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Berechnung eine »eitere Million BRT. Schiffsraum dauernd bereitftellen müssen. Da­bei wäre eine solche Streitmacht zweifellos das Alleräußerste, mit dem die Alliierten irgendwo in einem kontinentaleuropäischen Randgebiet den ver­bündeten Heeren der Achsentruppen und ihrer Ver­bündeten mit einiger Aussicht auf Erfolg entgegen­treten könnten.

Aus den Hilferufen, die von Moskau aus an Großbritannien und Nordamerika gerichtet werden, läßt sich nicht schließen, daß man sich im bolsche­wistischen Lager mit nur einem, einer Waffen­hilfe oder einer Wirtschaftshilfe begnügen würde. Die in den deutschen Wehrmachtberichten der letzten Tage angedeuteten gewaltigen Material­verluste der Sowjets lassen vermuten, daß die ^Unterstützung an Rüstungsmaterial seit Beginn der großen deutschen Offensive sogar noch dringlicher ge­worden ist. Eine ganze Reihe von alliierten und neutralen Pressekommentaren macht darauf auf- merksam^ daß ja auch die Verluste in Mord- a f r i f a zu Ergänzungslieferungen zwingen, und daß der dafür erforderliche Einsatz von Tonnage besonders groß und belastend sei. Schließlich wol­len die anglo-amerikanischen Mächte ja auch Süd­amerika und afrikanische Länder, von denen sie Rohstoffzufuhren erwarten, wenigstens dem äuße­ren Anschein nach berücksichtigen. In Brasilien, in einigen anderen südamerikanischen Ländern und in Belaisch-Kongostudieren" nordamerikanifche Aus­schüsse nicht nur die Lieferfähigkeit dieser Gebiete, sondern auch das Maß ihres dringendsten Fertig­warenbedarfs. Man sollte also annehmen, daß kein nordamerikanisches Schiff ohne volle Nutzlast an Jndustriewaren in die Häfen der genannten Länder abgefertigt wird. Als jedoch vor einigen Tagen zllr bitteren Enttäuschung der Argentinier ein großes nordamerikanifches Handelsschiff mit einer Ballast- Ladung von Sand im Hafen von Buenos Aires eintraf, erlitt das geringe, noch vorhandene Ver­trauen auf die Wirtschaftskameradschaft der Union einen schweren Schlag. Die Nordamerikaner wollen also offenbar bei der' Ausnutzung ihrer dahin- schwindenden Tonnage auch noch die wenigen Tage sparen, die durch das Beladen und Entladen der schiffe in nordamerikanischen Häfen mit Ausfuhr­gut beansprucht werden, wenn sie nicht überhaupt die den Südamerikanern zugesagten Waren lieber selber behalten wollen.

Die jüngsten Meldungen aus den Vereinigten Staaten lassen erkennen, daß immer mehr zur Ton­nagenot die Produktionsnot hinzutritt. Wenn sogar die notorisch in unzureichender Zahl vorhan­denen Rüstungsfacharbeiter nicht voll beschäftigt werden können und in Neuyork die Arbeitslosen­ziffer allf 1,5 Millionen gestiegen ist, so kann das nur als ein Zeichen dafür gedeutet werden, daß die Rohstoffversorgung in einen argen Engpaß geraten ist. Die Wirtschaftshilfe, d. h. die angebliche Fähigkeit der Nordamerikaner, alle an sie her an - tretenden Lieferungwünsche ihrer Verbündeten zu befriedigen, wird also auch von der Produktionsseite her immer illusorischer. Für die sowjetische Versor­gung ergibt sich daraus ein recht trübes Bild: ihr eigener Wirtschaftsraum ist so eingeschnürt und ver­engt, daß an eine ausreichende Versorgung aus heimischer Erzeugung immer weniger zu denken ist; ihren Freunden aber, den Briten und Nordameri­kanern geht immer mehr der Atem aus, da sie für eine ausreichende Personal- und Materialhilfe nicht genug Schiffsraum haben und sogar aus ihrem Produktionsapparat auf vielen Gebieten nicht mehr als bisher herausholen können. Cr.

Aordamerilanifche Berater in Iran.

