(92. Jahrgang Nr. 143 gricbemt täglich, außer Sonntags und feiertags
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Montag. 22. Juni (942
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Gießener Anzeiger
8rfi^Ifd)eUttie«rftt8iibnidereiB.£axge General-Anzeiger für Oberhessen .legen. 5ch.IDr.tz. !-»
Die Eroberung Tobruks
Der Empire-Weg durch das Mittelmeer
der Festung vorgetragener britischer Panzerangriff brach unter blutigen Verlusten zusammen. Hierauf stellten sich die deutsch-italienischen Verbände zum konzentrischen Angriff auf Tobruk bereit. Am 20. Juni erfolgte der Angriff unter starkem Einsatz der Luftwaffe. Bereits im ersten Ansturm wurden 12 Befestigungswerke genommen uyd ein Durchbruch in fünf Kilometer breiter Front erzielt. Nachdem am Sonntagmorgen ein britischer Parlamentär die Uebergabe der Festung Tobruk angeboten hatte, besetzten deutsch-italienische Truppen Stadt und Hafen Tobruk. Gleichzeitig wurde die rastlose Verfolgung der geschlagenen Briten nach Osten fortgesetzt und B a r d i a und B i r e l Gobi genommen. Damit stehen die Achsentruppen in unmittelbarer Nähe der libysch-ägyptischen Grenze. Der große Erfolg der deutsch-italienischen Truppen ist besonders hoch zu bewerten, da die Kämpfe in der Cyrenaika in einer besonders heißen Jahreszeit stattfanden, in der man bisher jegliche größeren Operationen für unmöglich hielt. Die Luftwaffe hat an dem Fall von Tobruk wesentlichen Anteil. Die Befestigungsanlagen von Tobruk waren den vernichtenden Schlägen deutscher Kampf- und Sturzkampfflugzeuge ausgesetzt. Weitere Kampfflugzeuge hielten Flakbatterien im inneren Befestigungsgürtel mit Bomben und Bordwaffen nieder. Als kurz nach 12 Uhr des gestirgen Tages ein stärkerer Verband deutscher Sturzkampfflugzeuge vier eingegrabene Batterien bombardierte, wurde eine dieser Artilleriestellungen vernichtend getroffen, während die drei übrigen ihr Feuer gegen die vordringenden deutschen Panzer einstellten.
Als die Engländer im November zu ihrer libyschen Offensive ansetzten, hatten sie ein doppeltes - -Ziel: einmal bis zu den nordfranzoftschen Kolonien I «vorzustoßen und sich von Nordafrika aus ein Sprungbrett zur südeuropäischen Front zu schassen, nnö ferner den schon damals bedrohten Weg durch ' das Mittelmeer für ihre Nachschubdampser zu sichern. Beide Kriegsziele gelten auch für uns: nur l nit umgekehrten Vorzeichen. Sie illustrieren die militärische Bedeutung der Offensive Rommels Wenn nod> etwas zu diesem Anschauungsunterricht notig gewesen ist, so war er der deutsche und der rtalie- nische Luft- und Seeangriff gegen die beiden bnti; i Ischen Geleitzüqe in den Tagen vom 13. bis 15. öuni. ' Der Weg durch das Mittelmeer ist für die englische I Kriegs- und Handelsflotte praktisch gesperrt. In i einer Weise, wie es in der vielhundertiahrigen eng- . kischen Seekriegführung niemals der Fall^gewesen I ist, wirken die Kämpfe zu Lande aus die Leekrieg- fführung zurück. A.
Zu Nelsons Zeiten war' Aegypten em fernes Hm- • verland der Seeoperationen, die sich bis auf episodenhaft gebliebene Expedition NapoleSns nach • Aegypten - im westlichen Mittelmeer und an 5 ' einem Eingang abspielten. Heute ist-es gerodeum- j -gekehrt. Die Engländer leben nicht im Angriff, i ' andern .in der Verteidigung. Der Schwerpunkt ihrer I Verteidigung ist der östlichste Winkel des Mrttel- üttosis. Ilm zu ihm zu geWge^ haben chrL
Oie Gondermeldung.
