die Schüler der Klassen 5 und 6 der mittleren und höheren Jungenschulen sowie für die Schülerinnen der Klasse 7 der höheren Mädchenschulen. Er er- falgt in der Zeit vom 15. April bis 15. November zeitweilig oder ununterbrochen je nach Bedarf. Der Einsatz geschieht klassenweise. Die Schulklassen werden je nach Bedarf am Schulort geschlossen. Die schulische und erzieherische Betreuung am Einsatz- ort oder in einem Lager erfolgt durch Schule und Hitler-Jugend. Für. den kurzfristigen örtlichen Einsatz werden die volksschulpflichtigen Schüler und Schülerinnen vom 'vollendeten 10. Lebensjahr ab herangezogen, ferner die oben genannten Klassen, soweit sie nicht für den auswärtigen Einsatz in Anspruch genommen werden, außerdem die Klassen 5 und 6 der mittleren und höheren Mädchenschulen. Der Einsatz erfolgt am Wohnort oder in benachbarten Orten, die täglich vom Elternhaus erreicht werden können.
Kleine politische Nachrichten.
In einer Geheimsitzung des englischen Unter- haüses am Donnerstag gab Churchill Erklärungen zur militärischen Lage ab. Die Geheimfitzung dauerte viereinhalb Stunden.
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Auf Vorschlag des Duce hat der König von Italien dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral R a e d e r, und dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, das Großkreuz des Militärordens von Savoyen, die höchste militärische Auszeichnung Italiens, verliehen.
Außer den bereite mitgeteilten Glückwunschtelegrammen zum Geburtstag des Führers sind noch Glückwünsche eingegangen vom Präsidenten des thai-ländischen Regentschaftsrates, vom slowakischen Ministerpräsidenten, vom rumänischen Vizeminister. Präsidenten Antonescu, vom kroatischen Außenminister, vom französischen Ministerpräsidenten La- val sowie vom griechischen Ministerpräsidenten
Aus aller Welt.
Fabrikbesitzer als kriegsschleber zum Tode verurteilt.
Der Fabrikbesitzer Karl Winterling in Rehau (Franken) sowie zwei seiner Angestellten und mehrere Ledergroßhändler und Schuhfabrikanten hatten sich vor dem Sondergericht in Bamberg wegen Kriegswirtschaftsverbrechen zu verantworten. Winterling hatte aus Profitgier in großem Umfange unter gewissenloser Mißachtung der Kriegsvorschrif- len bei Häutehändlern Rinderhäute und Kalbfelle aufgekauft, in seiner Fabrik gerben lassen und dann das Leder ohne Bezugsbescheinigung und zu hohen Ueberpre-isen veräußert. Seine Angestellten bestach er durch Beteiligung an den Uebergew-innen. Beträchtliche Lieferungen erhielt besonders der Schuhfabrikant Heinrich Fischer in Selbitz, der Schuhe daraus anfertigte und im Schleichhandel ohne Bezugschein abgab. Winterling wurde zum Tode verurteilt. Fischer erhielt acht Jahre Zuchthaus, der.Ledergroßhändler Robert Baumann aus München vier Jahre und der Ledergroßhändler Gottfried Mayer aus Metternich zwei Jahre Zuchthaus. Die übrigen Beteiligten und die Ange- stellten des Winterling erhielten Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren.
Todesurteil gegen unsozialen Betriebsdirektor.
Der Betriebsdirektor eines großen Rüstungswerkes in Braunschweig, Eugen H u b i n g , hatte sich mit Hilfe seiner Privatsekretärin Alice D e t t m e r von dem ihm unterstellten Leiter der Gemeinschaftsküche des Werkes, Willi Gerber aus den Beständen dieser Küche ohne Abgabe von Marken und teilweise sogar ohne Bezahlung für seine Privatküche eine wöchentliche Fleischmenge von drzi bis vier Kilogramm, insgesamt etwa 200 Kilogramm, sowie Butter von insgesamt 50 Kilogramm abgeben lassen. Die Gefolgschaftsmitglieder, die für das Essen ihre Lebensmittelkarten abgeben mußten, beklagten sich wiederholt aber vergeblich bei ihm über die schlechte Qualität der Verpflegung. Der Krieasver- brecher, der geglaubt hatte, auf Kosten seiner Arbeiter den Einschränkungen des Krieges, die jeder ohne Unterschied seiner Stellung auf sich zu nehmen hot, entgehen zu können, wurde vom Sondergericht zum Tode verurteilt. Die Dettmer erhielt sechs Jahr« und der gewissenlose Küchenleiter sechs Jahre und sechs Monate Zuchthaus.
