zuließ. Darauf teilte Schuschnigg am Abend des 11. März durch Rundfunk selbst seinen Rücktritt mit. Dr. Seyß-Jnquart forderte die Sicherheitsformationen der Nationalsozialisten auf, für Ordnung und Ruhe zu sorgen, und erinnerte daran, daß irgendein Widerstand gegen einrückende deutsche Truppen, um deren Entsendung er den Führer telegraphisch gebeten hatte, unter keinen Umständen in Frage käme.'Bundespräsident Miklas betraute Dr. Seyß- Inquart mit dem Bundeskanzleramt. Zwei Stunden später wurde eine neue, rein nationalsozialistische Ministerliste bekanntgegeben.
Am 12. März hielt Dr. Seyß-Jnquart bei der Ankunft des Führers in Linz eine Begrüßungsansprache, in der er gleichzeitig den Artikel 88 des Diktates von St. Germain, der die Selbständigkeit Oesterreichs beschränkte, für unwirksam erklärte. Bei der Kundgebung auf dem Heldenplatz in Wien am 14. März erklärte er unter anderem: „Als letztes
oberstes Organ des Bundesstaates Oesterreich melde ich dem Führer und Reichskanzler den Vollzug des gesetzmäßigen Beschlusses nach dem Willen des oeut- fchen Volkes und seines Führers: Oesterreich ist ein Land des Deutschen Reiches." Am gleichen Tage wurde Dr. Seyß-Jnquart vom Führer zum Reichsstatthalter von Oesterreich ernannt. Als durch das neue Ostmark-Gesetz vom 1. Mai 1939 das Amt des Reichsstatthalters seine Erledigung fand, ernannte ihn der Führer zum Reichsminister z. b. V. Nach dem siegreichen Polenfeldzug wurde Dr. Seyß-Jnquart zum Stellvertreter des Generalgouverneurs Dr. Frank bestellt. Noch der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 ernannte der Führer Dr. Seyß-Jnquart zum Reichskommissar für die besetzten niederländischen Gebiete. Die Aufbauarbeit, die der Reichskommissar hier in zwei Jahren bereits geleistet hat, ist unnennbar mit seinem Namen verknüpft.
Konzentrischer Angriff auf Rostow.
Oer Wehrmachtbericht.
DNB. Aus dem Führerhauplquarlier, 21. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Im Südteil der Ostfront sind die deutschen und verbündeten Truppen in konzentrischem Angriff von Westen, Norden und Osten auf Rostow. Die Stadt steht in Flammen. Die Brücken über den Don sind zerstört. Weiter nördlich ist eine deutsche Armee im schnellen Vormarsch nach Südosten und hat sich dem Donabschnitt westlich Stalingrad auf 80 kra genähert. Feindliche Nachhuten und zersprengte feindliche Kräftegruppen wurden vernichtet. Die Luftwaffe bekämpfte die dicht belegten Rückzugswege des Feindes und setzte die Angriffe aus Flußübergänge und Eisenbahnanlagen im Raum um Rostow fort. Nördlich Woronesch wurden seindliche Angriffe abgewiesen.
Im mittleren Frontabschnitt vernichtete eine Infanteriedivision eine eingeschlossene feindliche Kräftegruppe. In erbitterten Nahkämpfen wurden 105 Kampfstände im Sturm genommen.
Südlich des Ilmensees und an der Einschließungsfront von Leningrad scheiterten mehrere feindliche Angriffe , zum Teil in erbittertem Nahkampf.
In Aegypten wurden Vorstöße des Feindes abgewiesen. Nachtangriffe der Luftwaffe richteten sich gegen militärische Fiele bei Alexandrien. Auf Malta wurden Bombentreffer in den Flug- plahanlagen von Luca erzielt.
Im Kanal versenkten leichte deutsche Seestreitkräfte das Führerboot einer britischen Schncllboot- flottille und beschädigten mehrere andere Schnellboote durch Artillerietresfer.
Im Bereich der Deutschen Bucht warfen am gestrigen Tage britische Flugzeuge ohne Erdsicht planlos Bomben ab. Line ländliche Schule wurde getroffen; dabei wurden einige Kinder verletzt.