DRV. Aus dem Führerhauplquarlier, 21. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Deutsche und italienische Truppen erstürmten unter dem Befehl des Generalobersten Rommel gestern den größten Teil der stark ausgebauten Festung Tobruk. Daraufhin hat heute früh ein englischer Parlamentär bei einem italienischen korpsslab die Uebergabe der Festung an- geboten. Stadt und Hafen sind b e s e ht. Bisher wurden über 25 000 Gefangene, darunter mehrere Generale, elngebracht und unübersehbare Mengen von Waffen, Kriegsmaterial und Vorräten erbeutet. In zäher Verfolgung der geschlagenen Briten nach Osten wurden B a r d i a und Bir-el-Gobi genommen.
Wie Tobruk erstürmt wurde.
Nachdem ein Ausbruchsversuch der Briten unter blutigen Verlusten abgewiesen worden war, stießen deutsch-italienische Streitkräfte bis zum Festungsgürtel von Tobruk vor. Am 19. Juni wurde der Ring um die Festung Tobruk und ostwärts des Festungsgürtels geschlossen. Deutsch - italienische Truppen nahmen die Stützpunkte Bell Ham et und S i d i R e z e g h. Die britische 8. Armee wurde in zwei Teile zersprengt. Ein Teil ihrer Verbände wurde in der Festung Tobruk e i n geschlossen. Die andere feindliche Kräftegruppe wurde nach Osten zurückgeworfen. Ein aus
fer rund um Afrika 24 000 Kilometer zu fahren — eine Reise, die sie zweimal, höchstens dreimal im Jahr durchführen können. Daher der Schrei nach neuem Schiffsraum! Daher die unmittelbare Beeinträchtigung des Nachschubs für die Sowjets durch die Schiffsbedürfnisse für die nordafrikanische Front. Darum der Schrei in der englischen Presse, daß die Rommel-Offensive „gerade jetzt" ihre für die Engländer so niederdrückenden Erfolge gebracht hat.
Don Sardinien über die lange Südküste Siziliens bis Kreta erstreckt sich der nördliche Sperroorhang; er ist 1600 Kilometer lang. Von der tunesischen (Brenje über Tripolis und Bengasi bis Tobruk erstreckt sich der südliche Sperroorhang; er ist 1300 Kilometer lang. Zwischen beiden liegt der Verbindungsweg des Empire nach Aegypten, durch den Suezkanal, zu den großen vorderasiatischen Oel- quelten, — auch nach Indien. Jetzt ist dieser Weg
gesperrt.
Die glorreiche Einnahme von Tobruk bestätigt diese schicksalhafte Wendung. Tobruk ist für die Engländer ein Symbol. Sie haben es im Anschluß an die erste große Libyen-Offensive Rommels durch acht Monate gehalten. Der deutsche Wehrmachtbericht vom 13. April 1941 sprach zum erstenmal von der Einschließung Tobruks. Das war damals, als die Offensive Rommels ein organisches Gegenstück zu dem deutschen Siegesmarsch durch Serbien und Griechenland war.
bolschewistischen Derschleppungswaggon yorstellen! Dann begreift er in letzter Klarheit, was aus Deutschland und aus Europa unter bolschewistischer Herrschaft geworden wäre!
Laßt euch auch dieses von den Soldaten, die im Osten gekämpft haben, erzählen: wenn der Führer nicht am 22. Juni vor einem Jahr4 den Befehl 3um Kämpf gegeben hätte, sondern wenn der Bolschewismus noch in dem gleichen Maße wie bereits zuvor ein oder zwei Jahre hätte weiter seinen gewaltigen Aufmarsch gegen Europa ungestört hätte vollenden können, dann hätte den Sturm aus dem Osten so leicht niemand und nichts mehr aufhalten können!
Das müßt ihr auch bedenken, damit ihr versteht, welche Taten die deutschen Soldaten im Osten vollbracht haben, als sie im vorigen Jahre die größten Vernichtungsschlachten der Geschichte schlugen, in dem furchtbaren Winter die Abwehrschlacht gewannen und jetzt wieder zu neuen Siegen angetreten sind! Die deutschen Soldaten waren schon immer die besten Soldaten der Welt, aber inv Kampfe gegen den Bolschewismus sind sie über sich selbst hinaus- gewachsen, denn sie kämpfen in letzter Entscheidung um Deutschland, um seine politische und völkische Existenz, aber auch um die höchste geschichtliche Erfüllung Deutschlands^
Und wenn die alte vergehende Welt, wenn England und Amerika ihr Bündnis mit der blutigen Weltrevolution Stalins geschlossen haben, wenn sie diesen furchtbaren Anschlag gegen Europa nicht nur unterstützt, sondern selber betrieben haben, schon lange vor Beginn des Krieges im Osten, dann wird das auch ihr eigenes Schicksal nur um so endgültiger und gewisser besiegeln, denn wir werden und können von diesem größten Kampfe unserer Geschichte nun nicht eher wieder ablassen, als bis der ganze und vollkommene Sieg errungen sein wird!
