verfängt nicht: wenn die deutsche Luftwaffe eine wirkliche Vergeltung für diese verbrecherischen Angriffe auf deutsche militärisch bedeutungslose Städte zu üben die Absicht hatte, dann mußte sie mit gleicher Münze heimzahlen. Und wenn, wie aus London gemeldet wird, die britische Luftwaffe damit rechnet, daß die deutschen Repressalienangriffe gegen britische Städte noch viel schlimmer werden könnten, als sie gegen Bath und andere Städte im Süden gewesen seien, dann tun sie recht daran, sofern sie sich nicht entschließt, mit ihren Bombardements auf deutsche Kulturstätten und Wohnviertel aufzuhören.
Die ganze Kulturwelt wird den deutschen Standpunkt verstehen und billigen. Die „Budapester Nachrichten" schrieben: „Die Vergeltungsangriffe der deutschen Luftwaffe auf die Zerstörungen, die die Engländer an deutschen Kulturwe'?ken und Kunstdenkmälern angerichtet haben, veranlassen politische Kreise zur Feststellung, daß dieser Kulturkrieg von den Engländern durch ihre Angriffe auf Lübeck und Rostock provoziert wurde und daß daher die volle Verantwortung für diese Art der Kriegführung England trage. In Budapest ist man der Auffassung, daß unter den gegebenen Umständen die deutsche Vergeltung vollkommen gerechtfertigt ist." So wie in Budapest wird man überall denken, wo Menschen wohnen, die gerecht urteilen. Wir können immer nur wieder feststellen, daß Churchill es gewesen ist, der mit dieser Art von Kriegführung begonnen hat und daß der Führer in seiner Langmut viele Wochen vergehen ließ, bevor er die Antwort gab. Dabei wird es jetzt bleiben, solange bis Churchill sich entschließt, von dieser Art von Kriegführung abzulassen. Es wird auch in «die deutsche Luftwaffe dem Verbrecher auf noriff mit einer Vergeltung antworten, die, wie der Führer gesagt hat, sehr viel Leid über das englische Volk bringen wird. -Churchill allein hat es in der Hand, ob dieses Leid über das englische Volk kommen soll.
Oer Mord an Oberstleutnant Mustert.
Den Haag, 29.April. (DNB.) Der Friedensgerichtshof verurteilte den ehemaligen niederländischen Hauptmann B o ry zu zehn Jahren Gefängnis und den ehemaligen niederländischen Oberleutnant Kruithof zu 20 Jahren Gefängnis. Beide find verantwortlich für den Tod des Oberstleutnants Mussert, dem Bruder des Leiters der NSB. In der Begründung wird festgestellt, daß die Festnahme Musserts durch die Angeklagten im Mai 1940 ein eigenmächtiges und unrechtmäßiges Vorgehen gewesen sei. Die Angeklagten hatten auch zugegeben, daß an der Ehre des Oberstleutnants nicht der geringste Zweifel bestanden habe. Kruithof habe die todbringenden Schüsse abgegeben und sei auch der geistige Urheber der Tat gewesen. Der Generalstaatsanwalt hatte gegen Kruithof die Todesstrafe und gegen Bom 20 Jahre Gefängnis beantragt.
Das Ritterkreuz für Oberfeldwebel Stahl.
Berlin, 29. April. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz an Oberfeldwebel Stahl, der als Flugzeugführer in einem Kampfgeschwader einen Schweren Kreuzer und mehrere Handelsschiffe vernichtet hat, an der Zerstörung von 150 Feindflugzeugen und 50 Kraftfahrzeugen beteiligt war und beim Verminen des Suezkanals und verschiedener Häfen sich durch großen Schneid ausgezeichnet hat. Er ist von einem Feindflug nicht zurückgekehrt.
Feldbestellung auch am 2. Mai.
