des Wolchow das Wasser oft tagelang zurück auf» wartstreibt, da das Gefälle sehr schwach ist. Das erklärt auch die schwere Zugänglichkeit der Gebiete, in denen jetzt bedeutende sowjetische Kräfte vernichtet oder gefangen wurden.
Franz Geldte 60 Lahre alt.
Berlin, 29.3unL (DRV.) Zum 60.Geburtstag des Reichsarbeitsministers Franz Seldte überbrachte Skaatsminifter Dr. Meißner die Glückwünsche desFührers.Er überreichte ein herzlich gehaltenes Handschreiben des Führers und dessen Bild mit Widmung.
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Reichsarbeitsminister Selüte wurde zu Magdeburg als ältester Sohn eines Fabrikbesitzers geboren. Nach Besuch des Realgymnasiums machte er eine kaumfmännische und praktische Lehre durch. Danach studierte er Chemie in Braunschweig. Nach erneuter praktischer Ausbildung in dem väterlichen Unternehmen übernahm er dieses. Als Führer einer MG.- Kompanie rückte er 1914 ins Feld. Schon im Frieden hatte er Pläne für zerlegbare Maschinengewehr- Schutzschilde ausgearbeitet. Nun erhielt er den Auftrag, bei Krupp die Schutzschilde unfertigen zu las» sen. Schon in den ersten Gefechten bestanden sie ihre Probe und fanden schnell Eingang im Heere. Nicht minder wichtig waren seine Erfindungen der Tank- hinLernispfähle und Leuchtspurmunition. Im Sommer 1916 wurde er in der Somme-Schlacht schwer verwundet. Kaum wiederhergestellt, kam er in das Bild- und Filmamt. 1917/18 war er Führer eines Frontfilm- und Nachrichtentrupps in Oberitalien und im Westen. Im November 1918 entstand in ihm der Gedanke eines Bundes der Frontsoldaten als Bollwerk gegen die Kräfte der Zersetzung. Am 1. Weihnachtsfeiertag 1918 wurde der „Stahlhelm", Bund der Frontsoldaten, gegründet. Als Adolf Hitler die Macht übernahm, unterstellte er sich uni) seinen Bund ohne Zaudern dem Führer. Dieser betraute Franz Seldte mit dem Amt des Reichsarbeitsministers. Er wurde SA.-Obergruppen- führer und mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Partei ausgezeichnet. Unter seiner Leitung oblag dem Reichsarbeitsministerium die Durchführung des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit, die Sanierung und der Ausbau der Sozialversicherung, sowie die Schaffung einer Arbeitsverfassung und einer schlagkräftigen Arbeitseinisatzverwaltung. Auch der soziale Wohnungsbau, hat unter SeÜdte einen großen Aufschwung erfahren.
Kleine politische Nachrichten.
Zwei italienische Generale, nämlich der Kommandierende General eines italienischen Armeekorps, Ettore Baldassari, und General Guido Piacenca fielen am Morgen des 26. Juni auf ägyptischem Gebiet.
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In Berlin begann die erste Reichstagung der Oberinnen des NS.-Reichsbunbes Deutscher Schwestern e. SB., auf der'Oberbefehlsleittzr Hilgenfeldt und Reichsgesundheitsführer Dr. Conti sprachen.
Kunst und Wissenschaft.
Geh. Rat Professor Dr. Ludwig Aschoff f.
Der hervorragende deutsche Pathologe Geh. Rat Professor Dr. Ludwig Asch o fs in Freiburg ist am 24. Juni nach längerem Leiden im Alter von 76 Jahren verstorben. Aschoff, am 10. Januar 1866 in Berlin geboren, studierte in Bonn und Straßburg, promovierte 1889, habilitierte sich 1894 in Göttingen, kam 1903 als Ordinarius nach Marburg und ging von hier 1906 nach Freiburg i. B., wo er auf dem Lehrstuhl für pathologische Anatomie und allgemeine Pathologie, sowie als Direktor des pathologisch-anatomischen Instituts eine überaus fruchtbare Forschungs- und Lehrtätigkeit entfaltete. Aschoffs wissenschaftliche Arbeit ist aus der Entwicklung der deutschen Pathologie in den letzten Jahrzehnten nicht wegzudenken und hat auch der medizinischen Forschung in allen Kulturstaaten der Erde wertvolle Anregungen vermittelt. Don feinen Arbeiten seien hier nur das in zahlreichen Auflagen verbreitete Lehrbuch der pathologischen Anatomie, seine Veröffentlichungen zur Geschichte d'er Medizin, über pathologische Anatomie der Herzschwäche, über die Wurmfortsatzentzündung und über die Thrombosefrage genannt. — Die außerordentlichen Verdienste des Gelehrten faniben 1936, zum 70. Geburtstage, durch die Verleihung des Adlerschildes ihre ch'renoolle Anerkennung.