Die Stärke und Kraft und die unerschütterliche Entschlossenheit zum Siege schöpfen wir immer wieder aus der Gewißheit, daß es um Sein und Nichtsein alles Deutschen geht und daß das Schicksal uns Deutschen, da der alte Haß unserer Feinde und der Moloch der bolschewistischen Weltrevolution uns den Krieg aufzwangen, vor die höchste Erfüllung unserer Geschichte, die mit dem Namen und dem Werk des Führers und Feldherrn Adolf Hitler verbunden ist, die größte Bewährung des deutschen Volkes, seiner militärischen und moralischen Kräfte, gesetzt hat. Das Schicksal hat uns im Kampf und mit hem Kampf zugleich die größte Chance geboten, — durch Kampf und Arbeit werden wir sie uns verdienen und uns ihrer würdig erweisen, damit es in der Helt von morgen eiye neues, glückliches Deutschland gebe! K. M.
Um das Schicksal Europas.
Bor einem Jahr am 22. Juni.
Wir leben in einer Zeit, in der sich in wenigen Jahren die geschichtlichen Entscheidungen von Jahrhunderten zusammendrängen. Unsere Zeit ist so ge- sättigt mit Weltgeschichte, daß uns selbst Worte wie „historischer Tag" als Folge von häufiger Wiederholung ein wenig im Werte gesunken erscheinen. Ein echtes historisches Datum jedoch innerhalb dieses Zweiten Weltkrieges ist der 22. Juni 1941. Dieses Datum wird für alle Zukunft in der Geschichte Europas und der Menschheit einer der wenigen großen Marksteine sein.
Die Entscheidung dieses Tages, aus der Kraft der geschichtlichen Sendung des Führers, feinem fanatischen Willen zur deutschen Erfüllung und aus feiner gesamteuropäischen Verantwortung geboren, hat nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa und, mittelbar einen guten Teil der Welt vor einer Vernichtung bewahrt, die unentrinnbar und so vollständig gewesen wäre, daß es aus ihr niemals wieder eine Rettung, einen neuen Aufstieg und einen neuen Beginn gegeben haben würde! Dafür ist jeder Soldat, der im Osten gekämpft hat, vor der Geschichte Kronzeuge. Denn soviel wir vom Bolschewismus auch wußten: die Praxis des Bol-- schewismus, feine nackte und unverhüllte Wirklichkeit ist so entsetzlich, daß die Vorstellungskraft derjenigen, die ihm nicht Puge in Auge gegenüber- «en haben, nicht ausreicht, ja, daß das menfch-
efühl sich weigert, das ganze entsetzliche Ausmaß feiner Furchtbarkeit, feiner Schändung alles Menschlichen zu erfassen!
Fragt unsere Soldaten im Osten, wie der Bolschewismus in Wirklichkeit aussieht! Sie werden es euch sagen, oder aber sie werden schweigen, und bann wird ihr Schweigen noch beredter fein als ihre Worte? Fragt doch die, die in den ehemaligen baltischen Staaten etwa die GPU.-Zellen gesehen haben, die das Ergebnis einer sehr gründlichen Erfahrung waren, Menschen möglichst wirkungsvoll zu foltern und möglichst zweckmäßig zu „liquidieren". In noch nicht einmal Jahresfrist waren in den ehemaligen baltischen Staaten hunderttausend und mehr Menschen verschleppt und hingerichtet worden. Und trotzdem kann das nur einen kleinen Vorgeschmack dessen geben, was unter bolschewistischer Herrschaft in dem dicht besiedelten und von alter Kultur gesättigten Deutschland geschehen wäre! Ganz Europa wäre ein einziges großes Schlachthaus geworden! Und wenn jeder einzelne sich einmal verdeutlichen und vergegenwärtigen will, was dieser Krieg im Osten für ihn bedeutet, bann mag er sich seine Frau und seine Kinder und seine Eltern in einer Liquidationszelle der GPU. oder in einem
Die Ergreifung der Mörder Heydrichs.
