Ausgabe 
2.2.1940
 
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ganzen so, daß die Völker, die über die größten R ä u m e der Erde und ihre Schätze verfügen, gleich­zeitig auch die größten Goldbesitzer sind.

Am besten zeigt sich das in der Tatsache, daß rund drei Viertel des Weltgoldbestandes heute im Besitz der Vereinigten Staaten sind (18 Milliar- den Dollar) und daß dieses Land gleichzeitig eine aktive Handelsbilanz erstrebt. Warenbewegungen und Goldbewegungen mußten aber im Zeichen der freien Wirtschaft und der Goldwährung in ent­gegengesetzter Richtung verlaufen. Das ist bei der gegenwärtigen Verteilung des Goldes un­möglich. Aus diesem Grunde mußten die sowohl an Gold wie an Raum armen Völker zu anderen Tauschmethoden übergehen. Diese wurden in der Form des gegenseitigen Verrechnungs­verkehrs gefunden. Selbst die reichen Völker sahen sich in der Nachkriegszeit genötigt, den ver­änderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, indem sie chre Währungen vom Golde lösten und ab- werteten. England ging bekanntlich dabei voran.

Man sicherte sich dadurch den Vorteil eines erleich­terten Exports und lebte in dem Glauben, daß diese manipulierte Währung trotzdem noch den Charakter einer Weltwährung behalten könnte. Zunächst schien es so, als sollte dieser Glaube recht behalten. Die meisten Länder folgten dem englischen Beispiel und orientierten ihre Währungen ebenfalls nicht mehr nach dem Golde, sondern nach einem festen Ver­hältnis zum englischen Pfunde. Die Welt rechnete nach wie vor in Pfunden und selbst der Dollar ver­mochte dagegen nicht anzukämpfen. Worauf beruhte nun diese Stellung des Pfundes als Weltwährung? Sie beruhte auf der englischen Stellung als Gläubigerland und auf dem englischen Außenhandel. England war für viele der kleinen Länder der größte Kunde und gleichzeitig der größte Lieferant. Sehr oft war es gleichzeitig auch noch der Gläubiger. Die Nachfrage nach englischen Pfun­den war ständig groß und man konnte sie überall loswerden.

Bereits in den letzten Jahren vor dem gegen­wärtigen Kriege haben sich unter der Decke aber ge­wisse Aenderungen vollzogen. Sie liegen einmal i m englischen Außenhandel. Die englische Ein­fuhr stieg ständig, die Ausfuhr aber ging zurück. Der Passivsaldo des Warenhandels war seit 1936 sogar so groß, daß alle sonstigen Einkünfte Englands, ins- besondere seine Einnahmen aus langfristigen Kapital- anlagen, nicht mehr zur Deckung des Desizits im Außenhandel ausreichten. Englands Bedeutung als Lieferant ist zurückgegangen. (Ausfuhr 1913: 525 Millionen Pfund; 1938: 471 Millionen Pfund.) Seine Stellung als Gläubiger hat es nur eben halten können. Die Einnahmen aus langfristigen Kapitalanlagen beliefen sich 1913 auf 210 Millionen Pfund, 1938 auf 200 Millionen Pfund. Es ist also die nachlassende Produktionskraft Englands, die seine Ausfuhr finken ließ und die nicht mehr gestattete, neues Vermögen in Form von Auslandsanlagen zu bilden. Im Kriege muß diese Schwäche sehr rasch progressiven Charakter anney- men. Der Rückgang der englischen Ausfuhr um ein rundes Drittel zeigt dies ja bereits. Je weniger England aber liefert, um so weniger Pfunde braucht auch die übrige Welt. Daraus erklärt es sich, daß sich in diesem Kriege alle Länder von dem Pfundblock gelöst haben. Die Welt braucht nicht mehr so viel englische Pfunde, weil die eng­lische Produktion nicht mehr die Rolle spielt, wie England meint. Auch hier war sein Anspruch größer als die dahinterstehende Macht. Das wird man bei der endgültigen Regelung des Weltwährungswelens einmal zu beachten Haden. V. A.

(Sin infereffanfer Vergleich.

Wofür kämpfen Deutschland u. Frankreich?

