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1.7.1940
 
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(90. Jahrgang Nr. (55

GieWer Anzeiger

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Der Führer am Mellum in Paris.

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Dieben Adolf Hitler (nach links) Prof. Speer und Prof. G i e s l e r, rechts Prof. B r e k e r. (Preffe-Hoffmann-M.)

England räumt die Kanal-Inseln

Stockholm, 29. Juni. (Europapreß.) Am 26. Juni gab das Londoner Kriegsministerium den militärischen Kommandostellen auf den Kanal-Inseln Jersey, Guernesey, Alderney, Sark unb.Herrn sowie von weiteren kleinen Inseln den Befehl, die sofortigeDemobilisierung" der Inseln in die Wege zu leiten, nachdem die gesamte französische Küste bis zur spanischen Grenze in deutsche Hände gefallen war. Es hätte nicht ein­mal der großen deutschen Langrohrgeschütze bedurft, um von der französischen Küste südwestlich von Cherbourg aus die Stellungen auf den Kanalinseln außer Aktion zu setzen. Knapp 45 Kilometer von der Küste entfernt liegt Jersey und kaum hundert Kilo­meter Guernesey. Auch in diesem Fall hat London es jetzt vorgezogen, den Grundsatz derverteidi­genden Kriegführung" anzuwenden; es zog die vor­handenen Streitkräfte kampflos zurück. Die British Broadcasting Corporation begründet den Schritt mit dem Hinweis, die Inseln seien jetzt unbedeutend geworden und strategischnichtmehrzuhal- t e n.

Die Räumung der Kanalinseln, auch normannische Inseln genannt, bedeutet für London nicht nur einen Prestigeverlust; sie ist auch für die inner­politische Stimmungsbildung ein Rückschlag, der offenbar dadurch ausgeglichen werden sollte, daß man in nicht weniger als vier Rundfunksendungen die Bedeutungslosigkeit des Schrittes verkündete. Tatsache ist jedoch, daß England damit eine Be­sitzung geräumt hat, über die es seit dem Jahre 1066 fast ununterbrochen und uneinge­schränkt geherrscht hat. Im Jahre 983 wurde die Gruppe mit der Normandie vereinigt und ging 1066 mit ihr in englische Hände über. Die aus hundert­tausend Köpfen bestehende Bevölkerung hat sich der englischen Herrschaft niemals ganz gebeugt. Sie ist gallisch-keltischen Ursprungs, und bis heute spricht man auf den Inseln ausschließlich französisch, das auch die Amtssprache war. Episoden, in denen eng­lische Vergnügungsreisende alsfeindliche Auslän­der" betrachtet wurden, sind selbst in der englischen Literatur nicht selten.

Die jetzt geräumten Inseln gehören mit zu den Nahrungsmittel-Erzeugerländern. Frühkartoffeln von Jersey und Guernesey bildeten seit jeher eine Delikatesse auf den Speisekarten der großen Lon­doner Hotels und Klubs. Die Viehzucht ergänzt die Landwirtschaft in fast vorbildlicher Weise, da das milde Klima gleichmäßig dem Ackerbau und der Viehzucht zugutekommt. Der Export von Tomaten ist ebenso groß wie der des Schlachtviehs oder der Kartoffeln. So versteht man auch die Hast, mit der die französisch - stämmige Bevölkerung in den Morgenstunden des 26. Juni aufgefordert wurde, ihr Vieh zusammenzutreiben, die vorhandenen Ernte- und Lebensmittelbestände zu verpacken, und

sich mit ihnen in Fischkuttern, Motorbooten und kleinen Kanaldampfern nach England zu begeben. Fast triumphierend erklärte der Londoner Rund­funk in den Morgenstunden des 29. Juni, der Feind werde, wenn er übersetzen sollte, nur leere Weiden, abgestreifte Tomatenstauden, geplünderte Felder und geräumte Keller vorfinden. Nicht eine einzige Maschine sei mehr vorhanden. Kurzum, die Räu­mung sei vollständig durchgeführt worden, vollstän­diger als die von Dünkirchen. London befürchtete also die Landung deutscher Truppen auf den Kanal­inseln.

Knapp zehn Monate nach Beginn des englischen Krieges räumt England einen Boden, der von den Wellen umspült wird, die, wie es in einem alten englischen Lied heißt, von der englischen Flotte be­herrscht werden. Die gleiche englische Flotte hat sich in diesen Tagen als unfähig erwiesen, von England regierten Boden zu verteidigen. Darin liegt der tie­fere Sinn der in den Abendstunden des 28. Juni vom Londoner Innenministerium veröffentlichten Meldung:In Anbetracht der Besetzung jener Teile Frankreichs durch die deutschen Truppen, die den anglo-normannischen Inseln am nächsten liegen, hat die Regierung die Demobilisierung dieser Inseln angeordnet. Alle bewaffneten Streitkräfte sind ein­schließlich des vorhandenen Kriegsmaterials zurück­gezogen worden."