Zkagerrakschlachl und Columbus.
In den Beiträgen „Die Stimmen der Dichter" und „Das Bordbuch des Columbus" im Familienblatt vom 27. Juni sind zwei Satzfehler stehen geblieben, die hier richtiggestellt werden sollen: die Seeschlacht am Skagerrak, in der Gorch Fock gefallen ist, fand am 31. Mai / 1. Juni 1916 (nicht 1915) statt; und seit der Entdeckung Amerikas durch Columbus 1492 find jetzt 450 (nicht 550) Jahre vergangen.
Aus -er Stadt Gießen.
„Menschliche Lautsprecher/'
Immer wieder ergeht an die Hörer des deutschen Rundfunks die Mahnung, den Lautsprecher der Empfangsgeräte auf Zimmerlautstärke einzustellen, damit der Nachbar, dessen Arbeitseinteilung eine ungewöhnliche Schlafenszeit erfordert, in seiner Ruhe nicht gestört wird. Jetzt, wo es uns die wärmere Jahreszeit wieder gestattet, die Fenster unserer Wohnräume offen zu lassen, ist diese Mahnung besonders am Platze.
Jedoch ist es mit dieser selbstverständlichen Rücksichtnahme allein noch nicht getan. Wie gern möchte man diese Forderung auf Drosselung des Lautsprechers auch auf die Stimmstärke unserer Mitmen- scheu angewandt wissen.
Die Abendstunden — wenn das Tagewerk ruht — werden gern dazu benutzt, um ein kleines Plauderstündchen vor der Haustür oder von Fenster zu Fenster über die Straße hinweg zu führen. Der arme Nachbar, der vielleicht gezwungen ist, sich besonders früh zur Ruhe zu begeben, muß dann dieses Gespräch in voller Lautstärke über sich ergehen lassen und wird dadurch am Einschlafen gehindert.
Das Spielen eines Musikinstrumentes bietet für den Ausübenden wie für den freiwilligen Zuhörer meistens sehr viel Freude; für einen Dritten aber, der dazu verdammt ist, unfreiwillig und zu unpassender Zeit lauschen zu müssen, bedeutet es oftmals eine Qual. Darum sollte es für jeden Musikanten eine Selbstverständlichkeit sein, seine Uebungen — besonders am Abend — stets bei geschlossenem Fenster vorzunehmen.
Unseren Kindern will man sicherlich das Vergnügen des Herumtollens nicht nehmen, aber ist dazu immer ein solch lautes Gebrüll und Gekreische — wie man es oft genug hören muß — notwendig? Die Eltern sollten da ruhig des öfteren ein Ptücht- wort sprechen und die Lautstärke ihrer Kinder auf ein erträgliches Ausmaß dämpfen.
„Menschliche Lautsprecher" machen sich auch besonders unangenehm in öffentlichen Verkehrsmitteln bemerkbar. Da fährt man frühmorgens zur Arbeitsstätte und benutzt; diese Zeit gern dazu, um noch ein wenig zu träumen oder sich in aller Ruhe auf die kommenden Tagesaufgaben zu konzentrieren. Unser Gegenüber jedoch hindert uns daran. Es führt eines Unterhaltung,, und zwar in einer solchen Lautstärke, daß alle Mitreisenden gezwungen sind, feinen mehr oder minder uninteressanten Ausführungen zuzuhören. Das gibt dann meistens Aer- ger am frühen Morgen, besonders wenn man versucht, diesen „menschlichen Lautsprecher" auf eine angemessene Lautstärke zu dämpfen.
Eine solche Mahnung an unsere Mitmenschen sollte jedoch überhaupt gar nicht erst notwendig sein. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie wenig Ruhestunden uns die heutig arbeitsreiche Zeit gönnt. Das müßte aber zugleich auch für jeden die Verpflichtung mit sich bringen, die Ruhe und den fried- votlen Feierabend unseres Nächsten zu achten und ihm die Entspannung und Erholung, die ihm hieraus erwächst, nicht leichtfertig zu rauben. V. A.