In der vergangenen Nacht führten einzelne feindliche Flugzeuge Stürflüge über Ostpreußen durch, ohne Bomben zu werfen.
Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, versenkten deutsche Unterseeboote aus einem stark gesicherten, mit Kriegsmaterial für Afrika bestimmten Geleitzug im Atlantik nördlich der Azoren sieben Schiffe mit 38 000 VRT.» darunter einen großen Munitionsdampfer, der in die Luft flog. Ein Unterseeboot drang bis in den St.-Lorenz- Strom ein und versenkte dort drei Schiffe mit 15 000 BRT. aus bewachten Geleitzügen. Ein weiterer Dampfer von 4500 BRT. wurde torpediert und von seiner Besatzung auf Strand gesetzt. Außerdem wurden im amerikanischen Raum sechs Schiffe mit 51000 BRT. versenkt und ein Frachter durch Torpedotreffer schwer beschädigt. Insgesamt verlor damit die feindliche Versorgungsschiffahrt in den letzten vier Tagen durch deutsche Unterseeboote 16 Schiffe mit 104 000 BRT.
Die in der englischen und sowjetrussischen Presse verbreiteten Nachrichten über die Lage bei Woronesch sind frei erfunden. Die dort kämpfenden Infanteriedivisionen sind weder abgeschnitten noch fliehen sie über den Don. Sie holten nach wie vor den erstrebten Brückenkopf von Woronesch und die Stadt selbst und haben alle sowjetrussischen Angriffe blutig abgewiesen. Der Frontverlauf im Brückenkopf um Woronesch wird in der deutschen Presse bekanntgegeben werden.
Rostow am Don.
Rostow am Don mit über 500 000 Einwohnern, ist eine der bedeutendsten Großstädte der Sowjetunion und verfügt über einen sehr regen Hafenverkehr, obwohl sie noch rund 50 km vom Asow- schen Meer entfernt liegt. Der Don-Hafen Rostow ist leistungsfähig und modern ausgebaut. .Die Kaianlagen ziehen sich an beiden Ufern des Don über eine Strecke von etwa 800 m hin. Das Hauptumschlagsgut ist Getreide. Ihrer Bedeutung als Hafenstadt nach steht Rostow hinter Odessa und Batum unter den Schmarzmeerhäfen an dritter Stelle.
Rostow wurde 1761 angelegt noch als Festung gegen die Türken und Tataren. Ursprünglich sollte das weiter abwärts gelegene Asow, von Peter dem Großen den Türken entrissen und dann wieder an diese verloren, der Hauptlatz am Pontischen Gestade werden. Katharina II. wählte statt dessen Rostow und ließ gleich große Schiffswerften einrichten. Nachdem die Schwarzerde durch Bahnbauten erschlossen war, wurde Rostow ein großer Getreideexportplatz, erhielt aber auch bedeutende Industrieanlagen.
Die Maschinenindustrie ist heute auf Rüstungsmaterial umgestellt, besonders auf. die Herstellung von Sprengstoffen, Geschossen, Abwurfmunition, Minen, Gasmasken usw. Das bedeutendste Unter-1
nehmen besteht aus zwei Landmaschinenfabriken mit einer Belegschaft von etwa 27 000 Arbeitern, die heute Rüstungsmaterial herstellen. In Rostow gibt es ferner zahlreiche leistungsfähige Automon- tagewerke und Lokomotivwerkstatten. Von wehr- wirtschaftlicher Bedeutung sind weiterhin Fabriken für Metallwaren.
In Rostow arbeiten auch große Betriebe der Nahrungsmittel- und Feinkostindustrie, von denen besonders die M ii h l e n i n d u st r i e wichtig ist. Es gibt außerdem Margarine-, Konserven- und Tabakfabriken, Gerbereien, Schuh-, Betleidungs- und Trikotagenfabriken, Fabriken für Baumaterialien, Papier, Leder, Holz und Werke der chemischen Industrie. In der Umgegend wird der umfassendste Tabakbau der ganzen Sowjetunion betrieben.