Zusammenstöße zwischen französischen undenglischen Truppender Orientarmee

Genf, 30. Juni. (DNB.) Die ZeitungPetit Dauphinois" in Grenoble meldet:Entsprechend den Waffenstillstandsverträgen erhielt General Mittel- Hauser von der französischen Regierung den Be­fehl, die französischen Kontingente der englisch-fran­zösischen Armee im Nahen Orient, die unter seinem Befehl stehen, zu demobilisieren. Eng­lische Truppen versuchten, diese Demobilisierung zu stören. Dabei kam es zwischen französischen und englischen Soldaten zu schweren Zwischen­fällen. Der französische Oberkommissar in Syrien, Puaux, protestierte energisch gegen die Absicht der englischen Regierung, der Ausführung der von der französischen Regierung gegebenen Anordnung Schwierigkeiten zu bereiten.

Neue Schandtat der britischen Luftwaffe

Berlin, 29. Juni. (DNB.) In der Nacht vom 26. zum 27. Juni wurden auf die I r r e n a n ft a 11 Eindhoven, Provinz Nord-Brabant, sieben Bomben abgeworfen, die bedeutenden Sach­schaden anrichteten. Eine Schwester ist schwer ver­letzt worden, eine weitere Schwester und drei arme

Kranke wurden leicht verletzt. Dieser Nachtangriff zeigt deutlich, daß die britischen Flieger ohne Rücksicht auf jede Menschlichkeit Vor­gehen. Das große Ansehen der britischen Flieger, das sie bei der holländischen Bevölkerung besaßen, schwindet mehr und mehr, seitdem man auch dort erkannt hat, daß nur die Angst vor der deutschen Luftwaffe die R.A.F. bestimmt, ihre Bombenflüge in die Nacht zu verlegen.

Der Führer besichtigte die Ma ginot-Linie

Führerhauptquarlier, 30.3unL (DHB.) Der Führer besuchte am Sonntag vom Führerhaupt­quartier aus Mülhausen und das obere Elsaß. Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Füh­rer verschiedene schwere Panzerwerke der Maginot-Linie, die durch die neuen deutschen Waffen in kürzester Zeit kampfunfähig gemacht worden waren.

Die erste Sitzung derWaffenstill- standskommission in Wiesbaden.

Wiesbaden, 30.Juni. (DNB.) In Wiesbaden fand am Sonntagvormittag die erste Sitzung der deutschen Waffenstillstandskommission und der fran­zösischen Abordnung im HotelNassauer H o f" statt. Um 11 Uhr traf der Führer der deutschen Delegation, General von Stülp nagel, mit seiner Begleitung ein. Kurz darauf kamen auch die Mitglieder der französischen Delegation, an ihrer Spitze der General der französischen Armee Hunt- Ziger. Dieser stellte General von Stülpnagel zu­nächst seine engsten Mitarbeiter vor, nämlich Gene­ral der Luftwaffe Mouchard, Oberstleutnant Humbert und Kapitän z. S. T r a c o u, während General von Stülpnagel neben seiner persönlichen Begleitung die führenden Mitglieder der deutschen Abordnung vorstellte. Diese sind: Generalleutnant Mieth (Heer), Generalleutnant F ö r ft e r (Luft­waffe), Kapitän z. S. W e v e r (Marine), Oberst Huenermann (Rüstungsindustrie) und Oberst­leutnant des Generalftabes Böhme (Oberkom­mando der Wehrmacht).

An der großen Tafel in dem im zweiten Stock gelegenen Versammlungsraum nahmen dann unge­fähr 40 Personen Platz, in der Mitte General von Stülpnagel, ihm gegenüber General Huntziger. Ge­neral von Stülpnagel eröffnete die Sitzung mit folgenden Worten:Ich erkläre hiermit die Ver­handlungen der Waffenftillstandskommifsion für er­öffnet. Die Waffenftillftandskommission dient der Durchführung der Bestimmungen, wie sie im Waf- fenstillftandsvertrag festgelegt worden sind. Sie hat ebenso die Uebereinftimmung mit den Bestimmunaen zu wahren, die sich aus dem -italienisch-französischen Waffenftillstandsvertrag ergeben."

Nach diesen Worten traten die deutsche Waffen­ftillftandskommission und die französische Abord­nung sofort in die sachlichen Verhandlungen ein. |

Ztalo Balbo.

Von unserem X G.-Korrejpondenien.

Rom, im Juli 1940.

Wer mit diesem Manne in Berührung kam, mußte ihn liebgewinnen. Es war nicht bloß der Nimbus des Kämpfers, den fein unbändiges Temperament, fein jede Gefahr verachtender Tatendrang, in zwei Jahrzehnten bis zu den höchsten Würden des fafchi- stifchen Staates emporgetragen hatte, es war viel

Marschall Balbo. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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mehr die alle seine Handlungen, auch die alltäglich­sten, durchdringende warme Menschlichkeit, die eine bezaubernde Wirkung auf feine Umgebung ausübte, alle, die sich ihm näherten, in den Bann seiner Per­sönlichkeit schlug und nicht mehr losließ. Selbst als Exzellenz" war Balbo das geblieben, was er als zwanzigjähriger Student gewesen war: ein jeder vom Leben bargebotenen Freude aufgeschlossener Mensch, und aus dieser Fähigkeit zum kindlichen Freuen und zur jugendlichen Begeisterung schöpfte er auch noch als reifer Mann die Kraft zu den heroischen Leistungen, die feinen Namen in der ganzen Welt bekannt und zu einem Begriff gemacht haben, in dem sich Geist und Ideale des faschistifchen Italiens verkörperten.

