(90. Jahrgang Nr. (55
GieWer Anzeiger
Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustriere Gießener Familie-Matter HeimatimBild DieScholle Monats-Berugsvreis:
Mit4 Beilagen.RM.1.95
Ohne Illustrierte • 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Fernsvrechanschluh 2251 Druck und Verlag:
wÄn&i'BÄ BrfiMWeHnioerfttätrtrMdmiB.CaMae
General-Anzeiger für Oberhessen Giehen?§ch,lfiratze7-Y
Montag, l-ZuliMo Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/?Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 me Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I AbschlüffeMengenstaffelL Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25 o/o mehr Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen
und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf.
Der Führer am Mellum in Paris.
H Hi
I
UM
<
-
■ ' - X
Dieben Adolf Hitler (nach links) Prof. Speer und Prof. G i e s l e r, rechts Prof. B r e k e r. (Preffe-Hoffmann-M.)
England räumt die Kanal-Inseln
Stockholm, 29. Juni. (Europapreß.) Am 26. Juni gab das Londoner Kriegsministerium den militärischen Kommandostellen auf den Kanal-Inseln Jersey, Guernesey, Alderney, Sark unb.Herrn sowie von weiteren kleinen Inseln den Befehl, die sofortige „Demobilisierung" der Inseln in die Wege zu leiten, nachdem die gesamte französische Küste bis zur spanischen Grenze in deutsche Hände gefallen war. Es hätte nicht einmal der großen deutschen Langrohrgeschütze bedurft, um von der französischen Küste südwestlich von Cherbourg aus die Stellungen auf den Kanalinseln außer Aktion zu setzen. Knapp 45 Kilometer von der Küste entfernt liegt Jersey und kaum hundert Kilometer Guernesey. Auch in diesem Fall hat London es jetzt vorgezogen, den Grundsatz der „verteidigenden Kriegführung" anzuwenden; es zog die vorhandenen Streitkräfte kampflos zurück. Die British Broadcasting Corporation begründet den Schritt mit dem Hinweis, die Inseln seien jetzt unbedeutend geworden und strategischnichtmehrzuhal- t e n.
Die Räumung der Kanalinseln, auch normannische Inseln genannt, bedeutet für London nicht nur einen Prestigeverlust; sie ist auch für die innerpolitische Stimmungsbildung ein Rückschlag, der offenbar dadurch ausgeglichen werden sollte, daß man in nicht weniger als vier Rundfunksendungen die Bedeutungslosigkeit des Schrittes verkündete. Tatsache ist jedoch, daß England damit eine Besitzung geräumt hat, über die es seit dem Jahre 1066 fast ununterbrochen und uneingeschränkt geherrscht hat. Im Jahre 983 wurde die Gruppe mit der Normandie vereinigt und ging 1066 mit ihr in englische Hände über. Die aus hunderttausend Köpfen bestehende Bevölkerung hat sich der englischen Herrschaft niemals ganz gebeugt. Sie ist gallisch-keltischen Ursprungs, und bis heute spricht man auf den Inseln ausschließlich französisch, das auch die Amtssprache war. Episoden, in denen englische Vergnügungsreisende als „feindliche Ausländer" betrachtet wurden, sind selbst in der englischen Literatur nicht selten.