Heute nimmt Rostow eine Schlüsselstellung für den Verkehr nach der unteren Wolga, nach dem ganzen Kaukasusgebiet und den beiden Petroleum- regionen von Grosnyj und Baku ein. Eine Oel- leitung führt *bon Grosnyj über Rostow bis in den südöstlichen Teil des ukrainischen Industriegebietes. Rostow ist auch einer der wichtigsten Flughäfen der Sowjetunion.
Wegbereiter der Biologie.
Zum 120. Geburtstage Gregor Mendels.
Noch vor einigen Jahrzehnten wußten nur die Naturwissenschaftler etwas von Gregor Mendel, heute ist der Name dieses Gelehrten, der als einer der ersten die Vererbung als Naturgesetz erkannte, wohl jedem Gebildeten bekannt. Er kam, wie mancher große Deutsche, aus den einfachsten Verhältnissen. Am 22. Juli 1822 als Landwirts- fohn in einem Dörfchen an der schlesisch-mährischen Grenze, dem sog. Kuhländchen, geboren, war er vom Vater ursprünglich für die Landwirtschaft bestimmt worden. Bald jedoch durfte der aufgeweckte Knabe studieren und ging später als Mathematik- und Phyfiklehrer an das Znaimer Gymnasium und nach einem längeren naturwissenschaftlichen Studium in Wien als Naturgeschichtslehrer an die Oberrealschule in Brünn.
In den Jahren 1854—1868 stellte er in seinem stillen Klostergarten die nachher so berühmt gewordenen Pflanzenzüchtungsversuche an; leider konnte er sich diesen Arbeiten späterhin aus beruflichen Gründen nicht mehr widmen. Hinzu kam langwierige Kränklichkeit. Breits am 6. Januar 1884 starb er. Nur wenige mußten um den Wert feiner Forschungen, deren weittragende Ergebnisse er selber kaum geahnt haben dürfte. Viele seiner Fachgenossen hielten seine Ergebnisse für Phantastereien.
Wie ist Gregor Mendel zu seiner Entdeckung gekommen? Er kreuzte eines Tages die Gartenpflanze Löwenmaul, und zwar eine elfenbeinfarbige mit einer rotfarbigen. Da jede Pflanze das Produkt einer männlichen und weiblichen Zelle darstellt, erhielt er bei dieser Kreuzung einen Bastard mit blaßrosagelben Blüten. Das Seltsame aber war das Verhalten dieser Mischlinge bei einer Kreuzung untereinander; er erzielte eine dreimal verschiedene Nachkommenschaft, die zueinander im Verhältnis 1:2:1 steht, d. h. von 100 solcher Pflanzen werden etwa 25 rot, 50 blaßrot und 25 elfenbeinfarbig; und bei jeder Wiederholung dieses Versuches bleiben diese Zahlen die gleichen. Die so gewonnenen roten Pflanzen bleiben auch konstant, d. h. sie haben eine ausschließlich rote Nachkommenschaft, die elfenbein- farbigen bleiben ebenfalls konstant; nur die bloß
roten verhalten sich wie der erste Bastard, mit anderen Worten, sie „spalten" wieder auf in ein Viertel rote, zwei Viertel blaßrote und ein Viertel elfenbeinfarbige Nachkommen.
Durch seine in die Zehntausende gehenden Versuche legte Mendel die Grunderkenntnisse der heutigen Biologie fest, die er noch durch Züchtungsver- suche an Bienen und Käfern erweiterte. Noch seinem Tode schienen seine Ergebnisse zunächst vergessen zu werden. Erst um 1900 herum begannen Gelehrte Mendels Arbeiten nachzuprüfen und weiterzuführen; vor allem übertrug man die Versuche jetzt auch auf Tiere, z. B. Hühner. Bald kam. man dazu, Blumen, Getreide und Kartoffelarten, aber auch Tiere durch geschickte Kreuzungen „aufzuarten , man verwandelte die bis dahin nur als Düngemittel verwertete Lupine in ein gehaltvolles Futtermittel usw. Welche ungeheuren Werte dadurch der deutschen Volkswirtschaft geboten wurden, liegt auf der Hand.
