Einzelbild herunterladen

Sit) t ei Garant unb das Gebiet südöstlich da­von erreicht, dis wohin etwa Marschall G r a z i a n i im Herbst 1940 vorgedrungen war.

So IIum gehörte ursprünglich zu dem türkischen Tripolitanien, Las im Jahre 1911 italienisch wurde. Die Engländer setzten aber die Abtretung dieses kleinen Hafens an Aegypten durch. Sollum liegt noch am Rand der' Höhenplatte, die im östlichen Libyen steil zum Meer abbricht. Oestlich von Sollum macht diele Höhenplatte einen Knick und zieht sich landeinwärts, während sich die Küste verflacht und nur nochSanddünen aufweist. Aus diesem Uebergang von der felsigen Höhenplatte in das sandreiche Dünengediet erklärt sich auch der H a l f a y a - Pa ß.

Sollum und Fort Capuzzo sind kleine Wüsten- und Küstennester. Oder vielmehr, sie waren es. Denn mit vollem Recht spricht der BZehrmachtbericht vom 25. 6. von den Festungen Capuzzo, Sollum und Halfaya. In den zweijährigen Kämpfen vom Som­mer 1940 bis heute sind sie zu Festungen umge- wandelt worden, selbstverständlich mit afrikanischen Maßstäben gemessen. Wesentlich ausgebaut wurde sowohl von Italienern wie von Engländern das Straßennetz. Die Engländer haben auch eine Eisenbahn gebaut, die an die schon lange bestehende, bis Marsa Matruk reichende Linie anknüpft. In Marsa Matruk aabeln sich auch Auto-Straßen": die eine führt über Sidi el Barani nach Sollum, ist also Küstenstraße, die andere landeinwärts nach der Oase Siwah. Die Eisenbahn führt nun von Marsa Matruk bis Sidi Rezegh, also fast bis To­bruk. lieber Len Zustand, in dem die deutschen und italienischen Truppen diese Bahn angetroffen haben, ist im Augenblick noch nichts Näheres bekannt; doch besteht die Möglichkeit, Laß sie infolge des über­stürzten englischen Rückzuges in leidlicher Ordnung angetroffen wurde, so Laß sie auch dem Transport von West nach Ost (statt bisher von Ost nach West) dienen kann. Auch haben die Engländer eine Wasser­leitung, gebaut, der sie jetzt heftig nachtrauern wer­den.

Wir blicken voller Bewunderung und in innigem Dank auf unsere Soldaten in Afrika, die es nicht nur dem Gegner verwehrten, Libyen zu erobern, so-ndern ihm selbst die wertvollen strategischen Po­sitionen mit einem Elan sondergleichen unter den schwierigsten Verhältnissen wegnahyien. Wenn schon der Fall von Tobruk den Engländern uni) ihren Verbündeten so schwer auf die Nerven fiel, so wird das erst recht jetzt der Fall fein, wenn sie sich da­mit abfinden müssen, daß Generalfeldmarschall Rommel den Siea von Tobruk gründlich ausnutzt. Nachdem der Fall von Tobruk schon so lebhaft die Gemüter in England und in den Vereinigten Staaten beschäftigt hat, wird die jetzige Entwicklung nicht dazu beitragen, die Aufregung zu beschwich­tigen.

Britische Angstmaßnahmen in Aegypten.

Ankara, 25.Juni. (Europapreß.) Eine Reihe in Ankara eingelaufener Nachrichten beweist, in welche Angst die britischen Behörden in Aegypten durch die NieLerlaae bon Tobruk versetzt wurden. So sind von britischer Seite alle Vorbereitungen getroffen worden, um gegebenenfalls unter Aus- fchaltung der ägyptischen Regierung die volle Gewalt in die Hände des britischen Militärs zu legen. Für bestimmte wichtige Posten sind bereits englische Beamte und Mllitärs bestimmt worden. König Faruk hat vor einigen Tagen, anaeblich zu feinem Schutz, in Wirklichkeit aber zur Ueberwachung seiner Person, eine aus britischen Geheimpolizisten bestehende Leibwache er­halten, die allein dem britischen Leiter der Polizei von Kairo, Rüssel Pascha, verantwortlich ist. Sir Miles Lampson, der britische Botschafter in Aegypten, hat von der ägyptischen Regierung die Auslieferung des früheren Ministerpräsidenten M a - her Pascha verlangt, der seit Monaten in Hast ist. Dieser, -er den Briten nie hold gewesen ist, erscheint ihnen jetzt so gefährlich, daß sie ihn nach Palästina verschicken wollen.

