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nach England ereilte, wobei noch besonders auf- schlußreich ist, daß er aus mehr Bewachungssahr- zeugen als Transportschiffen bestand, also ein Be­weis mehr dafür, daß die meisten Transportschiffe schon aus dem Hinweg ihr Ziel nicht mehr erreicht hatten. Daß unsere Ü-Boote auch im Kamps mit den zahlreichen, den Rücktransport sichernden briti­schen Zerstörern siegreich blieben und drei von ihnen versenken konnten, zeigt den schneidigen Angriffs­geist der deutschen Seeleute in besonders Hellem Licht, denn die Zerstörer mit ihrer großen Wendig­keit und starken Bewaffnung sowie den gefürchte­ten Wasserbomben an Bord find der ernsteste Geg­ner der - U-Boote in der Schlacht auf den Welt­meeren.

Zn vier Tagen 125 000 BRT. ist der Erfolg der U-Bootjagd auf allen Meeren, die noch zu den 613 500 BRT. kommen, die nach den Meldungen der Woche vom 13. bis zum 20. September bereits versenkt wurden. Man versteht es, wenn Churchill stöhnt:Ohne Schiffe können wir nicht leben und ohne Schiffe nicht siegen" und deshalb die Werft­besitzer anfleht, ihr Aeußerstes zu tun, um den Schiffsbau zu forcieren. Denn der Tonnagemangel steht als drohendes Gespenst hinter allen Plänen der alliierten Kriegführung. Er ist auch die Haupt­ursache der Spannungen, die im allierten Lager über das immer wieder diskutierte Problem der zweiten Front herrschen. Bei Molotows Besuch in London wurde zwischen ihm und ChurcM am 23. Juni ein Abkommen unterzeichnet, in dem sich folgender Satz findetZwischen beiden Parteien wurde volles Einvernehmen über die dringliche Aufgabe der Schaffung einer zweiten Front in Europa im Jahre 1942 erreicht." Das Versprechen war leichter gegeben als gehalten. Denn wenn man wirklich die Truppen dafür einsetzen wollte, die Eng­land und die USA. auf der britischen Insel und- in Nordirland konzentriert haben, so fehlte es doch an Schiffsraum, um eine große Armee mit ihren schweren Waffen zu transportieren und den Nach­schub für sie sicherzustellen. So hat man sich in London und Washington schon sehr bald alle Mühe gegeben, um das einmal gegebene Versprechen zu verwässern und durch Vorbehalte abzuschwächen. Schließlich hat Churchill bei seinem Besuch in Mos­kau seine ganze Ueberredungskunst aufgeboten, um Stalin von seiner Forderung abzubringen. Erst als dieser mit dem Hinweis auf die äußerst kritische Lage seines Südabschnitts und den Zusammenbruch seiner Offensivhoffnungen nls einzig durchgreifende Entlastung erneut die sofortige Errichtung einer zweiten Front in Europa durch die Alliierten ver­langte, gab Churchill den Befehl zum Start des Unternehmens von Dieppe, das schon nach wenigen Stunden so kläglich scheitern sollte. Nun sucht man mit allen möglichen Ausreden von dem leichtfertig gegebenen und heute höchst unbequem empfundenen Versprechen loszukommen. So schreibt dieNew Vork Times":Niemand legte die anglo-amerika- nische Erklärung als ein definitives Versprechen der zweiten Front in diesem Jahre aus. Stalin, Chur­chill und Roosevelt wußten, sie könne nur bedeuten, daß die Alliierten die Offensive starten würden, wenn sie dazu in der Lage seien." Und das Blatt fügt im Hinblick auf die erbitterte Stim­mung, die Roosevelts Sondergesandten Willkie in Moskau über das Ausbleiben der versprochenen Entlastungsoffensive entgegengetreten ist, mit schlecht verhehltem Zynismus hinzu:Es ist tragisch, wenn das Sowjetvolk dazu geführt wurde, anders zu denken."

