ström in der vieltausendkilometrigen Wassergrenze Rußlands hier das einzigste eisfreie Loch läßt.
Welche Befestigungen rechts und links des Fjordes, welch' genau regulierte und für größte Einheiten passierbare Fahrtrinne! Die ersten blau-grauen Einheiten der sowjejtischen Eismeerflotte zogen vorüber, die finnische Flagge senkte sich jeweils kurz zum internationalen Gruß, ohne daß die roten Banditen es auch nur einmal für notwendig erachtet hätten, den Flaggengruß zu erwidern. Eine un- heimlich-bleierne Schwere lag über diesem unheimlich-finsteren Lande, das außer Batterien, Forts, Torpedobooten, Flugbooten überhaupt keine Lebewesen zu besitzen schien, nicht einmal Möwen, die in aller Länder Meere den Fahrzeugen nachsegeln, nur nicht im Kola-Golf, auf Murmansk zu! Kahler Felsen ohne Vegetation, kahles Land ohne Wuchs, kahler Himmel ohne Gefieder und scheinbar auch kahles Meer ohne Fische — so bot sich uns hier im hohen Norden der Sowjetstaat bis zu den ersten elendigen Bretterbuden von Fischerfamilien, die die Peripherie von Murmansk bildeten. Brenzliger Duft der Tranküchen drang bis an unsere Nasen, hier wurden die aus dem Eismeer eingebrachten Wale verarbeitet und ein großer Teil der in der sowjet- russischen Heeresverpflegung mit an erster Stelle stehenden Fischkonserven hergestellt.
Doch schon bald änderte sich die Szene: nach siebzig Kilometer Fahrt vom Beginn der Kola-Bucht lag noch einem sanften Bogen M u vm a n s k vor uns in seiner ganzen Größe, die in diesen Breiten direkt amerikanisch anmutete. Kein unscheinbares Kaff, das gleich anderen Sowjetplätzen um viele Jahre hinter dem Heute nachhinkt, dem die Mittel moderner Technik unbekannte Begriffe find, in dem die Zeiger der Uhr stillzuftchen scheinen./ Das ge- naue Gegenteil war der Fall! Eine aufstrebende, ansehnliche Stadt, durch und durch elektrifiziert, mit modernen Kais, Derladeeinrichtungen, Werften, Lagerhäusern, Verwaltungsgebäuden, die nirgends deutlicher als hier den Willen Moskaus auf Geltung zur See dokumentieren. Weit über 100 000 Seelen, die hier wohnen und arbeiten, gewaltige Industrieanlagen, ein großer Kriegshafen, noch größere Wasserflugzeug-Basis und mehrere vorzügliche Landflughäfen sowie schließlich Garnison größten Ausmaßes.
Alles deutete hier auf Moskaus Expansionsabsichten gegen. Finnland, Schweden und Norwegen hin, alles atmete hier Krieg. Murmansk bot dazu das Sprungbrett der Sowjets zur Neuen Welt über Spitzbergen und Grönland auf Kanada. Kein Wunder, daß der durch und durch elektrifizierte Kopfbahnhof der Murman-Bahn, dem wir schräg gegenüber vor Anker lagen, modern au^gebaut war und die Sowjets ihr gleiches Interesse der Einmündung des Ostsee-Weißmeer-Kanals geschenkt hatten, die lvir ebenfalls passierten und die durch zwei Bojen markiert war. Es war allzu verständlich, daß wir nicht an Land gehen durften und daß wir noch niemals im Leben unter einer genaueren und schärferen Aufsicht standen als in den fünf Stunden im Hafbn der Hauptstadt der Kola-Halbinsel, deren Namen heute immer wieder in den deutschen und finnischen Heeresberichten genannt wird.
So ging ein sichtbares Aufatmen durch die Kette der GPU., als die Diplomatenladung an Bord genommen, unser Schifflein die Anker gelichtet und die Schiffsglocke bei anbrechender Dunkelheit die Abfahrt angekündigt hatte. Denn in der Tat hatte vorher wohl kaum ein Nichtrusse Murmansk gesehen, das seit mehr als zwei Jahrzehnten für Moskau offener Begriff des Offensivkrieges und des Vortragens der .Weltrevolution geworden war. Was spielten da die vierzehnhundertundfünfzig Kilometer, die Murmansk von Leningrad entfernt liegt, füx eine Rolle, wenn es heißt, ein Ausfalltor für Hammer und Sichel zu finden, das weder von anderen Ländern blockiert werden kann noch im Winter zufriert. Hier erfüllte sich der panslawistische Traum, ans Meer zu kommen und von hier aus sollte-der Sturm losbrechen, der im wahrsten Sinne Untergang des Abendlandes bedeutet hätte. Wenn die Sache mit Murmansk anders kam, als es sich die Moskowiter errechnet hatten, so weiß die Welt heute mehr denn je, roerri sie hierfür ewigen Dank abzustatten hat...!
