Bayreuth in Feldgrau.
Abschluß der Kriegsfestspiele mit dem „Ring^-Zyklus.
Die geschlossene Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen", mit dem die 3. Krieas- festspiele in Bayreuth beendet wurden, bot im Zuschauerraum einen Anblick, der in der traditions- reichen Geschichte der Festspiele noch niemals gesehen wurde. 900 Verwundete aus Lazaretten und 200 Soldaten aus Genesungskompanien füllten an vier Tagen das Amphitheater.
Vor diesen Männern Richard Wagners weltanschauliches Bekenntnis vom Kampfe aermanifchen Heldentums gegen die dem Golde versklavten Dämonen der Unterwelt aufzuführen, das bedeutete für die Spielgemeinschaft Auszeichnung und Verpflichtung zugleich. Max Lorenz war ein Siegfried, der in Erscheinung, naturgelöstem Spiel und selbstvergessener Hingabe als das Idealbild des mythischen Helden wirkte. Der strahlende Klang seines ehernen Heldentenors schuf unvergeßliche gesangliche Höhepunkte. Die gleiche Vollendung war an dem Siegmund Franz Völkers zu bewundern, mit dem sich Maria Müller als Sieglinde und Josef von Manowarda als Hunding (daneben puch als Fafner und Hagen) zu der Besetzung des ersten Walküre-Aktes vereinigten. Margarete Klo- s e s hoheitsvolle, prachtvoll singende Fricka und Waltraute und Jaro Prohaskas Wotan fanden künstlerisch ebenbürtige Gegenspieler in dem Zwergenpaar von Robert Burg und Erich Zimmermann, deren Zankszene im „Siegfried" als eine
Meisterleistung schauspielerischer Charakterisierungskunst ohne Vergleich dasteht.
Unter den neuen Kräften ragte Paula Buchner hervor. Ihre Brünhilde bezwang durch die großartige Entfaltung eines klangvollen, sicher beherrschten hochdramatischen Soprans. Als wesentliche Neuerung verdient auch die Uebernahme des Loge durch Erich Zimmermann vermerkt zu werden,^ügte der vielseitige Künstler damit doch seinem Mime (als der er im Rheingold durch Karl Krollmann abgelöst wurde) eine fesselnde, auch gesanglich bemerkenswerte Studie hinzu. Mit bedeutenden Stimmitteln trat Egmont Koch in der Rolle des Donner hervor, während Helmut Fehn als Fasolt die Aufmerksamkeit auf seinen mit reichen Naturanlagen ausgestatteten, auffallend hell gefärbten Baß lenkte. Ne.ben Ernst Pfeil (Froh) und Hildegard Jachnow (Rheingold-Erda) befriedigte auch das zum großen Teil neubesetzte Wal- küre^Ensemble.
Mit der Einschmelzung der neu hinzutretenden Solisten erwies die Inszenierung Heiziz Tietje n 5 ihre formende Kraft. Aufs innigste verschwie- stert mit kühnen und schönen, vom Bild zum Symbol vorstoßenden Szenerien von Emil Preeto- r i u s, unterstützt auch durch die dramatisch profilierte Orchesterleitung Karl E l m e n d o r f f s , hat Tietjens langjähriger Aufbau eine szenische Form des „Ringes" geschaffen, die vorbildlich für die deutschen Bühnen geworben ist. Johannes Jacobi.
as ist die Perlon-Faser?
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Auf der Internationalen Messe in Budapest waren die vollsynthetischen Perlon-Fasern, Fäden, Borsten und Drähte zum erstenmal ausgestellt. Durch die Kunstseide, die die IG. als Agsa-Aceta- und Kupferkunstseide seit vielen Jahren herstellt, wie insbesondere durch die Pionierarbeit für Zellwolle, deren Ergebnis die für die Zellwollindustrie bahnbrechende Distrafaser war, hat die IG. die Alleinherrschaft der überseeischen naturgewachsenen Fasenr stürzen und das modische Bild bereichern helfen. Auch aus diesen beiden Rohstoffen waren in Budapest staunenswerte Spitzenleistungen zu schen; der millionenfach begangene Teppich, kochfeste Wäsche- tri fotogen, Autoreifencord und vieles andere. Das Hauptinteresse richtete sich verständlicherweise auf die neuen vollsynthetischen Fasern, zu denen der Chemiker weder Holz oder andere Zelluloseprodukte noch ausländische Erzeugnisse benötigt, sondern für die er als Ausgangsstoffe Kohle, Kalk und Wasser verwendet.
