Ausgabe 
1.4.1940
 
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Geheim!

ER/MR=3lr. l/WB/tj/146

Meine Unterredung mit Botschafter Kennedy

,ter meint, die versöhnlichen Elemente in

wenn die Arbeiten der vorgesehenen Abordnung der Wirtschaftskreise ohne Ergebnisse blieben, Eng­land eine Revidierung des Handelsver­trages in Erwägung ziehen müßte. Diese Aus­sicht schrecke jedoch die Schweden nicht, erklärte mir mein Gesprächspartner. Dieser Vertrag sei seines Erachtens nicht so sehr vorteilhaft. Er enthalte vor allem für die Schweden beschwerliche Klauseln in Bezug auf Kohle, die sie woanders billiger kaufen könnten. Die Schweden machten sich keine Sorgen um den Absatz der Waren, die jetzt den Engländern verkauft werden. Diese könnten aller­dings z. B. die Zollsätze auf Stahl oder Zellulose erhöhen, aber diese Erzeugnisie seien in der Aus­fuhr nach England ein verhältnismäßig kleiner Poften. Uebrigens seien die Schweden überzeugt, daß die Waren, die England nicht nehmen würde, zumal landwirtschaftliche Erzeugnisse, sich ohne Schwierigkeiten in Deutschland unterbrin­gen ließen, mit dem sie überhaupt sehr gut und ordentlich Handel treiben könnten. Zu der Ausfuhr

Schweden gegen englische Anmaßung

Der englische Minister Hudson erlebte eine Abfuhr.

und unter seiner Leitung auf große Schwierigkeiten stößt. Aus allen oben angeführten Möglichkeiten und anderen, die ich der Kürze halber übergehe, wählte die englische Regierung den Vorschlag einer gemeinsamen Erklärung Englands, Frankreichs und Polens und der Sowjets, um sich an uns zu wen­den. Da aber innerhalb der Regierung regelmäßig

Aus der Dokumentensammlung des Auswärtigen Amtes, deren erste Folge aus 16 Dokumenten be­steht, bringen wir heute weiter die Dokumente 12, 13, 15, 1 und 7 zur Veröffentlichung.

England nach der tschechischen Krise.

Dokument 12.

Bericht des polnischen Botschafters in London, Grafen Edward R a c z i n s k i, an den polnischen Außenminister in Warschau vom 29. 3. 1939. Botschaft der Republik Polen

London, den 29. 3. 1939.

als sie werde faßt-" pol,! Pole der B

der Regierung das benutzen, um Großbritannien zu einem Verzicht auf eine Festlegung bei uns zu veranlassen. Herr Kennedy ist der Ansicht, daß in der hiesigen Regierung auch weiterhin noch Zweifel daran vestshen, daß Polen tatsächlich unwiderruflich entschlossen ist, sich hinsichtlich Danzigs zu widersetzen. Bei den hiesigen blitzschnell sich verändernden Be­dingungen müßten Versilberungen dieser Art not­wendigerweise oft wiederholt werden.

Ich schnitt darauf die russische Frage an. Herr Kennedy war ziemlich zurückhaltend und wollte sich offenbar auf keine Erörterung über das eng­lische Vorgehen gegenüber Moskau einlassen (und auch nicht auf die Schwierigkeiten, auf die dieses Vorgehen stoßen könnte?). Er beschränkte sich auf die charakteristische Aeußerung, die englische Regie­rung lege ihrem Zusammengehen mit Polen größere Bedeutung bei als dem mit Rußland*). Dieses Zu­sammengehen sei für die englische Regierung jeden­falls ein wesentlicher Ausgangspunkt für ein etwaiges weiteres Vorgehen.

So viel hörte ich von Herrn Kennedy selbst. Da­gegen laufen unter den hiesigen Journalisten Ge­rüchte ufn, nach denen der Botschafter tatsächlich in den letzten Tagen mit dem Premier über Osteuropa gesprochen hat. Bei dieser Gelegenheit soll er, wie behauptet wird, betont haben, daß die Sympathien Amerikas für England im Falle eines Konfliktes in hohem Maße von der Entschiedenheit abhängig wer­den, mit der sich England der europäischen Staaten annehmen werde, die von Deutschland bedroht sind.

