Ausgabe 
1.2.1940
 
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Aus der Stadt Gießen. 4.ReichsfiraßensammlungsmdasMgs-MW

Hornung.

12 Wilhelm-Busch-Iiguren

Ueberall fiehi man die Cante, mit fit Wilhelm Bosch benannte Außerdem noch wettere Köpfe, welche mit und ohne Zöpfe, stellen fich mit viel Humor für da» whw. fetzt vor.

Einsatz der Medizinstudenten im Kriege

Alle Studenten stehen als Blutspender bereit.

den Gesundheitszustand des deutschen Volkes aus die Höhe zu bringen, die es befähigen wttd, die Leistungen zu vollbringen, die die Zeit von ihm fordern rSird. Der Medizinstudent, der heute noch an der Hochschule seinen Platz hat, hat eine große verpflichtende Ausgabe; nur wer chr überall und immer gerecht wird, ist gut genug, Wahrer der Volksgesundheit zu sein.

ter das deutsche Volk. W-olcher der großen deutschen Dichter könnte von sich sagen, daß er in säst 35 Mil- lionen Denkmälern eine so populäre Wiederauf­erstehung feiern kann? Wer von ihnen barg in sich eine so geschlossene Persönlichkeit wie Wilhelm Dusch, der selbst mehr als nur ein Illustrator und ein formvollendeter Knitteloersemacher des Lustigen jein wollte und auch war? Der ohne des Erziehers drohenden Zeigefinger mit zwei Versen nur den Sinn umschrieb, mit dem die Millionenschar feiner Figuren an das demsche Volk herantritt:

Guter Menschen Hauptbestreben ist, andern auch was abzugeben!"

Daran senken wir bei der 4. Reichsstraßensamm­lung am Samstag und Sonntag, dem 3. und 4. Februar 1940.

stellt werden.

Der Arzt ist der Erzieher des deutschen Volkes zur Volksgesundheit. Der Medizinstudent hat des­halb gerade in der heutigen Zeit durch eine vor­bildliche Haltung zu zeigen, dcE "

Wir treten mit dem Hornung wie der Fe­bruar mit seiner deutschen Bezeichnung heißt in den letzten Wintermonat ein. Februar ist eine - römische Bezeichnung (von februare -- reinigen). Nach alter Bauernregel sollen nämlich jetzt die Hühnerställe gereinigt werden.

Der Hornung bringt eine beachtenswerte Ver­längerung des Tages, darum sagen die Bauern: An Mariä Lichtmeß (2. Februar) spinnen ver­geß bei Tag z'Nacht eh!" In vorchristlicher Zeit waren die heutigen Fastnachtstage von großer kul­tischer Bedeutung An ihnen wurde eine Säuberung von Feld und Flur durchgeführt, bei der es be­sonders darauf ankam, unerwünschte dämonische Kräfte zu vertreiben. Für die germanische Bauern­schaft zählte der Februar noch zur sogenannten toten Jahreszeit, da sie den Jahresbeginn am 1. März feierte und nur eine Zweiteilung in Som­mer und Winter kannte. Auch im alten römischen Kalender begann das Jahr mit dem Monat März und zählte im ganzen nur zehn Monate, da Ja­nuar und Februar fehlten.

Mit der Einführung des gregorianischen Kalen­ders wurde der Februar der kurzlebigste der zwölf Geschwister, dessen Lebenszeit sich aber alle vier Jayre um einen Tag verlängert, wie es 1940 wieder der Fall ist. Da hoben die am 29. Februar Ge­borenen roteber einmal Geburtstag.