Die erste dieser Fasern war PeCe, die es auch in Form von Fäden, Borsten oder Drähten gibt. Diese alle weisen gegen Sauren und Laugen wie gegen Fäulnisbakterien eine chemische Widerstandsfähigkeit auf, die bisher für Textilmaterial unvorstellbar war. Nur ist PeCe gegen hohe Temperatur empfindlich und nicht kochbeständig. In letzter Zeit ist es allerdings gelungen, den Erweichungspunkt von PeCe für bestimmte Verwendungszwecke auf 120 Grad zu erhöhen. So wurden z. B. kochfeste Perlonborsten in Budapest zum erstenmal gezeigt.
Ist PeCe ihrer Natur nach eine Faser für technische Zwecke, so hat Perlon eine Bedeutung auch für die Bekleidung. Perlon ist der Sammelbegriff für eine Reihe von Polyamidfasern. Eine Polyamidfaser wurde unter dem Namen Nylon in den USA.
auf den Markt gebracht. Bei Perlon handelt es sich aber nicht nur um Fasern, die Nylon entsprechen, sondern auch um solche, die andersartige Rohstoffe und neue Synthesen zur Basis haben. Ihre wichtigste Eigenschaft ist die außergewöhnlich hohe Reißfestigkeit, die ungefähr 50 v. H. über her besten Naturseide liegt. Aber auch in bezug auf Scheuerfestigkeit in trockenem und nassem Zustand und auf Elastizität wird sie von keiner anderen Faser erreicht. Interessant waren die ausgestellten Tragversuche. So sah man z. B. einen Perlonstrumpf, der siebzigmal getragen und aewaschen und noch immer unbeschädigt ist. Interessant waren aber auch die einfarbigen und bedruckten Damenkleider- und Herrenanzugstoffe, Regenmäntel und Schirme, Trikotagen, Badeanzüge, Strickartikel, Socken aus Perlon und Per- lomMischgarn, deren Trggfähigkeit und Gebrauchswert alles bisher Bekannte übertreffen.
Perlon wird auch als Borste und Draht hergestellt. Perlonborsten sind in der Festigkeit, Drehung und Elastizität den besten Naturborsten mindestens gleichwertig, zum großen Teil sogar überlegen. Das ist für die Zahnbürste ebenso wichtig wie für den Haushaltschruboer und die großen Bürsten für die Technik. Solche Bürsten aller Art wurden in Budapest gezeigt, daneben Tennisschlägersaiten und Angelschnüre aus Perlondraht. Perlon wird überall dort eingesetzt werden, wo starke mechanische Bean* spruchung vorliegt und außerordentliche Gebrauchstüchtigkeit verlangt wird. Gleichzeitig aber wird diese vollsynthetische Faser die Anwendungsgebiete von Kunstseide, Zellwolle und Natursaser vergrößern, denn durch Mitverwendung von Perlon läßt sich deren Lebensdauer und Einsatzfähigkeit erheblich erhöhen.
Europa ist ausgeträumt, wenn man überhaupt von einem Traum und nicht von einem auf Verlangen Stalins unternommenen Derzweiflungsschritt Churchills reden wollte. An der Wachsamkeit und der Schlagkraft der deutschen Wehrmacht sind die großsprecherisch angekündigten Jnoasionsoersuche gescheitert. Mit eisernem Besen hat man die Briten und Amerikaner hinausgefegt und auf die englische Insel zurückgejagt.
