Ausgabe 
24.3.1942
 
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Aus der Stadt Gießen

DerTag der Wehrmacht in Gießen

für

do rreoensjuyr. wuiue iwo vun w i c o e » Nachfolger von Professor Gadamer nach Marburg

Mast vom K o e ck und

Artillerie wird reichlich Fahrgelegenheit zum Besuch der Kaserne stellen, die Männer vom Fliegerhorst haben gleichfalls allerlei in Vorbereitung. Den Ab­schluß bildet am Sonntagabend ein Konzert, das allen Freunden froher Unterhaltungsmusik einige schöne Stunden bereiten wird. Am Samstagabend wird auch Heuchelheim einen solchen Abend erleben.

Abzeichen zum Tag der Wehrmacht. (Äherl-Bilderdienst-M.)

Max HalbesStrom" als Ulm

Ein Terra-Film im Gloria-palast.

Die Vorbereitungen zumTag der Wehr­macht" in Gießen am kommenden Samstag und Sonntag zum Besten des Kriegs-WHW. find in vollem Gange. In diesen Tagen werden die Amts­walter der NSV. in den Haushaltungen die Essen­marken zum Bezug desSchlags aus der Feldküche zum Kauf anbieten. JederSchlag" kostet 50 Rpf.; das Essen Erbsen mit Speck oder Nudeln mit Rindfleisch, das aus eingesparten Beständen unserer Soldaten zubereitet wird, kann markenfrei bezogen werden. Wer in den Kasernen essen will, kann dort an der Essenausgabe mit seiner Eßmarke erscheinen, wer zu Hause oder in der Stadt bleiben möchte, kann bei der Fluko, im Stu­dentenheim, in der Universität, am Bahnhofsplatz, auf Oswaldsgarten oder im Caf6 Leib an der Feld­küche bzw. Essenausgabe abholen oder auch an Ort und Stelle seinen Zug verdrücken. In Heuchelheim ist die Essenausgabe in der Turnhalle vorgesehen, in Klein-Linden in den Metzgereien Jung und Hinter­lang, die Wiesecker essen im Fliegerhorst.

Am Samstagnachmittag wird ein Zug Geschütze durch die Stadt marschieren und dabei am Selters­tor und am Stadttheater Hebungen abhalten. Die Nachrichtenhelferinnen werden an verschiedenen Stellen der Stadt singen. Am Sonntag sind die Ka­sernen zum Besuch durch die Bevölkerung und zur Besichtigung von mancherlei Vorführungen von 9 Uhr ab geöffnet. Während der Essenausgabe von 11 bis 14 Uhr gibt der Musikzug der SA.-Standarte 116 an mehreren Ausgabestellen ein Konzert. Die

gebung In Mailand, wo Mussolini vor 23 Jahren den ersten faschistischen Kampsbund ins Leben rief.

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Dem Oberbefehlshaber des italienischen Expedi­tionskorps an der Ostfront, General Messe, wurde das Komturkreuz des Militärordens von Savoyen verliehen. In der Begründung heißt es, General Messe habe alle durch das unerhört harte Klima und die zahlenmäßige Unterlegenheit bedinaten Schwie­rigkeiten überwunden, alle Gegenangriffe des Fein- des zum Scheitern gebracht, den Besitz der wichtigen eroberten Stellungen gesichert und damit erneut die Zähigkeit, den Kampfgeist und die Einsatzbereitschaft des italienischen Soldaten bewiesen.

König Gustaf von Schweden ist nach einem ärzt­lichen Bulletin von seiner Operation wiederhergestellt und konnte bereits das Bett verlassen. In einigen Tagen dürste er aus dem Sanatorium entlassen werden.

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Durch Erlaß der einstweiligen Philippinen-Regie­rung wurden auf den Philippinen die drei wich- tigsten japanischen Feiertage eingeführt. Christliche Feiertage bleiben bestehen, jedoch werden diejenigen amerikanischen Ursprungs nicht mehr innegehalten werden. *

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer hat den Buchhändler Hans Köster (Kövigstein) zum Landesobmann der Gruppe Buchhandel des Gaues Hessen-Nassau ernannt. Die Amtsübernahme hat bereits stattgefunden.

