Ausgabe 
1.3.1940
 
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ein wertvolles Prismenglas veräußerte. Das Gericht erkannte für Roß auf die Tod e s ft r a f e. Koffer wurde auf Grund des Jugendgesetzes zu der höchft- zuläffigen Strafe von 10 Jahren Gefängnis ver­urteilt.

86 Tote bei dem Grubenunglück in Istrien.

Das schwere Grubenunglück in den Kohlenberg­werken von Arsa bei Triest hat nach den letzten Meldungen 86 Todesopfer gefordert.

Auto von einer Lawine verschüttet.

In Sazburg wurde auf der Gafteiner Straße ein Auto von einer Schneelawine erfaßt und verschüttet. Zwei der Insassen waren sofort tot, der dritte wurde schwer verletzt. Der Kraftwagen ist zertrümmert.

schon

in

Vor Erkältung schützen Bei Husten nützen

mehrmals täglich

Erste immlung der Jugend".

Die Gemeinschaft der Jugend der jungen Böller bestimmt das neue Gesicht Europas."

Hamburg, 29. Februar. (DNB.) In den kom­menden Wochen werden im ReichVersammlun­gen der Jugend" durchgeführt, in denen Männer der Partei zu den Jungen und Mädel der HI. vom Sinn unserer Zeit und ihres Kampfes sprechen werden. Die erste fand in Hamburg statt. Sie bil­dete zugleich den Höhepunkt der Deutschlandreise des Stabschefs der italienischen Jugend, Oberst B o d i n i. .

Stabsführer Lauterbacher erinnerte an den Kampf der Väter vor 25 Jahren und an das Ver- failler Diktat, aus denen die nationalsozialistische Bewegung geboren wurde. Run ständen viele Hun­derttausende, die durch die Schule der HI. gegan­gen sind, im Deutschen Heer. Jene, die die Front der Heimat tragen, würden ihren Einsatz noch ver­stärken. So ständen viele Millionen in der Gemein­schaft der HI. jum Einsatz für Volk und Vater­land bereit. Alles, was von der deutschen Jugend verlangt werde, gebe sie in selbstverständlicher Pflichterfüllung. Stabsführer Lauterbacher widmete dann Oberst Bodini herzliche Begrüßungsworte. Aus allen Zusammenkünften der Jugend beider

Nationen habe sich ein immer engeres Band der Freundschaft gebildet. Es sei die Gemeinschaft der Jugend der jungen Völker, die einst das neue poli­tische Gesicht Europas bestimmen werde.

Oberst Bodini sagte dann: Die Hitler-Jugend und die faschistische Jugend Italiens sind heute die beiden großen schöpferischen Kräfte innerhalb der neuen Generationen Europas, die bestimmt find, einen entscheidenden Einfluß auf die Geschichte aus­zuüben. In ihnen verbindet sich die eiserne Strenge der Disziplin mit dem heiligen Feuer eines Glau­bens, der kein Nachlassen kennt und die Größe der Opfer nicht abwägt. Sie haben gelernt, mit ihrer Ration hauszuhalten, aber nicht mit ihrem Blut, sie alle, die durch eine harte, stolze Schule gegangen find, wie ihr auch. Es ist eine feste, dauerhafte Freundschaft, die tief in den Herzen der Jugend beider Völker und schließlich in dem höchsten Ziel wurzelt, den alten Ruhezustand der Welt von Grund auf zu erneuern, damit ein auf Gerechtigkeit begrün­deter Frieden in der Welt errichtet und gesichert werde.

Die preffe das Vand Mischen Front und Heimat.

Wiesbaden, 29. Febr. (DNB.) der zweite Tag der Kriegstagung der deutschen Schriftleiter versammelte zahlreiche Vertreter der Wehrmacht, vor allem Führer und Berichter der Propagcmda- kompanien mit den Hauptschriftleitern der deutschen Presse zu einer Erörterung der Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht, Partei und Presse im gegen­wärtigen Kriege. Der Stabsleiter des Reichspresie- chefs, Reichshauptamtsleiter Sündermann, sagte, die Wehrmacht schlägt den Feind, die Partei aber mobilisiert die gesamten Kräfte der Nation. Die Presse arbeitet mit im ganzen Bereich des großen Aktionsradius der inneren Front: an der Bereitstellung der Lebensbedürfnisse und der Kampf­bedürfnisse der Nation durch organisatorische Be­reitstellung, an der Weckung der Willenskräfte der Nation und in der Entwicklung einer großen See­lenstärke unseres Volkes in einer Zett, die Opfer von ihm verlangt.