Es ist natürlich billig, jetzt, wo sich für die Alli­ierten die Unmöglichkeit erweist, für die Errichtung einer zweiten Front so schnell den erforderlichen Schiffsraum herbeizuschaffen, wie die Sowjets in ihrer Bedrängnis eine fühlbare Entlastung erwar­ten, alles auf ein Mißverständnis zurückzuführen und die Schuld daran der sowjetischen Propaganda in die Schuhe zu schieben, die den sowjetischen Mas­sen, um sie von den schweren Niederlagen an den eigenen Fronten abzulenken, die Hilfe der Alli­ierten als unmittelbar bevorstehend in Aussicht ge­stellt hatte, was diese gar nicht im Sinne gehabt hatten.'Interessanter als diese mit bitterem Zorn geführten Erörterungen im alliierten Lager an sich ist für uns die sich daraus ergebende klare und einschneidende Tatsache, daß es für die Alliierten dank der fortdauernden deutschen Erfolge in der gewaltigen Schlacht auf den Weltmeeren überhaupt nur noch ein Entweder-Oder gibt. Entweder ver­suchen England und die USA. ihrem Sowjet- alliierten mit Lieferungen von Rüstungsmaterial beizuspringen, dann erfordert diese Aufgabe sowohl allen verfügbaren Schiffsraum als alle Anstrengun­gen der alliierten Rüstungsindustrie oder die Sow­jets bestehen auf ihrer Forderung der zweiten Front, dann dürfen sie mit weiteren Materialsen­dungen nicht mehr rechnen, müssen jedoch gewärtig sein, daß die Alliierten mit ihren eigenen Vorbe­reitungen so langsam fertiq^werden, daß die er­sehnte Entlastung für die Sowjets zu spät tommt;

Ein Mann rechnet ab

Roman von Horst BiernaUi

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Darauf geschah nun etwas Unglaubliches und Merkwürdiges: Gonzales begann sich um Maltes Freundschaft zu bewerben. Er verfolgte Malte so hartnäckig mit seinen Liebenswürdigkeiten, daß Malte mir mehr als einmal gestand, er wüßte nicht, wie er den Kerl abschieben solle, denn soviel An­hänglichkeit wäre für einen Mann, der zu arbeiten habe, einigermaßen lästig. Malte war damals näm­lich, obwohl er kaum länaer als ein Jahr auf Buena Esperanza arbeitete, so etwas wie Huislanders rechte Hand geworden, oder wie Huislanders Kopf, oder wie fein Sprachrohr. Die beiden verstanden sich aus­gezeichnet.

Einige Monate, bevor der große, entscheidende Schlag geführt werden sollte, nahm Huislander Malte zu einer Reise in die Staaten mit. Sie blieben einige Wochen fort. Als sie zurückkamen, folgte ihnen eine ganze Schiffsladung von Spezialbohrern und Gerätschaften für die Erschließung des Oels. Huis­lander hatte fast den ganzen Rest seines Kapitals in die Anschaffungen gesteckt. Alles stand auf einer Karte. Wir richteten neue Bohrtürme auf, nach Maltes Anweisungen im südlichsten Abschnitt des Camps. Es war eine ungeheure Spannung, auch bei den Amerikanern. Denn wenn Maltes Theorie richtig war, wenn wir auf Buena Esperanza sozu­sagen über dem tiefsten Punkt der unterirdischen Oelwanne standen, dann pumpte Huislander sie einfach leer.

In dieser Zeit, als er erste Turm zu arbeiten begann, geschah es, daß die Freundschaft, oder wie man das Verhältnis von Gonzales zu Malte nennen will, plötzlich platzte. Völlig lautlos und ohne daß ein Mensch wußte, weshalb das Tischtuch zwischen ihnen auf einmal zerschnitten war. Sic sahen sich nicht

Raumgewinn im Kaukasusgebiet.

Oer Wehrmachtbericht.

DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 25. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m La ukafusgeb iet gewannen deutsche und verbündete Truppen im Angriff gegen hartnäckig verteidigte Stellungen weiter Raum und wiesen mehrere Gegenangriffe ab. Bei der Bekämpfung von Schiffszielen vor der kaukafusküfte wur­den zwei Frachtschiffe durch Bombentreffer schwer beschädigt.

