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Samstag, 20./Sonntag, 21. Juni 1942

Gietzener Anzeiger

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BBS General-Anzeiger fiir Oberhessen Sietzen,'5chplstrahe7-y

Der Durchbruch bis zur Sewernaja-Vucht

von Sewastopol und

Die Einschließung

vor

der von

zwölsstündigem harten Stampf, bei dem der Feind sehr hohe Verluste hatte, der gesamte Nord- teil der Festung bis auf ein Küstenfort im Südwestabschnitt in deutsche Hand.

Auch am südlichen Angriffsflügel sind die deutschen und rumänischen Truppen trotz zähen feindlichen Widerstandes und stark verminten Ge­ländes nach Niederkämpfung der feindlichen Ar­tillerie weiter im Vordringen. Im Morgengrauen des Freitag nahmen deutsche Truppen in kühnem Zugriff eine beherrschende Höhe in Besitz und dran­gen weiter in das feindliche Verteidigungssystem ein. Besonders der südliche Teil der Sewernaja- Bucht war heftigen Angriffen deutscher. S t u r z - kampfflugzeuge ausgesetzt. Die Bolschewisten hatten dort einen Leuchtturm, von wo aus das Feuer der feindlichen Batterien gelenkt wurde. Sturzkampfflugzeuge vernichteten den Leuchtturm, so daß die bolschewistischen Küstenbatterien ihr Feuer einstellen mußten. Im Stadtgebiet von Se­wastopol wurden Bahnhofsanlagen und Kasernen von zahlreichen Spreng- und Brandbomben ge­troffen.

rung des rückwärtigen Gebietes fort. Mehrere ört­liche Angriffe der Sowjets wurden abgeschlagen.

An der L i s m e e r k ü st e wurden die Hafen- anlagen von Murmansk und I 0 k 0 n g a mit Bomben schweren Kalibers bekämpft und dabei ein Handelsschiff von 6000 BRT. versenkt. Ein weite­res großes Frachtschiff wurde beschädigt.

3n Rordafrika wurde der Gegner weiter nach Osten geworfen. Deutsche und italienische Trup­pen haben die Festung Tobruk eingeschlossen. Bei der Vernichtung zahlreicher Widerstandsnester wur­den weiter 1 0 0 0 Briten gefangengenommen, 10 Panzer abgeschossen und zahlreiches Kriegs- gerät sowie ein großes Versorgungslager erbeutet

An der Südküfte Englands warfen leichte Kampfflugzeuge bei Tage Lagerhäuser des Hofens B r i x h a m in Brand.

3m westdeutschen Küstengebiet verursachte ein Tagesangriff eines einzelnen britischen Bombers leichte Verluste unter der Zivilbevölkerung.

Vor Sewastopol hat sich das Bataillon einer niedersächsischen 3nfanteriedivision unter Führung des Ritterkreuzträgers Hauptmann Schrader, der in diesen Kämpfen gefallen ist, durch besondere Tapfer­keit ausgezeichnet.

Hauptmann Seiler, Gruppenkommandeur in einem 3agdgeschwader, Hal an der Ostfront in einer Rächt drei sowjetische Transportflugzeuge und ein 3agdflugzeug abgeschossen.

Molotow leugnet die Geheimabkommen

Eingang'800 Meter breit. Der Eingang ist im Nor­den vom Kap Konstantin, im Süden vorn Kap Alexander flankiert, beide Kaps sind schwer befestigt gewesen. Jenseits der Bucht von Sewastopol liegt die Stadt selbst. Im Krimkrieg war die Tragweite der Geschütze noch zu gering, um über die nicht sehr breite Bucht ein wirksames Feuer zu eröffnen.

Der Wehrmachtbericht.

DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 19.3uni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Der Angriff auf Sewastopol führte am gest­rigen Tage zu entscheidenden Erfolgen. Die im Rordabfchnitt der Vefestigungsfront eingesetzten deutschen 3nfanteriedivisionen durchstießen die durch starken Artillerie- und Fliegereinsah niedergehalte­nen letzten Verteidigungslinien des Gegners und erreichten in breiter Front die Sewernaja- Vucht gegenüber der Stadt Sewastopol. Da- mit fiel nach zwölftägigen harten Kämpfen der ge­samte Rordteil der Festung bis auf ein Küstenfort im Südwestabschnitt in unsere Hand. Die Einnahme dieses letzten Stützpunktes steht bevor. Verzweifelte Gegenangriffe der Sowjets brachen zusammen. 3m Tüdteil der Feslungsfront warfen rumänische Truppen den Feind nach harten Kämpfen aus wich­tigen Stellungen. Die Zahl an Gefangenen und Beute in der Zeit vom 7. bis 17. 3uni hat sich auf 7585 Gefangene, 20 Panzer, 68 Ge­schütz e und eine Panzerbatterie erhöht. 3n schweren Einzelkätvpsen wurden 1 2 8 8 Lrd - und Betonbunker genommen und 4 6239 Minen ausgebaut.

An der übrigen O st f r 0 n t schreitet die Säube-

Heute liegt die Stadt zwischen zwei Feuern. Sewa- stopol ist aus dem Krimkrieg her für alle Volker Sowjetunion ein Symbol. Darum wurde es den Bolschewisten mit letztem Einsatz verteidigt.

Der gesamte Nordteil Sewastopols in deutscher Hand.

Der Sturm ausStaliu" uudMim Gorki"

Berlin, 19. Juni. (DNB.) Während im Nord­teil des Festungssystems von Sewastopol eine Kampfgruppe das Süduser des Belbek-Flusses säuberte, durchstießen andere Truppen die Ortschaft Bartenjewka und nahmen weitere Befehd gungenswerk" sowie stark ausgebaute Hohen: feind­liche Kräfte wurden in einem großen Stampfroert eingeschlossen, wo noch in den letzten übrig gebliebe­nen Panzerkuppeln Widerstand geleistet wird. Zu gleicher Zeit erreichten andere Truppen im unauf­haltsamen Vorwärtsstürmen, wobei das Abwehr­feuer der letzten Befestigungswerke durch Artillerie- und Fliegerbomben niedergehalten wurde, das Nord­ufer der Sewernaja-Bucht in breiter Front. Diese Bucht bildet den natürlichen Hafen Sewastopols.

Die Einschließung von Sewastopol begann im November. Die Stadt wurde zum erstenmal am 11. November im Wehrmachtbericht erwähnt. Je­doch war die Vertreibung der Sowjets damals uno wiederum im Mai von der östlich aelegenen Halb­insel Kertsch wichtiger als die Einnahme von toeroa- ^°Sewaftopol mußte gestürmt werden als es so weit war. Der Zeitpunkt war nach der zweiten siegreichen Schlacht um Kertsch gekommen deren Abschluß am 20. Mai bekanntgegeben wurde. Am 5. Juni begann der Kampf um Sewastopol. Der deutsche Angriff setzte im Nordwesten am 5. Ium ein Am 14. Juni begannen die Sturmangriffe auch auf die Südfront. Im Gegensatz zum Krimkrieg haben die Bolschewisten von vornherein Sewastopol auch zu Lande durch einen ausgedehnten Festungs­gürtel geschützt, dessen eigen icher Kern noch immer eine Tiefe von 10 bis 20 Kilometer hatte. Das Er gebnis, das der Wehrmachtbericht vom 19. Ium meldet, ist die Sperrung der Einfahrt zum Hafen von Sewastopol. Damit hat Sewastopol au gehört, eine Seefestung zu sein. Damit ist die Zuschließung vollzogen. Die Bucht von Sewastopol ist an ihrem