Rom, 29.Juli. (Europapreß.) Nach einer amt­lichen Mitteilung sind dem iraniischen Kriegsmini­ster zwei nordamerikanifche Sachverständige bei­geordnet worden.Tevere" sieht in dieser Maß­nahme den nordamerikanischen Versuch, den Einfluß der Engländer im Iran zu beseitigen und sich an ihre Stelle zu setzen.

Oer Aufstieg der Universität Istanbul.

Ankara, 29.Juli. (Europapreß.) Die Universi­tät Istanbul hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine bedeutende AufwärtsentwickUmg erfahren. Stu­dierende und Lehrer haben sich \e\t 192-5 verdrei - f a ch t. 1923 zählte die Universität 2008 Studenten. Erst 1931 erfolgte ein stärkerer Zustrom zur Uni­versität, und 1935 überschritt die Zahl der Studie­renden die Grenze von 4000. 1939 konnte die Re­kordziffer von 6739 erreicht werden. Die größte Zu­nahme an Studenten hatte die naturwissen­schaftliche Fakultät zu verzeichnen. Die Zahnmedizin- und Pharmazie-Studierenden nahmen erheblich ab. Eine gewisse Sättigung des Landes an

relativ jungen Zahnärzten und Apothekern besteht. Am interessantesten gerade in der Türkei, in der von 20 Jahren die Frau noch fast rechtlos war ist die Entwicklung des Frauenstudiums. 1923 zählte die Universität 105 werbliche Stubenten, 1935 be­reits 802 und 1939 sogar 1626. Davon studierten 948 junge Mädchen Philologie und Naturwissen­schaft, 276 Rechtswissenschaft, 194 Medizin, 119 Volkswirtschaft, 61 Pharmazie und 28 Zahnheil­rund e.

Oer Sieger von Sewastopol in Siebenbürgen.

Bukarest, 29. Juli. (Europapreß.) Der Sieger von Sewastopol, Generalfeldmarschall von Man- stein, besuchte auf Einladung des Staatsführers Marschall Antonescu Rumänien, vor allem die deut­schen Dörfer des siebendürgischen Burgenlandes bei Kronstadt, wo er stürmisch gefeiert wurde. Auch in den rumänischen Gemeinden von Distea de Jos im Kreise von Fogarasch, rod der Generalfeldmarschall das rumänische Kulturheim besichtigte, wurden ihm begeisterte Kundgebungen bereitet.

Kleine politische Nachrichten.

Der Ritterkreuzträger Hauptmann Kühl, Grup- penkommandeur in einem Kampfgeschwader, starb äm 22. Juli im Osten den Fliegertod. Als

Staffelkapitän hat er am Polenfeldzug, am Kampf um Norwegen, Holland und Belgien sowie an den Einsätzen gegen Frankreich und England teilgenom- men uyd schon am 21. November 1940 das Ritter­kreuz erhalten.

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Im Heim des Deutschen Roten Kreuzes in Ber­lin-Dahlem fand eine Arbeitstagung der ^Bereit» schaftsdienftleiterinen der DRK.-Landesstellen statt, die von der DRK.-Gehilfin Ilse Göring geleitet wurde. Zum Abschluß wurden die Teilnehmerinnen von Frau Emmy Göring empfangen.

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Reichsarbeitsminister Seldte gab zu Ehren der unter Führung des Ministerialdirektors Cau in Ber­lin weilenden italienischen Delegation zur Behand­lung von Sozialoersicherungsfragen der in Deutsch­land zum Einsatz gelangenden italienischen Arbeiter sowie der Delegation, die unter Führung des Prä­sidenten Professor Albenga von dem faschistischen Institut der Bauindustrie für Bauforschung zum Studium von Baustofffragen sich in Berlin aufhält, einen Empfang.

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Um zu einer gefunden Entwicklung der Noten­ausgabe der chinesischen Central Reserve Bank bei­zutragen, hat sich die japanische Regierung auf Wunsch der chinesischen Nationalregierung entschlos­sen, eine Anleihe von 100 Mill. Den zu gewähren.

Aus dem Reich.

43,8 Millionen Reichsmark bei der letzten Haussammlung.

Die am 12. Juli durchgeführle 4. hausfammlung des krlegshilfswerkes für das Deut­sche Role kreuz hat 43867286,87 R2N. er­geben. Die gleiche Sammlung des Vorjahres hatte ein Ergebnis von 36 707 456,59 21211, so daß eine Zunahme von 7159830,28 R2U., das find 19,51 vom hundert, zu verzeichnen ist.