Prag, 22. Juni. (DltB. Funkspruch.) Nachdem die wesentlichen Ermittlungen abgeschlossen sind, teilt der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei über die näheren Umstände der Ergreifung der Mörder des Chefs der Sicherheitspolizei und des ^-Obergruppenführers Heydrich, folgendes mit:
Das Attentat auf ^-Obergruppenführer heydrich wurde, wie seinerzeit bereits bekanntgegeben, durch zwei Männer ausgeführt, von denen einer eine Bombe warf und der andere versuchte, aus einer englischen Maschinenpistole zu feuern. Die umfangreichen staatspolitischen Ermittlungen, insbesondere auf Grund der am Anschlagsort zurückge- lassenen bzw. auf der Flucht weggeworfenen Mordwerkzeuge und Gegenstände führten zu der Fesi- stellung, daß es sich bei den Tätern um folgende Personen handelte:
1. Jan kubis, geboren am 24.6.1913 in Un- ter-willimowitz, Bezirk Trebitsch. Ettern: Frantisek und Christine kubis, geborene Mytyska, wohnhaft Unler-Willimowih Rr. 71, Post Lipnik; ehemaliger Zugführer des früheren tschecho-slowakischen Infanterie-Regiments Rr. 34, zuletzt Landwirt in Unler-Willimowih, als Bombenwerfer.
2. Joseph G a b c i k, geboren 8.4.1912 in Poluv- sic, Bezirk Sillein. Eltern: Ferdinand und Maria Gabcik, geborne Veranek. ehemaliger Zugführer beim früheren tschecho-slowakischen Infanterie-Regiment Rr. 14, zuletzt Magazinverwalter einer chemischen Fabrik in Sillein, als Maschinenpistolen- schütze.
Beide emigrierten nach Errichtung des Protektorats auf verschiedenen Degen nach England, wo sie von der Mordzentrale Benesch den Engländern zur Ausbildung als Fallschirm^ Agenten für Sabotage- und Terrorakte zur Verfügung gestellt wurden. Mit den zum Teil auch am Tatort gefundenen Mordwerkzeugen versehen, und mit dem ausdrücklichen Auftrag zur Ausführung des Attentats auf ^-Obergruppenführer heydrich, wurden die beiden in der Rächt zum 29. Dezember 1941 in der Rähe von Pilsen von einem britischen Langstreckenbomber abge- f e h t.
. Aus dem gleichen Flugzeug wurden in der Rähe von Podiebrad weitere Helfershelfer, darunter der durch die Fahndungsausschreibung bereits bekanntgewordene und am 18.6.1942 ebenfalls erschossene Josef Walcik, geboren 2.11.1914
in Smolin, Bezirk Ungarisch-Brod. Eltern: 3an und Veronika Walcik, geborene Betikora, wohnhaft in Smolin Rr. 16, ehemaliger Zugführer des früheren tschecho-slowakischen Infanterie-Regiments Rr. 22. zuletzt Gerbergehilfe in Batov bei Zlin, abgesehk Die an den beiden Stellen abgesehten Agenten sanden bei verschiedenen tschechischen $ milien Unterschlupf und Hilfe und nahmen Verbindung zu weiteren, gleichfalls aus britischen Flugzeugen abgesehten tschechischen Agenten auf.
Die die Ermittlungen ergeben haben, wurde das Attentat in der Folgezeit mit Hilfe inzwischen verhafteter tschechischer Bevölkerungskreise planmäßig vorbereitet und am 27.Mai 1942 in der bereits amtlich bekanntgegebenen Weise ausge« führt. Rachdem sehr zahlreiche Zeugenaussagen in der tschechischen Bevölkerung zum Teile wertvolle Spurenhinweise gegeben hatten, stellte die Geheima Staatspolizei in Prag durch die weiteren Ermitt^ tungen im Laufe des 17. Juni 1942 die ersten pofi- tiven Anhalte für den Aufenthalt der Mörder fest« Unter der Mithilfe tschechischer Fallschirmagenten, die sich freiwillig stellten, wurde sodann als Aufenthaltsort die Karl-Borromäus-Kirche in Prag II, Resselgasse, ermittelt, hier waren sie zusammen mit weiteren Fallschirmagenten von den inzwischen verhafteten Priestern der Kirche seit dem Attentat verborgen gehal- t e n worden. Ls erfolgte in den ersten Morgenstunden des 18. Juni 1942 der Zugriff der Staats- polizei-Leitstelle Prag.
