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Warnung aus Stendal

Roman von A.Lothar Philipp

41. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

War Elisabeth Perling die Geliebte dieses Bart- hold?" fragte ein Beisitzer.

Nein, da- ist auch ausgeschlossen. Bartholü war ich möchte das betonen ein anständiger, auf­opfernder und guter Kollege, der zwar arttstisch keine große Nummer war, der aber als Mensch sehr viele gute Eigenschaften hatte. Nachdem Elisa­beth verschwunden war, hatte ich keine Ruhe mehr. Ich verließ die Truppe und bildete mit den drei Willis eine neue Truppe, mit der wir gute Erfolge hatten. Kurz vorher hatte ich in einem Wander­zirkus Irene Norodna kennengelernt und bildete sie aus ich mußte immer jemanden haben, dem ich Lehrer und Erzieher fein konnte, künstlerisch Men­schen zu formen war mir meine liebste Aufgabe. Mit Irene Norodna stieß ich also zu den Willis. Dort blieb ich einige Zeit und löste dann meine Bindungen zu der Truppe"

,Warum? Es heißt, Sie hatten die Kasse mitge­nommen und seien vertragsbrüchig geworden. Der Staatsanwalt hatte aus feinen Notizen diese Be­merkung eingeworfen.

Das mag fein. Aber ich hatte größere Anbruche an'die Kasse, als ihr Inhalt betrug Den Vertrags­bruch gebe ich ohne weiteres zu. Ich konnte nicht mehr. Verlangen Sie nicht, von mir zu wissen, warum ich nicht mehr konnte Es war eine Un­ruhe in mir, ich mußte allein fein

Wenn Sie allein fein mußten,, warum nahmen Sie dann Fräulein Norodna mit sich? fragte der Vorsitzende. .

Ich habe sie nicht mit mir genommen wollte Lanos sagen, aber Irene fuhr auf und ries:

Doch, du hast mich entführt,^ich wollte bleiben, aber du nahmst mich mit fort'

Der deutsche Lebensstil und die Musik.

Dortrag von Professor Raabe im Gießener Konzertverein.

Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen Ressorts hinaus zu erblicken.

Der Generalreferent im Reichswirtschaftsministe­rium, Präsident K e h r l, sagte, die Reichsvereini­gung sei der erste Marktordnungsverband zwischen Ernährungs- und gewerblicher Wirtschaft. Die Reichsvereinigungen haben das Ziel einer Ver­ringerung der auf dem Wirtschaftsgebiet tätigen Or­ganisationen und Funktionen: sie sollen keine Mit­gliedervertretung betreiben (das steht den Fach­organisationen zu), sondern die Materie ordnen, die Waren in die richtigen Wege leiten. Die Bastfaser­wirtschaft müssp ein tragender Pfeiler innerhalb der deutschen Rohstoffwirtschaft überhaupt sein. Vor allem sei der Anbau nach Menge und Fasergehalt durch Entwicklung neuer Zuchtsorten ertragreicher zu gestalten. Die Gewinnung müsse durch maschi­nelle Erleichterungen einfacher gemacht und neue Verarbeitungsmethoden eingeführt werden. Dem Anbauer müsse die Abnahme erleichtert werden. Die Bastfaserindustrie habe die Aufgabe, aus den Sor­ten, die in Deutschland begünstigt angebaut werden können, das Beste für den Konsumenten herzu­stellen. Die Weiterverarbeitung müsse* das Bestre­ben haben, die Verspinnungsmethoden und den Aufschluß der Faser zu vereinfachen und zu ver­bessern, um eine gebrauchsfeste, strapazierfähige Faser zu schaffen, die neben der Zellwolle große Absatzmöglichkeiten in Deutschland und Europa habe. Auch die weiten Räume im Osten werden den deutschen Anbau niemals entbehrlich machen.

Die Dienstzeit im Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend.