Verdvnkelungszeil:
30. Juni von 22.48 bis 4.33 Uhr.
Arbeitstagung des 7!ERL. in Gießen.
Der stellvertretende Sportkreisführer hatte die Fachwarte und Mitarbeiter der Kreisführung Wet- terau-Nord zu einer Arbeitstagung einberufen, in der die Bestimmungen über den Bezug von Sportschuhen und Sportgeräten, Verleihung von Ehrenbriefen, Anforderungen von Siegerauszeichnungen, Sportabzeichenprüfungen und der Veranstaltungs- plan durchgesprochen wurden.
Einen breiten Raum nahm die Erörterung der Vorbereitungen für die Orts-Turn- und Sporttage und den Kreis-Turn- und Sporttag ein. Der stellvertretende Kreisführer entwickelte die Richtlinien, nach denen die Turn- und Sporttage durchgeführt werden sollen, die demnächst den Gemeinschaftsführern zugehen. Mit den Fachwarten wurden die Wettkämpfe imb Wettkampfklassen festgelegt.
Am 26. Juli werden die Ruderer starrten und damit den Kreis-Turn- und Sporttag einleiten. Am 2. August führen die Fachgebiete Schwimmen, Radfahren und Tennis ihre Wettkämpfe durch, und am 9. August werden die Leichtathleten Dreikämpfe, Einzelwettbewerbe und Staffeln, die Turner gemischte Mehrkämpfe austragen. Wie in den vergangenen Jahren, soll auch diesmal wieder allen Volksgenossen Gelegenheit gegeben werden, sich an den Wettkämpfen zu beteiligen. Dies wird in erster Linie bei den Schwimmern, Radfahrern und Leichtathleten möglich sein, ist aber selbstverständlich auch bei den übrigen Wettbewerben sehr erwünscht. Den Höhepunkt wird auch in diesem Jahre wieder die Kundgebung am Nachmittag des 9. August bilden, bei der in einer reichhaltigen Vorführungsfolge
Briefe in Bareiros Hand Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
Das gehört einfach auch ein reizender
3n den Kellerräumen ist es etwas kühler. Es is auch da weder still noch menschenleer, aber sie staden wenigstens einen Tisch und einen «tuh. Eine Drehorgel dudelt die Begleitung ZU^em Ärei [en eines winzigen Karussells, von der her knallt es ununterbrochen, und es duftet nach
„Hier es schön — beinah wie Jahrmarkts Irmela drückt lächelnd Albrechts Arm etwa- fester. „Fehlt nur ein hoher weiter sommerlicher ^Lrnenbimmel darüber." - ,
Gerd haben sie auf dem Wege verloren. Er trifft
20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ist sie nicht wundervoll?" fragt Gerd, glühend vor Begeisterung. „Ist sie nicht einfach herrlich.
„Wer?" Albrecht dreht überrascht den Kopf über die Schultern zurück. , , ..
„Wer! Katta Serena natürlich! Eine zauberhafte Frau, und eine Tänzerin mit einer ganz großen Zukunft." r
„Kann ich nicht beurteilen. Du hast sie wohl nicht bas erstemal gesehen?"
„Natürlich nicht. Weißt du! Zur Bildung! Nebenbei ist sie feiner, kluger Mensch!" ..
„So? Du kennst sie auch persönlich ?
„Sehr gut sogar!" Gerd ist viel zu stolz daraus, als daß er daran dächte, das zu verheimlichen. C denkt auch nicht daran, die Stimme zu dampfen. Eben hat Katta Serena getanzt, die Leute haben sich die Hände lahm geklatscht, in dem ganzen UZ- - fchenstrom wird von ihr gesprochen, es ist eine; Genugtuung, von ihr als von einer Bekannten reden Zu dürfen.
bei jedem Schritt auf Bekannte, die ihn aufhalten, er muß tanzen, und überdies muß er sich umfehen, ob er nicht Katta irgendwo entdeckt.
Aber ftattdeffen stößt er plötzlich auf Detlev Nehl.
„Schon vorbei?" fragt Detlev mit einem Blick auf die Uhr.
„Vorbei? Menfchenskind, es hat eben erst angefangen!" lachte Gerd ausgelassen.
