Ausgabe 
31.12.1942
 
Einzelbild herunterladen

Harle Abwehrkämpfe zwischen WM und Don

Der neue Erfolg unserer Ll-Boote

i!?p> Btt!- ehend

über- traöi* ler< !N W r ein öo*

Wien

Trotz Panzerunterstützung gelang es ihm nicht, tu die deutschen Stellungen einzudringen. Sechs Pan­zer wurden vernichtet. Vielfach wurden boksche- wiMche Panzergruppen im Dorgelände der deut­schen Stützpunkte von unseren Kampf- und Schlacht- fliegergeschwadern erfaßt und dabei 26 Panzer ver­nichtet. Zerstörenflugzeuge rieben drei im Anmansch befindliche feindliche Kolonnen völlig auf und füg­ten den Sowjets durch Volltreffer in Bereitstellun­gen hohe Verluste zu. An einem anderen Abschnitt gelang es einer Panzereinheit, einen stark vertei­digten bolschewistischen Stützpunkt zu nehmen und die Bolschewisten zurückzuwerfen. Alle Versuche der Sowjets, den deutschen Truppen den Stützpunkt wieder zu entreißen, scheiterten.

*

>611 I

fo

Berlin, 30. Dez. (DNB.) Die Reste des bei den Azoren in der Nacht zum 29. Dezember 1942 erfaßten und fast völlig aufgeriedenon briti- ,schen Geleitzuges waren auch weiterhin das Aiel unserer Boote, die im Verlauf des 30. D?zem- Der bei anhaltend fchlechtem Wetter und schwerster See vier weitere Schiffe mit 21000 BRT. versenkten. Damit sind aus dem für Afrika bestimmten Geleitzug im Verlauf von 24 Stunden 19 Schiffe mit 106 000 BRT. vernichtet worden.

sch ichm ? ein an nut I bet» Seit, bf

linst- ohne

ifitigi | deutschen Stellungen an. Gegen einen deutschen achA Stützpunkt wiederholte der Feind seine Vorstöße Difluijl bei starkem Nebel bis in die Dunkelheit hinein, -bür w sein» irtoni W ft ist dUtn n btt i btn irsten n M K.

s bi» auch >ibtn»

nttb jiebÄ ht§ f 'M N flUfl W" Wf M erz'k"

«d *>

$ s $

1

<

-IN-« iS

V

Begegnungen mit Wilhelm Furtwängler

Von Adolph Meuer.

les iit b»5

S 4 raQ N * tts, ny «et H-».

yi Dtt j* öen. ben.

List H

W \ ihtt bis N Ufte, i ge*

-ich

Unterweisung bei Oswald Schrenk, eine kurze Lernzeit an der Stuttgarter Oper und dann die erste führende Stellung in Lübeck. Ueber Mannheim, Leipzig, Frankfurt, Wien führt sein Weg nach Ber­lin, erst an die Spitze der Staatskapelle und seit dem Tode Artur N i k i s ch s 1922 als Leiter des Philharmonischen Orchesters.

Will man das Geheimnis der faszinierenden Wir­kung seiner Kunst enträtseln, so wird man den Schlüssel dazu in einem Wort finden können, das er selbst einmal sagte:Große Kunst kann nicht verstanden, kann nur erlebt werden. Worauf es mir bei meiner Arbeit an kommt, ist nicht so sehr, das von mir dirigierte Werk zu mir, als mich zu ihm in ein Verhältnis zu bringen. Die Persönlich­keit des Dirigenten braucht dabei keineswegs zu­rückzutreten, aber sie verzichtet unter allen Um­ständen darauf, manchmal sehr geistreiche und mit­unter zu selbstherrliche Auffassungen in die Par­titur zu tragen. Und eine weitere Aufgabe für den Dirigenten: das musikalische Kunstwerk dem aus- führenden Orchester zum lebendigsten und intensiv­sten Bewußtsein zu bringen. Die Seele des Werkes, die man seinem Empfinden und Verständnis er­obert hat, nun auch dem letzten Oboisten und dem Mann bei der Trommel nicht weniger verständlich -mh oertraut zu machen." Das ist Programm und Bekenntnis des Dirigenten Furtwängler mit seinem glühenden Gefühl für Musik. Sobald er den Stab hebt, ist er ganz dem Werke verpflichtet, das er nachzuschaffen hat. Es mag vielen vielleicht ver- wunderlich fein, daß Furtwängler feine Berufung als Komponist als die stärkste Seite seines Künst­lertums ansieht und von hier aus fein Wirken ent» scheidend bestimmt ist. Er hat die seltene Gabe, den schöpferischen Vorgang des Komvonierens auf sein Dirigieren zu übertragen und sich ganz in den in­nersten Hust and eines anderen Komponisten und dessen Werk hineinzuleben. Das ist das letzte Ge- beimnis feiner überragenden Interpretationen, von denen fein Lehrer Oswald Schrenk einmal gesagt bat, daß sie Gottesdienste sind im Glauben an den Ewigkeitswert der Musik, als deren Priester er den höheren Willen vollüeht. Nie lucht oder aiM er das Aeußere oder irgendwelche Finefsen der Pariitür, er gibt die Ides des Werkes, die er geistig durch­