Edward Ra c z y n s k i

Botschafter der Republik Pölen.

*) Diesen Gesichtspunkt fand ich zum erstenmal in der hiesigen Presse, in einigen Artikeln, die den Be­reich und die Ziele der englischen diplomatischen Offensive besprechen.

ten sie sowieso zuzahlen, während sie in Deutsch­land dafür höhere Preise erhalten könnten.

Die kritische Einstellung der hiesigen Wirtschafts, weit zu dem Auftreten Hudsons bestätigt auch ein Aufsatz des bekannten Wirtschaftsfachmannes G. Caf- f e I inSvenska Dagbladet" vom 8. April. Dieser Artikel verdient ebenso auch deshalb Aufmerksam­keit, weil er, was die englisch-schwedischen Handels- beziehungen angeht, gegen Schweden gerichtet ist.

Cassel erklärt nämlich, daß die Tatsache der Passi­vität der schwedisch-englischen Handelsbilanz für England nicht auf eine allzu einfache Weise inter­pretiert werden kann. Die Struktur des internatio­nalen Handels bewirkt nämlich, daß der Ueberschuß an Pfunden (Sterling), die Schweden in England erhalten hat, zum Ankauf von Waren in anderen Ländern verwandt wird, die für die gleichen Pfunde wiederum englische Waren kaufen.

Die Schweden würden gern in Loirdon über eine Vergrößerung der schwedischen Einkäufe in England beraten, aber der Erfolg dieser Aktion werde auch vom guten Willen der englischen Exporteure ab- hängen. Anderseits kaufen die englischen Impor­teure die für sie nötigen Waren in Schweden nicht etwa aus Liebe zu den Schweden, sondern deshalb, weil sie gut und billig sind.

Im Zusammenhang hiermit beendigt Professor Cassel den Artikel wie folgt:

Aus den Forderungen, die von England gestellt werden, kann Schweden jedoch manches lernen. Unsere dauernden Bemühungen, andere Länder ge­neigt zu machen, schwedische Waren zu kaufen, die wir ihnen lediglich mit Hilfe von finanziellen Sub­ventionen verkaufen können, stellen selbstverständ­lich eine gefährliche Abweichung von einer gesunden Wirtschaft dar. Dieser subventionierte Export be­lastet ständig unsere Verhandlungen über Handels­verträge und bildet für das Land, das diesen Ex­port annimmt, den Ausgangspunkt zu ständig wach­senden Forderungen nach Vergrößerung seines Ex­ports nach Schweden. Diese schädliche Seite unserer Subventionspolitik wird häufig bei uns vergessen. Sie wurde durch die letzte Probe Englands aktuali­siert, welches sich bemühte, seine Kraft als großer Importeur zur Erwerbung eines größeren Mark­tes in Schweden auszunutzen.

Göteborgs Handels- och Sjoefarts Tidning" vorn 12. April kommentiert diesen Artikel Cassels und teilt seine Ausführungen. Das Blatt hält den Eng­ländern besonders vor, daß der größte Teil des Imports aus Schweden aus für ihre Industrie wichtigen Rohstoffen und Halbfabrikaten besteht, wie Holz und Papiermengen, und daß sie diese Dinge bedürfnishalber und nicht aus Höflichkeit kaufen, was jedoch den subventionierten Export von Molkereiprodukten, besonders von Butter angeht, die die Engländer dank der Subvention zu einem Preis erhalten, der 60 v. H. niedriger ist als der.

An den Herrn Minister für auswärtige Angelegen- heilen in Warschau.

politischer Bericht Nr. 7/L

Die Haltung der britischen Regierung gegenüber der Krise. Das Verhältnis zu Polen. Unter­redung mit Botschafter Kennedy.