Jüdischer Gewaltverbrecher erschossen.
Der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei teilt mit: Am 15. April wurde der jüdische Gewaltverbrecher Günther Ransenberg erschossen.
Feldposlmarder zum Tode verurteilt.
Das Sondergericht Graz hat den 50 Jahre alten Reichspostangestellten Johann König aus Graz zum Tode verurteilt. Er hat von Januar bis Anfang März 1942 in 70 Fällen Feldpostpäckchen für Frontsoldaten gestohlen und den Inhalt für sich verbraucht.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Weil Barthold mir geholfen hat, von Lanos wegzugehen —"
„Aha", machte Petersen, „also Eifersucht?"
„Man kann es so nennen."
„Da kommt die Norodna", rief plötzlich Willis aus und zeigte nach der Tür.
Elisabeth Perling wandte sich um.
„Bitte, sagen Sie ihr nichts von dem, was ich Ihnen soeben mitgeteilt habe", bat sie, „ich möchte nicht, daß sie es erfährt."
„Schon gut, Elisabeth", beruhigte sie Willis, „wir werden uns ein ander Mal darüber unterhalten."
Inzwischen war Irene Norodna herangetreten.
„Ah", sagte sie mit einem ironischen Lächeln, „ihr habt wohl schon eine neue Partnerin, da bin ich wohl überflüssig?"
„Das ist Elisabeth Perling", sagte Willis, „Irene Norodna. Fräulein Perling ist eine alte Bekannte, die zufällig hier ist. Bitte, nimm Platz. Irene."
„Sie sind uns nicht unbekannt, Fräulein Perling", sagte Irene, ihr die Hand schüttelnd, „ich hörte auch von dem armen Lanos öfters Ihren Namen erwähnen. Was sagt ihr zu dieser entsetzlichen Sache?" fuhr sie dann fort und setzte sich auf einen Stuhl, den Petersen herangeholt hatte, „aber ich habe es Joseph immer gesagt: mit seinem verdammten Jähzorn wird er fick noch einmal selber das Grab graben. Und nun ist es so weit."
„Ja, glauben Sie denn Im Ernst, daß Lanos das getan hat? Sie, die ihn doch besser kennen müßten?"
Irene machte eine abwehrende Handbewegung.
„Ich sträube mich dagegen", sagte sie dann und warf Willis einen Blick zu, „aber wenn ich über ihn nachdenke, glaube ich, daß er dazu fähig ist. Er ist brutal und jähzornig, der gute Lanos."
Aus der Stadt Gießen.'
Das vorteilhafteste Brot.
Vielen Hausfrauen bereitet es Kopfschmerzen, die wöchentliche Brotration so zu bewirtschaften, daß einerseits die zugeteilte Menge gleichmäßig auf die ganze Woche verteilt, anderseits aber jedes Familienmitglied ausreichend satt wird. Wenn man auch auf Brötchen oder Weißgebäck verzichtet hat, fo kommt man mit der neuen Brotkarte trotzdem oft genug noch nicht fo. richtig zu Rande. Was kann man da unternehmen, um dieser Schwierigkeiten am besten Herr zu werden?