Kunst und Wissenschaft.

berufen.

Professor Dr. Conrad Watschoß f.

Am 21. März ist der Geschichtsforscher der Tech­nik, Professor Dr.-Jng. h. c. Dr. phil. h. c. Conrad Matschoß, 70 Jahre alt, in Berlin gestorben. Matschotz, der zunächst als Ingenieur und als Leh­rer an Gewerbeschulen tätig gewesen war, hatte sich frühzeitig der technikgeschichtlichen Forschung gewidmet, die er zur Höhe einer anerkannten Wissenschaft erhob. 1902 wurde er durch seine erste Veröffentlichung über die Geschichte der Dampf­maschine bekannt. Dieser Arbeit folgte 1908 das grundlegende Werk über die Entwicklung der Dampfmaschine. 1906 war Matschoß in den Dienst des Vereins Deutscher Ingenieure getreten, desien Direktor er von 1916 dis 1937 war. 1909 erhielt er einen Lehrauftrag für Geschichte der Technik an der Technischen Hochschule Berlin; 1915 wurde er ordentlicher Professor. Sein Unterricht zeichnete sich dadurch aus, daß er die großen Zusammenhänge sehen lehrte. Matschoß hat eine große Zahl technik­geschichtlicher Werke veröffentlicht. In der letzten Zeit erschienen sein Werk über die großen Inge­nieure der Vergangenheit und eine geschichtliche Arbeit über das Zahnrad. Dem verdienten Forscher wurden zahlreiche Ehrungen zuteil.

Pfeiffer verlas dessen Vertreter Kam. Lenz den eingehenden und mit den Zeitereignissen ver­knüpften Jahresbericht, der einstimmig genehmigt wurde. Die Zeitumstände brachten es, wie im Be­richt erwähnt, mit sich, daß nicht jeden Monat ein Appell abgehalten werden formte. Alsdann erstat­tete Kam. Herm. S ch a a b für den ebenfalls am Erscheinen verhinderten Kam. Fr. Schneider die Rechnungsablage, die mit 237,18 RM. in Einnahme und Ausgabe abschließt. Nach Prüfung durch die Kam. Herrn. Leib und Ludw. Keil wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Es wurde den Kamera­den ferner mitgeteilt, daß unser ehemaliger, Regi­mentsadjutant Dr. K. Rühl (Hannover), der Ver­fasser der Regimentsgeschichte, verstorben ist. Ebenso wurde des verstorbenen Kam. August Noll und zweier unserer Kameraden gedacht, deren Söhne

Der Westpreuße Max Halbe, der 1893 mit der Jugend" unversehens ein berühmter Mann wurde, hat mit keinem seiner späteren Dramen und Ro­mane wieder einen annähernd so starken und nachhaltigen Erfolg erzielt wie mit diesem immer noch gespielten Liebesstück auch nicht mit dem Strom", der 1902 erschien und der gleichen west- preußischen Landschaft entstammt wie jenes. Was die Verfilmung Dr. Erich Eb ermayer, Eberhard K e i n d o r f f und Johanna Sibelius schrieben gemeinsam das Drehbuch von der dra­matischen Vorlage vor allem unterscheidet, ist, unter Beibehaltung der wesentlichen Grundlinien des Schauspiels, die räumliche Ausweitung. Das ist in diesem Falle, wie uns scheint, belangvoller als in zahlreichen ähnlichen Verfilmungen, weil beim Strom" die Landschaft ein entscheidend mitspie, lendes Element ist. Im Stück, dessen auf einen engen Jnnenraum begrenzte Dramatik zwar kon­zentrierter und lastender wirkt, muß sich die Vor- stellungskraft des Zuschauers die Landschaft dazu- denken, die ja sehr viel mehr rft als nur eine stimmunggebende Kulisse.