Berlin, 19. Juni. Das seit Monaten heiß um- kampfte FestungswerkM a r i m G 0 rk i", die 30. Festungsbatterie von Sewastopol im Norden der Emschließungsfront, wurde durch das Zusammen­wirken aller Waffen des Heeres und der Luftwaffe systematisch zertrümmert. In pausenlosen Angriffen stürzten sich Sturzkampfverbände auf die feuer­speienden Geschütztürme und Panzerkuppeln. Schwere Batterien hämmerten auf die Betonwände, wahrend sich im Schutze künstlichen Nebels Infanterie und Pioniere unter Führung des mit dem Eichenlaub ausgezeichneten Obersten- Hitzseld an die mit ihren unterirdischen Gängen etwa 1 km langen Felsbefestigungen heranarbeiteten. Endlich war auch das letzte 'der 30-am-Geschütze zum Schweigen ge­bracht so daß Infanterie und Pioniere nach einem kurzen Feuerschlag irt das Festungssystem einbringen konnten, um die Gräben und Bunker auszurauchern und das Werk nach erbittertem Kampf Mann gegen Mann fest in deutsche Hand zu bringen. Die Haupt­feuerkraft dieses beherrschenden Panzerwerks beruhte in seinen zwei drehbaren G e s ch ü tz t ü r m e n , die den ganzen Abschnitt bis auf 30 Kilometer unter Feuer hielten. Das mit Hochspannungsleitung und unterirdischen Gängen ausgestattete Werk war um­geben von sechs schweren Betonbunkern und dicht verminten Hindernissen. Nach der Einnahme des

Berlin, 19. Juni. (DNB.) Molotow hielt dem Präsidium des Obersten Sowjets eine Rede zur Begründung des Vertrages mit England. Er sagte: Wir müssen daran denken, daß die Heranschaffung der Waffen und des Kriegsmaterials nach der Sow­jetunion keine geringen Schwierigkeiten darstellt. Die deutschen U-Boote und Flugzeuge vollführen andauernde Angriffe auf die Schiffe, die diefe Wast

Stalin"-Bunkersystems hat die deutsche Infanterie hier bewiesen, daß auch die stärksten modernen Be- festigungen der Bolschewisten für sie nächt unein­nehmbar sind.

Auch das auf beherrschender Höhe vor Sewasto­pol gelegene FelsenfortS t a I i n" war durch zahl­reiche natürliche und künstliche Hindernisse einer der stärksten Grundpfeiler in dem neuzeitlichen Ver­teidigungssystem der Seefestung. Mehrere Male hatten Infanterie und Pioniere bereits zum Sturm angesetzt, mehrere Male war das Panzerwerk mit seinen Geschütztürmen zum Schweigen gebracht wor­den. Stoßtrupps hatten die Höhe bereits gestürmt, sie aber wieder verlassen müssen, weil immer wieder der Widerstand der bolschewistischen Besatzung auf­flammte, der es gelungen war, Ersatzgeschütze aus der Tiefe des Festungswerkes heraufzuwinden und in Stellung zu bringen. Nachdem das pausenlose Feuer deutscher Flakartillerie auch diese außer Ge­fecht gesetzt und den Bunker schwer beschädigt hatte, traten Infanterie und Pioniere zum Angriff an. Eine eingebaute Seemine verzögerte für kurze Zeit den Sturm, dann hatten Flammenwerfertrupps die Betonwände erreicht und räucherten den gewal­tigen Bunker aus. Mit erhobenen Händen, ver­wundet und teilweise verbrannt, kamen endlich die wenigen Ueberlebenden des Forts aus den Gräben.