Briten verkaufen iranische Oelintereffen an die LlGA.
Ankara, 19. Juli. (Europapreß.) Nach Meldungen aus Bagdad hat der dortige britische Botschafter Cornwallis den iranischen Ministerpräsidenten Nuri Said davon unterrichtet, daß ein großes Aktienpaket der in englischem Besitz sich befindenden Jranian-Petrol-Company an die
Die Kriegsaufgaben des Landvolks.
Staatssekretär Backe verkündet besondere Ablieferungsprämien.
Wels, 19. Juli. (DNB.) Auf einer Kundgebung des Gaues Oberdonau der NSDAP, sprach der Leiter der gesamten deutschen Ernährungswirtschaft und Agrarpolitik, Staatssekretär Backe. Er betonte, auch für die landwirtschaftlichen Betriebe müsse die T e ch n i k der Helfer für den Bauern, die Bauersfrau und das Gesinde sein. Wenn wir auch an die Witterung und den Ablauf der Jahreszeit gebunden sind, so wollen wir doch uns von der schwersten Landarbeit freimachen und die Maschin-e in den Dienst unserer bäuerlichen Arbeit stellen. Der Raum im Osten erfordert zwingend, daß er d e u t s ch wird und daß das deutsche Bauerntum neues Blut in diesen neuen Raum, strömen läßt. Die Ansiedlung deutscher Bauern in die neuen Gebiete erlaubt auch eine behutsame Zusammenlegung in der Heimat. Man kann nicht neues Bauerntum im Osten aufbauen und den alten Lehensquell in der Heimat versiegen lassen. Dabei sollte niemand vor den Schwierigkeiten der Aufgabe im Osten zurückschrecken. Eine behutsame und vernünftige Umlegung in der Heimat wird manche Probleme von selbst lösen. Wir können keine Technik im großen Stile bei uns einführen, wenn wir nicht die Felder Zusammenlegen, Wege schaffen und elektrische Anlagen errichten. Wenn es heute auch noch schwer ist, diese Voraussetzungen zu schaffen, weil wir auch noch für den Krieg arbeiten müssen, so wird doch vielleicht früher als wir glauben, der Augenblick kommen, wo auck die Landwirtschaft ihre Leistungey leichter steigern kann und wo ihre Tagesarbeit nicht mehr so schwer ist wie Herste.
Wir müssen daher mit noch größerer Kraft an die Erzeugung Herangehen und noch mehr Lrzeugnifsean den Markt liefern. Mm der Landwirtschaft die Ablieferungspflicht zu erleichtern, hat der Führer aus der Erkenntnis der Lage des deutschen Landvolkes bestimmt, daß für Milch und Landbutter, für Lier, Schlachtgeflügel und Honig besondere Prämienals Ansporn für
zusätzliche Marktleistungen gezahlt werden. So erhalten die M i l ch e r z e u g e r neben der üblichen Mlchgeldauszahlung einen Leistungszu- schlag von 2,5 und 8 Rpf. für die Milchmenge, die sie über eine bestimmte Durchfchnitismenge ihres Gebietes hinaus an die Molkerei abliefern. Für Landbutter, die über den festgesetzten Ablieferungssoll hinausgehl, wird eine Prämie von 1,20 RM. je Kilogramm bezahlt. Für Eier beträgt die Prämie je 4 Rpf. für jedes Li, das über den Ablieferungssoll hinaus an den Markt gebracht wird. Auch für § chlacht - g e f l ü g e l und Honig find Prämien feftge- seht worden.