Um die Einbringung der Hackfruchternte zu för­dern, wird für die im Frühjahr eingestellten Ar­beitsmaiden die Dienstzeit im aktiven Reichsarbeits- dienst auf sieben Monate und im Kriegshilfs­dienst des Reichsarbeitsdienstes auf fünf M o - n a t e festgesetzt. Für die im Herbst eingestellten Arbeitsmaiden beträgt die Dienstzeit im aktiven Reichsarbeitsdienst fünf und im Kriegshilfsdienst sieben Monate. Mit Rücksicht hierauf werden die Kriegshilfsdienstoerpflichteten des Sommerhalb­jahrganges 1942 erst Ende Oktober 1942 aus dem Reichsarbeitsdienst entlassen.

Aus aller Well.

Abschied von Frau Eva Lhamderlain.

In einer von der Partei gestalteten Trauerfeier in der Weihehalle des Hauses der deutschen Er­ziehung nahm die Öffentlichkeit Abschied von Frau Chamberlain, der letzten Tochter Richard Wagners, der Gattin des Kulturphilosophen Housten Stewart Chamberlain. Vor dem Standbild der deutschen Mutter war die Tote zwischen Blumen und Kränzen aufgebahrt. Nach der Orgelfantasie in c-moll von Bach legte Staatsminister Gauleiter Adolf Wag­ner den Kranz des Führers an der Bahre der Trägerin des Goldenen Ehrenzeichens der NSDAP, nieder. Oberbürgermeister Dr. Kempfler widmete der Ehrenbürgerin der Stadt Bayreuth herzliche Worte des Gedenkens. Die Traueransprache hielt Dr. Georg Schott-München, ein langjähriger Freund des Hauses Chamberlain. Unter den Klän­gen der Passacaglia von Bach wurde der Sarg §inau5$e(eitet. Am Nachmittag wurde die sterbliche Hülle in Koburg eingeäschert.

Professor Dr. Grüneisen 65 Jahre alt.

Professor Dr. Eduard Grüneifen, der Ordinarius für Physik an der Universität Marburg, konnte sein 65. Lebensjahr vollenden. Er wurde zu Giedi- chenstein bei Halle geboren, studierte in Halle, Char. lottenburg und Berlin Physik und war seit 1899 als Assistent bei der Physikalisch-Technischen Reichsan- ftalt. 1912 wurde er Professor und 1919 Geh. Re- gierungerat und Direktor der zweiten Abteilung der Reichsanstalt. 1926 kam er nach Marburg.

Earl Friedrich Wiegand gestorben.

In der Nähe von Zürich ist der Dichter Earl Frie- rich Wiegand im Alter von 65 Jahren gestorben. Wiegand' der gebürtiger Hesse war, war Lehrer für deutsche Literatur am Gymnasium in Zürich. Sein RomanDas Gespensterdorf" spielt in seiner kurhessischen Heimat, auch andere Romane hatten viel Erfolg, ebenso eine Anzahl Schauspiele. Sein Bestes aber hat Wiegand in fernen Balladen und lyrischen Gedichten gegeben.

Schwere Bluttat in Stuttgart.

Aus Eifersucht hat der 43jährige ledige Alfred Bolz in feiner in Stuttgart-Degerloch gelegenen Wohnung feine 28jährige Geliebte erwürgt. Später drang er in die Wohnung seines Nachbarn ein, mit dem er in Unfrieden lebte, und erschoß dort dessen zwölfjährigen Sohn. Als der Vater zu Hilfe eilen wollte, schoß Volz auch auf diesen, ohne zu treffen. Der Vater erlag jedoch infolge der Aufregung einem Herzschlag. Der Täter verübte Selbstmord.

Aus -er Siadi Gießen.

Ein Himmelsfensier.

Am Rande der Straße steht ein Gehöft, ein Drahtzaun herum. Die Luft ist trübe, in _ einem Tümpel spiegeln sich die Wolken. Aus dem Schorn­stein des Hauses bringt Rauch leise und dünn her­aus und erzählt dem Himmel, daß hier Kaffee gekocht werde. Neben dem Hause sieht man einen Aufbau von Kisten, die vorn mit Draht verschlossen sind, und hinter dem Draht hocken Karnickel mit klugen, feuchten Augen und schauen zu. Sie schauen zu, was vor ihnen sich begibt. Es begibt sich da ein Idyll.