Die Mörder, die sich in der Kirche regelrecht verschanzt hatten, versuchten, aktiven widerstaüd mit Pistolen und Handgranaten zu leisten. In Abwehr dieses Widerstandes verwendete die mit eingesetzte Waffen-^ Handgranaten und tötete mehrere der Terroristen, darunter auch die beiden Mörder. Unter den Getöteten befand sich auch außer den vorgenannten noch der Leutnant des ehemaligen tschecho-slowakischen Gebirgs-Jnfanterie- Regiments Rr.2, Adolf Opalka, geboren am 4. 1. 1913 in Roschih.
Die von der deutschen Reichsregierung ausgesetzte B e l o h n u ng von 1 Million RM. und die weitere, von der Protektoratsregierung ausgesetzte 1 Million Reichsmark werden andiezahlreichentfche- ch i f ch e n h e l f e r bei der Ermittlung der Täler in den nächsten Tagen als Dank und Anerkennung ausgezahlt.
Im November-Dezember starteten die Engländer ihre Gegenoffensive, die zugleich ein „Ersatz" für die von Stalin so heftig gewünschte „Zweite Front in Europa" sein sollte. Am 10. Dezember meldeten sie: „Die Einschließung von Tobruk besteht nicht mehr, die Sttaßenerbindungen nach Osten sind offen."
Tobruk hatte sich halten können einmal, weil Rommel nicht über genug Kampfmittel verfügte und dann weil die S e e f e st u n g von der englischen Flotte sowohl durch unmittelbare Gefechtshandlungen wie auch durch Nachschub wirkungsvoll gestützt wurde. Der ganze Wandel, der seither eingetreten ist, spricht sich in dem jetzigen so raschen Ende von Tobruk aus. Der Wandel besteht darin, daß Rommel von vornherein auch mit schweren Waffen antreten konnte, weil der Nachschub nach Libyen klappte und die britische Flotte in ihre äußersten Schlupfwinkel zurückgescheucht worden war.
Was die Erstürmung Tobruks bedeutet, sagt uns ein PK.-Bericht des Frhr. von Esebeck, der am 10. Juni 1941 erschien, also jetzt gerade vor einem Jahr geschrieben wurde. Da lesen wir: „Daß Tobruk siel und seither der Schauplatz blutiger und harter Kämpfe wurde, kann den nicht verwundern, der die Anlage der Werke dieser wichtigen Hafenstadt kennt. Ringsum spannt sich (damals) das Netz von 170 (großen) Bunkern. Sie sind tief unter dem gewachsenen Boden angelegt. Sie umfassen im allgemeinen drei Kampfstände und, wo sich der Eingang befindet, deutet nur ein schmaler, kaum einen Quadratmeter großer Ausschnitt im Boden an. Keine Erhebung, keine Panzerkuppe, nichts verrät die, Werke. Bomber und Artillerie finden kein Ziel. Mögen sie noch so sehr austden Gegner einschlagen." Hafen und Stadt von Tobruk wurden erst von den Italienern aus einem ursprünglich ganz vernachlässigten Küstennest entwickelt. Die Stadt, deren Hafen für die Verhältnisse der afrika- nischen Flachküste gut ist, zählte vor Kriegsausbruch über 20 000 Einwohner.
Das Echo in London.
Stockholm, 21. Juni. (Europapreß.) Der Fall von Tobruk wurde vom englischen Nachrichtendienst am Sonntagmittag zunächst in der Fassung des deutschen Wehrmachtberichts kommentarlos bekannt- gegeben. Erft am späten Nachmittag wurde dann folgende Diplomatische" Stellungnahme verbreitet: „London hat noch keine Bestätigung für die Behauptung der Achsenmächte, daß die Garnison von Tobruk heute morgen kapituliert hat, aber die Behauptung kann nicht als unbeweisbar be- zeichnet werden." Zu gleicher Zeit veröffentlichte Reuter ein Telegramm aus Kairo, die Lage Tobruks sei „prekärer" geworden. In London hielt man es danach für unwahrscheinlich, daß die Garnison von Tobruk versuchen könnte, sich nach Osten durchzuschlagen, und machte sich mit dem bitteren Gedanken vertraut, daß die Festung in die Hände des Feindes gefallen ist. Man fürchtet im übrigen, daß von der 8. britischen Armee nicht mehr viel übrig sein könne.
