bei uns noch nicht so vollkommen, so zweckmäßig, wie sie sein sollte.
Die Organisation der gewerblichen Wirtschaft ist einmal fachlich und dann regional gegliedert. Diese Organisation entspricht dem Leben. Jeder Betrieb gehört nun einmal fachlich einem bestimmten Wirtschaftszweig an, und er hat zweitens seinen Standort an einer bestimmten Stelle, ist also in die regionalen Wirtschaftsbedingungen und Gegebenheiten hineingesetzt, mit denen er sich abfindrn muß.'Die Organisation, die dem Leben gerecht werden will, muß also zweifellos diese beiden Seiten berücksichtigen. Die fachliche Gliederung ist zentral von oben nach unten durchgesührt, die Reichsgruppen und Wirtschaftsgruppen haben ihre entsprechenden bezirklichen Organisationen in der Mittel- instanz bis hinab zu den örtlichen Organisationen, da, wo es notwendig ist. Ob nicht in der fachlichen Aufgliederung hier und da etwas zu weit gegangen wurde, ist eine andere Frage. Es liehe sich denken, daß Zusammenfassungen hier noch von Nutzen sein könnten. Aber im großen und ganzen ist die Organisation hier zweckmäßig und logisch.
Wesentlich anders lag es auf dem regionalen Gebiet. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß hier im Regionalen ja die e n g st e Verwurzelung der Wirtschaft liegt. Hier ist sie historisch durch ihre Entstehung, wirtschaftlich durch ihre Rohstoffgrundlagen, biologisch durch die speziellen Fähigkeiten des Menschen der betreffenden Gegend in vielfacher Weise gebunden. Auch die hier entstandenen regionalen Organisationsformen der Vergangenheit unterlagen diesen Bindungen. Die Industrie- und Handelskammern, 111 an der Zahl, sind historisch entstanden. Ihre Grenzen erklären sich oft noch aus den Grenzen der Zeit des Partikularismus und der vielen kleinen Dynastien. Gerade an diese Industrie- und Handelskammern aber knüpfte auch die Organisation der gewerblichen Wirtschaft nach 1933 an. Man übernahm also mit der historischen Bewährung des Kammer- aedankens auch die historischen Schwächen der vorhandenen Kammern. Der Versuch, eine Zusammenfassung der sachlichen und regionalen Organisation, die in den zentralen Reichsorganisationen erklärlicherweise ohne große Schwierigkeiten möglich war, auch in der mittleren Instanz durch die Errichtung von Wirtschaftskammern oder Bezirkswirtschafts- kammern, wie sie ursprünglich hießen, zu erreichen, schlug dagegen fehl. Bezeichnenderweise haben sich in der Praxis nur die Wirtschaftstammern bewährt, deren Grenzen mit den Grenzen eines Gaues zusammenfielen, wie etwa in Ostpreußen (Königsberg), in Danzig, in Hamburg und auch in den Gauen der Ostmark.
Aus dieser Erkenntnis hat man nun die Folgerung gezogen, indem man in Zukunft in jedem der 42 deutschen Gaue nur eine Gauwirtschaft S- r a m m e r bestehen lassen wird, in die dann alle übrigen Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern und auch die bisheriaen Wirtschaftskammern übergeführt werden. Gleichzeitig wird die fachliche Organisation der gewerblichen Wirtschaft eingegliedert, wobei allerdings das Weisungsrecht der zentralen Stellen der fachlichen Organisation unberührt bleibt. Dadurch bleibt beispielsweise die zentrale Führung des Handwerks durch den Reichshandwerksmeister auch weiterhin gewährleistet. Als Folge dieser Maßnahme werden 41 Industrie- und Handelskammern sofort aufgelöst. 42 werden zu Gauwirtschaftskammern ausgestaltet, wobei es sich meistens wohl um die am Gausitz befindlichen Kammern handeln wird. In Gauen mit besonders starker und verschiedenartiger Industrie wird man aber oftmals mit der Gauwirtschaftskammer allein nicht auskommen. Deswegen ist hier die Möglichkeit vorgesehen, daß noch eine oder einige der früheren Industrie- und Handelskammern als Wirtschaftskammern oder Zweigstellen der Gauwirtschaftskammer erhalten bleiben. Das kann auch in Gauen mit sehr verschiedener wirtschaftlicher Struktur der Fall sein, wie beispielsweise im Warthegau, wo man das mehr agrarische Posen mit dem industriellen Litzmannstadt nicht gut in einen Topf werfen kann.