über die Ladeluken mit Kriegsmaterial beladen. Ein Doot erzielte bei einem Angriff auf ein mit Ballast von Freetown nach Trinidad (an der Nordküste Südamerikas) fahrendes, nur aus wenigen schnellen Schiffen bestehendes Geleit Tor­pedotreffer auf zwei Schiffe, die innerhalb weniger Minuten sanken. Ein mit über 10000 Tonnen Mu­nition beladener Nachschubdampfer vom TypBa­ron Belhcwen" wurde unter einer riesigen Deto­nation buchstäblich in tausend Teile gerissen. Das Schiff befand sich auf der Fahrt von Nordamerika zum Kap und wurde mitten im Atlantik das Opfer eines Torpedos. DieMontrecri City" mit 3066 BRT. und der TankerEmpire Bronze" mit 8142 BRT., die anscheinend Reste eines zerspreng­ten Geleit,zuges waren, wurden nach einer viel- stüMgen Verfolgung im Nordatlantik trotz schwerster See und dichter Schnee- und Hagel­böen, die die Sicht oft für Stunden völlig nahmen, in kurzen Abständen die Beute eines U-Bootes. Im äquatorialen See gebiet des Atlantik, dicht vor der Küste Britisch-Guayanas (Südamerika), ereilte einen 12 000 BRT. großen Dampfer sein Schick­sal, ohne daß es dem U-Boot möglich gewesen wäre, den Namen dieses Schiffes festzustellen.

Berlin, 30.Dez. (DNB.) Die Kämpfe an der Ostfront standen auch am Dienstag im Zeichen gahen Widerstandes der deutschen und verbündeten Truppen gegen die bolschewistischen Angriffe. Zwischen Wolga und Don wurden starke, von Panzern unterstützte Vorstöße des Feindes ab- geschlagen. Kampfflugzeuge, begleitet von Schlactst- sliegern, lösten sich ununterbrochen ab, um bolsche­wistische Panzerkolonnen und Artillerie mit Born-

Im Kampf gegen kleinere Geleite und Einzelfahrer in allen Teilen des Nord- und büdatlantik sowie im Indischen Ozean bei Mada- oasfar fielen eine Reihe weiterer vor allem mit Kriegs- und sonstigem Nachschubmaterial beladene Transporter den Torpedos der Boote zum Opfer. 6o sank unmittelbar vor ßorenco Marques an der afrikanischen Südostküste der englische DampferEmpire Gull" mit 6408 BRT. Auf dem Wege zwischen Bathurst und Freetown an der afrikanischen Westküste wurden die beiden in Glasgow bzw. Liverpool beheimateten Trans­porterOakbänk" (4154 BRT.) undObserver" (5881 BRT.) versenkt. Beide Schiffe waren bis