Im Voraussagen des Wetters spielen einzelne Tage eine besondere Rolle: ,Lst's zu Lichtmeß hell und rein, wird's ein langer Winter sein, wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr roeii/ .Lichtmeß im Klee, Ostern im Schnee." Die Dauern warnen vor den schönen Tagen, da sie frühe Hoffnungen gern enttäuschen, und sagen des- yalo:Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, mufc man im Märzen die Ohren wärmen", oder Sonnt sich der Dachs zur Lichtmeßwoch', geht er auf vier Wochen wieder zu Loch." Allzu milde Wit­terung ist im Februar unerwünscht, weil man's im März wieder büßen könnte. Nachdem aber der Ja­nuar sich mit einem strengen Regiment eingeführt hat, mag es der Hornung ruhig etwas gelinder treiben.

Nach den Jtengen Tagen freut sich alle Welt auf di« Wohltat Des zunehmenden Lichts und damtt der an Wärme gewinnenden Sonne. Das ist zugleich die beste Empfehlung, mit der sich der Hornung für feinen kurzen Aufenthalt bei uns einfuhren kann.

,Hch bin der Hornung streng und kalt, hab nur vier Wochen Aufenthalt.

Lichtmeß steht an meiner Tür, zündet längre Tage schon für. Auch ein Carol ein trag ich vor, Sieh zu und sei nur ja fein Tor Ein jedes Fest zu seiner Zeit, Bleib mir nur unterm Jahr gescheit!"

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerslag.

Populärwissenschaftliche Vorträge der Universität: 20.15 Uhr im Großen Hörsaal der Universität Pro­fessor Vogelsang überDie Wirkung der großen Kriege auf die deutsche Frömmigkeit; 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts Pro­fessor Zschietzschmann überHomer und die bildende Kunst der Griechen". Gloria-Palast, Sel- tersweg:Mutterliebe". Lichtsvielhaus, Bahnhof­straße:Ehe in Dosen". Aliceschulverein Gießen: 16 Uhr im Sitzungssaal Stadthaus, Bergstraße, Ge­neralversammlung.

Gastspiel Agnes Straub mit Berliner Ensemble in Gießen.

Agnes Straub wird auf ihrer großen Deutschland­tournee am kommenden Samstag auch in Gießen im Stadttheater gastieren. Sie spielt die Hauptrolle in dem SchauspielDer Wettlauf mit bem Schatten", dem hervorragendsten Werke des Dichters Wilhelm von Scholz. Die beiden männlichen Hauptrollen spielen Hans Kettler und Herbert Klatt vom Theater am Kurfürstendamm, Berlin. Außer Miete!

Gasmasken können abgeholt werden.

Die Kreisamtsleitung der NSV. teilt mit, daß sie wieder Gasmasken vorrätig hat. Die Ausgabe an die Bevölkerung erfolgt Montags und Donnerstags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr im NSD.-Lager, Einhorn.

Das Treudienst-Ehrenzeichen verliehen

Das Trsudienst-Ehrenzeichen in Silber für 25jäh- rige treue Dienste wurde verliehen dem Regierungs­inspektor Scheld und den Verwaltungsassistenten Hch. Hofmann und Hugo Ewald beim Landrat des Landkreises Gießen.

Gießener Vochenmarklpreise.

Mit Beginn des 1. Trimesters 1940 hat die Fach­gruppe Volksgesundheit der Universität Gießen chre Fachgruppenarbeit in verstärktem Maße wieder aus­genommen. Anläßlich des Trimesterantrittsappells gab Fachgruppenleiter Stumpf Richtlinien über den Einsatz im Kriege und die praktische Ausbil­dung des Medizinstudenten.

Diejenigen Studenten, die noch nicht durch letz­ten Einsatz an der Front beweisen können, wie ernst es ihnen mit ihrem Glauben an Führer und Volk ist, werden durch unaufhörlichen Fleiß dafür sor­gen, daß sie die besten medizinischen Kenntnisse er­werben. Dazu tritt aber noch während des Krieges die Mitarbeit im Kriegshilfsdienst.

Erstmalig in diesem Trimester werden sich alle Studenten als Blutspender für verwundete Sol­daten zur Verfügung stellen. Wenn der Soldat jeden Tag unter Einsatz seines Lebens Blut zu ver­gießen bereit ist, so betrachten es die Studenten in der Heimat als ihre Ehrenpflicht, ihren verwundeten Kameraden Blut zu spenden, entscheidet doch eine Bluttransfusion allein oft über Tod und Leben.