„Ich meine, ist Katta schon aufgetreten?"
„Schon längst!"
„Und wo steckt sie jetzt? Ich hatte plötzlich ... ich wollte ... ich hätte sie gern noch tanzen sehen, schade! Na — nix zu machen. Hast du sie gesehen?"
„Ja, wundervoll wie immer!"
„Ich meine nachher, hast du sie nachher noch gesehen?"
„Leider nicht, schwer, einen Menschen zu finden in dem Gewühl."
„Komm, trinken wir einen Schluck zusammen! Das beste ist, sich irgendwo hinzufetzen und alles ins Auge zu fassen, was vorbeiwirbelt. Einmal muß sie schließlich auch vorbeikommen."
Aber Katta kommt nicht vorbei.
Katta steht vor der Schießbude und schießt auf Tonpfeifen und tanzende Bälle, setzt rasselnde Trommeln und klappernde Schmiedehämmer in Bewegung. Sie schießt sehr gut, und es macht ihr Vergnügen. Und daß ein immer dichterer Kreis von bewundernden Zuschauern sie umdrängt, stört sie zum mindesten nicht. Zuschauer ist sie gewöhnt, und Bewunderung auch. Mit Verständnis probiert sie ein Gewehr nach dem andern. Die meisten taugen nichts, und sie begründet ihre Behauptungen kurz und mit Sachkenntnis. Endlich hat sie ein leidliches herausgefunden, zum mindesten eines, dessen Fehler sie in Rechnung ziehen kann. Nun werden die Sekunden des Zielens immer kürzer, sie trifft mit einer Sicherheit, die ringsum Staunen, Verblüffung, Begeisterung auslöst.
Sie wendet nicht den Kopf, um die Bewunderung mit einem Lächeln zu quittieren, ihr Gesicht ist falt,
Eine Kriegslist täuschte -en Gegner.
Mit dem Späten gegen einen feindlichen Spähtrupp.
NSG. Ein Unteroffizier eines Infanterieregiments aus Oberhessen erzählt in unserem heutigen Erlebnisbericht aus der Truppe von einer Kriegslist, durch die der Gegner überrumpelt werden konnte.
Seit heute vormittag greifen wir in unserem Abschnitt wieder, an. Die Stellungen der Bolschewisten werden den ganzen Tag über mit heftigem Feuer unserer schweren Waffen belegt. Im ersten Ansturm haben wir es geschafft, den Feind zu werfen. Es wird Abend. Unser Zug richtet sich zur Verteidigung ein. Ueberall sieht man unsere Infanteristen aus Oberhessen beim Schanzen. Kaum haben wir in unserem Abschnitt uns richtig zur Verteidigung eingerichtet, da kommt der Befehl, die Stellungen weiter nach vorn zu verlegen, um noch besseres Schußfeld zu haben.
Es ist inzwischen finster geworden. Zusammen mit dem Zugführer gehe ich nach vorn, um die neuen Stellungen zu erkunden. Während wir uns vorsichtig durch das Gelände pirschen, sehe ich plötzlich in einer Entfernung von kaum dreißig Meter einen sowjetischen Spähtrupp in Stärke von sechs Mann auftauchen. Blitzschnell nehmen wir Deckung. Ein Zurückgehen ist unmöglich. Unsere Lage ist nicht gerade angenehm, denn wir haben kurz zuvor beim Schanzen unsere Ausrüstung und unsere Waffen
abgelegt. Das einzige, was wir bei uns haben, ist ein Spaten. Die Bolschewisten sind inzwischen schon bis auf zwanzig Meter herangekommen. Sie gehen in Reihe direkt auf unsere Deckung zu. Wir erkennen, daß sie ihre Gewehre umgehängt haben, und wissen, jetzt kann nur noch eines helfen: eine Kriegslist.