Cs ist eine Tatsache, die allerdings oft genug noch nicht richtig berücksichtigt wird, daß gut abgelagertes Brot bedeutend ausgiebiger ist als jenes, das frisch auf den Tisch gebracht wird. Erstens schneidet sich das älter gewordene Brot besser und zweitens sättigt es mehr. Die Versuchung nämlich, frisches Brot schlecht zu kauen, ist besonders groß, das aber hat wiederum zur Folge, daß das in Riesenhappen gegessene frische, weiche Brot vom Körper nur schlecht ausgenutzt werden kann, weil die Verdauungssäfte es schwer aufschliehen. Wer einmal die Probe aufs Exempel gemacht hat, wird dies nur bestätigen. Daß frisches Brot aus demselben Grunde nur schlecht bekömmlich ist, braucht hier wohl nur erwähnt zu werden.
Daher gilt für jede Hausfrau die Forderung: Bringt kein frisches Brot auf den Tisch! Hat der Bäcker oder Kaufmann nur frisches Brot vorrätig, so kauft es rechtzeitig ein und laßt es vor Gebrauch in eurem Haushalt gut ablagern.
Was die richtige Aufbewahrung anbelangt, so ist es zweckmäßig, ganz frisches Brot zunächst einen Tag an der Lust liegen zu lassen, ehe es, wie üb- lich, in den Brotkasten wandert. Den gleichen Zweck wie der Brotkasten erfüllt auch ein Steintopf mit Deckel. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, daß das Gefäß, welches man zur Brotaufbewahrung benutzt, immer peinlich sauber gehalten und mindestens alle zwei Wochen mit heißem Wasser ausgewaschen und dann an der Luft gut getrocknet wird.
Ein weiteres Mittel, um mit der zustehenden Brotmenge besser auszukommen, ist durch die Mög- lichkeit gegeben, morgens oder auch abends statt der üblichen Brotschnitten einige Male in der Woche eine Brotsuppe — süß ober würzig ab geschmeckt — auf den Tisch zu bringen. Vollkornschrot, das in den meisten Geschäften jetzt zu haben ist, eignet sich ebenfalls vorzüglich zur Herstellung von Suppen und Breigerichten für Frühstück oder für die Abendmahlzeit. Gewiß werden wir uns hierbei mit unseren Eßgewohnheiten umstellen müssen, und diese Umstellung wird nicht immer ganz leicht dur'chzu- führen fein. Aber auf die Dauer gesehen wird sich zeigen, daß eine solche Umstellung in unserem Speisezettel vieles für sich hat. P. St.
Oer Geburtstag de« Führers in der Wochenschau.
Die neuen Wochenfchaubilder zeigen so nebenbei, daß unsere Pioniere im Wegebau, Brückenbau, bei der Flußregulierung und in der Wiederherstellung einer Talsperre auch hart an den vordersten Linien der Front, ausgerüstet mit den modernsten Werkzeugen der Technik, Leistungen vollbringen, die auch während des Friedens bewundernswert wären.
Eine ganz andere, viel stärker vom Gefühl her bestimmte Wirkung haben die Bildstreifen vom Führer-Geburtstag. Hier ist es die Wiedergabe der feierlichen Atmosphäre, die sowohl von der festlichen Stunde am Vorabend des Geburtstages aus der Berliner Philharmonie, wie von dem lieber- bringen der Glückwünsche durch Kinder im Führerhauptquartier am Geburtstage selbst ausgeht. Durch die Aufnahmen aus der Philharmonie wurde die Besonderheit des Festes umrissen, das hier das deutsche Volk zu Ehren seines Führers feierte, weil sich dort Volksgenossen aller Schichten ohne Ansehen des Ranges zum Genuß einer Vortraqsfolge gesammelt hatten, die aus Werken höchster Genialität bestand.
Ein Querschnitt durch die klimatisch außerordentlich verschiedenen Verhältnisse an der weit ausgedehnten O st f r o n t, der uns im Norden im Schlamm erstickende Wege, im mittleren Teil noch hohen Schnee und im Süden den kommenden Frühling zeigt, gibt uns allen eine direkte Nachricht von unseren Verwandten und Freunden an der Front: wir haben einen Begriff von der Art ihres augenblicklichen Lebens.