Im Rahmen des Deutschen Roten Kreuzes wer­den Studenten und Studentinnen zum Einsatz kom­men. Die Medizinerinnen müssen ohnehin auf Grund der ärztlichen Bestallungsordnung eine drei- semestrige Ausbildung beim DRK. nachweisen. Für die gesundheitliche Betreuung des BDM. und der HI. werden weiterhin die benötigten Kräfte abge-

NSG. SA., ff, NSKK. und NSFK. werden am 3. und 4. Februar den Reigen der Reichsstraßen- amrnlungen, für das Kriegswinteichilfswerk mit einer Abzeickenserie fortfetzen, die jetzt schon der reudigsten Aufnahme des ganzen deutschen Volkes xewiß sein kann. Es sind zwölf verschiedene Wil- helm-Busch-Fiauren, die nach Entwürfen der Ma­jo li'ka-Manufaktur in Karlsruhe von insgesamt zehn Werken in Baden, in der Steiermark, in der Eifel und an der Nordseeküste hergestellt wurden, wobei viele taufend Menschen in der Porzellan-Majolika- und Toninduftrie auf Monate hinaus Beschäfti­gung fanden.

In einer Höhe von 3Vt Zentimeter, mit bunten Farben bemalt, werden Max und Moritz, Julchen unb Adele, die fromme Helene und der Maler Klecksel, Herr und Frau Knopp, die gute Tante und der Meister Böck und schließlich der Bauer Nolle und die Witwe Bolle die Rock- und Mantelauf­schläge deutscher Menschen schmücken.

3 4Ve Millionen W i lh e l m - B u s ch - Fi­gur e n ! Wievielmal mehr noch ein vergnügtes Schmunzeln auf deutschen Gesichtern, wieviel Rück­erinnern an unsere Jugend, als wir mit geröteten Wangen über einem zerlesenen Wilhelm-Busch- Band hockten, um uns schier totzulachen überHans Huckebein, den Unglücksraben", über die Geschichte mit dem Pusterohr, über die *bon Max und Moritz der Witwe Bolte heimtückisch weggeangelten Hüh­ner, über Balduin Bählamm oder über Fipps, den Affen alldieweil Schadenfreude die reinste Freude fein soll; ohne daß wir damals freilich ahnen konn­ten, welch ernster Sinn hinter diesen lustigen Ge­schichten steckte.

Eins, zwei, drei im Sausefchritt, läuft die Zeit, wir laufen mtt!"

Nicht nur dem einzelnen fyat Wilhelm Busch etwas zu sagen. Seine große, volkhafte Bedeutung wird uns gerade in unseren Jahren völkischen, kul­turellen Erwachens immer klarer. Nun tritt seine Persönlichkeit und sein Werk mit seinen Figuren, die uns das Winterhilfswert vermittelt, mitten un-

* Gießen, 1. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, 50 kg 3,65 RM., Wirsing, kg 13 Rpf., Weißkraut 10, gelbe Rüben 12, rote Rüben 10, Unterkohlrabi 10, Zeit durch eine vor- Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 60, Aepfel 15 bis er fähig fein wird, 25 Rpf.

Einberufenen Handelsvertretern darf nicht gekündigt werden.

Durch die Einberufung zum Wehrdienst wird nach einer neuen Verordnung ein bestehendes Vertrags­verhältnis zwischen dem Geschäftsherrn und dem Handlungsagenten nicht gelöst. Sinn und Ziel dieser Verordnung ist, wie die Fachgruppe Handelsver- treter mitteilt, daß das Geschäft des einberufenen Handelsvertreters erhalten bleibt und daß die Ver­tretungen fortgesetzt werden. Das entspricht auch der Uebung in Den bisherigen Kriegsmonaten. Der Han­delsvertreter muß natürlich dafür sorgen, 'daß die

Dosen und Tuben: 22 90 PI.