Berlin, 29. April. (DNB.) Die Zusammen- drängung der Frühjahrsbestellung infolge des lang- anhaltenden Winters und der damit verbundenen Auswinterungsschäden macht es erforderlich, jeden Tag und jede Stunde zur Beendigung der Feldbestellungsarbeiten auszunutzen. Dementsprechend sind für die Landwirtschaft bereits die Sonntage als Arbeitstage freigegeben worden. In sinngemäßer Anwendung dieser Maßnahmen wird die Landbevölkerung aufgefordert, auch am Nationalen Feiertag, dem 2. Mai, die Feldbestellungsarbeiten fortzuführen.
Kraftwagen für Schwerverfehrle.
Die Heeres-Sanitätsinfpektion hat ein Gerät entwickeln lassen, das den doppelt beinamputierten und gehbehinderten Schweroersehrten ermöglicht, Kraftfahrzeuge lediglich mit den Händen zu bedienen. Das Gerät kann an der Lenksäule jedes Serienwagens angebaut werden, ohne seine normale Verwendung zu beeinträchtigen. Kupplung und Fußbremse werden durch einen Handhebel betätigt, der neben dem Lenkrad liegt, und mit einem weiteren Handhebel wird das Gas gegeben. Die Zulassung im Straßenverkehr ist gesichert. Schwerversehrten Soldaten, die
Zynische Eingeständnisse Roosevelts.
«Mr waren auf diesen Weltkrieg vorbereitet.
//
Berlin, 29. April. Roosevelt versuchte am Dienstag in einer Rundfunkrede dem USA.-Volk fein „Programm gegen die Inflation", das er am Tage vorher dem Kongreß bekanntgegeben hatte, schmackhaft zu machen. Die bittere Pille, die er mit den angekündigten Drastischen Einschränkungen im Lebensstandard" den überraschten Amerikanern gereicht hatte, versuchte er hierbei nach Möglichkeit wieder durch seine bekannten Zahlenorgien zu versüßen. Angesicht der, wie er zugeben mußte, „Phase bedeutender Verluste, die wir in Ostasien durchgemacht haben" und des rigorosen Einschränkungsprogrammes, das er soeben verkündet hatte, fielen diese Schönfärbungs- künste allerdings nicht mehr ganz so bombastisch aus wie früher. Sie waren durchtränkt von Feststellungen wie: „Die wirtschaftliche Struktur unseres Landes wird auf die härteste Probe ae = stell t" — oder der verlogenen Behauptung, daß die Vereinigten Staaten sich niemals der Illusion hingegeben hätten, daß dieser Krieg etwas anderes als eine schwere und mühsame Arbeit sein würde". Roosevelts Wut auf Japan, das sich gegen die jahrelangen nordamerikanischen Provokationen endlich aufgebäumt hatte, verleitete ihn zu einer Feststel
lung, mit der der Weltkriegsverbrecher sich selbst schonungslos entlarvte: ,Obwohl der hinterhältige' Angriff auf Pearl Harbour die unmittelbare Ursache unseres-Eintritts in den Krieg war, so fand doch dieses Ereignis das amerikanische'Volk geistig auf einen Weltkrieg oorbereitet."
Mit zynischer Frechheit bestätigt Roosevelt hier, war er bisher noch immer abzustreiten versuchte. Zwar nicht das amerikanische Volk, er se lb st aber war auf seinen Krieg schon lange vorbereitet. Seine Diplomaten in Europa haben ihn, wie aus vielen aufgefundenen Dokumenten hervorgeht, mit allen Mitteln entfachen helfen, sein Leih- und Pachtgesetz hat ihn nach Möglichkeit auszuweiten versucht, seine Truppen besetzten in willkürlicher Ausdehnung der westlichen Hemisphäre Grönland, Island und breiteten sich sogar in Nordirland auz, und seine Kriegsschiffe, die Marine eines nichtkriegführenden Landes, schoß heimtückisch auf deutsche U-Boote. Dies alles also waren Roosevelts „geistige Vorbereitungen", die ihm dann auch endlich seinen gewünschten Krieg brachten. Vor das von ihm betrogene Volk aber tritt dieser Präsident hin und spricht von dem „großen Kämpf, in dem wir unsere freie Lebensaist retten müssen."