Die Vielseitigkeit des augenblicklich laufenden Wochenschaustreifens fei charakterisiert, indem wir auf die Bilder der von dem scharf angegriffenen Malta und von der Rückkehr deutscher und italienischer U-Boote an der Atlantikküste Hinweisen. H. H. G.
Theater der Universitätsstadt Gießen.
Tanz-Gastspiel Manuela del Jtio.
Das zwanzig Nummern umfassende Programm der spanischen Tänzerin Manuela del Rio, die gestern abend mit ihrem kleinen Ensemble ein Gastspiel bei uns gab, ist ganz auf den traditionell festgelegten Formen des nationalspanischen Tanz» ftiles auf gebaut. Ein durch Talon und Kastagnetten scharf betonter Rhythmus und ein durch Schleier, Kamm und Blumen belebtes, farbenfreudiges Kostüm bilden die charakteristischsten Elemente für Auge und Ohr des Nichtspaniers, auf den übrigens vermutlich die gesamte Folge minder abwechslungs- und farbenreich wirken wird als auf den spanischen Kenner, der die landschaftlichen Individualitäten und die Vielfalt der überwiegend sehr schnellen und schwierigen Figuren kritisch und genießerisch zu würdigen weiß.
Die ausgesprochen volkstümliche Bindung der meisten Tänze kam besonders einprägsam und anregend in der Cordoba von Albeniz, in den Seguidillas (nach Volksweisen) und in der Rapsodia Dalenciana zum Ausdruck-, eine der hübschesten und farbigsten Nummern ist die Asturiana, ein am Sonntag oder bei festlichen Gelegenheiten auf dem Lande geübter Tanz: eigentlich eine kleine Tanzszene zu dreien, heiter, pantomimisch sehr ausdrucksvoll und volkstümlich. Von ähnlichem Charakter ist der Montecher- moso aus der Provinz Estremadura, reizend anzusehen, in handgestickten Originalkostümen, ferner die Jota Aragonesa und die von Albeniz stilisierte Se
villa, bei der man sich etwa von fern an unfern al- j>enländ-ischen Schuhplattler erinnert fühlen kann.
Innerhalb der traditionell feftgelegten Formen dieser Tänze entwickelt Manuela d e l R i o ein hohes Maß von geschmeidiger Anmut, Ausdrucksfähigkeit und vollkommener technischer Sicherheit und Genauigkeit; in den Gruppentänzen wird sie von Mercedes L ö o n und Albano de Z u n i g a , zwei temperamentvollen jungen Tanzbegabungen, vorzüglich unterstützt und begleitet. Von den Solo-Tänzen der eigenartigste und interessanteste war wohl die Danza Mora, von Guitarre, Tamburin und Handglöckchen akzentuiert, orientalisch anmutenb und an die maurische Zeit Spaniens erinnernd. Ruhiger, fließender und vergleichsweise individuell durchgeformt wirkte das Intermezzo aus der Oper „Goyescas" von Granados. Im zweiten Teil sah man auch den in nicht- spanischen Programmen beliebten Feuertanz von de Falla. Mercedes L 6 o n fand mit dem altertümlich-rassigen „Ole", de 3 u n i g a mit dem gestampften Sacromonte viel Anklang. — Javier Alfonso (am Flügel) und Joaquin R o c a (Gitarre) wirkten als zuverlässige Begleiter wie als Jnstrumental- foliften mit virtuos vorgetragenen Programmstücken, die sich dem nationalspanischen Charakter der Vortragsfolge in Rhythmik und Melodieführung stilvoll einfügten. — Die Gäste dankten mit mehreren Zugaben für den angeregten Beifall einer großen Tanzgemeinde. Hans Thyriot.
Konzert auf zwei Klavieren.
Mariette Krutisch und Gertrud Oapper spielen.