Der gewaltsame Verlaus der letzten Phase der tschechischen Krise hat die hiesige öffentliche Meinung tief erschüttert und auch eine Entwicklung in der Haltung der hiesigen Regierung veranlaßt. Für die entschiedenen Gegner Hiller-Deutschlands waren die letzten Ereignisse nur eine Bestätigung von Vorausgesehenem und ein Beweis mehr, daß ein energisches Vorgehen notwendig sei. Größere Bedeutung jedoch gewannen die tschechischen Ereig­nisse durch den Eindruck, den sie auf das hiesige Versöhnungslager" machten.

Dessen Anhänger vermieden in der Regel eine aufrichtigere Bekanntgabe ihrer Voraussichten und Hoffnungen. Sie beschränkten sich im allgemeinen daraus, zu erklären, daß Großbritannien sich auf die Verteidigung Westeuropas, sowie natürlich des britischen Imperiums und der imperialen Verbin­dungslinien beschränken müsse. Mittel- und Ost­europa dagegen würden als deutsches Expansions- gebiet dienen, aus dem sich England, ohne großen Schaden zu erleiden, zurückziehen könnte.

Richt laut ausgesprochene Argumente, aber doch vielleicht die wichtigsten dieses Lagers, könnte man in der Erwartung sehen, daß es Deutschland sehr schwer fallen werde, mit den ihm abgetretenen Ge­bieten fertig zu werden und daß dank dieser Schwierigkeiten und dank des Gegensatzes zu Ruß­land es an Ausdehnungsfähigkeit und Dynamik verlieren werde. Man sagt voraus, daß es zu einem Krieg zwischen Rußland und Deutschland kommen werde, der beide schwächen werde, nicht ohne mittelbaren Vor - teil für die We st möchte.

Der schnelle Lauf der Ereignisse, der Deutschland wertvolle, unblutige Beute verschaffte, zeigte die schwachen Seiten dieser Schlußfolgerung. Er wies auf die Tatsache hin, daß es im Grunde genom­men eine Ausrede war, die den verantwortlichen Staatsmännern der Weftmächte erlaubte, auf der Linie des geringsten Widerstandes zu gehen. Es tauchte eine ernste Besorgnis angesichts der Tat­sache auf, daß Deutschland statt eines Kräfte­verlustes infolge feiner Ostaktion eine zusätzliche

Ihnen, Herr Minister, aus Anlaß der Abreise von Herrn Hudson nach Warschau und Moskau zu be­richten (Rr. 57/tj/122 vom 10. dieses Monats jsiehe oben Seite 251) hoffte man eng­lischerseits schon damals sehr auf eine poli­tische Zusammenarbeit mit den Sow­jets. Sowjetischerseits dagegen trug man einen Mangel an lebhafterem Interesse zur Schau. Sei­nerzeit erklärten sich die Sowjets damit einverstan­den, die gemeinsame Erklärung zu unterzeichnen. Sie taten cs unter bisher nicht ganz geklärten Be­dingungen. Sie machten anscheinend ihre Unterzeich­nung von der Teilnahme Polens abhängig*).

Es ist nicht bekannt, ob die englische Regierung sich an Moskau wandte wegen einer Unterzeichnung zu teilt mit Frankreich und ob man dort dazu nicht bereit war. Jedenfalls mehren sich in den letzten Tagen die Spuren, die darauf Hinweisen, daß das Verhältnis weniger herzlich ist als vor sehr kurzer Zeit im Zusammenhang mit der englischen Initia­tive. Auf diesen Punkt werde ich noch bei meiner Unterredung mit Botschafter Kennedy zurück­kommen. Hier möchte ich nur hinzufügen, daß Bot­schafter M a j s k i, dem ich oft auf den Empfangen zu Ehren des Präsidenten Lebrun begegnete, kaum verhehlte, daß er äußerst zufrieden mit dem letzten Verlauf der Ereignisse sei, gleichzeitig zeigte er sehr viel Selbstsicherheit. Das Element des Schwankens in der hiesigen Regierung wurde nach auhenhin bei der Rekrutterungsangelegenheit freut-