Mit dieser Regelung soll auch der letzte Liter Milch für die Fettversorgung des gesamten Volkes abgeliefert werden, selbst auf Kosten des eigenen Verbrauches im Landhaushalt und der Aufzucht im Diehstall. Bei zwei Millionen landwirtschaftlichen Betrieben mit eigener Kuhhaltung würde sich bei täglicher Mehrablieferung von einem Liter Milch die Hälfte der Frieden seinfuhr an Butter als Mehrerzeugung ergeben. Aus dieser Prämienzahlung wird das deutsche Landvolk den Wunsch des Führers erkennen, die Härte der Landarbeit etwas mildern, wenn er von der Landwirtschaft jetzt für die Ernährung unseres Volkes das letzte verlangt. Der Führer kennt das Opfer, das die Landwirtschaft dem Volke bringt. Nach dem siegreichen Ende des Krieges wird man diese Leistung voll anerkennen. Dann wird die gesamte ^Volkswirtschaft antreten für die Aufrüstung des Dorfes. Dann werden unsere Höfe größer und leistungsfähiger sein, und auf diesen Höfen wird als Lebensgrundlage unseres Volkes ein gesundes und starkes Bauerntum wachsen. Nach dem siegreichen Ende dieses Krieges, wenn der Führer den Neuaufbau des Reiches im Frieden gestalten kann, wird auch das Bauerntum teilnehmen an einer zukunftsreichen Entwicklung und sich auf dieser Grundlage für das Volk als Lebensquell bewähren.
American Oil o f California, eine nordamerikanische Gesellschaft, übergeben worden ist. — Der Ausverkauf des britischen Empire geht also weiter. Die Zukunft allerdings wird lehren, ob die USA. an diesem Paket viel Freude haben wird.
Japanische Erfolge gegen die feindliche Schiffahrt.
Tokio, 18. Juli. (Europapreß.) Japanische See- und Luftstreitkräfte haben seit Ausbruch des Krieges bis zum 10. Juli d. I. 1 935 000 BRT. britischnordamerikanischen Handelsschiffsraums versenkt. An diesem Erfolg find beteiligt: japanische Unterseeboote durch die Versenkung von 99 Schiffen mit 724 000 BRT., Ueberwasserstreitkräfte durch Versenkung von 73 Schiffen mit 382 000 BRT. und Flugzeuge durch Versenkung von 194 Schiffen mit 829 000- BRT. Im westlichen Indischen Ozean entfalten japanische Unterseeboote in letzter Zeit rege Tätigkeit gegen den feindlichen Nachschubverkehr. Allein iin Monat Juni wurden in diesem Seegebiet 25 Schiffe mit zusammen 200 OOO BRT versenkt.
Der 'Erste Sekretär der japanischen Marinegesellschaft, Takahäschi, wies darauf hin, daß in dieser Jahreszeit die Navigation an der Ostküste Afrikas infolge anhaltender Stürme erschwert sei. Der Monsun mache selbst- erfahrenen Seeleuten zu schaffen. Außerdem herrsche zu dieser Zeit an der afrikanischen Küste dichter Nebel. Die Leistungen der japanischen Unterseeboote, denen es gelungen sei, stark geschützte feindliche Geleitzüge aufzuspüren und zu vernichten, seien unter diesen erschwerten Umständen besonders bedeutsam. Infolge des Versagens der Mittelmeerroute sei die Linie über Kapstadt und den Indischen Ozean von größter Bedeutung für die britischen Versorgungsrouten nach Indien und Aden.
Oer Kampf gegen die Banden in Bosnien.
In Bosnien halten sich Banden in den weiten Wäkdern, abgelegenen Gebirgstälern und einsamen Felsenhöhlen' versteckt. Sie gehen im Rahmen der von deutschen, kroatischen und ungarischen Truppen
durchgeführten Säuberungsaktion ihrer Vernichtung -entgegen. Die Kommunisten, unterstützt von berufsmäßigen Straßenräubern, haben sich in dem gebirgigen Gelände im wesentlichen auf drei Ge- biete zurückgezogen. Eine größere Bandengruppe wurde in den nördlichen Ausläufern des Kozara- Gebirges eingeschlossen. Ihre Vernichtung schreitet trotz ungünstiger Witterung und schwerster Geländeverhältnisse planmäßig fort Eine zweite Gruppe, südwestlich von Sarajewo, wurde vertrieben. Eine weitere Gruppe nordwestlich von Belgrad im Felsengebiet der Fruska Gore verübt Üeberfälle auf die Zivilbevölkerung, wobei sie Frauen und Kinder entführte. Bei der planmäßigen Säuberung hatten die Banden schwere Verluste.