General Bastico bei Rommel.

Rom, 25.Juni. (DNB.) Der Oberbefehlshaber der italienischen Streitkräfte in Nordafrika, General V a ft i c o , besichtigte Stabt, Hafenanlagen und Umgebung von Tobruk und begab sich nach den vorderen Linien, um den Generalfeldmarschall Rommel aufzusuchen. Er äußerte seine lebhafte Anerkennung für die glänzende Führung der Trup- pen der Achsenmächte auf dem Schlachtfeld, wäh-

Oel auf die Wunden.

Aus der Geschichte der Kriegschirurgie.

Eine Pfeilschuhverletzung erscheint uns heute im Zeitalter der Minenwerfer, des Maschinengewehrs und der Splitterbomben als eine verhältnismäßig harmlose Angelegenheit. Und doch war die Wirkung einer Armbrust und anderer mittelalterlicher Schleu­dergeräte durchaus nicht zu unterschätzen. Eine Pfeilverletzung war, wenn sie nicht sogar das Leben kostete, außerordentlich schmerzhaft; vor allem be­reitete sie den alten Aerzten erhebliches Kopfzer­brechen. Die mit Widerhaken versehenen Geschosse ließen sich sehr schwer entfernen.Mit dem Pfeil" wurde einst zum Beinamen eines der Markgrafen von Brandenburg, weil ihm bei einer Fehde mit dem Magdeburger Erzbischof ein Pfeil in den Schä­del gedrungen war und die Aerzte sich vergeblich bemüht hatten, die Pfeilspitze zu entfernen. Vier Jahre lang mußte der Markgraf dieseZierde" mit sich Herumtragen, dann gelang es dem elsässischen Wundarzt Hans von Dockenburg, den man aus feiner Heimat eigens herbeiholen ließ, den Mark­grafen von der Pfeilspitze zu befreien.

*

Ob sich ein Pfeil im Knochengewebe festgeklemmt batte, ob er mit Widerhaken bewehrt war und an biefen im Fleisch haftete, stets erforderte es be­sondere ärzlliche Kunst, einen Pfeil zu entfernen. Schon bei Homer haben die griechischen Helden chre Schwierigkeiten, um die Pfeile wieder abzu- schütteln, und menschliche Kunst war da ost ver­gebens. Ein Wandgemälde in Pompeji zeigt z. B. den Aeneas, dem ein Pfeil in den Unterschenkel gedrungen und der auch mit Hilfe des Arztes Japis nicht zu entfernen ift Erst als Aphrodite selbst auf dem Berge Sitte auf Kreta das Heilkraut Diktam- nos pflückte und nach Troja hinüberschwebte um den Dlktarnnossaft in die Wunde zu träufeln' ließ stch die Operation erfolgreich vollenden. Noch im Jahre 1534 schrieb Hieronymus Brunschwig in -vtraßburg, der auch das älteste deutsche chirurgische ?^erLEer^^nen ein BuchPon ausziehung der Pfeyl . So wichtig erschien damals, als schon die Zell der Feuerwaffen begann, noch die änt- üche Hilfe bei Pfeilschüssen.

6>

Sie letzte Angriffsroule gegen lapan verloren.

Oie Besetzung der Aleuten-Znseln Kiska und Attu.