Diese Beurteilung der hiesigen Lage bildete den Hauptinhalt der Unterredung, die ich gemäß Ihrem Auftrage, Herr Minister, den Herr Direktor Lu- bienski übermittelte, am 28. dieses Monats mit dem amerikanischen Botschafter, Herrn Kennedy, hatte. Ich fragte Herrn Kenn edy geradezu nach dem Gespräch, das er kürzlich mit Herrn Chamber­lain über Polen geführt haben soll. Herr Ken­nedy war überrascht und erklärte kategorisch, daß ein derartiges Gespräch von besonderer Bedeutung nicht ftattgefunben habe. Gleichzeitig und indem er diese Versicherung gewissermaßen in Abrede stellte, brachte Herr Kennedn seine Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck, daß seine Kollegen in Paris und Warschau,die nicht so wie er imstande seien, sich ein genaues Bild von der Lage in England zu machen", so dreist darüber redeten.

Da ich sah, daß ich auf diesem Wege nicht viel erreichen würde, brachte ich das Gesvräch auf die jetzige Lage und regte fren Botschafter dazu an, die Bereitschaft Englands zu einem b e - roaffneten Auftreten zu beurteilen, lieber diesen Teil des Gespräches habe ich Ihnen, Herr Minister, schon telegraphisch berichtet. Herr Ken­nedy, der zu verstehen gab, daß seine Ansicht sich auf eine Reihe von Gesprächen mit hiesigen maß- aebenfrften Stellen stützte, erklärte, überzeugt zu fein, daß, sollte Polen sich zum bewaffne» t en Widerstand gegen Deutschland ent­schließen, insbesondere auch hinsichtlich Danzigs, es dann England nach sich ziehen werde. Das werde, wie Herr Kennedy mit Nachdruck unter­strich, nicht das Ergebnis größerer Herzlichkeit sein, ' " England bisher für uns übrig hatte, das - b kein willig ober mit Zufriedenheit ge- hluß fein, sondern sich nur aus einer otmenfrigfeit ergeben. Sollte dagegen Unentschlossen fein, dann würden, wie

Dokument 13.

Bericht bes polnischen Gesanbten in Stockholm, G. Potworowski, an den polnischen Außen­minister in Warschau vom 15. April 1939.

Gesandtschaft der Republik Polen in Stockholm.

Nr. 19/8/5 Verttaulich!

Stockholm, 15. 4. 1939.

An den Herrn Mnister für auswärtige Angelegen­heiten in Warschau.

Unter Bezugnahme auf den Bericht vom 8. b. M. Nr. 19/8/4 teilt bie Gesanbtschast mit, baß weitere Nachrichten über ben Aufenthalt bes Ministers Hudson in Stockholm besagen, daß er hier keine größeren Erfolge erzielt hat.

Minister Hudson hat anscheinend allzu wenig Geschicklichkeit in ben hier geführten Gesprächen be­wiesen unb sogar bie hiesigen Wirtschaftskreise gegen sich verstimmt.

Wie mir ein hervorragender Vertreter ber hiesi­gen Finanzwelt mitgeteilt hat, (onbierte Hubson ebenfalls bey Boden in Bezug auf das Ver­halten der Schweden im Kriegsfälle, wobei er suggerierte, es sei notwendig, alle R o h - ftoffliefernngen an Deutschland ein» 3 u ft e 11 e n.

Die Schweden gaben ihm daraufhin zu ver­stehen, daß sie Neutralität zu wahren wünsch* ten, unb baß, wenn im Kriegsfälle bie Ostsee von Deutschlanb beherrscht werben würbe, sie sich bem nicht entziehen könnten, ihm Erze zu liefern. Die Lage wäre natürlich anders, wenn die Engländer die Ostsee beherrschten.

Auf einer Pressekonferenz hat Hubson angeblich mit Nachbruck betont, baß es notroenbig fei, bie englische Ausfuhr nach Schweben zu erweitern, wobei er zu verstehen gab, baß,

Stärkung erfuhr.