3m Stadtgebiet von Stalingrad nahmen die Angriffstruppen in zähem Häuserkampf weitere be­festigte Stützpunkte. Entlastungsangriffe gegen die nördliche Abriegelungsfront wurden in harten Kämpfen abgewehrt und dabei 36 Panzer ab- geschossen. Flugplätze ostwärts Stalingrad wurden bei Tag und Rächt bombardiert. Rächttiche Bombenangriffe setzten abermals Oelbehäller bei Saratow in Brand. 3m Mündungsgebiet der Wolga und ostwärts des Stromes wurden zwei Tanker versenkt zwei Lastkähne beschädigt und ein Wunitionszug zur Explosion gebracht.

um wirksam zu werden. So schreibt derDaily Telegraph": ;2)ie Kriegsbedürfnisse der Sowjet­union sind nicht nur groß, sondern verlangen auch sofortige Befriedigung, zumal bei dem Kampf um Stalingrad gewaltige Munitionsmengen und in den früheren Schlachten umfangreiche Rohstofflager und Industriezentren verloren gingen. Wir müssen jetzt den Sowjets mit allen Mitteln zu Hilfe kom­men. Es ist aber leider so", so schränkt das Blatt die britische Willfährigkeit im gleichen Atemzuge ein, daß übergroße Anforderungen an die Hilfsmittel Englands und Amerikas in allen Teilen her Welt gestellt werden. Immer wieder spielt die Schiffs­rau m n o t eine gewichtige Rolle, denn es gibt so gut wie nichts, was anders als auf dem' Seewege an irgend eine der Hauptkampffronten transportiert werden kann."

Damit berührt das Blatt einen besonders heiklen Punkt der alliierten Kriegführung, i)en Zwang näm­lich, zu weit entlegenen und ohne Zusammenhang stehenden Kampffronten die Seeverbindungen auf­rechtzuerhalten, die sämtlich irgendwo in den Aktionsradius der feindlichen Kriegsmarinen und Luftwaffen geraten müssen, sei es im Eismeer, im Atlantik, im Mittelmeer, im Indischen Ozean oder im Pazifik. Die Achsenmächte sowohl wie Japan kämpfen trotz der gewaltigen Ausdehnung ihrer Fronten über viele tausend Kilometer hinweg über­all auf der inneren Linie und ziehen daraus den Vorteil gesicherten Nachschubs, während England und die USA. sich in der prekären Lage eines Heerführers befinden, dessen Etappe und Nachschub­wege ständig im feindlichen Feuer liegen. Und da auch die beiden stärksten Landmächte im alliierten Lager, die Sowjetunion und Tschungking-China,

mehr, sie grüßten sich nicht mehr, aber es war un­möglich herauszubekommen, was zwischen ihnen eigentlich vorgefallen war.

Malte schwieg hartnäckig; es war ein wütendes, verbissenes Schweigen, und Gonzales schwieg eben­falls. Ich versuchte Malte einmal zum Reden zu bringen, aber er wehrte ab; er murmelte nur etwas von einer Schweinerei, die so unglaublich wäre, daß einem davon Übel würde und er bekam, als er das sagte, wirklich weiße Lippen.

Wir steckten damals alle bis über den Hals in Arbeit, so daß diese Geschichte,, die sozusagen am Rand des Geschehens und der allgemeinen Span­nung passierte, auch nur halbe Aufmerksamkeit fand. Lieber Gott, in einem Camp, wo mehr als hundert Männer zufammenhausten, gab es täglich solche Feindschaften.

In der Verhandlung, die später gegen Malte ge­führt wurde, nannte er zum erstenmal den wahren Grund der überraschenden Feindschaft. Gonzales schwor einen Eid, daß es eine gemeine Verleumdung und daß gerade das Gegenteil richtig sei. Er hat einen Meineid geschworen, das ist gewiß. Aber das sind alles Dinge, die sich später ereigneten."

Orgassa schwieg eine Weile. Er befeuchtete sich die trockenen Lippen.Ich sagte dir, Kleine, daß es eine lange Geschichte würde", erklärte er, als müsse er sich entschuldigen. Karen antwortete nicht.

Weiter weiter", bat sie ungeduldig.