Nun ist der Katzenjammer da, und man gibt sich alle Mühe, das gescheiterte Unternehmen zu bagatellisieren, die katastrophale Niederlage zu verschleiern und die Tatsachen durch groteske Verdrehungskünste in das Gegenteil zu verkehren, um die Blamage zu verhüllen. Schon immer waren die Briten Meister in einer albern anmutenden Gehirnakrobatik, wenn sie Niederlagen bezogen hatten. Was sie sich aber jetzt leisten, das überschreitet alle Begriffe und spricht rn. feiner geistigen Clownhaftig- keit allen Regeln der Vernunft Hohn. Während man vorher die Kämpfe bei Dieppe als umfangreicher bezeichnete als bei früheren Unternehmungen, beeilt man sich jetzt, die Invasionsabsichten zu leugnen und den Ueberfüll auf Dieppe lediglich als das Muster darzustellen, nach dem man derartige Versuche im Großey durchführen werde. Man habe, so läßt man sich vernehmen, nur die Nerven der Deutschen prüfen wollen und zugleich feststellen wollen, inwieweit die Angaben der deutschen Wehrmacht über die Stärke ihrer Befestigungen und Verteidigungsstellungen am Atlantik auf Wahrheit beruhten. Die Londoner Presse scheut sich nicht einmal vor der faulen Ausrede, man habe bei dem Unternehmen aegen Dieppe nur den einen Zweck verfolgt, Erfahrungen im Landen von Panzern und Geschützenzu machen. Etwas Dümmeres konnte der britischen Agitation nicht einfallen.
Den Zweck, dieser Ausflüchte ersteht man aus dem Bericht des. Londoner Nachrichtendienstes, die britische Regierung habe bekanntgegeben, es handele sich nur um einen Kommandoüberfall, und die Deutschen könnten nicht von einer Zurückweisung eines Jnvasionsversuches sprechen. Man will also damit vor allen Dingen verhindern, daß die Weltöffentlichkeit das mißglückte Unternehmen als das anspricht, was es wirklich war, nämlich eine regelrecht beabsichtigte Invasion. Um diese Absicht der britischen Regierung, die Invasion abzuleugnen, zu unterstützen, spricht Reuter davon, daß es sich gewissermaßen um eine Generalprobe mit Kostümen gehandelt habe. Nun, die Kostüme sind den vereinigten Briten und Amerikanern ja ganz gehörig ausgeklopft worden. Man kann es dem Sprecher des Kriegsdepartements in Neuyork schon nachfühlen, daß er in seinen Äußerungen über die Landungsversuche recht zurückhaltend geworden ist und daß der Londoner Nachrichtendienst allzu stark die wertvollen Erfahrungen, die man habe machen können, betont. Die richtigste Einstellung scheint wieder einmal der Jude zu haben, der an der Neuyorker Börse seine Geschäftchen betreibt. Die Berichte über die Neuyorker Börse kennzeichnen die Stimmung als ä u h e r st gedrückt.
Oie Geschlagenen.
Stockholm, 20. Aua. (DNB.) Ein südschwedisches Blatt, das durch feine Engiandfreundlichkeit bekannt ist, bringt eine Schilderung der Zustande auf einem Feldverbandplatz der bei Dieppe geschlagenen Briten an der englischen Südküste ai^s der Feder eines amerikanischen Korrespondenten. Er schreibt: Es ist Mitternacht. Eine lange Reihe bleicher, schweigender, todmüder Männer mit Arm-, Bein- und Gesichtswunden streben dem Verbandplatz zu. £>ie Gesichter vieler Männer tragen den Stempel des Schreckens, den sie in den unheimlichen Stunden auf französischem Boden erlebt haben. Blutige Verbände, zerrissene Uniformen, sprechen eine deutliche Sprache. Viele hatten auch infolge von Explosionen Nervenschocks erlitten. Schweigend hinkten die Leute hinein. Viele in total zerfetzten Uniformen. Schweigend litten sie, während die Militärärzte Verbände anlegen und Morphiumspritzen geben. Manche der Verwundeten mußten erst aufgeweckt werden, bevor sie behandelt werden konnten. Es herrschte eine erstaunliche Stille. Die verbundenen Soldaten standen und saßen umher, ohne ein Wort zu sprechen, rauchten die erste Zigarette, die sie seit 24 Stunden genießen durften. Das Feldlazarett in einer verdunkelten Straße einer Hafenstadt besteht aus einem großen Saal mit im» provisierten Operationstischen, auf denen Verwundete liegen. Andere liegen auf Tragbahren längs
Das Examen.