Aus biefem Bewußtsein ergab sich ein neuer Ton gegenüber Deutschland; er fand seinen Ausbrück in ber politischen Presse Englanbs, übrigens im Einklang mit ben Wünschen ber Re­gierungsstellen. Nachrichten zufolge, die hier in biplomatischen unb politischen Kreisen ausgetauscht werben, ist bie Umgestaltung im Lager berVer­söhnung" allerbings nicht vollkommen. In diesem befinbet sich nach allgemeiner Meinung Sir John Simon, ben man für den Verfasser bes Projek­tes einer gemeinsamen Erklärung Großbritanniens, Frankreichs. Polens unb ber Sowjetunion hält. Auch ber Premier scheint trotz bes entliehenen Tones feiner letzten Rebe nicht mehr frei von Zweifeln an einem Gewinn ber mit München be­gonnenen Partie zu fein.

Dieses Schwanken scheint sich vor allem auf das Verhältnis Englands zu Polen zu dezichen. In der defaitistischen bzw. versöhnlichen Theorie, bie oben angeführt wurde, war für uns anscheinend kein klar umgrenzter Platz. Jetzt angesichts der schnellen deut­schen Erfolge, die nur durch Druck erreicht wurden, beginnt man hier zu fürchten, baß auch Polen mit einem Kompromiß mit D e utsch land enden werde, das bann diesem eine schnelle Spren­gung Rußlands ermöglichen würde. Man beun­ruhigte sich mit bem (Bebanfen, baß bei einer sol­chen Entwicklung die Reihe auch an ben Westen käme, und bann der deutsche Druck nicht zurückzu­weisen wäre. Diese Schlußfolgerung sprickst dafür, daß die englisch-polnischen Beziehungen Aussichten haben, inniger zu werden. Außerdem hat sich noch ein. ernster Grund dafür geltend gemacht, bas Vor­gehen Englands mit uns in Verbindung zu setzen: das war das sich herausbildende Bewußtsein, daß Polen, abgesehen von ben Sowjets, doch wohl der einzige Faktor in Osteuropa ist, der volle politische Unabhängigkeit, äußere und innere Beziehungen, die selbständige Entschlüsse erlauben, aufzuweisen hat. Die Schule derDersöhnlichgesinnten" strebt bekanntlich nach einer Beschränkung der englischen Einflußnahme auf das östliche Mittelmeer und auf die Verteidigung der Dardanellen, die den Zugang zum Schwarzen Meer sichern. Indessen stellt es sich doch heraus, daß auf der Balkan-Halbinsel, also aus dem Vorfelde der Türkei, eine von Drohungen nicht freie Lage besteht, und fraß die politische Mobilisierung der Staaten ber Bal­kan-Entente den Wünschen Englands gemäß

lich, die schon seit einigen Moyaten der Gegenstand hitziger Kontroversen ist. Angesichts der ziemlich großen Verstärkung der Kaders der regulären und ber Territorialarmee erklären bie hiesigen Sachver­ständigen die Abneigung ber Regierung, das Gesetz über die Rekrutierung einzubringen, mit technischen Rücksichten. Sie behaupten, diese Maßnahme würbe für bie nächste Zukunft nur symbolisch-demonstrative Bedeutung haben, aber nicht den Aufbau der Armee im Frieben erleichtern, fonbern eher erschweren.

Abgesehen von dem Wert bieser Erklärung scheint das Schwanken von Herrn Chamberlain vor allem aus seiner Abneigung hervorzugehen, bie der Rekru­tierung widerstrebenden Gewerkschaften 'gegen sich aufzubringen und fraburch Meinungsoerschiebenhei- ten im Parlament, bas jetzt fast einmütig ist, her­vorzurufen. Statt das Rekrutierungsgesetz einzu­bringen, hat der Premier einstweilen im Unterhaus eine Verdoppelung ber sogenannten Territorial­armee bis zu der Zahl von 340 000 Mann ange- tünfrigt

*) Im Foreign Office hat man mich so unterrich­tet, bie Sowjets bagegen leugnen das ab. Es finbet hier anscheinend eine kasuistische Deutung statt: Die Einlabung wurde an die vier Staaten gerichtet, und die Sowjets nehmen, wie sie behaupten, sie ohne irgendwelche Bedingungen an. Sie nehmen sie aller­dings nur in dieser Form und mit der Teilnahme, die der englische Vorschlag vorsieht, an.