Die jetzt geräumten Inseln gehören mit zu den Nahrungsmittel-Erzeugerländern. Frühkartoffeln von Jersey und Guernesey bildeten seit jeher eine Delikatesse auf den Speisekarten der großen Londoner Hotels und Klubs. Die Viehzucht ergänzt die Landwirtschaft in fast vorbildlicher Weise, da das milde Klima gleichmäßig dem Ackerbau und der Viehzucht zugutekommt. Der Export von Tomaten ist ebenso groß wie der des Schlachtviehs oder der Kartoffeln. So versteht man auch die Hast, mit der die französisch - stämmige Bevölkerung in den Morgenstunden des 26. Juni aufgefordert wurde, ihr Vieh zusammenzutreiben, die vorhandenen Ernte- und Lebensmittelbestände zu verpacken, und
sich mit ihnen in Fischkuttern, Motorbooten und kleinen Kanaldampfern nach England zu begeben. Fast triumphierend erklärte der Londoner Rundfunk in den Morgenstunden des 29. Juni, der Feind werde, wenn er übersetzen sollte, nur leere Weiden, abgestreifte Tomatenstauden, geplünderte Felder und geräumte Keller vorfinden. Nicht eine einzige Maschine sei mehr vorhanden. Kurzum, die Räumung sei vollständig durchgeführt worden, vollständiger als die von Dünkirchen. London befürchtete also die Landung deutscher Truppen auf den Kanalinseln.
Knapp zehn Monate nach Beginn des englischen Krieges räumt England einen Boden, der von den Wellen umspült wird, die, wie es in einem alten englischen Lied heißt, von der englischen Flotte beherrscht werden. Die gleiche englische Flotte hat sich in diesen Tagen als unfähig erwiesen, von England regierten Boden zu verteidigen. Darin liegt der tiefere Sinn der in den Abendstunden des 28. Juni vom Londoner Innenministerium veröffentlichten Meldung: „In Anbetracht der Besetzung jener Teile Frankreichs durch die deutschen Truppen, die den anglo-normannischen Inseln am nächsten liegen, hat die Regierung die Demobilisierung dieser Inseln angeordnet. Alle bewaffneten Streitkräfte sind einschließlich des vorhandenen Kriegsmaterials zurückgezogen worden."
Zusammenstöße zwischen französischen undenglischen Truppender Orientarmee
Genf, 30. Juni. (DNB.) Die Zeitung „Petit Dauphinois" in Grenoble meldet: „Entsprechend den Waffenstillstandsverträgen erhielt General Mittel- Hauser von der französischen Regierung den Befehl, die französischen Kontingente der englisch-französischen Armee im Nahen Orient, die unter seinem Befehl stehen, zu demobilisieren. Englische Truppen versuchten, diese Demobilisierung zu stören. Dabei kam es zwischen französischen und englischen Soldaten zu schweren Zwischenfällen. Der französische Oberkommissar in Syrien, Puaux, protestierte energisch gegen die Absicht der englischen Regierung, der Ausführung der von der französischen Regierung gegebenen Anordnung Schwierigkeiten zu bereiten.
Neue Schandtat der britischen Luftwaffe
Berlin, 29. Juni. (DNB.) In der Nacht vom 26. zum 27. Juni wurden auf die I r r e n a n ft a 11 Eindhoven, Provinz Nord-Brabant, sieben Bomben abgeworfen, die bedeutenden Sachschaden anrichteten. Eine Schwester ist schwer verletzt worden, eine weitere Schwester und drei arme
Kranke wurden leicht verletzt. Dieser Nachtangriff zeigt deutlich, daß die britischen Flieger ohne Rücksicht auf jede Menschlichkeit Vorgehen. Das große Ansehen der britischen Flieger, das sie bei der holländischen Bevölkerung besaßen, schwindet mehr und mehr, seitdem man auch dort erkannt hat, daß nur die Angst vor der deutschen Luftwaffe die R.A.F. bestimmt, ihre Bombenflüge in die Nacht zu verlegen.
Der Führer besichtigte die Ma ginot-Linie
Führerhauptquarlier, 30.3unL (DHB.) Der Führer besuchte am Sonntag vom Führerhauptquartier aus Mülhausen und das obere Elsaß. Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Führer verschiedene schwere Panzerwerke der Maginot-Linie, die durch die neuen deutschen Waffen in kürzester Zeit kampfunfähig gemacht worden waren.
Die erste Sitzung derWaffenstill- standskommission in Wiesbaden.