Von Richard Gcrlach.
Es muß wahrscheinlich sein, obwohl es eine ziemlich fragwürdige Prozedur ist, in einer Stunde den armen Prüfling so auf den Zahn zu fühlen, daß damit eindeutig festgestellt ist, wieviel Geist er bisher nicht nut getaut, sondern auch verdaut bat. Ich habe vier Examina hinter mir, und ich bin zufälligerweise hindurchgekommen, nur einmal hätte mich beinahe ein Regenwurm stolpern lassen.
Weil es fast zwanzig Jahre her ist, kann ich es ja erzählen.
„Mit welchen besonderen Gebieten haben Sie sich beschäftigt?" fragte der Zoologie-Professor, nachdem er mir gegenüber Platz genommen hatte.
„Mit Säugetieren und Vögeln", antwortete ich.
„Dann brauchen wir darauf nicht einzugehen. Aber vielleicht erklären Sie mir einmal die Anatomie des Regenwurmes."
Verdammt noch einmal, die Weinbergschnecke war fein Steckenpferd, darüber hätte ich ihm einen sehr fundierten Vortrag halten können, aber der Regen- wurm?
Ich fing damit an, daß die Regenwürmer Zwitter, Männchen und Weibchen zugleich sind, genau so wie die Weinbergschnecke.
Ader der Professor bog ab: „Die Weinbergschnecke ist ein sehr bemerkenswertes Tier, aber mich interessiert heute der Regenwurm."
Wie sah doch ein Regenwurm aus? Ick) fing damit an, daß er eine längliche Gestalt habe, die aus zahlreichen kurzen Segmenten, zusammengesetzt sei. Das vorderste Segment hat die Mundöffnung, mit der sich der Regenwurm durch die Erde frißt.
„Wie wird er denn die Erde wieder los?" fragte der Professor.
Nephridien hießen die Exkretionsorgane, das fiel mir noch ein, und sie begannen mit einem von starken Wimpern bedeckten Trichter an der Hinter wand ber Segmente. Aber wie wand sich dieser drüsige Schlauch doch weiter durch den Körper hin? Ich rang nach Ausdrücken. Wenn man feine Sache beherrscht, ist es leicht, das Wort dafür zu finden. Wenn sie einem dagegen nicht ganz klar ist, beginnt man zu stottern.
Der Professor fragte: „Wollen Sie es mir lieber au^eichnen?"
Sollte ich ja ober nein sagen?
den Wänden und warten auf Behandlung. Einer der schlimmsten Fälle war ein Soldat, dessen Beine an den Oberschenkeln abgeschossen waren. Ein Major mit völlig zerfleischter Schulter kniete am Boden, während er behandelt wurde, und murmelte: „Ich kann in Teufels Namen immer noch nicht verstehen, wie ich davongekommen bin."
In der schwarzen mondscheinlosen Nacht reißt der Strom der Krankenwagen, die die Verwundeten zu den Krankenhäusern bringen, nicht ab. Spät in der Nacht traf die letzte Abteilung Engländer in einem Häfen Südenglands ein. Nach einer United-Preß- Meldung aus einem englischen Hasen an der Süd- küste konnte man bereits vom Nachmittag an beobachten, wie die Truppentransporte zurückzukehren
„Oder wissen Sie, wie sich die Ausscheidung bei der Weinbergschnecke vollzieht?" /
Ich wußte es. Ich bestand die Prüfung schließlich. Aber es gibt ein gräßliches Wort von den Regenwürmern, die der Examinator seinem Opfer aus der Nase «sieht. Der Prüfling fühlt dann ein Brett vor dem Kopf, wie gern würde er die Rollen vertauschen, es wäre nicht schwer, den Examinator selbst in Verlegenheit zu bringen. Denn alles kann er natürlich auch nicht wissen.
Aber wahrscheinlich genügt es ihm, herausgefunden zu haben, wes Geistes Kind da vor ihm Angst schwitzt. Und am Ende sagt er: „Sehr gut", und „Sie haben bestanden!" und reicht einem gratulierend die Hand.
Musikalität
und Klangsinnlichkeit.
Bon Kurt v. Sandor, München.