M a d r i d, 1. Febr. (Europapreß.) Die F ü h r e r rede im Sportpalast und die jüngste Rede des fron» zösischen Ministerpräsidenten Daladier werden in der Madrider ZeitungAlcazar" einem Vergleich unterzogen. Das Blatt stellt fest, daß Deutsch-

Meister Böck und Onkel Nolte.

Zur Reichsstratzensammlung am 3. und 4. Februar.

Ei, wie nett! Was ist denn das? Ja, ein ganz besondrer Spahl Zu Hilfe haben wir genommen Und als Werber seht ihr kommen All die fröhlichen Gesichter, Die als lust'ge Bösewichter Oder sonstwie jeder kennt. Jedes Kind beim Namen nennt:

Max und Moritz, die zwei Knaben Was die auf dem Kerbholz haben, Weiß sowohl der Onkel Nolte Als die gute Witwe Bolte. Eines ihrer Opfer war Meister Böck denn auf ein Haar Wäre er im Bach versunken Und ganz jämmerlich ertrunken. Doch auch Julchen und Adele Und Helenens fromme Seele Sind uns alt' und lieb' Bekannte, Wie die brave gute Tante. . Jedermann erinnert sich Maler Klecksels sicherlicy, Wie auch Knopps und desien Frau Mit Buschens Versen noch genau.

Reizend nachgebildet sehn Wir nun alle auferstehn. Werbend ziehen sie hinaus. Kommen bald in jedes Haus; Helfen uns zu frohem Lachen, Wollen dankbar Freude machen! R. I.

Oer Weise von Wiedensahl.

KriegS-WHW. im Zeichen Wilhelm Buschs.

Wenn diesen Samstag und Sonntag die Samm­ler des Winterhilfswerkes straßauf, straßab ihre rasielnden Büchsen schwingen, so wird es im Zei­chen Wilhelm Buschs geschehen, unseres großen Humoristen, des Weisen von Wiedensahl. Alle un­sere Lieblinge seit Kindertagen, die bösen Buben Max und Moritz und die braven Bürger, die durch ihre Untaten aus ihrer beschaulichen Ruhe aufge­schreckt werden, die Witwe Bolte und der Schneider Böck, auch Herr und Frau Knopp und ihr Julchen, die fromme Helene und Maler Klecksel, sie alle wer­den, plastisch ausgeführt und bunt bemalt, die Rock- und Mäntelaufschläge von M llionen Volksgenossen zieren. Und wenn es schon selbstverständliche Ehren­pflicht ist, bei jeder Winterhilfssammlung ein paar» mal seine Börse zu zücken, noch viel freudiger wird diesmal jeder zum Geldbeutel greifen, um sich mög­lichst die ganzeSerie" dieser einzigartigen Samm­lung von zwölf bunt bemalten Figuren zu sichern.

Noch nie ist ein deutscher Dichter so geehrt wor­den, daß er mit seinen Gestalten so leibhaftig in Millionen von Exemplaren mitten unter das Volk tritt. Aber wer wäre auch würdiger, in diesen Tagen harter Prüfung und fröhlichen Mutes mitten unter uns zu fein, als der lachende Weise, hinter dessen Lachen uns ein ernstes und gütiges Antlitz anblickt! Wilhelm Busch rft kein Spaßmacher und Possen­reißer, der mit seinem Witz auf die komische Wir­kung an sich abzielt, sein Humor kommt aus dem Wissen um das Menschliche-Allzumenschliche in un­serem Leben und in unseren Gemütern, aus der ebenso genauen wie liebevollen Kenntnis des Klei­nen und Alltäglichen in feiner ständigen und fo oft grotesken Auseinandersetzung mit den großen und unwandelbaren Gesetzen. Nichts konnte wohl Wil­helm Busch in seiner Jugend ferner liegen als der Gedanke, .Humorist" von Beruf zu werden. Er der Sohn des Kleinkrämers aus dem niedersächsischen Dorf, zog gegen den Willen des Vaters und trotz der Tränen der Mutter aus, um ein großer Maler zu werden. In Düsseldorf, vor allem in Antwerpen, bildete er sich, weniger auf den Schulen und Aka­demien, als in den Galerien im Anschauen der gro­ßen germanischen Meister, eines Rembrandt, Frans Hals, Rubens, Teniers, Brouwer. Aber das beschei­dene Versenken in die alten Meister gab fein Brot. Das ist die letzte Rolle Taler, die ich dir für deine Ausbildung geben kann", sagte der Vater, als der Sohn zum letztenmal auf eine Akademie zog, dies- mal nach München.