Immer frisch aussehen! I

Wenn Sie müde aussehen, dann massie­ren Sie ein wenig Nivea in die Hau!. Sia wird dadurch kräftig durchblutet und

notwendigen Arbeiten für die vertretenen Firmen erledigt werden. Diese Möglichkeit ist ohne weiteres gegeben, weil die Fachgruppe Handelsvertreter und Handelsmakler mit ihren Bezirksuntergruppen einen Vermittlungsdienst eingerichtet hat, durch den ein­berufenen Handelsvertretern aus den Kreisen der Berufskameraden geeignete Stellvertreter namhaft gemacht werden.

nichtiges Heizen spart Kohlen.

Es albt viele Fehler bei der häuslichen Behei­zung, Die von Hausfrauen täglich begangen wer­den und die sie vielleicht kaum wissen, die sich aber oft leicht beheben lassen.

Vor allem muß man beachten, daß nicht alle Oefen gleich zu behandeln sind. Ein Kachelofen will anders bedient sein als ein Eisen- oder Dauerbrand­ofen. Wer sich mit Oefen nicht ärgern will, ziehe vor der Heizzeit einen erfahrenen Ofensetzer xu Rat, lasse Den Wärmespender gründlich untersuchen und sich selbst genau unterweisen, wie er am besten und sparsamsten zu heizen ist. Daß Die Roste wichtig sind, weiß jede Hausftau. Man befreie den Ofen also immer erst von Schlacken, bevor man ihm frische Nakrung gibt. Je besser man die Oefen in Ordnung hält, um so mehr kann man an Kohle sparen und Zett.

Außerdem ist der Raum selbst zu beachten. Schon die Lage des Wohnraumes ist ausschlaggebend. Das wirkt sich besonders im Winter aus. Ist das Zim­mer von drei Seiten im Hause geschützt und nur auf der vierten mit einem Fenster versehen, welches Doppelfenster sein muß uni) möglichst mit Papier­oder Filzstreifen gedichtet sein soll, bann verbraucht man beträchtlich weniger Kohle. Es wurde die Er­fahrung gemacht, daß durch ein nicht abgedichtetes, einfaches Fenster Dreimal so viel Wärme verloren­geht, als durch ein doppeltes, gut versorgtes Fen­ster. Zwischen die Fenster soll man mit Stroh, Holz­wolle oder Sägespäne gefüllte Polster legen und vor die Fenster Decken hängen. Das darf jedoch das tägliche Lüften nicht ausschließen.

Auch bei Türen muß man beachten, baß keine Fugen, Ritzen und Spalten klaffen, durch welche Kaltluft aus ungeheizten Nebenräumen eintritt. Vor kalten Fußböden schützen wir uns dadurch, daß wir unter Den Bodenbelag einige Schichten Zei­tungspapier legem

Wenn diese Maßnahmen auch schwierig und zeit­raubend erscheinen, was sie tatsächlich gar nicht sind, so denke doch jede Hausfrau einmal Darüber nach. Es wird sicher jede zu der Einsicht kommen, daß es zweckmäßig ist, sich danach zu richten, und sie wird die Erfahrung machen, daß Damit nicht nur Kohle gespart wurde, sondern auch Zeit und Aerger.

Zu viel geheizt schlecht geheizt.

Das Reichsgesundhettsamt veröffentlicht im Reichs­gesundheitsblatt eine beachtenswerte Mahnung: Schlecht Heizen ist keineswegs gleichbedeutend mtt zu wenig Heizen. Genau so schlecht wird geheizt, wenn zu viel geheizt wird! Für gewöhnlich pflegen die üblichen Wohn-, Aufenthalts- und Arbeitsräume bann behaglich geheizt zu sein, wenn in etwa 1,50 m

per nl

(Nachdruck verboten!)