Musik lebt vom Klingen. Die gewaltigen Klangdome der Symphonie, das sinnenfrohe Fest der Oper, die ergreifende Wechselrede der Kammermusik, die Herzensinnigkeit des Liedes, sie alle sind in der Partitur, im gedankenreichen Notenbild verborgen wie in einem ungelegenen Buch, wie in einem ungesprochenen Gedicht, solange diese Zeichen und ihr weiterer Sinn nicht zum klingenden Leben erweckt sind! Freilich ist der geübte Musiker imstande, ein Notenwerk auch in stummem Lesen ZU verstehen: seine musikalische Bildung, seine Begabung und Erfahrung erlauben ihm eine mehr oder weniger vollkommene Vorstellung der geforderten Klangbilder. Und doch bleibt die so gewonnene Kenntnis mehr auf die gedankliche, architektonische Struktur des betrachteten Werkes beschränkt: denn das seelische Erlebnis wird nur in der klingenden Darstellung mit packender Unmittelbarkeit offenbart. Der schöpferische Musiker hingegen, der sein Werk primär erlebt und nach eigenem Plan gestaltet, kann feine musikalischen Gedanken allein mittels der Klangvorstellung, ohne Zuhilfenahme eines Instruments am Schreibtisch in Noten setzen.
Das war die Arbeitsweise fast aller unserer großen Meister. Don Bach ist bekannt, daß er Das
begannen. Deutsche Kampfflugzeuge griffen ununterbrochen die Schiffe an. Die englischen Schiffe verteilten sich auf viele Häfen, um dem Feind die Angriffe zu erschweren.
Am Ende aller Illusionen.
Paris, 20. Aug. (Europapreß.) Die Pariser Presse bringt neben Bildern aus Len Stellungen an der Kanalküste die Meldungen der gestrigen Vorfälle. „Unter Tausenden von Kilometern Küstenlänge hatte England die Wahl, unter dem Einsatz bedeutender Luft-, See- und Landstreitkräfte den Landungsversuch zu unternehmen. Das einzige Resultat dieser Anstrengungen war, daß sie sich neun
Komponieren am Instrument streng verpönte; er nannte Musiker, die sich des Klaviers als Erfindungskrücke bedienten, verächtlich „Klavierritter". DiS Gedankenarbeit solchen vom realen Klang unabhängigen Schaffens ist nicht erstaunlicher als die Konzentration, die einen Gelehrten befähigte, am Schreibtisch den Himmelsort des dis dahin unbekannten Planeten Neptun zu errechnen. So betrachtet erscheinen auch die späten Wunderwerke des bereits tauben Beethoven im Uederrahmen dieses Riesengeistes begreiflich: Beethoven mußte nicht mehr physisch hören was er schuf, er wußte, wie es klingen soll; seine reichen früheren Klang- erlebniffe hatten sich ihm eingeprägt, und losgelöst vom physischen Ohr entwickelte er seine Klanggedanken zu einer neuen Unabhängigkeit weiter. Beethovens Klangsinn wirkte über das Absterben des Gehörs hinaus, er fuhr unvermindert fort, die Klangbeziehungen im musikalischen Sinne zu deuten und souverän zu beherrschen. Die Klangsinnlich, keit jedoch, diese körperliche Aktion oder Reaktion, die sich in Wechselwirkung den spezifischen Klang wünscht und bei musikalischer Ausübung zu schaffen versucht, diese Klangsinnlichkeit, die in der lebendigen Gegenwart wirkt und nur wenig von her Erinnerung genährt werden kann, trat ihm bestimmt hinter ihre frühere Bedeutung zurück. So sind vielleicht auch manche klangliche Probleme zu verstehen, die der späte Beethoven dem Spieler aufgibt.