Oie Reichsbahn im Leistungskampf.

Staatssekretär Dr. Ganzenmüller hat jetzt alle Dienststellen und Betriebe der Reichsbahn zur Teil­nahme am Leistungskampf der deutschen betriebe angemeldet. Er betont, daß der Leistungskampf nicht Selbstzweck, sondern Ausdruck angespannten Schassens aller ist. Höchste Leistung jedes Eisen­bahners ist die Voraussetzung - für den Sieg. Für die Durchführung des Leistungskampfes find mit dem Fach amt Energie Verkehr Verwaltung der Deutschen Arbeitsfront besondere Vereinbarun­gen getroffen worden.

Hilfe bei Kinderlosigkeit in der Ehe.

Reichsgesundheitsführer Dr. Contt hat für jeden Gau die Errichtung einer Arbeitsgemeinschaft Hilfe bei Kinderlosigkeit in der Ehe" durch den Gauamtsleiter für Volksgesurckcheit an geordnet, um die Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich der Forde­rung, daß jede deutsche Ehe zu einer Bollfamilie wird, entgegenstellen. Da eine beträchtliche Zahl von Ehen ungewollt unfruchtbar oder kinderarm bleibt, darf nichts unversucht bleiben, um solchen Ehen mit allen Mitteln der ärztlichen Kunst und Wissenschaft zu dem gewünschten Kindexreichtum zu verhelfen.

Wieviele Hauptschulen wird es geben?

Theo Keil, Oberregierungsrat und Schulrat im Reichserziehungsministerium, schreibt in der Zeit­schriftDas junge Deutschland", dem Organ des Jugendführers, daß für das gesamte Reichsgebiet mit 11000 Hauptschulen und etwa 2,6 Millionen Schülern zu rechnen ist. In Großdeutschland .gibt es 57 318 Volksschulen, so daß künftig auf fünf Volksschulen im Durchschnitt eine Hauptschule kom­men wird. Alle Schüler und Schülerinnen, deren Begabung, Charakter und Leistungen die Aufnahme in die' Hauptschule rechtfertigen und die nicht auf eine höhere Schule geschickt werden, müssen die Hauptschule besuchen. Daher werden Nachbargemein­den, die die Voraussetzung für eine Hauptschule nicht besitzen, zu einem Hauptschulverband vereinigt. Die Streuwirkung der Hauptschule wird dadurch erhöht, daß für Jungen und Mädchen gemischte Klassen vorgesehen sind, wo die Gesamtzahl der Schüler getrennte Klassen nicht rechtfertigt. Die große Bedeutung der Hauptschule liegt darin, daß sie auch die Dörfer umfassen soll. Zwischen ihr und der alten Volksschule wird es einen heilsamen Wett- bewerb geben. Aber das Ausleseprinzip schafft in

ihren 2,6 Millionen Schülern eine breite und trag» fähige Schicht von Menschen, die zu besonderen Leistungen angeregt und verpflichtet sind. Wie Theo Keil mitteilt, arbeitet ein Stab von Lehrern und Wissenschaftlern einenSchülerbefchreibungs- bogen" für die ganze Schulzeit aus, der die Grund­lagen für die Auswahl zur fchulgeldfreien Pflicht- Hauptschule bilden wird. Die andere Abgrenzung erfolgt gegenüber denhöheren Schulen", deren Zahl 2518, also nur ein Fünftel der geplanten Hauptschulen beträgt.

Llnterhaltungspflicht an Gebäuden.

In Verkennung der vordringlichen Aufgaben der Bauwirtschaft im Kriege haben verschiedentlich Baupolizeibehörden von den Hauseigen­tümern die Durchführung umfangreicher nicht kriegswichtig e.r Unterha^tungsarbei- ten gefordert. Der ReichsarbeitsMinister stellt hier­zu klar, daß nach den bestehenden Bestimmungen eine gegenüber den Friede ns an f o rderun gen gerin­gere Unterhaltung in Kauf genommen werden muß. Alle nicht unbedingt notwendigen Unterhal­tungsarbeiten find nach den bekanntgegebenen Richt­linien über behelfsmäßige Kriegsbauweife zurück- z u st e l l e n. /

Das Auslandsamt der Oozentenfchast.