Es ist schon lange her, daß wir in Gießen ein Konzert auf zwei Klavieren hörten. Die Musikfreunde unserer Stadt erinnern sich wohl noch gern daran, als vor dem ersten Weltkrieg Max Reger und Prof. T r au t ma n n als Erstaufführung die gewaltigen Beethovenvariationen Regers in vollendeter Weife auf zwei Flügeln vortrugen und als dann während des Weltkrieges W. Backhaus und Prof. Trautmann als Erstaufführung die Mozartsonate glänzend spielten. Als dritte Erinnerung an ein Spiel auf zwei Klavieren dürfte das Konzert zu nennen fein, das I. P e m b a u e r, Leipzig, und Frau hier gaben. Die Seltenheit solchen Musizierens ist verständlich, wenn man bedenkt, daß es schon nicht leicht ist, zwei klanglich gut aufeinander abgestimmte Instrumente zu bekommen. Ebenso ist das „Aufeinandereingefpieltsein" von ausschlaggebender Bedeutung, d. h. technisch und musikalisch müssen die beiden Partner auf gleicher Höhe stehen. Sie müssen die Grundgesetze eines kammermusikalischen Spiels ihr Eigen nennen, in dem Inhalt und Geist der Werke eingedrungen sein, damit der thematische Aufbau klar und deutlich zutage tritt. Zur restlosen Bewältigung einer solchen Aufgabe muß man also sehr viel können, besonders auch, wenn trotz des Gleichklangs der Klaviere alles farbig und lebendig in Erscheinung treten soll.
Die beiden Künstlerinnen, M. Krutisch und G D a p p e r hatten sich ihre Aufgabe wahrhaftig nicht leicht gemacht. Schon rein stilistisch gesehen bedeutet die Ausdeutung dieser so verschieden gehaltenen Stücke eine Leistung. Brahms, Busoni, Chopin, Bizet, Liszt, alles Namen, die je eine Welt für sich bedeuten. Aber auch klaviertechnisch betrachtet, bedeutet der Vortrag dieser umfänglichen Werke ein Vertrautfein mit der verschiedenen Art des Klaviersatzes jedes einzelnen Komponisten, der an die Technik und Sicherheit der Spieler außerordentlich große Anforderungen stellt.
Nach jeder Richtung hin wurden die Vortragenden ihrer so hochgestellten Aufgabe vollkommen gerecht'. Das technische Rüstzeug ist ohne Tadel, Ker Anschlag bei beiden Künstlerinnen ist sehr modulationsfähig und gestattet ausdrucksvollstes Spiel. Die Wiedergabe der einzelnen Stücke zeugte von verständnisvollem Eindringen in den Geist ihrer Schöpfer. So waren die Variationen von Joh. Brahms ganz symphonisch, so wie sie gedacht sind, roiebergegeben, jede einzelne Variation erhielt igr eigenes Gesicht, wobei dynamische Möglichkeiten in weitem Umfang ausgenutzt wurden, so daß das Spiel stellenweise orchestrale Wirkungen erzielte. Die Grundierung durch das Thema wurde dabei stets sorgfältig beachtet. Das ganz im Mozartstil gehaltene, sehr spiel- freudige Busonistück wurde, feinem Inhalt gemäß, fein und zierlich gespielt, wobei der perlend« Anschlag bei schnellen Gängen einer vollendeten Wie- bergabe sehr zustatten kam. Wohl den Höhepunkt des Abends bedeutete das Rondo von Chopin. Dis überschwengliche Romantik war überraschend gut er-
faßt worden, die feinneroige Rhythmik wirkte sehr natürlich und ungezwungen, dynamische Steigerungen von temperamentvollem Schwung stellten gerade in diesem Stück das treffliche Können der beiden Künstlerinnen in hellstes Licht, ebenso vorbildlich war hier das Aufeinandereingehen. Die stark an Schumann gemahnenden Stücke von Bizet wurden charakteristisch in den einzelnen Teilen gestaltet, was bei dem etwas "zu einseitigen Stimmungsgehalt viel bedeuten will.
Da§ den Schluß bildende concerto path&ique von Liszt, ein Virtuosenstück von reinstem Wasser, das seinen Verfasser niemals verleugnet, gab den beiden Künstlerinnen nochmals Gelegenheit, in perlenden Glissandos, brillanten Trillern und Gängen ihre ausgefeilte Technik, als auch in den gesanglichen Stellen die Vorzüge eines feinen kantablen Spieles zu zeigen.