Tokio, 25. Juni. (DNB.) Der Kriegskorrespon­dent der kaiserlichen Marine schreibt: Mit der Be­setzung von Kiska und Attu am 7. und 8 Juni haben die Vereinigten Staaten den letzten Stützpunkt für einen Angriffsweg gegen Japan ver­loren, d. h. die nördliche Straße über d i e A l e u t e n , nachdem sie durch ihre Niederlagen die beiden anderen möglichen Angriffsrouten für einen Angriff 'gegen Japan, die Straße HawaiiManila und AustralienOstindienMalaya verloren. Bei dem Ueberraschungsangriff auf die Aleuten zer­störten die Japaner Speicher, Oeltanks und andere wichtige militärische Ziele. Dutch Harbour war der wichtigste USA.-Seestützpunkt auf den Aleuten. Den Luftoperationen -folgten erfolgreiche Landun­gen auf Kiska am 7. und auf Attu am 8. Juni. Diese Erfolge sind vor allen Dingen den japanischen Luftbeobachtungseinheiten" zu ver­danken, die über dem ganzen ausgedehnten Ope­rationsgebiet des Pazifik sorgsame Wacht hielten, unaeachtet des schlechten Wetters, der trügerischen Luftströmungen und des dichten Nebels, denn in der Gegend dieses nördlichen japanischen Pazifik- Stützpunktes herrschen bereits jetzt Kältegrade, wie in Tokio im Winter. Die Dämmerung beginnt schon am frühen Nachmittag. Die Windrichtungen wechsel­ten ständig und erschwerten ^die Lufttätigkeit.

Kein Widerstand.

Nur zehn amerikanischeFischer alsBesatzung

Tokio, 25. Juni. (Europapreß.) lieber die Lan­dung auf den Aleuten gibt ein japanischer Kriegs­berichter folgende Darstellung, die den gestern schon veröffentlichten Bericht ergänzt: In der Nacht des 7. Juni näherten sich unsere durch Kriegsschiffe ge­leiteten Transporter vorsichtig und ständig lotsend der Aleuten-Jnsel, deren Besetzung geplant war. Schnell bemannten unsere Truppen die Motorboote, die kurz darauf mit hoher Bugwelle dem Ufer ent­gegenbrausten. Aufklärungsabteilungen hatten in­zwischen gemeldet, daß vor der Insel weder Minen gelegt, noch Maßnahmen zur Küstenverteidigung

getroffen waren. Um 22.30 Uhr zeigte eine Leucht­kugel die erfolgreiche Landung der Truppen an. In völliger Dunkelheit gingen die Truppen durch schmelzenden Schnee gegen den amerikanischen Stützpunkt in einer in der Nähe der Landungs­stelle gelegenen Bucht vor. Die Stille der Nacht wurde nur durch das Heulen von Polarfüchsen un­terbrochen. ...

Im ersten Morgengrauen erhielten die ersten japanischen Truppen plötzlich Maschinengewehrfeuer.

Kyska

S 00 WDOkm

Dutch Här%our~^S

[Sibirien

Ein Stoßtrupp machte das MG. unschädlich und nahm die beiden Schutzen gefangen. Die Amerikaner sagten aus, daß die Besatzung der Insel nur aus zehn Mann bestehe und daß sie erst vor kurzem von ihrer Fischerei adge- rufen unb in Uniform gesteckt worden seien. Die übrigen acht wurden später gefangen genommen. Inzwischen waren die japanischen Kriegsschiffe bereits in die Bucht eingelaufen und hatten die Funkstation unbrauchbar gemacht. Um 4 Uhr morgens wurde in feierlicher Flaggenparade dasSonnenbannergehißt. Die japanischen Truppen verneigten sich in Richtung auf ihre Hei­mat und brachten Banzai-Rufe auf den Tenno aus. Am 9. Juni, so schließt der Bericht, begann die Transportflotte mit der Ausschiffung des mit­gebrachten Kriegsmaterials und richtete die Insel zur Verteidigung ein.

rend Generalfeldmarschall Rommel erklärte, die zu Beginn der Offensive ausgestellten Pläne seien in allen Teilen durchgeführt worden. Bastico konnte sich von dem Ausmaß der Ueberraschung, die dem Feind zuteil wukde, im früheren Hauptquartier der Engländer überzeugen. Nicht das Geringste ist dort zerstört worden; selbst die Tagesbefehle hingen noch an der Wand oder lagen auf den Tischen, zusam­men mit anderen interessanten Dingen. In ganz Tobruk ist es so gewesen. Der Feind muß sich dar­auf Dor bereitet haben, auf Jahre hinaus in Tobruk Zu bleiben und von dort aus halb Libyen zu ver­sorgen, so gewaltig sind die Vorräte aller Art.