Kunst fließen, hängen mit her Kraft zusammen, die jetzt die Schlachten schlägt, so wie derParacelsus" nur scheinbar keine Beziehungen hatte zu dem deut­schen Geist, der opfervoll auf flandrischen Schlacht­feldern verblutete. In Wahrheit fließen alle diese Kräfte aus der Quelle eines unerschütterten Gefühls, des Glaubens an den deutschen Gei st und die deutsche Kraft, mag sie sich nun in einer unbegreiflich großen Heldentat oder in einem Werk von unerhört geistigen Ausmaßen tunbtun. Das ist es bielleicht, was wir im allertiefsten Sinne unter dem totalen Krieg, über jedes Technische, Mili­tärische oder Zivile hinaus, verstehen: die Mobili­sierung aller Kräfte im Volke, die nicht nur für die große Stunde, sondern für die Jahrhunderte geweckt wurden, da die Stunde ja ein Werk schaffen soll, das die Jahrhunderte überdauert. Wäre dieser innige Zusammenhang nicht da, der die Kämpfer im Osten mit dem Sänger des Wotan oder Hans Sachs, mit dem Dirigenten der Eroika ober der Brucknerschen Neunten im Alarmgebiet, mit dem großen Ton- schäpfer, mit dem großen Epiker und Lyriker ver­bindet, die alle sich als Ausdruck tiefsten Volks- willens, aber auch als Diener am Volke im höchsten Sinne betrachten wir wären kein Volk in jenem höchsten Sinne, der Ziel und letztes Wollen der Be­wegung und jenes Mannes ist, der sie führt und ihr die tiefsten und herrlichsten Impulse gegeben hat.

Wir wissen von den Kriegsfreiwilligen des Jahres 1813, daß sie mit Kant ober Schiller im Tornister ins Feld zogen. Wir wissen, daß die Kämpfer von Langemarck mit dem Deutschlandlied auf den Lippen, das neben seiner ethischen Bedeutung auch die eines echten Kunstwerks besitzt, in den Tod gingen. Ein Dichteroers sagt, daß jebe deutsche Tat zuerst ein Lied gewesen fei. In diesem Sinne sind Tat und Geist untrennbar verbunden. In diesem Sinne sind Krieg und Kunst keine Gegensätze, sondern in ihrer höchsten geistigen und seelischen Deutung unlösbar verbunden, Ausstrahlungen einer unsterblichen na­tionalen Kraft.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten fit der Name Wilhelm Furtwängler rn dem musikali­schen Bewußtsein der ganzen Welt zu einem festen Begriff von letzter Läuterung hefften und reinsten Mifiikalischen Erlebens geworben. Man hat diesen genialen Künstler den Moltke unter den Dirigen­ten genannt - er schweigt und laßt <mbere reben, aber er erkennt bas Geniale schon im Werben. Seine Musiker wissen manche Anekdote davon zu erzählen: Vor einer Orchesterprobe - ^fi dem Programm stcht ein neues zeitgenössisches Werk- erregte Auseinandersetzung der.MKker, tmnpera mentvolle Ablehnung. Unbemerkt fit Furtwängler hinzugetreten.Meine Herren sagt er lachÄnd es liegt an uns, diese .ungenießbare Musik gmieß- bar zu machen", und mit Erstaunen erlebt das Or­chester unter seinen Händen bie Ere Kraft) keimende Genialität des vorher abgelehnten Wer kes. Wenn Wilhelm Furtwängler zum Wartober Mir Ser areift hat er stets etwas Wesentliches auszusagen.^und bann tut er es mit klarer Enfich^e- denheit. So hat er auch feine Stellung Mr zettge sfe süss sx

tatin gelten zu können f deshalb

EESSSSfefe

Idn 5?« S wSjäS 1886 als Sohn des bekannten Archaolo^n^^, berat und nach del- unterricht bei Josef "nein « ldbrunn und ÄÄ ä Ä* -bs--nde

fit Wort, Reim und ästhetische VerNaruno Sie jebe Lyrik ist und wo7 Ä

Ausdruck des Einzelnen und Präauna des famkeitsgefuhls (ein kann - Produkt des A^aen-

tzde echte Epik ist die wertvolle Kriegs.

"f 2°hre nach dem Erleben in perfnX l?cr Betrachtung entstanden, wie vor dreihundert Jahren derSnnpl.zisstmus" Grimmelshausens wie vor zweiundeinhalb Jahrzehnten die Bücher von Junger und Earosta, dieSieden vor Verdun" von Joses Magnus Wehner, Franz SchauweckersAuf. »mA ber Nation" und auf dramatischem Wege JohstsSchlageler I Das heutige ungeheure Ringen konnte naturgemäß bis letzt nur Lyrik zeitigen, wo- von eben em von Stegmund Graff herausgegebener -wahlband Zeugnis g,bt. Der soldatische Dichter £ .ti'° «ine Erscheinung, die den Werdegang der Jahrhunderte begleitet. Für ihn hat der Satz das, die Musen schweigen, wenn die Waffen Ivrechen nie Geltung gehabt. Es ist natürlich dah auch ber Kampfer von heute seinen Ausbruck sucht unb fin- bet, wie einst bie Körner unb Schenkenborff unb vor einem Viertesiahrhunbert bie Bröger, Lerfck Rier Dehmel unb Engelke. < ü e?'

