(iß aber kurzerhand zu beseitigen, wenn es die politischen Ziele Englands erforderlich machten. Portugal (ft konsequent den Weg der Neutralität in diesem Krieg gegangen, nachdem es schmerzliche Erfahrungen im ersten Weltkrieg machen mußte, wo es sich für die englische Kriegspolitik einfangen ließ. Der portugiesische Ministerpräsident hat in seiner Rede darauf hingewiesen, daß England bei Beginn dieses Krieges keinerlei Verständnis für die Neutralität Portugals gezeigt hat, daß es vielmehr immer wieder durch Drohungen und durch wirtschaftliche Schädigungen eingeschüchtert werden sollte. Dabei wurde England getreulich von Roosevelt unterstützt, der in seiner Presse unverblümt die Forderung aufstellen ließ, die portugiesischen Inseln im Atlantik als Stützpunkte zu besetzen. Auch ist man in England und Nordamerika nicht davor zurückgeschreckt, Portugal als geeignetes Aufmarsch- gebiet für eine Invasion des europäischen Kontinents zu nennen.
Portugal hat mit Disziplin und Opfern alle Lasten der Neutralität auf sich genommen. Seine Regierung hat in voller Erkenntnis der Schicksalsstunde Portugals mit Erfolg sowohl die wirtschaftliche wie moralische und politische Verteidigung der portugiesischen Neutralität organisiert und geführt. Man tonn von ihm nicht behaupten, daß es ein Feind Englands ist; denn England kann sich rühmen, Portugal zu seinen ältesten Verbündeten rechnen zu können. England hat diese Freundschaft allerdings dadurch realisiert, daß es Portugal zur Domäne der englischen Finanz und zum Ausgangspunkt seines Geheimdienstes machte.
Aber gerade weil Portugal seine Neutralität zu verteidigen wünscht und nach dem Kriege mit einem Neuaufbau Europas rechnet, deshalb sieht es in dem englisch-sowjetischen Pakt eine Gefahr für Europa allgemein wie auch für die einzelnen Völker. Salazar wies bei Erwähnung dieses britischen Verrats an Europa ebenso besorgt wie mahnend darauf hin, welche Auswirkungen sich aus dieser unnatürlichen Allianz für das englische Volk ergeben könnten. Gerade mit Rücksicht auf die gewaltigen wirtschaftlichen Schäden, die dieser Krieg für alle Völker im Gefolge haben muß, deutete er die Solidarität der europäischen Völker an, die notwendig ist für den Neuaufbau Europas.
In vorsichtiger Form bekennt sich Salazar zu dem neuen Regime, das hervorgerufen wurde „durch die allgemeine Notwendigkeit, der Unordnung zu entrinnen und dem Elend zu entfliehen". Selbst England und Amerika nehmen jetzt einige Vorteile des neuen Regimes an. „Die allgemeine Linie der politischen Entwicklung Europas — in diese schließe ich vor allem die soziale Sorge ein mit ihren Bestrebungen, „einen neuen Menschen" zu bilden — ist definiert, angenommen und erprobt durch die schweren Zeiten und durch die Tatsache des Krieges."
Es ist sicher — und die Entwicklungen in den einzelnen Völkern beweisen es —, daß sich die Erkenntnis ^über die Erfordernisse des neuen Europa mehr und mehr durchsetzen werden. Die Betrachtungen Salazars zu dem Europa von morgen beweisen das. Er kennzeichnet das neue Europa nach den Grundsätzen, die sich als zwingend herausgestellt haben: Autorität, Arbeit und soziale Fürsorge. Man möchte deshalb die Rede Salazars als das Bekenntnis zu einem durch die mancherlei Erscheinungen dieses Krieges erweckten neuen Europa bezeichnen. Po.
General Elias hingerichtet.
Der ehemalige Ministerpräsident der Protektoratsregierung, General Elias, ist, wie jetzt bekannt wird, am 19. Juni hingerichtet worden. Elias war am 1. Oktober 1941 vom ersten Senat des Deutschen Volksgerichtshof wegen Begünstigung des Feindes und Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt worden und hätte f i ch auch schuldig bekannt. Die Entscheidung über die Vollstreckung des Urteils war seinerzeit ausgesetzt worden, weil die Aussagen von Elias in einigen anderen Verfahren erforderlich waren.