Der Hund Hoppla beherrscht die Lage. Er heißt wahrscheinlich keineswegs Hoppla, aber wie er so dasteht auf feinen allzu jungen, weichen, woll­haarigen Beinen, über die er stolpert, so oft er sie nicht richtig sortiert hat, da heißt er Hoppla, denn wem er zwischen die Beine läuft, der sagt aus reinem Instinkt und Wohlwollen augenblicklich Hoppla" und tritt beiseite.

Der junge Hund Hoppla bellt. Dazu hat er auch Veranlassung, denn vor ihm steht etwas, das von mir aus folgendermaßen aussieht: oben gelbes Haar mit einer schleife darin und Zöpfchen daran, unter dem Haarschopf ein dünnes, liebes Genick­lein, und dann kommt das Kleidchen, seitlich umfaßt von einer Schürze. Unter dem Kleidchen stehen zwei beftrumpfte Beine in schwarzen Schuhen, und dieses dreijährige Kind verursacht durch das herrische Auf­heben der kleinen Aermchen das Gebell des Hundes Hoppla. Und so klein und unvermögend das Kind auch ist, so jung und dumm ist auch noch dieser Hund, daß er aus alledem, was soviel wie nichts ist, einen Anlaß nimmt, geradezu rechthaberisch, eifrig und streitend immerfort anzubellen gegen diese Manier.

Das ist die ganze Geschichte, und sie hat nicht die mindeste Pointe. Erst nach zwanzig Jahren vielleicht wird dem jetzigen kleinen Kinde einmal eine dunkle Vision aufsteigen von einer Zeit des Da­seins, die anders war. Wie es im Leben Glück gewesen war, klein zu sein, in einem rumpligen, aber von endloser Weite umgebenen Hofe gestanden zu haben, ja, und ich glaube, einen Hund hatten mir auch, und das war mir so ein herrliches Ge­fühl damals, ganz ohne Menschen genug zu haben nur an dem Hund, dem Hof, den Bäumen und dem Gefühl: drinnen im Haus ist Mutter, und eben macht sie Kaffee.

Aber, liebe Dame", sage ich,wie kann man darüber seufzen? Das war eben eiy Idyll, es war ein lichter Moment des Sehens."

Leider", sagt sie,ich sehe es ja auch voll­kommen ein, ein Himmelsfenster, eine schöne Zeit, die kommt nicht wieder."

Das heißt, wenn sie das sagt. Einstweilen ist sie noch klein, drei Jahre alt, ahnt nichts vom Lehen und nimmt den Hund Hoppla vollkommen ernst, so ernst wie sie. Felix Riemkasten.

Für.Tapferkeit vor öem Keinöe.

Der Mechaniker-Obergefreite in der Kriegsmarine Hans Roth aus Gießen, Welckerstraße 6, wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Don her Ludwigs-Universität.

Zum außerordentlichen Professor in der Philo­sophischen Fakultät der Universität Gießen ernannt wurde der Dozent Dr. phil. habil. Franz Hampl. Professor Dr. H a m p l, im Dezember 1910 als Sohn eines Offiziers in Bozen geboren, war bis­her Angehöriger des Lehrkörpers der Unioerfität Leipzig, wo er im Jahre 1939 zum Dozenten ernannt wurde. Bald darauf wurde er zum Wehrdienst ein­berufen, seitdem steht er im Felde. Gleichzeitig mit seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor in Gießen wurde ihm der Lehrstuhl für Alte Ge­schichte an unserer Universität übertragen.

Einsahkarten.

gss. Wieder eine neue Sorte Karten? Jawohl, und zwar eine Karte, die jede Besitzerin voll Stolz betrachtet, wird doch auf ihr jeder Einsatz, den sie freiwillig als Kriegsarbeit leistet, eingetragen. Es hat' sich gezeigt, daß durch die vielen fehlenden Hilfskräfte teilweise rechte Schwierigkeiten entstehen. Deshalb ist von mehreren Seiten an das Deutsche Frauenwerk herangetreten worden mit der Bitte um Hilfe. Das Deutsche Frauenwerk hat nun alle Mitglieder aufgefordert, doch zweimal monatlich einen halbtägigen Arbeitseinsatz zu übernehmen, und diesem Ruf sind in Gießen 1000 Mitglieder ge­folgt. So übernehmen nun die Hausfrauen neben ihrer wirklich nicht immer leichten Hausarbeit zu­sätzlich irgendwo zwei halbe Tage Arbeit. Eingesetzt werden vor allem täglich mehrere Hilfskräfte im Lazarett in der. Küche. Jede Frau hilft immer be-