Dann sprachen Führer von Propagandakompa- nien. Ihre Männer sind Soldaten, die ihr Leben genau so einsetzen, wie jeder andere Soldat, denn- im neuen Reich kann nur der über Kämpfe be­richten, der selbst Kämpfer ist.

Oberstleutnant i. G. von Wedel vom Ober­kommando der Wehrmacht wies darauf hin, daß die Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht und Presse nur durch absolutes gegenseitiges Verständ­nis erfolgreich gestaltet werden törtne. Die Bedeu­tung der Presse sehe die Wehrmacht zunächst darin, daß die Presse im Kampfe an der äußeren Front stehe. Weiter sei die Wehrmacht nur bei einem restlos einsatzbereiten Volk überhaupt in der Lage, den Krieg zu führen, wie es der Führer von ihr verlange. Auch dabei falle den deutschen Zeitungen eine große Aufgabe zu. Außerdem müsse die Zu­sammenarbeit zwischen, Wehrmacht und Presse, zwischen der Front und der Heimat einen engen Kontakt schaffen.

Reichsprefsechef Dr. Dietrich übermittelte die Grüße des Reichsministers Dr. Goebbels, der im letzten Augenblick verhindert worden war, nach Wiesbaden zu kommen und verwies darauf, daß die Tagung in Wiesbaden in ihrer Gemeinsamkeit von Wehrmacht und Partei ein Spiegelbild der Einheit des deutschen Volkes gewesen sei, vor allem aber auch der Einheit zwischen Front und Heimat.

deutsche Volk muß ein Volt von Fliegern werden!" war bald in aller Munde, und die deutsche Jugend strömte in hellen Scharen zu diesem jüngsten Teil unserer Wehrmacht, um in ihren Reihen zu dienen. Planmäßig und zielbewußt wurde der Auf­bau unserer Luftwaffe, worunter selbstverständlich nicht nur die fliegenden Verbände, sondern auch das Bodenpersonal, die Flakartillerie, Nachrichtentrup­pen usw. zu verstehen sind, fortgesetzt. Bislang nicht für möglich gehaltene Geschwindigkeitsrekorde wur­den erzielt, die in der ganzen Welt größtes Auf­sehen erregten. Besondere Beachtung fanden stets die Vorführungen der Luftwaffe auf den Reichs­parteitagen.

Es kamen die weltpolitischen Entscheidungen des Jahres 1938, die Heimkehr der Ostmark und des Sudetenlandes, und, ein halbes Jahr später, die Wiedereingliederung der alten deutschen Lande Böhmen und Mähren. Bei qIl diesen militärischen Operationen stand die Luftwaffe in vorderster Front und gab ein eindrucksvolles Bild von ihrer Schlag­kraft und Einsatzbereitschaft. Generalfeldmarschall Göring brachte in einem Tagesbefehl der Luftwaffe seine Anerkennung zum Ausdruck und betonte, daß die Arbeit zur Vervollkommnung dieser Waffe, die Volk und Reich gegen jedweden Gegner schützen werde, unbeirrt weiter gehe.