Es kant, wie Huislander es geahnt und wie Malte es bewiesen hatte. Bei tausendachthundert Meter stießen wir auf Oel. Auf Oel in solcher Menge, daß der ungeheure Druck den ersten Versuchsturm aus dem Boden schleuderte und der halbe Camp überschwemmt wurde. Unsere Leute gebärdeten sich wie toll und die Amerikaner drüben auf Terra­nova und Santa Catalina wurden grün vor Wut und Sorge. Das Oel kam gerade zur rechten Zeit, denn Huislanders Kapital war bis auf den letzten Peso erschöpft. Auf den Fund hin bekam er Kredite zu normalen Bedingungen und konnte Weiter­arbeiten.

An der D o n f r o n t schlugen italienische Truppen einen Aebersehverfuch der Bolschewisten über den Fluß ab. Bei Woronesch wiederholt der Feind seine vergeblichen Angriffe.

3m mittleren und nördlichen Front­abschnitt wurden die eigenen Angriffsunterneh- mungen fortgesetzt. Feindliche Gegenangriffe und örtliche Angriffe der Sowjets südostwärts des 3 l men fees brachen im Abwehrfeuer zusammen.

3m üstlichen Wittelmeer versenkte ein deutsches Unterseeboot einen Transporter.

Britische Bomber führten in der vergangenen Rächt Störflüge über der Oft- und Rordsee durch. Rachtjäger schossen ein Flugzeug, Warineflak und Vorpostenboote fünf britische Flugzeuge ab.

Rach wirksamen Tiefangriffen leichter deutscher Kampfflugzeuge bei Tage gegen militärische Ziele an der englischen Südküste wurde in der vergangenen Rächt ein Verkehrsknotenpunkt im Südwestender3nselmit Bomben belegt.

Bei der erfolgreichen Abwehr starker feindlicher Entlastungsangriffe im Raum von Stalingrad zeichnete sich die brandenburgische 76. 3n fanteriedivision besonders aus.

ohne die Materialzufuhr der verbündeten Seemächte sich zu erschöpfen drohen, ist es genau so wie eine enalische Zeitung kürzlich schrieb: die Allianz der Alliierten ist nur so stark wie ihre Seeverbindungen. Und ein anderes Blatt, dieDaily Mail" ergänzt diese Erkenntnis durch die treffende Bemerkung, verliere man die Schlacht auf den Meeren, so sei alles verloren. Deshalb starrt man in England wie in den USA. nach wie vor mit angstvollen Blicken auf den Wettkampf zwischen den Versenkun­gen durch U-Boote und Luftwaffe und dem Neubau von Schiffen, einem Wettlauf, in dem Torpedo und Fliegerbombe bislang unbestritten die Spitze halten. Auch wenn die USA.-Wersten angeblich im .Rekordtempo und in Serienproduktion Schisse von 10 000 und 7500 BRT. bauen, sind die Verluste nicht aufzuholen, zumal das Transportwesen der USA. durch die Notwendigkeit der Versorgung amerikanischer Truppenkontingente in Südamerika, in Australien und Jndiep, im Vordere!) Orient, in England, auf Island und Nordirland bis zum äußersten angespannt ist, ganz abgesehen von den Materialtransporten für die Alliierten.

Die amerikanische Presse rechnet sich aus, daß mit Hilfe der neuen Baumethoden seit dem Juli 1942 allmonatlich rund - 750 000 Tonnen neuen Schiffs­raums gebaut werden können. Aber das sind Ge­wichtstonnen, von denen nur 500 000 Raumtonnen übrigbleiben, die man mit der Versenkungsziffer in Vergleich setzen darf. Ferner rechnen die ameri­kanischen Blätter zu den fahrbereiten Schissen auch solche hinzu, die erst vom Stapel gelaufen sind, also ihre zweite, durch höheren Arbeitsaufwand bei der Fertigstellung sich ergebende Bauhälfte noch vor sich haben, bevor sie in Dienst gestellt werden

Damals nun, als die erste Oelfontäne aus dem Boden sprang, ließ Huislander sich nicht lumpen. Er war ein Mann von ungeheurer Lebenskraft, der dem Vergnügen ebensowenig aus dem Wege ging wie der Arbeit. Er war eben Holländer und verbrämte seinen Reichtum nicht wie diese verdammten Amerikaner mit Bibelsprüchen und Aszese. Kurz und gut, so wie das Oel ihn überschwemmt hatte, so überschwemmte er den Camp mit einer Sturzflut von Schnaps.

