sechs große Stallbauten und ein Verwaltungsgebäude im Entstehen begriffen; leider sind diese Bauten bis jetzt erst im Rohbau fertig. Sobald die Inneneinrichtung vollendet ist, wird der Schlacht- viehmarkt als Mittelmarkt hier stattsinden und sicherlich noch einen weiteren Aufschwung dieses Marktzweiges bringen. Dann sollen auch, nach den Absichten der Stadtverwaltung, die regelmäßigen, d. h. monatlich zweimaligen Nutzviehmärkte auf dem Biehmarktaelänoe am Güterbahnhof alsbald wieder aufleben. Damit wird die Position Gießens im Kreise der maßgebenden deutschen Diehmarktstädte sicherlich eine weitere Stärkung erfahren.
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Der gegenwärtige Stand der Viehmärkte in Gießen und deren Entwicklung in den Jahren vor dem Kriege zeigen, daß unsere Stadt in der Einrichtung der Viehmärkte einen wertvollen kommunalen Besitz aufzuweisen hat. Diese Einrichtung, die durch die außerordentlich günstige verkehrsgeographische Lage unserer Stadt in natürlicher Weise gefördert wird, stellt aber nicht nur für die Stadt als 23er» waltungskorperschaft einen wertvollen Faktor dar, sondern sie bedeutet auch einen starken wirtschaftlichen Impuls für zahlreiche private Gewerbezweige unseres Gemeinwesens. Die Stadtverwaltung ist sich der hohen Bedeutung der Viehmärkte bewußt, und sie wird daher, wie Oberbürgermeister Ritter schon oft durch seine anerkennenswerten Bemühungen um den Ausbau unseres Viehmarktwesens bekundet hat, auch weiterhin alles tun, um in lieber» Einstimmung mit den berechtigten Interessen der Gemeinschaft diese Einrichtung mit aller Kraft weiter aufwärts zu entwickeln. B-
Zuchtvieh-Absatzveranstaltung in Gießen.
Am gestrigen Freitag führten der Landesverband der Rinderzüchter und der Landesverband der Schweinezüchter Hessen-Nassau in der Diestoerstei ge - rungshalle Rhein-Main tn Gießen wiederum Jucht» viehabsatz-Veranstaltungen durch.
An Zuchtebern waren 62 Stück aufgetrieben, von denen 13 in die Wertklasse II, 33 in Wertklasse III und 14 in Wertklasse IV zugeteiltz 2 Eber ober nicht gekört wurden. Der Absatz der Zuchteber war in Klasse II und NI sehr flott, dagegen wurden die Eber in Wertklasse Iv nicht verkauft.
Im Anschluß an die Eber-Absatzveranstaltung gelangten die Bullen des schwarzbunten Riederungs- viehes zum Verkauf; Von 9 ausgetriebenen Dater- tieren wurden 4 der Wertklasse III und 3 der Wert- klasse IV zugeteilt, während 2 Bullen nicht gekört wurden. Sämtliche Datertiere wurden zu den Stopp- Preisen abgesetzt.
Hierauf folgte die Absatzoeranstaltung für Höhen- sleckoieh-Bullen. Aufgetrieben waren 58 Stück, davon wurden 4 der Wert klasse II, 16 der Werttlasse III, 22 der Wertklasse IV zugeteitt, 16 wurden nicht gekört. Der Verkauf dieser Bullen war ebenfalls außerordentlich lebhaft, nur 1 Bulle, der lahmte, konnte nicht verkauft werden. Ein großer Teil der Vatertiere mußte ebenfalls zu den Stopp-Preisen an die Käufer zugeteilt werden.
Die meisten abgesetzten Tiere blieben im hiesigen Zuchtbezirk. Die nächste Absatzveranstaltung für Höhenfleckvich, Niederungsbullen und Zuchteber findet am 12. Juni statt.
Kür Tapferkeit vor öem KemÜe.