Militärkonferenz in Kairo.
Sofia, 28. Juni. (Europapreß.) In Kairo hat eine Militärkonferenz stattgefunden, die von General A u ch i n l e ck geleitet wurde. Anwesend waren außer General Ritchie der Chef der britischen Streitkräfte in Aegypten, General Stone, General Wilson als Oberbefehlshaber der 9. Armee, General Quinen als Oberbefehlshaber der 10. im Irak stationierten Armee, General K o p a n s k i
Oer blinde Passagier.
Von Erich Paetzmann.
In dem vordersten Wagen des Stadtbahnzuges von Bernau nach Berlin waren in Zepernick nur drei Plätze besetzt, und zwar von einem jungen Mann, einem noch jüngeren Fräulein und einer mittelgroßen Einkaufstasche. Es war eine schöne, rot-gelb gemusterte Basttasche, die offenbar zu dem Fräulein gehörte.
Der junge Mann gehörte nicht zu dem Fräulein, aber seine Bemühungen gingen sichtlich darauf hin, diesem Uebelstand abzuhelfen. Seine Wicke wanderten immer wieder zu ihr hinüber, es gelang ihnen jedoch nicht, durch den eisigen Panzer ihrer Abweisung Lurchzudringen. So fuhren sie denn schweigend auf Berlin zu.
Da ertönte plötzlich von der Bank des Fräuleins her ein seltsames Gluckern und Scharren, so, als säße irgendwo im Gestänge unter dem Sitz eine Henne festgeklemmt und könnte nicht mehr loskommen. Der junge Mann horchte verwundert auf.
„Verzeihen Sic, Fräulein, hören Sie das auch?" „Was denn?" fragte sie nicht sehr freundlich.
„Da — jetzt wieder. Als wenn ein Huhn im Abteil märe."
„Nein, ich höre kein Huhn!" sagte sie und blickte frostig aus dem Fenster. Eine Weile war es still. Dann setzte das Kratzen und Tuckern mit erhöhter Heftigkeit wieder ein. Es hörte sich so an, als werde die Henne sich plötzlich der ganzen Gräßlichkeit ihrer Lage bewußt und setze nun verzweifelt ihre letzte Kraft daran, sich zu retten.
„Verzeihen Sie", begann der junge Mann von neuem, „es muß doch ein Huhn hier sein. Wenn Sie vielleicht mal aufftehen wollten?"
„Ich weiß nicht, was wollen Sie denn von mir?"
„Ich wollte nur mal Ynter Ihrem Platz nachsehen, ob es da vielleicht —"
„Nein, unter meinem Platz ist nichts. Lassen Sie mich dach endlich mit Ihrem Huhn zufrieden."
„Bitte!" sagte der junge Mann beleidigt und suchte sich einen anderen Platz.
Wieder blieb es eine Zeitlang still. Man näherte sich schon dem Bahnhof Buch, und der junge Mann überlegte gerade, ob er nicht in ein Raucherabteil umsteigen wollte. Da sah er, wie sich die rot--gelbc
MageresLrgebmsderKonferenzvonWashmgton
Von unserer Berliner Schriftleitung. -
as nun?"
Bedeutuni
Kommandanten, dem Oberstleutnant Ritterkreuzträger Haase, monatelang überlegene Angriffe heldenmütig abgewehrt hat.
Die argentinische Nationalversammlung billigte einstimmig den bereits gemeldeten Rücktritt des Staatspräsidenten Ortiz und sprach ihm ihren Dank für die geleisteten Dienste aus. Ortiz ist wegen schwerer Erkrankung zurückgetreten. Vizepräsident Castillo wird die Geschäfte des Staatspräsiden-- ten bis zum Ablauf der Amtsperiode 1944 führen.