Für uns Ingenieure hatte er sich etwas Feineres ausgedacht. Er mietete in Verakruz ein ganzes Tin­geltangel und lud uns dort zu »feinem Fest* ein. Das ist jetzt eine ganze Weile her, aber wenn du dich an der ganzen Küste, von Campeche bis nach Matamoros hinauf, nach Huislanders Oelfest erkun­digst, dann wird dir noch jeder Wunderdinge davon zu erzählen wissen. Aber besser, du erkundigst dich nicht, denn es wäre keiye schickliche Frage im Munde einer jungen Dame.

Dort jedenfalls, im »Aguila d'Orcü von Verakruz, lernte Malte Brackmann Ciquita Perano kennen. Sie war sozusagen Huislanders große Attraktion. Er hatte auch sie für fein Fest engagiert, als er die ganzen Kabarette der Küste plünderte. Ciquita Pe­rano war der höchste Trumps, den er ausspielte.

Sie war aus Venezuela, eine unbeschreiblich schöne Frau mit einer zauberhaften, dunklen, ein wenig klirrenden Stimme. Ich sage dir, es war eine Stimme, die einem durch Mark und Bein ging. Wenn sie sang, saß man atemlos da, und wenn sie endete und die Gitarre oder die Kastagnetten sinken ließ, wagte ni*i sich nicht zu rühren aus Furcht, die leiseste BewHung könnte den süßen Zauber zer­stören, der einen gefangen hielt.

Sie sang unsere Lieder, Die wir an den Türmen grölten, und die Lieder der Matrosen auf den großen Segelschiffen, sie sang wilde kubanische Yo- tas und alte, düstere aztekische Weisen, sie fang zarte spanische Liebeslieder, wie sie die jungen Burschen auf den Wällen von Salamanca summen, und sie sang die frechen Verse aus den Dirnenquartieren der Küstenstädte.

Zwei Fahre Oreimächtepaki.

Als im Dezember des vergangenen Jahres Japan zu den Waffen griff und bereits in den ersten Tagen den Anglo-Amerikanern mit blitzschnell ge- führten ScAägen schwere Niederlagen beibrachte, da war die Ueberraschung, ja Bestürzung in Lon­don und in Washington vollkommen. Man war im Lager der Alliierten der Ansicht gewesen, die japa­nische Nation Weiterhin ständig unter erpresserischem Druck halten zu können, und mußte nun erkennen, daß Tokio keineswegs gewillt war, seine Ehre mit Füßen treten zu lassen. Die Tatsache, daß Japan nunmehr unter .Einsatz seiner seit langem sorgsam geschulten Wehrmacht an die Seite Deutschlands und Jatliens trat, hätte im anglo-amerikamschen Lager nicht diese Verwirrung auszulösen brauchen, wenn man dem vierzehn Monate vorher unterzeich­neten Dreimächtepakt eine größere Bedeutung beigelegt hätte. Am 27. September sind zwei Jahre seit dem Tage vergangen, da dieser Vertrag in Ber­lin von Deutschland, Italien und Hapan unterzeichnet wurde.

Durch den Pqkt war festgelegt worden, welche Aufgaben die drei Mächte bei der Gestaltung der neuen Aera im Zusammenleben der Völker zu er­füllen haben würden. Es wurde vereinbart, daß Japan die Führung Deutschlands und Italiens bei der Schaffung einer neuen Ordnung in Europa an­erkennt, wohingegen Deutschland und Italien das­selbe Japan gegenüber im großostasiatischen Raum tun. Ausdrücklich wurde festgelegt, daß die drei Mächte sich verpflichteten, sich mit allen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Mitteln zu unter­stützen, falls einer der Vertragschließenden von einer Macht angegriffen würde, die bisher nicht an dem europäischen oder dem ostasiatischen Krieg beteiligt sei.