Der Obergefreite Franz Bernhard A m p t aus Gießen wurde für Tapferkeit vor dem Feinde bei den Kämpfen im Osten mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Oie neue Lebensmittelzuteilung
In der neuen 36. Zuteilungsperiode für Lebensmittel, vom 4. bis 31. Mai 1942, erhalten alle Versorgungsberechtigten folgende Erzeugnisse in, der gleichen Menge wie in der voraufgeaangenen, 35. Zuteilungsperiode: Brot, Mehl, Fleisch, Butter, Schweineschlachtfette, Käse, Quark, Getreidenährmittel, Teigwaren, Kartoffelstärkeerzeugnisse, Kaffee- mittel, Vollmilch, Zucker, Marmelade, Kunsthonig und Kakaopuloer. Eine Aenderung tritt bei der Fettverteilung ein, und zwar dadurch, daß an 23er» sorgungSberechtigte über 14 Jahre 50 Gramm Butterschmalz ausgegeben werden, wofür diese Verbraucher je Person 62,5 Gramm Margarine weniger erhalten. Die Gesamtfettration ändert sich also nach dem Fettgehalt nicht. Das Butterschmalz ist durch Abgabe des Bestellscheins 36 für Butterschmalz bei dem Verteiler zu bestellen, bei dem der Bestellschein für Margarine' ab Gegeben wird. Die Margarineration der Normawerbraucher wird wegen des Butterschmahzausgleichs von 262 5 auf 200 Gramm festgesetzt. Da es aus technischen Gründen nicht möglich ist, die gesamte Menge von 200 Gramm ohne
Gießener Vortragsring.
Heiteres aus den Werken Fritz Reuters.
Der Rezitator Ernst Hameister erfreute ge- ftern abend eine stattliche Zuhörergemeinde mit einem zweistündigen freien Vorträge aus Werken des mecklenburgischen Dichters Fritz Reuter. Rach kurzen Begrüßungsworten des Leiters des Volksbildungswerkes, Dr. R o l o f f, der insbesondere Kreisleiter Backhaus und den Vortragenden willkommen hieß, begann Ernst H a m e i st e r mit einem Hinweis auf den Reuterschen Humor, der sich aus den besten Kräften deutschen Wesens speise und uns gerade heute etwas zu sagen habe — auch den Volksgenossen in Süddeutschland, wo der Dichter viele treue Anhänger habe. Der Vortragende gab dann einen gedrängten lieberblief über den Lebens- gang, die politischen Schicksale und das literarische Werk Fritz Reuters. Dankenswerterweise begann er — entgegen der Ankündigung — mit der ernsten Dichtung Reuters, mit dem letzten Kapitel aus seinem reifsten Werke, dem großen Roman „Ut mine Strvmtid" (1862/64), der ihn zwar unter anderm auch als Humoristen, vor allem aber als bedeutenden niederdeutschen Volksdichter, Menschen- und Sit- tenschWerer erweist. Vorausgeschickt wurde eine knappe hochdeutsche Einführung, wie sie zum Verständnis der folgenden plattdeutschen Szenen notwendig war. Es handelt sich um das Schicksal des Gutes Pümpelhagen, das durch den Leichtsinn und die Unfähigkeit feines Besitzers Axel von Rambow heruntergewirtschaftet ist und eine billige Beute der» gewissenlosen Agrariers Pomuchelskopp und seiner Mischen Helfershelfer zu werden droht. Das um- fängüche, an Szenen, Figuren und Gesprächspar- tien reiche Prosastuck wurde von Ernst Hameister frei aus dem Gedächtnis gesprochen. Dies war eine um so bemerkenswertere Leistung, als er im Vorübergehen gleichsam die mundartlich schwierigen Stellen ins Hochdeutsche übertrug und im übrigen erroa noch nicht völlig verstandene Partien durch eine überaus lebendige und nuancenreiche Mimik und Redeweise verdeutlichte, welche nahezu charak- terkomische Qualitäten trug, so daß auch die ungeübten Zuhörer durchaus auf ihre Kosten gekommen fein und in der Schilderung eines breit ausgespon- neuen mecklenburgischen Kultur- und Zeitbildes eine wirkliche 23orfteöung vom dichterischen Wesen Fritz Reuters und feines bedeutendsten Romans empfangen haben dürften, zumal die Mehrzahl