Die Jsarstadt weckte in Busch den Humoristen. Als stiller, lächelnder Beobachter saß er in dem KünstlervereinJuna-München", später in dem Verein derNachtlichter" dabei, an der Seite von Lenbach, dem Architekten Gedon und F. A. Kaul­bach, lieferte für das Dereinsbuch Verse und vor allem Zeichnungen, die das Interesse des Heraus­gebers derFliegenden Blätter", Kaspar Braun, erregten. Braun zog Busch zur Mitarbeit heran, es entstanden dieMünchener Bilderbogen" und manche anderen Blätter, von Busch zwar oft un­gern geliefert, aber jahrelang seine einzige Existenz­quelle, die allmählich seinen eigenen Stil bildeten, deck Stil, dem wirMar und Moritz", dieAben­teuer eines Junggesellen^ undBalduin Bählmann" verdanken. Ader auch als der weltberühmte Humo­rist, dessen Bücher in sämtliche Kultursprachen über­setzt wurden, blieb Wilhelm Busch derselbe, der er gewesen, ja sein Ernst wurde in der Einsiedelei sei­nes Wiedensahl, in die er sich ganz und gar zurück­gezogen hatte, immer tiefgründiger und sinnender. Seine Lieblingslektüre waren die Bibel und die Bekenntnisse Augustins, daneben beschäftigte ihn der buddhistische Gedanke der Seelenwanderung.

Wir kennen den Humoristen Busch aus den zahl­reichen lustigen Bildergeschichten, zu denen er dann die begleitenden Verse schuf nicht umgekehrt, den Philosophen Busch kennen wir aus einer Reihe von Briefen, die nach seinem Tode den Weg in die Oeffentlichkeit fanden und erst ein ganzes Bild von

chm ermöglichten, und aus ein paar schmalen Ge­dichtbänden,Kritik des Herzens".Schein und Sein" undZu guterletzt", in denen er in lapidaren Sätzen tiefste Lebensweisheit gegeben hat. Der Humorist und der Philosoph sind untrennbar. Die Einsicht in die große Not und in die kleinen Nöte des Lebens mit einem liebevollen Lächeln zu über­winden und sich mit einem herzhaften Lachen von ihr zu befreien, ist ja echt deutsche Weisheit. Nie­mand kann diese Weisheit besser teuren als Wilhelm Busch, der sein Fazit in demBuch des Lebens" in die Verse zusammenfaßt:

Haß als Minus und vergebens Wird vom Leben ab geschrieben. Positiv im Buch des Lebens Steht verzeichnet nur das Lieben. Ob ein Minus oder Plus

Uns verblieben, zeigt der Schluß. C. K.

Winterwald.

Don Franz Hohen.

Gar zu gern wallfahre ich in der Morgenstille durch den verschneiten Winterwald, denn dieses Wandern unter den hohen silbergrünen Wölbungen des kristallnen Domes ist von heiliger Schönheit. Während der Nacht sind die Flocken weich und stetig gefallen, bei Sonnenaufgang hat es sich aufgeklärt, und nun strahlt der Himmel stahlblau und frostig durch die Baumkronen. Auf den winterlich kahlen Zweigen der Laubbäume, deren feinliniges Astwerk jetzt viel körperlicher sichtbar wird als im Blcttt- schmuck, und auf dem dunklen Samtgrün des Nadel­holzes liegt hoch die Masse der blitzenden Kristalle. Die Stimmen des Sommers sind verstummt; in tie­fem Schweigen und köstlicher Einsamkeit steht der Winterwald, nur hin und wieder das Zirpen einer Meise, die in emsiger Arbeit die Samen unter den Schuppen eines Tannenzapfens hervorholt. Dort drüben am Rand der hohen Fichten schwingt sich ein ganzes Völkchen der winzigen Stricyvögel von Ast zu Ast, rieselnde Schneewölkchen stäuben im Nadelwerk der Wipfel auf und bezeichnen den Weg der flinken Kletterer von Baum zu Baum.