Wenige Monate später war die Zeit gekommen, da die deutsche Wehrmacht vom Führer zum Schutz der Heimat aufgerufen wurde, um den Gegenschlag gegen Polen zu führen. Bereits nach wenigen Tagen beherrschte die deutsche Luftwaffe völlig den polnischen Lustraum, die wenigen vereinzelten Maschinen des Gegners, die sich noch hier und da sehen ließen, wurden ein schnelles Opfer der deut­schen Flieger. Wenn der Feldzug in der unvor- stellbar kurzen Zeit von 18 Tagen zu Ende geführt werden konnte, so ist das mit in erster Linie un­serer Luftwaffe zu verdanken, die dem Feind keine Ruhe ließ, seine Truvpenansammlungen ausein- ondersprengte, die Bahnstrecken sprengte und bei jeder Gelegenheit ihren Schwesterwaffen zu Hilfe eilte. In aller Erinnerung ist noch der Fall, wo sie ungestüm vorgedrungene Panzer, denen der Be­triebsstoff auszugehen drohte, mit diesem kostbaren Naß versorgte.

4 Und dann ihr Einsatz gegen die West- mächte! Mit schwersten Verlusten wurden bisher stets die Engländer heimgeschickt, die in die Deutsche Bucht einzufliegen wagten, Flak und Jäger stan­den in edlem Wettstreit. Die Aufklärungsflüge über den gesamten englischen und französischen Raum werden planmäßig fortgesetzt und- haben uns be­reits außerordentlich wertvolle Kenntnisse über die militärischen Maßnahmen des Feindes verschafft. Von ganz besonderer Bedeutung hat sich der Ein­satz unserer Luftwaffe bei der Bekämpfung feind­licher Seestreitkräfte erwiesen. Wenn die Tonnage­verluste auf der Gegenseite von Woche zu Woche mehr zunehmen, dann ist das neben der Kriegs­marine auch der Luftwaffe zu verdanken, die ge­rade bei diesem Einsatz dem Seekrieg ein ganz neues Gesicht gegeben hat.

So hat sich die Luftwaffe als ein außerordentlich wirkungsvolles Instrument der deutschen Kriegs­führung erwiesen. Voller Stolz blickt das deutsche Volk auf seine tapferen Flieger und schickt seine besten Söhne zur Luftwaffe, in der, wie General­feldmarschall Göring es einmal zum Ausdruck ge­bracht hat, höchster Ruhm winkt.

Tagesbefehl Görings zum 1. März.

Berlin, 29. Febr. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring hat aus Anlaß der Wiederkehr des Grün­dungstages der Luftwaffe am 1. März folgenden Tagesbefehl erlassen:

Soldaten der Luftwaffe! Kameraden!

Die fünfte Wiederkehr des Gründungstages unse­rer stolzen Waffe findet uns angetreten und kämp­fend nach dem Gesetze des unserem Vaterland auf­gezwungenen Krieges.

Vor fünf Jahren erfuhr die Welt, daß es wieder eine deutsche Luftwaffe gibt. Die Zeit, die uns von jenem beglückenden Tage trennt, war erfüllt von härtester Arbeit, restlosem Einsatz und bedingungs­loser Hingabe jedes einzelnen, der mitschuf an un- ferm großen Werk.

Kameraden! Ihr habt Euch -in den Jahren des Aufbaues, vor allem aber, als Euch der Führer und Oberste Befehlshaber zum Schutz der Heimat auf­rief, gezeigt, welcher Geist Euch erfüllt. Ihr habt im Frieden und im Krieg bewiesen, daß in Euch die großen Fliegerhelden des Weltkrieges ebenso fort­

leben wie die Blutzeugen der nationalsozialistischen! Bewegung. Das deutsche Volk weiß, daß Ihr sein Schutz und Schirm gegen jeden Angriff aus der Luft seid. Aber auch eine vernichtende Waffe gegen alle, die den Frieden verbrecherisch störten, weil der Auf­stieg unseres Volkes aus der Versklavung von Ver­sailles zur geachteten Großmacht die Neider auf den Plan rief, um das Reich, das unser Führer auf­gebaut hat, zu zerschlagen.

Euch, meine Kameraden, die Ihr in der Lust und am Boden als Angehörige der Fliegertruppe, der Flakartillerie und der Luftnachrichtentruppe tapfer und treu Eure Pflicht gegenüber Eurem Führer und Eurem Volk erfüllt, spreche ich am Gründungs­tage unserer jungen Waffe meinen Dank und meine Anerkennung aus. In besonderer Ver­bundenheit gedenken wir an diesem Tage unserer Kameraden, die , ihre Treue mit dem Einsatz ihres Lebens besiegelten. Sie sind uns Mahnung und Verpflichtung zugleich, ihrem Heldentum nachzueifern und in ihrem Geist weiterzukämpfen, bis der endgültige Sieg unser ist. Heil unserem Rührer! .