Die Bedeutung des Paktes in feinem ganzen Um­fang umriß Reichsaußenminister von Ribben­trop in einer Ansprache, in der er erklärte:Ein unhaltbar gewordener Status dieser Welt bricht unter den militärischen Schlägen der angegriffenen Völker zusammen. Große Nationen, denen bisher als gleichberechtigten Gliedern der menschlichen Ge­sellschaft die Teilnahme am Genuß der Güter dieser Erde verweigert worden war, werden auf Grund des höchsten aller irdischen Rechte ihre endgültige Gleichberechtigung erkämpfen. Dieser Kampf aber richtet sich nicht gegen andere Völker, sondern gejjen d i e Existenz einer internatro» aalen Verschwörung, die es schon einmal fertiggebracht hat, die Erde in einen blutigen Krieg zu stürz'en. Jeder Staat aber, der die Absicht haben sollte, sich in die End Phase der Lösung dieser Pro­bleme in Europa oder auch Asien einzumischen, wird sich mit der gefammten zusammengeballten Kraft der drei Völker von über 250 Millionen ausein- anderzusetzen haben. Damit wird dieser Pakt in jedem Falle der Wiederherstellung des Weltfriedens dienlich fein."

Im Geist dieser engen Waffenbrüderschaft gehen die drei großen Nationen gemeinsam den Weg, den ihr Verantwortungsbewußtsein ihnen vorschreibt. Wie sehr man im gegnerischen Lager die Bedeutung dieses Paktes unterschätzt hatte, dafür ist die Sorg­losigkeit bezeichnend, die die Anglo-Amerikaner hin­sichtlich der Sicherung ihrer Besitzungen im gesamten ostasiatischen Raum an den Tag gelegt hatten. Die Ueberraschungstaktik der Japaner hat in den knapp zehn Monaten, da sie zu den Waffen gegriffen haben, immef neue Triumphe gefeiert. Sie oegan-

können. So schätzt die Londoner ZeitschriftCco- nomist", daß die Vereinigten Staaten im Jahre 1942 kaum mehr als 3,5 Millionen BRT. Schiffs­raum zur Verfügung haben könnten. Und die Fach­zeitschriftShipping World" erwartet von den britischen Werften für das gleiche Jahr nur etwa 1,2 Millionen an Neubauten. Da England seit Ausbruch des Krieges bis Ende Januar 1941 nur 1,75 Millionen BRT. an Handelsschiffen gebaut hat, hat es nach Angabe der gleichen Zeitschrift noch nicht einmal die zu Beginn des Krieges ge­schätzte Schiftsbaukapazität von 2,5 Millionen BRT. im Jahre erreicht. Die Inanspruchnahme der Werf­ten durch vordringliche Kriegsschiffsbauten und Re­paraturen, der Mangel an Facharbeitern und Stahl sind die wesentlichen Ursachen dieser Minderleistun­gen. So beginnt sich die von Churchill ersonnene und von Roosevelt ins Phantastische übertragene Strategie der Kriegsausweitung schon in der Trans­portfrage durch die nicht zu bannende Schiffsraum­not an ihren Vätern sehr bitter zu rächen. Die U-Boote der Achsenmächte, zu denen nun auch Teile der japanischen U-Bootwaffe im Atlantik ge­stoßen sind, werden in beharrlichem Kampfe dafür sorgen, daß der wachsende Tonnageschwund die Alliierten der Mühen um die Errichtung einer zweiten Front enthebt. Dr. Fr. W. Lange.

Ciquita Perano ... Ich möchte sie dir gern be­schreiben, aber es ist, als sollte ich einen Duft oder eine Farbe in Worte einfangen. Ich kann dir nur etwas darüber sagen, welch eine faszinierende Wir­kung von ihr ausging. Sie trat auf eine Bühne, auf der eine jämmerliche Kulisse mit aufgemalten Möbeln einen Salon vortäuschen sollte. Eine Ko­mödiantentruppe hatte darauf' vor ihrem Auftreten ein ziemlich schmieriges Dreieckstück gespielt, das aber großen Beifall gefunden hatte. Die Perano kam mit lässigen Schritten zur Rampe. Sie trug sich spanisch, in schwarzer, schwerer Seide, mit einem wunder­baren brillantenbesetzten Kamm unter dem kostbaren Schleier. Ihre Bewegungen waren fast träge, aber von vollendeter Anmut und Geschmeidigkeit. Ihr Körper war wie ein Wunder.