Uebersprüht von Myriaden funkelnder Sterne steht hoch und ernst der Fichtenwald. Die Strahlen der Wintersonne fallen schräg in das Helldunkel des mannshohen Untevwuckttes und machen jedes Däumchen zu einem gotben Wunder: auf allen Zweigen der straffen winterharten Jungfichten liegt das zarte Gespinst des Neuschnees, und unter dem Schutz des dichten Nadeldames halten vergessene Sommerkinder, Waldwicken, Grashalme und Heide- bluten ihren Winterschlaf.

Dom Berghang jenseits des Wiesentals hallen Axtschläge herüber, jetzt verstummen sie, dann setzen sie von neuem ein; nun ein lauter Zuruf, dem schmetterndes Krachen folgt. Holzer sind dort feit dem Moraenarauen bei einem Kahlhieb beschäftigt, dem ein fünfzigjähriger Buchenbestand zum Opfer

land, wie aus der Hitterrede hervorgehe, den zum Siege erforderlichen festen Wil­len habe und über alle dazu notwendigen mate­riellen und psychischen Hilfsmittel ver­füge. In Daladiers Rede dagegen offenbare sich nur ein verspäteter Wille, seinem Volke die Kriegs- begeifterung beizubringen. Der Unter­schied in der Wirkung beider Reden beruhe in den Beweggründen, aus denen heraus sie gehalten wur­den, denn der Beweggrund einer Handlung sei immer ihr bester Ansporn. Deshalb bringe der französische Soldat wenig Begeifterung auf, da er für d i e Erhaltung einer ungerechten Lage kämpfe. Hitlers Siegeszuversicht dagegen wurzele in der Tatsache, daß Deutschland sich gegen ein Unrecht erhoben hat.

Sänemarf vervollständigt seine Rüstungen.

Kopenhagen, 1. Febr. (Eurovapreß.) Ein­mütige Aufnahme finden in der Def Sittlichkeit die von der Presse veröffentlichten Au rüstungs- Vorschläge des Derteldigungsministers Alsing Andersen, der vom Reichstag 65 Mill. Kronen für Heer, Flotte und Luftwaffe angefordert hat zur Durchführung des vom Derteidigungsministe-. rium ausgerüsteten Anschaffungsplanes. Dieser ent­hält für die Marine zwei Minenfahrzeuge, zwei Torpedoboote des neuen großen Typs, ein Unter­seeboot, ein Jnspektions- und Uebungsschifs sowie eine Anzahl kleinerer Motorfahrzeuge für den Minensuchdienst und ähnliche Zwecke. Auch sollen

zwei Lustgeschwader der Marine ergänzt werden. Die Neuanschaffungen für das Heer umfassen in erster Linie eine größere Anzahl Lustabwehrge- schütze verschiedener Kaliber. Es handelt sich ins­besondere um 70 Flakgeschütze von 75 und 40 Milli­meter sowie eine kleinere Anzahl von 20-Millimeter- Geschützen. Außerdem ollen die Vorräte an Kriegs­material aller Art vergrößert werden. Endlich will man zwei Flugzeuggeschwader mit je zwölf Ma- schinen durch Ankauf ausftatten. Die Ausgaben sollen auf zwei bis drei Jahre verteilt werden.

Schwierigkeiten

in der Versorgung Kore chagenö.

Kopenhagen, 1. Febr. (Europapreß.) Mit größter Besorgnis verfolgt man in Kopenhagen das Anwachsen der Schwierigkeiten in der N a h - rungsmittelzufuhr nach der Hauptstadt. In­folge der völligen Lahmlegung des gesamten (Suter- veickehrs machte sich am Donnerstag zum erstenmal seit zehn Jahren ein starker Mangel an Fisch bemerkbar, nachdem die Reserven an leben­den Fischen fast erschöpft sind. Auch die Fleischver- sorgung Kopenhagens beginnt kritisch zu werden. Die gesamte Zufuhr an Schweinen belief sich am Donnerstag auf 112 Stück gegenüber rund 1200 Stück am Mittwoch. Als Folge der Knappheit an Lebensrnitteln find die Preise für Fleisch, Fisch, Kartoffeln und Gemüse im Steig e n begriffen, besonders hervorgerufen durch die Schwierigkeiten, die England den Neutralen bereitet.