Klangsinnlichkeit haftet also wie allb Sinnlichkeit dem lebenden Organismus an und hat mit der Geistigkeit eines Wesens nichts zu tun. Sie ist eine Gabe der Natur und das Resultat einer häufig unbewußten Erziehung, wie sie schon durch die Muttersprache ausgeübt wird. Sie äußert sich im Bestreben nach Wohllaut und in der Fähigkeit Wohllaut zu bilden. Häufig ist sie als echte Sinnen- gäbe gepaart mit einem anderen Zeichen starken Körpergefühls: mit rhythmischer Begabung. Es gibt ganze Völker, die klangsinnlich begabter sind als andere. Und wie die Rassen verschieden sind und sich verschiedene Ideale von Körperschönheit heraus» gebildet haben, so sind auch verschiedene Begriffe klangsinnlicher Schönheit entstanden. Der Südländer ist sinnenfreudiger als der Nordländer, also auch meist klangsinnlicher. Innerhalb der musikgeschichtlichen Entwicklung der mufikalischsten Völker der Erde, der Deutschen und der Italiener, hat sich die klangsinnliche Verschiedenheit weitgehend ausge-
Stunden auf dem Kontingent aufhatten durften", so schreibt „Paris M i d i". „Für die Engländer, für die dies ein Meisterstück der Strategie darstellt, bedeutet es wohl auch einen Gipfelpunkt des Erfolges, Tote, Verwundete und unabsehbare Men- gen an Kriegsmaterial zurückgelassen zu haben. Dies ist aber nicht nur em Handstreich, bei dem man so viele Schiffe, Flugzeuge, Panzer und Material einsetzt. Die eingesetzten Mittel lassen nun über» sehen, p)ie groß die Katastrophe war. Politisch be- trachtet stellt Dieppe einen großen Fehler dar. Kurz nach dem Abschluß der Moskauer Konferenz werden die Sowjets jetzt erkennen, wozu dieser Verbündete imstande ist. Man konnte bisher jenseits der Wolga noch Illusionen hegen. Diese sind nicht mehr zulässig, Großbritannien hat das Maß seiner Unfähigkeit deutlich gezeigt."
Oie Kämpfe an der Ostfront.
Berlin, 20. Aua. (DNB.) Am unteren Kuban und im westlichen Kaukasus bringen die deutschen Truppen kämpfend weiter vor, obwohl die anhaltenden tropischen Temperaturen -und die von Gewitterregen stark aufgeweichten Wege die Märsche sehr anstrengend machten. Zwischen Wolga und Don südlich Stalingrad waren die deutschen Infanterie- und Panzerverbände zum Angriff gegen die feit langem stark ausgebauten feindlichen Verteidigungsstellungen angetreten. Die vordringenden Truppen mußten völlig deckungsloses Gelände stürmen. In erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann wurden die mit 118 schweren Bunkern befestigten Stellungen den sich verbissen zur Wehr setzenden Bolschewisten entrissen und die Masse der feindlichen Kräfte in konzentrischem Angriff auf engstem Raum zusammengedrängt und vernichtet. Mehrfache Durch- bruchsversuche und Entlastungsangriffe aus nöw- sicher Richtung wurden abgewiesen.
Im Raum von Rschew versuchten die Bolschewisten, bald in kleineren Vorstößen von Infanterie- und Panzergruppen, bald in starken Angriffen mit Artillerie-, Panzer- und Fliegerunterstützung, die deutschen Stellungen zu durchbrechen. Trotz der Ungunst des durch anhaltenden Regen verschlammten Kampfgeländes zerschlugen die deutschen Infanterie- und Panzerverbände alle feindlichen Angriffe. Südostwärts des Ilmensees war es gelungen, eine feindliche Kampfgruppe einzuschließen. Trotz heftiger Entlastungsangriffe und verzweifeF- tcr Durchbruchsversuche wurde ein Teilkessel nach harten Nahkämpfen ausgeräumt. Da die Luftwaffe infolge anhaltender ungünstiger Wetterlage sich auf bewaffnete Aufklärung beschränken mußte, hatten die Verbände des Heeres die ganze Schwere der Kämpfe zu tragen. An der Einschließungsfront von Leningrad griff der Feind an der Newa nach starker Artillerievorberitung, unterstützt von Schlacht- fliegern und Panzern mehrmals an. Die Angriffe wurden zuruckgeschlagen und im Gegenstoß Bereitstellungen feindlicher Infanterie und Panzer zersprengt. Ein vorübergehend erzielter Einbruch wurde ab geriegelt und der Feind unter Verlust von acht Panzern zurückgeschlagen«
Willkie auf Churchills Spuren!