Hermann Goring.

Kleine politische Nachrichten.

Der amerikanische Unterstaatssekretär Sumner Welles wird Freitag vormittag in Berlin ein­treffen.

Der Führer hat Admiral von Horthy zur 20jährigen Wiederkehr des Tages seiner Wahl zum Reichsverweser des Königreiches Ungarn herzliche Wünsche für sein ferneres persönliches Wohlergehen 1 wie für das weitere Gedeihen Ungarns übermittelt.

In Gloggnitz (Niederdonau) starb der langjäh­rige österreichische Bundespräsident Dr. Michael Haini sch. Der Verstorbene, der eine nationabbüraerliche Richtung vertrat und stets auch für den Anschluß Oesterreichs an das Deutsche Reich eintrat, bekleidete das Amt eines Lsterreichi- schen Bundespräsidenten in den Jahren 1920 bis 1928. Er wurde durch eine Intrige der Christlich- Sozialen aus seinem Amte entfernt.

*

Der italienische Staatsangehörige Ribi E l i a o , der wegen angeblicher Spionage angeklagt war, wurde von dem französischen Militärgericht in Oran zum Tode verurteilt.

Oslo, 1. März. (Europapreß.) Der nor-wegische Außenminister Koht gab im Storting bekannt, daß Norwegen bisher 50 Schiffe mit zusammen über HO 000 BRT. eingebüht habe. Von diesen Schiffen würden acht vermißt.

Aus aller Welt.

Höchststrafen für Volksfchädllnge.

Das Sondergericht verhandelte gegen den am 16. Februar 1920 geborenen Eugen Roß sowie den am 5. Februar 1923 geborenen Walter Ludwig Kof- f e r. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, i n einem frei gemachten Dorf im November 1939 in eine Anzahl Häuser eingedru. 'en zu sein und unter erschwerten Umständen mit Hilfe selbst- gefertigter Schlüssel Münzautomaten aufgebrochen und den Inhalt geplündert zu haben. Sie drangen außerdem in das geräumte Haus eines Tierarztes ein und entwendeten dort Nahrungs­mittel und sonstige Gegenstände, von denen K. später

Ungarns Neichsverwefer.

Am 1. März werden- es zwanzig Jahre, seitdem Nicolaus von Horthy mit der Staatsfüh- rung Ungarns beauftragt wurde. Nur eine starke und kluge Persönlichkeit wie Horthy war imstande, das in Versailles zertrümmerte Staatsgefüge Un­garns zusammenzuhalten und wieder aufzubauen. Die Ungarn, die im Kriege 1914/18 Gewaltiges ge- leistet hatten, die von sich sagen konnten, kein feind­licher Soldat hätte während dieses Krieges anders als Gefangener die Grenzen Ungarns überschritten, mußten sich zunächst ingrimmig dem Versailler Ver­brechen beugen. Es gab ein wirres Durcheinander, das die Gegner dazu benutzten, um Staat und Volk Ungarns noch weiter zu schwächen. In dieser Zeit der tiefften Erniedrigung Ungarns trat der Soldat und Staatsmann Nicolaus von Horthy hervor, der als Reichsverweser aus der Geschichte Ungarns nicht mehr wegzudenken ist.

Nicolaus von Horthy hatte während des Krieges in den verantwortlichsten Stellen die kampfstärksten Kriegsschiffe und schließlich die österreichisch-unga­rische Kriegsflotte geführt. Er hatte sie nicht nur ge­führt, er hatte sie auch zu einer Waffe gemacht, die dem Gegner in mehr als einem Treffen und in mehr als einer Seeschlacht nicht nur empfindliche Verluste, sondern auch entscheidende Niederlagen bei­brachte. Nach dem Kriege hatte er sich in die Ein­samkeit seines Gutes zurückgezogen, um wieder her­vorzutreten, als innere Wirren und Unruhen, ein Ergebnis der rachsüchtigen Politik der Entente, Ungarn völlig zu zerstören drohten. Was Horthy hier geleistet hat, war so überragend, war für den Aufbau des neuen Staates so wichtig, daß die Volksvertretung Ungarns keine Bedenken trug, dem Vizeadmiral von Horthy die Staatsführung und die Reichsverweserschaft zu übertragen.