entscheidenden Sieg des Beharrens, Kertsch, Charkow und Sewastopol sind Sturmzeichen für Moskau. Die Engländer wurden in Libyen vernichtend geschlagen, auf den Ozeanen bestimmen die U-Boote, die englische Flotte im Mittelmeer hat keine Be- wegungsfreiheit mehr. Aber für Roosevelt und Churchill ergibt sich ein für ihren Sieg günstigeres Gesamtbild»
schäft für Handel, Industrie und Wissenschaft" her« oorgeht. Alle in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung Führenden und Tätigen können Mitglied werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, daß Firmen, Vereinigungen, Körperschaften und Institute korporative Mitglieder werden können. Die Gesellschaft wird Vorträge, Vorlesungen und Arbeitsge« meinschaften veranstalten. Der Gackleiter übernimmt das Ehrenpräsidium. Die Gründung der neuen Ge- meinschaftsstätte erfolgt am 1. Juli in Anwesenheit von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger. Nach Ausführungen von Prof. Dr. Wehrle zu dem Thema Wirtschaftslenkung wird der Gauwirtschaftsberater, Gauamtsleiter Ävieny, sprechen.
Lissabon, 28. Juni. (Europapreß.) Die Tage von Washington sind vorüber, Churchill ist wieder daheim. Schon beginnt hüben wie drüben das erneute Fragen nach dem „was nun"? Man^ hat sich nur feine Sorgen gegenseitig testiert. Körperschaften, Presse und öffentliche Meinung der beiden angelsächsischen Bruderstaaten hauen in die gleiche Kerbe. Ganz ohne Gehässigkeiten auf beiden Seiten geht es nicht ab. Tobruk gibt den Nordamerikanern den willkommenen Anlaß dazu. Zeitungen, wie „Washington Post", „New Pork Times" und „Baltimore Sun" stellen den Britengeneralen Marschall Rommel ganz offen als nie erreichbares Vorbild hin. Die Briten ihrerseits sind gegenüber dieser nordamerikanischen Einstellung auch nicht ganz unempfindlich. So sieht sich die „Daily Mail" veranlaßt, ihren Landsleuten zu sagen, sie sollten ihren nordamerikanischen Bundesgenossen gegenüber doch nicht gar zu demütig sein. „Wir müssen", sagt das Blatt, „endlich aufhören, uns wie arme Verwandte zu benehmen. Wir laufen in den USA. herum, wie Vertreter von Staubsaugern, die nicht besonders willkommen sind. Die Amerikaner zeigen uns die kalte Schulter, weil wir mit dem Hute in der Hand herumgehen. Wir bemühen uns jetzt, Amerikaner zu sein. Wir bemühen uns so sehr, die Amerikaner nicht zu verletzen, daß wir dabei ihren Respekt verlieren". „Warum find die D e u t= scheu uns immer einen Schritt vor - aus?", ruft das Blatt verzweifelt aus. Man fei in England und in USA. nicht fähig,Waffen zu erzeugen, die den Deutschen überlegen oder auch nur gleichwertig wären. Die bisherigen übereilten Augenblicksbehelfe aber könnten England niemals über den Berg helfen. Noch wichtiger indessen sei die Frage genügenden Schiffsraums. „Was uns auch immer fehlen möge, Schiffe müssen mir bauen, denn ohne Schiffe sind wir verloren. Man erklärt zwar, die Stapelläufe würden bald in unerhörter Zahl vor sich gehen.. Leider aber liegt keine Angabe darüber vor, daß wir mehr Schiffe 'bauen, als verloren gehen."
Die ersten nordamerikanischen Pressestimmen zum
als „Kommandeur" der polnischen Emigranten, Admiral H a r w o o d , der Luftmarschall Tedder als Chef der nordamerikanischen Kommission, der Generalstabschef General Maxwell und die nordamerikanischen Luftwaffenchefs aus Syrien. Die Konferenz hatte die Aufgabe, die in Aegypten entstandene neue militärische Lage zu besprechen.
Kleine politische Nachrichten.
Auf Einladung des Berliner Gauleiters traf eine Kampfgruppe in der Reichshauptstadt ein, die als Besatzung eines Stützpunktes im Osten unter ihrem
Die Oeffentlichkeit fragt:
Produktion neuen Schiffsraums sehr stark von Monat zu Monat." Wer die amtliche Verlautbarung der Schönfärber richtig zu lesen versteht, fühlt heraus, daß die Versenkungsziffern und nicht die Neubauten die ozeanische Lage beherrschen.