Die Gauwirtschaftskammer dient gleichzeitig der Heranführung der Wirtschaft an die politische Willensbildung. Sie ist ein Instrument für den Gauleiter und gibt ihm die Möglichkeit, die politische Aktivität der Partei auch in der Wirtschaft stärker als bisher zu betätigen. Da aber die Gauwirtschaftskammern der unmittelbaren Aufsicht des Reichswirtschaftsministers unterstehen, ist die Einheitlichkeit der Wirtschaftspolitik des Reiches auf jeden Fall gewährleistet. Die Errichtung der Gauwirtschaftskammern kann natürlich nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern wird jeweils durch den Reichswirtschaftsminister angeordnet, wenn alle Vorbedingungen dafür gegeben sind. Jedenfalls ist damit
ein Rest der partikularistischen Vergangenheit, der sich in der Wirtschaft noch erhalten hatte, endgültig über Bord geworfen, was sicherlich auch für die Zeit nach dem Kriege zur Erhöhung des Wirkungsarades unserer Wirtschaft beitragen wird. V. A.
irahrungssicherung
für das italienische Volk.
R o m, 29. April. (DNB.-Funkspruch.) Der D u c e sprach zu den Präfekten der 98 italienischen Provinzen über die Ernährungslage. Er zähite Ük Schwierigkeiten auf, so die Bevölkerungszunahme
auf normalem Wege und durch neu hinzukommen- des Gebiet, Versorgung der Truppen, Hilfe für die Bevölkerung der besetzten Gebiete, Transport- und Einfuhrschwierigkeiten und mäßige Ernten, die die Lebensmittelrationierung vor allem für Brot nötig machten. Da die ganze Dolkskraft für die Gewinnung des Sieges eingesetzt werden muß, so gilt auch eine Verpflichtung eines Arbeiters ebenso viel wie ein militärischer G e • stellungsbefehl. Abschließend verlieh der Duce den Präsekten weitere Vollmachten, um Schwierigkeiten sofort entgegentreten zu können.
Weitere Vereinfachungsmaßnahmen in der Finanzverwaltung.
Berlin, 28. April. (DNB.) Staatssekretär Reinhardt gab vor dem Verein Berliner Kaufleute weitere Vereinfachungsmaßnahmen bekannt, so die Beseitigung der Lohnsteueranmeldungen, den Verzicht auf die Personenstandsaufnahme 1942 und die Weitergeltung der Lohnsteuerkarten 1942 auch für 1943. Die Verminderung des Papieroerbrauches wird dadurch rund 1 Million Kilogramm erreichen.
Nach der Neuregelung der Gewinnabführung werden nur noch diejenigen gewerblichen Unternehmen erfaßt werden, deren gewerblicher Gewinn im Wirtschaftsjahr 1941/42 mehr als 30 000 RM. betragen hat und die im Vergleich mit dem Wirtschaftsjahr 1938 eine außergewöhnliche Ge- winnsteigerung erzielt haben. Von dieser außergewöhnlichen Gewinnsteigerung haben Einzelgewerbetreibende und Personengesellschaften 25 v. H. und die Körperschaften 30 v.H. als Gewinnabführungsbetrag zu entrichten. Der Unternehmer muß spätestens am 1. 6.1942 bei seinem Finanzamt einen entsprechenden Antrag stellen. Hat er für die Abgabe sesner Einkommensteuererklärung oder Körperschaftssteuererklärung Fristverlängerung über den 1. Juni hinaus erhalten, so muß er den Antrag auf Sonderbehandlung erst bei der Abgabe der Einkommensteuererklärung oder Körperschaftssteuererklärung stellen. Gewerbliche Unternehmer haben am 1. Juni und 1. Oktober 1942 auf den Gewinnabführungsbetrag Vorauszahlungen zu entrichten. Jede Vorauszahlung beträgt die Hälfte des voraussichtlichen Gewinnabführungsbetrages. Der gewerbliche Unternehmer hat den Betrag auf Grund feiner Einkommensteuercrklärung oder Körperschafts- fteuererklärung ober, wenn er diese noch nicht ab
gegeben hat, schätzungsweise zu ermitteln. Der Unternehmer kann beantragen, daß ihm der Gewinnabführungsbetrag bis zur Hälfte belassen oder überlassen wird, wenn er den Betrag aus wehrwirtschaftlichen Gründen oder infolge einer besonderen wirtschaftlichen Vorlage braucht. Der Betrag ist mit jährlich 3,5 v. H. zu verzinsen.