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Hier hat nun der Film eine große und dankbare Aufgabe überzeugend gelöst: der Kameramann Richard Angst hat sehr schöne, schwermütig-weit­räumige Bilder photographiert, die den Vorgängen nicht allein ihre eigentümliche Atmosphäre geben, sondern die Elemente wirklich sichtbar und sinnlich spürbar machen, welche die Schicksale der Menschen in diesem Film nicht nur begleiten, sondern ent­scheidend bestimmen. Insofern sind die Aufnahmen der Deichdruch-Katastrophen zu Beginn und am Ende mehr als nur etwa eine technisch glatt bewäl. tigte, spannende Reportage. Der Strom ist für die Menschen an seinem Ufer in der Tat ein Schicksals- ström, und in irgendeiner Weise ist alles, was sie erleben und erdulden, vom Strom aus bestimmt und

UraufführungDie vier Optimisten.

Für sein neuestes Werk hat sich Marc Ro­land, der Film-, Rundfunk- und Bühneukompo- nist, mit dem Luftspielautorenpaar A. M ö l l e r und H. Lorenz zusammengetan, und damit ist eine Lustspiel-Operette" entstanden, die die besten Sei­ten der verschiedenartigen Begabungen zusammen­faßt. Das Buch gibt wirksame, nicht allzu wählerisch erfundene Situationen und mischt rein schauspiele­rische Wirkungen mit denen der Operette. Die Mu­sik weiß ebenso den zärtlichen Stimmungen der . Liebesszenen gerecht zu werden, wie fie für ver­gnügten Unsinn in den schwankhaften Austritten ft»rgt. Das Staatstheater Bremen als Schauspiel-, Operetten- und Opernbühne hatte es leicht, aus dem Personal aller drei Gattungen die Besetzung des vielseitig schillernden Werkes zu bewirken.

Clemens Cunis.

zu begreifen: der Kampf um die Erhaltung des Hofes, die einander widerstrebenden und sich kreu­zenden Lebenslinien der drei Söhne des Doorn- Hdfes, der jähe Tod des alten Deichhauptmannes wie die Testamentsfälschung des neuen, der stille, zähe Kampf der beiden älteren Brüder um die gleiche Frau, die zerstörte Lebenssehnsucht des jüng­sten Sohnes und wiederum der Tod zweier Brüder im entfesselten Wüten des Deichbruches, während die beiden Kleinsten vom Doorn-Hofe wie durch ein Wunder mit dem Leben davonkommen.

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Der Spielleiter Günther Rittau hat alles, was ihm die raumsprengende Kamera an Möglichksiten gewährte, mit fernem Gefühl genutzt; er hat dem breiteren epischen Fluß der Ereignisse sowohl die stilleren Augenblicke als auch die hämmernde Dra­matik eines atemlos-verzweifelten Kampfes gegen die übermächtig anschwellende Flut mitgeteilt; die schwerfällige, kantige, wortkarge Art des meftpreu« hischen Menschenschlages kommt in der Darstellung vorzüglich heraus. Friedrich Kayßler gibt mit ernster, gelassener Ueberlegenheit den alten Doorn, E. W. B o r ch e r t den Peter als scharf konturierte ÜHarakterfigur, während Hans Söhnker beweg- kicher und lockerer den Heinrich, Malte Jaeger den verbitterten und verstörten Jüngsten, den Jakob, spielt. Lotte Koch, großäugig, still, sanft und mit verstecktem Gefühl, ist die Renate. Auch in den Nebenrollen sind eine Reihe tüchtiger Darsteller cm Werke: Emil Heß, Charlott Dändert, Paul Bildt und Paul Henckels; die Gießener wird es interessieren, in einer kurzen, übrigens sehr leben- digen Volksszene Ludwig Linkmann wieder­zusehen. (Terra.)

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Im Beiprogramm gibt es die neue Wochenschau und, auf der Bühne, eine Jongleurnummer, die viel freundlichen Anklang findet.________Hans Thyriot

während des Winters im Osten gefallen sind. Mit Sieg-Heil auf Führer und Vaterland schloß Kam. W. B o p f den Appell.

(Sienen-Mein-Linden.