Daß Ungarns Reichsoerweser ein Staatsmann von hohem Rang ist, das hat er in den zwanzig Jahren seit dem 1. März 1920 immer wieder be­wiesen. Im April 1921 hat er mit äußerster Ent­schiedenheit Ungarn vor den Abenteuer einer habs­burgischen Restauration gerettet. Der Staatsmann von Horthy war es auch, der die außenpolitische Entwicklung in Europa klug beobachtete, um da­nach sein Handeln einzustellen, das sich dann für Ungarn immer als glücklich erwies. So war es im Verhältnis zu den Nachbarstaaten, so war es auch mit der Verbindung mit Italic. So war es vor allem aber in der Herstellung und Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland, ins­besondere zum nationalsozialistischen Deutschland. Gerade diese Polittk hat Ungarn Vorteil und Segen gebracht im Gegensatz zu den Plänen und Absich­ten, die die Westdemokratien Ungarn im Donau- raum und darüber hinaus zugedacht hatten. Das großdeutsche Volk hat das von tiefstem Verantwor­tungsgefühl getragene staatsmännische Wirken des Reichsverwesers von Horthy mit Anteilnahme ver­folgt, zumal der Reichsverweser selbst niemals dar­über hat einen Zweifel aufkommen lassen, daß nur ein enges freundschaftliches Verhältnis zu Deutsch­land die bewegende Kraft seiner Polittk sein kann.

Tierfreunde mit Kehlern.

13 on Paul Eipper.

Dumme Gans! Blöde Ziege!" das sind aus­gesprochen menschliche Entgleisungen. Unter den Haustieren hat sich gerade die Ziege am meisten Eigenwilligkeit und Freiheitsdrang behauptet; die Gans ist klüger und mutiger als jedes andere Haus­geflügel. Auch derdumme Ochse" stimmt nicht, wenn der Mensch dieses Tier nichtzwangsweise verdummt". Ich erinnere mich mit Vergnügen an die praktische Klugheit einer Herde von Wasser­büffeln, die in einem deutschen Tiergarten auf großem Freigelände gehalten werden. Nachts kom­men diese indischen Hausrinder in einen Stall, dessen Türe mit einem einfachen Holzriegel sowohl von außen als auch von innen verschlossen werden kann. Es hat nur kurze Zeit gedauert, dann benutz­ten ,^)ie dummen Ochsen" den Riegel nach Belieben und Bedarf. In warmen Sommernächten schoben sie ihn mit der Hornspitze zurück und drückten die Türe auf; zur kühlen Jahreszeit taten sie das Ge­genteil, hielten so ihren Schlafraum warm.

Die meisten, wenn nicht gar alle Tiere sind klug innerhalb der Grenzen ihres Lebensraumes und ihrer Daseinsnotwendigkeiten; aber sie haben nicht jene übersinnlichen Gaben, die wir Menschen ihnen gern andichten. Der Laubfrosch zum Beispiel ist keineswegs der unfehlbare Wetterprophet des Men­schen, der zu diesem Zweck ein Holzleiterchen hinauf- und hinuntersteigt und mit warnendem Quaken im voraus den Regen ankündigt. In der Freiheit ruft der Laubfrosch bei beständiger Witterung und kurz vor dem Regen, besonders laut in der Paarungs­zeit. Nur bei nassem Wetter verstummt er und flüchtet sich vom Gipfelzweig in ein trockenes Ver­steck oder ins tiefe Wasser.