Japan und her Kampf für eine neue Weltordnung

Eine Rede Aritas. - Mit Deutschland und Italien auf das tiefste verbunden.

Tokio, 1. Febr. (DNB.) Außenminister A r i t a hielt im japanischen Parlament eine Rede, in der er erklärte: Unsere Politik bemüht sich, Ostasien zu stabilisieren und unsere Kräfte mit denen des neuen China zu vereinigen. Dort ist eine Bewegung für den Frieden ins Leben gerufen worden und es wird eine chinesische Zentralregie, r u n g unter Leitung von Wangtschingwei errichtet werden. Die Verbesserung in den Beziehungen zwischen Japan und der Sowjetunion gestatten uns, die Lösung von Fragen ins Auge zu fassen, die gegenwärtig auf der Tagesordnung stehen. Seit Dezember arbeitet ein Ausschuß an der Fest­legung einer vorläufigen Grenze zwischen Mandschu- kuo und der Mongolei in der strittigen Zone. Zur Zeit sind auch Verhandlungen über einen japanisch- sowjetrussischen Handelsvertrag im Gange, von de­nen wir ein günstiges Ergebnis erhoffen.

Seit der Antikominternpakt abge­schlossen wurde, sind die Beziehungen zwischen Japan, Italien und Deutschland immer herzlicher ge­worden. Unser Land ist den Regierungen und Völkern dieser beiden Länder für die Sym­pathie, die sie Japan entgegengebracht haben, aufs tiefste verbunden. Dir werden unsere Politik enger Beziehungen zu diesen Machten fortsehen.

Seit Beginn der chinesischen Angelegenhett hat die japanische Regierung alles getan, was in ihrer Macht stand, um d i e britische Regierung zu einer korrekten Würdigung der wirklichen Lage zu veranlassen. Bedauerlicherweise hat ein britisches Kriegsschiff am 21. Januar ein japanisches Schiff, dieAsama Maru", durchsucht und 21 deutsche Passagiere verhaftet. Die noch nicht da- gewesene Tatsache, daß dieser Zwischenfall sich i n den Gewässern unseres Landes zutrug, ist für unsere Regierung und für unser« ganze Na­tion tief bedauerlich. Zur Zeit sind Verhandlungen mit den britischen Behörden im Gange und wir tun

alles nur Mögliche, um zu einer befriedigenden Lösung zu kommen.

Mit Amerika versuchten wir, einen neuen Handelsvertrag abzusckließen. Unglücklicher- weise sind die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern seit dem 26. Januar in einen ver­tragslosen Zustand eingetreten. Dennoch sind sie praktisch unverändert geblieben. Die Re­gierung hat alle möglichen Mittel angewandt, um die Rechte und Interessen dritter Mächte in China zu schützen. Aus diesem Grunde haben auch unsere Streitkräfte oft strate­gische Nachteile in Kauf nehmen müssen. Wir beab­sichtigen noch andere Anstrengungen zu machen in oer zuversichtlichen Hoffnung, daß die japanisch- amerikanischen Beziehungen wieder auf eine nor­male Grundlage gestellt werden.

Japan muß sein Bestes tun, um seinen Aus­fuhrhandel zu erhöhen und sich Vorräte in notwndigen Rohstoffen zu sichern. Seit Beginn des Krieges in Europa konnte man fest- stellen, daß die Wirtschaftspolitik der Kriegführen­den nicht nur unseren Handel beeinträchtigt, son­dern daß auch Maßnahmen, die die im inter­nationalen Recht festgelegten Rechte Kriegführender überschreiten, auf die Vernichtung der Han­delsfreiheit und der Freiheit der Meere abge­stellt sind. Die japanische Regierung hat daher bei den in Frage kommenden Mächten scharf prote­stiert und ist dabei, noch andere Maßnahmen zum Schutze der japanischen Handelsrechte zu ergreifen.