In der Wirtschaft von Rinn hielt die Landwirt­schaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft ihre Jahreshauptversammlung unter Leitung des Auf­sichtsratsvorsitzenden Heinrich Bechtold ab. Den Jahresbericht erstattete Direktor Heinrich Weigel. Aus dem Kassenbericht des Lagerhalters und Kaffen- warts Ludwig Jung XVI. war zu entnehmen, daß sich der Umsatz gegenüber dem Jahr vorher wesentlich gesteigert hat. Die Rechnung wurde ein- stimmig genehmigt.. Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Der Reingewinn wird je zur Hälfte der Betriebsrücklage und dem Reserve­fonds überwiesen. Vorstandsmitglied Ludwig Jung XVI. und Aufsichtsratsmitglied Wilhelm V o l k m a n n wurden wieder mit ihren Aemtern betraut.

40 Jahre Exl-Bühne.

40 Jahre sind es her, seitdem Ferdinand E x l und einige theaterbegeisterte Studenten in Innsbruck sich das Ziel fetzten, das Bauerntheater auf eine bis dahin unbekannte Höhe emporzuheben. Mit einer Aufführung von AnzengrubersPfarrer von Kirch­feld" begann der Siegeszug der Exl-Bühne. Wenn die Exl-Leute ursprünglich nur eine Lokalangelegen­heit der Tiroler Volkskunst waren, so haben sie sich heute einen geachteten Platz im deutschen Theater- leben errungen. Die Exl-Bühne feiert ihr Jubiläum gleichzeitig mit dem 60. Geburtstag zweier ihrer be­deutendsten Darsteller, die der Gemeinschaft vom ersten Tage an angehört haben, Eduard Kr: ck Ludwig Aue.

Nun hatte ihr Warten, wie sie meinten, wenig- j ftens eine gewisse Berechtigung, und geduldig und ; gläubig harrten sie nahezu vier Wochen. Endlich . schlug ihnen der ersehnte Augenblick: Der Postbote i händigte einer von ihnen einen ansehnlichen Feld­postbrief aus, dessen schwungvoll geschriebene An­schrift sie mit zusammengesteckten Köpfen wieder und wieder lasen. Fast zärtlich und mit aufglühendem Herzen sprachen sie Sen Namen des Absenders aus.

Vier rasierklingenkleine Briefchen entfielen dem zweiseitig beschriebenen Bogen, während sie ihn in ieberhafter Spannung entfalteten: Der Brief des Glücks-Kleeblattes" habe den Weg zu vier Kame­raden gefunden, lasen sie. Der Zufall spiele ja oft int Leben der Menschen eine große Rolle, stnd so labe er vielleicht auch diesmal acht Menschen eine chöne Freude gebracht. Sie hofften, daß die zarte Bande des brieflichen Gedankenaustauschs diesen acht Menschen das bringen würde, was sie ersehn­en und wünschten. Das Los solle die einzelnen zu­sammenführen, und sie bäten die Mädchen, diese Angelegenheit zkk entscheiden. In jedem der vier Briefchen stehe ein Name von ihnen und warte auf die glückliche Hand, die ihn ziehen würde. Mit Spannung harre der Schreiber mit seinen Kame­raden auf das Resultat und die Briefe ihrer künf­tigen Partnerinnen.

Den Mädchen brannten die Wangen, und die freudige Erregung verschlug ihnen schier die Stimme, als sie schließlich einander die Namen der Er­wählten aus den erbrochenen Lose-Briefchen vor­lasen. Und dann vertauschten sie die Vornamen mit ihren eigenen und fanden, daß es schön klinge. Wie heimliche Bräute fühlten sie sich in ihrem Glück, und in ihren Antworten, die noch am gleichen Tag geschrieben wurden, war wohl etwas davon zu spüren. P- B.

Llnteroffizierschulen der Luftwaffe stellen Freiwillige ein.