der für die Handlung wichtigen Gestalten dabei in Erscheinung traten und meist auch unmittelbar zu Worte kamen: das Ehepaar von Rambow, Pomuchelskopp, Slus- ohr und David, Onkel Bräsig und das Ehepaar Rüßler samt dem Hunde Bauschan. — Vom heiter volkstümlichen Reuter gab Hameister im zweiten Teil seines Vortrages etliche Proben, in dem er, neben allerlei kleinen Erlebnissen von seinen Vor- tragsretfen und plattdeutschen Schnurren, welche die Wesensart, besonders Schlagfertigkeit und Mutterwitz des niederdeutschen Menschenschlages beleuchteten, einige der hübschen, erfrischend pointierten Scherze aus Reuters Erstling „Läuschen un Rimels" zum Besten gab. Das mecklenburgische Liebesabenteuer „Wat Mill de Kirl?" war wohl die hübscheste unter ihnen. — Mit einem Hinweis auf plattdeut
sche Lektüre und niederdeutsche Literatur und die sehr ehrenden Urteile Bismarcks und Jakob Grimms über Reuter schloß der Vortragende seine mit dankbarem Beifall aufgenommenen Darbietungen. Die Hörer gingen erheitert und angeregt nach Hause. Hans Thyriot.
Aon Stambul nach Damaskus.
Die Gruppe Gießen des Deutschen Automobil- Elubs (DDAC.) veranstaltete am gestrigen Freitag im Saale des Hotel Schütz einen Vortragsabend, bei dem die Besucher eine außerordentlich interessante Schilderung des Herrn Dr. K l o p p vom Hofe über seine Fahrt von Stambul nach Damaskus auf uralten Karawanenstraßen hören konnten. Rach herzlichen Grußworten des Beauftragten der Gietzener Gruppe des DDAE., Rechtsanwalt Dr. Wämser, erzählte der Vortragende Dr. Klopp vom H o f e in etwa zweistündiger fesselnder Plauderei von feinen vielfältigen Erlebnissen auf dieser Fahrt, die er im Jahre 1937 unternommen hatte. An Hand einer großen Anzahl guter Lichtbilder, die eigene photographische Aufnahmen darstellten und den reichen Stimmungsgehalt der Orientland- Ämit ihren Bewohnern in hervorragendem
'künstlerischem Blick widerspiegelten, führte der Vortragende seine mit großer Spannung lauschende Hörergemeinschaft durch die reizvollen Lande des Vorderen Orients. Im Geiste begleitete man den Redner, der die Fahrt in einem deutschen Kraftwagen unternommen hatte, von Stambul aus zunächst nach Kleinasien hinein in Richtung Ankara, jedoch mußte unterwegs auf halbem Wege wegen Autoschadens Kehrt gemacht und die Fahrt mit dem Auto auf einem Schiff über das Schwarze Meer nach Trapezunt, über Erzerum und dann über die Hoche^e von Türkisch-Kurdistan unternommen werden. Weiter ging es dann im Kraftwagen, manchmal auch mit Pferdevorspann durch tiefsten Schnee, durch die gewaltige Bergwelt des Ararat- Gebirges, an der Dreiländerecke der Grenzen der Türkei, Sowjetrußlands und Irans vorbei, nach Iran hinein, wo an den bedeutendsten Plätzen und den schönsten landschaftlichen Gegenden reichlich Umschau gehalten wurde. Von dort ging die Reise weiter durch den Irak und Syrien-Libanon über Bagdad nach Damaskus und von dort an die Küste des Mittelmeers. Auf dieser Teilstrecke der Reise konnte man im Geiste als besonderes Erlebnis an einer Fahrt mit dem Wüstenexpreß durch die Syrische Wüste teilnehmen, außerdem aber auch interessante Rundblicke in Bagdad und Damaskus sowie in der herrlichen Landschaft des Libanon tun. Reben den hier genannten Hauptetappenplätzen der Reise lernten die Hörer natürlich noch viele andere interessante Dinge von Land und Leuten kennen, die in Verbindung mit dem sehr anschaulichen und vielseitigen, dazu rhetorisch ausgezeichneten Vortrag des Redners den Abend zu einem schönen Erlebnis machten. Der starke Beifall der Hörer war denn auch als Zeichen des berechtigten Dankes an den Redner anzusehen.