Wir waren fast dreißig Manner im Saal, und wir hattencktundenlang schwer gezecht. Plötzlich, mit ihrem Eintritt wurde es totenstill. Unter uns befand sich ein Grieche-, Alexander Passaris, er war Aufseher im Arbeiterlager, ein roher, gewalttätiger Bursche, der später bei einer Messerstecherei sein Ende fand. Er war Huislander wertvoll, weil er die wüste Bande im Camp brutal zu zügeln verstand. Dieser Passaris taumelte halbbetrunken zur Rampe, beutete auf einen der gemalten Stühle hin und sagte mit einer trunkenen Handbewegung laut in die Stille hinein: »Bitte, weshalb nehmen Sie nicht Platz, Ma­dame?^

Wahrscheinlich erwartete er einen LacherfoLg. Be­vor jemand dazu kam, ihn am Kragen zu packen und hinauszuwerfen, geschah etwas sehr Merkwür­diges, das auf mich einen großen Eindruck machte. Die Perano sah ihn eine Sekunde lang an, mit einem Blick, wie man etwas sehr Schnuchiges und Widerwärtiges betrachtet, das ekelhaft zu berühren ist, und bann brehte sie ben Kopf mit einer nach­lässigen Bewegung zur Seite unb beutete mit dem Daumen wortlos auf bie Tür. Niemanb im Saal bewegte sich. Es herrschte ein gefährliches Schweigen.

(Fortsetzung folgt.)

Unzureichende Rationen für die Gowjetbevölkerung.

Stockholm, 25. Sept. (DNB.) Schon in den Jahren des Friedens übertönten immer wieder Meldungen von entsetzlichen Hungersnöten in weiten Gebieten des bolschewistischen Reiches die Phrasen vomhumanitären Fortschritt". Im Ver­lauf des Krieges traten die Unzuträglichkeiten der Sowjetplanung auf dem Ernährungssektor immer mehr in Erscheinung. Die katastrophale Lage des bolschewistischen Transportwesens erfuhr unter der Einwirkung der deutschen Luftwaffe, die ihre Ziele weit im Hinterland des Feindes suchte und fand, eine noch weitere Verschlechterung. Aus dem Ver­luste wesentlicher Erzeugungsgebiete, die zu den hauptsächlichsten Vorratskammern des Sowjetreiches gehörten, ergab sich die jetzige schlechte Lage der bolschewistischen Ernährung, die sich sogar nach britischen Berichten als immer katastrophaler her­ausstellt. Nach britischen Angaben erhält der Nor­malverbraucher in der Sowjetunion für vier Wochen 200 Gramm Fleisch, der Schwerstarbeiter 2200 Gramm. In Deutschland stehen für den aleichen Zeitraum dem Normalverbraucher 1200 Gramm, dem Schwerstarbeiter 3400 Gramm zur Verfügung. An Butter, Margarine, Rohfetten usw. soll der Durchschnittsbürger der Sowjetunion 200 Gramm für 4 Wochen erhalten. In Deutsch­

land stehen dem Normalverbraucher in 4 Wochen 82ä Gramm Fett, dem Schwerstarbeiter 2290 Gramm gegenüber angeblichen 800 Gramm, die der owjettsche Schwerstarbeiter erhalten soll, zur Ver- ügung. 200 Gramm Zucker sollen an den Durch- chnittsverbraucher in der Sowjetunion ausgeliefert werden. Dem Schwerstarbeiter in den bolschewisti­schen Rüstungswerken sollen 500 Gramm für vier Wochen zur Verfügung stehen. In Deutschland er­halten sowohl Normalverbraucher wie auch Schwerst­arbeiter für den gleichen Zeitraum eine Zucker­menge von 900 Gramm.

Da diese britischen Angaben auf offiziösen Mos­kauer Quellen beruhen, müssen sie als bolschewistischer Agitationsschwindel bezeichnet werden. Die Ziffern stehen auf dem Papier. Ob aber das Volk die ihm danach zustehenden Rationen auch wirklich bekommt, ist eine andere Frage. Was dagegen in Deutschland auf Karten zugeteilt wird, erhält der Verbraucher auch tatsächlich. Die Wirklichkeit in der Ernährungs­lage in der Sowjetunion sieht also noch katastro­phaler aus. In England hat man die Gefährdung der bolschewistischen Crnährungsgrundlage erkannt. Man versucht, kanadischen Weizen nach der Sowjet­union zu verfrachten. Daß er fein Ziel nicht erreicht hat, dafür sorgen unsere U-Boote und Kampfflieger.