Wenn «'t rückschauend bie Dichtung bewegter Zelten betrachten, so finden wir immer unb immer wieder Zeugmsie einer vorn Kriege nicht bireft be­einflußten großen Dichtuna. Im Vorklang ber Be- > fteiungskrlege, in ber Zeit bes napoleonischen »Druckes, wachst unb erscheint berFaust". In ben Wirren ber Revolution von 1848, im Schatten ber heißen Kriege in Oberitalien, blüht eine so unenblid) zarte Dichtung, wie GrillparzersArmer Spiel­mann". Mitten im Weltkriege vollendet Psitzner seinenPalesttina", arbeitet Kolbenheyer amPa- racelsus". Alle diese Dichtungen allerbings sind Do- fumente einer alleinstehenden, auf sich selbst ge­stellten Künsllerkrast. Die bamals herrschenden ftaat- sichen Kräfte haben weder Goethe noch Kolbenheyer [ gefördert: sie huldigten anderen Göttern.

Die geheimen Ströme, die in echter und großer

w*|L ...

em|i , ben und Bordwaffen anzu greifen. Elf Panzer unb datz i 16 Geschütze, sowie über 150 Fahrzeuge wurden Hadi vernichtet. Zm großen Donbogen griffen die ritten Bolschewisten wieder an verschiedenen Stellen die

Das Kriegsjahr 1942 in Ostasien.

ÄUSSERE.

\ HANDSCHI

Tokio

nach

'KSdü/rg/tii

KalküttoZ-

Wanila

fjljü

Nauru

fatar/j

WNi

.StCrui

E/OSCRr-i

AUSTRALIEN

Andamanen

1... v» Nikobaren

% |***%" DEHNEN

' Der japanische Machtbereich vor Kriegsbeginn und \£&nach einem Jahr Krieg di e nst

Oer Webrmachibenchi.

D7M. Aus dem Aührerhauptquarller, 30. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Terekgeblet scheiterten starke, mit Pan zeru unterstützte Angriffe des Feindes. Dabei wur­den 8 Panzer vernichtet.

3n Stalingrad und im Dongebiet hatten die Sowjets bei Fortsetzung ihrer Angriffe hohe blutige Verluste und verloren 16 Panzer. Bei erfolgreichen Gegenstößen wurden zahlreiche schwere und leichte Waffen erbeutet und Gefangene eingebracht. ^Angriffe deutscher Luftgeschwader so­wie italienischer, rumänischer unb ungarischer Kampsflieger fügten dem Gegner hohe Verluste und empfindliche Ausfälle an Panzern und schweren Waffen zu. Ungarische Truppen vernichteten bei Stoßtruppunternehmen eine größere Anzahl feind- Ncher Bunker mit ihren Besatzungen. 3m mittle­ren Frontabschnitt wurden einzelne feind­liche Angriffe abgewiesen. Eigene Stoßtrupps dran­gen in die feindlichen Stellungen ein und zerstörten zahlreiche Kampfanlagen.

Südöstlich des 3lmenfees brachen er­neute, von panzern, Artillerie und Schlachtfliegern unterstützte Angriffe des Feindes zusammen. 13 Sowjetpanzer wurden abgeschossen. Am Wolchow und vor Leningrad vernichteten Stoßtrupps deutscher Verbände und der spanischen Frei- wllligendivisiov zahlreiche feindliche Bunker. Schnelle deutsche Kampfflugzeuge und 3agdflieger- staffeln zersprengten in Tiefangriffen Transport­kolonnen des Feindes.

Vor der Fifcherhalbinfel im Nörd­lichen Eismeer versenkten Kampfflugzeuge bei einem überraschenden Vorstoß ein sowjetisches IKi- nensuchboot. Nachtangriffe deutscher Kampf- und Sturzkampfflugzeuge riefen starke Brände in den Hasenanlagen von Murmansk und im Bahnhofs­gelände von Kandalakscha hervor.