Nicht umsonst habe ich in jungen Jahren so viele Karl-May-Bücher verschlungen. Was hätte Old Shatterhand in dieser Sage getan? Die Bolschewisten sind fast bis an unsere Deckung heran. Ich springe zusammen mit dem Zugführer blitzschnell auf, fasse meinen Spaten, täusche einen Gewehr- Hüftanschlag vor, und wir stürmen alle beide mit dem Ruf „Ruki Wjcirch!" — Hände hoch — auf die Gegner zu. Die Sowjets find so überrascht, daß sie vor Schreck ihre Gewehre hinwerfen und sich gefangen geben. Schon nehmen wir eines der weggeworfenen Gewehre und halten die Burschen mit ihrer eigenen Waffe in Schach. Als wir sie untersuchen, stellen mir fest, daß jeder der Sechs noch einige Handgranaten bei sich hat. Zähneknirschend rücken sie die gefährlichen Dinger heraus, vielleicht haben, sie noch gehofft, mit ihrer Hilfe wieder frei zu kommen. Es hilft ihnen nichts. Wie jo viele vor ihnen treten auch diese sechs Bolschewisten den Weg in die Gefangenschaft an. Peter Haumann.
schönen Kameradschaft in diesem Kreise und äußerte am Schlüsse die Hoffnung, daß es ihm vergönnt sein möchte, noch manches Jahr weiter mitarbeiten zu können in der Arbeitsgemeinschaft des Betriebes. Mehr Sorgfalt bei Feldpostsendungen.
In der Heimat werden täglich viele Millionen Feldpostsendungen eingeliefert. Leicht ist dieser oder jener geneigt, die Schuld für eine immerhin mögliche Nichtankunft oder besi Verlust seiner Feldpost- fendung ohne Ueberlegung kurzerhand der Deutschen Reichspost oder Feldpost zuzuschieben. Und doch müßte sich so mancher Absender an seine Brust schlagen und sich sündig bekennen, wenn er wüßte, daß e r allein die Nichtankunft ober den Verlust verschuldet hat. In beiden Richtungen werden an einem einzigen Tage insgesamt etwa 15 Millionen Feldpostsendungen befördert. Den Aufklärungs- und Nacbforschungsstellen bei den Postsammelstellen und'Feldpostpäckchenstellen sowie den „Päckchenlazaretten" werden täglich 20 000 bis 25 000 Sendungen zugeführt, von denen rund 10 v. H. unanbringlid) bleiben, d. h. daß von 2000 bis 2500 Feldpostsendungen weder Empfänger noch Absender ermittelt werden können.
Da ist zuerst die Zahl derer, die zur^Ausfertigung der Feldpost-Anschrift nicht genügend Beachtung schenken. Nullen am Anfang ober Ende der Nummern müssen unbedingt mitgeschrieben werden, weil sonst nicht zu ersehen ist, ob sie vorn ober hinten fehlen. Ist nun bie richtige Felbpostnummer zum Abschreiben zur Hanb, bann ist bie zweite Forbe- rung zu erfüllen: Sorgfältig unb beutlich schreiben. Als dritter Punkt soll erwähnt werden, daß die Anschrift vorschriftsmäßig sein muß. Sie darf u. a. nur die Dienstgradbezeichnung des Empfängers enthalten, z. B. Gefreiter, Feldwebel, Leutnant usw.; verboten sind dagegen Bezeichnungen, aus denen die Truppengattung zu ersehen ist, z. B. Kanonier, Pionier, Funker usw. Ausnahme machen lediglich die Angehörigen der Marine.
Sage niemand, daß dies alles Selbstverständlichkeiten seien, die heute nach zwei Jahren Krieg jedermann weiß. In den Postsammelstellen und Feld- postpäckchenstellen liegen täglich Hunderte von Sendungen vor, deren Anschriften bie vorbeschriebenen Mängel aufweisen. Neben ber Anschrift muß ber Verpackung größte Sorgfalt zugewenbet werben. Leicht verberbliche Gegenstänbe eignen sich nicht zum Feldpostversanb.
Es ist aber klar, baß auch ein Teil der Feldpost- Päckchen durch unmittelbare ober mittelbare Feind- einwirkung verloren geht. Daß sich unsere Feldpostbeamten mehrfach im feindlichen Feuer befunden unb die ihnen anoertraute Ladung verteidigt haben, beweist die Tatsache, daß eine ganze Reihe von ihnen mit dem Eisernen Kreuz ober bem Kri^gs- verbienstkreuz ausgezeichnet würbe.
Gießener Docheumarklpreise.
* Gießen, 30. Juni. Auf bem heutigen Wochenmarkte kosteten: Molkereibutter Vi kg 1,80 RM., Matte 30, Käse, bas Stück 8 bis 10, Kartoffeln, alte, 5 kg 47, gelbe Rüben, Bb. 19, Römischkohl 14, Erbsen 35, Tomaten 38, Saubohnen 25, Salatgurken 30 dis 50, Salat 5 bis 10, Oberkohlrabi “8, Rettich 8 bis 10 Rpf.
ein Ausschnitt aus bem vielseitigen Betrieb der deutschen Leibesübungen gezeigt werden wird.