Der Präsident der Reichsmusikkammer, Professor Dr. Peter Raabe, hielt gestern abend in der Aula einen überaus anregenden und aufschlußreichen Vortrag über das ThemaDer deutsche Le - densstil und die Musik". Der Vorsitzende des Konzertvereins, Professor Dr. Eger, hieß zu­nächst den Vortragenden herzlich willkommen und dankte ihm für fein Erscheinen beim Festakt zum Jubiläum des Vereins und am gestrigen Abend, an dem ihn ein aufgeschlossenes und aufnahme- freudiges Publikum erwarte. Das Städtische Or­chester, von Musikdirektor Söllner geführt, spielte hiernach in schöner Gliederung und Steige­rung der kultivierten Wiedergabe MozartsJdo- meneo"-Ouvertüre in D-dur. Darauf ergriff Prof. Raabe, von lebhaftem Beifall begrüßt, das Wort.

Er ging von der Feststellung aus, daß unsere Kunstpflege die ungeheuere Belastungsprobe des Krieges glänzend bestanden habe. Das aus sehr verschiedenen Gründen gesteigerte Kunstbedürfnis des Volkes verpflichte die Verantwortlichen, dafür zu sorgen, daß dem Volke immer reine Kunst ge­boten wird, auch wenn es sich nicht umhohe" oder ernste Musik handelt. Die Reichsmusikkammer habe die mancherlei sich hier ergebenden Aufgaben vor­züglich gelöst, besonders auf dem Gebiete der Volks­musik. Auch bei der einfachsten Kunstübung, so führte Professor Raabe aus, kommt es auf den Stil an; wir müssen nach dem Kriege unserem Volke den Lebensstil zu schaffen bestrebt sein, in dem sich das Beste feines Wesens widerspiegelt. Im Anschluß an ein Wort des Berliner Philosophen Friedrich Paulsen gab er eine Vorstellung vom eigentlichen Wesen dessen, was wir unter dem Be­griffVolk" verstehen; deutsches Wesen sei gerade in unserer Musikpflege so wichtig, denn wir sind das reichste aller musikausübenden Völker, eine mu­sikalische Weltmacht. Musik sei gar nicht die inter­nationale Sprache, die, wie man oft hören könne, in der ganzen Welt verstanden werde. Bei der Muisik gebe es überhaupt nichts zu verstehen; der beste Zuhörer sei vielmehr der, welcher sich ihr, ohne zu analysieren und zu deuten, hingebe als einem Gottesgeschenk, denn zu ihrem Wesen ge­höre das Unbeftiminbare, dasUnbeschreibliche", wie es in Goethes chorus mysticus heißt. Prof. Raabe wandte sich gegen die törichten Versuche, Beethovens Symphonien zubeschreiben" und, mit allem Respekt, auch gegen die irrige Auffassung Richard Wagners vom Zusammenwirken der Künste. Trotz Wagners Theorie strebe gerade die hohe Musik Unbestimmbaren, zur Stimmung und Phantasieanregung. In Tönen, so sagte der Vortragende, kann der deutsche Mensch alles aus­sprechen, Schmerz, Trauer, Kampf gegen das Schicksal, aber auch das Scherzo ist eine typische Erscheinung der deutschen Musik.

Besonderer Pflege bedürfe, so wurde des weiteren bargetan, das deutsche Lied. Hier seien wir in den letzten Jahrzehnten leider dem natürlichen überrei­chen Erbe sehr entfremdet worden; die Hausmusik finde eine ihrer edelsten Aufgaben darin, den weit­hin verlorengegangenen Schatz des deutschen Kunst-