Die Vereinfachung des Lohnabzugs und die Beseitigung der Bürgersteuer wurden bereits bekannt- gegeben. Die leichte Erhöhung der Einkommensteuer wird weniger betragen als der Betrag, der an Bür- gerfteuer ausgekommen ist und den das Reich den Gemeinden voll ersetzt. Die Ablösung der Bürgersteuer wird der Mehrzahl der kleineren und mittleren Einkommensempfänger eine leichte steuerliche Entlastung bringen. Nur dort, wo der bisherige Bürgersteuer-Hebesatz sehr niedrig gewesen ist, ergibt sicy eine leichte Mehrbelastung. Die Unternehmer werden in Zukunft keine Lohnsteueranmeldungen mehr abzugeben brauchen. Ab l.Juli werden ferner alle diejenigen Unternehmer die einbehaltene Lohnsteuer kalendervierteljährlich abzuführen haben, bei denen die einbehaltenen Lohnsteuerbeträge monatlich 100 RM. übersteigen.
Die Reichsfinanzverwaltung wird stets Verständnis für die Belange der Steuerpflichtigen haben. Sie ist andererseits überzeugt, daß die Steuerpflichtigen alle ihre steuerlichen Obliegenheiten gewissenhaft und pünktlich erfüllen. Das Steueraufkommen stellt das Fundament der Finanzkraft des Reiches dar. Der Krieg bedingt im Interesse des Volksganzen, daß die Finanzkraft des Reiches so stark wie möglich ist.
Arbeitseinsatz beschleunigt den Sieg.
Gauleiter Sauckel über die Mobilisierung der Arbeitsreserven.
NSK. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Gauleiter und Reichsstatthalter Sank- k el, gab in einer.Unterredung einen Einblick in die ihm gestellte Aufgabe und die Maßnahmen, die zu ihrer Lösung führen werden. Er erklärte:
Im Zusammenhang mit der Versorgung von Wehrmacht und Heimat mit allen auch im Kriege unentbehrlichen Lebensgütern und angesichts der heute von Deutschland und seinen Verbündeten zu versorgenden Großräume, ist nun auch das gewaltigste Arbeits- und Arbeiterproblem aller Zeiten entstanden. Voraussetzung für feine Lösung ist der einheitlich geregelte und ge- steuerte Arbeitseinsatz des deutschen Volkes und aller in Europa unserer Kriegswirtschaft zur Verfügung stehenden Reserven. Dieses Ziel schnell, energisch und unter gerechter Verteilung der Arbeitslast zu erreichen, ist die mir gestellte Ausgabe. Mein erster Grundsatz ist, daß Arbeitskräfte ausschließlich für kriegsentscheidende Ausgaben eingesetzt werden. Nicht minder wichtig ist die Sicherstellung der Ernährung und schließlich die Erzeugung lebensnotwendiger Bedarfsgüter, die auch in dem Umfange erhalten bleiben wird, der im Rahmen der Kriegsnotwendigkeiten möglich ist und verantwortet werden kann. Ich sehe sogar die gerechte Verteilung der Arbeitslast und die beste Betreuung aller Schaffenden als die erste und wichtigste Voraussetzung meiner Arbeit an. Gerade die nationalsozialistische Betreuung aller Arbeiter der Stirn und der Fgust wird die vornehmste Aufgabe aller beteiligten Stellen fein. Das Vertrauen zur Gerechtigkeit in der persönlichen Behandlung, Entlohnung und Fürsorge für ihre Gesundheit und Unterbringung wird den Einsatzwillen aller festigen und steigern. In diesem Zusammen
hang werde ich meine besondere Aufmerksamkeit der Betreuung der Dienstverpflichteten und derjenigen Volksgenossen widmen, die sich freiwillig zum Ar- bsitsernsatz zur Verfügung gestellt haben. Die Gerechtigkeit im Innern sehe ich als die beste Garantie für den Sieg an.