Der Beifall der Hörer war sehr herzlich, auch Blumenspenden wurden gegeben, so daß eine Zugabe erzwungen wurde. Heinrich Blaß.
** Arbeitsjubiläum bei Heiligen- ftaebt. Zwei Gefolgschaftsmitglieder der Firma Heyligenstaedt & Comp., Werkzeugmaschinenfabrik G. m. b. H. in Gießen können am morgigen Samstag, 25. April, auf eine ununterbrochene 50jährige Tätigkeit im Werk Heyligenstaedt zurück- blicken. Es sind dies der Magazinverwalter Franz Otto, wohnhaft in Gießen, Liebigstraße 55, und der Montageschlosser Georg Schmidt, wohnhaft in Gießen, Licher Straße 37. Beide Jubilare versehen heute noch täglich in voller körperlicher und geistiger Frische ihren verantwortungsvollen Dienst. Den Jubilaren unseren herzlichen Glückwunsch.
ist wirklich ideal, es gibt dem Kuchen, auch wenn er mit dunklem Mehl gebacken ist, ein appetitliches Aussehen und feinsten Vanillegeschmack ist dos unbedingt zuverlässig» Backpulver
liehen Lächeln bekleidet — und das nennt man dann Artistik. Wenn eine Nummer nur davon abhängt, daß sie ein nacktes Frauenzimmer aufweist, bann möchte ich lieber Platzanweiser fein als Artist —"
„Ich denke, wir werden Irene ganz gut einstigen können", sagte Willis, „morgen früh spreche ich mit dem Direktor. Sei morgen um elf Uhr hier, Irene, dann proben wir und können dich gleich mit einschieben."
„Und was machen wir jetzt?" fragte Welt, indem er bezahlte.
„Gehen mir zum Imperial-Dachgarten", schlug Irene vor, „und feiern wir meine Aufnahme in eure Truppe und Lanos Verschwinden —"
„Das ist kein Grund zum Feiern", brummte Welt, als sie zusammen zur Tür schritten.
„Doch", entgegnete Irene leise, „denn wenn er Barthold nicht ermordet hätte, könnte ich nicht bei euch eintreten." —
„Von Verpetzen kann keine Rede sein, wenn ich der Polizei sage, was ich weiß", sagte Elisabeth ruhig, „das kann nur dazu dienen, die Wahrheit an den Tag zu bri-ngen —"
„Und Lanos an den Galgen zu liefern", rief Irene, „hcchen Sie denn einen Grund dazu? Ich dachte, Sie hätten Ursache, ihm dankbar zu fein. Er ist flüchtig, lassen Sie ihn flüchten, das ist das Beste für ihn. Ich möchte ihn nicht wiedeiiehen, aber ich wünsche ihm auch nicht, daß er an den Galgen kommt."
Sie. grif nach Petersens Bierglas und trank einen kräftigen Schluck. Dann fügte sie hinzu:
„Offenbar ist das aber Ihr Wunsch — ihn hängen zu sehen — Fräulein Perling!" Sie warf einen gehässigen Blick auf Elisabeth.
Elisabeth erhob sich unvermutet: „Wir sehen uns noch, Willis!" Dann verließ sie, ohne ein Wort zu sagen, die Kantine.
„Die hat es eilig", murmelte Irene, „wer weiß, ob sie nicht die Finger in der Sache hat, der berühmte Unioerfalftar Elisabeth Perling."
„Bei euch weiß man nie, woran man ist", sagte jetzt Welt und bestellte sich ein neues Glas Bier, „ihr seid für uns immer ein Rätsel. Der Perling hätte ich das nicht zugetraut, eher dir."
„Du bist ja sehr höflich", gab sie zur Antwort, „und wenn ihr so anfangt, bann kann ich ja wieder gehen."