Die britische Niederlage in Nordafrika wird von der Londoner Presse in engen Zusammenhang mit dem brennendsten Problem der Alliierten, dem Schiffsraummangel, gebracht. Eine Zeichnung in der w2)ailv Mail" tzellt die geschlagene bri
tische 8. Armee als Feuerwehrmann mit der aussichtslosen Aufgabe dar, die in Libyen vordrängenden Kriegsflammen mit einem an unzähligen Stellen leckenden Wafferschlaüch zu löschen, der die überall von den Achsenmächten unterbrochenen See- gerforgungslinien der Alliierten darstellen soll. Kein Offensivkrieg wird möglich sein, bis die Alliierten die Schiffahrtskrise überwunden haben, schreibt das Blatt. Der Schiffsraum werde immer weniger, während die Anforderungen ständig wachsen. Es sei daher zwecklos, so heißt es weiter, nach bet Eröffnung neuer Fronten zu rufen, so lange man dis schon bestehenden nicht ausreichend versorgen könne.
„Das Jahr 1942 ist -für die britischen Waffen bisher ein Desaster gewesen", schreibt die Londoner „Daily Mail" in einem Leitartikel voll trübsinniger Betrachtungen. Der Fehlschlag in Libyen folgte dem Verlust von Hongkong, Borneo, Singapur und Burma. Mit größter Schnelligkeit und größter Kraft seien die Engländer überall geschlagen worden. Die ernste Lage werde noch verschlimmert durch die ungeheueren S chi f f s v e r lu st e. „Ohne Schisse kann England nicht weiterleben. Die Hoffnungen auf einen Sieg schwinden dahin" schreibt das Blatt weiter und erklärt: „Ohne ausreichenden Schiffsraum können wir nicht an neue Aden- teuer denke n." England sei also vom Siegs weit entfernt. Es kämpfe gegen die größte Koalition und den fürchterlichsten Feind seiner Geschichte.
„Die Wahrheit ist, daß die britischen Staats- männer in Washington nicht nur die Siegesaussichten, sondern auch die Gefahr einer Niederlage diskutieren müssen", erklärt der „Daily Herald" zu den Konferenzen in Washington, Das Blatt höhnt über das Gerede von einem Wendepunkt, der jetzt erreicht werden würde. Der Aufstand in Jugoslawien, der Eintritt der Sowjetunion in den Krieg und sämtliche Libyenschlachten seien solche PZendepunkte gewesen. „Und nun erklären wir freudefttahlend", spottet „Daily Herald", „daß Churchill und Roosevelt Pläne für einen neuen Wendepunkt ausarbeiten. Es wäre Wahnsinn, anzunehmen, daß Churchill und Roosevelt sich nur den Kopf zu kratzen brauchen, um eine unbedingt sichere Formel für den Sieg hervorzubringen." Das Blatt fordert in scharfer Sprache, daß dem britischen Volk die Wahrheit über die Tonnage» o e r l u st e gesagt werde. Es genüge nicht, an stra- tegische Wunder zu glauben.
Oer Schrei nach der zweiten Front.
Stockholm, 22. Juni. (Europapreß.) Die Ausstellung einer zweiten Front verlangte am Sonntag der frühere britische Produktionsminister Beaver- b r o o f in einer Rede in Birmingham. Die britische Regierung habe die Errichtung einer zweiten Front versprochen; nun dürfe nicht mehr gezögert werden, ein Expeditionskorps zu entsenden. Alle anderen Mittel hätten keine Wirkung gehabt. Zuerst habe man gesagt, die Blockade bringe den Sieg. Dann habe es geheißen, die britischen Bomber würden ihn bringen. Nach seiner Meinung könne aber nurdieArmeeden Krieg gewinnen. Sie warte auf ihren Einsatz. Beaverbrook forderte seine Hörer auf, ihren Haß gegen alles Deutsche, ob Bürger ober Arbeiter, zu steigern und in diesem Haß nicht nachzulassen. Den gleichen abgrundtiefen Haß jorderts er gegen die Japaner«