sonders gern, wenn sie weiß, daß es für die Ver­wundeten ist. Aber auch bei den Gärtnern ist Hilfe dringend notwendig. Der Gemüsebedarf ist enorm gestiegen, und ein Gartenbesitzer nützt seinen Gar­ten ganz anders aus, als früher. Nun müssen aber auch viel mehr Setzpflanzen da sein, und wer soll das alles schaffen? So sind auch hier unsere Frauen sehr am Platze und eine wirklich notwendige Hilfe. Und sie geben sich viel Mühe. Gibt es auch Kreuz- weh und Muskelschmerzen von der oft ungewohn­ten Arbeit, jede weiß dod;, wie bitter notwendig das Gemüse für die Volksernährung ist. In den Näh- ftuben geht die Arbeit überhaupt nie aus, und dort geht der Einsatz, ebenso wie auf dem Bahnhof, ständig weiter. Immer wieder zeigen sich neue Ge­biete, wo unsere Frauen einspringen, und noch immer haben die^Franen des Deutschen Frauenwer­kes gezeigt, daß sie alles daransetzen, um von ihrer Seite mitzuhelfen und ihr Teil beizutragen zur Ar­beit der Heimatfront.

** Theater der Universitätsstadt Gießen. Das Dramaturgische Büro teilt mit: Das Theater macht am Freitag, 29. Mai, die Gießener Operngemeinde zum erstenmal mit dem bedeutend­sten Öpernwsrk des mährischen Komponisten Leo Janacek bekannt. DieJenufa" erlebte 1904 in Brünn ihre Uraufführung und eroberte sich dann auf dem Wege über Prag und Wien die deutschen Bühnen. Die musikalische Leitung hat Otto Söll­ner, die Inszenierung schuf Dberfpielteiter Max

liebes dem Volke wieder zu erschließen. Im Anschluß an diese ©ebanfengänge streifte 5er Vortragende die interessante und heikle Frage der Zusammenarbeit von Musiker und Dichter, das Verhältnis von Text und Vertonung, bas neuerdings Gegenstand einer leidenschaftlichen Diskussion maßgeblich Beteiligter aus beiden Lagern war. Prof. Raabe glaubt, wie ber Lyriker Josef Weinheber, nicht an den Erfolg des Appells an die Dichter zur Schaffung brauchbarer Lied- und Oratorien-Texte für die Vertonung. Er wandte sich ferner, unter lebhaftem Beifall, gegen eine Umdichtung der Bachschen Messen-Texte und Choräle, ebenso gegen eine Umdichtung von Opern­büchern oder der von Schubert, Schumann und Brahms vertonten Heineschen Lieder. Das ist un­möglich und überflüssig; der Führer selbst hat sich in diesem Sinne geäußert. Dagegen kommen wir ohne Mendelssohn aus, und es ist jetzt nicht die Zeit, sich mit Händels alttestamentarischen Themen zu befassen. Bemerkenswerte Belege zu dieser Frage liefern ein Wort Goethes zu Eckermann und das Verhältnis zwischen Weber und seinem Textdichter Friedrich Kind.

Prof.' Raabe wandte sich weiter gegen den neuerdings vielfach übertriebenen Kult mit den Aus­übenden, gegen interessanteAuffassungen" und In­terpretationen. Unbedingte Werktreue müsse ebenso gefordert werden wie die Bekämpfung des Artfrem­den in unserer Kulturübung und in unserer Ge­selligkeit. Abzulehnen feien der entartete Tanzstil und die Jazzmusik, die übrigens keine Negermusik, sondern das Produkt amerikanischer Juden sei; na­mentlich die Jugend müsse dagegen Front machen. Nach dem Kriege müsse gegen alles undeutsche We­sen in unserer Geselligkeit energisch eingeschvitten werden. (Das gelte auch für eine undeutsche Frauen, mode.)

