzten Jahre zu erzwingen und in ihre Einkaufs- und Verkaufsgeschäste einzugreifen suchen. Man erin­nert sich jetzt auch wieder der Aeußerungen eines höheren britischen Seeoffiziers, der schon vor anderthalb Jahren einem norwegischen Freunde offenherzig erklärte:Im nächsten Kriege werden wir euch nicht mehr so schonend behandeln wie im Weltkrieg!" Wenn es jetzt sogar dahin ge­kommen ist, daß ein norwegisches Schiff in einem norwegischen Hafen seine Ladung nicht ohne Zustim­mung der englischen Agenten löschen durfte und in­folgedessen der größte Teil der Ladung verdarb, dann versteht man allerdings die ganze Bedeutung eines solchen Ausspruchs. Man versteht bann aber auch, daß derartige Dinge eine schwere Belastung für die von der Regierung immer wieder betonte Unabhängigkeits- und Neutralitätspolitik darstellen.

Führen wir uns den genauen Hergang des bei­spiellosen Verbrechens noch einmal vor Augen: Das deutsche U-BootU 27" hielt am West­ausgang des Kanals am 19. August 1915 den englischen DampferN i c o s i a n" an. Die Be­satzung hatte das Schiff bereits in Booten ver­lassen, als ein anderer Dampfer mit ame­rikanischer Flagge herankam. Kapitänleut­nant Wegener, der Kommandant vonU 27" ließ das Schiff, das unter neutraler Flagge fuhr, herankommen. Es handelte sich um eine U- Bootfa 11 e, um das berüchtigte Q-SchiffBara­long". DieBaralong" eröffnete plötzlich aus ver­deckten Geschützen ein vernichtendes Feuer aufU 27, das in kurzer Zeit sank. Die Be­satzung derBaralong" begann mit Geweh­ren und Pistolen auf die im Wasser mm ihr Leben kämpfenden deutschen Matrosen zu schie­ßen. Kapitänleutnant Wegener konnte sich mit einigen anderen Befatzungsmitgliedern auf den noch schwimmenden DampferNicosian" retten. Auf derNicosian" wurden vier deutsche Matrosen aufgefunden und durch dieVaralong"-Besatzung ermordet. Kapitänleutnant Wegener f prang wieder ins Wasser und schwamm auf dieBara­long" zu. Die englischen Seeleute an Bord der Nicosian" schossen sofort auf ihn, ob­wohl er die Hände emporhob und fetzten das Feuer auch fort, nachdem ein Schuß ihn in den Mund getroffen hatte. Schließlich tötete i h n ein Schuß in den Nacken. Ein gleicher Fall er­eignete sich am 24. September 1915 mitU 41".

begleitenden Kriegsfahrzeuge, britische Befehle zwin­gen so die neutralen Schiffe in die Gefahrenzonen des Krieges.

Aber auch das System der Ueberwachung von Handelsschiffen, das die Engländer in völker­rechtswidriger Weise handhaben, bringt die neu­trale Schiffahrt in ernste Gefahr. Sind nicht so­gar amerikanische Dampfer in Nichtach­tung der Bestimmungen des O5^.-Neutralitätsge- fetzes von den Engländern dazu gezwungen wor­den, Häfen der West möchte anzulau­fen und damit das Sperrgebiet zu befahren, das von Präsidenten Roosevelt als kriegsgefährdetes Gebiet für die amerikanische Schiffahrt verboten worden ist? Obwohl die Engländer genau wissen, wie minenverseucht ihre Gewässer sind, diri­gieren sie die neutrale Schiffahrt in diese Gebiete hinein. Neutrale Schiffe werden als Sperr­brecher mißbraucht, denn in der Bekämp­fung der Minen ist es natürlich ein einfaches und für England billiges Mittel, neutrale Schiffe auf sie auflaufen zu lassen. Chamberlain verspricht ihnen einen Waffenschutz, der immer häufiger versagt und das Leben ganzer Schiffsbesatzungen damit aufs Spiel fetzt, denn selbst die Engländer haben nicht den völkerrechtlichen Grundsatz bestritten, daß im Geleit fahrende Handelsschiffe wie Kriegs­schiffe behandelt werden. Hinter Chamber- lains angeblicher Sorge um die Neutralen sitzt in der Tat nur die Sorge um die eigenen Jnt er e ff en!

Chamberlains Eingeständnis, daß die Handels­störungen für die Neutraleneine ernste Sache fein mögen" und daß England sich gegenüber den Verlusten dieser Staatennicht indifferent ver­halte", kann angesichts der Tatsache, daß Englands Blockade vor allem die Neutralen trifft, nur als Hohn wirken. Was Herr Chamberlain zu der Notwendigkeit einer Wiederherstellung des internationalen Handels und einer Beseitigung des wirtschaftlichen Nationalismus und der Autarkie 3U sagen wußte, beweist nur einmal mehr, daß die englische Politik in den letzten Jahren nichts dazugelernt hat.

Der Kapitän derBaralong" in die britische Admiralität berufen.

England bekennt sich zu einem der scheußlichsten Verbrechen des Weltkrieges.

England lockt die Neutralen in den Tod.

Eine bezeichnende Nede Chamberlains.

Der letzte psundvasall.