Oie Operationen gegen Lava.
Ein Bericht des japanischen «Seneralstabes.
Tokio, 29. April. (Europapreß.) Zum Geburtstag des Tenno veröffentlicht der japanische Generalstab einen Bericht über die Operationen gegen Java, die als die kühnsten der bisherigen Operationen bewertet werden, da der Raum zwischen Palembang auf Sumatra und der Insel Timor eine größere Breite hat, als die nordamerikamsch-kanadifche Grenze oder die Ausdehnung Europas in westöstlicher Richtung. Die Landungstruppen waren 12 Tage unterwegs, bevor sie am ersten März landeten. Die gesamte Anlage des Planes ging von zwei Voraussetzungen aus: Vor Durchführung der Landung die feindliche Flotte zu vernichten und die vollständige Herrschaft über dem Luftraum des Landungsgebietes zu gewinnen'. Die Flugplätze auf den Java benachbarten Inseln, Bandjermassin auf Südborneo, Makassar und Kendari auf Celebes, wurden in rücksichtslosem Einsatz erreicht, wobei besonders die gegen Südborneo gerichtete Unternehmung großen Schwierigkeiten begegnete. Mit der Landung auf Bali waren die für die Erringung der Luftherrschaft erforderlichen Vorarbeiten geleistet. Die Besetzung Timors beabsichtigte vor allem die Unterbindung des Luftnachschubs aus Australien.
Noch aber war die feindliche Flotte nicht ausgeschaltet, wenngleich im Seegefecht vor der javanischen Küste vom 3. Februar- drei holländische Kreuzer vernichtet worden waren. Die japanische Führung faßte trotzdem den Entschluß zur Landung auf Java, um zu vermeiden, daß Australien Zeit hätte, die holläiHische Armee durch Truppensendungen aus Australien zu verstärken. Wohl gab es während der Landung gefährliche Momente, als die feindlichen Kreuzer Houston" und „Perth" die nur durch einen Zerstörer gedeckte Landung in der Nacht zum 1. März in der Bucht von Bantam angriffen, wobei vier japanische Schiffe versenkt wurden, darunter auch das Schiff, auf dem sich der
japanische Oberbefehlshaber General Jmamura mit seinem Stab befand. Unter dem Granatfeuer der feindlichen Schiffe und dem Bombenhagel der feindlichen Flieger mußte der General mit seinem Stab durch ausgelaufenes Bunkeröl mühsam schwimmend den Strand erreichen. Doch bereits am 8. März waren die holländischen Generale mürbe und nahmen die Kapitulation an, obwohl sie allein im Abschnitt von Bandoeng noch über 20 000 Mann in stark befestigten Stellungen hatten, von denen die meisten überhaupt noch keinen Schuß abgefeuert hatten. :■
Lashio von denIapanern besetzt
Lissabon, 29. April. (Europapreß.) Japanische Truppen sind bis zur Bahnlinie Mandalay—Lashio vorgestoßen und haben damit die für Krieasmaterialtransporte nach Tschungking wichtige Zubringerstraße unterbrochen. Japanische Truppen sind in Lashio einmarschiert. Weiter besteht die Gefahr, daß die Verbindung mit der Burmastraße noch von einer anderen Seite abgeschnitten wird, weil es den japanischen Streitkräften gelungen ist, die östliche Flanke- der chinesischen Truppen zu umgehen und den Ort H s i p a w zu bedrohen. Den zur Verteidigung von Mandalay eingesetzten Tschungking-Steitkräften soll durch den japanischen Vorstoß der Rückzug nach Norden abgeschnitten sein. Der japanische Vorstoß im Rücken der Tschunking-Front soll vollkommen unerwartet erfolgt sein. Unter dem Eindruck der sich überstürzenden ungünstigen Meldungen über die militärische Lage in Burma sei May Jow, bas. seit dem japanischen Vormarsch auf Mandalay zur provisorischen Hauptstadt Burmas erklärt worden war, von den britischen Regierungsbehörden geräumt worden.
auf die Benutzung eines Fahrzeuges angewiesen sind, wird auf Reichskosten ein mit dem Gerät aus- geftatteter Kraftwagen geliefert, damit sie ihrer Berufsarbeit nachgehen können. Der Wagen bleibt eine gewisse Zeit Eigentum des Reiches. Für Unterhalt, Betriebsstoff, Reparaturen und Versicherungen werden monatliche Zuschüsse gezahlt.