Das Eichenlaub mit Schwertern für Generalfeldmarschall Kesselring. DRV. Aus dem Führerhauplquartler,
18. Juli. Der Führer hat Generalfeldmarschall Ke f- felring, Oberbefehlshaber der lm Mittelmeerraum und in Rordafrika eingesetzten Verbände der deutschen Luftwaffe, das Lichenlastb mit Schwer- fern zum Ritterkreuz des Lifernen Kreuzes verliehen und ihm folgendes Schreiben übermittelt:
„Herrn Generalfeldmarschall Kesselring? 3m Ansehen Ihres immer bewährten Heldentums verleihe ich Ihnen als 15. Soldaten der deutschen Wehr- macht das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Gez.: Adolf Hitler."
*
In klarer Beurteilung der Kampftage auf diesem Kriegsschauplatz richtete der Generalfeldmarschall in engster Zusammenarbeit mit den Luftstreitkräften Italiens schon im Winter 1941/42 den Schwerpunkt der Angriffe gegen Malta und den britischen Nachschub zu diesem See- und Luftstützpunkt. Es gelang eine weitgehende Ausschaltung der Jnselfestung und damit eine erhöhte Sicherung der eigenen Transporte zum nord afrikanischen Kriegsschauplatz. Dazu trat die Zerschlugimg der großen britischen Geleitzüge in den Tagen vom 14. bis 17. Juni 1942. An diesem Erfolg hatten die Verbände des Generalseidmarschalls Kesselring her-
Nie Miiiagsgöiim.
Von Carl Conrad.
Ich muß ein sehr phantastisch veranlagtes Kind gewesen (ein. Jedenfalls erinnere ich mich, daß eins Landschaft, ein bewölkter Himmel, ein Sonnen- reftex auf einer Wand oder etwas dergleichen in mir jeweils ein bestimmtes und ungemein starkes Gefühl hervorries. Später, als ich lernte, daß Wolken nichts sind als Wasserdampf und Sonnenstrahlen, ist mir diese beinahe magjsche Fähigkeit ganz verlorengegangen. Vorher aber, in jener glücklichen Kinderzeit, hatte ich einmal an einem Sommer- mittag ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde, weil mich jeder grelle, heiße Sommertag daran erinnert. Noch heute fühle ich, wenn ich an solchen Tagen um die Mittagszeit durch den glühenden Sonnenbrand gehe, zuweilen einen leichten Schwindel, und ich suche eilends den Schatten auf.
Ich war damals etwa sieben Jahre alt, die Sommer feri en verbrachte ich bei den Großeltern auf dem Lande. Das weißgekalkte Fachwerkhaus mit den schwarzen Balken lag inmitten eines bunten, bäuerlichen Gartens an einem fünften Berghang. Abwärts führte ein Fußweg, am Hause vorüber, dann durch den Obsthof des Großvaters, wo auf hügeliger weiter Rasenfläche Baum an Baum sich drängte, Aepsel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen, weiter an einem Kornfeld entlang, um schließlich, wie- der ein wenig auswärts führend, in den Wald ein« zulaufen. Dieser Wald war mir unheimlich. Ich hätte nicht gewagt, ihn allein zu betreten. Jenseits des Waldes war am Horizont ein weiter, kahler, lehmgelber Hügel sichtbar, der mir voller Geheimnis und unsagbar grauenhaft erschien. Wochenlang nun trieb ich vom Morgen bis zum Abend kein anderes Spiel, als einen kleinen Leiterwagen den Fußweg hinaufzuziehen, bis zur Höhe, wo zwischen niedrigen Apfelbäumen der Wasserturm stand, um mich alsdann in das Gefährt zu fetzen, die Deichsel vorn, zwischen den ausgestreckten Beinen festklemmend« um mich so in rascher Fahrt den Weg hinab an Haus und Garten vorüber, unter dem «chatten der Obstbäume her, am Kornfeld entlang bis an den Wald rollen zu lassen. Dieses Spiel trieb ich mit unermüdlicher Begeisterung. Ich war der Lokomo
tivführer fines Expreßzuges. Die frischen Erlebnisse der Reise wirkten in mir nach.