3. Fortsetzung.

und den lotti?

Roman von Frank F. Braun Copyright by Deutscher Verlag, Berlin

wig."

Julia (Torlotti hatte in ihrer Ehe selten gebeten. Wenigstens nicht mit Worten. Ludwig Carlotti liebte seine Frau. Er las ihr die Wunsche von Den Augen ab. Buchstäblich genommen. Sie hatte große spre­chende Augen von einem so tiefen Blau, daß man erstaunte, bekam man einmal einen richtigen großen ihr. Meist verkleinerten die bläulich Lider Den Blick. (Fortsetzung folgt.)

später.

Iwanka zog Die Gardine am Fenster zu

Unruhig schritt sie vor Dem Tisch Im Wohnzimmer Blick von tl auf unD ab, hin und her. Ein großes, weißes schattenden i

Die Unterschrift war nicht leserlich, aber der Mann hatte einen großen Fehler seines Lebens ge­macht, dachte Hegg triumphierend. Er hatte einen Briefbogen genommen, einen sehr teuren übrigens, das sah man, auf dem in erhabener Schrift In der linken Ecke sein Name gepreßt stand. Hegg las: Ludwig Carlottt. Er prägte sich Den Namen ein. Ihm war, als habe er ihn schon einmal gehört. In der Zeitung einer Annonce, oder auf einem Plakat. Aber fein Nachdenken kam nicht zu Ende. Im Ne­benzimmer verabschiedete sich der Besucher von Iwanka. Die ersten lauteren Abschiedsworte brachen ab und wurden leise. Anscheinend wurde noch einiges geflüstert. Die Schritte entfernten sich. Die Flurtür scharrte ein bißchen auf Dem Läufer, ein Geräusch, das Hegg vertraut war. Dann fiel sie zu. Der Direk­tor war draußen.

Hegg wollte den Brief rasch wieder an Ort und Stelle tun, aber es ging ihm wie vorher Iwanka; die Schublade klemmte, jetzt hing der Brief gar bis zur Hälfte heraus. Das mußte auffallen. Er nahm ihn rafch an sich und steckte ihn ein.

Als Iwanka die Tür öffnete, drehte er sich um, als ob nichts gewesen sei. Aber sie war eine beson- ders gute Menschenkennerin.Was ist", fragte sie, hast Du gehorcht?" . .

Der Schauspieler merkte nicht das Geständnis m dieser Frage. Er sagte und meinte gelassen zu wir­ken:Ich weih nur, daß du den Vertrag unter- schrieben hast. Ich gratuliere dir. Hoffen wir, daß es zum Guten für dich ist." . _

Sie nähme seins Hand.Du machst em Gesicht wie sieben Tage Regenwetter."

So ähnlich ist mir auch zumute. Er richtete sich auf. Wenn er ganz gerade stand, war er fast einen Kopf größer als sie.Wer ist Herr Ludwig Car-

Nebenan trat ein Mann ein, aber sie sprachen gedämpft, oder Die Türen schlossen schalldicht. Hegg verstand nicht viel. Er wollte auch nicht hinhören. Er war wütend, gekränkt und traurig. Iwanka hatte seine Werbung abgelehnt.Künstlerin" wollte sie werden. Künstlerin kann man nicht werden, dach e er, Künstlerin ist man. Höchstens kann man eine de- rühmte Künstlerin werden.

Aber Du wirst es nicht, Iwanka. Du heiratest doch vor Der Zeit. Freilich, den Kollegen Hegg, den schlägst du aus; Der kann Dir nicht viel bieten. Ader den anderen Mann, Den Alten, der Dir Die Woh­nung eingerichtet hat und Dir Die Pelze kauft und neue Kleider, Den wirst du wohl nehmen, wenn er will. Aber das ist nun Die ausgleichende Gerechtig­keit, Iwanka, Der Alte will Dich nicht heiraten. Ich wette Darauf. Er ist verheiratet. Denkt gar nicht Daran, ein Risiko zu laufen, es Darf nicht über ihn gesprochen werden, und Du bist ihm eine Welle em Spielzeug. Dumm bist du, Iwanka, und memst so ^Seine" Gedanken brachen ab. Die Schublade da vor ihm war nicht ordentlich gefchlossen worden. Iwanka hatte einen Brief hineingestopft und Kasten zugeschoben; vielleicht in Eile, vielleicht aus Nachlässigkeit. Der Bries war verklemmt und ragte zu einem Drittel aus dem Spalt heraus.