Auch die Schwalbe fliegt nicht deswegen manch­mal dicht über dem Erdboden, weil sie uns ein auf­ziehendes Gewitter ankündigen will, sondern allein ihrem hungrigen Magen zulieb. Sie ist Insekten- jäger und fängt ihre Beute im Flug. Weil sich nun kurz vor einem Gewitter infolge der atmosphäri­schen Veränderung die Insekten in den untersten Luftschichten zusammenfinden, hat die Schwalbe im

Tiefflug die besten Fangaussichten; das Gewitter selbst ahnt sie keineswegs voraus.

Oh, wie verkehrt urteilen so häufig die Menschen über das Getier! Da stehen sie im Wildpark und betrachten aufmerksam und erfreut die Hirsche zur linken Seite des Weges, die Rehe drüben auf der rechten.Warum find sie denn getrennt?", fragt der eine Tierfreund.Die kommen nur einmal im Jahr zur Nachzucht zusammen; die großen Hirsche sind die Männer, die ganz alten haben ein Geweih, und drüben sind ihre Frauen, die netten, kleinen Rehe."

Noch schlimmer werden die Deutungsversuche, wenn es sich um fremdländische Tiere handelt. Ich habe in Stellingen gehört, wie ein würdiger Mann den Schabrackentapir folgendermaßen einer Kinder­schar erklärte:Das ist die Jungform des Elefanten. Die hellen Flecken verschwinden im nächsten Jahr, und der Rüssel wächst sich noch aus."

Im Aquarium schnellte die große Karettschildkröte jäh zur Wasserfläche hoch und verhoffte in sichtlicher Gespanntheit.Welch ein Charakterkopf", rief be­geistert eine Dame.Wie ein Philosoph, der das Welträtsel löst." In Wirklichkeit war die Stunde der Fütterung, und die Schildkröte hatte den Schritt, des Pflegers gehört.

Der Elefant war herzkrank geworden, lag im Stroh und wurde mit Kampferspiritus massiert. Aufmerksam schauten von der Publikumsseite her die Menschen zu.Was hat er wohl? Ist er krank?" Keine Spur", antwortete eine überzeugungsvoll gewichtige Stimme,ich verstehe mich genau auf Tiere. Sehen Sie mal die rauhe Haut des Elefan­ten an; der hat Läufe und bekommt eine Schmier- kur verpaßt."

Stallbesichttgung im Zirkus. Ein junges Paar' steht fasziniert und stumm vor dem Raubtierwagen; nach einer ganzen Weile sagt das Mädchen mit leich­tem Schauem in der Stimme:Det sind aber wilde Türken; da möcht' ich nicht mit exerzieren.Halb so wild", beschwichtigte der Jüngling,denen haben sie die Giftzähne schon als Kinder ausgebrochen." Aber die Tigers haben ein schönet Fell; davon möcht' ich wohl'n echten Mantel von!"

Wir müssen noch vieles lernen, bis wir die Tiere kennen, ihre Eigenqrt und ihre Schönheit!

Die älteste Weckeruhr.

Der Wecker rft eine ebenso notwendige wie pein­liche Einrichtung in unserem Dasein geworden, und wenn auch wohlmeinende Nervenärzte diese un­sanfte Art, den Menschen aus dem Schlaf zu reißen, verbieten wollen, so werden wir doch sobald ohne diesen unerwünschten Mahner nicht auskommen. Da wollen wir uns damit trösten, daß auch schon im klassischen Altertum, das wir uns doch so gern als ein Dorado behaglicher Muße vorstellen, diese Ein­richtung nicht ganz fehlte, und zwar scheint es einer der größten Denker aller Zeiten, nämlich Plato, gewesen zu sein, der die Menschheit mit dieser zwei­felhaften Gabe beschenkt hat. Die Alten waren ja Frühaufsteher, und die Schulen öffneten ihre Pfor­ten schon bei Sonnenaufgang, wie dies Plato in seinen Dialogen geschildert hat und für seine in Athen errichtete Akademie selbst vorschrieb. Früher hatte man mit dem Lehren sogar noch eher an- gefangen, erst ein Gesetz Solons verbot ausdrücklich den Anfang des Unterrichtes vor Sonnenaufgang. Die schweren Vorträge fanden in den Morgenstun­den statt, weil man den Geist zu dieser Tageszeit für am aufnahmefähigsten hielt. Dann gingen Leh­rer und Schüler ins Gymnasion, um nach der Gei­stesarbeit den Körper zu stählen.