Oberfeldwebel Steinbatz.

Berlin, 25. Sunt (DNB.) Oberfeldwebel Steinbatz war in kurzer Zeit in die Reihe der erfolgreichsten Jagdflieger aufgerückt. 1918 in Wien geboren, betätigte er sich als Segelflieger und trat nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule 1937 in ein Fliegerregiment ein. Während des Balkan­feldzuges bewährte er sich als Jagdflieger, besonders bei den Kämpfen um Kreta. Nach feinem 42. Luft­sieg war ihm das Ritterkreuz verliehen worden. Im Mai dieses Jahres erhöhte er innerhalb von vier Wochen feine Luftsiege auf 83. Ungestümes Drauf­gängertum und unermüdliche Einsatzbereitschaft be­wies er auch bei Tiefangriffen gegen Panzerkampf- wagen und Kolonnen. Am 2. 6. wurde ihm nach sei­

nem 91. Lustsiege das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. In den ersten Junitagen konnte er die Zahl seiner Luftsiege auf 96 erhöhen. Am 15. 6. brachte Steinbatz drei weitere Gegner zum Ab­sturz. Er kehrte aber nach dem 99. Luftsieg nicht mehr zu feinem Einsatzhafen zurück. Das Helden­tum des hervorragenden Jagdfliegers hat der Füh­rer durch Verleihung der Schwerter zum Eichenlaub gewürdigt.

Reichsmarschall Göring richtete an den Vater des Oberfeldwebels Steinbatz folgendes Schreiben: Lieder Herr Steinbatz! Der Führer hat Ihren todesmutigen Sohn durch die Verleihung des Eichenlaubs mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes geehrt. Stolz und bewegt bringe -ich Ihnen das mit der Versicherung zur Kenntnis, daß meine Luftwaffe den jungen Helden, der in den Reihen unserer kühnsten Jagdflieger 99 Luft­stege errungen hat, niemals vergessen wird. Göring, Reichsmarschall des Großdeutschen Reiche^ und Oberbefehlshaber der Luftwaffe.

Das Ritterkreuz für einen Notflieger.

Berlin, 25.Juni. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Haupt- mann Krofeberg, der als Staffelkapitän einer Notstaffel bei der Bergung in der Wüste notgelandeter oder über See abge­schossener Ve satzungen ungewöhnliche Lei- |hingen vollbracht hat. Von seiner hohen Ausgabe der Bergung in Not geratener Kameraden zutiefst erfüllt, hat er, in stillem Heldentum sich selbst auf­opfernd, zahlreichen deutschen Soldaten das Leben gerettet, bis er von einem Bergungsflug weit über See nicht zurückkehrte.

General Oßwald 60 Jahre.

In diesen Tagen wird der General der Infanterie Erwin Oßwald, Stellvertretender Kommandierender General des V. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis V in Stuttgart, 60 Jahre alt. Er ist aus der württembergischen Armee hervorgegangen und hat im März 1902 im Infanterieregiment 126 seine militärische Laufbahn begonnen, die ihn im Welt-

I krieg fn den Generalstab führte. Bei Kriegsenbü wurde er I. Generalstabsofsizier des VIII. Reserve- forps. 1930 bis 1933 war er Leiter der allgemeinen Abteilung des Wehramtes im Reichswehrministe­rium, 1933 wurde er Jnfanterieführer V, 1935 Inspekteur der Wehrersatzinspektion Kassel, 1936 Kvmmand eur der 9. Division in Gie­ßen. Am 1. Dezember 1938 General z. b. V. beim V. Armeekorps in Stuttgart, 1940 wurde er General der Infanterie.

Der Kampf an der Wolchow-Froni.