Bestellschein auf Kleinabschnitte auszugeben, werden 62,5 Gramm Margarine über Bestellschein. mit Bezugsabschnitt und 135 Gramm Margarine über Kleinabschnitte verteilt. Andererseits wird der Bestellschein über 500 Gramm Butter mit den Bezugsabschnitten auf 437,5 Gramm ermäßigt, und es er» Keine Vermehrung der Kleinabschnitte üb er ^135 nm Margarine um weitere Kleinabschnitte über zusammen 65 Gramm Butter, so daß die Reichs- fetttarte für Normalverbraucher nach wie vor Mein» ab schnitte in der notwendigen Gesamtmenge von 200 Gramm enthält. Die Reichsfettkarte für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren verzeichnet wie bisher Kleinabschnitte über Margarine in Höhe von 200 Gramm.
Gieben-Wieseck.
An seinem heutigen 65. Geburtstage kann unser Mitbürger Karl Kreiling V. auf sein 50jäh- riges Sängerjubiläum zurückblicken. Herr Kreiling ist in Sängerkreisen gut bekannt und erfreut sich großer Beliebtheit.
Gießener wochenmarktpreije
* Gießen, 25. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 45, Spinat 25, Unterkohlrabi 7, Zwiebeln 20, Meerrettich 50, Rhabarber 35 bis 45, Apfelsinen 51, Zitronen, das Stück 8, Lauch 5 bis 10, Blumenkohl 65, Oberkohlrabi 35 bis 50, Feldsalat, Vio 15 Rpf.
* * Die Finanzämter veröffentlichen heute eine Bekanntmachung über die Besteuerung der Arbeitskräfte aus den neu besetzten Ostgebieten.
* * Silberne Hochzeit. Am heutigen Samstag, 25. April, können die Eheleute August Gens- Heimer und Frau Marie, geb. Freihöfer, Frankfurter Straße 59 II wohnhaft, das Fest her silbernen Hochzeit begehen. Dem Jubilar bringen auch wir unseren herzlichen Glückwunsch dar.
* * Sängerbesuch bei unseren Verwundeten. Am morgigen Sonntag wird der Männerchor 1838 Butzbach im hiesigen Standortlazarett ein Konzert vor den Verwundeten veranstalten. Die reichhalttge Vortragsfolge besteht aus Volksliedern, die den großen Reichtum des deutschen Seelen- und Gemütslebens widerspiegeln. Die Sänger werden außerdem dank der Opferbereitschaft der aktiven Vereinsmitglieder und der Freunde des Vereins, die gemeinsam einen ansehnlichen Betrag auf» gebracht haben, jedem Lazarettinsassen noch eine besondere Aufmerksamkeit in Gestalt einer Dantes» gäbe erweisen. Der Butzbacher Männerchor 1838 hat sich bisher schon auf dem Gebiete des Lazarett» singens in anerkennenswerter Weise betätigt.
Strafkammer Gießen.
Der Th. H. aus Ober-Mörlen hatte sich gestern wegen strafbarer Sittlickkeitsdelikte in vier Fällen zu verantworten. Der Angeklagte wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, auf die drei Monate Untersuchungshaft angerechnet werden.
Falls er sich in dieser Hinsicht erneut strafbar machen sollte, wird er mit feiner Unterbringung in einer Heil» und Pflegeanstalt oder anderen entsprechenden Maßnahmen zu rechnen haben.
Der 2L D. aus Ziegenberg stand ebenfalls wegen Sittlichkeitsverbrechens und außerdem wegen Diebstahls unter Anklage. Er hatte sich im Oktober v. I. an einem Mädchen unter 14 Jahren vergangen, ferner sollte er einem Manne in einer Wirtschaft einen Hundertmarkschein gestohlen haben. Er wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einer (Befäng- nisftrafe z u einem Jahr verurteilt, im übrigen mangels ausreichenden Beweises freigesprochen.
Amtsgericht Gießen.