lieber das Auslandsamt der Dozentenschaft der deutschen Universitäten und Hochschulen berichtete Dr. med. habil. Baatz der Presse. 1300 ausländische Dozenten weilen in Deutschland. Starken Widerhall finden besonders die zwischenstaatlichen AkadeMiker- tagungen des Auslandsamtes. Dem ausländischen Besucher stehen alle wissenschaftlichen Einrichtungen, Lehrmittel und Bibliotheken zur Verfügung, deutsche Berufskollegen führen ihn ein. Einladungen in Heim und Familie deutscher Wissenschaftler oertiefen die persönlichen Beziehungen. Künstlerische Darbietun­gen, Besuche von Lehr- und Forschungsstätten, Wan­derungen und gemeinsamer Sport vervollständigen das Proaramm. In steigendem Maße sind auch Gastvorlesungen in Deutschland vermittelt worden.

Neuordnung

der Iugend- und Iugendschuhgerichte.

Durch eine Verfügung des Reichsministers der Justiz sind alle Aufgaben der Jugenderziehung und des Jugendschutzes sowohl bei den Landgerichten wie bei den Amtsgerichten in der Hand derselben Richter, zusammengefaßt. Dadurch wird die einheit­liche Handhabung von Jugenderziehung und Ju­gendschutz im Justizbereich sichergestellt. Zugleich werden die Richter, die über besondere Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügen, ganz in den Dienst dieser Aufgabe gestellt.

Bei den Landgerichten werden die Aufgaben der bisherigen Jugendschutzkammern, vor denen er­wachsene Schädlinge an der Jugend zur Verant­wortung gezogen werden, mit denen der Jugend­strafkammern, vor denen schwerere Verfehlungen Ju­gendlicher verhandelt werden, bei den neu errichte- tcnJugendkammern" vereinigt. Vor dieser Kam-

Spiel mit jungen Menschen.

Von Wolfgang Liebeneiner.

Staats schauspieler Wolfgang Lieben- einer ist als Spielleiter zahlreicher bedeu­tender Filme im Reiche bekannt geworden.

In der Schauspielkunst ist es ebenso vorteilhaft wie gefährlich, jung zu sein. Der Schauspieler wirkt durch sich selbst, er ist Künstler und Kunstwerk zu­gleich, höchstens im Film tritt die Photographie als gestaltendes Element zwischen Person und Form, aber doch nur in so geringem Maße, daß der Zu­schauer sie nicht bemerkt und ihre Wirkung dem Spieler anrechnet. So kommt es, daß beim Schauspieler nicht nur Talent, Können, Fleiß, In­tensität und Klugheit wirken, wie in allen anderen Künsten, sondern daß Jugend/ Aussehen und jene geheimnisvolle Endsumme aller menschlichen Eigen- ichaften, die mir alsPersönlichkeit" bezeichnen, ebenso schwer in die Waagschale der Wirkung fallen.

Dazu kommt noch, daß wir alle, wenn wir ins Kino oder ins Theater gehen, etwas Neues sehen wollen. Selbst wenn wir eine uns lieb gewordene Oper ober ein für uns klassisches Stück zum wer weiß wievielten Male anhören, freut es uns, etwas Neues, bisher Ueberfehenes darin zu entdecken, ebenso beim mehrfachen Ansehen eines Films.

Das Neue sieht jeder gern. Niemand weiß, ob aas Spiel und gewisse persönliche Eigenheiten Mit­tel der schauspielerischen Charakterisierung ober pri­vate Eigentümlichkeiten des neuen jungen Darstel­lers sind. Später stellt es sich dann heraus, wenn er nicht mehrneu" ist, und dann entscheidet es sich auch, ob das Talent zu mehr als einem lieber- raschungssieg aus reicht ober wenigstens die Ju­gend. Denn diese sehen wir ja ebenso gern wie Be- Inders dort, wo sie sich mit Schönheit paart Vielleicht kommen Verdienste und Verdiente dadurch zu kurz, aber es ist dem Menschengeschlecht nun einmal gegeben, daß es Geschenke der Götter als Verdienste anrechnet. Jeder von uns identifiziert sich doch selbst mit den Menschen da oben und mit üjren Schicksalen, das ist wohl eines der innersten Geheimnisse jener magischen Wirkung, die vom Film für alle ausgeht.