Zu den mancherlei Anzeichen, die es immer deut­licher werden lassen, daß mit diesem Kriege nicht nur das Ende der englischen Weltherrschaft, sondern auch das Endeder kapitali st ischen Wirt­schaft überhaupt gekommen ist, gesellte sich in diesen Tagen wiederum ein neues. Mit Bolivien hat sich nunmehr auch das letzte Mitglied des ehe­maligen Pfundblocks vom englischen Pfunde losgesagt. Die seit Jahren anhaltende Währungs­krise der Welt hat durch den Krieg, wie man sieht, ebenfalls einen neuen Impuls bekommen. Ihre Be­deutung wird England im Verlaufe des Krieges zweifellos spüren. Darüber hinaus aber gehört die Frage einer vernünftigen Regelung der Währungen der Völker zu den Fragen, die nach dem Kriege grundsätzlich und auf einer völlig neuen Basis geregelt werden müssen. Bezeichnenderweise hat ja auch der Führer dies in seinem einmaligen Friedensangebot nach Beendigung des polnischen Krieges als eine Notwendigkeit genannt.

In der Tat wird ja auch niemand behaupten kön­nen, daß der Rückgang des Welthandels seine Ursachen in einer ungenügenden Erzeugungs­kapazität hätte, noch auch, daß eine ungenügende Verbrauchskapazität in der Welt vorhanden wäre. Erzeugt wird in der Welt genug und zweifellos konnte ohne große Schwierigkeiten fast überall noch mehr produziert werden. Ebenso steht fest, daß die Derbrauchskraft der Welt groß genug ist, um fede Erzeugung aufzunehmen. Wenn trotzdem auf der einen Seite Menschen hungern oder doch wichtige Verbrauchsgüter entbehren müssen, während auf der anderen Seite viele Volker nicht wissen, wohin sie mit diesen Erzeugnissen sollen und diese schließlich gar vernichten müssen, so liegt das an dem völligen Versagen der Tauschorganisation, d. h. zu einem wesentlichen Teile am Versagen des Welt- währungswesens.

Die kapitalistische Weltwirtschaft beruhte auf der Annahme, daß jeder dort kaufen könne, wo die Ware am billigsten erzeugt wird. Diese Möglichkeit bestand auch tatsächlich so lange, wie die Goldwäh­rung noch voll in Funktion war, d. h. so lange, wie die Verteilung des Goldes auf die einzel­nen Volker noch einigermaßen gleichmäßig war, so daß jedes Volk etwaige Ueberfchüsse seiner Einfuhren mit Gold ausgleichen konnte. Der vorige Krieg und vor allem die Nachkriegszeit haben dieses System der Goldwährung aber völlig zerstört. Die Verteilung des Goldes ist heute im großen und

3« der englischen Todeszone.

Amsterdam, 1. Febr. (DNB.) Nach Berichten aus London sind im Laufe der letzten Tage noch gesunken der englische DampferRoyal Crown" (4364 Brgt.) sowie der britische TankdampferDac- lite" (5026 Brgt.) Das holländische Motorschiff Rian" soll 18 Schiffbrüchige des britischen Damp­fersHighwave" in Vlissingen an Land gesetzt haben. DieHighwave" (1178 Brgt.) soll vor der britischen Küste von einem Flugzeug b o m = barbiert worden sein. Der dänische Dampfer 23 i b a r" (1500 Brgt.) ist auf dem Wege von Eng­land nach Dänemark auf eine englische Mine ge­laufen und gesunken. Von den 23 Mann der Be­satzung sind acht von einem begleitenden Schiff ge­borgen worden. Es wirb befürchtet, baß die 15 an­deren, darunter der Kapitän, umgekommen sind. Der norwegische DampferFingal I" (460 Brgt.) ist in der Nähe der englischen Küste nach einer Ex­plosion im Laderaum gesunken. Das Schiff befand sich auf der Fahrt von Norwegen nach England. Die zwölfköpfige Besatzung wurde gerettet. Der bei Lillesand (Südnorwegen) gestrandete griechische DampferElly" (1114 Brgt.) ist gekentert. Die Ladung bestand aus Holzmasse und Papier.

Warnende Beifmeie.

Stockholm, 2. Februar. (DNB. Funkspruch.) Aftenbladet" beschäftigt sich mit der Rede Chamber­lains. Zu dem Hinweis des englischen Premiers auf die Tschechoslowakei, auf Finnland und Polen schreibt das Blatt, das seien für die Neu­tralen im hochsten Maße warnende Bei­spiele, da diese Länder einsam ihrem Schicksal überlassen worden seien. Dieser Hinweis fei feine s- falls Ermunterung für die Neutralen, den Weg des Krieges nach dem Wunsche der Westmächte zu wählen. Ueberhaupt seien die Großmacht-Kon­stellationen, die mit Versailles als Aus­gangspunkt zu der gegenwärtigen schweren Lage in Europa geführt hätten, derart, daß die Neu­tralen im Namen der Gerechtigkeit danach strebten, außerhalb des Konfliktes zu stehen.

Explosion auf einem englischen 1200(hM)ampfer.

Athen, 1. Febr. (DNB.) Am Mittwochmorgen ereignete sich auf dem englischen DampferAbbe y" (12 000 Brt.), der in dem Hafen ßimne auf der griechischen Insel Euböa eine Eisenladung für England aufnahm, eine heftige Explosion, die schwe­ren Schaden anrichtete. Zwei Rettungsschiffe sind dem Unglücksfchiff zu Hilfe geeilt, das aus Bul­garien gekommen war. Die Tatsache, daß die Explo­sion sich im Laderaum ereignete, läßt die Vermutung zu, baß auf der Fahrt eine Zeitbombe ge­legt worden war. Das Schiff befindet sich in ge­fährlicher Lage.

Der Wehrmachtsbericht vom Freitag.

B e r l i n, 2. Febr. (DRV. Funkspruch.) Das Ober­kommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Seine besonderen Ereignisse,