Die K. M. in Gießen hatte wegen Beleidigung eines ehrenarnttich tätigen Mannes durch Strafbefehl einen Monat Gefängnis zud'ktiert erhalten. Dagegen legte sie Einspruch beim Amtsgericht ein, der damit endete, daß siezueinemMonatGe- f ä n g n i s oerurteilt wurde.
Wirtschaft.
Handels- und Gewerb?bank (Sieben
Die Generalversammlung wird, wie die Leitung der Handels- und Gewerbebant Gießen uns mitteilt, in diesem Jahre etwas später als sonst stattfinden, voraussichtlich Mitte Mai, da die für Genossenschaften mit mehr als 5 Millionen RM. Bilanzsumme vorgeschriebene Bilanzprüfung des Revisionsverbandes erst jetzt vorgenommen werden konnte. Die Handels- und Gewerbebank kann auch für das vergangene Jahr günstige Abschluhziffern melden. Die Bilanzsumme ist um 14,6 v. H. gestiegen. Es wird die Verteilung einer Dividende von 5 v. H. vorgeschlagen.
Äon der Börse.
Rückschlag an den Aktienmärkten.
Frankfurt a. M., 24. April. An den Aktien» mär f te n kam es in her Berichtswoche zu dem — eigentlich zu erwartenden — Rückschlag nach den Dorangegangenen Befestigungen. Die Vorgänge am Farbenmarkt beherrschten zunächst noch das Markt bild: der Kurs wurde nur per Kaffe jeweils unverändert notiert, dafür scharfe Rationierungen vorae- nommen, die bis 7 v. H. heruntergingen. Gerüchte von neuen steuerlichen Maßnahmen zur Beseitigung ungesunder Kursbewegungen änderten dann völlig die Tendenz: herauskommendes Material, auch in Farben, ließ die Nachfrage ziemlich überraschend voll befriedigen, und die von der Aufwärtsbewegung mitgezogenen Werte erlitten mehrprozentige Einbußen. Selbst in Siemens konnte wieder zur Notierung auf der Basis von 373 (d. h. also dem letzten Kurs vor der Unterbrechung) geschritten werden. Immerhin blieben die Umsätze im Verlaufe eng begrenzt, und der Akttenverkehr birgt weiterhin die stets bei einer derartigen Marktenge vorhandene Gefahr größerer Kursausschläge in sich. Die Kursabschläge betrugen bei variabel notierten Papieren durchweg 2 v. H., BMW., Reichsbank, AEG., Feld- mühle, Lahmeyer verloren bis 3, Conti Gummi 4, Stahlverein, Rheinstahl, Gesfürel 1 bis 2 n. , andererseits waren u. a. Mannesmann noch etwas fester. Bankaktien Tagen schwankend. Am Kossamarkt hatten Kupferberg Sekt eine Sonderbewegung auf« zuweisen: der Kurs stieg um mehrere Prozente bis 154, die Nachfrage mußte sogar vorübergehend rationiert werden, ooch gab das Papier später wieder 3 v.H. auf 151 nach, auch Mainzer Aktienbrauerei verloren 4 v. H., ebenso Dt. Steinzeug 2 v. H., Moe- nus, die bis 130 zurückgegangen waren, nannte man zuletzt 133 bis 132 leicht erhöht.
Am Renten markt Tagen Reichsaltbesitz weiter fest um 165,5, Steuergutscheine I wenig ver ändert, etwa 105,13, Kommunalumschuldung leicht rückläufig, etwa 103. Das Anlageinteresse wandte sich angesichts der bestehenden Marktenge weiterhin
wissen (len hohen Wert der Peri-Güteerzeugnisse zu. schätzen, deshalb gehen Sie sparsam mit ihnen um.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die Dienststelle hatte in Königsberg angefragt, und Königsberg hatte geantwortet, ein Emil Rau- tenbusch, 3.6.10 in Königsberg .geboren, fei dort unbekannt.