Einen Augenblick zögerte Hegg. Es war nicht fair, was er vorhatte, aber er war von Iwanka auch nicht fair behandelt worden, fand er. Als er Die Hand ausstreckte, mit spitzen Fingern und den Brief herauszog, sagte nebenan Direktor Doury etwas lauter:Na also. Dann sind wir uns ia einig. Kommen Sie, unterschreiben Sie hier an dieser Stelle. Iwanka Gospik. Ein schöner Name. Sie haben Glück gehabt, Iwanka."

Dann war es wieder still.

Hegg hielt den Brief in der $anD. ®r überflog die Zeilen, die ein Mann geschrieben hatte. ..... Montag konnte üf> nicht kommen, aber mor. gen sehen wir uns bestimmt. Erwarte mich bitte zur gewohnten Stunde..."

Rechteck, lag Da Der Vertrag für Budapest und Preßburg. Aber sie sah ihn nicht an. Sie trat an Das kleine Tischchen in Der Ecke und nahm den Hörer vom Telefon. Aber nachdem sie gerade Die Zahl gedreht hatte, legte sie den Hörer wieder in Die Gabel. Nein, anrufen durfte sie auch nicht. Das war zu gefährlich. Zudem, was hätte sie Carlotti agen sollen? Ich habe Deine Adresse oder Deinen Namen verraten. Mein Freund Hegg, ein Mann, Der mich liebt, kommt heute abend zu Dir, um Dich Aur Rede zu stellen. Nein, Das konnte sie nicht sagen.

Plötzlich atmete sie erleichtert auf. Hegg würde nicht zu Carlottt gehen. Er würde gar keine Zeit dazu finden. Er mußte ja spielen! Vor dem Thea­ter war keine Zett mehr und nachher würde es für einen Besuch, auch für den sonderbarsten selbstver­ständlich zu spät sein. Morgen aber war man viele Stunden älter. Morgen sah alles ganz anders aus. Morgen konnte einer von Urnen dreien, wenn er Pech hatte, schon tot sein; Überfahren oder sonstwie verunglückt.

Sie wandte sich ab. Einer von uns Dreien, hatte sie gedacht, und sich selber nicht ausgenommen. Wenn es eine Prophetie bedeutet, war sie unklar und vage wie die des Orakels von Delphi. Sie zün­dete sich eine Zigarette an.. Man mußte so etwas nicht denken. Wie kam sie überhaupt Darauf. Sie sah auf ihre Zigarette. Das Mundstück war nicht mehr weih, ihre Lippen hatten sich Darauf ab ge­drückt. Rot, dachte sie, schon wieder Blut. Der Otto hat mich ganz nervös gemacht mit seinem Gerede. Sie warf gereizt Die Zigarette in Die Kupferfchale und ließ sie verglimmen. Zwischen ihren Augen, senkrecht in der Verlängerung Der Nase, stand eine tiefe Falle. *

In Dem großen hellen Raum, De* bunte Vor­hänge an Den Fenstern und glatte birkenfarbene Möbel fast zum Zimmer eines Landhauses stempel­ten, befand sich kein Stück aus Dem Antiquitäten- geschäft. Julia Carlotti hatte das Durchgesetzt.

Du hast unten deinen Laden vollgestopft mit all diesen alten Dingen, von. denen Du etwas ver­stehst und an die du Dein Herz gehängt hast. Laß unser Wohnzimmer davon frei, ich bitte dich, Lud-

Darf niemals erfahren, daß er zu mir kommt. Auch du darfst nicht darüber reden, Otto, versprich es mir! Schlimm genug, daß du Den Namen erfahren hast."