bis in bie letzten Tage Divergenzen und Zweifel hinsichtlich der Zweckmäßigkeit dieser aktiven Me­thode herrschten, hat man die nicht sehr lebendige, aber dafür weniger bindende Form einer Erklä­rung allgemeiner Natur gewählt und hat sie in einem Stil abaefaht, ber viele Deutungen zuläßt. Einen Beweis dafür, daß bie daraus sich ergebende innere Schwäche hier gut verstanden wird, kann man in bem Umstand sehen, daß die der Unter­zeichnung eines solchen Dokumentes abgeneigte Hal­tung Polens hier keine große Verwunderung her- vorrief, und um so weniger besteht ein Anspruch darauf, die polnische Politik zu leiten.

Noch ein Umstand verlangt beleuchtet zu werden, soweit mir das in diesem Augenblick möglich ist. Das ist ber Staub ber englisch-russischen umtumu,*«*»*..

Beziehungen. Wie ich schon Gelegenheit hatte, jlanbwirtschaftücher Erzeugnisse nach England mutz-

fren die schwedischen Konsumenten zahlen, so gäbe es nichts leichteres, wenn den Engländern dieses Geschäft Kopfschmerzen mache,, als die Passivität der Handelsbilanz Englands, um den Export aus Schweden zu verringern.

Die Zeitung, die von Anfang an diese Subven­tionen als eine für die schwedische Wirtschaft schäd­liche und belastende Form der Unterstützung der Landwirtschaft und der Molkereivrodukte bekämpft hat, ist ber Ansicht, daß es der schwedischen Land- wirtschaft dienlich sein konnte, wenn die Subven­tionen für den Export von Butter beseitigt und die Preise für die Inlands-Konsumenten erniedrigt würden und wenn die Produktionen auf andere Bahnen gelenkt werden konnten.

Gesandte der Republik Polen.

G. Potworowski.

England soll Bargeld geben.

Dokument 15.

Aufzeichnung des polnischen Handelsrats Jan W s z^ l a k i über eine Unterredung mit bem Bot­schafter ber Vereinigten Staaten von Amerika in London, Joseph Kennedy, vom 16.Juni 1939.

Geh eim !

Unterredung mit bem amerikanischen Botschafter in London, Herrn Kenneby, am 16. Juni 1939.

Botschafter Kennedy, ben Botschafter Biddle von meiner Ankunft in London benachrichttgt hatte, bat mich um einen Besuch. Der Besuch dauerte drei- viertel Stunden. Von diesem verdient das Folgende vermerkt zu werden:

1. Bei Beginn fragte mich ber Botschafter, wie man in Polen bie Wirtschaftslage Deutschlands beurteile, wobei er selbst betonte, baß feines Erachtens Deutschland noch längere Zeit hindurch die Welt mit Rüstungsausgaben ruinieren könne und daß es eigentlich keine andere Alter­native habe als den Krieg. Seiner Meinung nach wäre eine Abkehr Deutschlands von feiner Politik, auch von seiner Finanz- unb Wirtschaftspolitik, das- selbe wie ein verlorener Krieg Deutschlanbs. Der Krieg bagegen gebe diesem zumindest eine gewisse Aussicht, seine Forderungen mit Gewalt durchzu­fetzen, und angesichts dessen werde es, in die Enge getrieben, vor ihm nicht zurückschrecken. Mit einer gewissen Geringschätzung äußerte er sich über die Optimisten, die meinten, Deutschland könne leicht oder schnell bezwungen werden, oder die mit einem schnellen Umsturz in Deutschland rechneten.

2. Der Botschafter führte mit Nachdruck aus, daß ber Westen einem Bankrott entgegen- gehe, wenn der heutige Stand der Rüstung noch lange dauern werde. Selbst wenn es in diesem Jahre nicht zu einem Kriege käme, würden weder Großbritannien noch die Vereinigten Staaten ihr Rüstungsprogramm unterbrechen ober be­schränken. Infolgedessen habe Großbritannien schon im stillen Devisenbeschränkun­gen eingeführt, es sei schon nicht mehr mög­lich, englisches Kapital im Ausland ohne Genehmi- §ung ber Regierung anzulegen ober in anbere änoer zu transferieren. Jeder Tag bringe neue derartige Schwierigkeiten und Beschränkungen.