Ich weiß, daß schon heute die Masse unseres Volkes vorbildlich im Arbeitseinsatz steht. Trotzdem zeigen aber die bisher gemachten Erfahrungen, daß in fast allen Betrieben noch Arbeitskräfte frei gemacht werden können. Jeder Betriebsführer muß nun einmal aus eigener Verantwortung unter Anlegung schärfster Maßstäbe seine Gefolgschaft überprüfen. Wer jetzt noch Arbeitskräfte für nicht kriegsentscheidende Aufgaben zurückhält, begeht die schwerste Pflichtverletzung, deren er sich im Kriege überhaupt schuldig machen kann. Ich bin überzeugt, daß allein durch die Maßnahme ein beachtlicher Prozentsatz von Arbeitskräften für kriegsentscheidende Aufgaben frei gemacht werden kann.
Im Ernteeinsatz der Landwirtschaft werden Hit- ler-Iugend und BDM. in einem bisher noch nicht dagewesenen Ausmaße zusammen mit den Schulen und Lehrern zur Verfügung stehen. Besonders 'im Gemüsebau kann die Jugend hervorragend helfen, ohne daß eine Uebereinftrengung der Jugendlichen zu befürchten ist. Eine große Reserve an Arbeitskraft verkörpern heute noch immer die deutschen Frauen. Es ist der Wunsch des Führers, daß besonders die kinderreichen, aber auch die werdenden und zukünftigen Mütter unter allen Umständen so vor Uebereinftrengungen und den Gefahren der Kriegszeit behütet werden, daß dieser Krieg ohne bleibende schädliche Rückwirkung auf das Leben unseres Volkes beendet wird. Trotz aller häuslichen Pflichten haben jedoch Millionen deut-
Molotows Greuelmärchen.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Jedesmal wenn der Kriegsgott mit besonderer Heftigkeit sich gegen die Bolschewisten zu wenden anschickt, dann versuchen die Bolschewisten, die Anteilnahme ihrer Verbündeten dadurch zu erwecken, daß sie sich als die armen Opfer eines grausamen Feindes hinstellen. Das Material und die Unterlagen für solche Aktionen brauchen sie nicht lange zu suchen, sie haben es sehr bequem, da ihnen ja in den Schandtaten, die in der Sowjetunion m ihrem Namen verübt worden sind, alles zur Verfügung steht, um eine Welt, die an so Furchtbares nicht gewöhnt ist, in Aufruhr zu bringen. Bereits einmal hat der bolschewistische Außenkommissar Molotow schon den diplomatischen Apparat bemüht, um die Greuel, die von den Bolschewisten begangen worden sind, den deutschen Soldaten in die Schuhe zu schieben. Obwohl damals dieses Unternehmen restlos mißglückt ist, versucht jetzt Molotow ein zweites Mal, die Aufmerksamkeit der in Kuybyschew (Samara) versammelten Diplomaten durch eine Note darauf aufmerksam zu machen, daß in der Sowjetunion wieder eine Reihe von Greueln oorgekommen ist. Er hütet sich aber wohlweislich, zu sagen, daß diese Greuel einzig und allein von den Bolschewisten begangen worden sind, sondern er macht den ebenso plumpen wie dreisten Versuch, die Deutschen anzuschuldigen. Molotow wirb aber mit diesem niederträchtigen Beginnen wenig Erfolg haben. Die Tatsachen sprechen gegen seine Behauptungen, sie werden auch diesmal wieder die Lügen Molotows bloßstellen und diesem Verleumder Die Maste vom Gesicht reißen.
scher Frauen freiwillig den Weg in die Rüstungs- betriebe oder in die Landwirtschaft gesunden. Ich werde es mit als meine vornehmste Pflicht ansehen, den im Kriegseinsatz stehenden Frauen und Mädchen den größten Schutz und die höchste Fürsorge angedeihen zu lassen.