Nun mögen in der Platonischen Akademie die Schüler, die in weithin um das Lehrgebäude ver- ftreuten Wohnungen schliefen, nicht immer pünktlich am Morgen aufgestanden fein, und so erfand Plato seineNachtuhr", die die Akademiker zum Unter­richt versammelte, wie später die Klosterglocken Mönche und Nonnen in der Frühe zum gemein­samen Gebet rief. Die einzige Erwähnung dieses ältesten Weckers findet sich bei dem Musikschriftsteller Aristokles, der am Ausgang des zweiten vor­christlichen Jahrhunderts lebte. Er erzählt von der Erfindung der Wasferorgel durch denBader" Ktesi- bios und schreibt:Aristoxenos kennt dieses Instru­ment nicht. Es heißt aber, Plato habe eine Anre­gung zu seiner Herstellung durch die Erfindung sei­ner Nachtuhr gegeben, die er als eine sehr große Wasseruhr, dem Orgelwerk ähnlich, herstellte. Denn auch das Orgelwerk selbst ist eigentlich eine Wasser­uhr. So ist die Orgel nicht ein Schlaginstrument, sondern eher ein Blasinstrument, da die Orgelpfeifen durch das Wasser angeblasen werden"

Einfache Wasseruhren, bei denen die Dauer des Ausfließens der Flüssigkeit das Maß der verflösse- nen Zeit an gab, wurden schon zu Platos Zeiten für den militärischen Nachtwachdienst verwendet, aber das waren keine Wecker. Diesen hat erst der Philo- soph erfunden und damit der Technik einen neuen Weg gewiesen. Das Prinzip bestand darin, daß eine Wasseruhr mit einer einfachen Pfeife verbunden wurde, die dann durch einen plötzlichen heftigen Luftdruck zum Blasen gebracht wurde und einen schrillt Pfiff ertönen ließ, wie noch heute die Dampfpfeife, die die Arbeiter ^ur Fabrik ruft. Da die Ähnlichkeit mit der später erfundenen Wasser­orgel hervorgehoben wird, bei der durch Druck des Wassers die Luft zusammengepreßt und in Pfeifen befördert wurde, so muß der Strom der in den Nachtstunden ausfließenden Wassermassen auf ein­mal mit großer Gewalt in ein verschlossenes Gefäß hinabgefallen sein, worauf die dort eingepreßte Luft einen Ausweg suchte, an dessen Ende eine Pfeife das laute Signal gab. Bei einem von Archirnedes kon­struierten Automaten, dem Flötenspieler, der eine lange Pfeife am Mund hält, wird der Ton mit Hilfe eines Kapselhebers hervorgebracht, und einen sol­chen scheint auch Plato für seine Nachtuhr verwendet zu haben. Jedenfalls wurde die erste Weckeruhr von Plato hergestellt, die an der ersten Akademie der Welt die müden Geister zum Studium aufweckte.

C. K.

Der berühmte Strauß.

Bei einem Hoffest um 1840 wrttde einer Dame 'her Platz neben dem Hofprediger Friedrich Albert Strauß zugewiesen.

| Als der Tischherr sich verbeugte, sagte die Dame: ;Oh, es freut mich ungemein, neben dem berühmten Verfasser des »Lebens Jefrtt zu sitzen."

Strauß zog ein mürrisches Gesicht und sprach: Sie irren sich, mein Fräulein, das Buch hat mein Namensvetter David Friedrich Strauß geschrieben."

Natürlich!" rief die Dame.Wie konnte ich auch in Ihnen einen Theologen vermuten. Sie sind doch der große Strauß, dem wir die herrlichen Wiener Walzer verdanken!"

Der Tischherr verlor die Geduld und sagte- Nein der bin ich ebenfalls nicht. Ich bin auch nicht der Strauß, der die großen Eier legt, ich bin der Hof- i Prediger Strauß aus Potsdam."