Wiesbaden, 30.Juni. (DNB.) In Wiesbaden fand am Sonntagvormittag die erste Sitzung der deutschen Waffenstillstandskommission und der französischen Abordnung im Hotel „Nassauer H o f" statt. Um 11 Uhr traf der Führer der deutschen Delegation, General von Stülp nagel, mit seiner Begleitung ein. Kurz darauf kamen auch die Mitglieder der französischen Delegation, an ihrer Spitze der General der französischen Armee Hunt- Ziger. Dieser stellte General von Stülpnagel zunächst seine engsten Mitarbeiter vor, nämlich General der Luftwaffe Mouchard, Oberstleutnant Humbert und Kapitän z. S. T r a c o u, während General von Stülpnagel neben seiner persönlichen Begleitung die führenden Mitglieder der deutschen Abordnung vorstellte. Diese sind: Generalleutnant Mieth (Heer), Generalleutnant F ö r ft e r (Luftwaffe), Kapitän z. S. W e v e r (Marine), Oberst Huenermann (Rüstungsindustrie) und Oberstleutnant des Generalftabes Böhme (Oberkommando der Wehrmacht).
An der großen Tafel in dem im zweiten Stock gelegenen Versammlungsraum nahmen dann ungefähr 40 Personen Platz, in der Mitte General von Stülpnagel, ihm gegenüber General Huntziger. General von Stülpnagel eröffnete die Sitzung mit folgenden Worten: „Ich erkläre hiermit die Verhandlungen der Waffenftillstandskommifsion für eröffnet. Die Waffenftillftandskommission dient der Durchführung der Bestimmungen, wie sie im Waf- fenstillftandsvertrag festgelegt worden sind. Sie hat ebenso die Uebereinftimmung mit den Bestimmunaen zu wahren, die sich aus dem -italienisch-französischen Waffenftillstandsvertrag ergeben."
Nach diesen Worten traten die deutsche Waffenftillftandskommission und die französische Abordnung sofort in die sachlichen Verhandlungen ein. |
Ztalo Balbo.
Von unserem X G.-Korrejpondenien.
Rom, im Juli 1940.
Wer mit diesem Manne in Berührung kam, mußte ihn liebgewinnen. Es war nicht bloß der Nimbus des Kämpfers, den fein unbändiges Temperament, fein jede Gefahr verachtender Tatendrang, in zwei Jahrzehnten bis zu den höchsten Würden des fafchi- stifchen Staates emporgetragen hatte, es war viel
Marschall Balbo. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
W '
' . 'f Oaex* ’ M
'<•
a <"• Ess» y:
■ v. -wm* s -s •
mehr die alle seine Handlungen, auch die alltäglichsten, durchdringende warme Menschlichkeit, die eine bezaubernde Wirkung auf feine Umgebung ausübte, alle, die sich ihm näherten, in den Bann seiner Persönlichkeit schlug und nicht mehr losließ. Selbst als „Exzellenz" war Balbo das geblieben, was er als zwanzigjähriger Student gewesen war: ein jeder vom Leben bargebotenen Freude aufgeschlossener Mensch, und aus dieser Fähigkeit zum kindlichen Freuen und zur jugendlichen Begeisterung schöpfte er auch noch als reifer Mann die Kraft zu den heroischen Leistungen, die feinen Namen in der ganzen Welt bekannt und zu einem Begriff gemacht haben, in dem sich Geist und Ideale des faschistifchen Italiens verkörperten.
In allen politischen Nachschlagewerken finden sich die trockenen Daten, die wie Marksteine die erstaunliche Laufbahn Jtalo Balbos abstecken. Mit 19 Iah-
Britische Hafenanlagen und Rüstungswerke bombardiert.
Der Wehrmachtsbericht vom Sonntag.
Führerhauptquartler, 30. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: In Frankreich und auf See keine besonderen Ereignisse.
3n der Rächt zum 30. 6. griffen deutsche Kampfflugzeuge Hafenanlagen und Rüstungs- werke in England und Schottland mit Bomben an. An vielen Stellen wurden Explosionen und Brände beobachtet, so besonders in den Häfen von E a r d i f f und Bristol, wo mehrere Tanklager in Flammen aufgingen. Flugplätze bei Lincoln, Rottingham und 5 o r f waren das Ziel weiterer erfolgreicher Luftangriffe.