Im Einsatz fremdländischer Arbeitskräfts stehen uns Kriegsgefangene und daneben Zivilarbeiter und Arbeiterinnen aus den meisten europäischen Ländern zur Verfügung. Von der Sicherung der europäischen Ernährung hängt auch bcä Schicksal derjenigen Völker ab, aus denen unsere Kriegsgefangenen stammen. Deshalb arbeitet dec Kriegsgefangene nicht nur für Deutschland, sondern vielmehr für Europa, die gesamte abendländische Kultur und damit auch für fein eigenes Volk. Für diese feine Arbeit wird er auch anständig ernährt, untergebracht und behandelt. Im übrigen ist dis einwandfreie Arbeitsleistung die einzige Möglichkeit für den Kriegsgefangenen, nicht nur feine augenblicklichen Lebensbedingungen zu verbessern, sondern auch den Krieg und damit feine Gefangenschaft abzukürzen.
Die ausländischen Zivilarbeiter und -arbeite« rinnen, die aus befreundeten und neutralen europäischen Staaten zu uns gekommen sind, leben in vielen Fällen, besonders hinsichtlich der Ernährung, besser als in ihrer Heimat und sind im allgemeinen in hohem Maße zufrieden. Wir werden in steigendem Maße europäische Arbeitskräfte in Deutschland für den deutschen Sieg einsetzen und auch auf diesem Gebiet beweisen, daß die Solidarität Europas kein leerer Begriff ist.
Die deutsche Wehrmacht ist hervorragend mit Waffen und Munition ausgestattet. Die höchste politische Verantwortung erfordert gerade auf diesem Gebiet lieber eine zu große Vorsicht als Fahrlässigkeit, die draußen nur zu vermeidbaren Blutopfern führen müßte. Deshalb werben wir die Erzeugung von Waffen und Munition bis zum Kriegsende dauernd steigern und werden dadurch den Sieg beschleunigen. Je mehr die Heimat arbeitet, um fo schneller kommt der Sieg!
Bauern aus dem Osten . bei Rosenberg.
Berlin, 28. April. (DNB.) Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg empfing je eine ukrainische, weißruthe- nische und russische Bauerabordnung, die sich angemeldet hatten, um den Dank der Landbevölkerung der befreiten Ostgebiete für die Erlösung vom bolschewistischen Joch und zugleich auch für die im Osten geschaffene Agrarordnung auszusprechen. Die Führer der Abordnungen, die teil ihre farbenfreudige Tracht, teils ihr Werktagskleid trugen, brachten ihre Bereitschaft zu freudiger. treuer Mitarbeit zum Ausdruck. Reichsminister Rosenberg dankte den Abordnungen für das
150 Jahre Gießener Konzertverein.
Gin geschichtlicher Rückblick zur kommenden Festwoche.
Von Professor Dr. meb. Heinrich Walther.
Im März 1942 blickte der Gießener Kon - zertverein auf ein anderthalb Jahrhundert langes Bestehen zurück. Er gehört somit au den ältesten Konzertinstituten Deutschlands und hat ein tatenreiches Leben hinter sich. Er wurde gegründet 1792 durch den Professor der Medizin Dr. Thom, einen begeisterten Musikfreund, als „Musikalische Gesellschaft" und erhielt erst Anfang der sechziger Jahre den Namen „Konzertverein".