Wenn ich meinen Wagen bis 3um Wasserturm hinaufgezogen hatte, schwitzte ich und litt an Herz- klopfen. Ich drehte den Wagen um und setzte mich hinein, um jeden Augenblick losfahren zu können. Die Füße stemmte ich auf die Erde. Ich brauchte sie nur hochzuziehen, und schon rollte ich davon. Aber ich tat es noch nicht. Ich mußte die Situation erst auskosten. Wenn ich zum Himmel,emporblickte, schien er mir weiß zu fein. Mit einer derartigen Gewalt branrtte die Sonne. Ich fühlte ihre Glut wie ein Gewicht auf meinem Kops liegen. Obgleich nirgendwo ein Laut zu hören war, denn alle Kreatur war gleichsam erstarrt, die Vögel saßen wie tot auf den tieften und die Hühner hatten sich im Schatten der Löcher in die Erde gescharrt, in denen sie bewegungslos und stumm saßen — obgleich also rings die größte Stille herrschte, war dennoch ein feiner, heller, singender Laut in meinen Ohren, und ich hatte die Vorstellung, als wenn die Hitze finge.
Plötzlich zog ich dann meine Füße empor, stieß einen Pfiff durch die Zähne, und der Zug donnerte los. Das Stoßen der Räder über die Steine brachte mich in Erregung, die Geschwindigkeit nahm zu, und die gefährliche Kurve, die einzige der Strecke, nahm meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Es war vor dem Hause, am Gartenzaun, der aus grün an- gestrichenen Holzlatten mit weißen Köpfen bestand, tillzu leicht konnte es hier geschehen, daß ich die Kurve nicht eng genug nahm und, in spitzem Winkel dem Zaun näher kommend, den Zusammenstoß unvermeidlich vor mir sah. Mit einem Krach rannten sich'die Achsen an den Zaunlatten fest, und ich blieb ruhig sitzen und führte nunmehr ein Gespräch mit einem unsichtbaren Partner. Ich wurde gleichsam über den Unfall vernommen und versuchte, mich nach Möglichkeit reinzuwaschen. Meine beliebteste Ausrede war alsdann, daß die Bremse versagt habe, obgleich sich ein derartiges Instrument an dem primitiven Wägelchen natürlich überhaupt nicht be- fand. 2fbcr es schien mir so technisch und interessant, dieses: Bremse versagt.
Schließlich brachte ich meine „Maschine" wieder in Fahrt, stoppte aber auch wohl im Obsthof, wenn gerade eine besonders schone Birne am Wege lag und hob fie auf. Wenn ich sie daun im Fahren atz, kam es mir sehr wirklich als eine Eisenbahn vor.
Ich hatte ja schon erlebt, daß man borf im Speisewagen wahrhaftig während des Fahrens aß.
Im Kornfeld kam ich dann wieder in die volle Sonnenglut. Die Luft schien so dick und marin, daß ich kaum zu atmen vermochte. Staub brannte mir in den Augen und knirschte unangenehm zwischen den Zähnen. Vor dem Wald, wo ödr Weg wieder ein wenig anftieg, hafte mein Wagen sich ausgelaufen und blieb quietschend stehen. Ich blickte in das Dunkel des Waldes, verspürte auch einen ganz leisen Hauch von Kühle aus dieser Richtung und schauderte, obgleich mir der Schweiß von der Stirne tropfte und das Herz ganz dünn und hart in den Schläfen tickte. Ich fühlte ein starkes Unbehagen und sehnte mich nach dem Schatten der Obstbäume. Ich stand auf, faßte die Deichsel und begann den Weg hinaufzusteigen. Aber etwa in der Mitte des Kornfeldes konnte ich nicht mehr. Ich mutzte anhalten, um zu verschnaufen. Ich blickte auf den Weg zurück, um zu sehen, wieviel ich schon. hinter mir hatte, und sah über dem Wald am Horizont die grelle, lehmgelbe und grauenhaft nackte Bergkuppe auffteigen. Ich hatte das Gefühl, als greife jemand nach meiner Kehle, und wollte schon schreien — da fuhr plötzlich geräuschlos eix Blitz, ein gleißender Strahl aus der Kuppe zum Himmel empor, schwoll zu einer weißglühenden Gestalt an, welche die Arme nach mir ausstreckte und über mich kam. Es war mit einem Male stockfinster.