Krähe hielt dies dem Manne vor. Daraufhin fragte der, wo die Polizei angefragt habe. Krähe antwortete: in Königsberg in Preußen. Herr Rautenbusch gab daraufhin zu verstehen, daß er fein Wort von Königsberg in Preußen gesagt habe. Eine erneute Rundfrage in Königsberg in der Neumark und in Königsberg in Bayern ergab keine anderen Resultate. Krähe wurde allmählich wütend und brüllte den Burschen an.
Die letzte Vernehmung fand in Anwesenheit des Kriminalrats statt, der stumm dabei faß. Als Rautenbusch abgeführt worden war, sagte Wenig:
„Wißen Sie, Krähe, wenn man den Mann so ansieht und seine schwülstigen Beteuerungen und Schwindeleien hört, dann muß einem der Gedanke kommen, daß der Mann ein Zigeuner ist. Entsinnen Sie sich, als wir vor zwei Jahren uns mit den Zigeunerprügeleien in Reinickendorf-Ost befassen mußten, das war dasselbe Bild: die Kerle schwuren in jeder Minute drei Meineide, riefen alle Heiligen und die Gebeine aller Verwandten bis zu den Urgroßeltern an, und jeder hatte drei verschiedene Namen, bloß den richtigen sagten sie nicht."
Krähe sagte nichts, sondern begnügte sich damit, mit den Ohren zu wackeln, eine Antwort, die dem Kriminalrat vollständig genügte.
„Na also", sagte er, „ich freue mich, daß mir wieder mal miteinander übereinstimmen. Der Kerl hat ein ausländisches Aussehen, schwarze Augen, dunkle Haare, braune Haut und spricht einen Akzent. Schicken Sie mal die Fingerabdruckkarte an die Zi
geunerzentrale nach München und fragen Sie an. Sie werden sehen, dann werden wir herausbekom- men, wer er ist."
Kriminalsekretär Krähe hatte das noch am gleichen Tage getan. In den ersten Tagen des September war aus München die Antwort eingelaufen:
„Der Angefragte ist Sumor, Anton, aus dem Stamme Holler, geb. 6. März 1910 in Eldena Pom. Der Stamm Holler hält sich dem Vernehmen nach in der Altmark auf."
Der Kriminalrat lächelte, als er die Antwort durchlas. „Hehe", sagte er zu Krähe, „da hat er sich gefangen. Sehen Sie sich mal das Geburtsdatum an: 6.3., und uns hat er gesagt, am 3.6. fei jener Rautenbusch geboren. Das ist vielsagend genug. Jetzt müssen Sie den Mann einmal schärfer an- fassen, wir sind nicht dazu da, um allen seinen Schwindeleien nachzugehen. Lassen Sie ihn sofort vorführen."
Der Verhaftete betrat mit scheuern Blick das Amtszimmer.
Bevor Krähe etwas sagen konnte, nahm der Kri- minafrat das Wort.
„Hören Sie mal, junger Mann, wir find nicht dazu da, uns von Ihnen zum Narren halten zu lassen. Ich verbitte mir Ihre Schwindeleien. Zunächst erhalten Sie jetzt eine Anklage wegen Führung falscher Paniere und intellektueller Urkundenfälschung Sie sind Anton Sumor, geboren am 6 März 1910 in Eldena — wo liegt denn dieses Eld-ma —"
„Bei Greifswald", fiel der Verhaftete ein, gleich darauf biß er sich in die Unterlippe und sagte:
„Herr, so wahr mir Gott helfe, bei —"
Krähe machte eine abwehrende H^ndbewegung.
„Ich weiß", fiel er ein, „bei den Gebeinen Ihrer ^rnu llraro&mutter und bei allen Heiliaen — Menlck. hen Zimt kennen mir, setzt müssen Sie sich mal mieber etwas anderes ausbenk"n. Wollen ^te wohl jetzt gestehen, daß Sie Anton Sumor sind?"
Sumor legte beschwörend beide Hände auf die Brust und sagte lächelnd:
„Wie kann ich etwas sagen, was Lüge ist? So wahr ich — ich bin nicht Anton Sumor, ha, ich werde Anton Sumor nicht kennen, er gehört zum Stamme Rautenbusch, und die sind in Ostpreußen —"
„Sehen Sie mal, wie gut Sie Bescheid wissen. Also sind Sie Zigeuner?" fuhr der Kriminalrat dazwischen.