Berlin, 25. Juni. An der Wolchow-Front ist den deutschen Soldaten als besondere Aufgabe das Kämpfen gegen zwei Fronten gestellt, da eingesickerte feindliche Kräfte dicht hinter den eigent­lichen Frontstellungen eingeschlossen sind. Die den Mschließungsriegel bildenden deutschen Truppen kämpften einerseits nach Osten gegen die Ent­setzungsversuche des Feindes und andererseits nach Westen gegen die Ausbruchsversuche der ernge* * feffeiten Bolschewisten. Der Kampf wird weiter er* schwert durch die völlige Wegelosigkeit des durch an- hallende Regenfälle morastigen Geländes. In hes* tigen Gefechten haben die deutschen Truppen des Abschnürungsriegels die Versuche des Feindes, den stählernen Ring zu öffnen, abgewiesen. Im Innern des Kessels entwickelt sich bereits das typische Bild der Vernichtung. Nach Abwehr von feindlichen Erkun» dungsvorstößen gegen die Riegelstellung drangen die deutschen Truppen in hestiaen Kämpfen weiter gegen die eingekesselten Bolschewisten vor. ©egen zähen Widerstand wurden zwei zu Stützpunkten ausgebaute Ortschaften' in Besitz genommen und trotz des versumpften Geländes im weiteren Angriff Boden gewonnen. Die Luftwaffe zerstörte die in Walddickichten angelegten Versorgungslager des Feindes sowie stark ausgebaute Waldstestungen. Da. durch gelang es, das Vordringen der deutschen In­fanterie zur Verengung des ÜLolchow-Kessels wirk­sam zu unterstützen. Ostwärts der deutschen Riegel* ftellung wurden mehrere dicht belegte Ortsunter» fünfte und Panzeransammlungen sowie Flakbatte­rien von Kampfflugzeugen ersaßt.

25 Lahre Marburger Blinden-Giudienanstatt.

Die Blinden-Studienanstall in Marburg konnte in diesen Tagen auf ihr 25jähriges Bestehen zurück- blicken. Geboren aus dem Kameradschaftsgeist des Weltkrieges und getragen von der Idee, den Blin­den, vor allem den Kriegsblinden, wenigstens fee- lisch zu Hellen durch die Ertüchtigung zu geiftiger Arbeit, hat dieses in enger Zusammenarbeit mit der Universität zum größten BlinLeninstitut der Welt gewordene Unternehmen in rastlos vielseitiger Arbeit über 720 berufstätige blinde Geistesarbeiter ersaßt, davon 9 Hochschullehrer, 21 Theologen, 60 Juristen, 30 Staatswissenschaftler und 64 Philo­logen. 250 Blinden hat die Anstalt es ermöglicht, akademische und Staatsprüfungen zu bestehen. Mehr als 350 Blinde, vor allem auch jetzt Kriegs­blinde, empfangen in der Anstall ihre Vorberei­tung für ein Studium oder ihren Beruf. Dazu tritt die größte wissenschaftliche Blindenbücherei und der bedeutendste Blindendruckverlag für wissenschaflliche Werke, sowie eine mechanische Werkstätte für die Herstellung von Hilfsmitteln des Blindenbildungs- wesens.

Anläßlich des Jubiläums stattete Reichsarbeits«. Minister S e I b t e der Blinden-Studienanstall einen Besuch ab, bei dem er in einem Festakt der Phi­lipps-Universität überSozialpolitik und Forschung" sprach. Trotz Technik und Motor müsse sich jeder geniale Feldherr auf ein körperlich und seelisch gesundes Volk stützen können. Unsere Sozialpolitik habe wieder das Gefühl der Verbundenheit mit Staat unb Volk beim Arbeiter hervorgerufen. Nach Beseitigung ber sozialen Entrechtung im Innern stehe uns bas Recht zu, auch eine überstaatliche soziale Neuorbnung Europas zu verlangen, damit alle arbeitswilligen Völker an den Reichtümern der Erde teilnehmen könnten. Unsere Forderungen seien gerecht, deshalb müßten sich auch die alten Mächte, die sich uns entgegenstellten, früher ober später unserem Ordnungsgesetz beugen. Zum Dank ba- für, baß sich Minister Selbte mit besonderer Liebe ber Betreuung der Kriegsblinden angenommen Hobe, ernannte die Blinden-Studienanstalt den Mi­nister zu ihrem Ehrenmitglied. Der Minister sprach auf einem Bettiebsappell im Werkstättengebäude