Natürlich sind diese Dererbunasgesetze in gewissem Sinne auch auf den Menschen anwendbar, und Mendels Grundtheorien liegen unseren neuen Erbgefetzen zugrunde. Gregor Mendels Versuche bahnten den Weg in eine neue Zeit, und die so wichtigen Vererbungsgesetze zuerst erkannt zu haben, ist des großen deutschen Gelehrten unsterbliches Verdienst. Hans Sturm.
Das Goldatenmädchen.
Von Friedrich Georg Hantzjch.
Der große Umsteigebahnhof hart an der Grenze im Osten drängte alle Soldaten noch einmal in unermeßlichen Schwärmen zusammen. Auf diesem Bahnhof warteten sie in hölzernen Baracken, die in Erweiterung des Gebäudes schnell gebaut worden waren, da der Bahnhof allein diesem mächttgen Ansturm nicht mehr gewachsen war. Schlaftrunken von der weiten Reife, ganz gleich, von welcher Seite sie kamen, lagen sie mit müden Köpfen auf den Tischen. Zwischen schweren Gepäckstücken, Gewehren und Tornistern verzehrten sie Suppen, Butterbrote und in riesigen Henkeltöpfen, daran Risse und herausge- fchlagene Ecken von heftigem Benutztsein zeugten, holten sie sich immerwährend heißen Kaffee, um ihren Reisedurst zu stillen. Wenn nicht hier und da
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des unzureichenden Schiffsraumes die stärksten Bedenken geltend.
Trübe Stimmung in London.
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Mitten in die der Angst und Sorge entsprungenen Debatten über die dauernde Verminderung der Tonnage und ihre Folgen ist der neue Schlag der deutschen Unterseeboote gefallen. Während man in London und Washington hin und her rechnet, wie man die noch vorhandene Tonnage am besten verwenden könne, ist der zur Dersügung stehende Schiffsraum um weitere 104 000 BRT. - verringert worden. Der Atlantik hat sich wiederum als der „neuralgische Punkt" erwiesen. Allein drei Handelsschiffe mit 15 000 BRT. sind durch ein Unterseeboot versenkt worden, das in den St.-Lorenz-Strom eingedrungen war und dort Angriffe auf stark bewachte Geleitzüge durchführte. Don den Schwierigkeiten im Stromgebiet des St. Lorenz macht man sich einen Begriff, wenn man den Kranz von feindlichen Stützpunkten berücksichtigt, der das Mündungsgebiet des Stromes umgibt Vor die Mündung des Stromes legen sich die Halbinsel Neu- Schottland mit dem stärksten britischen Flottenstützpunkt auf dem amerikanischen Kontinent, Halifax, die Insel Cape Breton, Prinz Edward-Island und Neufundland mit dem Stützpunkt St. Johns; die ebenfalls dort liegenden französischen Inseln St. Pierre und Niquelon wurden widerrechtlich von amerikanisch-britischen Truppen besetzt. Zwischen dem offenen Atlantik und dem St.- Lorenz-Strom erstreckt sich ein buchtenreiches, teilweise seichtes Seegebiet. von mehr als 600 Kilometer Länge, der St.-Lorenz-Golf, der durch die Cabotstraße mit dem Atlantischen Ozean in Verbindung steht.
Amerikaner und Briten haben in der letzten Zeit zum Schutz der amerikanisch-kanadischen Ostküste die Stützpunkte für den Küstensicherungsdienst aus- gebaut. Wenn es trotzdem immer wieder deutschen Unterseebooten gelingt, in den St.-Lorenz-Golf und sogar in den St.-Lorenz-Strom einzudringen, so ist dies ein Beweis für das hohe seemännische Können der deutschen Unterfeebootsbesatzungen.