Dann folgen einige verbindliche Worte an die. Adresse von Moskau und Tschungking, für die sich Stalin und Tschiangkaischeck nichts kaufen können. Die Verlautbarung schließt mit dem berühmten optimistischen Ausblick": „Es besteht nach unserer (!) Ansicht kein Zweifel, daß das Gesamtbild für den Sieg günstiger ist, als es für August oder Septem-
Anlernmaßnahmen.
Damit die. zahlreichen, insbefonbere auch ausländischen Arbeitskräfte, die der Rüftungswirtschaft zugeführt werden, in kurzer Zeit produktiv angesetzt werden können, hat der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz an alle Betriebe der Eisen- und Metallwirtschaft (einschl. der öffentlichen Betriebe), ferner Betriebe anderer Wirtschaftszweige, die Metallarbeiterbedarf haben oder sich für die Anlernling von Metallarbeitern eignen, verpflichtet, laufend Anlernmaßnahmen in dem Höchstmaße durchzuführen, das sich bei Ausnutzung aller betrieblichen und personellen Möglichkeiten erreichen läßt.
Die Einstellung von Hausgehilfinnen.
Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitsein« satz hat die Arbeitsämter angewiesen, über Anträge auf Zustimmung zur Einstellung einer Hausgehilfin nach sorgfältiger Prüfung unter Berücksichtigung der allgemeinen Arbeitseinsatzlage, des Bedarfs der Haushaltungen mit Kindern und insbesondere der kinderreichenHaushaltungen sowie d4r Verhältnisse der Haushaltungen zu entscheiden. Die Zustimmung ist insbesondere zu erteilen, wenn
Kommunique über den Abschluß der Besprechungen zwischen Churchill und Roosevelt zeigen, daß die Amerikaner mit einer gewissen Beklommenheit dem zur Schau gestellten Optimismus begegnen. So schreibt „New Port Herold Tribüne", das Dokument fei der „Stimmung des Augenblicks angepaßt". Beredsamkeit wäre nicht am Platze gewesen, und heiterer Optimismus hätte nicht überzeugend gewirkt. Zwar werde Nordafrika nicht besonders erwähnt, aber es fei offenbar das Betätigungsfeld der Strategen. Die „Baltimore Sun" sagt: „Von unserer Seite sollte man mehr die Schattenseite der Lage betonen. Der Transport bitbet nach wie vor das Hauptproblem der vereinigten, Nationen." „Washington Post" erinnert daran, daß, Roosevelt selbst vor einer Unterschätzung der Produktionsleistungen gewarnt und anerkannt habe, daß die Transportfrage noch das Hauptproblem bilde. „Die bittere Tatsache bleibt bestehen, daß die vereinigten Nationen sich noch in der Defensive befinden und keine noch so große Menge an militärischer Ausrüstung, die unsere Fabriken am laufenden Band liefern, wird die Tatsache automatisch ändern. Unsere Feinden werden nur durch den Einsatz dieser Mittel am rechten Ort geschlagen, und dies wird BlutvonAmerikanern kosten."
Der amerikanische Militärkritiker Hanson W. Baldwin erklärt, die großen Siege Rommels über die britischen Truppen würden voraussichtlich für die Engländer die Notwendigkeit nach sich ziehen, die in der Levante stehenden Truppen zurVerstärkungderägyptischenFront heranzuführen, um damit den eigentlichen mittleren Osten in seiner Verteidigungskraft zu schwächen. Es fei nicht ausgeschlossen, daß Großbritannien sogar noch USA.-Menschenmaterial für die Kämpfe im Mittelmeerraum an fordere. Es sei eines der großen Rätsel dieses Krieges, warum Roosevelt bisher noch keine Panzerdivisionen nach Aegypten geschickt habe. Spiele auch hier vielleicht die sehr lange Nachschublinie und die Knappheit an Schiffsraum eine entscheidende Rolle?
von entscheidender Bedeutung für unser aufstrebendes Volk. Eine übergeordnete Planung werde in Zukunft für Auflockerung der Städte Sorge tragen. Die sodann bekanntgegebenen Zahlen aus der Arbeit des Deutschen Siedlerbundes seit Kriegsbeginn bewiesen die Leistung, die der Siedlerbund in der Beschaffung von Düngemitteln, Futtermitteln, Saat- und Pflanzgut sowie vielem anderem geleistet habe. Die Ertragssteigerung in den Siedlungen sei außerordentlich groß. Sodann sprachen Dr. von Rhein, Geisenheim, stber die wehrwirtschaftliche v der Seidenraupenzucht, Gontarski vom Reichssiedlungshof über die Biene als Helferin des Siedlers, Hauptabteilungsleiterin Frau Mertens über die Aufgaben der Frau im Kriege, Dierzuchtwart Jung vom Reichsnährstand über Ziegenzucht.