„Junge! Junge! Kalemänneken, mein Jung!" rief jemand und rüttelte mich. Ich machte die Augen auf und sah das Gesicht meiner Großmutter dicht über mir. Sie trug mich auf den Armen ins Haus und legte mich in der Kammer behutsam aufs Bett. Die Kühle des Leinens tat mir wohl. Ich hörte die Hitze draußen vor den Fenstern fingen. Erft gegen Abend wurde sie still, und statt dessen begannen wieder die Vögel zu zwitschern und die Fliegen zu summen. Der Arzt kam und ließ mir kalte Umschläge auf den Kopf machen. Am nächsten Tage konnte ich schon wieder aufstehen. Aber es war mir noch lange Zeit sehr weih und schwer im Kopf, und mein Gang war taumelig. Mara, die Mittagsgöttin, hatte mich ungerührt. Aber behalten hatte sie mich nicht. Ich war ihr wohl noch zu jung. Seitdem fürchte ich solche Sommertage, und der grellen Sonne um die Mittagsstunde weiche ich ängstlich aus»
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Aus dem Reich.
Ourchlaßscheinpflichtige Gebiete.
Das Betreten und Verlassen des Protektorats, des Generalgouvernements, Oberkrains, des Bezirks Bialystok sowie der Reichskommissariate Ostland und Ukraine ist nur mit Durchlaßschein gestattet. Anträge sind ausschließlich befr der für den Wohnsitz des Antragstellers zuständigen Kreispolizeibehörde (Landrat, Polizeidirektion ufw.) zu stellen. Durchlaßscheine werden nur beim Nachweis eines kriegswichtigen Grundes erteilt. Die Kreispolizeibehörden find angewiesen, einen strengen Maßstab anzulegen. Wer unbefugt eine Bin- nengrenje überschreitet, wird mit Geldstrafe, Haft oder Gefängnis, in besonders schweren Füllen mit Zuchthaus bestraft. Es liegt im Interesse aller, wenn sich jeder Reiselustige rechtzettig vor Antritt seiner Reise bei der Polizei erkundigt, ob seinem Antrag auf Erteilung eines Durchlaßscheines stattgegeben werden kann.
Nr.-Ing. e. h. Kiffet gestorben.
Der Vorsitzende des Vorstandes der Daimler-Byüz-' A.G., Stuttgart/Untertürkheim, Dr.-Jng. e. h. Wilhelm Kissel, ist plötzlich im 57. Lebensjahre verstör, ben. Kissel war als Sohn eines Dahn beamt en in Hasloch (Pfalz) geboren. Nach Absolvierung der Oberschule und kaufmännischer Lehre trat er 1904 bei der Automobil- und Motorenfabrik Benz u, Cie. in Mannheim ein. Hier wurde er 1908 dank seiner organisatorischen Fähigkeiten und auf Grund besonderer Leistungen Abteilungsleiter. Mit dem Aufstieg der Fa. Benz u. Cie. upd deren wachsenden Aufga- ben, namentlich seit Beginn des Weltkrieges 1914, steigerten sich auch die Aufgaben Dr. Kissels, insbesondere auf dem Gebiet der Rohstoffbeschaffung für die Flugmotorenproüuktion des Heeres. 1925 erfolgte Kissels Berufung in den Vorstand der ver- einigten Firmen Daimler und Benz. Seit 1930 war er leitendes Mitglied des Vorstandes der Daimler- Benz-ti.G. Seine Verdienste liegen im besonderen in der Forderung der Konstruktion und Fabrikation von schnell lausenden Motoren, besonders Flugmotoren sowie in der Aufnahme des Leichtfahrzeug-
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griechischen Dichtung sprechen bereits Homer und Hesiod von den Freuden des Angelns.
Da man für die Fastenspeisen leckere Fischgerichte brauchte, wurde bas Angeln im Mittelalter sehr beliebt; es wurde in den Teichen der Klostergärten wie von Rittern in den Nurggräben betrieben: Noch Kaiser Max, der „letzte Ritter", war ein eifriger Verehrer des Angelns, der davon in feinem „Weiß- kunig" mit viel Begeisterung und Verständnis spricht. Heute hat die Angelkunst sich überall in der Welt verbreitet und allerorten eifrige Jünger gefunden.