Professor Thom gründete zugleich für die Belange der Musikalischen Gesellschaft ein Liebhaber- Orchester, das sich aus Studierenden, Beamten, Bürgern und einigen Berufsmusikern zusammenfetzte. Neben den Aufführungen dieses Orchesters wurden auch schon vereinzelte Solistenabende veranstaltet. Unter diesen ist besonders beachtenswert der Lieder- und Klavierabend von Carl Maria von Weber im Februar 1811, welcher hier veranstaltet wurde und 1817 eine Wiederholung erlebte-, es war bas erstemal, daß ein deutscher berühmter Tonsetzer selbst seine Werke hier spielte. Eine geregelte Konzerttätigteit begann aber erst, nachdem im Jahre 1818 der ausgezeichnete Musiker Ferdinand Simon G ahn er aus Wien 3um ersten Musikdirektor in der Musikalischen Gesellschaft berufen worden war. Er war tatsächlich auch der erste Universitätsmusikdirektor, nachdem er 1819 zum Dr. phil. promoviert und die venia legendi erhalten hatte. Gaßner gründete am 19. Februar 1819 einen gemischten Chor, den „Akademischen Gesangverein", da er die richtige Ansicht vertrat, daß in erster Linie durch geregelte Cyorauffüh- rungen ein Musikleben begründet werden kann. So brachte er schon bald klassische und zeitgenössische Chorwerke zur Aufführung: 1819 mit benachbarten Musikoereinen (Marburg, Wetzlar, Lich, Büdingen) Rombergs Glocke, 1823 Haydns Schöpfung, und 1824 sogar Händels Messias, außerdem mehrere eigene Chorwerke. Seine leider nur achtjährige
Tätigkeit legte somit eine ausgezeichnete Grundlage für das weitere musikalische Gedeihen des Vereins. 1826 folgte er einem Ruf an die Hofoper nach Karlsruhe.
Mit dem Weggang Gaßners erlahmte für eine Reihe von Jahren das Musikleben etwas. Seinem Nachfolger Heinrich H o f m a n n, der von 1826 bis 1863 als Musikdirektor tätig war, fehlte der Unternehmungsgeist, die Begeisterung, vielleicht auch die Befähigung zum musikalischen Gestalten, wozu kommt, wie überliefert wird, daß er in den letzten Jahren ein ewig kranker Mann war. Unschlüssig schwankte er zwischen Oper und Oratorium, wie Professor Oncken in seiner Festschrift im Jahre 1892 sagte. In seinen Choraufführungen wiederholen sich allzu oft die Glocke und die Schöpfung. Vom Jahre 1857 ab mußten für ihn auswärtige Dirigenten eintreten. Hofkapellmeister Mangold aus Darmstadt führte 1859 Händels Messias auf. 1860 wurde durch den Vorstand eine zweitägige große Spohr-Gedenkfeier veranstaltet unter Leitung des Hofkapellmeisters Jean Bott aus Meiningen, mit Beteiligung des Kasseler Hoforchesters, für eine Kleinstadt wie Gießen (9000 Einwohner) ein musikalisches Ereignis.
Daß Ende der fünfziger Jahre das Musikleben wieder ausblühte, ist lediglich dem ersten Vorsitzenden der Musikalischen Gesellschaft, dem hochmusikalischen, später so berühmten Professor der Rechte, Professor Dr. v o n I h e r i n g, zu verdanken, Welcher das Konzertleben nach einem ganz bestimmten Plan reorganisierte, der jetzt noch als Grundlage dient. Er war es auch, der später gute Solisten nach Gießen brachte.
Nachdem 1848 schon der französisch-belgische Geiger P r u m e und dann der Pianist Aloys Schmitt aus Frankfurt hier gespielt hatten, kam 1856 Teresa JDtHa nollo aus lurin, die ausgezeichnete italie
nische Geigerin als Solistin, und der damals fo berühmte französische Geiger Henri V i e u x t e m p s.
Auch die Chor- und Orchesteraufführungen fanden durch Ihering jetzt eine Regeluna. 1861 brachte Hofkapellmeister Mangold Händels Jephtya, und Hofkapellmeister Schlösser aus Darmstadt zum ersten Male für Gießen Beethovens c-moll-Smfpnie, 1862 kam durch Musikdirektor Henkel, Frankfurt, Beethovens Pastoralsinsonie zur Aufführung, und dann folgte unter Leitung von Hofkapellmeister Reiß in Kassel ein Sinfoniekonzert der gesamten Kasseler Hofkapelle. 1863 starb Hoimann.