lieber die Kriegsursachen in Europa erklärte Arita:

Ist der Krieg nicht schließlich hervorgernfen worden durch die Tatsache, daß einige Na­tionen auf der Beibehaltung eines unvernünftigen und ungerechten Status qao in Fragen wie Volkstum, Re­ligion, Gebiet, Hilfsquellen, Handel, Einwande­rung usw. bestanden haben, wahrend sie gleich­zeitig eine explosive Politik verfolgen und ihre Vormachtstellung mißbrauch­

ten? Ein wirklicher, auf Gerechtigkeit beruhen­der Weltfrieden ist nicht zu erwarten, so lange man dem Hebel nicht an die Wurzel gehl und es ausrottet. Erst dann werden alle Län­der ihren gerechten Platz in der Familie der Staaten finden können.

Jetzt, wo in Europa die Forderung nach einer neuen Ordnung mit Nachdruck gestellt ist und die­selbe neue Ordnung in Ostasien Fortschritte zu machen beginnt, scheint sich der Menschheit eine sel­tene Gelegenheit für eine Ueberprüfung der Lage zu bieten.

Oie Arbeit der mongolisch- mandschnnlchen Grenzkommission.

M o 5 k a u , 2. Febr. (DNB.) Die Gemischte Kom­mission fürdieFestlegungderGrenze zwi- schen der mongolischen Volksrepublik und Man- dschukuo in dem Gebiet des kürzlichen Konfliktes Der- öftentlicht ein gemeinsames Kommunique. Es wurde feftgefteUt, daß die Gesichtspunkte der sowjet-mon­golischen und japanisch-mandschurischen Delegationen bezüglich der Grenze auseinandergehen. In­folge der Verschiedenheit der Gesichtspunkte hat die Kommission aus diesem Grunde ihre letzte Sitzung am 30. Januar 1940 abgehalten. Diese Sitzung fand unter dem Präsidium des Regierungsvertteters Ja- pans, Kubota, statt. Di« Kommission hat beschloßen, ihre Arbeiten e i n 3 u ft e 11 e n.

Wenn auch die Lösung der lokalen Schwierigkeiten damit vorläufig nicht möglich erscheint, so bleibt doch eine allgemeine Bereinigung der japa­nisch-russischen Beziehungen nach wie vor das poli­tische Ziel beider Länder, wie es auch Außenminister Arita in seiner Reichstagsrede betonte.

Gewaltige Rüstungen in Japan.

Tokio, 1. Febr. (DNB.) Das Kriegsministerium und das Marinemimsterrum gaben einen Sechs- jahresplan bekannt, der sich auf annähernd elf Mil­liarden Pen beläuft. Für die nationale Verteidigung sollen drei Milliarden Yen, für die Reorganisierung der Luftwaffe 1426022000 Yen, für die Verbesserung der Rüstung 816 418 000 Yen ausgegeben werden. Für Schiffsneubauten sind drei Milliarden Yen, für Hofenvcrbesserungen 988 Millionen Yen, für neue Marineluftgeschwoder 519 Millionen Yen und für die Modernisierung von Kriegsschiften 436 Millionen Yen vorgesehen. Da vom letzten Parla­ment bereits acht Milliarden Yen genehmigt wor­den find, wird der Reichstag noch zusätzlich 2 664 549 000 Yen zu gewähren haben.

Japanische Offensive in Südchina.

Schanghai, 1. Febr. (DNB.) Von japanischen Elitetruppen wurde in Südost-Kwangsi eine Offensive gegen 24 chinesische Divisionen eröffnet, die der chinesische Heerführer P a i ch u n g s i nordöstlich von Nanning zwecks Rückeroberung dieser Stadt zu­sammengezogen hat. Japanische Truppen überschrit­ten den Westfluß 60 Kilometer südöstlich von Nan­ning und rollen den linken chinesischen Flügel auf. Das Ziel der japanischen Offensive ist, die chinesischen Truppen, die bisher größeren Kampfhandlungen ausgewichen sind, zum Kampfe zu zwingen, einzu­kreisen und zu vernichten.