Per deutsche Vorstoß hat damit Stellungen erreicht, von wo aus das Hafengelände von Sewastopol und die Stadt selbst in direktem Beschuß beherrscht wer­den. Vergeblich versuchte der Feind, durch Gegen­stöße die vordringenden deutschen Truppen aufzu­halten. Infanterie, von Sturmgeschützen unterstützt, schlug den Gegenangriff ab und warf im sofortigen Nachstößen den Feind zurück. Danach fiel nach

fen nach der Sowjetunion transportieren. Eine An­zahl Schiffe mit Frachten für die Sowjetunion ist ungeachtet der sie beschützenden Seestreitkräfte un­serer Verbündeten auf dem Wege nach Murmansk urtb Archangelsk gesunken." Molotow gab damit zu, was von London und Washington immer bestritten worden ist. Der Sowjetkommissar hält es sogar für notwendig, um die Verstärkung und Verbesserung dieser Lieferungen besorgt zu sein", denn die Ver- wirklichuna dieser Lieferungen habe eine wichtige Rolle in Der Festigung der freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen der Sowjetunion, England und den UsA. gespielt und werde sie in Zukunft noch spielen".

Schließlich kam der bolschewistische Außenkommis, far dann auf das Thema der Geheimab - machungen mit England zu foredjen. Deren Bestehen ist inzwischen durch eine englische Ver­öffentlichung in denBasler Nachrichten" zugegeben worden. Diese Angelegenheit, die ja gerade in den betroffenen europäischen Ländern höchste Empörung ausgelöst hat, ist Moskau so peinlich, daß Molotow sich zu einem aufgeregten 2lbleugnungsversuch ge­nötigt sah. Er erklärte, irgendwelche Geheimab­kommen seien weder in London, noch in Washington getroffen worden.

Kuba Roosevelts Erpressungen erlegen.

Vigo, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Havanna ist zu einem neuen Glied in Nordamerikas Stütz­punktkette ausersehen. Die kubanische Regieruna hat nach mehrmonatigen Verhandlungen mit Washing- ton sich verpflichtet, die Operationen der Alliierten gegen bie U-Boote ber Achsenmächte mit allen Mitteln zu unterstützen. Als erste Maß­nahme wurde beschlossen, in der Nähe Havannas ein Ausbildungszentrum für nordamerikanische und britische Piloten einzurichten. Eine Abteilung der britischen Luftwaffe soll ständig dort stationiert wer­den. Bemerkenswert ist, daß vor Bekanntgabe des Vertrages der kubanische Ministerpräsident und die übrigen Mnnettsmitcjlieber zurückgetreten finb. Obwohl nichts über die Gründe des Rücktritts verlautet, läßt das Zusammentreffen doch die Ver­mutung aufkommen, baß die angloamerikanische In­vasion von ber Regierung nicht einstimmig gebilligt wirb.

Oie Schlacht bei Tobruk

Die beiben Jahrzehnte zwischen den Weltkriegen war die Zeit der kühnsten Spekulationen über die Entwicklung der Kriegführung unter dem Einfluß ber modernen Technik. Nicht nur am Stammtisch, sondern auch in der militärischen Fachliteratur wurde damals häufig die Auffassung vertreten, daß im Zeitalter der Mechanisierung und Motorisierung das raumenge, dichtbesiedelte alte Europa nicht mehr hinreichend Platz bieten werde für Aufmarsch und Entfaltung von modern ausgerüsteten Mil­lionenarmeen, der breite Wüstengürtel Nordafri» kas werde vielmehr der Kriegsschauplatz von mor­gen fein. Hier im schier unbegrenzten Raum würden Panzerarmeen und Luftgeichmader aufeinander, prallen und die Entscheidung suchen. Das nwchte für. die Kulturvölker Europas recht tröstlich klingen. Aber schon die ersten Feldzüge des neuen Welt­krieges haben die-se Propheten eines anderen belehrt. Die historischen Schlachtfelder Polens zwischen Weichsel und Karpaten wurden der Schauplatz der ersten großen Erfolge der neuen Strategie Abo st Hit­lers, der mit der genialen Intuition des geborenen Feldherrn die Lehren von Leuktra und Cannae, von Leuthen und Austerlitz, von Sedan und Tannenberg weitergebildet und bie hervorstechendsten Waffen des modernen Krieges, Panzerwagen und ' Flugzeug, für fein strategisches Ziel der Umklammerung und völligen Vernichtung des eingekesselten Feindes mit höchstem "Effekt einzusetzen verstand. Das folgende Frühjahr brachte wiederum auf den traditions­reichen Schlachtfeldern Belgiens und Nordfrank- reichs Entscheidungen von größter Tragweite und im Frühsommer 1941 bewährten sich neue Strategie und neue Waffen sogar in den zerklüfteten, roege- armen Gebirgen Serbiens und Griechenlands, wo bas Gelände jede breite Entfaltung verbot. Die Wüste, die man für den idealen Operationsraum moderner mechanisierter und motorisierter Massen- heere gehalten hatte, wurde erst Kriegsschauplatz nach dem Eintritt Italiens in den Krieg, und es ist bezeichnend, daß es nicht strategische, sondern vor­wiegend politische Gründe waren, die die Briten bewogen, von der Westgrenze Aegyptens aus den Vorstoß in die Wüste zu wagen, um die Gegenküste Italiens in ihre Hand zu bekommen und das Mit- telmeer, die wichtigste Verbindungsstraße des Em­pire, zu sichern.