3n Nordafrika bekämpften deutsche Slurz- kampfflngzeuge erfolgreich feindliche warschkolonnen.

3n Tunefien fanden nur örttlche Kampfhand­lungen statt. Der Feind erlitt durch Sturz- und Tief­angriffe deutscher Flieger hohe Einbußen an rollen­dem Material und Waffen aller Art.

3n den Abendstunden des 29. Dezember warfen einige britische Flugzeuge über westdeutschem Gebiet vereinzelt Sprengbomben ab, die geringfügigen Ge­bäudeschaden anrichteten.

LeichledeutscheKampfflngzeugever- senkten lm Kanal ein Vorpostenbook unb bekämpften am Tage kriegswichtige Anlagen einer Hafenstadt an der englischen Südküste mit Bomben. 3n Luftkämpfen wurden hierbei zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, setzten deutsche Unterseeboote die Verfolgung der versprengten Reste des bei den Azoren zerschlagenen Geleitzuges hartnäckig fort und versenkten wei­tere vier Schiffe mit 21000 BRT. Bisher sind somit aus diesem Geleitzug insgesamt 19 Schiffe mit 106000 BRT. vernichtet worden.

Darüber hinaus versenkten unsere Untersee­boote in anderen Seegebieten des Nord- und Sudatlantik 15 Schiffe mit zusammen 79 300 BRT. Damit hat die Unterseebootwaffe über die gestern gemeldeten Erfolge hinaus wiederum 19 feindliche Schiffe mit 100300 BRT. auf den Grund des Meeres geschickt.

Es fehlt an Menschen und (Schiffen.

Britische Klagen über die langen Verbindungslinien.

Genf, 30. Dez. (DND > Die britische Wochen- schviftNew Statesman anb Ncttion" float über die unersetzlichen Verluste Englands an Schiffen unb Besatzungen. Die Zeitung schreibt:Die Zer­splitterung ber Kräfte, bie in einem an ben äußeren Verbindungslinien geführten Krieg unverrneiblich ist, wirkt sich am sichtbarsten im Mangel an Menschen aus. Nirgenbs tritt bieser klarer zutage, als auf ber See. Der Verschleiß ist groß, unb bie Verluste an Männern sind noch größer unb unersetzlicher als ber an Schiffen. Die Tage sind vorbei, an benen Kolumbus Amerika mit Besatzungen entdeckte, bie aus den Gefängnissen Spaniens kamen, ober in benen Nelson mit Bauem- burfd>en segelte, die in ben Dorf kneipen zusammen­gefangen wurden. Die in ber Marine tätigen Män­ner sind jetzt hochausgebildete Fachleute, bie in vielen Fällen eine sehr umfangreiche Ausbildung

bringt und ber er die letzte Kraft des Ausdrucks ver­leiht^ Leidenschaft und Ueberlegung, Empfindsamkeit unb Verstand, Spannung sind Harmonie, tiefe Weis­heit unb schöpferische Genialität stehen in reizvollem Wechselspiel, ergänzen sich und ergeben das triel­farbige Dill) dieser Künstterpersönsichkeit.

Man hat Furtwängler früher vorgeworfen, daß er bie Klassiker zu sehr bevorzuge. Kein Vorwurf kann ungerechter fein als dieser denn es gibt keinen Künstler, ber mit mehr Entschiedenheit und innerer Notwendigkeit für die zeitgenössische Musik eintritt als gerade Furtwängler. Aus allen seinen Aeußerungen spricht der fanatische Glaube an bie Musik, an alle Musik, wenn sie es nur wirklich ist. Er sieht weder im Rundfunk noch in der Schall­platte eine Bedrohung der wirklichen Musik. Furt­wängler hat immer wieder gern mit seinem Or­chester vor unvoreingenommenen Menschen, vor Ar­beitern, ja sogar in Fabriken musiziert, und man muh es erlebt Haden, mit welch glücklicher Gläubig­keit er erzählt, wie ein echtes Beethovenfches Werk auf diese Menschen im Arbeitskittel wirft, um zu erfahren, daß die Musik heute fo lebensfähig fit wie je zuvor. Er selbst ift die höchste Potenz dieser Lebenskraft der Musik und fühlt sich daher allen verbunden, die von echter Musik angerührt werden. Für sie aU| ist er und seine Kunst da nur fo faßt er fein Amt auf.