„Bleib man ruhig Hier", rief Petersen, „du kannst in unsere Truppe eintreten, mein Kind, wir können dich gebrauchen —"
„Wirklich, Willis?" rief sie lächelnd, „oh, das wäre wunderbar. Ich habe schon ein Kostüm, ein Kostüm, sage ich euch, daß ihr platzen werdet. Aus schwarzer Seide mit Flitter, der Rücken ganz frei und lauter solche Zotteln um die Beine, phantastisch — dazu rote Wildlederschuhe mit unerhört hohen Absätzen, na, die Zuschauer werden staunen —"
„Natürlich, du wirst die ganze Nummer schmeißen, Kind", lachte Petersen, „nur mit einem freund
„Hast du ihn denn in den letzten Tagen gesehen?" fragte Welt.
„Wie kommst du auf diesen Gedanken?"
„Weil du uns am achtundzwanzigsten abends sagtest, wir sollten uns die Zeit nicht lang werden lassen, wenn wir auf Lanos warten. Demnach mußtest du doch gewußt haben, daß er nicht kommen würde."
Irene Norodna bemerkte, daß Elisabeth Perling und Willis sie aufmerksam beobachteten. Offenbar erwarteten sie von ihr eine Klärung.
Sie lächelte nur. Elisabeth hatte den Eindruck, als sei es ein verächtliches, fast höhnisches Lächeln.
„Ich kenne doch Lanos. Er hat ein viel zu schlechtes Gewissen euch gegenüber, als daß er zu der Unterredung gekommen wäre."
„Aber du bist doch mit ihm durchgebrannt —", warf Petersen ein.
„Er hat mich dazu gezwungen", rief sie leidenschaftlich aus, „wenn ihr wüßtet, wie er mich gepeinigt hat und wie ich bei ihm leiden mußte. Deshalb machte ich mich doch los von ihm, als ich in Berlin hörte, daß ihr. wieder hier seid, und deshalb habe ich doch euch auch angeboten wieder bei euch einzutreten."
„Haft du denn keine Ahnung, was es mit dem Mord auf sich hat?" fragte jetzt Welt.
„Was wird es fein? Jähzorn, Eifersucht, was weiß ich? Ich bin froh, ihn los zu sein."
Elisabeth hatte ein feines Empfinden. Sie fühlte, daß Irene etwas verschwieg, daß sie mehr von der Sache wußte, als sie zugeben wollte.
„Ich werde zur Polizei gehen", sagte sie bestimmt, „und ihr alles sagen, was ich über Lanos und Barthold weiß. Sicherlich werden mir die Beamten dankbar sein." .... ™
„Unsinn!" fiel ihr die Norodna wütend ms Wort, „was wollen Sie bei der Polizei? Das geht uns nichts an, und wir sollten uns nicht in diese Dinge mischen. Wollen Sie Ihre Kollegen verpetzen?"
„Irene!" rief Willis tadelnd, als er fah, daß Elisabeth erbleichte.
4.
Der alte Krähe hatte seine liebe Not mit dem verhafteten Clown.
Zunächst hatte er bei allen Heiligen, bei den Gräbern seiner Eltern und bei seiner Seligkeit geschworen, daß er Karl Barthold sei. Krähe hatte ihm gesagt, Barthold sei tot und bereite begraben, mithin sei der Verhaftete ein Niemand und könne nicht freigelassen werden, bis man seinen Namen entdeckt habe. Der Verhaftete hatte gefragt, wie lange das bauern könne. Krähe hatte ihm geantwortet, bas wisse er nicht, er habe aber schon Fälle tennengelernt, wo jemand zehn Jahre im Gefängnis gelegen habe. Freilich verschwieg er dabei, daß es sich um schwere Verbrechen gehandelt hatte. Der Verhaftete bekam einen Schrecken und dachte, er könne zehn Jahre sitzen, bis man seine Personalien entdeckt habe. Darauf sagte er. er heiße Emil Rautenbusch und sei am 3. Juni 1910 in Königsberg geboren.
(Fortsetzung folgt.)