Seinem Nachfolger, dem hochbegabten, jungen, tatkräftigen Musiker Wilhelm Mickler aus Darmstadt, welcher 1863 als Universitätsmusikdirektor berufen wurde, war es vorbehalten, das Musikleben nunmehr endgültig neuzugestalten, entsprechend den von Professor v. Ihering gemachten Vorschlägen. Sein Bestreben, das klassische und auch zeitgenössische Oratorium zu pflegen und dabei die Sinfonien der Klassiker und Romantiker zu regelmäßigen Aufführungen zu bringen, waren mit bestem Erfolg gekrönt. In der nur knapp 11jährigen Zeit seines Wirkens brachte er alle Sinfonien von Beethoven (außer der 9.), die bekanntesten von Haydn und Mozart, aber auch Werke von Mendelssohn, Schubert und Robert Schumann. Außerdem gewannen die Solisten- und Kammermusikkonzerte eine bessere Gestaltung.
Als ein besonderes Erlebnis muß hervorgehoben werden, daß Mickler der erste war, welcher hier 1866 Dachs Matthäuspaffion aiuffüyrte und 1867 wiederholte, ganz besonders aber, daß er 1872 sogar das „Deutsche Requiem" von Johannes Brahms, das kurz vorher erst erschienen war, als Novität brachte, erheblich früher als viele andere Städte, worauf der Konzertverein ganz besonders stolz sein kann.
In der Wahl der Solisten hatte er eine glückliche Hand. In erster Linie waren es vortreffliche Geiger, die er zur Mitwirkung holte, die besten Spöhr- schüler jener Zeit. Vor allem zu erwähnen sind aber zwei junge hochbegabte deutsche Geiger, die später zu den allerersten zählten: 1865 der 17jähriae August W i l h e l m j aus Wiesbaden und 1867 Hugo Heermann, damals Konzertmeister an der Frankfurter Ppet,
Von Pianisten sind Lisztschuler zu erwähnen- Dionys Pru ckn e r aus Stuttgart, Anna Meh li g. Stuttgart, Marie Krebs, Dresden, Aloys Schmitt, von Sängerinnen: die damals so sehr gerühmte Koloratursopranistin Carlotta Patt? (Schwester der Adelina Patti) aus Florenz, ein Stimmphänomen jener Zeit. Mickler selbst soll ein sehr guter Pianist gewesen sein.
Beethovens c-moll- und ks-dur-Klavierkonzert kamen in' dieser Zeitepoche zum erstenmal hier zur Aufführung. Don Quartettenfembles sind das Jean» Becker- Quartett und das Hugo -Heermann- Quartett von Frankfurt zu nennen.
Mickler hat das Musikleben auf eine erstaunliche Höhe gebracht. Leider hat er 1873 Gießen wieder verlassen, weil er einem Ruf nach Milwaukee in Amerika Folge leisten mußte. In Anbetracht seiner großen Verdienste erhielt er auf Vorschlag des Senats den Titel Professor.
Sein Nachfolger, Adolf F e l ch n e r, welcher 1874 hierher berufen wurde, konnte auf den Grund* lagen, die Mickler für das Musikleben gelegt hatte, weiterbauen. Er pflegte in erster Linie mit großem Fleiß die Chorkonzerte, in gleicher Weise aber auch die Sinfoniekonzerte, für welche ihm Das durch Frankfurter Künstler verstärkte Vereinsorchester (Kapelle des Infanterie-Regiments 116) zur Verfügung stand. Hier wie bei den Chorkonzerten stan. oen an oberster Stelle die Klassiker, dann die Romantiker, während wegen der zu starken Besetzung des Orchesterkörpers moderne Orchesterwerke noch nicht zur Ausführung kamen, was der folgenden Zeitepoche vorbehalten blieb. Zunächst waren es die Chorwerke der Massiker sowie die der.Romantiker, die in geschickter Auswahl zur Aufführung gelangten. 1882 erklana zum erstenmal Beethovens 9. Sinfonie, 1888 das Deutsche Requiem von Brahms: dazu kamen Kantaten von Bach und viels andere kleine Chorwerke, für welche Felchner den Akademischen Gesangverein sehr gut vorzubereiten verstand. Als gleichzeitiger Lehrer für Musik am Gymnasium hatte er sich aus älteren Schülern, die später in Gießen studierten, einen stattlichen Männerchor als Stamm allmählich herangebikdet. In dieser Form hat er das Musikleben wesentlich gefördert.
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