Darum suchen die Filmleute immer nad) neuen, jungen Menschen und nehmen gern das Risiko schauspielerischen Versagens auf sich, denn sie wissen, daß dann, wenigstens beim erstenmal, der Reiz der jungen Neuheit siegen kann. Und darin liegt für den Nachwuchs die Gefahr; so mancher hat schon ganz gut angefangen, war aber nicht in der Lage, seinen Weg fortzusetzen. Hier gilt es, einen Mittel­weg zu finden, der schwere menschliche Schäden ausschließt, und das ist neben der Organisations­frage eine Sache des Regisseurs.

Die Voraussetzung für einen guten Filmregisseur ist es, daß er die Technik beherrscht, und daß er die Schauspieler liebt. Schauspieler sind seltsame Wesen, denn während bei den anderen Menschen der Beruf eine ernsthafte Sache ist, besteht der Beruf der Schauspieler darin, baß sie spielen. Spielen ist eigentlich eine Beschäftigung für Kinder, darum haftet guten Schauspielern etwas Kindliches an. Kinder können bekanntlich Naivität mit Raffine­ment, Güte mit Bosheit vereinen, alle Gegensätze ruhen noch nebeneinander, als Möglichkeiten des Charakters in ihnen, und das muß sich der Schau­spieler auf Lebenszeit erhalten, weil er ja aus der inneren Erfahrung schaffen muß: er darf nicht stehlen, um zu erfahren, wie einem Dieb zumute 'ft, aber er muß sich die innere Wglichkeit erhalten, ben Dieb zuspielen". Das bringt jeneunbürger- fichen" Charakterzüge mit sich, die ben Mitmenschen je nach Laune unheimlich, abstoßend ober liebens­wert erscheinen.

So arbeitet der Regisseur eigentlich immer mit jungen Menschen zusammen, und jene Jugend, die mH öon der Zahl der Jahre herleitet, ist nur ein Spezialfall davon. Da ist es denn eine beglückende Entdeckerarbeit, in so einer unerforschten Seele nach den Grenzen zu suchen, sowohl was die Höhe wie auch was den Umfang und die Tiefe angeht, Hern- PVir.?6* K beseitigen, eine Persönlichkeit zu sich selbst zu führen und der häufigste Fall dem jungen Menschen seine Jugend erst zu erschließen Denn es ist einer der verbreitetsten Irrtümer, daß die Jugend des Künstlers froh und leicht ift Die meiften jungen Künstler sind von der Fülle ihrer Möglichkeiten so bedrängt, von ihrer Phantasie die sie die Welt und ihre Mitmenschen nicht richtig

sehen läßt, so umnebelt, daß sie mehr Leid als Freude davon haben und häufig tief unglücklich sind. Das macht die Arbeit mit derjungen Jugend" so schwer und so beglückend, und wenn es bann noch gelingt, sie in manchen Momenten zu solcher Un­befangenheit zu führen, daß im Spiel unbewußte Reaktionen auftreten, die ein Meister längst be­herrscht und kontrolliert, dann tun Regisseure und Zuschauer durch dieses Fenster einen tiefen Blick in scelfiche Bezirke, die noch so unberührt daliegen wie frrjch gefallener Schnee. Da hinein die ersten Spu­ren zu Ziehen, ist ein echtes Glück.

Beethoven und Goethe.

Begegnung in Teplitz, Juli 1812.

Im Fremdenbuch von Teplitz findet sich unter dem 7. Juli 1812 die Eintragung:Herr Ludwig van Beethoven, Kompysiteur aus Wien, wohnt in L unb wenige Tage danach am 15.: fir. Johann Wolfgang v. Goethe, Herzog!. Weima- rifcher Geh. Rat usw. usw., im Goldenen Schiff." xim Jahre vorher hat der Musiker dem Dichter aus Unaussprechlichem, tiefem Gefühl für feine herr- liajen Schöpfungen" seine Verehrung bezeugt und ihm die Musik zumEgmont" zugehen lassen; Goethe hat am 25. Juni 1811 die Antwort gegeben: niemals habe er etwas von des anderen Ar­beiten vortragen hören, ohne daß er gewünscht batte ihn selbst am Klavier zu bewundern und sich an semem außerordentlichen Talent zu ergetzen." Die Stunde naht: am 19. Juli 1812 treffen die beiden Großen zum erstenmal zusammen, am 20. verzeichnet Goethes Tagebuch:Abends mit Beet­hoven nach Silin zu gefahren" und am 21.:Abends bei Beethoven. Er spielte köstlich."