Siedlungswerkes.
N<^G. In Frankfurt fand die Haupttagung des RheiN-Mainischen Siedlungswerkes und in Verbindung damit die Lehrtammg des Deutschen Siedler- bunoes und Deutschen Frauenwerkes statt. Der Tagungsleiter, Dipl.-Landwirt Völling, erklärte, daß der Nationalsozialismus eine Ausweitung der Siedlungen und Dauerkleingärten wünsche, also eine Verbindung der arbeitenden Stände aller Berufe mit dem Grund und Boden. Auf der Siedlerstelle herrsche ein glückliches Familienleben, die Arbeit im Garten gewähre wohltuende Entspannung. Darüber hinaus würden auf der Siedlerstelle tierische und pflanzliche Nahrungsgüter erzeugt, auf die wir besonders im Kriege nicht verzichten können. Die Heimstätte gebe der Famllie Freude am Kind. Dies sei
Aus dem Reich.
Das Haus der Wirtschaft in Frankfurt
NSG. Nationalsozialistische Wirtschaftspolitik und' die im Krieg verstärkt notwendige Wirtschaftssteuerung benötigen ein Mitgehen der Wirtschaft, eine willige Einsatzbereitschaft ihrer Führerschicht in lebendiger Verbindung mit Wissenschaft und Verwaltung. Das ist nur zu erreichen, wenn man den in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung Tätigen Gelegenheit gibt zu aktiver Mitarbeit an den Lebensfragen der Volksgemeinschaft. Deshalb hat der Gauleiter dem Gauwirtschaftsberater den Auftrag gegeben, den bei der Bewältigung dieser Aufgaben Führenden und Tätigen zum Nutzen der Volksge« meinschaft eine Stätte lebendigen ® e ■ dankenaustausches und der Gemeinschaftspflege zu schaffen. Diese Anregung ist jetzt durch die Errichtung des „Hauses der Wirtschaft" verwirklicht worden, das aus der früheren „Frankfurter Gesell-
Churchill ist — wie Reuter mit einem unglücklichen Zungenschlag meldet — „wohlbehalten" in' London wieder eingetroffen. Damit war auch das Zeichen für die offizielle Verlautbarung über seinen Besuch in Washington gegeben, die man nicht vor seinem gelungenen Rückflug veröffentlichen wollte, um uns nicht das Datum zu verraten. Bei seinen ersten beiden Besuchen in Washington benutzte Churchill noch Kriegsschiffe, jetzt vertraut er sich dem Flugzeug an. Das und die getroffenen Vorsichtsmaßnahmen zeigen das Abgleiten der britischen Seemacht am augenscheinlichen Beispiel des ersten Staatsmanns der britischen Insel.