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Schauplatz beliebter Vergnügungen. Auf altägyptischen Reliefs sehen wir elegant gekleidete Würdenträger, mit vollendeter Ruhe auf Sesseln oder Tep-- pichen sitzend, mit spitzen graziösen Fingern die Singel halten, während vor ihnen im künstlich angelegten Teich des Gartens die Fische, sich tummeln, ober sie fahren in ihren Prachtbooten auf dem Nil, mit dem Angelgerät bewaffnet. Auch in Indien und China war schon in frühen Zeiten das Angeln ein leidenschaftlich beliebter Zeitvertreib, und in der
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oorragenben Anteil. Nicht minder schlachtenenftchei- dend war die Unterstützung der Panzerarmee Rommel durch Verbände der Luftwaffe und Flakeinheiten bei dem gewaltigen Offensivstoß nach Aegyp- ten. Bir Hacheim, Tobruk und Marsa Matruk sind Marksteine des siegreichen Zusammenwirkens aller Streitkräfte der Achsenmächte. Generalfeldmarschall Kesselring hat — wie schon im Kampf gegen Polen, Frankreich, England und die Sowjetunion — durch rücksichtslosen persönlichen Einsatz seinen Verbänden stets ein Beispiel höchster Einsatzfreudigkeit gegeben. Die großen ^Erfolge im Luftkriege auch im Mittelmeerraum waren mir möglich, weil Generalfeldmarschall Kesselring stets an den Brennpunkten der Kämpfe den Einsatz feiner Verbände persönlich leitete. Der Reichsmarschall richtete an Generalstld- marschall Kesselring folgendes Schreiben:
„Lieber Kesselring! Zu den Verleihung der hohen Tapferkeitsauszeichnung spreche ich Ihnen meine besten Glückwünsche aus. Ihr unermüdlicher per- sonlicher Einsatz, Ihr hervorragendes Können und die schlachtenentscheidenden Erfolge Ihrer Truppen haben damit durch den Führer vor dem gesamten deutschen Völk höchste Anerkennung gefunden. Mit mir ist die gesamte Luftwaffe stolz auf Sie, lieber Kesselring. Heil Hitler! Ihr gez. Goring."
Kleine politische Nachrichten.
Im Auftrage des Marschalls von Finnland, Frh.^ Mannerheim, überreichte Generalleutnant Talvela dieser Tage Generalfeldmarschall von'Brau- ch i t s ch das „Grohkreuz des finnischen Freiheitskreuzes".
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In diesen Wochen bekundete die Bevölkerung Luxemburgs auf Kreistagen der volksdeutschen Bewegung ihre^enge Verbundenheit mit Grohdeutsch- , land. Abschluß des Kreistages im Industriegebiet Esch war eine Kundgebung vor 8000 schaffenden Volksgenossen, auf der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Gauleiter Simon. sprachen.
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Zum Befehlshaber der USA. -Luftwaffe im Mittleren Osten ist Generalmajor Br ertön ernannt worden. Er war früher Befehlshaber der USA.-Luftwaffe auf den Philippinen, als Mac Arthur dort Oberbefehlshaber war. Später bekleidete Brerton eine Kommando-Stelle in Indien.
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Don -er Kunst des Anglers.
'Schon in der älteren Steinzeit haben die Menschen Angeln benutzt. Man hat Haken aus Stein ober Knochen gefunden, die bereits mit den Angelhaken der heutigen Eskimos oder Feuerländer über- einstimmten. In der Bronzezeit ging man zu Angeln über, die großer waren als die heutigen; \o mißt ein tingelhaken, der an einem Schweizer Pfahl, bau gefunden wurde, 20 Zentimeter. In vorgeschichtlicher Zeit wurde auch schon die Knebel» oder Zwei- spitzangel hergestellt, ein nach beiden Seiten zu spitzes, in der Mitte an einer Schnur befestigtes Stäbchen, wie es noch heute von den Eingeborenen der Südsee viel verwendet wird. Der Angler der Vorzeit hatte es zweifellos besser als der von heute, da der Fischreichtum außerordentlich groß war. In den Küchenabfällen der jüngeren Steinzeit, den „Kjökkenmöddinger"»Haufen, hat man .Gräten von Aal, Lachs, Dorsch, Karpfen, Hering und vielen anderen Fischen gesunden.
Wurde dieser Fang zunächst nur. zu des Lebens Notdurft betrüben, so entwickelte sich schon in frühen Zeiten der Kultur daraus eine mit bewußter Freude ausgekostete Liebhaberei, die echte Angelkunst. Die ruhigen fischreichen Fluten des Nils boten den
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