Die Wüste schien auch den Gesetzen der modernen

Afrikasoldaten in der Marmaricaschlachi.

Von Kriegsberichter H. Herlyn.

PK. ... In den Nadis, an den felsigen Djebeln, in den Geröll halben und auf ben unabsehbaren weiten Sandflächen der Marmarica hallt es von wildem Kampflärm wider. Erbittert wird gekämpft, »und Gefechtsstrapazen und Ueberraschungen rt sind groß. Es ist eine Schlacht, wie sie nur in Afrika, in den grenzenlosen, menschenleeren, unbesiedelten Weiten der Wüsten dieses rätselvollen Erdteiles geschlagen werden kann.

Das Höchstmaß an bedrückender, die Seele be­klemmender Dürftigkeit und Oede offenbart sich in dem die Form des Kampfes so wesentlich rnitbe- stimmendem Gelände, in dem unsere Soldaten unter Aufbietung aller körperlichen und seelischen Kräfte gegen einen mit Waffen, Gerät und Munition gut ausgerüsteten, zähen Gegner kämpfen. Es ist mör­derisch heiß. Höllenglut brennt aus Sand und Ge-

In einem Kampfabschnitt der nordafrikanischen Wüste steht Flak in Bereitstellung. Unweit der Geschütze haben sich die Flakkanoniere Deckungs­löcher gegraben.

(PK.-Aufn.: Kriegsberichter Zwilling. jSch.j)

stein, strahlt erbarmungslos Hemieder vom flim­mernden Himmel. Das Thermometer zeigt Hitze­grade an, bei denen sonst der weihe Mann aus Europa nur bei ausgiebigstem Nichtstun im Schat- ten das Leben überhaupt ertragen zu können ver­meint. Jetzt schaut jedoch niemand auf die Queck­silbersäule im Glasröhrchen. Niemand hat Zeit, kühlespendenden Schatten sofern die Spur eines solchen überhaupt zu entdecken wäre aufzusuchen, denn der Kampf regiert d i e Stunde. Die Stunde? Nein, die endlos langen Tage, die Nächte, die taum einen Hauch von Kühle in dieser Jahreszeit bringen. Dann steht der grimmigste Feind des Wüstenkämpfers, der Durst, gegen bie Soldaten auf. Er peinigt gleichermaßen die Deut­schen, wie die Italiener, die Tommies und was unter brauner ober schwarzer Haut in englischer Uniform in der Wüste kämpfen muß.