Stockholm, 21. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Reuter-Meldung aus Washington erklärte Wendell Willkie, der republikanische Präsidentschaftskandidat, daß er „in einigen Wochen" eine Reise nach der Sowjetunion und dem Nahen Osten antreten werde, um im Auftrag Roosevelts „gewisse Missionen" auszuführen. Willkie hatte am Donnerstag ein^e Zusammenkunft mit Roosevelt. Willkie hofft, auch Stalin zu sehen. Willkie dementierte, daß er auch nach China oder Indien fahren würde. Als Begründung für seine Reise erklärte er: „Ich glaube, die USA. werden eine enge Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und den Ländern des Nahen Ostens pflegen müssen. Ich habe den Wunsch, diese Länder und ihre Führer kennenzulernen."
Kleine politische Nachrichten.
Der am 23. Juni 1942 mit den Schwertern zum Eichenlaub des Ritterkreuzes ausgezeichnete Kommodore eines Jagdgeschwaders, Major Go Hob, schoß zwei Tage nach der Bezwingung von fünf Gegnern am 18. 8. zwei meitere bolschewistische äuge ab und errang damit feinen 127. Luft-
m gleichen Tage erzielte Oberleutnant Graf, ebenfalls Träger des Eichenlaubs mit Schwertern
wirkt: es ist beispielsweise kein Zufall, daß die abstraktere und mfijr dem geistigen Wesen zugewandte Klavier- und Orgelkunst in Deutschland ihre frühe Blüte erlebte, während die durch Klima und Sprache zu strahlenderer Klangsinnlichkeit erzogenen Italiener Gesang und Geigenspiel zur baldigen Reife brachten.
Es wäre nach alledem * falsch, dem landläufigen Schluß zu folaen, Völker mit besonders ausge- ater Klangsinnlichkeit waren auch besonders kalisch. Die wahre Musikalität entstammt künstlerischen Impulsen, einem tiefen Willen zur Gestaltung und dem Drang nach Wissen um die Musik. Klangsinnlichkeit ohne diese große Voraussetzung reicht nur zum Spiel. Sie ist das Talent, das gemeinsam mit einer — ebenfalls häufig mit ihr verbundenen — Dewegungsbegabung' den artistischen Spieler, den Virtuosen ermöglicht, beffen Tonschönheit, dessen Brillanz von vornherein besticht. Begreiflich, daß gerade Völker mit besonderer Klangsinnlichkeit eine Vielzahl solcher Virtuosen stellten. Ein typischer Vertreter dieser Art ist der ungarische Zigeuner: seine Geige singt und schmeichelt und schluchzt und weckt im Hörer, der sich nicht wehrt, jene bekannten Pseudoempfindungen, die nur die Sinne angehn. Wer möchte danach den Zigeuner „musikalisch" im wahren Sinne dieses Wortes nennen? Das ist nichts als hochausgebildete, durch Generationen gepflegte Klangsinnlichkeit? Der Zigeuner gibt selten einen nachschöpferischen, nie einen schöpferischen Musiker — feine Melodien entlehnt er feinem Wirtsvolk!. —, er ist der Repräsentant des M u s i k a n t e n im guten und im schlechten Sinne. Was er spielt, klingt, hat Schmelz und Feuer, mit Wissen oder gar Geistigkeit nach musikalischem Begriff ist er nicht belastet. Und wenn die Spielgenoffen ihrem in wilder Freiheit geigen- den Primas folgen, dann tun sie es mit der Technik alter Ueberlieferung, die unliebsame Heber- raschungen ausschließt. Was an der völkischen Eigen- art des Zigeunermusikanten zu bewundern bleibt und mitreißt, ist eben fein ungehemmtes, eruptiv hervorbrechendes Naturmusikantentum, feine ursprüngliche Freude am Wohlklang, seine Klang- sinnlichkeit. Der echte Musiker aber, der „m u f i * tantisch" die gesunde Mischung zwischen Leib und Seele findet, die Vereinigung und Durchdringung von Klangsinnlichkeit und wahrer Musikalität, dieser Musiker ist hoch zu loben!
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