In der hohen Kunst hat sich bas Arteigene durch- gesetzt, während in der Unterhaltungsmusik, wie der Vortragende bemerkte, noch manches zu beanstanden ist; auch hier dürfe man, schon wegen der riesigen Verdreitungs- und Wirkungsmöglichkeiten, nicht lax sein. Die Hausmusik habe den Platz, den sie früher einmal gehabt hat, noch zurückzugewinnen, was durch den Mißbrauch von Radio und Schallplattcn erschwert werde; es komme aber gerade auf bas eigene AUisizieren an. Prof. Raabe betonte zum Schluß mit großer Eindringlichkeit den unendlichen erzieherischen und geschmacksbildenden Wert ber per­sönlichen Pflege der Kammermusik als der edelsten Form häuslicher Geselligkeit: dies sei ein überaus wichtiger Faktor in der Erziehung unserer Kinder zur Kultur. Mit einem Ausblick auf den kulturellen Führungsanspruch und das kulturelle Selbstbestim- mnngsrecht desVolkes der Dichter und Denker" schloß Pros. Raabe seinen temperamentvoll, sehr versönlich und auch mit Humor stilisierten, von tie- fem Verantwortungsgefühl und leidenschaftlicher Liebe zur deutschen Musik und den mancherlei An­liegen unserer Kulturpflege überhaupt durchdrun­genen Vortrag. Die Hörer gingen lebhaft ge­fesselt mit und dankten zuletzt mit begeistertem Bei­fall für vielfältige Anregung, Bestätigung und Er- Heilung.y

Schwarze, Tanzleitung: Andreas Volpert, Chöre: Carl Willy Hahn. Mitwirkende: Abbt, Elgg, Farry, Henzky, Lange, Mauer, Meine!, Raßl, Schröter-Beckers; Ecfy, Lott, Sattler, Schmitz.

** Was tustDu, wenn ...Ja, was tust Du, wenn bei Fliegeralarm, im Verlauf eines feindlichen Luftangriffes ober bei Fliegerschäden Frgaen und Situationen an Dich herantreten, die eine sofortige Antwort, einen schnellen, tatkräftigen Entschluß von Dir fordern? Ratlosigkeit ist bann das aller- schlimmste liebel!Die Sirene", die illustrierte Zeit­schrift des Reichsluftschutzbundes, unterrichtet fort­laufend in Wort und Bild über alle Fragen des Selbstschutzes. WerDie Sirene" lieft, weiß sich und anderen zu helfen!

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wenn Sie mit feuchtem lappen putzen. Die Putzwirkung ist dabei auch besser. Wird der Lappen beim Putzen trocken, dann gleich wieder nachfeuchten. So nutzen Sie das Herdputzmittel erst rest­los aus. Und dann noch: Immer nur Qualität kaufen. Das lohnt sich heute.

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5 ist gut und ausgiebig.

Angeklagte Norodna", rief der Vorsitzende,Sie sind nicht gefragt worden. Reden Sie nur, wenn Sie gefragt werden. Jetzt hat der Angeklagte Lanos das Wort."

Irene murmelte etwas zu Sumor und lehnte sich in ihren Stuhl zurück.

Ich machte mit ihr eine eigene Nummer, mit der wir viel Erfolg hatten", fuhr Lanos fort,wir hatten auch Engagements bis zum Juni dieses Jahres. Dann fuhren wir nach Berlin, um dort zu bleiben. Ich hatte in Berlin mein Zimmer, das ich immer behielt, auch wenn ich auf Reifen war."

Wir kommen nun zum Mordtage", sagte der Vorsitzende.Angeklagter, erzählen Sie genau, was damals vor sich gegangen ist."

Lanos seufzte.

Ich fürchte", sagte er,ich kann mich nicht mehr genau an alles erinnern. Ich traf abends den ehe­maligen Partner Petersen, der mich bat, am Abend zum Imperial-Dachgarten zu kommen, um dort mit den drei Willis zu sprechen"

Sie sind nicht Angegangen? Warum nicht?" fragte der Staatsanwalt.

Ich kann es nicht sagen. Ich hatte die Absicht, hinzugehen, ober dann kam die der Besuch des Barthold dazwischen und mir verging die Lust."

Gut, erzählen Sie Näheres über diesen Besuch."

Er kam nach acht Uhr abends. Er machte mir gewisse Vorwürfe über Dinge, die weit zurücklagen, holte dann seinen Revolver heraus und wollte auf mich losgehen. Da schoß ich in Notwehr. Und als ich sah, was ich angerichtet hatte, verlor ich den Kopf und flüchtete. Das ist alles."

,Und wer hat den Schuß auf die Uhr geschossen? Wo blieb der Revolver des Ermordeten?"