Nicht geringere Probleme für die Behandlung warfen dann freilich die Schußwunden derFeuer­röhren" auf. Der päpstliche Leibarzt Johann Vigo kam nämlich 1517 aiff den Gedanken, daß die Ku­geln, die doch zuerst mit dem chemisch hergestellten Schießpulver in Berührung gekommen waren, von diesem vergiftet, seien. Er forderte deshalb, daß die von den Kugeln geschlagenen Wunden mit sieden­dem Oel oder gar mit einem glühenden Eisen aus­gebrannt werben müßten, um die Wirkung des Giftes zu vernichten. Welche Beobachtungen ihn außer feinen chemischen Erwägungen vielleicht zu dieser Auffassung gebracht haben könnten, wissen wir heute nicht mehr. Jedenfalls konnten dber feinste Spuren des Kugelmetalls in das getroffene Fleischgewebe gelangen und dort leicht bei ber da­maligen Wundbehandlung schon Blutvergiftungen herbeiführen. Vigos Lehre wurde jedenfalls in vie­len Ländern allgemein geglaubt, und es fetzten jene heroischen" Kuren ein, die die Kriegsverletzten nach der Schlacht viel schlimmer heimsuchten, als der Schuß selbst sie verwundet hatte.

*

©in i Pariser Barbierlehrling, Ambrosius Pare, war an ber berühmten Chirurgenschule des Kolle­giums von Kosmas in Paris zumBarbierchirur­gen" ausgebildet worben unb nahm als solcher an dem Krieg teil, den König Franz I. von Frankreich gegen Karl V. führte. Parö hatte auch gelernt, nach Pigos Lehre die Schußwunden auszubrennen. Nach einer Schlacht aber ging ihm das Oel, bas er in die Wunben gießen sollte, bei ben vielen Verletzten aus, so daß Parö nichts anderes übrigblieb, als bei einer großen Anzahl Blessierter die Wunden mit einer Salbe zu füllen und zu verbinden. Am näch­sten Tage war er überrascht, daß die also Behan­delten keineswegs Beschwerden hatten, sondern ihre Wunden weit besser aussahen als die ausgebrann- ten Ziemlich zur gleichen Zeit erkannte auch Bar­tholomäus Maggi in Bologna, daß Schußwunden letztlich Ouetschwunden des Fleischgewebes feien, unb daß man gewöhnlich von einer Vergiftung nicht reden könne. Er stellte auch eine ganze Reihe von Schießversuchen an unb bekämpfte nach deren Er­gebnissen die Bigosche Lehre.

*

An diesemSchußwunden-Streit", der sich noch viele Jahre hinzog, nahmen übrigens die deut­schen Aerzte keinen Anteil, weil die deutschen

Wundärzte wie Beris, Hieronymus Brunschwig oder auch der große Paracelsus die Schußver­letzungen stets schonend behandellen. Brunschwig z. B. Halle sie mit Kuhmilch ober Ziegenmilch ober mich mit lauwarmem Oel ausgewaschen, also fifjon Zwei Menschenaller vor Pare einer milben Versür- ^as Wart geredet. Freilich konnten von einer Rücksicht auf die Verunreinigung der Wunden mit ben im Erdreich häufigen Tetanus- oder Gasbrand- bazillen weder Vigo noch Pars noch Brunschwig eine Ahnung haben. Erst dieListersche Wund­behandlung" hat im 19. Jahrhundert hier neuen Auffassungen den Weg geebnet und' in Verfolg der Bakterienforschung von Robert Koch kamen Emil von Behring und K i t a f a t o zu ber Behand­lung mit Tetanusserum, wie sie im Weltkrieg zahl­losen Verwundeten das Leben erholten hat.

Dr. J. Schwanke.

Die Krau im Garten.