Oie Hauptschule.
Der Reichserziehungsminister hat Bestimmungen über die Hauptschule herausgegeben. Als Pflichtausleseschule hat sie die Grundlagen für jene mittleren Berufsschichten zu schaffen, deren Arbeit erhöhte Geschicklichkeit der Hand und vertiefte Ein- icht in die Bedeutung des eigenen Berufs und in eine Zusammenhänge mit der Volkswirtschaft er- ordert. Sie dient damit besonders den Bedürfnissen aller mittleren und gehobenen praktischen Berufe in Landwirtschaft, Handel, Handwerk, Industrie, Verwaltung und Erziehung sowie aller hauswirt- schaftlichen, pflegerischen, sozialen und technisch- künstlerischen Frauenberufe. Sie ist besonders geeignet, der Vorbereitung zum Besuch aller jener weiterführenden Bildungseinrichtungen zu dienen, die nicht den Besuch der höheren Schule voraus-
setzen. Die Erfüllung dieser Ausgabe erfordert eine enge Verbindung der Hauptschule mit dem Berufsleben, wobei die Schularbeit jedoch die Einheit des Lebens erfassen soll. Die praktische Arbeits- und- Betrachtungsweise wird der theoretischen vorgezogen. Außer der Eingliederung des vorwiegend auf späteren praktischen Gebrauch abzielenden fremdsprachlichen Unterrichts, der Kurzschrift und des geometrischen Zeichnens für Jungen bedingt die Aufgabenstellung eine starke Betonung der mathematisch-naturwissenschaftlichen, technisch-merklichen und hauswirtschastlichen Fächer. Die Hauptschule erfüllt zugleich die Aufgaben der oberen vier Jahrgänge der Volksschule. Die für die Hauptschule geeigneten Schüler sind zu ihrem Besuch verpflichtet, wenn sie nicht eine höhere Schule besuchen. Das wird ermöglicht durch Schulgeldfreiheit und im Be- byfsaüe durch Schülerheime mit Freiplätzen. Auch in rein bäuerlichen Gegenden soll die Hauvtschule Vorbereitung finden, um der Abwanderung der Dorfjugend entgegenzuwirken. Schulwanderungen und Schullandheime sollen für die Hauptschule eingesetzt werden. In hervorragender Weise soll auch die Heimat die Schularbeit bestimmen. Auch Besichtigung, Rundfunk, Zeitung und Zeitschrift sind planmäßig einzuschalten.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichsminister des Innern und der Reichs» Minister für Volksaufklärung und Propaganda geben bekannt: Die am Nationalen Feiertag des deutschen Volkes übliche allgemeine Beflaggung und Ausschmückung der Gebäude unter« bleidtin diesem Jahr.
Auf einer vom „Amt für Berufserziehung und Betriebsführung" der Deutschen Arbeitsfront in Berlin stattfindenden Kriegsarbeitstagung der Gaube- rufswalter und Mitarbeiter der Fachämter, die von Ministerialdirektor Prof. Arnhold geleitet wurde, sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley. Er stellte den Satz: „Die Leistung ist unsere Ehre" in den Mittelpunkt seiner Darlegungen.
Der 1. Mai wirb in diesem Jahre auch in Frankreich als Fest der Arbeit gefeiert. Sämtliche Betriebe sind an diesem Tage geschlossen. Die Arbeiter und Angestellten erhalten jedoch auf Grund eines Regierungserlasses die ausfallende Arbeit bezahlt.