Und doch sind die beiden weder hier noch tm September zu Karlsbad einander sehr nahe ge- kommen. Gewiß, daß Beethovens Ohrenleiden vielleicht dem musikalischen Teil seines Wesens weniger als dem gesellschaftlichen schadet", wie Goethe an fernen Freund Zelter schreibt. Bekannt das Bild von der Fürstenbegegnung der Ge- beime Rat tritt mit abgewogenem Hute ehrerbietig zur Seite, der WienerKompositeur" rennt mitten Swlfchm den Herzöge« hindurch, die ihm Platz

Teuer bezahlt.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Zur Beschwichtigung Stalins über die immer noch in der Erwägung begriffene _zweite Front" Hot Churchill feine berüchtigten Luftpiraten in zwei auf, etnanberfolgenben Nächten gegen die Zivilbevölke­rung Hamburgs eingesetzt. Das scheint diesem Kriegsverbrecher das ,billigste Vergnügen" zu sein. Er täuscht sich über die moralische Wirkung feiner Terrormethoden: Die heimgesuchte Bevölkerung, der die ganze Anteilnahme des deutschen Volkes gilt, wird härter^kampfverbissener, siegentschlossener. Sie trauert um ihre Opfer, aber sie resigniert nicht. Den zweiten Nachtangriff auf Hamburg bezahlte Chur, chill mit 45 Bombern und mindestens 150 Mann fliegenden Personals. Dazu kommen die 37 Boni, der der ersten Terrornacht. Wir wissen es aus der englischen Presse, daß für solche Piraten an griffe die modernsten, zum Teil viermotorigen Bomber zum Einsatz kommen. So ein modernes Kampfflugzeug ist -ein Wertobjekt, doppelt und dreifach wertvoll in der Zeit der britischen Rohstoffknappheit und des zu­nehmenden Tonnageschwunds. Und die mindestens 250 Mann Spezialbesatzung dieser in zwei Nächten von der deutschen Abwehr heruntergeschossenen Bri­tenflieger reißen Lücken in die nicht übermäßig dich, ten Rechen erfahrener Flugzeugbesatzungen der bri­tischen Luftwafte. Wir haben schon einmal ben Sdjrei nach derzweiten Front" in der britischen Öffentlichkeit erlebt und ihren Einsatz durch die so- genannte Non-Stop-Offensive, die man dann schleu­nigst wieder abblies, als die Opfer an Flugzeugen und Personal sich von Angriff zu Angriff mehrten. In London kann man sich darauf verlassen, daß die deutsche Wehrmacht sich der zivilen Opfer Churchill- scher Luftpiraten stets erinnern wird.

mer können ferner 18- bis 21jährige Beschuldigte angeklagt werden, die noch in der Entwicklung be­griffen sind oder die sich Jugendverfehlungen schul- big gemacht haben. Die erzieherische Aufgabenstel-. lung dieser Kammern zeigt sich besonders deutlich darin, daß ihr auch die Beschwerdeentscheidungen gegen gewisse Erziehungsentscheidungen des Dor- mundschastsgerichtes, namentlich über die Fürsorge- erziehung und die Schutzaufsicht, übertragen wor­den sind. Die Mitglieder dieser Kammern, besonders ihre Vorsitzer, sollen Familienväter und nach Mög­lichkeit ehemalige Jugend- und Vormundschafts­richter sein.

Bei den Amtsgerichten sind die Erziehungsauf- gaben des Jugendrichters wie des Vormundfchasts- richters in der Hand eines Richters zusammen­gefaßt.

Die Neuregelung wird den Erziehungsgedanken, der das nationalsozialistische Jugendrecht beherrscht, in der Praxis vertiefen und den Schutz und die Erziehung der Jugend, eine im Kriege vordringliche Aufgabe von Partei und Staat, sichern helfen.

Aus aller Wett.

Tagung der Apolhekerführer.