Ueberaü sehen mir heute die Frauen zugreifen, wo sonst Männer arbeiteten, ganz besonders auf einem Gebiet, auf dem die Frau auch vor dem Kriege schon längst heimisch geworden war, im ©arten. Auch ber deutsche ©arten spielt ja für unsere Ernährung gegenwärtig eine größere Rolle als je <5UDor. Jeder, ber ein Gärtchen fein eigen nennt, «Siept barin sein Gemüse ober ein wenig Kartoffeln, unb es sind zum größten Teil die Frauen, denen die -Betreuung dieses Stück Landes obliegt Solange es deutsche Gärten gibt, ist die Frau mit dem Gar­tenwerk verbunden. Das leuchtet noch aus einigen germanischen Namen hervor wie aus Hildegard, Luitgard unb anderen, die Jakob Grimm als die ursprüngliche Bezeichnung von Priesterinnen deu­tete, die in ben heiligen Hainen ber Germanen ihres Amtes walteten.

Sdjon am Eingang der deutschen Gartengeschichte steht die ehrwürdige Erscheinung" einer Frau, nänv lief? Der heiligen Hildegard von Bingen, die nicht uur die erste deutsche Naturforscherin war, sondern auch die frühesten genauen Anweisungen für die Einrichtung und Pflege eines Gartens gegeben hat. Die mittelalterlichen Burggärten, in denen sich zu­erst die westliche Freude an Blumen und Pflanzen entfaltete, waren das Bereich der Schloßherrin. Sie dehnten sich meist unter den Fenstern der Frauen- wohmmg und wurden von Frauen gepflegt Das

weibliche ©esckflecht ist überhaupt im Mittelaller aufs engste mit ber Gartenlust verbunden. Die Madonna im Rosenhag, Kriemhlld im Rosengarten sind nur einzelne Silber dieser allgemeinen Vorstellung, die Frauenschönheit sich am liebsten, im ©artenrahmen dachte. Doch find die Frauen hier keineswegs nur müßig lustwandelt. Wenn sie auch in ben ältesten Gartnerzünften keine Rolle spielen, so finden wir sie doch stets für das ©artenwerk besonders ein« genommen, und vielfach sind hervorragende Frauen auf diesem Gebiet auch fchöoferifch tätig gewesen. Bezeichnend dafür ist das Wirken der Gattin des Kurfürsten August von Sachsen, derMuller Anna", die ihren Mann in ber Sorge für die Ausgestaltung des Gartenwesens in ihrem Reich noch übertraf unb f^cht nur bei ihren Schlössern prächtige Gärten schuf, sondern überall für die Verbreitung des Gar­tenbaues eintrat.

Wenn Liselotte von ber Pfalz m ber Oede ber von ber Natur so weit entfernten französischen ©ar« tenanlagen oft nach einemrichtigen deutschen Kuchengarten" seufzte, so gab sie Damit einer all­gemeinen Sehnsucht des weiblichen Geschlechtes Aus« druck In ber eigentlichen Gartenkunst find zrveifel« los die Männer ben Frauen überlegen gewesen: diese aber haben sich immer der praktischen Pflege der Gemüse und Kräuter gewidmet und dabei doch auch das Schünheifsbedürfnis nie vernachlässigt. ®rft in ber Zeit der Empfindsamkeit, in ber die ©auenfiebe zu einer Sache des Herzens wurde und die Frauen an fingen,für die Natur zu schwärmen", widmeten sie sich auch dem Ziergarten mit hin­gehendem Eifer.

Ernestine Voß, die Gattin des Homer-lieberfetzers, ihrer Gartenleidenfchaft keine alleinstehende Erscheinung, wir haben aber in ihrem Briefwechsel bas bezeichnendste Zeugnis für dieses innige Zu­sammenleben mit den Blumen und Pflanzen, das die Frauen jener Zeit erfüllte unb sich in der Bieder meierjeit noch steigerte. Ernestine Voß genießt jede Jahreszell hn Garten und greift überall selbst an, ßiebt sich ihre Blumen selbst unb ist über jede neue Pflanze, Die sich in ihrem kleinen Reich einbürgert, entzückt. Von nun an betrachtet die Frau eine Zeit« lang die ©artenarbeit als modischen Zeitvertreib, unb wir finden auf Den Biedermeierblldern viele Frauen in ©ärtnerinnentradjt darhestellt, die nicht nur eine spielerische Verkleidung ift wie nn Ro- kvko> .