3. Im weiteren Verlauf ber Unterredung fragte mich ber Botschafter über die Lage in Polen und über unsere B edürf mss e aus. Das gab mir Gelegenheit, längere Ausführungen dar­über zu machen. Der Botschafter sagte, daß wir das einzige Volk in Osteuropa seien, auf dessen Rüstun­gen nicht nur, sondern auch auf dessen militärischen Wert man mit ganzer Gewißheit rechnen könne. Er führte an, es habe sich seines Erachtens in Spa­nien erwiesen, daß die polnischen Freiwilligen auf der republikanischen Seite bessere Soldaten waren als alle anderen zu beiden Seiten ber Front. Er fragte, was wir von den Engländern an Material und auf finanziellem Ge­biet wollten. Darauf antwortete ich mit einet allgemeinen Skizze, wobei ich bis zu einem gewis­sen Grade die einleitende Erklärung des Obersten Koc gegenüber den Engländern vom Tage vor­her gebrauchte. Besonders lenkte ich die Aufmerk­samkeit auf den Kredit in bar. Der Botschafter stimmte zu, daß ber Schwerpunkt auf dem Bar« gelb liege unb äußerte babei, baß, wenn die Eng­länder jetzt ihre Hilfe in dieser Hinsicht beschränkten, sie später, um dieselben Wirkungen zu erzielen, zehnmal so viel herausgeben müßten. Er fügte hinzu, daß er den Premierminister und Lord Halifax sehe unb ihnen gegenüber auf der Notwendigkeit b e ft eben würde, Po- len sofort mit Bargeld zu helfen.

4. Abschließend sagte mir ber Botschafter, daß seine beiden Söhne, die letzthin ganz Europa be< reist und viel gesehen hätten und viel lernen konn­ten, beabsichtigten, nach ihrer Rückkehr in die Staa­ten an der Harvard-Universität eine Reihe von Vorträgen über die Lage in Europa und in ben einzelnen Staaten zu halten. Diesen Vorträgen als Element, das mit bie amerikanische öffentliche Mei­nung bildet, mißt ber Botschafter große Bedeutung bei.Sie glauben nicht", sagte der Botschafter, in welchem Maße mein ältester Junge, ber kürz­lich in Polen war, bas Ohr bes Präsiden­ten hat. Ich würbe fügen, baß der Präsident ihm mehr glaubt als mir. Vielleicht deswegen, weil Joe die Sache mit solcher Ueberzeugung und solchem Enchusiasmus darftellt."

In der nächsten Woche soll ich fren Botschafter Wiedersehen und mit seinem Sohn zusammen­kommen.

Jan W s z e l a k i, Wirtschaftsrat.

Sdeo bei pilsuds«.

Dokument 1.

Telegramm bes britischen Botschafters in Warschau Sir Howarb K e n n a r b nach London v. 2. 4.1935 *) Folgenbes von Mr. Eben:

Ich hatte heute nachmittag eine Unterredung mit Marschall P i l s u d s k i. Die Unterhaltung war nicht leicht zu führen, weil ein großer Teil bet Bemerkungen des Marschalls, die er alle auf Fran­zösisch machte, weber für mich, noch für bie beiben mitanwesenben polnischen Minister verständlich war. Ein beträchtlicher Teil seiner Bemerkungen oestand aus Erinnerungen, wobei er sich nach meinen Kriegserlebnissen erkundigte und der brittschen Armee im Kriege Anerkennung zollte.

Das politische Hauptthema, soweit es sich her­ausschälen lieh, war, daß er seinen Pakt mit Deutschland und Rußland habe, daß die

*) Das in der Dokumentenveröffentlichung in Faksimile roiebergegebene Schriftstück wurde unter den polnischen Akten aufgefunden. Offenbar handett es sich um ein Telegramm des britischen Botschaf­ters in Warschau an bas1 Foreign Office in London.