In diesen Tagen fand unter Vorsitz des Reichs- der Apothekerführer statt. Reichshauptamtsleiter apothekerführers in Berlin eine Dienstbesprechung Tießler sprach über die erweiterten Aufgaben der Apotheker. Wenn auch durch den Fronteinsatz des Apothekers und durch die Zeitumstände die Volks­genossen in den Apotheken nicht sy rasch wie früher ihre Wünsche erfüllt erhalten uno manche Arznei­mittel und Drogen einer Steuerung durch Verord­nungszwang unterliegen, so zeigte die Tagung, daß die Arzneiversorgung gesichert ist.

Jeder muß Hilfe leisten.

Vor dem Amtsgericht Wiesbaden stand der Gast, wirt eines Ausflugsortes im Untertaunus, weil er bei gemeiner Not zweier Jugendlicher nicht Hilfe geleistet hatte. Sechs Schulkinder eines Ortes in der Nähe wollten eines Sonntags in Wiesbaden Eis essen und machten sich ohne Wissen ihrer Eltern auf den Weg. Auf dech Heimweg hieß es Tempo halten, denn vor Eintritt der Dunkelheit wollten sie wie­der in in -ihrem Heimatort eintreffen. Unterwegs trennten sich zwei Jungen von den anderen, weil sie einen kürzeren Weg zu wissen glgubten; die bei­den verloren aber bald die Orientierung. Sie kamen, als die Dunkelheit hereingebrochen war, nach einer Ausflugsgaststätte und fragten nach dem Wege. Der Wirt, dem es eine Kleinigkeit gewesen märe, den Heimatort der Kinder anzurufen und sie über Nacht ZU beherbergen, tat dies nicht, sondern wies den verirrten Kindern den Weg in den dunklen Wald. Kein Licht, kein Weg und Steg war zu sehen. Am .Bahndamm, den eben der 12-Uhr-Nachtschnellzug" passiert hatte, legten sie sich erschöpft und weinend

machen und freundlich grüßen. Möglich, daß er mie Bettina Brentano behauptet den andern nurso geneckt hat", weil ihmdie Hoflust zu sehr behage, mehr als es einem Dichter ziemt"; wahr- scheinsicher, daß er in berechtigtem Selbstgefühl zeigen wollte:einen Geheimrat können sie wohl? machen, aber feinen Goethe, keinen Beethoven, also das, was sie nicht machen können und was sie selber noch lange nicht sind, davor müssen sie Re- spekt haben lernen, das ist ihnen gesund." Genug,

®oetf>e Beethoven als eineleider ganz unge- bandigte Persönlichkeit" bezeichnet, wiewohlfein latent ihn m Erstaunen setzt" und erzusammen- gefaxter, energischer, inniger noch keinen Künstlet" gefehen hat: dies der erste Eindruck vom 19. Juli, den er Christianen mitteilt.

Wie er den früher entstandenen Liedkomposi- bwnen stand darunter Kleine Blumen, kleine r > mer FassungenNur wer die Sehnsucht kennt Kennst du das Land";Herz, mein Herz, mas soll das geben? undDer König in Tchule"- wie ihm dre Egrnontmusik gefiel, in der ihn die reiche Orchesterbegleitung der Klärchensieder geftört gaben mag wir wissen es nicht. Auch auf Beet- Hovens Bitte um ein Urteil über die elf Jahre spEr ihm zugeeigneteMeeresstille" undGlück- siche Fahrt bleibt Goethe jede Antwort schuldig: der Vierundsiebzigjährige steht dem 53jährigen Beet- yoven wohl noch ferner als er es mit 63 Jahren öem damals 42jahrlgen Musiker war. Und wenn wir uns wünschen, Beechoven möchte dem , Faust" die Musik gegeben haben, Goethe dachte eher an eine Mozart ähnliche Vertonung seines größten Ge­dichts, empfand vielleicht mit Zelter bei aller Be­wunderung Beethovens doch auchSchrecken" und heimliches Grauen".

- >3^" 3a!?5e früher oder später gefroren, würde Hff Mensch em ganz anderer schrieb er 1811 in die Einleitung zuDichtung und Wahr- 6c, der Abstand einer doppelten Zahl von Jahren scheint unüberbrückbar für ihn gewesen zu fein obwohl es ihm hier nicht an gutem Willen fehlte (wie gegen Schubert). Und so blieben die Zusammenkünfte in Teplitz und Karlsbad 1812 0Me weitere Folge nur dieBegegnung" mit einem, den er dann um fünf Jahre überlebte ...

Hans Lebedftt