Mit ber Aufforderung zu tatkräftiger Mitarbeit unb weiterer kameradschaftlicher Zusammenarbeit ,mürbe bie Tagung geschlossen.
40 Jahre im »Gießener Anzeiger".
Am heutigen 30. Juni 1942 jährte sich zum 40. Male ber Tag, an bem der Schriftsetzer Augu st Braun in den Betrieb des „Gießener Anzeigers" eingetreten war. Aus diesem Anlaß wurde bem geschätzten Arbeitskameraden an seinem blumengeschmückten Arbeitsplätze eine herzliche Ehrung bereitet.
Dor der vollzählig versammelten Gefolgschaft sprach ber Betriebsführer ber Brühlschen Druckerei, Verlag des „Gießener Anzeigers", Dr.-Jng. H a - mann, dem verdienten Jubilar für feine vierzigjährige Treue unb allezeit fchaffensfrohe Mitarbeit ben herzlichen Dank ber Betriebsführung aus, er rühmte feine Tüchtigkeit unb lautere Gesinnung, burch bie er sich bie Achtung ber Betriebsführung unb hie Zuneigung feiner Arbeitskameraden erwarb, unb mürbigte bie unermüblidje Pflichterfüllung, mit ber er stets feinen Arbeitsplatz ausfüllte. Die Betriebsführung hat ihm einen vierzehntägigen Erholungsaufenthalt in einem Kurort im Obenroalb als Zeichen ber bankbaren Wertschätzung ermöglicht. Mit ber Überreichung eines weiteren Jubiläumsge- fchenkes unb herzlichen Wünschen für fein ferneres Leben unb Wirken in ber Betriebsgemeinschaft des „Gießener Anzeigers" schloß der Betriebsführer feine Ansprache.
Im Namen der Arbeitskameraden überbrachte Schriftsetzer Karl Lindenstruth bem Jubilar herzliche Glückwünsche unb gab ber Hoffnung Ausdruck, daß es ihm vergönnt sein möge, in Gesundheit unb Frische auch sein 50. Jubiläum an dem vertrauten Arbeitsplätze begehen zu können. Ein Jubiläumsgeschenk der Arbeitskameraden wurde gleichzeitig von deren Sprecher überreicht.
Die herzlichen Glückwünsche der Deutschen Arbeitsfront überbrachte Pg. H a n ß, der als Sprecher der Kreiswaltung Gießen der DAF. zum Ausdruck brachte, daß es für die Deutsche Arbeitsfront immer eine besondere Freude sei, wenn ihre Vertreter an einem solchen Festtage der Arbeit in bi'e Betriebe gehen könnten, da die DAF. ben größten Wert darauf lege, die Treue zum Betriebe immer tiefer in den schaffenden deutschen Menschen verwurzelt zu sehen, denn darin komme die enge Verbundenheit zwischen ben Menschen unb ber Stätte ihres Wirkens am besten zum Ausdruck. Unter Hinweis auf bas Beispiel biefes Arbeitsjubilars betonte ber Redner den hohen Wert ber Stammgefolgschaft für jeden Betrieb unb die daraus erwächsenbe enge Werkgemeinschaft. Als Zeichen ber. Anerkennung überreichte Pg. Hanß dem Jubilar das Jubiläumsdiplom der Deutschen Arbeitsfront.
Arbeitskamerad August Braun sprach bem Betriebsführer unb den Inhabern ber Firma, ben Arbeitskameraden. sowie der Deutschen Arbeitsfront in schlichten, bewegten Worten seinen herzlichen Dank für die schöne Ehrung aus, gab einen kurzen Rückblick auf die Zeit seines Eintritts in den Betrieb des „Gießener Anzeigers", sprach von der
hochmütig, unbeweglich. Eine kleine steile Falte steht über der Nasenwurzel. Es ist nicht ihr Ehrgeiz, vor einer Schießbude zu glänzen. Es ist ihr wie ein Orakel, sie wird alles treffen, was sie treffen will, unb sie wirb alles erreichen, was sie erreichen will. Aber man muß ein kühles unb ruhiges Herz haben, unb kein brennenbes, zittern- bes. Es ist das eigene Herz, auf bas sie zielt, biefes bumme Herz, bas nicht schweigen will, unb sie trifft es gut.