Maisky abermalsbeiChurchill
Stockholm, 22. Juli. (DNB. Funkspruch.) Je mehr die Armeen Timoschenkos v x. Don-Bogen zu- fammengedrängt werden und die schnellen Divisionen den „gleitenden Rückzug" der Sowjetarmeen am Südflügel der Front 'behindern, um so mehr
Schwester brachte es fertig, alle die rauh geworden neu Männer in ihren Bann zu ziehen. Bald.äti* derte sich ihr Urteil in das Gegenteil. Denn Hunderte umsäumten sie, erst lächelnd über den Rand der Versammlung sehend, dann aber still geworden durch die Stimme dieses Mädchens, das unscheinbar ihr Herz ergriff. In ihren braunen bärtigen Gesichtern verlor sich unter dem Gesang die Spannung. Der große Kreis umschloß beängstigend erdrückend die mädchenhafte Spielerin, die klein und tapfer, ohne die geringste Scheu, nun ihre Lieder spielte. Fast alle fangen mit. Ein ganzer Chor von Stim- men füllte nun den Vorplatz zwischen Bahnhof und Baracken, als gäbe es ein Fest zu feiern. Ganz ungern, wie von einem schönen Fest, so nahmen dann auch alle zögernd Abschied. Fast wünschten sie, die Abfahrtszeit der Züge hätte sich vielleicht hinausgeschoben.
Noch bis zum letzten Augenblick stand dieses Mäd. chen auf dem Bahnsteig. Jetzt um so kleiner wirkend, gemessen an der Länge des Zuges. Sie spielte immer noch Soldatenlieder uni) sang dazu, als gelte es, den Kameraden manches mitzugeben. An allen Fenstern drängte er, und frohe Ruse klangen hin und her. Ein ganzer Zug nahm Abschied von der kleinen Schwester, die mit der Ziehharmonika schwim genb das Räderdröhnen noch zu übertönen schien. Ein stiller Liebreiz ging so von ihr aus, den viels vorher nicht gesehen hatten.
Stimme schwang das Lied zu den Soldaten. Ihr Mund war wie ein schmaler, langer Strich bei dem Gesang, der sie noch mehr entstellte. Die mageren Arme fyielten das schwere Instrument mit aller Anstrengung. Fauchend preßte sich die Luft in den ledernen Balg der Harmonika, als müßte sie mit jedem Schwünge die kleine Person umblasen. Da ist nicht viel dran, fritifierten die Kameraden, nur volle Maße und Handfestes gewöhnt. Aber wie wenig war an ihrer Kritik gelegen. Die hatten sie bald vergessen. Diese kleine schmächtige, wahrscheinlich auch mit den anderen erst hierher kommandierte
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an den englischen Krieqso nstre ngungen hapere cs. Die Beamten drückten sich in ihren Aemtern, und die Söhne reicher Väter kauften Bauernhöfe, um sich damit als kriegswichtige Landwirte der Wehrpflicht zu entziehen, während die Söhne anderer wohlhabender Familien nur zum Schein die Uniform trügen, in Wirklichkeit aber Druckposten bekleideten. Wieder in anderen Fällen würden wehrfähige Männer mit guten Beziehungen zu Direktoren und Leitern großer Rüstungsbetriebe ernannt, ohne auch nur das geringste vom Fach zu verstehen. Man rede zwar immer von der Knappheit an Arbeitskräften, doch finde man nicht den Mut, einmal wirklich durchzugreifen.
i^ööie stehe es dabei um die politischen Par- FW en? Auf diese Frage könne man nur antworten, daß das britische Volk jedes Vertrauen zu ihnen verloren habe, da -es im Unterhause keine Opposition im alten Sinne des Wortes mehr gebe. Wage auch nur irgendein Abgeordneter, wie
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einer von den Erlebnissen der Fahrt, von der Schönheit seines eben beendeten Urlaubes, oder von den Erfahrungen des Einsatzes gesprochen hätte, hätte es wie eine große Müdigkeit über allen gelegen. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, als wäre hier noch einmal die Stelle, an der er sich Rechenschaft zu geben hätte. Wie einen großen tiefen Atemzug spürte man diese Pause, die man in den Warteräumen des Bahnhofs mit sich allein abzumachen hatte.