Da fragen Sie mich zuviel. Was ich Ihnen sagte, ist alles, auf das ich mich noch besinnen kanii."

War Irene Norodna bei Ihnen, als der Totschlag geschah?"

Wieder fuhr Irene auf.

Es ist nicht wahr, es ist Lüge, ich weiß nichts davon, warum erlauben Sie ihm, daß er so lügt es ist himmelschreiend"

Angeklagte Norodna", rief der Vorsitzende, setzen Sie sich und seien Sie still. Sie werden später Gelegenheit haben, Ihre Verteidigung vor­zubringen."

Ich beantrage, die Vernehmung des Angeklagten Lanos auszusetzen", sagte der Staatsanwalt,und erst die Zeugen zu vernehmen. Es ist ganz klar, daß er hier manches verschweigt, vielleicht wird er durch die Zeugenaussagen vernünftiger."

Der Vorsitzende besprach sich mit den Beisitzern.

Der Verteidiger Lanos' sagte:

Ich habe nichts dagegen."

Also dann schreiten wir zur Zeugenvernehmung. Die Vernehmungen haben ergeben, daß sie alle drei auf ihrem Leugnen beharren."

Und das war richtig. Denn vor Lanos hatten Sumor und die Norodna gesprochen und beide hatten geschworen, mit der Sache nichts zu tun zu haben und von ihr erst aus den Zeitungen erfahren zu haben.

Die Zeugin Elisabeth Perling", rief der Vor­sitzende.

Der Justizwachtmeister öffnete die Tür und rief laut durch den Korridor:

Die Zeugin Elisabeth Perling!"

Kurz vor diesem Aufruf hatte noch eine nicht un­wichtige Unterredung zwischen Elisabeth und Willis stattgefunden.

Als er nämlich gesehen hatte, daß sie vor dem Er­gebnis der Verhandlung Angst hatte und ttotz der ermunternden Worte des Kriminalrats stark beun­ruhigt war, hatte er feine Hand auf ihre Schulter gelegt und gesagt:

Und jetzt hören Sie einmal zu, Elisabeth! Wie meine Meinung über Ihre Schuld ober Unschuld an dieser verdammten Geschichte da drinnen ist, wissen Sie. Und selbst wenn bas Ergebnis ber Ver­

handlung für Sie kompromittierend wäre, würde ich mich dadurch nicht zurückhalten lassen, Sie zu lieben. Jawohl", bestätigte er, als sie ihn bleich und entsetzt anstarrte,Sie zu lieben, obwohl, wie ich zugebe, es immerhin unangebracht ist. Ihnen das auf dem Korridor des Kriminalgerichts zu sagen. Aber mein Entschluß ist gefaßt und nichts kann ihn wankend machen".

Diese so hoffnungsvoll begonnene Unterhaltung wurde durch den Ruf des Justizwachtmeisters ge­stört.

Die Zeugin Elisabeth Perling!"

Damit bist du gemeint, Elisabeth", sagte Willis, und diesesDu" schien ihm ganz geläufig zu sein.

Aber sie rührte sich nicht vom Platze. Sie sah ihn an und flüsterte:

Eberhard--oh, Eberhard"

Die Zeugin Elisabeth Perling!" brüllte der Justizwachtmeister wieder,wo steckt denn die Zeu­gin Perling."

Geh hinein, sonst wirst du noch eingesperrt, Kind", riet ihr Willis und führte sie bis zur Tür.

Sie warf ihm noch einen liebevollen Blick zu und verschwand dann im Sitzungssaale.

Hier blieb sie an der Tür flehen und hielt sich die Hand über die Augen. Sie war verwirrt und mußte sich erst einmal darüber klar werden, wo sie jetzt war.

Treten Sie nur näher, Fräulein Perling", sagte der Vorsitzende freundlich.

Der Wachtmeister führte sie bis zum Platz vor dem Vorsitzenden.

Sie sind Elisabeth Perling, wie alt sind Sie?" Fünfundzwanzig Jahre", gab Elisabeth zur Ant­wort.

Beruf?"

..Artistin."

Artistin, schön. Mit dem Angeklagten sind Sie nicht verwandt und nicht verschwägert?"

Nein!"

(Fortsetzung folgt)