Wasser"Aqua"Water"! Wasser, ja Wasser, stehen die Verwundeten, die Erschöpften,

die nirgends zurückgelassen werden können, die alle beschwerlichen Wüstenfahrten mitmachen müssen, bis sich Gelegenheit zum Rücktransport ergibt Wasser, klares, kühles Trinkwasser, ist ber Wunsch all berer, die in ben glühendheißen Panzern sitzen, berer, die jederzeit zum Abspringen und Kämpfen bereit auf den Kraftwagen hocken, die verstaubten Gesichter mit den rotumränberten Augen darin spähend feinbroärts gewandt. Wasser den­ken die Kanoniere, die in oft unmenschlich harter Arbeit ihre schweren Geschütze durch die Unweg-' samkeit des toten Landes voran quälen, in dem der Tod jetzt so reiche Ernte hält. Längst darf sich nie­mand mehr waschen, rasieren oder bie Zähne putzen. Das Wasser ist genau eingeteilt; jeder be­kommt für den Tag seine kleine, nach Schlucken einteilbare Menge gerade soviel, daß er nicht verdurstet.

Für die Gefangenen, deren Schar von lag zu Tag an wächst, kann, bis neue Wasserkolonnen über weite Entfernungen von den rückwärtigen Wasser­stellen heran sind, nur das Wasser aus den ge­ringen Beutebeständen freigegeben werben. Der quälende Wassermangel zwingt an einer Stelle den Feind, seinen ersten Parlamentär zu senden. Von eisgekühltem Bier, vom Wein ist bei uns Wüsten» folbaten jetzt schon lange nicht mehr die Rede einfaches Trinkwasser rechnet zu den höchsten Gü­tern, ist der köstlichste Genuß. Ein Glas mit saube­rem, kühlen Quellwasser gefüllt, ist gewiß manches Soldaten letzter Wunsch gewesen, den der Tob im Gefecht, auf dem Wüstenmarsch oder in seinem Deckungsloch in der Stellung jäh mit pfeifendem Geschoß oder surrendem Granatsplitter erreichte.

Wer vom Durst spricht, muß auch vom Ghibli, vom würgenden Sandsturm sprechen, der bie Wüste zur Holle macht, mehr noch als Sonne und Dürre allein. So bicht wirbelte er bie wolkenhohen, sticken- ben Staubschleier auf, von Horizont zu Horizont, baß kaum jemand mehr zu unterscheiden vermochte, wo Freund ober Feind sich befand. Die Staub­wolken waren so dicht, daß wir in den Kampfkolon­nen, in den oft viele Kilometer langen Versorgungs­geleitzügen, bei den Erkundungsabteilunqen, m i t dem Kühler amSchlußlichtdes Vorder­fahrzeuges fahren mußten, um ja nicht abzu­reißen und damit so gut wie sicher verloren zu sein, in der Wegelosigkeit, in der unter dem Flugsande, einem halben Schritt seitwärts vom Wege der M i n e n t 0 d lauert, in der ohne Kompaß es kaum ein Zurückfi-nden zur Truppe gibt. Und Sand, heißer, brennender, prickelnder, peinigender Staub- fand überall in den Augen, ben Ohren, im Munde, in ber Nase, trotz Schutzbrille unb Gesichtstuch, Sand in ben Waffen, in den Motoren, Sand, den der blutheiße Wüstenwind aufwirbelt unb Sand, den krepierende Granaten plötzlich rechts und links mit­ten zwischen ben Fahrzeugen, ben Geschützen, den stachen Deckungslöchern mit jähem, hartem Krach aufjagen.

Wir haben frohmachende und wir haben schwere Tage in dieser Zeit zusammen erlebt mit alten Afrikakämpfern unb mit jungen Soldaten, die jetzt in ihren ersten Afrikakampf zogen. Wir sahen sie kämpfen und siegen, sehen sie zuversichtlich unb schweigsam, mit solbatischem Gleichmut bie Gefahren bes Kampfes unb bie der menschenfeindlichen Wüste bestehen unb wissen, es sind Soldaten, auf die nut Recht big Heimat stolz sein barst