Nur bei näherem Hinsehen ober wenn man mitten unter ihnen saß, konnte man alles begreifen. Der oberflächliche Beschauer hätte sie wohl in ihrer unübersehbaren Menge für zusammengehörig gehalten, wie er Soldaten, die sich gemeinsam zusammengefunden haben, immer als unbedingte Einheit ansieht. Hier aber war ein Riß, der eine nachdenkliche, fast trübe Stimmung auf kommen ließ. Auch die sonst immer beachteten witzigen Zurufe, die den ab und zu erscheinenden und bedienenden Schwestern galten, brachten keine Lockerung. Dabei waren die helfenden Frauen durchaus nicht abweisend ober unfreundlich. Aber es schien so, als hätte sie ihr vieler Dienst und eine müde Abspannung im überfüllten Bahnhof zwischen den übernächtigen Soldaten etwas unempfindlich gegen die hier in wechselnden Wolken ziehenden Stimmungen gemacht. Vielleicht fanden sie sich aber auch noch nicht zurecht in dieser Aufgabe, die neben ihrer betreuenden Arbeit mit vorher nicht geahnter Heftigkeit eine Lösung von ihnen forderte. Sie waren neu, unbeholfen, sicherlich ohne jede Erfahrung einem solchen Anprall unmittelbaren männlichen und kriegerischen Lebens gegenüber, das hier schwitzend, fluchend, kauend, schlafend und lachend in seiner ganzen ungeduldigen Kraft ungezähmt wie ein Ungeheuer zusammenkam.
Mitten da hinein klangen von draußen, erst noch ganz vorsichtig und zaghaft, die abgerissenen Töne einer Ziehharmonika. Das Spiel lockte viele heraus. Erst war es mehr Neugier, die sie zum Aufstehen zwang, dann aber zog die Musik an allen.
Draußen stand im Sonnenschein des frühen Nachmittags eine Schwester. Sie war mit ihrem Instrument aus einer der hölzernen Baracken gekommen, als käme sie gerade so des Weges, mehr um für sich allein ein Lied zu spielen. Ganz unabsichtlich stand sie so; wer sie so stehen fah, der dachte erst ein Kind zu sehen. Fast mager, klein; mit dünner
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Harte Abwehrkämpfein derÄ-Alamein-Stellung
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verstärkt sich der Druck Moskaus auf London und Washington, die täglich kritischer werdende Lage für Timoschenkos Armeen zu entlasten. Botschafter ■ Maisky hat erneut Churchill aufgesucht, um ihn davon zu überzeugen, daß keine Zeit verloren wer- den darf, die von Stalin wiederholt verlangte Entlastungskampagne zu starten. Churchill hat Maisky Zugesagt, sich mit Roosevelt ins Benehmen zu setzen, von dem man jetzt die Entscheidung über die Uebernahme des Oberkommandos über alle Streitkräfte der verbündeten Nationen erwartet. Sicherem Vernehmen nach will Roosevelt den Sowjets durch eine Entlastungskampagne helfen, aber die britischen Generalstabschefs, voran die Admiralität, machen nach wie vor wegen
hat, kann es schon einmal sein, daß sie ein paar Kilometer nach hinten durchstoßen, um dann plötzlich von den Batterien im direkten Beschuß gestoppt oder von unseren Panzern in verlustreiche Gefechte verwickelt zu werden.
Erst heute wieder verloren die Tommies bet einem Panzeroorstoß längs der Küstenstraße, den sie schon zum Durchbruch ausweiten zu können glaubten, zwölf ihrer schwersten Kolosse, während andere, weidwund geschossen, nur mit knapper Mühe die eigenen Stellungen zurückgewonnen hatten. Rommels Abwehr ist elastisch geworden. Panzer schrecken uns schon lange nicht mehr. Während sich die Infanteristen in ihren Löchern verkrümeln, nehmen weiter rückwärts Pak und Geschütze den Kampf auf und schießen Auchinlecks Panzer zu Wracks.