Die Verlautbarung von Washington sagt gleich am Eingang: „Wir unterschätzen unsere Aufgabe nicht. Wir führten unsere Besprechungen in voller Kenntnis der Macht und der Mittel unserer Feinde." Etwas Bescheidenheit hat man also schon gelernt! Dann heißt es, daß die Erzeugung von Kriegsmaterial „im großen ganzen ein optimistisches Bild" ergäbe, aber „die vorher geplante Monatsleistung nicht ihr Maximum erreicht" habe. Ausdrücklich wird zugegeben, daß die weite Ausbreitung des Krieges Truppen- und Materialtransporte zum wichtigsten Problem gemacht hat. Die berühmte „Kriegsausweitung" schlägt ihren eigenen Herrn. Dann folgt das kardinale Hauptgeständnis: „Während die U-Bootkriegführung der Achse weiterhin schwere Opfer an Frachtschiffen fordert, steigt die tatsächliche
her des vergangenen Jahres war." Nach einem humorigen deutschen Sprichwort pflastern gute Vorsätze den Weg zur Hölle. Bei den Engländern und Amerikanern wird der Wea zum Siege mit Nieder^ lagen gepflastert. Seit der Dezember-Zusammenkunft » Saa? -ft
Churchills und Roosevelts wurde Malaya, Singapur, XDüUpttagUNg 066 NyelN-MMNNPeN Java und Burma von den Japanern erobert, die deutsche Ostfront hielt stand und erfocht damit einen
Tasche mit einem Male zu bewegen anfing und unter ängstlichem Gegacker bald nach der einen Seite, bald nach der anderen schwankte. Er erhob sich in seiner ganzen Länge von seinem Sitz, um dieses Wunder besser betrachten zu können, vielleicht auch, um zu sehen, was das Fräulein dazu sagen könnte. Aber bas, sagte gar nichts, sondern starrte krampfhaft und hochroten Gesichts aus bem Fenster.
. Der Zug fuhr gerade auf dem Bahnhof ein, als die Tasche mit einem plötzlichen Schwung von der Bank kippte und-auf den Boden fiel. Und aus dem Innern zwängte sich ein schwarzes Huhn heraus und flatterte dann ungebärdig im Abteil umher.
„Ach du großer Gott!" schrie das Fräulein auf. „Lieschen! Komm — put put put, Lieschen! Allmächtiger, wenn jetzt die Tür aufgeht!"
Sie hatte es noch nicht ausgesprochen, als auch draußen schon ein dicker Mann mit einer blauen Packerschürze nach den beiden Griffen faßte. Im selben Moment sprang auch der junge Mann auf und hielt von innen die Griffe zusammen. Der Packer mußte das wohl für einen dummen Scherz halten, denn er rüttelte nun mit Gewalt an der Tür herum. So kämpften die beiden Männer einen kurzen, aber verbissenen Kampf, in dem der junge Mann doch, so sehr er auch alle Kraft aufbot, schließlich den kürzeren gezogen hätte, wenn nicht draußen der ungeduldige Ruf ertönt märe: „Bitte beeilen mit dem Einsteigen!"
Da gab es der Packer auf, tippte sich an die Stirn und ging nach hinten zum nächsten Wagen.
Als der Zug sich in Bewegung setzte, gingen die beiden auf die Hühnerjagd und brachten es auch endlich durch strategisch geschickte Umzingelung fertig, den Ausreißer einzufangen.
„Gott sei Dank!" sagte das Fräulein und setzte sich aufatmend nieder. „Was habe ich für eine Angst ausgestanden. Wir haben nämlich nur das eine H^rhn u>nd ziehen jetzt nach Pankow um. Und wenn Sie nicht so nett gewesen wären — aber wollen Sie nicht ein bißchen näherrücken?"
.. "O ja, gern?" sagte der junge Mann und setzte sich auf die Bank neben sie, „so kann Lieschen wenigstens nicht mehr ausreißen. Nicht wahr Lieschen? Du — put put put." Und er steckte den Finger in die Basttasche und kraulte Lieschen am Hals, mit einer Zärtlichkeit, di» man sonst an Hühner eigentlich nicht zu verschwenden pflegt.
„Wie die Wolken hort wandern.
Das Bild des Himmels in der Malerei.
Der Himmel in seiner Vielseitigkeit ist geradezu eine Herausforderung des Malers, immer wieder ringt der Künstler um seine Deutung.