Britische Flugzeuge griffen bei Rächt in Rord- und Westdeutschland an mehreren Stellen nichtmilitärische Ziele mit Bomben an. Der angerichtete Sachschaden ist unbedeutend. In einer westdeutschen Stadt beschoß ein britisches Flugzeug die zum Löschen eines Hauses eingesetzte Feuerwehr mit Maschinengewehren. Bier feindliche Flugzeuge wurden durch Flakartillerie abgeschossen. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt.
Der Wehrmachtsberichl vom Samstag.
Bombenangriffe auf Truppenansammlungen auf den brittischeipKanalinseln.
Führerhauptquarkier, 29. Juni. (DRB.) Das OKW. gibt bekannt: 3n Frankreich keine besonderen Ereignisse.
Ein Unterseeboot meldet die Versenkung von 38 000 BRT. feindlichen Handelsschiffsraumes. Ein weiteres Unterseeboot hat drei bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 11 000 BRT. versenkt.
Wie an den Bortagen griffen Karnpfver- bände der Luftwaffe auch am 28. und in der Rächt zum 29. 3uni in Süd- und Mittel- England gelegene Rüstungswerke und Hafenanlagen mil sichtbarem Erfolg an. Besonders wirkungsvoll waren auch Bombenangriffe auf Truppenansammlungen und Begabungen auf den britischen Kanalinseln 3ersey und
G u e r n s e y, wo in den Hafenanlagen große Brände und starke Explosionen beobachtet wurden.
Britische Flugzeuge setzten ihre nächtlichen Einflüge über Belgien und Holland nach Rord- und Westdeutschland fort und warfen an verschiedenen Stellen Bomben ab. Diese richteten nur Sachschaden an W ohnhäusern an und verletzten einige Zivilpersonen. Bier der angreifenden Flugzeuge wurden abgeschofsen, davon zwei durch Flakartillerie. Eigene Berluste sind nicht zu verzeichnen.
ErfolgederttallenifchenLustwaffe
Der Wehrmachtsbericht vom Sonntag.
Rom, 30. 3unL (DRB.) Der italienische Wehr- machlsbericht Hal folgenden Wortlaut:
Bemerkenswerte Tätigkeit unserer Kolonnen an der Grenze der Eyrenaika; es wurden einige Punkte besetzt und Angriffe feindlicher motorisierter Berbänbe zurückgeschlagen. 3m Luftkampf wurden vier feindliche Flugzeuge abgeschossen, einige Mitglieder der Besatzung wurden gefangen genommen. Zwei unserer Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt. Während eines Fliegerangriffes auf den Flughafen von Tobruk, bei dem nur unbedeutender Schaden angerichtet worden ist, haben unsere sofort eingreifenden 3agdflieger zwei feindliche Flugzeuge a b g e s ch o s s e n; der Abschuß eines dritten Flugzeuges ist wahrscheinlich. Ein weiterer Luftangriff auf den Flughafen von M a f f a u a hat keinerlei Schaden verursacht; ein feindliches Flugzeug wurde von Flakgeschützen abgeschossen.
Der italienische Wehrmachtsbericht vom Samstag.
Rom, 29. 3uni. (DRB.) Der ilalienische Heeresbericht vom Samstag hat folgenden Wortlaut: Eines unserer U-Boote hat mit einem Torpedo- und Artillerieangriff einen bewaffneten Dampfer von 10 000 BRT. aus einem Geleitzug heraus versenkt. 3n Rordafrika ist ein Lager südlich von Marsa Matruh mit größter Wirkung bombardiert worden, wobei Truppen unter Maschinengewehrfeuer genommen, Anlagen getroffen und etwa 20 Flugzeuge am Boden zerstört worden sind. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.