Militürrevotte

in Kcuador niedergeschlagen.

Rom, 1. Febr. (Europapreß.) Wie©iornalt d'Jtolia" aus Quito meldet, ist in Ecuador eine neu« Militärrevolte ausgebrochen, die jedoch von d«r Regierung niedergeschlagen wer­den konnte. Währet» vor kurzer Zeit di« Flieger des Militärflughafens Guayaquil gemeutert hatten, brach diesmal eine Rebellion unter den Truppen der Garnison von Esmeralda, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz nordöstlich von Quito, aus. Die Meuterer wurden von dem Platzkomman­danten, Qberft Benjamin, geführt. Da sich je-

fällt. Es sind alles wetterharte Gestalten, in ihren verwitterten, durch Regen und Sonne ausgebleidj- ten Kitteln selbst den grauen Stämmen vergleich­bar, die unter iyren wuchtigen Hieben fallen; meist ältere Männer mit stillen, tiefen Augen, die das stete Einsiedlerleben im Wald wortkarg und schweig­sam gemacht hat. Der Haumeister, ein wetterfester Graukopf, dessen Pfeifchen nur während des kurzen Imbisses zu dampfen aufhört, hat die Buchen vor anderthalb Menschenaltern selber gesät.

Wo das Hügelland sich höher hebt und bemooste Basaltklippen zwischen den Bergfichten stehen, sickert ein warmer Wasserfaden unter den Steinen; Brun­nenkresse und Lebermoos wuchern am Ueberlauf der Quelle in dichtem Wuchs. In aller Frühe schon hat der alte Valentin, der Waldhüter sie aufgeeift, damit seinen Rehen die frifche Aesung nicht fehlt. Nun plagt er sich, in der Schlucht die Brombeer­ranken und Himbeerstauden aus dem Schnee frei- zulegen.

Weiter hinauf zur Höhe, wo die Landstraße, sich wie ein weißes Band durch den Wald schlingend, immer im Bann des silberdurchwirkten Fichtendun­kels, in weiten Kehren zur Ebene hinabsteigt! Und nun inmitten der Winterstille ein Stück feurigen Lebens auf der glitzernden Bahn führen leicht­füßige Traber mit nickenden Haarbüschen einen leichten pelzüberdeckten Jagdschlitten heran. Dampf umhüllt die ausdauernden Tiere, Mähnen und Schweife find grau von Reif. Flüchtig zieht das schöne Bild vorüber. Ein Löffelmann fährt aus sei­ner warmen Sasse unter dem überzuckerten Wachol­der und verschwindet im Wald.

Der Tag ist vorgerückt. Der Himmel steht in Glut und wirft rosige Lichter über den Schnee. In schwarzen Geschwadern ziehen Krähenschwärme stumm durch den stillen Abend ihren Schlafbäumen an den Südhängen der Berge zu, ,mo blaugrüne Föhrenkronen sie in ihre Mäntel hüllen. Auf dem Schienenstrang, der die weite Ebene durchzieht, braust ein Zug heran; der Schlot der Maschine schleudert lohende Aschenwirbel und schwarzquillende Rauchmassen in die dunstige Luft. Jetzt hat er die Berge erreicht, in tiefem Einschnitt gleitet er wind­schnell näher, der Widerschein der erleuchteten Ab­teile zuckt über den Schnee, in jagender Fahrt rollen die Wagen vorüber, bis das gähnende Tor des Tunnels die letzten Lichter auslöscht.

Dem Dämmer folgt das Halbdunkel sternheller Winternächte. Ueber den Bergen geht mit tiefgelbem Schein der Mond auf. Anfangs blickt er tief durch die Stämme, dann steigt er höher und höher bis in die Kronen der alten Föhren, jetzt steht er über dem Wipfelmeer und umspielt mit seinem milden Licht die hundertjährige Rieseneiche, die über die dunkle Wand der jungen Fichtenschonung hoch hin* ausragt. Ein Schatten gleitet durch den hellen Schein in das Unterholz Grimbart hat seinen nächtlichen Beutezug anaetreten: Dann breitet sich die große Stille aus, und das Schweigen der Win- temacht geht durch den schlafenden Wald