Hegg starrte an Iwanka vorbei gegen Die Zier­palme im Messinakübel, als er sagte:Ich werde heute abend wissen, wo Herr Ludwig Carlotti wohnt, und dann werde ich chn aufsuchen und ihn fragen, ob er es ernst mit Dir meint"

Das wirst du nicht tun. Dazu hast Du fein Recht."

Ich nehme mir dieses Recht, Denn ich liebe Dich!

Aber ich liebe dich nicht!" Sie schrie ihn an, nahm sich aber sofort zurück und sagte ruhiger: Du würbest alles zerstören. Okto, laß ab davon; ich bitte dich inständig!"

Ich werde zu Ludwig Carlotti gehen und mit ihm reden. Ich bin fein Verräter und kein Klatsch­maul. Seiner Frau werde ich nichts erzählen. Ich werde dir auch nichts zerstören, Iwanka." Damit wandte er sich um, nickte ihr zu und ging zur Tür.

Sie riß ihn noch einmal am Arm herum.Otto, wenn du zu Carlotti gehst, ist alles aus!" sagte sie drohend. Ein paar Haare waren ihr in Die Stirn gefallen, sie strich sie aus dem Gesicht. Er zuckte zu­rück, hatte vielleicht ihre hastige Handbewegung falsch gedeutet. Er lächelte verzerrt vor innerer An­strengung. ,/Im Gegenteil", sagte er,alles be­ginnt."

Mit hängenden Armen stand sie am Fenster und sah ihm nach, wie er zwischen Den beiden Blumen­rabatten auf die Straße trat.Närrischer Kerl", zischte sie und noch einmal, grollender:Stümper!"

Den älteren Herrn auf Der anderen Straßenseite beachtete sie nicht. Das wäre Herrn Johann Za­charias aus Der Potsdamer Straße auch sehr un­angenehm gewesen. Herr Zacharias wünschte nichts weniger als aufzufallen, als er zufrieden in fein Notizbuch einiges notierte über Den lebhaften Be­sucherverkehr bei der Dame Iwanka Gospik. Sein junger Mann war auf Dem Fahrrad Herrn Bourp gefolgt. Heute abend würde Die Detektei wissen, wer dieser Mann war. Den jungen Blonden, Der da soeben aus dem Haus trat, gedachte er selber zu be­schatten. Und er tat es. Er folgte Hegg unauffättia.

Das war für Herrn Zacharias recht schade. Hätte er auf seinem Posten in der Cicerostraße ausge­harrt, würde er den Dritten und wichtigsten Besucher, Ludwig Carlottt auch noch haben bei Iwanka ein- treten sehen. Er kam eine kleine halbe^ Stunde

Sie erblaßte und ihr Kopf zuckte nervös zurück. Woher hast du den Namen?"

Es lag da ein Brief. Er lag offen auf dem Tisch. Ich mußte ihn bemerken. Der Mann heißt also 2uD- wig Carlottt. Ich weih nicht, woher ich diesen Na- men kenne, aber ich kenne ihn." Er faßte sie bei den Handgelenken.Iwanka, sieh mich einmal an. Sag mir dies eine einzige Mal die Wahrst. So­viel muß ich Dir wert sein. Liebst du diesen Mann?

,Unsinn, Otto. Du tust mir weh, laß los.

Verzeih." Er gehorchte sofort.

Du siehst das falsch. Er ist mem bester ftreunD..

''Dann liebst du ihn also doch?"

Vielleicht. Aber anders, als du denkst.

Was ich denke, weißt du ja gar nicht." Er zer- {prang fast vor Zorn. Etwas Neues fiel ihm em. Zst er verheiratet?" .

1 Iwanka nickte,Das ist es ia gerade, ©ein? Frau