Ausgabe 
1.4.1940
 
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Leidenschaftliche Erörterung in USA.

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Washington, 31.März. (DNB.) Die lei­denschaftliche Erörterung des neuen deut­schen Weißbuches hält überall in den Vereinigten Staaten von Nordamerika in unverminderter Schärfe an.

So füllen die polnischen Dokumente nicht weniger als sechs Spalter! der beiden ersten Seiten der Daily News", die die Meldungen der Agentur United Preß aus Berlin abdrucken. Im Leit­artikel erklärt das Blatt, sollte Botschafter B u l ° litt wirklich eine aktive Teilnahme der USA. am Kriege in Aussicht gestellt haben, so habe er d i e Polen in skandalöser Weise irrege­führt, und wenn Chamberlain und Daladier sich auf derartige Informationen verlassen hätten, als sie zu ihren schicksalsschweren Entscheidungen des 3. September gelangt seien, dann habe man ihre Klugheit gewaltig überschätzt. Und wenn Ken­nedy Chamberlain und Halifax aufgefordert haben sollte, Polen sofort finanziell zu unterstützen, habe er sich in ein gefährliches Unternehmen eingelassen, dasihnnichtsangehe.

Daß Roosevelt jedenfalls andererseits ent­schlossen sei, den Westmächten mit allen Mitteln, außer vielleicht einer aktiven Teilnahme am Krieg zu helfen, stellt im gleichen Blatt der bekannte Journalist Clapper fest, der als Beispiele hier­für die Aenderung des Neutralitätsgesetzes zu­gunsten der Westmächte'sowie die Tatsache anführt, daß die'USA.-Regierung England und Frankreich die amerikanische Flüg­ge ugindustrie so gut wie vollständig zur Verfügung gestellt habe. Gerade diese letzte Tatsache könne man als einen Sieg für Eng­land und Frankreich bezeichnen, da die Fähigkeit, viele Flugzeuge Herstellen zu können, ein wesent­licher Faktor für die militärische Kraft sei. Mit Be­dauern stellt Clapper fest, daß der Kongreß sich offenbar dieser Politik Roosevelts füge. Was aber werde geschehen, wenn die West­mächte eines Tages die Kriegsmateriallieferungen nicht mehr bezahlen könnten?Sollen wir", so fragt der amerikanische Journalist,wenn die Westmächte kein Bargeld mehr haben, die Lieferung von Flugzeugen einstellen oder will die amerika­nische Regierung dann doch wieder zu Anleihen übergehen?" Roosevelt treibe eine Politik zu Gunsten der Westmächte, obwohl der Wille des Volkes «immer stärker werde, sich aus dem Krieg

tatsächlich an einem solchen Unternehmen teilzu­nehmen, denn dann ist es klar, daß ein Weltkrieg unvermeidlich sei.

BuUiff behauptete mit voller Bestimmtheit, Frankreich dürfe überhaupt auf keinerlei Abkommen mit Muffo- lini eingehen. Seit einigen Monaten hätte sich die Lage in Frankreich so weit ge­bessert, daß es sogar selbst das italienische Heer und die italienische Flotte besiegen könnte, wenn Italien es unprovoziert angreifen sollte. Das Vorgehen Mussolinis bezeichnete er als ganz gewöhnlichesGangstertum" und Er­pressung.

3m weiteren Gespräch kam Vullltt auch auf Osteuropa und Deutschland zu sprechen. Er er­klärte dabei, daß die polnische Außenpolitik unter der vorzüglichen Leitung des Herrn Mi­nisters eine Prüfung ihrer Zweckmäßigkeit be­standen hätte; aus der vorjährigen Herbstkrise wäre Polen nicht nur mit der Waffe in der Hand, sondern als Sieger hervorgegangen.

Er fragte mich gleich nach den Beziehungen zwischen Polen und Sowjetrußland und nach dem Sinn einer Erneuerung des Nichtangriffspaktes zwischen Polen und Rußland. Ich antwortete, daß alles, was die Presse in der russischen Frage geschrieben hätte, freie Phantasien wären. Die Er­neuerung des Nichtangriffspaktes mit den Sowjets war eine Notwendigkeit des Augenblicks, denn nach der tschechischen Krise haben sich die Beziehungen zwischen Polen und den Sowjets sehr verschlech­tert. Es war nur der Punkt auf dem i, nickt mehr und nicht weniger. Es ging nur darum, die Be­ziehungen, die durch die Ereignisse aus dem Gleich­gewicht gekommen waren, wieder in die Reche zu bringen. Ueber unser Handelsabkommen mit den Sowjets, nach dem er fragte, sagte ich, daß es die Folge unserer Besitzergreifung des Olsagsbietes und der großen Industrien gewesen sei. Polen war ge- zwungen, neue Absatzmärkte zu suchen, die es zum Teil in Sowjetrußland gefunden hat.