In allen politischen Nachschlagewerken finden sich die trockenen Daten, die wie Marksteine die erstaun­liche Laufbahn Jtalo Balbos abstecken. Mit 19 Iah-

Britische Hafenanlagen und Rüstungswerke bombardiert.

Der Wehrmachtsbericht vom Sonntag.

Führerhauptquartler, 30. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: In Frankreich und auf See keine besonderen Ereignisse.

3n der Rächt zum 30. 6. griffen deutsche Kampf­flugzeuge Hafenanlagen und Rüstungs- werke in England und Schottland mit Bomben an. An vielen Stellen wurden Explo­sionen und Brände beobachtet, so besonders in den Häfen von E a r d i f f und Bristol, wo mehrere Tanklager in Flammen aufgingen. Flugplätze bei Lincoln, Rottingham und 5 o r f waren das Ziel weiterer erfolgreicher Luft­angriffe.

Britische Flugzeuge griffen bei Rächt in Rord- und Westdeutschland an mehreren Stellen nichtmilitärische Ziele mit Bomben an. Der angerichtete Sachschaden ist unbedeutend. In einer westdeutschen Stadt beschoß ein briti­sches Flugzeug die zum Löschen eines Hauses eingesetzte Feuerwehr mit Maschinengewehren. Bier feindliche Flugzeuge wurden durch Flakartil­lerie abgeschossen. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt.

Der Wehrmachtsberichl vom Samstag.

Bombenangriffe auf Truppenansamm­lungen auf den brittischeipKanalinseln.

Führerhauptquarkier, 29. Juni. (DRB.) Das OKW. gibt bekannt: 3n Frankreich keine besonderen Ereignisse.

Ein Unterseeboot meldet die Versenkung von 38 000 BRT. feindlichen Handelsschiffsraumes. Ein weiteres Unterseeboot hat drei bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 11 000 BRT. versenkt.

Wie an den Bortagen griffen Karnpfver- bände der Luftwaffe auch am 28. und in der Rächt zum 29. 3uni in Süd- und Mittel- England gelegene Rüstungswerke und Hafenan­lagen mil sichtbarem Erfolg an. Besonders wir­kungsvoll waren auch Bombenangriffe auf Trup­penansammlungen und Begabungen auf den britischen Kanalinseln 3ersey und

G u e r n s e y, wo in den Hafenanlagen große Brände und starke Explosionen beobachtet wurden.

Britische Flugzeuge setzten ihre nächtlichen Einflüge über Belgien und Holland nach Rord- und Westdeutschland fort und warfen an verschiede­nen Stellen Bomben ab. Diese richteten nur Sach­schaden an W ohnhäusern an und verletz­ten einige Zivilpersonen. Bier der angreifenden Flugzeuge wurden abgeschofsen, davon zwei durch Flakartillerie. Eigene Berluste sind nicht zu verzeichnen.

ErfolgederttallenifchenLustwaffe

Der Wehrmachtsbericht vom Sonntag.

Rom, 30. 3unL (DRB.) Der italienische Wehr- machlsbericht Hal folgenden Wortlaut:

Bemerkenswerte Tätigkeit unserer Kolonnen an der Grenze der Eyrenaika; es wurden einige Punkte besetzt und Angriffe feindlicher moto­risierter Berbänbe zurückgeschlagen. 3m Luftkampf wurden vier feindliche Flugzeuge abgeschossen, einige Mitglieder der Besatzung wurden gefangen genom­men. Zwei unserer Flugzeuge sind nicht zurück­gekehrt. Während eines Fliegerangriffes auf den Flughafen von Tobruk, bei dem nur unbedeutender Schaden angerichtet worden ist, haben unsere sofort eingreifenden 3agdflieger zwei feindliche Flugzeuge a b g e s ch o s s e n; der Ab­schuß eines dritten Flugzeuges ist wahrscheinlich. Ein weiterer Luftangriff auf den Flughafen von M a f f a u a hat keinerlei Schaden verursacht; ein feindliches Flugzeug wurde von Flakgeschützen ab­geschossen.

Der italienische Wehrmachtsbericht vom Samstag.

Rom, 29. 3uni. (DRB.) Der ilalienische Heeres­bericht vom Samstag hat folgenden Wortlaut: Eines unserer U-Boote hat mit einem Torpedo- und Artillerieangriff einen bewaffneten Dampfer von 10 000 BRT. aus einem Geleitzug heraus versenkt. 3n Rordafrika ist ein Lager südlich von Marsa Matruh mit größter Wirkung bombardiert worden, wobei Truppen unter Maschinengewehr­feuer genommen, Anlagen getroffen und etwa 20 Flugzeuge am Boden zerstört worden sind. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.