Der Reichsminister der Luftwaffe und Oberbe­fehlshaber der Luftwaffe gibt bekannt: Die Luft­waffe stellt zur Zeit in ihre Unteroffizierschulen Freiwillige ein, die die Absicht haben, sich für die Laufbahn des aktiven Unteroffiziers in der Luft­waffe mit zwölfjähriger Dienstzeit zu verpflichten. Bedingungen: Tauglichkeit für den Wehrdienst. Der Bewerber soll am Einstellungstag das 17. Lebens­jahr vollendet haben und nicht älter als 18 Jahre sein. Bewerbungsgesuche können jederzeit an das für den dauernden Wohnsitz des Bewerbers zustän­dige Wehrbezirkskommando gerichtet werden. Dort wird auch Auskunft über Einstellungsbedingungen erteilt. Auskunft über Einstellung erteilt außerdem das Kommando der Unteroffizierschulen der Luft-

1 waffe, Berlin W 50, Nürnberger Straße 39/40.

Kameradschaft

de« ehemaligen LIU. 116 Gießen.

Am Svnntagnachmittag fand der Jahreshaupt­appell der Kameradschaft L.J.R. 116 bei Kamerad ' Emil Kimpek statt. An Stelle des erkrankten Ka­meradschaftsführers Rud. Schneider leitete Eh- i renvorsitzender Wil h. B o p f den Appell. Er ver- , las einen Brief von Rud. Schneider, in dem dieser i die Kameraden auffordert, wie bisher treu zur I Fahne zu hatten und der tapfer kämpfenden Front den Rücken zu stärken bis zum Tage des glorreichen I Endsieges. Für den verhinderten Schriftführer Kam.

Vier Glückslose.

Die Erscheinung des Briefträgers, der jeden Mor­gen an den Fenstern des Arbeitszimmers vorüber­geht, hinter denen vier junge hübsche Mädchen mit großen Augen über ihre Schreibmaschinen hinweg seine Schritte verfolgten und unter rascherem Herz­klopfen auf das große Wunder warteten: daß er plötzlich stehenbleibe und an eine Scheibe pochend mit freundlichem Lächeln einen Brief oder auch nur eine Karte für sie hereinreichen werde, ließ schließ­lich die immer wieder Enttäuschten auf den guten Einfall kommen. Das heißt, eine von ihnen äußerte ihn zunächst zaghaft, aber zu ihrer Überraschung wurde der Vorschlag nicht, wie befürchtet, abgelehnt, sondern unter lauter und fröhlicher Zustimmung seine sofortige Verwirklichung begonnen.

Also schrieben sie an denUnbekannten Solda­ten" einer durch Zufall erhaltenen Feldpostnummer einen gemeinsamen, ein wenig schalkhaften und doch warmherzigen Brief und setzten nach einigem Zö­gern unter die verlockende Gesamtunterschrift ,L>as Glücks-Kleeblatt" mit leisem Lächeln ihre Vor- und Zunamen. Etwas Feierliches schwang dabei in ihrer heimlichen Erregung, und sie blieben eine ganze Weile stumm, als sie den Federhalter beiseitelegten, ehe sie sich in ein heißes Erglühen hineinlachten.

Professor Brand 65 Jahre.

In Marburg vollendete der Professor . pharmazeutische Chemie und Direktor des Pharma­zeutisch-Chemischen Instituts der Universität Mar­burg, Professor Dr. Kurt Otto Brand, sein 65 Lebensjahr. Er wurde 1928 von Gießen als

Der feurige Gfen

Roman von Hans von Hülsen

47. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie ging erst weit nach Mitternacht in ihr Schlaf­zimmer hinüber, zerschlagen an allen Gliedern. Pie Gespenster dis heraufdämmernden Tages ließen ihr auch dann keine Ruhe.

Am Dienstagnachmittag fuhr sie mit Fabian zum Bahnhof. Es hatte keine Mühe gekostet, Fehr zu überzeugen, daß das erste Wiedersehen am besten ohne ihn ftattfinbe. In ihrer Handtasche war alles Geld, über das sie verfügte. Sie mußte Jan gegen­über eben die neue Lüge gebrauchen, sagen, daß sie die Handtasche verloren habe, oder ähnliches wer einmal m t dem Lügen anfing, fand den Weg zurück nicht mehr! Ihr Plan stand fest: unter allen Umständen muhte der Vater Weiterreisen, ohne das Lappersdorser Schloß zu betreten.