Der Führer hat dem Generaldirektor a. D. der staatlichen Museen in Berlin, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Otto Ritter von Falke in Berlin-Nikolassee aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste als Museumsleiter und Kunstforscher die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. *
Der deutsche Gesandte in Rumänien, Manfred von Killinger, wurde durch ein von Marschall Antonescu unterzeichnetes Dekret zum Ehrenbürger von Rumänien ernannt.
*
Der finnische Generalmajor Aarne Snellmann ist in einem Lazarett den Verwundungen erlegen, die er in den letzten Kämpfen auf der Landenge von Aunus davongetragen hat. Er war einer der ältesten Offiziere der finnischen Armee.
Kunst und Wissenschaft.
Grabbe-Tage in Hamburg.
Mit den Hamburger Grabbe-Tagen haben die Freunde der Grabbe-Gesellschaft mit einer Aufgabe begonnen, die im Zeichen der Rückbesinnung auf das dramatische Werk eines lange vergessen gewesenen Dichters steht. Dr. Heinrich Hollo (Detmold) bot in seinem Vortrag „Grabbes Lebenskampf in feinen Werken" ein lebendiges Bild vom Wesen und Werk eines Dichters, dessen Sein und Schaffen vom Hunger nach wirklichem Leben, der Frage nach dem Sinn des Daseins und dem tiefen Ringen um die letzte Antwort getragen war. Der Vortrag von Johannes Bertram weitete sich über sein Thema: „Das Liebesproblem in „Don Juan und Faust", zur umfassenden Wertung« eines totalen Dichters, der in sich selbst und im Spiegel seines Werks die ungeheure Polarität kosmischen Seins und Ringens begriff. Auch der Vortrag des Hamburger Universitätsdozenten Dr. Fritz Martini führte trotz der Einengung auf das Thema „Grabbes niederdeutsches Drama" zur Schau der völkischen Gesamtpersönlichkeit und des nationalen Werkes, das der aus dem Wachstumsgrunde seiner westfälisch-niederdeutschen Stammestümlichkeit Schaffende und Gestaltende feinem Volke hinterließ. Die beiden im Spielplan des Thalia - Theaters stehenden Grabbe - Werke „Don Juan und Faust" und scherz, Sa- tire, Ironie und tiefere Bedeutung" unter der sorgfältigen Leitung von Paul M u n ■ darf und Dr. Hans Weißbach und der am Schlußabend durch Johannes Bertram regitierte ,.Hanniba l" unterstrichen die Tatsache, daß das Kraftgenies Grabbes trotz der Fragmenthaftigkeit des durch frühen Tod unterbrochenen Schaffens der deutschen Bühne ein Kolossalwerk hinterlassen hat.
E. D. Eschmanns „Ariadne".
Ernst Wilhelm Eschmanns Trauerspiel „Ariadne", das vor kurzem in Gießen seine Uraufführung erlebte, wurde von Staatsschauspieldirektor Otto Baldenberg für die Kammerspiele in München erworben und soll in der Spielzeit 1942/43 zur Erstaufführung kommen.
Alpenblumen.
Das Münchener Kulturamt hat in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein München eine Ausstellung von besonderer Eigenart zusammengestellt. Zum erstenmal werden hier in lückenloser Reihe die Alpenpflanzen in künstlerisch-handwerklicher Darstellung gezeigt. Es handelt sich bei dieser Schau um die Kunstblätter eines künftigen Mappenwerkes, das der Insel-Verlag bei dem Münchener Künsller Josef Weisz in Auftrag gab, und dessen bisher fertiggestellte 60 Blätter (das Werk wird deren hundert umfassen) hier zum erstenmal der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zugleich stellt Josef Weisz Landschaftsbilder der Alpen in Bleistift- und Tuschzeichnung aus.
Warnung aus Stendal Roman von A. Lothar Philipp
18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Vielleicht bleibt er deswegen fern, um nicht gezwungen zu werden, auszusagen, was das Motiv der Tat war. Vielleicht — um Sie zu schützen?"
Petersen hatte diese Möglichkeit in die Debatte geworfen.
Elisabeth sah ihn groß an und schien ernstlich diese Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.