„Zigeuner? Ich? schrie der Verhaftete, „ich bin ein Artist, aber kein Zigeuner, nie gewesen, so wahr ich, ich meine, so wahr ich hier stehe, Herr, glauben Sie mir —"
„Wie auffällig, daß er sich Rautenbusch nennt und genau weiß, wo der Stamm Rautenbusch sich auffjalt. Mensch", brüllte Krähe, „uns machen Sie doch nicht dumm, was? Sie sind Anton Sumor, ober ich will einen Besen fressen —"
„Sie werden einen Besen fressen, aber Sie werden einsehen, daß ich nicht Anton Sumor bin", sagte Sumor mit frechem Lachen.
„Lassen Sie den Mann abführen, Krähe", sagte jetzt Wenig, „er soll als Anton Sumor eingetragen werden."
Als Sumor das Zimmer verlassen hatte, fügte er hmzu:
„Wir müssen dabei in Betracht ziehen, daß er wahrscheinlich etwas über Barthold weiß, womöglich ist er an dem Mord irgendwie beteiligt."
Krähe schüttelte den Kopf.
„Das glaube ich nun wieder nicht, Herr Kriminalrat, aber faul ist etwas mit ihm. Soll ich inzwischen den Bericht an die Staatsanwaltschaft ausarbeiten?"
Wenig war aufgeftanben und trat zum Fenster.
„Welche Zeit mar es doch, als er im Zirkus Brommund auftrat, Krähe?" fragte er.
„Wieso? Warum?"
„Antworten Sie nur, was ich Sie frage. Sie waren doch zugegegen bei seinem Austritt. Wie spät mag das wohl gewesen fein?"
„So — gegen 10 Uhr 30."
„Sehen Sie! Der Mord ist gegen 20 Uhr 50 begangen worden, da kann der Mann ruhig nach dem Morde nach der Hauptstraße fahren und seinen Auf
tritt machen. Krähe, mir schwant, der Kerl hat etwas mit der Sache zu tun."
„Das hängt aber ganz in der Luft, Herr Kriminalrat, dann müßten wir erst einmal feststellen, mi^ feine Beziehungen zu Lanos sind, wir müßten Lanos haben —"
„Sie haben manchmal wunderbar tiefsinnige Gedanken, Krähe", lächelte Wenig, „feit einer Woche sind mir hinter Lanos her, seit einer Woche spielen die Fahndungen nach allen Himmelsrichtungen, feit einer Woche brüllt es der Polizeifunk in alle Winde, und jetzt kommen Sie und sagen: mir müßten Lanos haben. Krähe, Sie sind die größte Enttäuschung meines Lebens. Beginnen Sie den Bericht an den Staatsanwalt, aber tun Sie mir den Gefallen und nehmen Sie sich Zeit. Wir müssen Zeit gewinnen. Dieser Sumor soll nicht zu früh abgeurteilt werden. Sonst müffen wir ihn laufen lassen, bevor wir Lanos haben und vielleicht brauchen wir bann Herrn Sumor wieder und finden ihn nicht."
Herr Krähe setzte fid) an seinen Tisch, holte sich einen neuen, weißen Bogen, spannte ihn in die Schreibmaschine und begann, mit spitzem Zeigefinger zu tippen.
„Was machen Sie denn da, Krähe?" fragte U)n der Kriminalrat.
„Ich fange den Bericht über Sumor an", gab der Alte zur Antwort.
„Es ist zum Jungekriegen", stöhnte Wenig, „ich Hobe Ihnen doch gesagt, Sie sollen sich Zeit nehmen, Silles andere ist wichtiger. Lassen Sie eine Fahndung nach Sumor hinausgehen und fragen Sie an, wo irgend etwas über ihn bekannt ist, vielleicht kommen wir bann weiter —"
Krähe blickte auf.
„Ich habe eine Ibee, Herr Kriminalrat", sagte er und wackelte mit den Ohren.
„Einer Ihrer tiefsinnigen Gedanken, die mich schauern machen", fragte Wenig, „lasten Sie hören."
^Fortsetzung folgt.)