Erreichte sie das nicht von ihm, dann roärs das beste, sie würfe sich gleich vor die Räder des Zuges, der ihn hergebracht! ... Um Zeit für die Unter­redung zu gewinnen, schickte sie Fabian auf Be­sorgungen in die Stadt, mit der Weisung, sie eine Stunde später vor dem HotelLandskrone" zu erwarten.

Mit fliegenden Nerven ging sie auf dem Bahn­steig auf und nieder. Er war ziemlich menschen­leer. Ein kalter Wind blies über ihn hin, unendlich langsam sprang der Zeiger auf dem großen Ziffer­blatt von M'nute zu Minute. Sie vertiefte sich, um ein wenig Ruhe zu finden, in die Zeitungen und Zeitschriften des Kiosks. Auf dem Titelblatt eines Filmblattes las sie Grellings Namen. War das ein Wink für sie? .Alles vergebens', dachte sie müde: .Wie sollte ich leben, ohne Jan?'

Sie wandte sich jäh um, denn der Zug fuhr schon ein. Einen Schleier vor den Augen, suchte sie die Fenster der langen Waggonreihe ab. Es stie­gen nicht allzu viele Menschen aus wo war der

Vater? Wenn er vielleicht doch nicht gekommen wäre? Eine vage Hoffnung beredete sie, es könnte so sein, zu Hause könnte ein Telegramm liegen, das sein Ausbleiben ankündigte.

Frau Baronin ...", hörte sie eine Stimme hin­ter sich; und da sie jäh herumfuhr, stand der Vater vor ihr und lachte ihr ins Gesicht und streckte ihr die Hand hin.

Papa!" Sie starrte ihn an, mit Augen, die groß aufgerissen waren vor Schreck. Und zugleich fühlte sie, wie alle Angst und Sorge von ihr abfielen, nicht anders als ein Nesfushemd, das sie fast vier­undzwanzig Stunden lang mit schier unerträglichen Schmerzen auf dem bloßen Leib getragen hatte.

Der vor ihr stand, erinnerte nicht in der klein­sten Einzelheit mehr an jene furchtbare Gestalt, der sie sich damals in der Münchener Nacht mit Grauen gegenüber gesehen. Der Vater war in einen weichen, weiten, modischen Ulster unverkennbar eng­lischer Herkunft gekleidet, er trug bcgueme Schuhe mit Gummisohlen an den Füßen und einen steifen Hut auf dem Kopf. Die Hand, mit der er die ihre umklammert hielt, steckte in einem schweinsledernen Handschuh mit breiten Stepprändern, die andere hielt einen schweren Bambusstock, unter dessen sil­bernem Knauf eine Lederschlaufe durchgezogen war. Eine schildpattgefaßte Hornbrille saß auf der Nase. Die große, nagelneue Handtasche aus Kalbs­leber mit breitem Riemen und blinkenden Schlös­sern setzte er vor sich hin. Marion kam aus dem (Staunen nicht heraus. .

Ja, Marion, Kind welch ein Wiedersehn! sagte Brakei und schob seinen Arm in den ihren: Haben wir beide uns nicht träumen lassen, wie?, als wir uns bas letzte Mal sahen, was? Das Leben wirbelt einen nach unten und nach oben! Uns beide hat's nun wieder einmal nach oben ge­wirbelt, wie?" . ...

, Ja, lieber Papa, ich bin ja aufs angenehmste überrascht. Ich hatte gefürchtet ...

daß ich wieder wie ein Stromer vor dir erscheinen würde, um dir die paar Kröten aus der Tasche zu ziehen, wie? Nett, daß du trotzdem ge­

kommen bist, werde es dir nicht vergessen! Und was du in München mir in die Hand gedrückt, und mir brieflich geschickt hast, kriegst du noch heute mit Zins und Zinseszinsen wieder. Also gehen wir?"

Marions Gedanken griffen schnell ineinander. Sie verstand, daß sie ihre ganze Taktik ändern, ihren ganzen Plan umstürzen müsse. Nichts von alledem, was sie sich ausgedacht, konnte sie diesem Manne gegenüber gebrauchen, der um vieles ele­ganter war, als der Vater, dessen Bild sie aus der Kinderzeit bewahrte. Ihr war zumute, als wäre der eherne Reif um ihr Herz zersprungen.