„Das geht boch nicht, bas ist boch aber unerhört!" knurrt ber runbe freunbliche Herr hinter ihr. „Seib ihr Männer und laßt euch bas gefallen? Laßt euch so von einer Frau beschämen? Da muß wohl erst einmal ein Erwachsener kommen!"
Ein paar junge Leute treten zurück unb machen lachend Platz. Einige erkennen auch den Kriminalrat Bauer und erwarten mit leichter Schadenfreude ben Wettkampf, ber sich jetzt entspinnen wird. Auch Bauer probiert erst mit Bedacht bie Büchse, bis er bie richtige gefunben hat. „Gilt nicht!" ruft er über die Schulter zurück. „Erst drei Schuß zum Einschießen." Unb als die drei Schuß vorüber sind, macht er eine kleine Verneigung nach ber Seite. „So! Jetzt geht's los!"
Er legt an unb zielt unb wechselt nach jebem Treffer blitzschnell bie Richtung. Links unten, rechts oben, links oben, rechts unten. Es kracht unb klingelt unb splittert unb rasselt. Er zieht nach Belieben Linien über ben ganzen Hintergrund der Bude, bie bebienenbe Frau kann nicht schnell genug bie kleinen Bolzen roieber einfüllen. Nach breifeig Schuß unb dreißig Treffern legt er das Gewehr hin. „So!" sagt er mit einem befriedigten Aufatmen. „Das war der erste Akt! Bitte, mein gnädiges Fräulein, jetzt sind Sie an ber Reihe!"
Ein ganz kleines Lächeln spielt um Kattas -fest- geschlossene Mundwinkel. Sie fängt da an, wo Bauer aufgehört hat, unb sie zieht feine Linien in ber umgekehrten Reihenfolge zurück, wie ein Knäul, bas man mieber aufrollt. Es ist schon eine bewun- bernswerte Gebächtnisleistung, die sie da in aller
Ruhe ausführt, unb sie trifft genau wie er mit jebem Schuß.
„Toll!" bricht Bauer los. „Toll! Toll! Das ist einfach toll! Ich bin geschlagen. Ich beuge mich und küsse Ihre Hanb!"
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„Interessant!" Albrecht ist aufgeftanben, um über bie andern hinwegzusehen unb beugt sich etwas zu Irmela nieder. „Es ist die Tänzerin vqn vorhin, weißt du? Sie schießt unglaublich. Der dicke Herr ist Kriminalrat Bauer, bekannt als einer unserer besten Schützen, aber er kriegt sie nicht unter!"
„Es reizt dich wohl?" In Irmelas zärtlich lächelnden Augen glitzert der Schalk, und sie hebt sich etwas von ihrem Stuhl, um zwischen ben Leuten hinburchzuspcihen. „Ist es wirklich bie Tänzerin? Vorhin hatte sie doch so etwas Golbfunkelndes an."
„Sie ist es bestimmt, sie hat jetzt ein schwarzes Abenbkleib an, aber ich hab' sie vorhin ziemlich genau gesehen, sie ist eS."
Katta trägt ein ganz schlichtes schwarzes Kleid, bas ihre schlanken ©lieber fest umschließt, unb über bem schmalen Nacken leuchtet ihr Haar.
Albrecht zögert einen Augenblick, bann zieht er mit einem Griff bie Weste straff unb schiebt ben Unterkiefer etwas vor: „Ich möchte es boch einmal versuchen."
In biefem Augenblick hat er für Irmela etwas von einem großen Jungen — es finb die Augenblicke, in denen sie ihn am innigsten liebt
„Na geh doch!" Sie nickt ihm lächelnd zu. „Aber blamier mich nicht, ich will stolz fein auf dich."
Albrecht bahnt sich feinen Weg durch die Zuschauer. „Gestatten!" Er steht dicht neben Katta, ihre Schultern berühren sich fast, aber er wirft keinen Blick auf die Seite.
„Scheibe bitte!" sagt er kurz und läßt ein Geldstück auf den Tisch fallen.
Unb er hört neben sich, im gleichen Tonfall wie ein Echo, mit einem leisen spöttischen Unterfangt „Scheibe bitte." (Fortsetzung fplgtj