Erst, wenn der Südwind helle Wolken über das Firmament hinjagt, leuchtend wie Segelschiffe, wird der Himmel lebendig, ober wenn der Westwind seine feuchten Nebelschwaden herbeiführt, die tief über dem Horizont sich hinschleppen, die zerreißen und sich wieder zusammenballen, ober, wenn ber Sonnenuntergang eine Skala von Farben über die Wolken ergießt. Aber wie kann der Pinsel bes Malers biese leuchtenden unb lebenbigen Gebistre festhalten? Die Primitiven spannten einen Himmel aus Golb über ihre Heiligen ober bevölkerten ihn mit phantastischen Chören von Göttern, Engeln unb Teufeln, bie Kopf an Kopf bas Himmelsgewölbe bebeeften. Diese Woge menschlicher Gestalten, mit denen die Gotik den Himmel verbarg, verschwand in ber Renaissance, die Wunder ber göttlichen Gestalten, bie mit ihren golbenen Flügeln durch den Aether schifften, weichen einem „natürlichen" Himmel, wie der Mensch ihn kennt. Aber er ist massiv, unbewegt; bie Wolken, wie z. B. Veronese sie malt, stehen still unb horizontal über ber (Erbe, bie Atmosphäre ist ohne Atem. Der erste Maler, der dem Himmel Leben einhauchte, war Greco; über Toledo läßt er einen Wüstenwind auffahren, und wie Rauch einer Flamme steigen Wolken empor, aber noch sind sie fest und starr wie Felsen, drohend in ihrem harten Umriß.
Bewegung, die Seele bes Kosmos, wurde erst von den Malern des Barock entdeckt, die Unendlichkeit des Weltenraumes tat sich vor dem Menschen auf. Die illusionistische Malerei öffnete die Kuppel ber Dome, von neuem bevölkerte sich ber Himmel mit göttlichen,' nun auch menschlichen Gestalten; auf Wolkenkissen schweben sie empor in bie Unenblich- feit lichter Wolkengebilbe.
Mit ber großen Entwicklung ber Lanbschafts- niaferei im 17. Jahrhunbert, vor allem in ben Niederlanden, wölbt sich ein immer reicherer Himmel über einem Horizont, der tief gelegt wird, um
Raum zu schaffen für das grandiose Schauspiel der Wolkenmassen, ber untergefjenben Sonne, des Reaenbogens unb für den Zauber der Mondnächte. Auf ber licht geworbenen Erbe treiben Schäfer Musik unb Lieb es spiel. Mehr noch als die flämische hat die holländische Malerei sich den Himmel zum Vorwurf genommen, bie Reihe ber Maler reißt nidjt ab, denen die Riesenkuppel des Firmaments zum bevorzugten Thema wird. Wie aus ber feuchten Atmosphäre die Wolken sich ballen, wie sie schwer unb müde über ben Wassern dahintreiben, das haben Ruisdael, van Goyen, Wouwer- man und bie unzähligen Marinemaler immer wieder bargestellt. (Eine ber großartigsten Darsteb hingen ber Stimmung Hollanbs ist Rembrandts „Landschaft mit den drei Bäumen": über einem niedrigen Horizont entlädt sich die Wucht bes aufsteigenden Unwetters.
3m 19. Jahrhundert wirb die Wolkenmalerei von neuem wesentlich. Es scheint, als hätte sich der Himmel aufgeklärt, bie Transparenz bes Lichtes siegt über bie Ungewitter ber atmosphärischen Barock- Malerei. Das gilt für die Malerei von Caspar David F r i e b r i ch, feine „Ansicht von Dresden", seine Rugenbilber, ja sogar sein „Nebel im Thal" sind wie von innen burchleuchtet. Die Wolken haben ihren brohenben Aspekt verloren, sie sinb heiter und licht geworden. — Wie ein Sommerhimmel sich über glückliche Menschen spannt, das hat Hans Thoma gern gemalt. Mit dem zufriedenen Herzen aller jener, die darin leben und gedeihen, ist feine Landschaft gesehen, bestrahlt von einem Himmel, an dem weiße Wölkchen dahinsegeln wie selige Träume.
Es ist, als habe in ber Sorglosigkeit einer langen Friedensepoche ber Himmel sich aufgelichtet, und die Stimmung ber von Brahms vertonten „Feld- einfamfeit": ,Ach ruhe still im hohen grünen Gras, und sende lange meinen Blick nach oben, von Grillen rings umschwirrt ohn' Unterlaß, von Himmelsbläue wundersam umwoben", findet ihre Resonanz in der Malerei bes Impressionismus. Der Himmel erscheint hell und durchsichtig, ohne „blau" zu fein, und wie ein flüchtiger Hauch breitet sich über ihn das transparente Spiel der Wolken. Der Malerei ist es gelungen, die Atmosphäre in ihrer Flüssigkeit und Vergänglichkeit festzuhatten.
AugusU yon Oertzaq. J