Man weiß, daß Furtwängler nicht nur am Diri- gentenvult, sondern auch in Wort und Schrift für zwei Meister immer wieder Zeugnis abgelegt hat, für Johannes Brahms und Anton Bruckner. Als Präsident der Deutschen Drahms-Gesellschasi und der Deufichen Bruckner-Gesellschaft tritt er auch nach mißen für die Werke triefet Meister ein. In einem Festvortrag hörten wir ihn sagen:Brahms gehörte zu jenem Riesengeschlecht germanficher Mu- [ifer, bas mit Dach und Händel begann und sich mit Beethoven fortsetzte. Mir scheint er immer ein Nachfahre jener altdeutschen oder holländischen Künstler, teuer van Enck, Rembrandt usw., in deren Werken Innigkeit, Phantastik, gedrängte, oftmals ungestüme Kraft und wunderbarer Fornfiinn sich vereinigen. Bradms war der erste, der im Gegen­satz zu seiner Zeit den Menschen in den Mittelpunkt aller Kunft und Kunstübung stellte. Denn nicht Ent- Wicklung der Materie d-r Harmonik, Rhythmik usw. ist Sinn der Geschichte, sondern der Aus- druckswille derer, die sich triefet Materie erst be- dienen. Nicht ber Grad ber Kühnheit ber Neuheit des Gesagten vom entwicklungsgeschichtkichen Stand­

punkt, sondern ber Grad ber inneren Notwendigkeit, ber Menschlichkeit, ber Ausbrucksgewalt ist Maß­stab für die Bedeutung eines Kunstwerks."

Die gleiche Ursprünglichkeit jeglichen Kunstge- sühls äußert er in einem Gespräch über bie zeit­genössische Musik. Die die Einzelheiten zerpflückende Analyse lehnt er scharf und entschieden ab. Et ist der große Gläubige ber Musik, die für ihn nie ein Ende nimmt, die auch trotz aller Krisen niemals tot ist. Man kann nicht sagen, irie Harmonik sei zu Ende so meint er ober die Melodtt sei ver­standesmäßig zu seht überspitzt, man kann die Mu­sik nur als Ganzes nehmen. Beethoven sagte mit ben gleichen Mitteln, was sieben Jahrzehnte vorher Haydn sagte. Weshalb sollten heute nicht die gleichen Mittel anwendbar fein. Es ist durchaus möglich, daß unter uns ein Beethoven, Haydn ober Brahms aufste-ht. Än feiner ungemein lebhaften Art ver­gleicht er es mit dem Schiläufen.Wenn ich beim Schiläufen einen Schwung machen will und dann erst alle die Einzelheiten unb Fußstellungen aus- führe, die mir der Schilehrer beigebracht hat, ge-* lingt es mit nie, wenn ich ben Schwung aber als Ganzes empfinde und ausfühte, gelingt er mir. Aehnlich geht es in ber Musik, die nur als Ganzes betrachtet werden darf. Was aus dem Intellekt kommt, muß sterben und hat keinen Bestand. Und heute wird in der Musik leidet viel zu viel ge­dacht. Die Musik aber, die aus dem Herzen und Empfinden nach Ausdruck ringt, wird bleiben.

Es kann nicht wundernehmen, daß ein Mann wie Furtwängler in tiefster Verehrung zu Bruckner auffchaut,' über ben er sagt:Bruckner ist einer jener in ber gesamten europäischen Geschichte nur ganz feiten erschienenen Genien gewesen, deren auferleg­tes Schicksal es war, bas Uebematürliche wirklich zu machen, bas Göttliche in unsere menschliche Welt hineinzureißen, hinein.zuzwingen. Dieser Musiker mar in Wahrheit ein Nachfahre jener deufichen Mystiker, jener Ekkehart, Jakob Böhme usw."

Wit können alles von Furtwängler lernen, die Besinnung auf die wahre Aufgabe und Seftimmung der Kunst, die ehrerbietige Demut vor dem Gött­lichen der Musik und vor dem Schöpferischen ber Formwetdung. Nut aus dieser Besinnung und De­mut gelingen ihm jene überragenden Nachgestal­tungen, ober bester Nachempfindungen der großen Meisterwerke ber Musik, die er in ber ganzen Welt immer wieder »u unverlierbaren Erlebnisten werden läßt.