„Demnach sollte ich — müßte ich —",,stammelte sie und blickte dann ratsuchend zu Willis auf.
„Wann sind Sie denn nach Berlin gekommen?" fragte Willis, der einem ganz anderen Gedanken nachging.
„Lassen Sie mich einmal nachrechnen", gab Elisabeth zur Antwort, „am 26. fuhr ich nach München, am 28. war ich in Hamburg — am 29. kam ich nach Berlin. Ich weiß es genau, drei Tage vor dem Ersten."
„Also einen Tag nach dem Morde —" sagte Petersen. Dann schien er selber vor dem Verdacht, der in diesen Worten lag, zu erschrecken und blickte ein wenig scheu zu Elisabeth.
Wie sonderbar war es doch, dachte er, daß Elisabeth am 1. September, als sie die Willis in der Kantine traf, noch nichts von dem Morde gewußt haben wollte, obwohl seit dem 29. August schon alle Zeitungen davon voll waren. Sollte sie sich so gut verstellt haben?
Willis mochte einen ähnlichen Gedanken haben.
„Sind Sie schon bei der Polizei gewesen?" fragte er sie. „Sie sagten doch damals. Sie hätten die Absicht —"
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich habe Angst", sagte sie leise, „ich weiß nicht, was ich tun soll." In ihren Worten lag ein Flehen: so rate mir doch!
„Wenn Sie über den Mord selber nichts wissen", riet er ihr nach reiflichem Ueberlegen, „so besteht für Sie auch keine Verpflichtung, zur Polizei zu gehen. Lanos hatte viele Bekannte, da müßte ja sich jeder von ihnen verpflichtet halten, zur Polizei zu gehen, wir auch. Das geht doch fiu weit."
„Das meine ich auch", stimmte Welt bei.
Und dann versank er wieder in Schweigen. Nur hin und wieder blickte er seufzend zu ihr hinüber.
Petersen tanzte mit ihr.
Während des Tanzes fragte er:
„Ich habe mir die Sache überlegt, Elisabeth. Ich meine, Sie müßten zur Polizei gehen. Schon, um Gewißheit darüber zu bekommen, daß Sie nicht die Ursache der Mordtat waren."
Sie antwortete nichts.
Elisabeth hoffte bann, daß Willis sie zum Tanze auffordern würde. Statt seiner erhob sich aber Welt und bat sie um einen Tanz.
„Vielleicht wäre es doch besser", sagte er dabei, „ich meine — wenn Sie dadurch Klarheit schassen könnten, daß Sie zur Polizei gehen, aber es ist nur so eine Meinung, ich will Sie beileibe nicht drängen —"
Gegen 11 Uhr erhob sie sich, um auf ihr Zimmer ah gehen. Welt und Petersen gingen hinter ihr, Willis an ihrer Seite.
„Welt und Petersen raten mir, zur Polizei zu gehen", flüsterte sie ihm zu, damit es die hinter ihr Gehenden nicht hören konnten, „sie meinen, es sei gut, Klarheit darüber zu schaffen, ob ich nun die Ursache der Mordtat bin ober nicht. Was raten Sie mir?"
„Ich glaube nicht, daß Sie direkt oder indirekt auch nur das Geringste mit der Sache zu tun haben, Elisabeth", sagte er, „warten Sie ab, bis Sie selber in sich die Verpflichtung dazu fühlen. Vielleicht kommt diese Zeit einmal. Ich habe keinen Zweifel daran, daß alles noch gut werden wirb."
„Ich danke Ihnen", gab sie leise zur Antwort. — Und dann war sie bald wieder allein in ihrem Zimmer und all die schweren und quälenden Ge
danken tarnen wieder und verschafften ihr Unruhe und schlaflose Nächte.
War sie es Lanos und Barthold schuldig, zur Polizei zu gehen und vielleicht durch ihre Aussagen dazu beizutragen, daß dieses entsetzliche Geheimnis geklärt wurde? Aber würde sie dadurch nicht Lanos belasten müssen? Vielleicht würde man ihm allein durch ihre Aussagen auf die Spur kommen, ihn verhaften, verurteilen und hinrichten — hinrichten — wegen Mordes an dem einzigen Freund, den sie je gehabt hatte?