Sowjetrußland gegenüber war Bul- litt ausgesprochen unfreundlich und wegwerfend gestimmt.

Er meinte ferner, daß Deutschland jetzt wohl kaum einen Angriff auf Osteuropa unternehmen würde, denn einerseits ist Polen zu stark, ander­seits ist die Sache mit Ungarn, Rumänien und Jugoslawien noch nicht so weit geklärt. Es müssen noch gewisse Vorbereitungen durchgeführt und die Stellungen gefestigt werden. Uebrigens wäre er überzeugt, daß Deutschland seinen Plan mit der Ukraine durchführen werde, aber erst im Jahre 1940.

Ich habe mit Bullitt über diese Aktion nicht dis­kutiert. Ich fragte nur, ob die Westmächte in einem solchen Falle aktiv auftreten würden, und ob sie das Reich zum angeblichen Schutz Sowjetrußlanos angreifen würden. Bullitt antwortete, daß die demokratischen Staaten ein für allemal alle imagi­nären bewaffneten Interventionen zum Schutze irgendeines Staates, der zum Opfer eines deutschen Angriffs werden sollte, aufgegeben hätten.

Jerzy P o t o ck i,

Botschafter der Polnischen Republik.

herauszuhalten, und obwohl man sich in USA. im­mer mehr über den englisch-französischen Boykott amerikanischer Agrarpro­dukte ärgere sowie über die englischen Blockadeschikanen und endlich über die bri­tischen Währungsexperimente zum Schaden des amerikanischen Außenhandels. Botschafter Crom­well habe in Kanada die Politik Roosevelts schon ganz richtig skizziert, als er klargemacht habe, daß die USA.-Regierung^den Sieg der Westmächte wünsche. Die Zeitung zitiert dann den demokratischen Senator Holt, der erklärte, er glaube gern, daß Botschafter Bullitt das gesagt habe, was die polnischen Dekumente enthüllt hätten. In einer Rede in Bordeaux habe Bullitt fast das gleiche ge­sagt.

New Port World Telegram" nimmt in ähnlicher Weise Stellung. Wenn Bullitt, so schreibt die Zeitung, vor 14 Monaten dem pol­nischen Botschafter tatsächlich den Eindruck vermit­telt habe, daß Amerika im Kriegsfälle auf feiten Englands und Frankreichs teilnehmen werde, dann habe er einen skandalösen Unsinn ge schwatzt. Hätten Chamberlain und Dala frier sich wirklich auf derartige^Jnformationen ver lassen, dann habe man sich in ihrer In teil i genz gröblich geirrt.

Zu dem Dementi des Außenministers H u l l, das sicherlich guten Glaubens abgegeben worden sei, er­innert man in politischen Kreisen daran, daß Roosevelt während der Münchener Krise und auch bei späteren Gelegenheiten Telephonge^. spräche Über den Ozean mit seinem Pariser Bot­schafter Bullitt, sowie mit Botschafter Ken- n e fr y in London geführt hat. Auch hätten seiner Zeit amerikanische Zeitungen gemeldet, daß Bot- schafter Bullitt unter Uebergehung des Staats­departements öfter direkt Roosevelt berichtet habe.

Hulls Abrücken von dem Inhalt des Weiß­buches, soweit er selbst und seine Mitarbeiter in Frage kommen, hat im Übrigen in USA. großen Eindruck gemacht.

Als Beleg hierfür bezog er sich auf die von Lloyd George an Denikin gewährte Unterstützung. Er, der Marschall, habe immer gewußt, daß Denikin niemals eine Aussicht auf Erfolg gehabt habe. Aber Mr. Lloyd Georae habe die Lage in trauriger Weise falsch ein geschätzt. DerMarschall schien zu wünschen, daß sich Großbritannien mit seinen Kolonien beschäftigen solle, statt das schlechte Beispiel von Lloyd George nach­zuahmen. Wie z. B., so fragte er, ist frie politische Lage in Jamaica? Ich entgegnete, daß, wenn Eu­ropa nur so wenig Bedeutung hätte wie Jamaica, wir keine Sorgen zr^ haben brauchten. Ich frug den Marschall, ob er der Auffassung sei, daß es für Großbritannien keine Alternative zwischen Isolie­rung ... gäbe. Der Marschall antwortete, daß

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Dokument 7.