Am besten, Papa, wir geben dein Gepäck vor­erst ab. Ich habe den Chauffeur zu einigen Be­sorgungen in die Stadt geschickt, er holt uns nach­her ab. Wenn du nicht zu müde bist, machen ryir einen kleinen Bummel, bann können wir uns gleich ein bißchen ausschwatzen, solange wir allein sind. Jan freut sich riesig auf dein Kommen. Weißt du, er ist so ein lieber, feinfühliger Mensch, er hat sich immer Skrupel darüber gemacht, daß wir in so gar keiner Verbindung miteinander waren."

Er weiß natürlich nichts?" fragte Brakel und lächelte Marion mit einem kleinen, verschlagenen Komplicenlächeln zu.

Nichts. Und er soll auch nichts wissen! Er hält dich immer noch für einen Düsseldorfer Bankier..

Ach, du lieber Gott! Na, die Zeiten sind gründ­lich vorüber. Dein Papa ist seit zwei Monaten wohl­bestallter Direktor der Algemeen Sumatra Handels Matschappij."

Ist ja großartig, Papa! Da gratuliere ich wirk­lich!"

Sie gingen durch die Sperre, gaben die Hand­tasche zur Aufbewahrung und traten auf den in messingnen Vorabendlicht liegenden Bahnhofsplatz hinaus.

Marion bängte sich in den Arm des Vaters. Sie war so glücklich, sie mußte es ihm irgendwie zeigen. Gemeinsam schlenderten sie die Straße hinunter, an den Schaufenstern vorbei, Brakel amüsierte sich über den provinziellen Charatter aller Auslagen, und erzählte von Amsterdam, wo er seinen

Wohnsitz hatte. Marion fragte nach der Mutter. Da zog eine Wolke über sein Gesicht:

Ja, so, du weißt nicht, Kind. Die Mama ja, die hat's nicht so durchgehalten wie ich. Viel» leicht steckt auch ihre bigotte Schwester Bärbe da­hinter. Jedenfalls hat fie's nicht über sich zu bringen vermocht, mit mir zusammen den Staub dieses Landes von den Füßen zu schütteln, intern so ein Mann wie ich unter gar keinen Umständen mehr hochkommen kann ... Kurz, die Mama sitzt immer noch in Olberville. Und da es nun einmal nicht gut ist, daß der Mensch allein sei, so stehe ich vor der Frage, ob ich nicht auf Scheidung klagen soll. Tja, Marion, so stehen die Dinge. Leider. Du bist ja nun eine gereifte Frau und wirst Ver­ständnis dafür haben."

Sie antwortete nichts. Mit dem Verstand sah sie ja ein, daß er recht hatte, aber ihr Gefühl sträubte sich dagegen.

Sie erzählte ihm, daß sie Fehr zur Erklärung nur gesagt habe, ihr Weg zum Theater sei an dem großen Zerwürfnis mit dem Elternhause schuld. Brakel lachte und versprach, sich entsprechend zu ver­halten.

Gleich darauf sah Marion vor einem Delikatessen­geschäft den Lappersdorser Wagen stehen und ging hinein, um Fabian zu sagen, daß er nicht erst zum Hotel Landskrone zu fahren brauche, sondern daß sie gleich einsteigen wollten.

Kleiner Umweg über den Bahnhof, wo der alte Diener die Tasche auslöste, und dann waren sie auf der Chaussee und fuhren durch den sinkenden Tag nach Lappersdorf.

Ich freue mich wirklich von Herzen, Herr von Brakel!" Fehr stand im Portal und schüttelte dem Gast kräftig die Hand:Eine ausgezeichnete Idee von Ihnen! Marion bekam natürlich nach Damen- art einen gelinden Schreck aber, ich wette, jetzt ist sie desto vergnügter. Kommen Sie 'rein, legen Sie ab. Ich habe uns in Vertretung der Hausfrau einen Tes machen lassen ...

(Fortsetzung folgt.)