In diesem Zwiespalt, bas fühlte sie, konnte ihr auch Willis nicht helfen.
Hilfe kam ihr vielmehr von einer Seite, von der sie' es niemals erwartet hatte, von Barthold. Es war, als fühle er noch im Tode die Pflicht, ihr zur Seite zu stehen und ihr zu helfen.
Am nächsten Tage nämlich, als die drei Willis bas Hotel verließen, stand vor dem Empfang eine junge, blaffe einfach gekleidete, schüchterne Frau, die den drei Männern in ihren gleichen Anzügen verwundert nachschaute und sich dann an den Empfangschef wandte.
„Wohnt Fräulein Perling hier?"
Der Empfangschef warf einen Blick auf die Liste und sagte dann:
„Fräulein Perling — Einhundertfünfundvierzig — sechsundvierzig — wen darf ich melden?"
„Leeds —" gab die junge Frau zur Antwort, „Frau Leeds —"
Fünf Minuten später stand sie vor Elisabeth Perling.
„Frau Leeds?" fragte Elisabeth, „bitte, nehmen Sie doch Platz. Was kann ich für Sie tun?"
Die junge Frau warf einen Blick in den Spiegel, der die Bilder der beiden Frauen zurückwarf, und bann sagte sie leise:
„Sie werben verzeihen, baß ich Sie beläftige, ba Sie mich doch gar nicht kennen — aber — ich wollte Sie mal fragen, ob Sie wissen, wo Anton ist."
„Anton?" fragte Elisabeth befremdet, „welcher Anton denn?"
„Anton Sumor, mein — Mann, bas heißt — wir sind nicht miteinander verheiratet — wissen Sie, aber wir wohnen zusammen und vor einigen Tagen ging er weg und ist seitdem nicht mehr zurückgekehrt. Ich habe in Stendal angefragt, wo er arbeitete, aber die wußten auch nichts, und bann las ich in der Zeitung, daß Sie hier sind, und Ihren Namen kannte ich, weil Anton oft von Ihnen sprach —"
Elisabeth legte die Hand an die Stirn und schloß die Augen.
„Ich kenne keinen Anton Sumor", sagte sie, „ich verstehe das alles nicht — aber der Name, wo habe ich doch neulich-den Namen gehört ober gelesen?"
„Aber wie kann Anton von Ihnen sprechen, wenn Sie. ihn nicht kennen?" fragte die kleine Frau mieber, „er hat Sie mir auch ganz genau beschrieben — mit ben hellblonben Locken und den blauen Augen unb — vielleicht entsinnen Sie sich doch?"
Elisabeth schüttelte den Kopf.
„Wohnen Sie hier — in Berlin?"
„Ja, am Schlesischen Bahnhof — ich bin nämlich sehr in Sorge um ihn, benn er schien immer etwas zu fürchten. Als wir.bie Wohnung nahmen, ließ er sie auf meinen Namen anmelben, er selbst meldete sich nicht an, weil er ja beim Zirkus arbeitete —"
„Beim Zirkus?" warf Elisabeth ein, „war er Artist?"
Die Frau blickte auf. In ihren grauen Augen lag ein Ausdruck der Furcht.
„War?" wiederholte sie leise, „wieso war?" Er ist Artist, unb wenn er auch nicht mehr als Akrobat tätig ist, seit er damals fein Bein gebrochen hat, so ist er doch Artist."
„Vielleicht erzählen Sie mir, wie Sie ihn kennenlernten, unb wo er zuletzt tätig mar", schlug Elisabeth vor, „ich möchte Ihnen gern helfen, aber ich muß Ihnen offen sagen, ber Name ist mir unbekannt, wenngleich ich glaube, ben Namen kürzlich erst noch gelesen zu haben."
(Fortsetzung.folgt.)