Bericht des polnischen Botschafters in Washington, Grafen Jerzy Potocki, an den polnischen Außen­

minister in Warschau vom 16. Januar 1939. Botschaft der Republik Polen Geheim!

in Washington 16. Januar 1939.

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Betr.: Unterredung mit dem Botschafter Bullitt.

An den Herrn Außenminister in Warschau.

Vorgestern hatte ich eine längere Unterhaltung mit dem 4 Botschafter Bullitt in der Botschaft, wo er mich besuchte. Bullitt reift am 21. fr. M. nach Paris, nachdem er fast drei Monate abwesend war. Er fährt mit einem ganzenKoffer" voll In­struktionen, Unterredungen und Direktiven vorn Präsidenten Roosevelt, vorn Staatsdepartement und von den Senatoren, die zu der Kommission für Auswärtige Angelegenheiten gehören.

Aus der Unterhaltung mit Bullitt hatte ich den Eindruck, daß er vom Präsidenten Roosevelt eine ganz genaue Definition des Standpunktes er­halten hat, den die Vereinigten Staaten bei der heutigen europäischen Krise einnehmen. Er soll die­ses Material am Quai d'Orsay vortragen und soll auch in seinen Unterredungen mit europäischen Staatsmännern davon Gebrauch Machen. Der In­halt dieser Direktiven, die mir Bullitt im Laufe feiner halbstündigen Unterhaltung anführte, ist wie folgt:

1. Eine Belebung der Außenpolittk unter Führung des Präsidenten Roosevelt, der scharf und unzweideutig, die totalitären Staaten ver­urteilt.

2. Die kriegsvorbereilungen der Vereinig­ten Staaten zur See, zu Lande und in der Luft, die in beschleunigtem Tempo durchgeführt werden und die kolossale Summe von 1250 000 000 Dollar verschlingen.

3. Die entschiedene Ansicht des Präsidenten, daß Frankreich und England jeder Kompromiß­politik mit den Totalstaaten ein Lude machen müssen. Sie sollen auf keine Diskussionen mit ihnen eingehen, die irgendwelche Gebietsver- anderungen bezwecken.

4. Eine moralische Versicherung, daß die Ver­einigten Staaten die Isolierungspolitik verlassen und bereit sind, im Falle eines Krieges aktiv auf Seiten Englands und Frankreichs einzu­greifen. Amerika ist bereit, fein ganzes Mate­rial an Finanzen und Rohstoffen zu ihrer Ver­fügung zu stellen.

Auf meine Frage, welches Horoskop für 193 9 Bullitt vorhersieht, antwortete er, daß er im Frühjahr die Gefahr eines Konflikts zwischen Frankreich und Italien wegen der Kolonien befürchtet. Er meint, daß der <Äeg der Loyalisten in Spanien Frankreich in eine sehr schwere Lage bringen wird, denn es ist auf diese Weise von allen Seiten von faschistischen Staaten umringt. Mussolini wird bann ganz bestimmt auf­treten und Frankreich mit Krieg bedrohen.

Auf meine Frage, ob denn Deutschland Mussolini bei diesem Unternehmen helfen wird, antwortete Bullitt, er sei der Ansicht, daß es recht zweifelhaft wäre, ob Hitler sich dazu ver­leiten ließe, außer moralischer Unterstützung auch

seiner Meinung nach eine solche Alternative nicht bestehe. Ich sagte ihm meinerseits, daß wir nichts lieber wünschten, als Europa seinen eigenen Schwie­rigkeiten zu überlassen. Wir hatten aber die Erfah­rung gemacht, daß diese Schwierigkeiten die unan­genehme Eigenschaft hätten, unser eigenes Land hineinzuziehen. Der Marschall widersprach nicht.

Ich hatte den Eindruck eines jetzt physisch sehr geschwächten Mannes, der trotz seiner ... In jedem Falle ließ er sich nicht in eine Erörterung der poli­tischen Tagesfragen verwickeln. So wie er die Stel­lung seines eigenen Landes unter den gegenwär­tigen Verhältnissen erfaßt zu haben scheint, ist es die eines Landes, das an de n Pakten mit jedem seiner großen Nachbarn fest- hält und es a b l e y n t, sich auf eine Aende­rung seiner Stellung einzulassen oder irgendwelche Ereignisse ins Auge zu fassen, die es nötigen könnten, die eingenommene Haltung zu revidieren.

Hauptschriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauvtschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und $9über: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschetn; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.

Druck und Verlag: Brüdlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagslefter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenletter: Hans Beck. Verantwortlich für den Fnbalt der Anretaen: zMotfiümmd. ZBLffltiLl

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