Die AbwehrkämpsE in der El Alamein-Stellung sind zu Ruhmestaten des Nachschubs geworden. Vor allem find es die neuen Marschierer auf afrikanischem Boden, die in ihr erstes Gefecht gehen. Noch sind ihre Tropenuniformen unverbraucht und dunkeloliv, noch sind ihre Feldmützen unberührt von der Sonne Afrikas, aber schon geht der Zauber des Namens „Rommel" unter ihnen um. Ein paar Hinweise, ein paar Tricks des Wüstenkampfes, das ist alles, was wir ihnen geben können. Und die jungen Marschierer schlagen sich, wie wir uns schlugen. Sie kennen „Archibald den Schrecklichen" ebenso wie den Pilot III an seinem typischen Aufbau, und kriechen mit uns durch die Minen gaffen, wenn es den Einbruch gilt. So kämpfen deutsche Soldaten der Panzerarmee Tag für Tag an der Alamein-Front. Hart, verbissen, zum Sieg entschlossen und bereit, aus ihren Gräben wieder vorzustürmen, wenn der Befehl des Marschalls sie ruft.
DNB. ..., 21. Juli. (PK4 Die Kämpfe in der Alamein-Stellung sind schwer und erbitte r t. ^ie werden von Tag zu Tag härter, weil Auchmleck auch das Letzte, was er an Rerserven hat und schnell auf noch gangbaren Wegen heranbringen kann, in die tiefgegliederten Stellungen hineinwirft, die wieder, wie bei Bir Hacheim, bei Gazala, Tobruk und Marsa Matruk strotzen von Minensperren, kllorne^ termeiten Verdrahtungen, eingebauten Geschützen und Paks und sich im Ärtilleriefeuer glänzend überschneidenden Angrisfsschneisen, die wir allein vorwärts gehen können, wen wir dem Tommy an die Klinge wollen. Auf schmalem Raum hat er viele Batterien auf geb aut, die unter einem riesigen Munitionsaufwand pausenlos unsere Stellungen abstreuen, die auch mit jedem Tag mehr in die Tiefe der Erde versinken, wenn sie nicht gut ausgebaute englische Feldstellungen sind, die beim Doimrarsch längs der Küstenftraße in einem kühnen Einbruch in unsere Hände gefallen sind.
Die Männer, die seit sieben Wochen nun schon die Last eines Angriffes tragen, wie ihn die Welt in der Wüste noch nie erlebt hat, müssen nun, nach den Strapazen des langen Wüstenkampfes, d i e ganze Härte der Stellungskämpfe auskosten, die in jeder Stunde letzte Anspannung der Nerven fordern. Tag für Tag schickt, an immer neuen Punkten, Auchinleck seine dicken Panzer, die letzten „Mark II" und „Pilot 'm", die aus den Reparaturwerkstätten Aegyptens kommen, nachdem die Wunden, die ihnen bei Knightsbridge geschlagen wurden, notdürftig geflickt sind, gegen die deutschen und italienischen Linien vor. Wenn sie im Morgengrauen kommen, nachdem ein toller Feuerzauber der Artillerie die vordersten Stellungen niedergehalten
Mit aller Einfachheit des Herzens hatte sie es ge- schafft, vielen Soldaten die Unsicherheit des Wartens während einer aufgezwungenen Atempause in einer düsteren Bahnhofshalle an der Grenze eines Landes zu nehmen, in das sie der Krieg geZwungsn hatte.
Wie sehr wünscht sich ein feder Sowat ein solches tapferes Mädel überallhin!
Genf, 21. Juli. (DNB.) Die Londoner Zeitung „People" schreibt, noch vor geraumer Zeit habe das Schlagwort „Sieg noch 1942" nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in tosenden politischen Versammlungen Großbritanniens Furore gemacht, und doch sei wieder alles anders gekommen. Äe deutschen Truppen setzten unaufhaltsam ihren w Vormarsch fort. Es scheine fast so, als wolle die ■Isinrf’en b Regierung der britischen Oefsentlichkeit nicht sagen, 1! ro i c ernst die gegenwärtige Lage sei. Aber auch
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